Friedrich Küppersbusch kehrt zurück auf den Bildschirm. Vom 10. Juni an moderiert er die Sendung »Tagesschaum«, die sich bis zur Bundestagswahl dreimal die Woche jeweils gut zehn Minuten lang mit dem politischen Thema des Tages beschäftigt. Es soll kein Magazin werden, keine Talkshow, keine Comedy, sondern eine pointierte Einordnung der Themen und Ereignisse mit Haltung. Man wolle »die Leute mit sanftem Nachdruck bis an die Tür des Wahllokals begleiten«, sagte Küppersbusch der »taz«. Die Sendung sei »die ›Tagesschau‹ auf Koks«.
Dass der WDR eine meinungsstarke politische Sendung vor der Bundestagswahl ins Programm nimmt, ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einigermaßen revolutionär. »Tagesschaum« läuft montags, dienstags und donnerstags auf YouTube und um 23:15 Uhr im WDR-Fernsehen.
Und ich freue mich doppelt darauf, denn ich bin als Autor in der Redaktion dabei.
Die VG Wort verweigert jede Auskunft über die Hintergründe ihrer fragwürdigen Kampagne zum Urheberrecht. Sie sagt nicht, was sie gekostet hat. Sie sagt nicht, wie sie finanziert wurde. Sie will nicht einmal sagen, von welchem VG-Wort-Gremium sie beschlossen wurde.
Immerhin das weiß ich nun, nach siebenmaligem Nachfragen und drei Wochen Wartezeit: dass ich keine Antworten bekomme. Selbst die Frage, ob die VG Wort zu diesem Thema keine Auskunft gibt, wollte mir Pressesprecherin Angelika Schindel zunächst nicht beantworten. Gestern Abend nun schrieb sie mir immerhin:
Wir haben Ihren Blog zur Kenntnis genommen und sehen keine Veranlassung, weitere Auskünfte zu geben.
Ursprünglich hatte sich die VG Wort zu der Äußerung hinreißen lassen, die Aktion »Wir geben 8 (auf das Urheberrecht)« sei »in den Gremien der VG WORT ausführlich beraten und beschlossen«. Schon die schlichte Nachfrage, um welche Gremien es sich konkret handele, ließ den Verein verstummen.
Das lässt mich befürchten, dass die VG Wort einen guten schlechten Grund hat, etwas zu verheimlichen. Mindestens beweist es ein Selbstverständnis, das mich erstaunt und empört.
Die Verwertungsgesellschaft nimmt eigentlich treuhänderisch für mehrere Hunderttausend Urheber wie mich Verwertungsrechte wahr. Es ist nicht ihr Geld, das sie verwaltet, sondern unser Geld.
Und dieser Verein, der ein Monopol auf diese Aufgabe hat, sieht »keine Veranlassung«, einfache Fragen der Menschen, deren Rechte er vertreten muss, über den Umgang mit diesem Geld zu beantworten?
Dreharbeiten zur Folge »Auftrag aus dem Jenseits«: Regisseur Arne Feldhusen, Heiko Schotte (Bjarne Mädel), Kameramann Kristian Leschner (von links). Foto: NDR.
Es sind zwei neue Folgen vom »Tatortreiniger« fertig, und sie sind sehr fein geworden. Aber im Fernsehen werden sie vorerst nicht zu sehen sein. Gestern konnte man sie sich in vielen Städten im Kino ansehen, und in ein paar Wochen sind sie auch auf DVD erhältlich. Aber der NDR, der sie in Auftrag gegeben hat, meint, im regulären Programm nach wie vor keinen Platz für seine preisgekrönte Serie zu haben.
Die fertigen neuen Folgen werden deshalb erst wieder im sogenannten »Weihnachtssonderprogramm« im NDR-Fernsehen laufen, also grob in der ersten Woche des Jahres 2014. In dieser Weinachtsferienzeit bricht der Sender traditionell vorübergehend seinen Programmschemabeton auf und wagt das Unglaubliche: Er zeigt an einem Mittwochabend um 22 Uhr etwas anderes als eine Wiederholung des »Großstadtreviers«. (Morgen läuft zum insgesamt sechsten Mal die Folge 188 aus dem Jahr 2003.)
