Släsch, Släsch, Schupelius

19 Okt 10
19. Oktober 2010

Der „B.Z.“-Kolumnist Gunnar Schupelius ist jetzt nicht jemand, der sich besonders gut auskennt oder komplizierte Sachen gut versteht. Aber er hat jemanden, den er immer fragen kann.

Und so fragt er sich heute, warum wir Kinder, die in Berlin geboren sind, eigentlich „Migranten“ nennen, obwohl „Migrant“ „Wanderer“ heißt und Kinder, die hier aufwachsen, gar keine Wanderer sind.

(…) Früher sagte man „Ausländer“ und meinte damit alle Fremden, die man als nicht deutsch ansah. Dann wurde der Begriff als politisch unkorrekt eingestuft und gelöscht. Stattdessen lernten wir, „Migrant“ zu sagen. Aber was haben wir damit erreicht? Gar nichts. Wer heute Migrant sagt, meint Ausländer und wer als Migrant bezeichnet wird, der fühlt sich irgendwie nicht ganz für voll genommen.

In Berlin leben 863.000 Menschen, die als Migranten bezeichnet werden. 42 Prozent von ihnen sind aber eigentlich gar keine Migranten, denn sie haben einen deutschen Pass. Wem wir unsere Staatsangehörigkeit verliehen haben, den sollten wir als Deutschen ansprechen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zum Beispiel ist natürlich ein Deutscher und kein Migrant. (…)

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, es gibt kein Happy End — das Wort „Hintergrund“ kommt in der ganzen Kolumne nicht vor.

Niemand bei der „B.Z.“ hat Schupelius sachte beiseite genommen und ihm langsam und mit einfachen Worten erklärt, dass die 863.000 Menschen gar nicht als „Migranten“ bezeichnet werden, sondern als Menschen „mit Migrationshintergrund“. Vermutlich dachte Schupelius, dass das auch nur wieder nur so ein künstlich aufgeblähtes Quatschwort ist, wie es die Gutmenschen gerne benutzen, weil es „politisch korrekt“ ist, und hat den lästigen „Hintergrund“ einfach weggelassen, obwohl der, wie Schupelius unwissentlich zeigt, entscheidend ist. Ein Berliner Junge, dessen Eltern aus der Türkei stammen, ist kein Migrant. Er hat einen Migrationshintergrund. (Schupelius ist mit seinem Unwissen leider nicht allein.)

So kann man natürlich gut eine tägliche Volkszorn-Kolumne füllen: Erst etwas falsch verstehen und sich dann darüber beklagen, dass es falsch ist.

(Man könnte, womöglich mit viel Geduld, natürlich versuchen, Schupelius auch noch zu erklären, dass das Wort „Ausländer“ gar nicht „gelöscht“ oder als politisch unkorrekt klassifiziert ist und dass es schon gar nicht durch das Wort „Migrant“ ersetzt wurde. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, zum Beispiel, ist zwar aus deutscher Sicht Ausländer, aber kein Migrant (hat aber Migrationshintergrund). Ein Migrant ist ein Ein- oder Auswanderer. Dass sich jemand, der von Schupelius als Migrant bezeichnet wird, irgendwie nicht ganz für voll genommen fühlt, kann natürlich trotzdem sein und wäre sogar erklärbar.)

Neulich hat Schupelius sich etwas anderes gefragt, nämlich: Wie viele Sicherheitsleute eigentlich in den Berliner Freibädern eingesetzt werden. Anscheinend hätte Schupelius auch da lieber noch jemand anders fragen sollen als sich selbst, jedenfalls musste die „B.Z.“ einen Widerruf drucken. Und weil Schupelius seine Kolumnen bekanntlich immer auch noch mal in die Kamera spricht, gibt es von dem Widerruf auch eine Videoversion, der es erstaunlicherweise gelingt, den Wahnsinn einer durchschnittlichen Schupelius-Videobotschaft noch zu toppen, aber sehen Sie selbst:

[flashvideo file=http://stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/gegendarstellung.flv /]

Andererseits ist es fast wieder Kunst.

76 Gedanken
  1. 1
    joz says:

    das heißt nicht „minus“ sondern „bindestrich“. was für eine null. und so einer will sich als sprachkritiker aufführen? pfff..

  2. 2
    Freddy says:

    Wie er bei der Video-Gegendarstellung den Link vorliest :D

  3. 3
    nona says:

    @joz: Danke, bei dem dämlichen „Minus“ stellt sich mir auch immer sämtliche Behaarung auf.

  4. 4
    Juergen says:

    Lol! Qualitätsjournalismus vom Feinsten mit göttlichem Unterhaltungswert.

  5. 5
    Robert says:

    Boah, ist das schlecht.
    Der Mann ist nun wirklich kein guter Vorleser.

  6. 6
    malwiederich says:

    Hey der selbsternannte Hohepriester des Volkes aber auch! Na der ist ja schon immer ein besonderes Exemplar.Und man weiss warum er das nun bei der BZ verkörpert und nicht bei der Süddeutschen oder FAZ. Oder andere anspruchsvolle Tagesgazetten.

  7. 7
    Stefan Niggemeier says:

    Ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, dass er das selbst liest.

  8. 8
    keffster says:

    Wundervoll. Wäre es ein Bild – ich würde es mir an die Wand hängen!
    Huch. Ich nehm alles zurück.

  9. 9
    vib says:

    Ich hatte gerade einen Flashback: Lesewettbewerb, achte Klasse. Aber warum gibts das denn nicht mit bewegtem Gesicht?

  10. 10
    jaeger says:

    Ich finde es eine gelungene Satire: Der Inhalt der Gegendarstellung wird durch die Form konterkariert. Das kann man auch mal anerkennen, finde ich.

