Schwuler Schmuddel

18 Apr 11
18. April 2011

Man lebt riskant als schwuler Moderator, der nicht zu seiner Homosexualität stehen will. Dieter Bohlen hat Marco Schreyl das vor einem Jahr mal gezeigt.

Es war in einer Ausgabe der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“, die Schreyl moderiert und Bohlen regiert. Einer der Kandidaten hatte seiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht. Moderator Marco Schreyl nahm das zum Anlass, Bohlen zu fragen, ob er nicht auch mal wieder heiraten wolle. Bohlen fand das aus unbekannten Gründen unangemessen und ließ sich hinterher von „Bild“ mit folgenden Worten zitieren:

„Soll Marco doch mal Fragen zu seinem Privatleben beantworten. Man hört da ja so einiges … Soll er mir seine Freundin mal zeigen, dann gebe ich ihm als Mensch mit Lebenserfahrung gerne Beziehungstipps.“

Das klingt womöglich harmlos, höchstens kryptisch — wenn man nicht weiß, dass Marco Schreyl schwul ist. Wenn man es weiß, klingt es wie ein Erpressungsversuch. Dieter Bohlen, der seine Frauengeschichten in der Öffentlichkeit breittritt, droht Marco Schreyl, der eventuelle Männergeschichten nicht in der Öffentlichkeit breittritt, damit, ihn zu outen, wenn er sich nicht fügt.

Schon das ist ein hervorragendes Argument für Prominente, öffentlich zu ihrer Homosexualität zu stehen: Damit man nicht erpressbar wird von Leuten wie Dieter Bohlen.

Ich hatte damals bei RTL nachgefragt, ob der Sender nicht ein Problem mit dem Verhalten Bohlens hat. Aber die Sprecherin wies mich darauf hin, wie viele an der Produktion beteiligte Menschen, auch in der RTL-Hierarchie, schwul seien, und dass Bohlen ja den offen schwulen Kandidaten Mark Medlock gemocht habe und dass der Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit damit abwegig sei.

Ich habe die Argumentation damals schon nicht verstanden und halte es auch heute noch für einen Skandal, dass der Sender damals nicht für seinen Moderator eingetreten ist und Bohlen in die Schranken gewiesen hat. Das Perfide ist, dass es unmöglich war, darüber zu berichten, ohne das, was Bohlen nur angedeutet hatte, auszusprechen.

Gestern veröffentlichte Thomas Lückerath im Mediendienst DWDL einen Artikel über Prominente, die ihre Homosexualität verstecken. Darin nannte er Marco Schreyl verblüffenderweise als positives Beispiel:

Marco Schreyl (…) hat nie die große Schlagzeile für seine Homosexualität gesucht – umgekehrt aber auch kein Geheimnis draus gemacht hat. Nicht nur privat in seiner Wahlheimat Köln — so offen gehen viele Kollegen inzwischen damit um — sondern auch vor der Kamera: Wer sich die letzten Staffeln der beiden von ihm moderierten RTL-Castingshows anschaut, wird immer wieder gezielte Anspielungen Schreyls entdecken – die von ihm spürbar mit fast diebischer Freude untergebracht wurden. Öffentlich gelebte Selbstverständlichkeit lässt sich dann nicht mehr enthüllen. Dass es also kein Titelseiten-Outing gab, macht ihn nicht zur Klemmschwester – wie nicht geoutete Schwule in der Szene genannt werden. Im Gegenteil.

Ich halte dieses Urteil für realitätsfern — sowohl was die Wahrnehmung von Marco Schreyl angeht, als auch die Selbstverständlichkeit von „Selbstverständlichkeiten“. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht in Köln lebe, aber auf mich als Fernsehzuschauer und Zeitungsleser wirkt Schreyl gerade nicht wie jemand, der entspannt mit seiner Homosexualität umgeht — und die Episode mit Bohlen vor einem Jahr ist ein drastisches Beispiel dafür. Wann, wenn nicht nach einer solchen öffentlichen Herausforderung, hätte man aus dem Schrank kommen und Sätze wie „Man hört ja da so einiges… Soll er mir seine Freundin mal zeigen“ ebenfalls öffentlich zurückweisen müssen? Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die jungen schwulen Fans und Zuschauer, die glauben, sich ähnliches gefallen lassen zu müssen.

Vor allem aber widerlegt die heutige „Bild“-Zeitung Lückeraths hoffnungsvolle These von der Selbstverständlichkeit. „Bild“ fragt, wann RTL „den schlüpfrigen Schreyl“ rauswirft. Die Beispiele dafür, wie der Moderator lustig gemeinte Sätze sagt, die man auch als Anspielung auf sein Schwulsein verstehen kann, sind von erschütternder Harmlosigkeit im Kontext einer vollständig schamlosen Sendung.

Aufhänger ist eine Szene, in der die Tante einer Kandidatin Schreyl den Glücksbringer der Sängerin zeigt: ein Paar Kugeln („Moqui-Marbles“). Es entwickelt sich folgender Dialog:

Tante: Möchten Sie auch einen?
Moderator: Ja. Am besten zwei.
Tante: Ja, zwei sind es sowieso.
Moderator: Gut, guckenSe mal: Jetzt hab ich wieder zwei!
Tante: Liebevoll mit umgehen!
Moderator (lacht): Mache ich immer mit diesen Dingern, keine Frage.