Ja: Wenn es dem deutschen Fernsehen schon mal gelingt, herausragende Serien zu produzieren, findet es dafür angeblich keinen Platz in seinem Programm. Die zweite Staffel der ebenfalls preisgekrönten DDR-Serie »Weissensee« ist seit dem Sommer vergangenen Jahres fertig und wartet darauf, dass das Erste irgendwann damit aufhört, am Dienstag um 20:15 Uhr »Um Himmels Willen« und »Tierärztin Dr. Mertens« zu zeigen. Im September soll es endlich soweit sein — das ist dann knapp drei Jahre nach dem Ende der ersten Staffel. Auch die »Weissensee« ist nun immerhin von der Produktionsfirma Ziegler Film vorab auf DVD veröffentlicht worden.
Man mag sich nicht ausmalen, was passieren könnte, wenn der NDR aufhörte, in seinem Programm nach einem Sendeplatz für den »Tatortreiniger« zu »suchen« und stattdessen einen schafft. Und dann umgekehrt nach Programmen suchen könnte, die dort auch hinpassen würden: Feine amerikanische Serien zum Beispiel, für die die ARD die Rechte hat, wie »Taras Welten« (Erstausstrahlung war 2011 auf dem damaligen US-Serienplatz der ARD: Freitagsmorgens nach 2 Uhr.)
Und dann, womöglich, sogar gezielt Programme für einen solchen Sendeplatz in Auftrag zu geben: Kleine, besondere, humorvolle, genau beobachtete, liebevoll gemachte deutsche Serien, nicht zu teuer, die nicht unbedingt ein Viele-Millionen-Publikum ansprechen, aber eine treue Fangemeinde glücklich machen. Sowas wie den »Tatortreiniger«, bestenfalls.
In »Auftrag aus dem Jenseits« trifft Bjarne Mädel als Schotty in einem heruntergekommenen, abgelegenen, alten Haus eine andere Art von »Tatortreiniger«: einen Schamanen, der der Seele des dort umgekommenen Obdachlosen helfen will, den Ort zu verlassen. Der bodenständige Schotty glaubt natürlich nicht an so einen ebenso okkulten wie geschäftsträchtigen Hokuspokus, aber dann entdeckt der Schamane mit seinen guten Verbindungen ins Jenseits einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen ihm und dem Toten. Die Geschichte lebt vom wunderbar irre spielenden Milan Peschel und balanciert auf den Klischees — gerade, wenn es abgeschmackt werden könnte, nimmt sie einen unerwarteten Abzweig zurück in die schnöde Realität und auf den Boden der billigen Komik.
»Angehörige« schafft einen ähnlichen Balanceakt zwischen Pathos und Witz. Hier landet Schotty in der Wohnung eines Verstorbenen, der nach vielen Jahren als vermeintlich heterosexueller Familienvater sein Coming-Out hatte. Sein bester schwuler Freund Fanny Fee (Florian Lukas) will nun die Leiche entführen, um ihm ein angemessen schwules Begräbnis zu verschaffen — im Kreise seiner wahren Familie, wie er sagt.
Durch einige sehr aberwitzige Zufälle sind Schotty und die Tunte dann in einer telefonzellengroßen Kiste gefangen — schätzungsweise die Hälfte der Folge spielt auf diesem engsten Raum, ein grandioses Kammerspiel in einem Kammerspiel.
Aus dem Aufeinandertreffen (und –liegen) von Schotty mit Fanny entwickeln sich einige erstaunlich tiefgründige Gespräche über Identität und Glück. Und immer, wenn die Geschichte gerade allzu moralisch zu werden scheint, schlägt die Handlung einen Haken zur Comedy und umgekehrt.