  11. 11
    Mirko says:

    Leider wird aber in vielen Medien Ausländer, Migrant und „mit Migrationshintergrund“ durcheinander geworfen – und an den Stammtischen natürlich erst recht. Zumal viele ja gerne diejenigen mit Migrationshintergrund, die ihnen aus irgendwelchen Gründen nicht passen, gerne ausweisen würden, hingegen aber nichts gegen Steuern und Sozialabgaben zahlende Migranten haben, solange die nur wieder „nach Hause“ migrieren bevor sie die ihnen zustehenden Sozialleistungen auch beziehen würden.

    Noch traugriger als das Vermischen der Begriffe ist aber eigentlich, dass man überhaupt mit solchen willkürlichen Abgrenzungen rumkämpfen muss, statt einfach nur Schmarozer, Verbrecher und „moralisch unauffällige Normalbürger“ zu trennen. Die ersten beiden gibt es nämlich bei allen Menschen (und auch in allen Schichten)…

  12. 12
    einsdreizzwei says:

    Und deswegen ist Herr Niggemeier ja auch kein Journalist, sondern ein Medienkonsument mit Journalistikhintergrund.

  13. 13
    hanserb says:

    tja was ist jetzt schlimmer.
    dass sie beleidigt sind weil es keiner für nötig erachtet ihnen die aufmerksamkeit eines richtigstellungsanspruchs zu schenken oder dass sie zu arrogant sind das grandiose “ fuck you“ in diesem video zu erkennen.

  14. 14
    kombüse says:

    die gegendarstellung hat auch ein praktikant vorgelesen, der schupelius doch nicht… wo kämen wir hin?!

    gewisse qualität beweist auch der beitrag „Verkehrsregeln für den Discounter“ (http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/verkehrsregeln-fuer-den-discounter-article820422.html). dort gehts um die wirklichen probleme des alltags, wofür sich schupelius gerne für den dummen michel einsetzt. hier beweist er auch, dass er gewisse probleme mit seiner umwelt hat: 20-mal kracht er gegen ein einkaufswagen, fühlt sich von einkaufswagenrowdies bedroht (entweder schieben die zu schnell oder zu langsam), usw. da kommt wahrlich kein mensch mehr zurecht.

    und der gunni ist auch noch chefredakteur vom ganzen laden, fehlt nur noch ein bundesverdienstkreuz für äähh … naja die diesjährige fußballnationalmannschaft hat auch eine bekommen.

    ahoi!

  15. 15
    Ulf J. Froitzheim says:

    Mir scheint, die Regie (welche Regie????!!!) bringt einfach den subtilen Humor des Gunnar Sch. nicht recht zur Geltung. Ich kannte den Mann bisher nicht und habe mir gerade mal vor meinem geistigen Ohr ablaufen lassen, wie seine Aufsager (mein Exempel waren die Vorfahrtsregeln für Einkaufswagenlenker) klingen oder als audiovisuelle Gesamtkunstwerke wirken könnten, wenn ein Martin Sonneborn, Mario Sixtus, Theo West oder Olaf Schubert sie intonieren würden. Oder Katrin Bauerfeind. Viel müsste man gar nicht redigieren, um die irrwitzige Komik hinter dem „Ärger“ offenzulegen.

    Bei dieser Kombination aus Text und Stimme verstehe ich allerdings schon, dass die Bäderbetriebsmanager das sie betreffende Stück für bierernst gehalten haben. Ceterum censeo: Crossmedia funktioniert nicht auf Kommando und nicht bei jedem. Es gibt eben Kollegen, die aus gutem Grund bei den geräuschlosen Printmedien gelandet sind (zum Beispiel auch meine Wenigkeit :-). Überlassen wir doch einfach die Web-Videos den Fernseh-Profis!

    Andererseits: Es wäre schon schade, die Doppelpunktdoppelslashminuspunktdeé-Litanei nicht gehört zu haben. Danke, Kollege Sch., dass Sie keinen URL-Verkürzer verwendet haben!

  16. 16
    Zahnwart says:

    Das Problem ist in erster Linie, dass sich Leute wie Schupelius als Verkünder einer Meinung verstehen, die angeblich von einer schweigenden Mehrheit geteilt, allerdings von einer nicht genauer definierten Zensurinstitution verboten wird. Mit so jemandem kann man dann auch nicht mehr diskutieren, weil jedes Argument gegen seine Ansichten in dieser Welt ja systemimmanent von den Zensoren vorgegegeben ist: Wer einmal ein Argument der „Gutmenschen“ (auch so ein Begriff!) eingesetzt hat, der bleibt auf ewig ein „Gutmensch“.

  17. 17
    klassensprecher says:

    Niemand bei der „B.Z.” hat Schupelius sachte beiseite genommen und ihm langsam und mit einfachen Worten erklärt, dass die 863.000 Menschen gar nicht als „Migranten” bezeichnet werden, sondern als Menschen „mit Migrationshintergrund”.

    wer legt eigentlich fest wie leute „bezeichnet werden“?
    und was kommt nach dem „migrationshintergrund“?
    wie wird man diese *räusper* sachverhalte als nächstes verklausulieren?
    und sie, herr niggemeier, hat sie noch niemand beiseite genommen und ihnen die euphemismus tretmühle erklärt?

  18. 18
    Stefan Niggemeier says:

    @klassensprecher: Und „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist Ihrer Meinung nach Euphemismus für was? Kriminelle?

  19. 19
    fk says:

    Hahaha! Das ist der absolute Wahnsinn!

  20. 20
    gnaddrig says:

    @ Robert (#5): Naja, die Story ist aber auch nicht so toll geschrieben, da hätte auch ein Meistervorleser nicht allzuviel rausgeholt.

    Jedenfalls haben die ein rührendes Bild genommen. Dass jemand so treuherzig in die Kamera schauen kann…

  21. 21
    klassensprecher says:

    das haben sie doch selbst hergeleitet: ausländer -> migrant -> mensch mit migrationshintergund. für nicht autochthone bewohner dieses landes also. durchaus für diejenigen mitmenschen, die auf den ersten blick wie diejenigen aussehen, die man früher „ausländer“ nannte. aber „ausländer“ ist ja mittlerweile ein unwort. und richtig, es trifft nicht immer den sachverhalt, denn ob eine nicht autochthone person nun hier lebt, geboren oder nur auf urlaub ist, das sieht man nicht. man wird da auch sicher noch weiter differenzieren müssen. wer weiß, welche verschachtelungen der opfergruppen sich da noch auftun.

