Gerechtigkeit für Revolverheld!

30 Okt 14
30. Oktober 2014

Ja gut. Dieser Blog-Eintrag wär jetzt echt nicht nötig. Aber irgendwie hat’s mir dann doch keine Ruhe gelassen, nachdem dieses schockierende Video in den letzten Tagen in den sozialen Medien die Runde machte:

Hochgeladen wurde es mit der Beschriftung „Revolverheld Worst Performance EVER“, und verbreitet unter anderem vom populären Bürozeitvertreibsblog Schlecky Silberstein:

Live und scheiße – Der mieseste Revolverheld-Auftritt aller Zeiten

Tja Revolverheld, der Plan ging nicht auf: Vor den 30 Zuschauern der NDR-Show DAS! muss man einen Auftritt also nicht sauber proben. Das sieht eh keiner. Also ging die Band direkt vom Drogen-Strich Neuharlingersiel ins Studio. Motto: Wir fiedeln das hier runter, nehmen die 300 Euro und Abflug. Da wurde leider die Rechnung ohne das Internet gemacht. Viel Spaß mit der beschissensten Version von “Ich lass für Dich das Licht an”, die Ihr heute hören werdet. Die Vollpfosten.

In den Kommentaren herrscht ein gewisses Rätselraten, ob Blogger Christian Brandes das Fake wirklich nicht als solches erkannte. Auch die Seite Testspiel.de präsentierte ihren Lesern das Video und staunte:

Revolverheld mit der vielleicht miesesten Performance von “Ich lass für Dich das Licht an” ihrer Karriere in der NDR Sendung „DAS!“. Unplugged. Wir sind sprachlos und schaffen es noch nicht einmal mehr, unsere Stimme gegen Revolderheld zu erheben.

Ja. Nun. Also, jedenfalls: Das hier war der mieseste Revolverheld-Auftritt aller Zeiten So klang es wirklich, als Revolverheld live bei „DAS!“ auftraten:

Gern geschehen. Und wär nicht nötig gewesen, weiß ich schon.

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Super-Symbolfoto (107)

28 Okt 14
28. Oktober 2014

Aus dem „Titelschutzjournal“.

[eingesandt von Martin K.]

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Udo Ulfkotte: Wie die FAZ mich aus den Fängen des BND rettete

28 Okt 14
28. Oktober 2014


Ulfkottes Danksagung an den BND und die Welt in seinem Buch „Verschlusssache BND“, 1997

Zu den aufregendsten Geschichten, die Udo Ulfkotte in seinem vor Fehlern strotzenden Bestseller „Gekaufte Journalisten“ erzählt, gehört die, wie zwei Schlapphüte vom Bundesnachrichtendienst bei der FAZ in einem Besucherraum saßen und ihm seine Artikel diktierten. „Absatz für Absatz“ hätten sie ihm 1993 weitgehend vorgegeben, was er über eine Giftgasfabrik in Libyen schreiben sollte, bei deren Bau europäische Unternehmen halfen. „Der BND machte das damals, mit Wissen deutscher Medienhäuser, nach Angaben seiner Mitarbeiter bei vielen Zeitungen so“, behauptet Ulfkotte.

Ich habe Zweifel daran, dass das so war, selbst im Fall von Ulfkotte. Denn Ulfkotte hat über diese BND-Connection selbst vor Jahren schon geschrieben, den Fall damals aber in entscheidenden Details anders dargestellt.

Im Jahr 2006 hatte Ulfkotte die FAZ längst verlassen. Er arbeitete als „Chefkorrespondent“ bei der Zeitschrift „Park Avenue“, einem kurzlebigen Versuch des Verlages Gruner+Jahr, eine Art „Vanity Fair“ zu machen. In der Ausgabe 07/2006 veröffentlichte er unter der Überschrift „Liebesgrüße aus Pullach“ einen langen Artikel darüber, wie der BND angeblich versuchte, ihn anzuwerben, und dann seine Naivität ausnutzte und ihn als Sprachrohr benutzte. Die über zwei Seiten lange Schilderung, wie die erste Kontaktaufnahme geschah, hat Ulfkotte Wort für Wort, nur mit winzigsten Änderungen, aus diesem Zeitschriftenartikel in sein Buch übernommen.