„Bild“ nennt das einen „neuen Tiefpunkt“ in der Moderation und kommentiert:

Wieder so ein Schmier-Witzchen, das sich — wie fast alle — um Schreyls Sexualität dreht.

Sehen wir einmal davon ab, dass sich dieses „Witzchen“ gar nicht um Schreyl Sexualität dreht, wenn „Bild“ damit sein Schwulsein meint, sondern um das Verhältnis von Männern überhaupt zu ihren empfindlichsten Geschlechtsteilen.

Und sehen wir einmal davon ab, wie lächerlich es ist, wenn ausgerechnet die vor unbefriedigter Geilheit täglich berstende „Bild“-Zeitung, die jede Viertelbrustwarze, die irgendwo für eine Zehntelsekunde zu sehen ist, in Überlebensgröße als Gipfel der Erotik zelebriert, sich um die Unschuld der Jugend sorgt.

Der Artikel entlarvt die unterschwellige Homophobie des Blattes. Dieter Bohlen kommentiert regelmäßig die Auftritte kaum bekleideter Mädchen, die seine Enkelkinder sein könnten, als hätte er unter dem Jurypult eine Dauererektion. Schreyls Sprüche sind dagegen lachhaft. Ich bin der letzte, der eine Lanze für die Moderationen von Marco Schreyl brechen würde. Aber es ist unschwer zu erkennen, dass es hier nicht um eine Frage des Geschmacks geht, sondern um eine Frage von Gleichberechtigung und Akzeptanz. Oder genauer, um ihr Fehlen, um Diskriminierung.

Heterosexuelle Schlüpfrigkeiten werden beklatscht. Homosexuelle Schlüpfrigkeiten sind ein Entlassungsgrund. Schwule Sexualität ist immer noch eklig. Schwules Leben wird so als schambehaftet und minderwertig definiert.

Und dann ist da zwischen Zeilen noch der Mythos, dass junge Menschen in ihrer Sexualität verwirrt werden könnten, wenn Homosexualität als Normalität dargestellt wird. Konkret also etwa durch Moderatoren, die nicht nur schwul sind, sondern sich das auch noch anmerken lassen. Denkt denn niemand an die Kinder!, ruft „Bild“ da aus. Der heterosexuelle Moderator, der anzügliche Kommentare über das knappe Kleid seiner Assistentin macht, hat hingegen anscheinend keine jugendschutzrechtliche Relevanz.

Ich fürchte, es gibt viele Menschen, die von sich sagen würden, sie seien „tolerant“, was Homosexualität angeht. In Wahrheit akzeptieren sie nur, dass es Schwule gibt, und nicht, dass Schwule ihr Schwulsein auch in der Öffentlichkeit leben, wie es Heterosexuelle tun, und sei es mit anzüglichen Witzen. Ich glaube immer mehr, dass man diese Form von Schein-Toleranz, die schon ein Coming-Out als eine unangenehme Behelligung mit dem Intimleben eines Menschen empfinden, bekämpfen muss.

Insbesondere da es eine Bewegung gibt, die selbst die erreichten Fortschritte beim Ende der Diskriminierung von Homosexualität rückgängig zu machen droht. Sie tritt gerne unter dem Banner des Kampfes gegen das angebliche Diktat der „Political Correctness“ auf und tut so, als seien homophobe Witze ein Zeichen für Emanzipation und Gleichberechtigung.

In Extremform steht dafür aktuell der Kabarettist Serdar Somuncu, der gelegentlicher Gast in der n-tv-Pointenrevue „4 Gewinnt“ ist und dort Sätze sagt wie: „Ich finde Guido Westerwelle ekelhaft – der ist schwul und hat Narben im Gesicht.“ In seinem Programm im Internet lebt er seine ekelhaftesten Fantasien darüber aus, wie ekelhaft man Lesben finden könnte. Und das merkwürdige ist, dass es angesichts der Mode der „Political Incorrectness“ viel akzeptabler scheint, so jemanden als Gast wieder in eine Talkshow einzuladen, als zu fragen, ob das eigentlich nötig ist.

Der Schwulenwitz ist noch und wieder hoffähig. Der Witz eines Schwulen ist es nicht. Das ist der Stand der Dinge.

217 Gedanken
  1. 1
    SunTzu says:

    Also dieser ganze Text hört sich für mich nach Aufregen um des Aufregens Willen an. Ich finde nicht, dass Bohlen Schreyl mit seiner Aussage „erpresst“ hat. Und wieso sollte man keine Witze über Schwule machen dürfen?

  2. 2
    Andi says:

    In der selben Sendung hat übrigens ein 16jähriger über ausschreifenden Sex mit einer Striptease-Tänzerin gesungen. (Okay: Genuschelt.) Aber das ist ja heterosexuell und damit offenbar unproblematisch.

  3. 3
    Andi says:

    *ausschweifenden

  4. 4
    Sebastian says:

    Äh ja.“Skandal“. Erpressung.

    Was für ein Käse.

    Ich glaube man muss selbst ein wenig verklemmt sein um einen Satz von einem absolut hohlen Ex-Musiker der jetzt einen auf Jury macht als „Erpressung“ anzusehen.