  22. 22
    Stefan Niggemeier says:

    @klassensprecher: Sie haben wirklich den ganzen Eintrag nicht verstanden.

  23. 23
    gnaddrig says:

    @ klassensprecher (#21): Und wo ist jetzt das Problem? Ausländer ist kein Unwort, es trifft bloß den Sachverhalt nicht, wenn man von Leuten spricht, deren Eltern oder Großeltern aus der Türkei, aus Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal hierhergekommen sind. Oder von Leuten, die als Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind.

    Menschen mit Migrationshintergrund ist doch eine treffende Beschreibung dieser Bevölkerungsgruppe. Das sind – auf verschiedene Art – in Deutschland größtenteils keine Ausländer. Sie haben aber ein Merkmal gemein, eben den Migrationshintergrund, und aus diesem Hintergrund ergibt sich eine Reihe von Problemen für diese Leute oder für Deutschland. Das macht es sinnvoll, einen Terminus für diese Bevölkerungsgruppe zu haben.

    „Menschen“ klingt natürlich ein bisschen nach politisch überkorrektem Politikersprech („Die Menschen in Deutschland wollen…“, „Man darf die Menschen in Deutschland nicht…“), ist hier aber sicher nicht fehl am Platz.

  24. 24
    klassensprecher says:

    doch, herr niggemeier, ich hab den sogar sehr gut verstanden *gg*

  25. 25
    inga says:

    @klassensprecher: Und jetzt halten Sie sich fest bei folgender verblüffenden Tatsache: Es gibt sogar Ausländer, Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund, denen man das ÜBERHAUPT NICHT ANSIEHT!!

  26. 26
    klassensprecher says:

    stimmt, inga. die sind auch nicht gemeint. die nennt aber auch kaum jemand „menschen mit migrationshintergrund“.

    und danke für den tipp: ich werde mich bei gelegenheit festhalten. wenn ich sie nicht hätte …

  27. 27
    inga says:

    Manche Kommentare sind einfach so abstrus, dass es sogar mir die Sprache verschlägt.

  28. 28
    klassensprecher says:

    Ausländer ist kein Unwort, es trifft bloß den Sachverhalt nicht, wenn man von Leuten spricht, deren Eltern oder Großeltern aus der Türkei, aus Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal hierhergekommen sind. Oder von Leuten, die als Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind.

    klar. und deshalb spricht die gesamte bevölkerung landauf landab in den u-bahnen, kneipen und gemüseläden dieses landes von menschen oder jugendlichen „mit migrationshintergrund“. stimmt. hat sich nur noch nicht bis zum herrn schupelius rumgesprochen. vermutlich hat der auch einen migrationshintergrund bei dem namen, vermutlich was finno-ugrisches oder so.

  29. 29
    klassenkassenwart says:

    Ich halte sogar von dem Wort „Migrationshintergrund“ nicht viel, denn den hat man oder nicht und dieser binäre Code spiegelt gar nicht die vielfältigen Biographien wider, über die geredet wird. Inzwischen wird sogar von „MGH“-Quoten geredet. Ich finde daher „Migrationsgeschichte“ passender, das hört sich auch interessanter an. Und da gibt es dann die, die von Leipzig nach Halle migriert sind, die Schwaben in Berlin und den Mailänder in Heidenheim. Einziger Unterschied ist nur noch, ob man eine nationale oder internationale Migrationsgeschichte hat.

    Damit man „politisch korrekt“ nicht in Anführungszeichen setzten muss, kann man es durch respektvoll ersetzen und „politisch unkorrekt“ durch respektlos.

    Es ist bizarr, wie in einem Land, das sich aufgeklärt nennen will, dieser Diskurs, der Nationalität, Sprachvermögen, Religionszugehörigkeit, Geburtsland der Eltern und Pigmentstärke auf einen Nenner bringen will, auf dem intellektuellen Stand Kanadas der 1950er Jahren verharrt.

  30. 30
    gnaddrig says:

    „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist etwas sperrig. Das geht nicht jedem glatt über die Lippen, darum wird stattdessen oft kurz „Migrant“ gesagt. Sogar die altehrwürdige Tante ZEIT tut das (z. B. hier. Das ist nicht korrekt, und insofern hat Herr Schupelius nicht ganz unrecht. Aber „Ausländer“ wäre auch nicht richtiger. Es fehlt einfach eine griffige Abkürzung für „Menschen/Personen mit Migrationshintergrund“.

  31. 31
    Limited says:

    @ 29

    Damit man „politisch korrekt” nicht in Anführungszeichen setzten muss, kann man es durch respektvoll ersetzen und „politisch unkorrekt” durch respektlos.

    Ist etwas themenfremd für diesen Blogeintrag, diese Kampfvokabel „politisch korrekt“ habe ich nie so richtig verstanden. Für mich ist etwas politisch korrektes etwas, das Fairness betont. Respekt ist da eher ein Randphänomen in meinen Augen.

    Insofern schalte ich schon automatisch ab, wenn jemand mit „politisch korrekt“ oder gar „politisch unkorrekt“ daherkommt. Da trifft das Agitationsmuster schon aus den Anführungszeichen.

  32. 32
    Ali says:

    Aber findest du nicht, dass gerade bei Print- und Onlinetextmedien die Zeit vorhanden sein sollte, «Menschen mit Migrationshintergrund» auszuschreiben? Wenn man es spricht, ist das wirklich recht sperrig. Sonst sehe ich aber keinen Grund, notlos von Migranten oder Ausländern zu sprechen, wenn es um «Menschen mit Migrationshintergrund» geht.