In dem acht Jahre alten „Park Avenue“-Stück kommt auch die Episode mit dem Artikel über die Giftgasfabrik vor. Aber es ist keine Rede davon, dass ihn die BND-Leute für ihn formuliert hatten, womöglich gar in der Redaktion sitzend. Ulfkotte schreibt stattdessen:

Ich wurde von BND-Leuten über alle Details dieser 1993 im Bau befindlichen Anlage informiert und schrieb dazu in der FAZ.

Er habe mangels eigener Kenntnisse ungeprüft exklusive Nachrichten veröffentlicht, „die der BND offenbar — im Nachhinein muss ich es so sehen — lanciert hatte, damit sie bemerkt würden“.

2006 schildert Ulfkotte es also so, dass er erst rückblickend gemerkt habe, dass der BND über ihn Nachrichten lanciert habe. 2014 behauptet er, die Texte seien ihm Absatz für Absatz diktiert worden.

Auch die Rolle, die die FAZ in diesem Spiel einnimmt, beschreibt Ulfkotte heute plötzlich ganz anders als damals. In der Darstellung in seinem aktuellen Buch ist die FAZ ein skrupelloses, korruptes Unternehmen, das ihn in die Arme des Geheimdienstes trieb und sogar mit Entlassung drohte, wenn er sich weigere, zum willenlosen Sprachrohr der Dienste zu werden:

Die FAZ ermunterte mich ausdrücklich dazu, den Kontakt zu westlichen Geheimdiensten zu verstärken und freute sich, wenn ich die mitunter von dort zumindest in Stichworten vorformulierten Berichte mit meinem Namen versah. (…)

Man war bei der FAZ richtig stolz darauf, dass man gute Kontakte zu „Geheimdienstkreisen“ hatte. (…) Ich habe daran zwar freiwillig mitgewirkt, aber mir wurde auch mitgeteilt, dass ich entlassen werden könne, wenn ich da nicht mitmache.

Vor acht Jahren schilderte er das noch ganz anders. Damals war die FAZ noch in der Rolle des besorgten Arbeitgebers, der vor zuviel Nähe warnt. Im Zusammenhang mit den Kontakten zum BND, der Ulfkotte bei einem Besuch in München angeblich die Möglichkeit zu einer vertraulichen Verbindung schuf, schrieb er:

Natürlich hatte ich die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über alle Vorgänge unterrichtet. Der Kontakt war erwünscht, die Skepsis groß. Reisen und Gespräche durften nur mit Dienstreiseantrag und auf Kosten der FAZ unternommen werden. Eine weise Entscheidung.

Ulfkotte beschrieb sich selbst damals als unendlich naiv:

Ich hatte zu wenige Kontakte, die mir geholfen hätten, das vom BND Gehörte — es ging dabei ums Ausland, überwiegend den Nahen Osten — gegenzuprüfen. Ich nahm die Informationen eins zu eins für bare Münze.

Erst später habe er sich Distanz erarbeiten können, vor allem, weil die FAZ ihn immer wieder unterstützte, wenn er unlautere Ansinnen des BND zurückwies. Schließlich veröffentlichte er aus dem ganzen Material, das ihm zugesteckt wurde, ein Buch, das angeblich ein Befreiungsschlag war:

Der BND wollte das Manuskript vor der Veröffentlichung gegenlesen. Mit Rückendeckung der FAZ-Herausgeber lehnte ich das ab. Alle Drohungen aus Pullach halfen nichts, wir blieben bei der Haltung.

Das Buch „Verschlußsache BND“ erschien. Mit einem Schlag hatte ich mich aus dem Spinnennetz befreit. Das habe ich vor allem den Herausgebern der FAZ zu verdanken. Ohne ihre Loyalität hätte ich dem Druck kaum standgehalten.

Die FAZ, die dem unbedarften Jung-Redakteur, der dem BND auf den Leim gegangen ist, hilft, davon wieder Abstand zu gewinnen — das ist ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was Ulfkotte heute über seinen ehemaligen Arbeitgeber erzählt. Dafür ist die heutige Geschichte natürlich ungleich aufregender und verkauft sich besser.