    Die einzigen Leute, die Bild mit ihren Titeln (über die ihr auch eben bei Bildblog berichtet hat) aufregt, sind die Leute, die immer noch im Gestern leben und Homosexualität nicht als normal empfinden.

    DWDL hat meiner Ansicht nach Recht. Schreyl geht unverkrampft mit der Thematik um. Bild nicht. Du auch nicht.

    Schade.

  5. 5
    Simon says:

    Hm. Serdar Somuncu als jemanden darzustellen, der durch political correctness motiviert ist, ist ein – ähm – unerwarteter Blickwinkel…

    Viele Grüße,
    Simon

  6. 6
    Firehunter says:

    Ich kann dem Text im Kern nur zustimmen. Leider ist der Trend momentan aber auch in anderer Hinsicht bedenklich.
    Wer einen/e ausländischen/e Partner/in hat bekommt in der Allgemeinheit auch sein ‚Fett‘ weg.
    „Der kommt wohl mit einer deutschen Frau nicht klar, das er sich eine Asiatin ‚KAUFEN‘ muss!“, ist nur ein Spruch, den ich in letzter Zeit häufiger wieder gehört habe.
    Dieser Trend war doch schon vor 10/15 Jahren einmal da! Brauchen wir wieder mal neue/alte Feindbilder?

  7. 7
    Stefan Niggemeier says:

    @Simon: Wie ich schrieb: Durch den Kampf dagegen.

  8. 8
    hugo von krapendorf says:

    Angemessen wäre meiner Ansicht nach, wenn niemand mehr die Notwendigkeit verspürte, zu irgendeiner Sexualität „stehen“ oder damit „entspannt umgehen“ zu müssen.

  9. 10
    Mitleserin says:

    Ich finde auch, dass Lückerath bei DWDL Marco Schreyls Auftreten gut beschreibt. Schreyl versteckt seine Neigung/Orientierung nicht, sondern kommt sehr selbstverständlich und souverän als schwuler Mann beim Zuschauer an. Diese Selbstverständlichkeit ist den Homophoben vom Springer-Verlag natürlich ein Dorn im Auge, so dass sie nach Jugendschutz und guten Sitten schreien müssen. Sehr lächerlich und gleichzeitig unglaublich erbärmlich – alleine das Gehabe von BILD ist unterstes Niveau. Sie schaffen es dort immer wieder, sich selbst zu unterbieten.
    Über Bohlens Aufforderung Schreyl solle sich zu seinem Privatleben äußern, würde ich hinwegsehen. Nachdem Schreyl öffentlich Bohlens wunden Punkt der Versorgung multipler Lebensabschnittgefährtinnen anstupste, wollte sich dieser wohl mit Insiderkenntnissen über Schreyl wichtig tun. Doch Schreyl scheint sein Privates noch souverän schützen zu können. Es geht wirklich niemanden etwas an.
    Der selbsternannte Kabarettist von n-tv hat sich mit seiner Form von Komik gleich selbst versenkt.

  10. 11
    Rüdiger Pretzlaff says:

    Hallo,

    Es liegt hier nicht am schmuddel Schreyl oder schmuddel Bohlen. Es ist RTL. Ich darf es fast jeden Samstag angucken, da meine besser Hälfte sich das anguckt. Mit dem Rechner oder Tablet auf dem Schoss fällt mein Blick ab und zu mal auf die Mattscheibe. Sehr er schreckend ist dabei immer die Kameraführung. Die jungen Dinger müssen immer diese Treppe hoch zu den anderen, wer Aufnahmen davon hat soll sich manche Situationen dabei mal genauer angucken. Manche nehmen bei den letzen Schritten eine Hand nach hinten und halten sie vor den Hintern, wenn sie kurze Röcke anhaben.
    Es ist eine Riese schweinerei das ein TV Sender so krass in der Kameraführung agiert und dabei den Frauen unter die Röcke filmt.
    Es gibt reichlich solcher Szenen in jeder Sendung, da sind die Sprüche von Bohle und Co das kleinste Problem.
    Cya
    Ruedigerp

  11. 12
    Irene says:

    Hugo und Maith, kennt ihr schon dieses neue unangemessene Blog:

    http://www.bisexualitaet.org

  12. 13
    Pittiplatsch says:

    Gegen erotische Anspielungen ist grundsätzlich erstmal wenig einzuwenden. Problematisch werden sie u.a. dann, wenn mit ihnen womöglich sexuelle Ausrichtungen und Avancen verfolgt werden, die solchermaßen erotisch „Angespielte“ überhaupt nicht teilen. Bei Sarah Engels war klar, dass sie mit ihrem fliegenden Röckchen selbst erotisch provozieren wollte, wenn sie dabei noch extra mit dem Allerwertesten schwingt. Bei Sebastian Wurth ist völlig unklar, ob er wirklich von Marco Schreyl erotisch „angesch°^spielt“ werden will. Homosexuelle stehen vor der Realität, dass die übergroße Mehrheit ihrer Geschlechtsgenossen ihre homosexuelle Ausrichtung nicht teilt. Entsprechend absolut sensibel und behutsam müssen sie auch mit entsprechenden „Anspielungen“ und Avancen vorgehen – erst recht gegenüber Minderjährigen in der Fernsehöffentlichkeit. Homosexualität wird natürlich insofern nicht als normal empfunden, als es sich um die sexuelle Ausrichtung einer Minderheit handelt. Wäre Homosexualität normal, bräuchte es z.B. auch keine Coming Outs. Als normal wird dabei allenfalls empfunden, dass diese besondere sexuelle Orientierung respektiert wird. Das erfordert aber ebenso den Respekt von Homosexuellen gegenüber der sexuellen Orientierung der großen Mehrheit von Heterosexuellen.