    Aber gut: Für viele weiße Deutsche sind Leute, die nicht deutsch aussehen, sowieso alle Ausländer, die irgendwas im Schilde führen. Vielleicht spiegelt die laxe Handhabung nur das Gedankengut wieder.

  33. 33
    Marc says:

    Wenn Platz ist schreibe ich anstelle „Migranten“ oder „Kinder/Jugendliche mit Migrationshintergrund“ lieber „Einwanderer und Flüchtlinge“ oder „Kinder von Einwanderern und Flüchtlingen“.

  34. 34
    Ulf J. Froitzheim says:

    Ich warte ja nur noch darauf, dass jetzt der zeit- und platzsparende „Memimihi“ kommt. ;-)

    Das Attribut wird übrigens ziemlich selektiv und damit unkorrekt vergeben. Es trifft eigentlich auch auf meine Schwiegermutter zu (kam 1945 als Teenie von Ostpreußen nach Bayern), auf „Bayerns vierten Stamm“, wie die CSU ihre hochverehrte Sudetendeutsche Landsleutschaft nennt. Sogar auf mich (Saupreiß, niederrheinischer). Eine Wanderungsbewegung im wirtschafts- und sozialgeographischen Sinn setzt nicht zwingend voraus, dass eine Staatsgrenze überschritten wird. Die Grenze des Freistaats reicht völlig. Selbst Stadt- oder Landflucht sind, wissenschaftlich gesehen, Migrationsbewegungen.

    Es gäbe einen eindeutigen Begriff für das, was wirklich gemeint ist: Einwanderer, neulateinisch/englisch: Immigrant. Ein Einwanderer kommt, um zu bleiben. Ein Einwanderer lernt die Sprache, verleugnet aber nicht seine kulturellen Wurzeln. Einwanderer ist, wenn ich es richtig sehe, bislang auch kein Schimpfwort.

    Aber ich vergaß: Deutschland ist ja kein Einwanderungsland.

  35. 35
    klassensprecher says:

    … Einziger Unterschied ist nur noch, ob man eine nationale oder internationale Migrationsgeschichte hat.

    „international“ halte ich für problematisch. was ist denn überhaupt eine nation? dieser begriff ist m.e. eine unzulässige verallgemeinerung und wird den vielfältigen biografien nicht gerecht. wir sollten uns auf „global“ verständigen. und auch „geschichte“ … nun ja, das klingt nach den gebrüdern grimm oder nach guido knopp – beides nicht ganz problemfrei. wer möchte schon seine familien- oder herkunftsbiografie mit einem anklang von rumpelstilzchen oder weltkriegsdoku bezeichnet wissen. nennen wir sie doch „menschen mit gloablem bzw. regionalen aufenthaltssverlauf“. die abkürzung wäre MMGRAV.

  36. 36
    Ulf J. Froitzheim says:

    Memigraf wäre hübscher. (Das F am Ende ist kein Vertipper: MEnschen MIt Globalem/Regionalem AufenthaltsverlauF.) Allerdings hat es nicht ganz den Klang und Glanz von „Kosmopolit“.

  37. 37
    chinamann says:

    kürzen wir doch einfach so ab: „Menschen mit Migrationshintergrund“: Memighund. Da darf dann auch wieder ein wenig Verachtung in der Artikulatioin mitschwingen, gell.

  38. 38
    gnaddrig says:

    @ Ulf J. Froitzheim (#34): „Einwanderer“ trifft aber nicht auf die Kinder und Enkel von Einwanderern zu.

  39. 39
    Thomas says:

    Ich hab das Video jetzt nicht gesehen (oder den verlinkten Artikel gelesen) und dieser Herr ist mir auch sonst völlig unbekannt – aber der zitierte Absatz ist IMHO für sich genommen noch nicht kritikwürdig. Denn durchaus korrekt ist, dass die Bezeichnung „Migrant“, „Deutscher mit Migrationshintergrund“ und schlicht „Ausländer“ in vielerlei Medien synonym verwendet werden.
    Die Frage: „Was soll man eigentlich unter „Migrant“ verstehen?“ halte ich daher für durchaus berechtigt.

  40. 40
    DL2MCD says:

    @34: Menschen wie Deiner Schwiegermutter oder meinen Vorfahren gab man keine so politisch korrekte Bezeichnung. Die heißen Flüchtlinge. Und Saupreißn, richtig.

    Politisch korrekt: „Saupreiß, japanischer“
    Politisch nicht korrekt: „Saupreiß, türkischer“

  41. 41
    T. Reuben says:

    Fürwahr bei solchen Gegendarstellungen stellt sich nach zwanzig Sekunden die Frage nach bewusst ironischem Ansatz oder doch zur tragischen Figur verkommenem Darsteller nicht mehr, schlicht weil man sich (gedanklich) längst ausgeblendet hat, wenn schon nicht per Mausklick.
    Ob jetzt Migrant oder mit Migrationshintergrund betitelt, der Ausdruck ist doch längst zum Synonym für Moslem geworden. Man vermeidet den einen Ausdruck und wählt den anderen, nicht zuletzt weil „Befindlichkeiten“ die Kommunikation so viel komplizierter werden ließen als dies eigentlich nötig wäre. Drei Migranten mit dem Kontrabass.
    Ein anderes mir längst zum Emetikum gewordenes Wort ist „Integration“.
    Leute welche integriert sind führen es sonderbarererweise nicht im Mund sonder füllen es mit Leben. Verwendung findet es lediglich bei politischen Erklärbären und solchen die sich so verstehen und Leuten welche es als Platzhalter für angegraute Floskeln einsetzen, was auch wieder verständlich ist, ist es doch so viel kürzer, auch wenn die Aussprache dann doch etwas holperig zu klingen droht. Bei Kolat und Konsorten wird schon mal ein Intigrrason daraus. Egal. Jeder weiß was gemeint ist.
    Früher hieß es „nix verstehen“, später „nür keine bösse Worten“ und jetzt eben das I-Wort.
    Ich muss aufhören. Mein Magen.