Als gesichert kann gelten, dass Ulfkotte grenzenlos gutgläubig war und auch in diesem Fall — wie auch bei bezahlten Einladungen zu Luxusurlauben — außerordentlich leicht zu beeindrucken, um nicht zu sagen: käuflich. Er selbst schilderte es 2006 in „Park Avenue“ so:

Ich war 33 Jahre alt und hatte Berührung mit dem Geheimsten alles Geheimen. Das ist es, wovon jeder Journalist träumt: mehr zu wissen als andere, eine Quelle aufzutun, die andere nicht haben. Besser zu sein als die anderen.

Das „Park Avenue“-Stück hat damals kaum Aufsehen verursacht. Aber inzwischen hat er einen Weg gefunden, aus solchen Geschichten Bestsellermaterial zu machen. Er stellt sein persönliches Versagen nachträglich als System dar. Dass die FAZ und vage als „renommierte deutsche Zeitungen“ bezeichnete Medien sich willentlich zum Handlanger des deutschen Auslandsgeheimdienstes machen und von ihm Artikel diktieren ließen, ist aber eine bloße Behauptung — die auch noch dem widerspricht, was er selbst vor acht Jahren über den Fall veröffentlichte.

[Offenlegung: Ich schreibe regelmäßig frei für die FAZ.]

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Judd Nelson lebt, während andere von seinem angeblichen Tod profitieren

von Boris Rosenkranz
27 Okt 14
27. Oktober 2014

In den USA rast seit gestern diese Meldung durch die sozialen Netzwerke:

Falschmeldung zum angeblichen Tod von Judd Nelson

Sie wird getwittert und geteilt, allein auf Facebook inzwischen mehr als 200.000 Mal. Nur die Originalquelle. Und die Nachricht vom Tod des Schauspielers geht immer noch rum, dabei ist sie längst widerlegt. Judd Nelson wurde nirgends tot aufgefunden. Er lebt. Sein Agent bestätigte das gestern gegenüber der „Los Angeles Times“ und schickte ein Foto mit. Es zeigt Nelson mit einer aktuellen Zeitung.

Gestreut wurde die falsche Nachricht von einer Seite mit der Adresse foxnews.es, also scheinbar eine (spanische) Seite des US-Senders „Fox News“ – in der Fakenews-Welt gilt das vermutlich als Ausweis von Seriosität. Doch auf der Seite befindet sich offenbar nichts, bis auf jene Meldung. Und sowieso sollte einen die Aufmachung stutzig machen. Der Betreiber hat sich nicht mal die Mühe gemacht, die Seite so aussehen zu lassen, als wäre sie tatsächlich ein Ableger von „Fox News“. Im Gegenteil: Sie ist geradezu nackt. Oben finden sich die üblichen facebook– und twitter-Buttons. Dann die Überschrift. Werbung. Text. Werbung. Das war’s. Kein Logo. Keine weiteren Texte. Keine Bilder. Nichts.

Falschmeldung auf der Fake-Seite "foxnews.es"

Anderen Screenshots zufolge scheint es jedoch mal eine weitere Version der Seite gegeben zu haben mit einem Foto, das einer Eilmeldung aus dem US-Fernsehen nachempfunden war, inklusive „Breaking“-Banner. Doch ob mit oder ohne Foto: Es hat funktioniert. Auch nachdem die „LA Times“ berichtet hatte, dass die Meldung falsch sei, posteten Fans weiter ihre Trauer über Nelsons Ableben.

Nach Angaben des spanischen Domain-Verwalters Dominios wurde die Seite foxnews.es von einer Person namens Fred Post registriert. Googelt man die dazugehörige Mail-Adresse, stößt man auf weitere Seiten, die mit diesem Namen und dieser Mail-Adresse angemeldet wurden. Als Wohnort gibt Fred Post die Stadt Uvalde, Texas an, was aber wohl so falsch ist wie die Todesmeldung. Und nun wird es spannend: Fred Post gehört auch die Adresse okmagazine.us, die umgeleitet wird auf ebuzzd.com. Und eBuzzd ist mehr als berüchtigt, denn die Seite hat sich zur Aufgabe gemacht, jede Menge Schwachsinn in die Welt zu grunzen.

