Oliver Bierhoff

27 Mrz 11
27. März 2011
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Eine Möglichkeit ist, dass Oliver Bierhoff den „Tatort“ nicht gesehen hat, über den er sich in der „Bild“-Zeitung beschwert. Eine andere, dass er ihn nicht verstanden hat.

In diesem „Tatort“ am letzten Sonntag ging es um einen fiktiven schwulen Bundesliga-Spieler. Tatsächlich sagt der an einer Stelle: „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“ Bierhoff sieht in diesen Sätzen einen Beweis für sinkende moralische Werte; einen Angriff auf sich und seine Familie, „die Familie der Nationalelf“; einen Missbrauch der Prominenz der Mannschaft.

Dabei sind die Sätze erstens unbestreitbar wahr und zweitens ganz anders gemeint. Gibt man „Jogi Löw“ oder „Hansi Flick“ ein, schlägt Google jeweils als ersten passenden Suchbegriff „schwul“ vor. Das funktioniert auch bei „Oliver Bierhoff“ und vielen Spielern. Google tut das, weil die Menschen massenhaft nach diesen Wortkombinationen suchen. Das heißt nicht, dass die halbe Nationalmannschaft schwul ist. Es heißt, dass es ein Volkssport ist, dieses Gerücht zu verbreiten und zu diskutieren.

Im „Tatort“ aber sagt der fiktive Spieler die Sätze nicht, um ein Gerücht zu verbreiten, sondern um seine Haltlosigkeit zu betonen. Er selbst wurde gerade von der Kommissarin mit dem Verdacht konfrontiert, schwul zu sein, und sagt abwinkend: Uns Profi-Fußballern wird doch allen vorgeworfen, heimlich homosexuell zu sein, das hat doch nichts zu sagen. Ist der Gedanke aussichtslos, einem Oliver Bierhoff diesen Kontext in einer Nachhilfestunde „Filme richtig verstehen“ zu erklären?

Bierhoff hat nur gehört, dass da jemand gesagt habe, die seien alle schwul. Dass er darauf so heftig reagiert und das Wort „Familie“ als Kontrast und vermeintlichen Gegensatz zur Homosexualität benutzt, ist entlarvend.

Man kann lange darüber diskutieren, wie groß die positive Wirkung ist, die ein gut gemeinter „Tatort“ haben kann. Eine Antwort aber ist leicht: Sicher nicht so groß wie die negative, die ein „Bild“-Interview von Bierhoff hat. Immerhin ist deutlich geworden, dass das Problem nicht nur irgendwelche Schwulenhasser in den Fankurven sind, sondern auch die sich für aufgeklärt haltenden Verantwortlichen ganz oben im Verband. Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben.

136 Gedanken
  1. 52
    Muyserin says:

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