  42. 42
    Linus says:

    @Thomas

    Dann stellen Sie diese Frage doch bitte denjenigen (Medien), die die Begriffe synonym verwenden und nicht den politisch korrekten Gutmenschen und Multikultischwuchteln, die uns anständigen Deutschen verbieten, jemand, der aussieht wie nich von hier auch gefälligst als Ausländer bezeichnen zu dürfen.

  43. 43
    lars says:

    Ist dieser Beitrag bei PI genannt worden?
    Oder warum tauchen hier plötzlich so viele Kommentatoren auf die nicht verstehen, dass Menschen mit Migrationshintergrund meist auch Deutsche sind also keine Ausländer?

  44. 44
    Alberto Green says:

    Ich nenne ja Leute, die was gegen politische Korrektheit haben, politisch unkorrekt Rassisten. Meistens geht dann das Geheul los. Dann wird plötzlich Differenzierung gefordert. Idioten.

  45. 45
    Linus says:

    Charakteristisch für braune Soße, egal ob prä oder post Sarrazin ist nach wie vor, dass sie komplett humorbefreit ist und sich vehement dagegen wehrt, als braun bezeichnet zu werden. NPD-Parolen gröhlen? gerne, NPD wählen? Igittigitt. Das sind ja Nazis. Pfui.

  46. 46
    klassensprecher says:

    … warum tauchen hier plötzlich so viele Kommentatoren auf die nicht verstehen, dass Menschen mit Migrationshintergrund meist auch Deutsche sind also keine Ausländer?

    das haben hier alle verstanden.
    das problem ist ein anderes: es gibt eine inhomogene gruppe von menschen in deutschland, für die es keine gemeinsame bezeichnung gibt. zu dieser gruppe gehören grob umrissen muslimische ausländer, einwanderer und deren nachkommen. in ermangelung einer politisch korrekten bezeichnung benennt man sie je nach kontext und millieu.

  47. 47
    klassensprecher says:

    Ich nenne ja Leute, die was gegen politische Korrektheit haben, politisch unkorrekt Rassisten. Meistens geht dann das Geheul los. Dann wird plötzlich Differenzierung gefordert. Idioten.

    sowas nenn ich pharisäertum und zitiere den kategorischen imperativ.

  48. 48
    unklartext says:

    Was spräche eigentlich gegen: Menschen aus Einwandererfamilien?

    Schließlich geht es nicht im Migration im allgemeinen, sondern um Immigration. „Einwandern“ versteht jeder, und „Familie“ ist etwas sympathisches.

    Menschen, die selbst oder deren Familien hier eingewandert sind, sind etwas Begrüßenswertes. „Migrationshintergrund“ klingt so bemüht, dass man fast meinen muss, es gäbe etwas schönzureden.

  49. 49
    Linus says:

    @klassensprecher

    Warum wollen Sie denn einer „inhomogenen Gruppe“ unbedingt einen politisch korrekten Begriff aufstülpen? Und wovon reden wir denn? Muslime? Oder wie?

  50. 50
    klassensprecher says:

    es gibt doch was schönzureden, du schreibst ja selbst: „und „Familie” ist etwas sympathisches.“
    aber nehmen wir mal „Menschen aus Einwandererfamilien“. gut, es sind menschen, nicht goldhamster. das ist schon mal gut. wie die „menschen mit behinderung“ oder die „dicken menschen“. immer „menschen“ sagen, nicht auf eine eigenschaft reduzieren, sondern das menschsein betonen. und „aus einwandererfamielien“? da könnten auch nichteinwanderer drin sein, eingeheiratete. stimmt also nicht. oder gilt das dann nur für dir nichteingeheirateten? und was ist mit denen, deren eingewanderte eltern wieder ausgewandert sind? die also gar keine einwanderer waren?

  51. 51
    Sebastian says:

    @klassensprecher

    aber „ausländer” ist ja mittlerweile ein unwort. und richtig, es trifft nicht immer den sachverhalt, denn ob eine nicht autochthone person nun hier lebt, geboren oder nur auf urlaub ist, das sieht man nicht.

    Sie sind lustig. Genau, man sieht oft nicht, welcher ethnischen, kulturellen, religiösen usw. Gruppe jemand angehört – und deswegen braucht man ein Wort wie „Ausländer“, um ihn trotzdem einer Gruppe, von der man gar nicht weiß, ob er ihr zugehört, zuzuordnen!

    Wenn schon ignorant, dann mit stolzgeschwellter Brust, nicht wahr. Mann, Mann, Mann. Auf der Schupelius-Schule besteht offenbar Nachholbedarf in Sachen Aufklärung.

  52. 52
    Ulf J. Froitzheim says:

    @ gnaddrig (#38): „Einwanderer” trifft aber nicht auf die Kinder und Enkel von Einwanderern zu.

    Ja so’n Pech aber auch! Aber was soll’s? Muss man die denn unbedingt sprachlich diskriminieren? (Ob Sie letzteres Wort im Sinne von 3, 2 oder 1 im Fremdwörterduden verstehen wollen, können Sie sich aussuchen.)

    Vielleicht schauen wir mal zu der früheren Einwanderernation Nr. 1 rüber: Alle US-Bürger außer den Native Americans, also Indianern, sind Memimihis. Trotzdem nennen wir sie ganz schlicht „Amerikaner“, als wären sie alle gleich.

