Die Haltlosigkeit von DuMont Schauberg

Es geht nicht mehr nur um das mögliche Verhalten von Konstantin Neven DuMont. Es geht inzwischen auch darum, wie sich der Verlag DuMont Schauberg dazu verhält.

Am Dienstag erhielt ich eine Mail vom Sekretariat des Verlegers Konstantin Neven DuMont, das mich in seinem Namen bittet, alle Kommentare, die unter seiner Email-Adresse gepostet werden, zu sperren und nicht mehr zu veröffentlichen.

In der Mail war der Kontakt einer Verlagssprecherin angegeben, an die ich mich „bei Rückfragen“ wenden solle. Tatsächlich hatte ich einige Rückfragen, die naheliegendste davon lautete: Warum? Ich fragte sie also, warum ich solche Kommentare sperren soll, ob das der Wunsch des Verlages oder von Konstantin Neven DuMont sei, ob dem Verlag bewusst sei, dass damit Herr Neven DuMont nicht mehr bei mir kommentieren könne, und ob das beabsichtigt sei?

Ich erhielt keine Antwort.

Ebenfalls am Dienstag hatte sich der Verlag offiziell zu den merkwürdigen Vorgängen geäußert. Neven DuMonts Vorstandskollege Eberhard Klein sagte: „Der Vorwurf, Konstantin Neven DuMont habe persönlich anonyme Kommentare gepostet, ist haltlos.“

Das ist eine erstaunliche Formulierung und ein kaum verborgener Angriff auf mich. Es mag sein, dass Konstantin Neven DuMont nicht persönlich anonyme Kommentare gepostet hat. Ich kann das nicht beweisen und behaupte es auch nicht. „Haltlos“ ist ein solcher Vorwurf aber keineswegs; es gibt viele Indizien, die dafür sprechen. Eines davon hat Georg Altrogge, der Chefredakteur des Branchendienstes „Meedia“, aufgedeckt. Er schreibt in seinem Blog:

Am 3. September ging es bei MEEDIA um ein Interview mit Konstantin Neven DuMont. Dabei äußerte dieser den Wunsch, dass das Gespräch mit Fernsehkameras aufgezeichnet werden solle und begründete dies so: „Dann hätten auch lesefaule Menschen etwas davon.“

In der folgenden Nacht, um 0:03 Uhr, notierte im Blog von Stefan Niggemeier ein anonymer Schreiber („Medienjournalist“) unter der E-Mail und von der IP-Adresse Neven DuMonts: „Im Januar 2010 führte Georg Altrogge (MEEDIA) ein Interview mit Neven DuMont durch. Heute einigten sie sich auf ein Gegeninterview. Diesmal wird das Ganze von einer Kamera aufgezeichnet. Lesemuffel sollen ebenfalls erreicht werden.“ Merkwürdig: Weder hatte ich dem TV-Interview zugestimmt, noch den Vorschlag DuMonts irgendjemandem zur Kenntnis gebracht.

„Lesefaule“ und „Lesemuffel“ – soll das tatsächlich zwei verschiedenen Personen fast gleichzeitig in den Kopf gekommen sein?

Ich habe die Sprecherin deshalb gefragt: Wie erklärt der Verlag, dass vom Rechner von Neven DuMont anonyme Kommentare gepostet wurden, die teilweise Informationen enthielten, die nur Neven DuMont bekannt waren? Welche Kenntnisse hat der Verlag, die den Vorwurf an Neven DuMont „haltlos“ machen? Und was ist an meiner Darstellung der Vorgänge falsch?

Ich fürchte, ich werde auch darauf keine Antwort bekommen.

Nachtrag, 23. Oktober. Konstantin Neven DuMont schreibt an seine Facebook-Pinwand:
Laut Vorstandsbeschluss darf ich mich über eine sehr skurrile Geschichte zur Zeit nicht äußern. Dennoch werde ich diese Angelegenheit nicht auf mir sitzen lassen.

Nachtrag, 12 Uhr. Der „Spiegel“ berichtet vorab, Konstantin Neven DuMont wolle den Verlagsvorstand verlassen:

Er denke schon seit einiger Zeit darüber nach, aus dem Verlagsvorstand auszuscheiden, sagte er dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Er sei letztlich „doch mehr auf der kreativen Seite“ zu Hause, nicht so sehr „Verwalter“. Die Idee, dass er in den Aufsichtsrat wechselt, finde er mittlerweile reizvoll. Am liebsten wäre ihm, er könne seine Energie in kleinere Eigenproduktionen etwa über Öko-Themen stecken.

Nachtrag, 12.40 Uhr. „Spiegel Online“ ergänzt:

Sein Rückzug würde die Neven DuMonts vor ein Problem stellen: Jemand anderes müsste die Familie im Unternehmen repräsentieren.

Das wiederum wäre ganz im Sinne einzelner wichtiger Entscheider innerhalb des Unternehmens. Auch wenn es öffentlich niemand äußern mag: Es gibt die Sorge, dass Konstantin seiner Rolle als künftiger Konzernchef nicht gewachsen sei. Bestärkt sehen sie sich in ihrer Annahme durch den Kommentar-Streit.

Nachtrag, 25. Oktober. Gegenüber „Bild“-Köln kündigt Neven DuMont an, sich in der nächsten Woche „mit entsprechenden Beweisen gegen die Kampagne zur Wehr [zu] setzen“. Ob seine Zukunft im Verlag liege, werde sich in den nächsten Tagen entscheiden. „Ich habe mich in den letzten 15 Jahren immer für die Branche stark gemacht und bin jetzt betroffen über die Kampagne gegen mich. Aber da wird noch jeder sein Fett wegkriegen“, zitiert „Bild“ den Verleger.