Fake-Meldung auf ebuzzd.com

Aktuell findet sich dort beispielsweise die Nachricht, Angelina Jolie zeige erste Anzeichen einer Ebola-Erkrankung, was aber auch lediglich eine Grippe sein könne. Das finden manche Menschen vermutlich genau so lustig wie all die anderen Geschichten, mit denen eBuzzd immer wieder für Furore sorgt, vor allem mit Falschmeldungen: Das Magazin verkündete vor ein paar Monaten, Phil Collins sei ein Arm amputiert worden; es schrieb, US-Fernsehstar Austin „Chumlee“ Russel sei gestorben; oder die Schauspielerin Betty White. Alles Unsinns-Artikel und derweil, jedenfalls teilweise, wieder gelöscht. Aber auch sie verbreiteten sich zunächst.

Wer hinter eBuzzd steckt, lässt sich über den üblichen Weg nicht herausfinden; die Seite wurde anonym registriert. Das Online-Magazin „PandoDaily“ aber hat den Mann hinter den Todesmeldungen bereits im Frühjahr enttarnt und sich in einem langen, lesenswerten Artikel mit ihm befasst. Demnach soll es sich um einen 36-jährigen Ex-Trucker aus Texas handeln, der seinen Führerschein nach einem Drogentest verloren hat. Nun besitzt er etliche Websites, die er unter verschiedenen Pseudonymen angemeldet hat. Fred Post, der Name des foxnews-Fakers, ist laut „PandoDaily“ zwar nicht darunter. Aber es kann ja sein, dass er sich inzwischen weitere Pseudonyme zugelegt hat. Jedenfalls sieht die Methode, mit der nun die Falschmeldung von Nelsons Tod viral ging, jener der eBuzzd-Macher ähnlich.

Laut „PandoDaily“ verhöhnen sie die Leser, die auf ihre Falschmeldungen reinfallen. Wer eBuzzd nicht möge, solle die Seite halt nicht besuchen oder teilen, sagt der Chef der Seite. Und sein Bruder äußerte sich in einem (inzwischen gelöschten) Facebook-Post abgeblich so:

Seriously, all of the people that responded to this are idiots! Read the fine print! LOL! It is a webpage for hoaxes! Damn! Get out and do something with your life! Stop letting television rot your brain!

Lustig, nicht? Auch wenn man jetzt nicht genau weiß, wieso das Fernsehen daran schuld sein soll, wenn Menschen auf kalkuliert gestreute Falschmeldugen im Internet reinfallen. Allenfalls offenbaren die Falschmeldungen die Schwachstelle sozialer Netzwerke, in denen alles sofort weitergebrabbelt wird, ohne darauf zu achten, ob die Quelle zuverlässig ist. Die Macher setzen dabei gezielt auf die Schocksekunde: Man liest, dass jemand gestorben ist – und weil einen das so angeht, erzählt man es gleich weiter. Dass das so prima funktioniert, wollen die eBuzzd-Leute wohl als eine Art Medienkritik verstanden wissen. Dabei dürfte der wahre Grund ein anderer, viel profanerer sein: Geld.

Neben den Falschmeldungen steht Werbung, etwa Google Adwords, wie im aktuellen Fall. Damit, so „PandoDaily“, ließen sich mehrere Zehntausend Dollar in wenigen Tagen verdienen, wenn nur genügend Leute auf die Werbung klicken. Der eBuzzd-Chef dementiert das allerdings und sagt, er habe (zumindest mit eBuzzd) bisher kaum Geld verdient. Was man jetzt glauben kann oder nicht.

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„Ebenso lächerlich wie böswillig“: FAZ-Außenpolitikchef weist Ulfkotte-Vorwürfe zurück

23 Okt 14
23. Oktober 2014

Als „falsch“ und „ehrabschneidend“ hat Klaus-Dieter Frankenberger, der Außenpolitikchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, den Vorwurf zurückgewiesen, er habe sich vom Sultan von Oman kaufen lassen und Gefälligkeitsberichterstattung betrieben.

Erhoben hat diesen Vorwurf der frühere FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte. Ulfkotte profiliert sich seit einigen Jahren als „Gegner von Qualitätsmedien“ und schreibt Bücher wie „So lügen Journalisten“, „SOS Abendland“, „Vorsicht Bürgerkrieg!“ und „Albtraum Zuwanderung“. Im Kopp-Verlag („UFOs — Generäle, Piloten und Regierungsvertreter brechen ihr Schweigen“) hat er das Buch „Gekaufte Journalisten“ veröffentlicht. Darin enthüllt er, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr gibt und Pressefreiheit „nur eine gut gespielte Illusion“ ist. Das Werk wird in der kommenden Woche Platz 13 der „Spiegel“-Bestsellerliste erreichen.