    A propos:
    Mein Lieblings-T-Shirt stammt aus New York; es zeigt lauter Flaggen, die alle irgendwie zu erkennen und dennoch falsch sind, garniert mit dem klugen Spruch: „We are more similar than different.“

    Auf gut Deutsch hieß das mal: „Jeder Mensch ist Ausländer. Fast überall.“

  53. 53
    werner says:

    Dieses Video.. lol.. das bestätigt auch meine persönliche Beobachtung dass viele, durchaus beruflich erfolgreiche, Leute einfach nicht richtig lesen können! Politiker, Journalisten, TV-Moderatoren.
    Im Bekanntenkreis sehe ich das auch. Natürlich spricht man sie nicht darauf an, wer will das schon gesagt kriegen, aber es schockiert mich doch irgendwo.
    Fähigkeiten wie in diesem Video präsentiert sind keine Seltenheit und eigentlich sollte man damit keine 6. Klasse überstehen.

  54. 54
    Aksel says:

    Migrationshintergrund…. Welch wunderbare Wortschöpfung, in aller Munde, aber wenn es um die exakte Definition geht, scheiden sich die Geister.
    hat eigentlich schon mal jemand „Migrationsvordergrund“ in den Ring geworfen?
    Früher war alles einfacher… Da war ich einfach ein Ausländer. Aber heute?

  55. 55
    Stefan Niggemeier says:

    (Manchmal denkt man, alles Schreiben ist eh vergebens.)

  56. 56
    klassensprecher says:

    Sie sind lustig. Genau, man sieht oft nicht, welcher ethnischen, kulturellen, religiösen usw. Gruppe jemand angehört – und deswegen braucht man ein Wort wie „Ausländer” …

    was wollen sie mir eigentlich sagen, sebastian?
    schrieb ich versehentlich, dass man das wort „ausländer“ braucht?
    aber wieso eigentlich nicht, wenn jemand aus dem ausland kommt, nicht weil er dort im urlaub war, dann ist er zumindest früher ein ausländer gewesen und niemand hatte mit diesem wort oder dem umstand, aus dem ausland zu kommen, ein problem. auch heute noch sind z.b. japaner, engländer oder amerikaner ausländer, ohne dass damit zwangläufig negative zuschreibungen verbunden wären. das problem besteht nicht im wort und nicht im tatbestand, sondern in den damit verbundenen implikationen. diese implikationen gehen vom nunmehr negativ bewerteten und bewertenden begriff früher oder später auf den „korrekten“ ersatzbegriff über. das nennt sich euphemismus tretmühle.

    oder wie Ulf J. Froitzheim schreibt:

    Muss man die denn unbedingt sprachlich diskriminieren?

    wenn man sprachlich dem sachverhalt einer ausländischen herkunft ausdruck verleiht, wird erstmal noch niemand diskriminiert. diskriminierung wird es erst, wenn mit dieser herkunft negative zuschreibungen verbunden werden.

  57. 57
    Linus says:

    @klassensprecher

    Wer genau hat Ihnen denn erzählt, dass man den Ausländer (den hier urlaubenden Japaner genauso wie den noch nicht eingebürgerten Türken) nicht mehr Ausländer nennen darf? Wo steht diese Euphemismus-Tretmühle?

    Schupelius bemängelt (sinngemäß), dass man Menschen, die gar keine Auskländer sind, in dieser politisch korrekten Welt nicht als Ausländer bezeichnen darf. Und Sie faseln, dass man vor lauter pc-Bäumen nun noch nicht mal die Ausländer Ausländer nennen darf. Bin ich hier in der Bizarro-Welt gelandet?

  58. 58
    werner says:

    @klassensprecher
    da wir uns aber in der euphemismus-tretmühle befinden ist bereits bei der prägung eines neuen ausdrucks klar, dass die negativen konnotationen zwangsläufig auf ihn übergehen werden. bitte die richtigen schlußfolgerungen ziehen.

  59. 59
    Mike says:

    Sie als Deutsche anzuerkennnen fällt aber eben wohl auch den meisten Benutzern dieses Wortkonstrukts sehr schwer. Wieso wird sonst auf ihre Abstammung verwiesen? Man könnte sie ja auch als richtige Deutsche anerkennen und zwischen Deutschen und Ausländern unterscheiden. Weil entweder sind sie Deutsch oder nicht, dazwischen gibt es nichts.

    Eben das ist das lustige. Menschen werden durch dieses Wort genauso ausgegrentzt wie durch „Ausländer“, selbst wenn es präziser ist.

    Mensch mit Migrationshintergrund ist einfach ein Teil der hier schon genannten Euphemismustretmühle. Bald haben wir vielleicht „EinwandererahnenInnen mit besonderer Begabung“. Diese Abwatschen der PC Kritiker ist auch lächerlich nebenbei bemerkt, wer als Journalist eine vorgeschriebene Sprachregelung verteidigt hat wohl den Beruf verfehlt.

  60. 60
    klassensprecher says:

    linus, ich habe auf einen beitrag weiter oben genantwortet. bitte vorm unsinn schreiben die bezüge checken. danke.

    werner, welche sind denn ihrer meinung nach die richtigen schlüsse?

  61. 61
    Stefan Niggemeier says:

    @Mike:

    Weil entweder sind sie Deutsch oder nicht, dazwischen gibt es nichts.

    Das ist immerhin hilfreich, wenn jemand das mal so deutlich hinschreibt. Sie meinen nicht, dass Deutsche, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, anders sind? Weil sie zwischen mehreren Kulturen aufwachsen? Weil sie tatsächlich einen anderen „Hintergrund“ haben als jemand, dessen Familie seit Generationen in Berlin lebt? Weil das eine Bereicherung für unsere Gesellschaft darstellen kann, aber unbestritten auch Probleme mit sich bringen kann?

    Auch um diese (Integrations-)Probleme überhaupt beschreiben zu können, braucht man ein Wort, das die Gruppe dieser Leute, die meist keine Migranten sind und nicht zwingend Ausländer, exakt beschreibt. „Menschen mit Migrationshintergrund“ mag kein griffiger Ausdruck sein, aber er ist kein Euphemismus und kein Ausfluss von „political correctness“, sondern Versuch, eine Gruppe von Menschen zu beschreiben, die etwas gemein haben.

