Kurz verlinkt (22)

13 Aug 08
13. August 2008

Die Geschichte um die dubiose „Gesellschaft für Rationelle Psychologie“ (GRP), die mit pseudowissenschaftlichen Studien unter anderem im Auftrag des Möchtegernmagazins „Men’s Health“ Scheinnachrichten produziert, wie das Magazin „Zeit Wissen“ berichtete, ist weiter gegangen.

Die „taz“ beschrieb in der vergangenen Woche, wie sich GRP mit seriösen Auftraggebern schmückt, die eine Zusammenarbeit in den letzten Jahrzehnten bestreiten.

Und „Zeit Wissen“-Chefredakteur Jan Schweitzer berichtet, wie GRP-Mann Henner Ertel versucht, auf die Redaktion und Kritiker Druck auszuüben:

In dem Schreibens bezichtigt er den Autor der „Schlampigkeit“, weil er vom „Institut für Rationelle Psychologie in Stuttgart“ schreiben. Ertel wörtlich: „Wir sind seit 1969 ein Münchner Institut, das auch in München steuerlich erfasst ist und kein Stuttgarter Institut.“ Dumm nur, dass wenige Zentimeter über dieser Behauptung im Briefkopf die Adresse „Industriestr. 4 — 70765 Stuttgart“ steht.

(Einen entlarvenden Kommentar hat Ulrike Ertel, die Geschäftsführerin des Instituts, auch hier im Blog abgegeben.)

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Der gemeinsamen öffentlichen Begehung des Sommerlochs in Dinslaken hat sich nun auch die „Neue Rhein-Zeitung“ angeschlossen.

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Und wenn Sie eine Ahnung haben wollen von meiner Arbeitsweise (ach was: meinem Leben!), lesen Sie heute noch (oder spätestens morgen) den Text von Kathrin Passig in „Zeit Campus“ übers Aufschieben:

Als Abgabetermin schreiben wir Ende Februar ins Konzept. Die handelsübliche Arbeitszeit für ein Buch beträgt zwar ein ganzes Jahr, aber wir überspringen die Hälfte des Jahres, die man sowieso nur mit Prokrastination verbringt, und steigen direkt in die Torschlusspanik ein.

17 Gedanken
  1. 1
    Torsten says:

    Im Zeit-Artikel steht, dass die GRP am 12. August „eine vollständige Darstellung zu allen wahrheitswidrigen Behauptungen und Verleumdungen auf unsere Web-Seite stellen“ wolle. Und in der Tat: der Link mit dem Wort „Gegendarstellung“ strahlt den gespannten Besucher an. Eine Gegendarstellung gibt es dort aber nicht — nur ein Mailformular.

    http://​www​.grp​-net​.com/​i​n​f​o​/​0​1​0​0​3​.​h​t​m​l​?​S​=​G​.​R​.​P​.​-​G​e​g​e​n​d​a​r​s​t​e​l​l​ung

  2. 2
    undertaker says:

    Vielleicht noch eine Ergänzung zu dem angeblichen „Handbuch“, was ja alle offenen Fragen zur wissenschaftlichen Methodik erhellen soll und was die TAZ auch nicht finden konnte. Ich habe damals selbstverständlich sofort bei der Deutschen Nationalbibliothek (http://​www​.​d​-nb​.de/) nachgeschaut, weil bekanntlich jedes in Deutschland erschienene Buch dort hinterlegt wird. Das „Handbuch“ ist dort — wen wundert es — nicht aufgeführt. War ja „Das große Testbuch: Kennen Sie sich selbst? Kennen Sie den anderen? Ernste und heitere Tests für Sie und Ihre Freunde“ gemeint? Man findet neben dem schon erwähnten Buch „Erotika und Pornographie“ allerdings von Henner Ertel nur noch so bahnbrechende Werke wie „Trimm dich geistig fit!“ und „Die Kunst, aus der Hand zu lesen“.

  3. 3
    svengali says:

    Die GPR-Show geht auch an anderen Stelle weiter: Interessanter Artikel zB bei den Ruhrbaronen, die sich die Referenzliste des Instituts mal vorgenommen haben. Der Artikel ist aber nur halb so amüsant wie die tobende Frau Ertel im Kommentar.

    Dass einige Referenzen zweifelhaft erscheinen, ist dem fröhlichen Institut scheinbar auch relativ egal: Die Liste wird zwar nicht mehr verlinkt, aber immer noch vorgehalten, inklusive der strittigen Namen. Andererswo schützt die GRP seine Inhalte sorgfältiger: Die versprochene Gegendarstellung zum „Zeit“-Artikel scheint es inzwischen zu geben, aber lesen darf sie nicht jeder: Erst müssen die Kontaktdaten hinterlassen werden.

    Gäbe es eine Goldmedaille für’s Schießen ins eigene Knie, die Ertels gehörten zum ganz engen Favoritenkreis.

  4. 4
    svengali says:

    (ach, die „Gegendarstellung“ ist ja schon verlinkt worden. war bei mir noch nicht zu sehen gewesen.)

  5. 5
    Torsten says:

    @sevngali: Kein Problem, Redundanz ist manchmal ganz gut und ich heiße ja nicht Glaser :-)

  6. 6
    Nobilitatis says:

    #5: Oh, ein interner Witz. Wie lustig.

    Was ich absurd finde: Wie blöd muss man sein, damit man seine Stellungnahme zu bereits veröffentlichten Vorwürfen, die so viele Leute schon kennen, nur geprüften Journalisten zukommen lässt, mit Verschwiegenheitserklärung!
    Da gilt „Ist der Ruf erst ruiniert …“

  7. 7
    Batman says:

    Im ersten der beiden Zitate sind noch ein paar Fehler „Schreiben“ ohne „s“ (Zeile 1) und „schreibt“ statt „schreiben“ (Zeile 2). Oder ist das mit (sic!) zu verstehen?

  8. 8
    Ekrilu says:

    Wem es ersthaft interessiert.
    Gegendarstellung — RICHTIGSTELLUNG DER WAHRHEITSWIDRIGEN BEHAUPTUNGEN UND VERLEUMDUNGEN VON HERRN PAULUS UND HERRN OPPONG, ZEIT WISSEN UND TAZ
    [Code untruth] = Lügen, wahrheitswidrige Behauptungen, Vertrauensbruch, Unehrlichkeit. Overall result 39
    [Code manipulation] = Manipulation durch bewusstes Weglassen von Informationen, ungeprüfte Informationen, Spekulationen, Informationen, die man bei einer professionellen Recherche hätte wissen müssen. Overall result 82
    [Code slan] = Verleumdungen, Beleidigungen, imageschädigene Behauptungen, Rufmord, Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Overall result 47
    grp​-net​.com

  9. 9
    Ekrilu says:

    „ersthaft“ — Kein Rechtschreibfehler.
    Für die vielen klugen Köpfe hier. Brentano Rätsel.

  10. 10
    Olly says:

    Und „Wem“ ist wohl auch kein Gramatikfehler, wie…?

  11. 11
    Olly says:

    Dafür ist „Gramatik“ selbstverständlich ein Rechtschreibfehler. Für alle Köpfe hier, ohne Rätsel…

  12. 14
    SD says:

    Gna…

    Wenn du schon zeitgleich das gleiche schreibst, dann schreib es wenigstens kurz nach mir, damit du doof da stehst und nicht ich!

  13. 16
    winston smith says:

    @ SD: Das Doof-Dastehen hat Dir der Hobelmann abgenommen…

  14. 17
    hobelmann says:

    @sd: ich schiebs auf die müdigkeit…

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