Christian Granderath, der zuständige Fernsehspielchef des NDR, ist sehr zufrieden damit. Und so sieht es danach aus, dass der Sender weitere Folgen in Auftrag gibt, auch ohne Sendeplatz. Granderath bestätigt die Absicht, diesmal sogar gleich sechs weitere Ausgaben zu bestellen — das wären die Folgen 10 bis 15. Drehstart könnte im Oktober sein, deutete Regisseur Arne Feldhusen gestern im Kino an. (Mit einer Ausstrahlung würde man dann vermutlich ungefähr im Januar 2015 rechnen können, nehme ich an, Weihnachtssonderprogramm, Sie wissen schon.)
Die VG Wort will mir nicht sagen, ob eine ärgerliche Kampagne, in der sie die Debatte um die Zukunft des Urheberrechts auf unterstem Niveau festzementiert, womöglich von mir mitbezahlt ist.
Die VG Wort ist so etwas wie die Gema für Texte und eigentlich eine gute Idee. Als Verwertungsgesellschaft sammelt sie unter anderem die Urheberrechtsabgaben ein, die pauschal zum Beispiel beim Kauf von Kopiergeräten, DVD-Rohlingen und USB-Sticks erhoben werden, und schüttet sie an die Autoren aus. Auf diese Weise erhalten die Urheber einen Ausgleich dafür, dass Konsumenten ihre Werke für private Zwecke vervielfältigen dürfen.
Vor drei Wochen nun hat die VG Wort eine neue »Kommunikationsplattform« gestartet, mit der sie sich »verstärkt für die Rechte der Autoren und Verlage einsetzen« will. Unter wir-geben-8.net hat sie »8 Positionen zum Urheberrecht« veröffentlicht und lässt mehrere Prominente erklären: »Wir geben 8 aufs Wort.«
Es handelt sich um eine Art Remake der organisierten Aufschreie »Mein Kopf gehört mir« und »Wir sind die Urheber« aus dem vergangenen Jahr und dokumentiert in ähnlicher Weise den Willen, komplexen Problemen durch Pauschalurteile und Platitüden zu begegnen.
Den Vogel aber schießt Denis »Blackface« Scheck ab, der beim Gehen in die Kamera spricht:
»Der Pirat, schrieb Cicero, ist ein Feind aller Menschen: communis hostis omnium. Heute, 2000 Jahre später, gibt es neue Piraten, die sich an den Urheberrechten von Autoren vergreifen. Dagegen sollten wir uns alle wehren. Gegen alte Feinde helfen altbewährte Mittel.«
Das ist das vollständige Zitat von Scheck.
Was möchte der ARD-Moderator uns mit diesen Worten sagen? Worin bestehen die »altbewährten Mittel« und wie »helfen« sie, um das Urheberrecht zu schützen?
Man weiß, was Cicero meinte: Piraten sind keine normalen Feinde. Sie stehen außerhalb der Gemeinschaft der Menschen. Sie sind die Terroristen seiner Zeit. Die üblichen Regeln beim Umgang mit Kriegsgegnern gelten nicht. Im Kampf gegen sie ist jedes Mittel recht.
Wenn man also gutwillig unterstellt, dass Denis Scheck einen Beitrag zur Urheberrechtsdebatte leisten wollte, dann ist dies sein Beitrag zur Urheberrechtsdebatte: Der Kampf gegen Schwarzkopierer soll ohne Rücksicht auf Verluste geführt werden.
Ich habe bei der VG Wort nachgefragt, ob das auch ihre Position ist, dass im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen jedes Mittel recht ist, und inwiefern das »hilft«.
Nach kaum mehr als zehn Tagen rang sich Pressesprecherin Angelika Schindel zu einer Antwort durch:
Sowohl Inhalt als auch Form der Kampagne »Wir geben 8 aufs Wort« wurden in den Gremien der VG WORT ausführlich beraten und beschlossen.
Autoren und Verleger äußern sich mit ihren persönlichen Botschaften zum Thema »Urheberrecht« auf der Plattform. Die VG WORT kommentiert diese Stellungnahmen nicht, sondern freut sich über alle Autoren und Verlage, die sich im Rahmen dieser Aktion für das Urheberrecht einsetzen.