  62. 62
    Sebastian says:

    @klassensprecher

    was wollen sie mir eigentlich sagen, sebastian?
    schrieb ich versehentlich, dass man das wort „ausländer” braucht?

    Ob „versehentlich“, weiß ich nicht, aber Sie jammern seit ca. 173 Kommentaren darüber, dass man das Wort „Ausländer“ nicht mehr verwenden dürfe.

    Ok, Sie sagen, das Problem mit dem Wort Ausländer besteht in den negativen Implikationen, die sich damit verbinden, allerdings nicht, wenn es sich bei den Ausländern um „Engländer, Japaner oder Amerikaner“ handelt. Die negativen Implikationen verbinden sich also nur mit bestimmten Ausländer-Gruppen, und daran sind deren Mitglieder schuld, ist es das, was Sie sagen wollen? Und jetzt dürfen wir dreimal raten, welche Sie meinen?

    Insofern kann ich Ihre Frage an mich nur zurückgeben: Was wollen Sie eigentlich? Aus ihren polemischen Verrenkungen in Kommentar #50 geht z.B. nur hervor, dass Sie politisch korrekte Manipulation am Werke sehen und dass auch Begriffe wie „Migrationshintergrund“ ihre Unschärfen haben. Ja, die Eigenschaften konkreter Individuen und auch Familien gehen nicht restlos in allgemeinen Kategorien auf. Das ist so. Und? Was soll uns das jetzt sagen?

  63. 63
    klassensprecher says:

    … aber Sie jammern seit ca. 173 Kommentaren darüber, dass man das Wort „Ausländer” nicht mehr verwenden dürfe.

    nö.

    Die negativen Implikationen verbinden sich also nur mit bestimmten Ausländer-Gruppen …

    ist ihnen das noch nicht aufgefallen?

    … und daran sind deren Mitglieder schuld, ist es das, was Sie sagen wollen?

    wieder nö.
    (wenn ich was sagen will, dann sage ich das so deutlich, dass auch sie es verstehen können.)

    Und? Was soll uns das jetzt sagen?

    ganz einfach: diskriminierung findet trotz politisch korrekter sprachregelungen statt. wenn man diskriminierung verhindern will, muss man das denken und das handeln ändern, nicht das sprechen. denn für einen überzeugten rassisten ist es ein leichtes politisch korrekt daher zu reden und „inkorrekt“ zu denken und zu handeln.

  64. 64
    DracoGrisu says:

    @Stefan (#55)
    Das denke ich immer. Daher bin ich dankbar, das es Menschen gibt, die das nur manchmal denken und somit noch genug Energie haben, sich doch immer wieder gegen den Wahnsinn der Welt zu stellen.
    Wenn man ganz kleinlich zwischen den Zeilen Ihrer Artikel liest, kann man sich in den letzten Monaten eine Zunahme an emotionaler Belastung einhergehend mit zunehmender Aggression einbilden.
    Dagegen würde ich gerne mit einem Lob ihrer Arbeit ansteuern. Wenn das Geschriebene auch nicht bei denen wirkt, die angesprochen sind, so wirkt es doch unbemerkt bei vielen, die es lesen. Und zwar, wie ich finde, positiv.

  65. 66
    Karl says:

    Ich finde „mit Migrationshintergrund“ ist einer der vielen Stempel, mit dem man einfach viele Leute in einen Topf werfen kann. Ich glaube ja, dass er aus dem Bedürfnis (?) entstanden ist, Russlanddeutsche mit Ausländern in eben jenen Topf zu werfen.
    Ich frage mich (und euch, ich heiß´ ja nicht Schupelius ;)) ), wozu braucht man solche Verallgemeinerungen? Damit man sich keine Gedanken über den Einzelnen machen muss? Weil man sich leichter über eine anonyme Masse aufregen/erheben kann?
    Beim Einzelnen ist es doch recht einfach zu schreiben „dessen Eltern aus der Türkei stammen“, „der in Kasachstan aufgewachsen ist“. Das erzeugt, bei mi zumindest, viel positivere Bilder im Kopf als dieser technokratische Begriff „Migratonhintergrund“.

  66. 67
    klassensprecher says:

    Weil entweder sind sie Deutsch oder nicht, dazwischen gibt es nichts.

    aber was genau ist denn „deutsch“? ist das einer, dessen vorfahren schon immer deutsche waren? und woher weiß man das? oder ist es jemand, der hier geboren wurde? oder reicht ein deutscher pass?

    ein berliner in münchen, ist das ein berliner oder ein münchner? ein berliner in münchen? also ein „zuagroaster“?

    vermutlich würden wir wissen, wie die leute zu nennen sind, wenn eindeutig klar wäre, was „deutsch“ ist. das gilts zunächst zu klären.

  67. 68
    Stefan Niggemeier says:

    @klassensprecher: Ich wollte Ihre Kritik nicht von vornherein unterbinden, weil das immer zu Missverständnissen führt. Aber da Sie ja anscheinend vorhaben, länger zu bleiben, jetzt doch der Hinweis: Sie müssen hier eine richtige E-Mail-Adresse angeben.

  68. 69
    unklartext says:

    „Damit man sich keine Gedanken über den Einzelnen machen muss?“

    Sehen Sie Karl, Verallgemeinerungen sind oft auch sinnvoll. Wenn ich zum Beispiel über – sagen wir mal – Homosexuelle schreibe, dann bin ich mir auch der Tatsache bewusst, da eine Abgrenzung vorzunehmen, die in den allermeisten Fällen unnötig und dann zur Beschreibung von etwas Komplexen wie Sexualität auch nicht hinreichend ist. Trotzdem verwende ich den Begriff, wo er verwendet werden muss: Wenn es um Themen geht, bei denen sexuelle Orientierung eine Rolle spielt, z.B. bei Gewalt gegen Homosexuelle, der Haltung der Kirche zu Homosexuellen, der Benachteiligung homosexueller Partnerschaften.