  13. 14
    pascal says:

    Bei Somuncu bin ich mir nicht ganz sicher. Es ist scheinbar sein Stil, „objektive Analyse“ mit niveaulosen „Witzen“ zu vermischen (das Liveprogramm ist in dieser Hinsicht wirklich beeindruckend, er predigt meist regelrecht, im Soziologenton, um dann schlagartig wieder von Geschlechtsteilen und Fäkalien zu reden…) Mir ist immer noch nicht klar, ob er seine (häufigen) Schwulenwitze bringt, weil das eben in sein Schema des (ironisch) bodenlos unkorrekten passt, oder ob er die „ernst“ meint. (So wie er sie einsetzt, glaube ich eher an das letztere, was schade ist, weil er sich damit viel zerstört…)
    Aber unabhängig davon, diese forcierte political-uncorrectness, mit der z.B. Linke gerne wortgleich mit den schlimmsten Stammtischbrüdern über Den Afrikaner An Sich herziehen, nur halt eben total ironisch, nervt sowieso.

  14. 15
    Jan says:

    Was hat eigentlich das türkischstämmige bei „…der türkischstämmige deutsche Kabarettist Serdar Somuncu.“ für einen Sinn? Is nur ’ne Frage.

  15. 16
    Stefan Niggemeier says:

    @Jan: Gute Frage. Ich hätte darauf eine längere Antwort, aber eigentlich isses an dieser Stelle eine überflüssige und womöglich missverständliche Information.

  16. 17
    Kai says:

    Da ich DSDS nicht sehe, kann ich nicht einschätzen, inwiefern Herr Schreyl da einfach nur irgendwelche schlüpfrigen Zoten reißt oder ob damit ein unverkrampfter Umgang mit seiner Sexualität einhergeht. Soll er es handhaben, wie er will. Die Motivation des DWDS-Artikels finde ich fragwürdig, die darin geäußerten Rechtfertigungen empfinde ich als vorgeschoben; dass dem weitere Veröffentlichungen folgen, war vorhersehbar. War das gewollt, oder wollte der Autor den ganz großen Coup landen? Hat insgesamt einen Beigeschmack.

    Bezüglich der Situation gesellschaftlicher Minderheiten sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Bei aller Toleranz und Freiheit, die in Deutschland teilweise vorhanden sind, die Stimmung kann hier und da oder überall schnell kippen. Das ist immer abhängig von zig Faktoren, vor allem sozialen Umständen und der wirtschaftlichen Situation des Großteils der Gesellschaft. Die Stimmung wendet sich immer zuerst gegen Gruppen, die nicht der Mehrheit angehören. Am intensivsten geschieht das fernab von Städten, wo die angefeindeten Randgruppen noch dazu oft kaum vertreten sind.

    Auch wenn ich das Geschreibe insgesamt nicht in Ordnung finde, nun ist es in der Welt. Schreyls DSDS-Quote wird es nichts anhaben, vielleicht hilfts wenigstens tatsächlich dem einen oder anderen Teenager auf seinem Weg…

  17. 18
    Raventhird says:

    Was für ein belangloser Klatsch-Müll. Warum schreibst Du solche Artikel? Du kannst mehr, auch wenn, wie ich inzwischen verstanden habe, das Fernsehen und seine Protagonisten Dich auf eine merkwürdige Art faszinieren. Aber das ist kein Grund, das Blog hier zur intellektuellen Version der Bunte mutieren zu lassen.

  18. 19
    Sébastían says:

    Ich finde den Text auf DWDL streitbar, gehe aber mit dem Schreyl-Absatz konform. Von daher sehe ich es ähnlich wie Sebastian (#4), wenngleich Teile deines Textes durchaus zustimmungswürdig sind. Nur wirkt deine Argumentation sehr kurz- und nicht zu Ende gedacht. Denn mal ehrlich, für dich ist die Meinung der BILD tatsächlich gleichzusetzen mit dem Stand der Dinge?

    (PS: Leider hast du Serdar Somuncu nicht verstanden.)

  19. 20
    Dipol says:

    Volle Zustimmung zu diesem Blogeintrag.