Ich übersetze das mal frei mit: Solange sich die Prominenten irgendwie »für« das Urheberrecht aussprechen (was immer das bedeuten mag), ist der VG Wort jeder Unsinn recht.
Er hat die Anschlussfähigkeit eines Brunftschreis in einem artfremden Gehege. Hier will jemand ein Revier markieren, ohne zu bemerken, dass diese Markierung alle Grenzen überschreitet. Selbst wenn die Aussage — weniger gewitzt — einfach nur gelautet hätte »Urheberrecht find ich gut« (von dem Format sind andere Beiträge auf der Seite), krankt sie aber noch an einem zweiten Problem: Sie ist keine Antwort auf die Herausforderung. Denn natürlich ist das Urheberrecht wichtig, darüber streitet in Wahrheit niemand. Die Auseinandersetzung muss im Sinne einer offenen Gesellschaft über die Frage geführt werden, welche Durchsetzungsmaßnahmen die Gesellschaft für angemessen hält — und wie man die Akzeptanz des Urheberrechts steigert. Und hier wird das ganze Dilemma der 8-geben-Kampagne (übrigens auch eine Website für Kleintierpflege) offensichtlich: Die Wortmeldungen auf der Seite legen nahe, der Herausforderung der digitalen Kopie sei allein und zuvorderst durch moralische Kampagnen zu begegnen.
Die VG-Wort-Kampagne ist deshalb ärgerlich, und für mich ganz besonders, weil ich einer der »mehr als 400.000 Autoren« bin, deren Rechte und Ansprüche die VG Wort verwaltet und in deren Namen sie scheinbar spricht. Meine Frage, welche VG-Wort-Gremien konkret die Kampagne »beraten und beschlossen« haben, hat die Pressesprecherin bislang nicht beantworten wollen.
Immerhin bekam ich von ihr eine Art Antwort auf die Frage, warum die VG Wort sich überhaupt berufen fühlt, politische Kampagnen zu fahren — in ihrer Satzung fand ich keinen Hinweis darauf, dass das ihre Aufgabe ist. Frau Schindel verweist mich auf das »Handbuch des Urheberrechts, Loewenheim, 2. Auflage, S. 789 ff.«, wonach zu den »selbstverständlichen Aufgaben von Verwertungsgesellschaften auch die Verfolgung gemeinsamer Ziele der von uns vertretenen Berufsgruppen« gehöre. Die VG Wort nehme deshalb »regelmäßig Stellung zu laufenden Gesetzgebungsverfahren oder urheberrechtspolitischen Diskussionen« und sei »insoweit ein wichtiger Ansprechpartner für Ministerien, politische Parteien, Verbände etc.«
Bleibt noch die Frage, wer diese vergurkte Kampagne bezahlt. Ich habe die VG Wort vor drei Wochen gefragt, wieviel die Aktion kostet, aus welchen Mitteln sie finanziert wird und ob sie die Ausschüttungen an die Wahrnehmungsberechtigten (wie mich) mindert. Frau Schindel hat die Frage nicht beantwortet; nicht einmal die Nachfrage, ob sie mir die Fragen nicht beantwortet.
Die »aktuelle«, die Qualitätsquatschillustrierte der WAZ, hat mehrere Indizien dafür, dass mit der Ehe von Günther Jauch möglicherweise etwas nicht stimmt. Eins davon ist, dass er bei einem der seltenen öffentlichen Auftritte mit seiner Frau neulich »Jeans und Schlabber-Rolli in Beige« trug. Aber ein schrecklicher Pullover reicht der »aktuellen« natürlich noch nicht für eine spektakuläre Titelgeschichte (jedenfalls diesmal nicht). Und so lautet die Quizfrage in unserer beliebten Reihe heute:
Was ist das »Erstaunliche«, das die »aktuelle« im Zusammenhang mit dem Privatleben von Herrn und Frau Jauch entdeckt hat und sie zu einer »Spurensuche« veranlasste?
(Kleiner Tipp: Bei einem anderen Paar, das sich inzwischen getrennt hat, »fing’s genauso an…«.)