    Ähnlich ist das mit dem verflixten Migrationshintergrund. Ich sehe jeden Menschen erstmal als Menschen und denke, dass jeder Mensch erwähnenswertere Eigenschaften haben sollte als seine Herkunft. Trotzdem gibt es gesellschaftliche Themen, bei denen der Migrationshintergrund eine Rolle spielt: Bildungspolitik, Sprachpolitik, Abneigung, die sich auf den Migrationshintergrund bezieht…

    Und da ist es dann sinnvoll, klare Begriffe zu haben. Und „Mensch mit Migrationshintergrund“ ist nun einmal ein Begriff, der Menschen umschreibt, die selbst oder deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind und die sich von den anderen Menschen durch Kultur, Sprache und Religion unterscheiden KÖNNEN und oft (glücklicherweise) auch unterscheiden.

    Auch mir erscheint der Begriff zu technisch, aber er ist vor allem erstmal: nötig.

  69. 70
    Limited says:

    @ unklartext

    Kultur

    Das halte ich ebenso für ein Buzzword. Ähnlich wie Web 2.0, Frieden, Ausländer, politisch korrekt oder Freiheit versteht jeder etwas anderes darunter.

    Da sind Benunngen wie Menschen mit Migrationshintergrund schon wesentlich sinnvoller. Das kann man bei Bedarf dann ja weiter konkretisieren. Inhaltlich-sachlich spricht nichts gegen diesen Begriff „mit Migrationshintergrund“.

    Wer sich über so etwas aufregt hat in meinen Augen ganz andere Absichten, als Sprachkritik zu äußern.

  70. 71
    Usul says:

    > Ich nenne ja Leute, die was gegen politische Korrektheit haben,
    > politisch unkorrekt Rassisten. Meistens geht dann das Geheul los.
    > Dann wird plötzlich Differenzierung gefordert.

    Sehr schön! Clever und witzig.

  71. 72
    creezy says:

    Ach was sollen die armen B.Z.-Schreiber denn machen? Da ist so wenig Platz zum laut denken, da muss man schon verallgemeinern, um mit 250 Zeichen eine Aussage bilden zu können.

  72. 73
    AU says:

    Guten Tag,

    ich bin ein Ausländer… obwohl ich ein Rechtsanwalt bin und die deutsche Staatsangehörigkeit besitze. Die allermeisten irteilen nach dem Phänotyp. Das ist bedauerlich, aber vom gemeinen Hans-Werner nicht mehr abzustellen. In Illinois war das nicht so. Ich bin kein Migrant noch habe ich einen Migrationshintergrund. Meine Eltern sind nicht „gewandert“, sie sind Zug gefahren…

    Liebe Grüße
    AU

  73. 74
    cojoh says:

    Lustiger- und überraschenderweise gibt es ja eine amtliche Definition für den Begriff, wer hätte das gedacht in Deutschland:

    „Migrationshintergrund ist ein Ordnungskriterium der deutschen amtlichen Statistik zur Beschreibung einer Bevölkerungsgruppe, die aus seit 1950 eingewanderten Personen und deren Nachkommen besteht. […] Seit dem Mikrozensus (= jährl. Stichproben-Volkszählung, Anm d. Autors) 2005 ermitteln die Statistischen Landesämter und das Statistische Bundesamt indirekt Daten zum Migrationshintergrund. […]
    Als Personen mit Migrationshintergrund definiert werden „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil““ Quelle: de.wikipedia.org/Statistisches Bundesamt

    Daraus leiten sich folgende Fragen ab:
    1. Wann bringt mal eine überregionale Tageszeitung diese Definition auf ihre Titelseite, damit alle, die darüber schwadronieren, sie auch verstehen?
    2. „Nach 1949 eingewandert…“ – Menschen mit Migrationshintergrund können diesen nach dieser Festlegung NIE MEHR loswerden, auch als deutsche Staatsbürger nicht. Damit bekennt sich Deutschland zum Einen de facto zu einer Blut- und Boden-Staatsbürgerschaft, die neben der „offiziellen“ Staatsbürgerschaft existiert. Zum Anderen kann auf Basis dieser Definition selbst meine fünfjährige Tochter vorhersagen, dass die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland kontinuierlich steigen muss. Wundert sich noch jemand über Sarrazin, Seehofer und Konsorten?
    3. Um den Migrationshintergrund bestimmen zu können, muss ja jeder Deutsche seine Herkunft über mehrere Generationen belegen (vulgo: Stammbaum). Sagt in diesem Zusammenhang jemandem der Begriff „Ariernachweis“ noch etwas?

  74. 75
    Reiner says:

    @ cojoh: Danke für ein paar ordnende Verhältnisse durch die Definition.

    @ klassensprecher: Die Frage, wer oder was eigentlich „deutsch“ ist, beantworten wir auch am Besten mal, ohne in Gefilde abzudriften, in denen der Ariernachweis wieder aktuell wird (nach einigen latent oder tendenziell rassistischen Kommentaren hier): „Deutsch“ ist eine Staatsangehörigkeit und mehr nicht. Jede weitere Beschreibung hinsichtlich der weißen Hautfarbe der Ureinwohner, besonderer Essgewohnheiten oder gar typischen Primärtugenden und so weiter können wir am besten sein lassen, weil irrelevant in der Debatte, die sich nicht darum dreht, wie man „Ausländer“ erkennt, sondern wie man besser kommunizieren kann.

    Herr Schusselius ist ein gedankenfaules Opfer einer unübersichtlichen und zuweilen sinnlosen Debatte mit geschichtlichem Nachgeschmack, zu deren Unübersichtlich- und Sinnlosigkeit er selbst fahrlässig beigetragen hat. Und die B.Z. druckt sowas, natürlich, damit die Leute was zum Quatschen für die Stammtische haben.

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  1. […] würde ganz gerne ein paar Aufgeregtheiten aus der Diskussion um Zuwanderung und Islamismus und Integration und Verweigerung derselben nehmen. Ich würde gerne in Zukunft nicht […]

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