Tom Junkersdorf packt aus

30 Aug 06
30. August 2006

Tom Junkersdorf, seit einem Jahr mit einigem Erfolg Chefredakteur der „Bravo“, war vorher bei „Bild“. Zu seiner Amtszeit als Unterhaltungschef nahm sich „Bild“ Sibel Kekilli in einer Weise vor, die das Berliner Landgericht als höhnische Herabsetzung und Eingriff in die Menschenwürde bezeichnete.

Junkersdorf sagt von sich, er habe mit „Bravo“ Tokio Hotel „gemacht“. Dem „Kress-Report“ sagte er:

„Ich habe von Kai Diekmann bei ‚Bild‘ einiges gelernt, was mir jetzt bei ‚Bravo‘ nützt: Themen setzen, an Themen glauben und sie mit Gewalt durchziehen.“

Ein spannender Gesprächspartner also. Und das einstündige Telefonat, das Planet​-Interview​.de mit Junkersdorf führte, muss ein richtig interessantes Gespräch gewesen sein. So interessant, dass der Verlag zwei Drittel der Antworten Junkersdorfs nicht zur Veröffentlichung freigab.

Zum Glück haben die Leute von Planet​-Interview​.de (ähnlich wie die „Zeit“ vor ein paar Wochen bei einem Interview mit Oliver Kahn) die wunderbare Idee gehabt, das Interview auch ohne die Antworten Junkersdorfs zu veröffentlichen. Das liest sich ganz wunderbar:

Was hören Sie eigentlich selber für Musik?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen —

Und so:

Haben Sie sich schon mal einen Klingelton runtergeladen?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen —

Und (offensichtlich im Zusammenhang mit dem Fall Sibel Kekilli) auch so:

Die Folgen, die diese Kampagne für die Schauspielerin hatte, sind Ihnen wohl bekannt.
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Vielleicht wäre sie auf anderem Wege nicht zu dieser tollen Rolle gekommen.
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Sollen wir denn eigentlich alles wissen über die Vorgeschichten von Schauspielern? Ist das Ihr Streben, alles im Privatleben aufzudecken?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Also, ein Goldener Bär ist ja schon noch etwas anderes als das Amt der Bundeskanzlerin.
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Sie haben dann auch Bilder aus Ihren Pornofilmen abgedruckt.
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Empfanden Sie das als würdevoll?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Man hätte ganz normale Portraits verwenden können. Doch so, wie die Bild verfahren ist, hat es Frau Kekilli enorm geschadet, auch psychisch glaube ich.
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Sie empfinden keinerlei Reue?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

(…) Wenn ich Sie richtig verstehe: Sie führen sämtliche Unwahrheiten in der Bild auf den großen Redaktions-Apparat zurück, in dem viele Sachen schief laufen, weil so viele Redakteure zusammenarbeiten? Die zahlreichen Klagen von Personen des öffentlichen Lebens und die Gegendarstellungen, welche Bild regelmäßig abdrucken muss: alles nur ein Resultat von schlechter Organisation?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Und warum hat dann der Deutsche Presserat die Berichterstattung der Bild über Frau Kekilli gerügt und eine Verletzung der Menschenwürde beanstandet?
Junkersdorf: — Antwort wurde gestrichen –

Das ganze Interview steht hier.

 

(Mein bittere, vernichtende Pointe wurde von mir gestrichen.)

5 Gedanken
  1. 1
    Erik says:

    Boah! Klasse! Aber die bittere, vernichtende Pointe würde ich schon gerne lesen. :)

  2. 2
    h. aus f. says:

    Es scheint, als ob Junkersdorf sich nach dem Interview nicht so BRAVO fühlte…

    Auch ich bitte um VÖ der bitteren, vernichtenden Pointe.

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  1. […] der im nachhinein zwei Drittel seiner Antworten zurückzog, dürfte vielleicht, unter anderem durch diesen Artikel, bekannt sein. Johnny Häusler hat nun in guter, alter Bild- bzw. Bravo-Tradition, diese […]

  2. […] — Betrag wurde gestrichen — […]

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