Ulfkotte, der sich nach eigenen Aussagen als Journalist von Shell „schmieren“ ließ und als Lobbyist des BND diente, beschreibt darin unter anderem, wie er sich in den neunziger Jahren vom Sultan von Oman korrumpieren ließ: Auf Kosten des autoritären Staatschefs sei er zu Besuchen eingeladen und mit bezahlten Luxus-Angeboten verwöhnt worden. Unter anderem habe der Sultan sogar seine „Ausbildung zum Padi-zertifizierten Rettungstaucher mit Jason Erodottu als privatem Tauchlehrer“ bezahlt. Er habe den kostenlosen Luxus als „Jackpot“ empfunden und entsprechend geschönt über das Land und seinen Diktator berichtet.

Wie er habe sich auch sein damaliger Kollege Frankenberger kaufen lassen, behauptet Ulfkotte, der suggeriert, dass die ganze Branche und insbesondere die FAZ so korrumpierbar und korrupt ist, wie er es war.

Gegenüber dem neuen Online-Magazin „Krautreporter“ widerspricht Frankenberger:

Tauchkurse hat vielleicht Herr Ulfkotte auf Kosten anderer gemacht, ich nicht. Der Vorwurf Herrn Ulfkottes, „wir“ seien korrupt gewesen, trifft jedenfalls für mich nicht zu.

Bei den Reisen nach Oman handelte es sich zum Teil um privatfinanzierte Reisen (z.B. 1995 und 1996), zum Teil um Einladungen des omanischen Informationsministeriums. Der von Herrn Ulfkotte erweckte Eindruck, hierdurch sei eine Gefälligkeitsberichterstattung meinerseits erfolgt, ist nicht nur falsch, sondern auch ehrabschneidend. Ich weise diesen Vorwurf entschieden zurück.

In jener Zeit konnte man als Journalist bestimmte Länder, zum Beispiel Oman, nur bereisen, wenn man von offizieller Seite eingeladen wurde. In den neunziger Jahren gab es in Oman nur ein einziges internationales Hotel, in dem sich Journalisten aufhalten konnten.

Den Eindruck zu erwecken, man könne mich mit einer finanzierten Reise „kaufen“ oder eine positive Berichterstattung erreichen (wie das Herr Ulfkotte in diesem und in anderen Fällen sich zuschreibt), ist ebenso lächerlich wie böswillig. Dies gilt für mich und im Übrigen für alle seriösen Journalisten.

Frankenberger weist auch den Vorwurf zurück, er sei ein „Lobbyist“, weil er Mitglied etwa im Beirat der Trilateralen Kommission, in der Atlantischen Initiative und im Institut für Europäische Politik war oder ist:

Die Mitgliedschaft ermöglicht Zugang zu Inhalten und Informationen, die notwendige Grundlage sind für eine seriöse und umfassende Berichterstattung. Dabei geht es gerade darum, über Dinge zu berichten, die ansonsten nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden würden.

Auch hier scheint Herr Ulfkotte ein Verständnis von Journalismus zu haben, aus dem eine merkwürdige Anmaßung spricht und das obendrein den Geist der Verschwörung atmet.

Journalistische Unabhängigkeit ist ein für mich unabdingbarer Grundsatz meiner professionellen Tätigkeit. Weil das so ist, bin ich auch seit vielen Jahren für eine Redaktion tätig, die nach diesen Grundsätzen arbeitet und diese selbstverständlich auch immer wieder anhand von Einzelsituationen kritisch diskutiert und hinterfragt. Wenn das für Einzelne nicht immer gegolten hat, ist es aus meiner Sicht mehr als unlauter und journalistisch nicht besonders seriös, dies zu verallgemeinern, um aus dem daraus erhofften öffentlichen Skandalwert persönlichen Profit zu schlagen.

Ulfkotte sieht mit seinem Buch den „Armaggedon der Leitmedien“ gekommen. Die meisten seiner „Enthüllungen“ im Buch sind entweder bekannt oder falsch. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit einigen seiner Behauptungen erscheint in Kürze ist jetzt auf krautreporter.de zu lesen:

[Offenlegung: Ich schreibe regelmäßig für die FAZ.]

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