  20. 21
    Fred Katz says:

    Da fällt mir der LKW-Fahrer ein, der mit abgefahrenen Bremsen unterwegs war. Irgendwann musste er dann mal bremsen, was natürlich nicht ging. Da er nicht versuchte, auf einer Wiese zum stehen zu kommen, weil dort Kinder spielten, fuhr er in ein Gebäude und tötete zwei Menschen und sich selbst. Für seine selbstlose Tat wurde er posthum zum Helden, erklärt. Auch Herr Schreyl könnte sicher bei einem „kultivierteren“ Arbeitgeber unterkommen, so dass er nicht sich selbst und andere moralisch gefährden müsste. Er selber hat sich anscheinend auch noch gar nicht beschwert-oder liegt das vielleicht daran „dass er (nicht?) in Köln lebt“?
    Es muss doch die Frage erlaubt sein, welche persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten der noch FDP-Chef mitbringt. Es ist doch seltsam, wenn ein Politiker erst jahrelang gegen alles hetzt, was nicht der angeblichen gesellschaftlichen Norm entspricht und dann eine Wende um 180° macht und sein ganzes angebliches Charisma besteht aus-ja was bitte? Wenn Herr Wowereit mit dem Satz: „Ich bin schwul und das ist auch gut so“ jeden Diskriminierungsversuch im Keim ersticken kann freut uns das alle sehr-aber wenn dann nichts mehr kommt, bleibt ein schaler Geschmack, weil man sich ausgenutzt fühlt.

  21. 22
    Manuel says:

    Eieieiei. Komisch. Ich wohne in Köln und habe überhaupt nicht gewusst, dass Marco Schreyl schwul ist. Wahrscheinlich aus dem Grund, dass mich die Sexualität eines Moderators überhaupt nicht interessiert.

    Aber Dein Ende mit Serdar ist – mit Verlaub – großer Quatsch. Erst mal hat da das Wort „türkisch-stämmig“ genausowenig verloren, wie „Der schwule Moderator“ bei einer Besprechung von Moderationsleistungen.

    Ich hätte nie gedacht, dass man wirklich so plump denken könnte Serdar sei homophob,, wenn er sagt „„Ich finde Guido Westerwelle ekelhaft – der ist schwul und hat Narben im Gesicht.”“

    Meinst Du nicht, dass Serdar damt was ganz anderes ausdrückt? Nämlich dass über Westerwelle oft, aber nicht so offensichtlich, über seine Sexualität und Pickel gewitzt wird, anstatt ihn bei seiner Politik zu packen und durch das extreme vereinfachen der Aussage ganz ohne Gag er genau das an den Pranger stellt?

    Dass ihm das genauso stinkt, wie alle, die über Merkel Witzchen machen, wegen ihrem traurigen Gesichtsausdruck und ihrer Sprechweise, statt wegen ihrer verdammten Politik?

  22. 23
    Jan says:

    @Stefan Niggemeier
    ehrlich gesagt würde es mich interessieren.

  23. 25
    Stefan Niggemeier says:

    @Jan: Ich habe meinen aktuellen Teletext in der FAS über Serdar Somuncu geschrieben. Darin geht es neben seinen homophoben Ausfällen u.a. auch um seine Statements gegen Moslems, die in Europa leben und einen Schleier tragen wollen: Die sollen „dorthin gehen, wo sie herkommen“. Letzter Satz meines Artikels ist: „Es ist fast tragisch, dass die Partei, deren Parolen Somuncu so überzeugend verbreitet, ihn wegen seines Migrationshintergrundes wohl nicht aufnehmen würde.“

    Mit anderen Worten: Für den Teletext ist der Migrationshintergrund wichtig. Mir war nicht aufgefallen, dass er für den Kontext hier irrelevant ist.

  24. 26
    Manu says:

    Danke für den Artikel, er spricht mir aus dem Herzen. Wenn ich die homophoben Kommentare hier so überfliege, denke ich zuerst: Moratorium, es strahlt extrem, besser vorübergehend abschalten. Aber sie gehören wahrscheinlich zu solch einem Artikel, da sie ihn umso glaubwürdiger und eindringlicher machen.

  25. 27
    flo says:

    Hmm… also die Kriktik an Somuncu kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen. Als pointiertes Ende deines Artikels macht es durchaus Sinn.
    Aber: Ich habe mir schon einige Sachen von ihm angeschaut und glaube es ist eben gerade eines seiner Stilelemente einfach mal gnadenlos das Arschloch zu spielen und dies bis zur Unkenntlichkeit zu überhöhen. Das muss man jetzt nicht unbedingt mögen und vielleicht ist das ja auch dem ein oder andern zu vulgär…aber eben gerade aufgrund dieser überhöhten Vulgarität ist es eigentlich um so offensichtlicher, dass es sich dabei um Satire handelt. Und zwar in dem verlinkten Video um Satire von Homophobie bzw. dem gespaltenen Verhältniss vieler Männer zu Lesben (wenn sie gut aussehen: „Ist ok“, aber Hella von Sinnen: „Igit“)

    Sorry ist ein bisschen OT aber ich glaube einfach, dass man Somuncu Unrecht tut, wenn man ihn einfach nur als PI-Provokateur darstellt

  26. 28
    onlime says:

    Marco Schreyl gehört zurecht aus dem deutschen Fernsehen verbannt. allerdings nicht wegen angeblich schlüpfriger Sprüche oder wegen seiner sexuellen Orientierung, sondern einzig und allein wegen seiner Tätigkeit als von Moderationkärtchen wegmoderierender Moderartorendarstellerroboter ohne den geringsten Hauch von Persönlichkeit, Profil oder Charisma.

  27. 29
    Dominik says:

    Hier wird immer wieder behauptet, dieser Somuncu sei auf irgendeiner Meta-Ebene ironisch – irgendeine krasse Version Stephen Colberts. Wer in öffentlichen Videos Lesben als „scheiße“ bezeichnet und daher zum Corrective Rape aufruft, muss irgendwie sicherstellen, dass die vermeintliche Ironie beim Publikum ankommt. Wie bitteschön tut der Typ das? Bei mir kommt jedenfalls auch mit Ironiedetektor auf höchster Sensibilität nichts an.

  28. 30
    König Alkohol says:

    Wenn man den ganzen Tag nur Bild liest, DSDS guckt, und sich in bester Alice Schwarzer Manier überall an vermeintlichen Schwulenhassern abarbeiten muss, ist es kein Wunder dass man einen Charakter wie Somuncu nicht überreissen kann.
    Aber für so Leute gibts dann ja noch Dieter Nuhr.

  29. 31
    Manuel says:

    @27: Welches verlinkte Video?

  30. 32
    romold says:

    @Pittipatsch

    Entspann dich mal. Ich unterstelle dir, dass du ein männlicher Hetero bist, der Angst hat von einem Homo- oder Bisexuellen Objektiviert zu werden.

    ABER was zum Teufel soll der Blödsinn? „erst recht gegenüber Minderjährigen in der Fernsehöffentlichkeit. “
    Wenn es um Sexualität allgemein geht, kann ich das nachvollziehen, aber es ist doch egal ob es sich um hetero- oder homosexualität handelt.

    Und die Notwendigkeit eines Coming-Outs vorrausszusetzen und als Grund für „abnormalität“ anzuführen ist der Oberknaller.

    ABER mir geht es um keinen Fall um Narrenfreiheit für Nicht-Heteros, bevor mir das unterstellt wird ;-)

  31. 33
    Stefan Niggemeier says:

    @Manuel: Das unter den Worten „Programm im Internet“.

  32. 34
    Manuel says:

    Ach das. Und Du verstehst tatsächlich sein Konzept nicht und denkst, er ist homophob? bzw. verbreitet Homophobie?

    Na ja, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Klar ist Serdar extrem und nicht jedermans Sache, aber so vereinfachen lässt sich das nicht. Aber danke, dass Du das „türkisch-stämmig“ weggenommen hast.

    Serdar it übrigens schwul.

    (Ok, das war gelogen).

  33. 35
    Tilman_s says:

    Guter Artikel Niggi. Mir ging ähnliches durch den Kopf, als ich heute zufällig Bild.de las. Lass dich vom teilweise in den Kommentaren vorherrschenden Unverständnis nicht abbringen, solche Texte zu verfassen. Allerdings fand ich persönlich den DWDL-Text gut verfasst, eigentlich gab er genau zu dem keinen Anlass, was dann die Bild daraus gemacht hat. Aber einen Anlass braucht man in dem Schmierenblatt halt auch gar nicht, dass ist ja nicht neu.

  34. 36
    ldeora says:

    Ich habe mir diesen Artikel sehr aufmerksam durchgelesen und konnte lediglich erfahren, dass die „Bild“ das macht, was sie immer macht. Es spielt hier überhaupt gar keine Rolle, wer nun homo- oder heterosexuell ist. Und sicherlich wird dieser Bohlen, der nicht erpressen will, sondern sich auf den Schlips getreten sah, nicht anders denken.

    4. [Blogs werden wohl nie Kommentar-Threading lernen…]: „DWDL hat meiner Ansicht nach Recht. Schreyl geht unverkrampft mit der Thematik um. Bild nicht. Du auch nicht.“

    Genau so ist es. Es gibt hier im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu sehen! Irgendein Moderator hat in irgendeiner Sendung in seiner Moderation einen B-Promi auf sein Liebesleben angesprochen und wurde unüberraschend wenig intelligent gekontert. Ja. Mehr ist da nicht. Wollen wir nun auch auf die gespielten Frotzeleien z. B. zwischen Delling und Netzer eingehen?

    18.: „Was für ein belangloser Klatsch-Müll. Warum schreibst Du solche Artikel?“. Das dachte ich mir auch, aber dann fiel mir ein, dass Niggemeier auffällig häufig über solche Sendungen schreibt. Man könnte diese auch einfach nur ignorieren…

    Vielleicht ist dieser Artikel auch nur ein sehr perfides Lehrstück zur angesprochenen „Scheintoleranz“. Uns muss nicht erklärt werden, wie die „Bild“ tickt, aber wir erfahren, wie Niggemeier tickt: scheintolerant.

  35. 37
    Ben says:

    Danke für den Text.

    Als ich den Artikel bei dwdl las, da wusste ich nicht, ob ich im falschen Kino sitze oder nicht. Mir hat es sich bisher nicht offenbart, dass Schreyl besonders locker mit seiner Sexualität umginge. Allerdings befindet er sich momentan in einer Umbruchphase, denn ich meine bei ihm eine neue Offenheit zu bemerken, die er jetzt seit einiger Zeit, nämlich seit etwa der Bohlen-Geschichte, an den Tag legt und bei der er sich erstaunlich wohl fühlt. Zum einen will ich ihm das nicht nehmen und idealerweise sollte das auch wirklich keine Rolle spielen, aber angesichts der Bild-Kampagne muss man wohl doch attestieren, dass wir immer noch in einer „ganz oder gar nicht“-Zeit leben, die eben keinen Raum für unausgesprochenes Wissen lässt. Bis zur Akzeptanz des Homosexuellen als völlig gewöhnliches Mitglied der Gesellschaft ist es immer noch ein weiter Weg…

  36. 38
    Stefan Niggemeier says:

    @Manuel: Lässt sich sein „Konzept“ erklären?

  37. 39
    ldeora says:

    @Ben (37.): „Allerdings befindet er sich momentan in einer Umbruchphase, denn ich meine bei ihm eine neue Offenheit zu bemerken“

    … oder wir realisieren, dass solche Vorgänge einfach gewollt sind. Ich möchte nochmals auf die künstlichen Kontroversen zwischen Netzer und Delling verweisen, die häufiger einer Meinung waren, als es den Anschein tat.

    In diesem Falle hat Schreyl Bohlen vor der Kamera auf sein Privatleben angesprochen und Bohlen hat sinngemäss damit gekontert, dass er auch auf das Privatleben von Schreyl eingehen könnte, was er aber nicht tat.

  38. 40
    Manuel says:

    @Stefan: bin ich mir nicht sichr. Dafür habe ich zu wenig von ihm gesehen, Aber genug, um zu erkennen, dass er nicht homophob ist, und ihm die Sexualität und Picel des Außenministers vollkommen egal ist.

  39. 41
    Andreas says:

    Ich hatte gestern schon Bauchschmerzen beim Lesen des DWDL-Artikels. Auch wenn es ein offenes Geheimnis war, steht es meiner Meinung nach Lückerath nicht zu, das offensichtliche auszusprechen.
    Auch Westerwelles Homosexualität war jahrelang ein offenes Geheimnis in der Szene und auch dort wurde es meines Wissens von Journalisten nicht so öffentlich angesprochen, wie DWDL es jetzt mit Schreyl gemacht hat. Und was die BILD anschließend draus macht, sieht man ja. Ich vermute die hätten die paar Witze ohne DWDL sonst nicht zum Aufhänger gemacht.

  40. 42
    flo says:

    @Stefan: Sein Bühnenprogramm ist eine ambivalente Mischung aus zum einen sehr ruhiger und recht inteligent wirkender Gesellschaftsanalyse, die dann immerwieder durchbrochen wird durch den aggressiven Rundumschlag auf nahezu alle Minderheiten. Das meiner Meinung nach Interessante daran ist, dass es eben keine harte Trennung zwischen diesen beiden Elementen gibt. Man wird quasi erst eingelullt und dann erschlagen von dieser Aggresivität.
    Das interessante daran ist, das man gezwungen wird ständig aufmerksam zu sein und eben unter Umständen durch diesen Stil auch die eigenen Vorurteile aufgedeckt werden…zumindest geht mir das so…aber vielleicht verstehe ich das ja auch völlig falsch und er ist tatsächlich einfach nur ein Menschenhasser.

  41. 43
    Ben says:

    @Ideora: Ich gehe stark davon aus, dass dieser Vorgang gewollt ist. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das wirklich so zwischen Bohlen und Schreyl abgesprochen war, sondern nehme eher an, dass die Auseinandersetzungen zwischen Bohlen und Schreyl nicht gescripted sind (dazu merkt man Bohlen viel zu deutlich an, wenn er nach Drehbuch agiert), dass sich deshalb (das Managment) Schreyl(s) seit einiger Zeit in einem gewissen Zugzwang sah und jetzt eben diese Semi-Offenheit inszeniert.

  42. 44
    flo says:

    nochmal zu Somuncu:
    Er drückt das selbst am besten aus, wenn er fragt: „Ist es eigentlich schlimmer, dass ich die Witze mache, oder das Sie darüber lachen?“
    http://www.youtube.com/watch?v=m5TupkYQnek#t=3m18s

  43. 45
    fernetpunker says:

    Wer S. Somuncu als Kabarettist/Schauspieler/Künstler nicht geil findet, dem kann ich kein Verständnis entgegen bringen.

  44. 46
    Skrymir says:

    Ich kann mir nicht helfen aber irgendwie ist es doch immer das selbe. Wenn zum Thema Homosexualität und Toleranz/Akzeptanz irgendwo eine Diskussion aufkeimt kommen die ewig gleichen Antworten. Ein Brei aus „will nicht“ „bäh“ und „kann nicht sein weil bäh und will nicht“.

    Es ist nicht weit her mit der wirklichen Gesellschaftlichen Akzeptanz der Homosexualität. Sie bricht schon dann zusammen wenn zwei Männer sich küssen. Bei zwei Frauen bricht sie auch, allerdings nicht so offensichtlich. Es mag daran liegen das ich in einer relativ kleinen Stadt wohne (ca. 50k Einwohner) aber hier würde man nichteinmal eine Wohnung für ein schwules Paar finden. Zumindest nicht ohne weiteres.

    Es ist jetzt auch nicht so das die Menschen hier sonderlich intolerant oder Hinderwäldlerisch wären… aber die hübsche Fassade die jeder auch zum Schutz des eigenen selbst aufrecht erhält gewährt uns eben selten einen Blick hinter den Vorhang. Wenn man dann doch mal einen erhaschen kann erkennt man schnell das die Gesellschaft sich eben doch nicht innerhalb weniger Jahrzehnte komplett wandelt.

  45. 47
    Sebastian says:

    Der Vorwurf, Somuncu einfach nicht zu verstehen, ist üblich, aber völlig bekloppt. Sein Konzept, also die Rolle als „Hassias“, läuft nun einige Jahre, und die Hälfte der Redezeit, die ihm im Fernsehen eingeräumt wird, verbringt er damit, zu erklären, dass es eben nur eine Rolle ist, und er damit aufrütteln und Widersprüche aufzeigen will etcblabla.

    Es gibt nun Menschen, die halten Somuncus Konzept für „clever“ und entgegnen jeder Kritik an ihm mit dem einfachen Satz „Das ist nicht so gemeint“. Völlig egal, was der Inhalt der Kritik ist, das ist das einzige Argument, was immer und immer wieder vorgebracht wird. Glaubt denn hier wirklich einer von den Stammlesern, dass Stefan das Konzept einfach nicht erkannt hat? Ernsthaft?

    Er konnte ja mal was. Seine Mein Kampf-Tour war klasse, die Bild-Lesung hatte auch noch was. Aber dann wurde es halt doch immer dümmer, und sein ganzes Programm besteht aus dem einzigen Kniff, Political Incorrectness als Selbstzweck zu feiern (Broderline-Syndrom). Und wenn man sich dann zum Beispiel auf seiner Facebook-Seite umschaut, sieht man schnell, dass sich auch das Publikum dementsprechend wandelt. Er hat eine Abschrift des FAZ-Textes über ihn verlinkt, und darunter sind derzeit mehr als siebzig Kommentare, die etwa so klingen: „ich glaub herr niggemeier fühlt sich als „Tunte“ angesprochen und beleidigt:) Die Schwuchtel.“ Das ist so die Fallhöhe. Und das ist eben nun das Publikum, das er hat.

    Da steckt kein intelligenter Witz mehr dahinter. Somuncu hat sich irgendwann einfach verrannt. Vielleicht, weil er so die Bühnen endlich voll bekommt, vielleicht, weil er tatsächlich eine Agenda hat. Ist aber eigentlich egal.

  46. 48
    Linus says:

    @Sebastian

    Sie wollen aber nicht ernsthaft verlangen, dass Somuncu ein anderes Konzept fährt, weil sein Publikum inzwischen zum Teil eben aus Prolls besteht, die sich in den vielen Ironie und Meta-Ebenen verhaken? Was für ein merkwürdiger Kunstbegriff ist denn das?

  47. 49
    Nenispeid says:

    Das ist schon ein ziemlich ekliges Verhalten von Hernn Bohlen. Da fühlt er sich leicht auf die Zehen getreten und kommt gleich mit der grossen Keule a la „ich weiß was über Dich, was sonst keiner weiß, also pass auf!“

    Das sagt allerdings – meiner Meinung nach – mehr über seine generellen charakterlichen Qualitäten als über seine Haltung zum Thema Homosexualität.

  48. 50
    FH says:

    Serdar Somuncu scheint für viele noch der „lustige Türke“ zu sein, ähnlich Kaya Yanar, der ein paar Witzchen auf der Bühne macht. Es gab ein Programm, das so gestaltet war, ist schon eine Weile her.

    Momentan scheint eine Idee hinter seinen Auftritten zu sein, extreme Positionen hinauszukotzen, die mit Zitaten aus der Weltgeschichte angefüttert werden, hinauszukotzen und auf die Reaktionen des Publikums zu warten und zu hoffen, dass es ein wenig reflektiert. Schwer zu erklären, und seine Rolle im Netz scheint zu sein, die Bühnenrolle zu unterfüttern. Abgesehen davon scheint er viel Verzweiflung in sich zu tragen, was davon Rolle ist und was nicht, lässt sich für mich nicht erkennen.

    Ich glaube jedenfalls auch, dass Du Somuncu damit Unrecht tust. Nimm Dir wirklich mal die Zeit, ein paar (ernsthafte, nicht in einer Rolle) Interviews anzusehen.

    Zum Thema: Stefan, ich sprech Dich mal direkt an. Ich bin nicht religiös, halte mich für normal gebildet und schätze mich als ziemlich offen ein. Ich möchte kein Problem mit Homosexualität haben, wirklich nicht, muss mich aber dazu zwingen. Ich weiß nicht, woran das liegt, es ist einfach ein Grundgefühl, dass mich wegschauen lässt, und ich schäme mich unheimlich dafür, weil es mir auch den Spiegel (meiner vermeintlichen Offenheit) vorhält. Nur: was kann ich tun?

  49. 51
    Jan (anderer) says:

    @29 Ich habe Serdar Somuncu vor 2 Jahren einmal live erlebt. (ein Auftritt in der Uni) Er hat da quasi in einem Prolog ganz klar gesagt: „Leute, ich spiel‘ hier ’ne Rolle.“ Und deshalb hatte er auch jedwedes Filmen und Mitschneiden untersagt, was für mich verständlich war, denn ohne diesen „Prolog“, quasi die „Gebrauchsanweisung“ für sein Programm könnten viele Dinge falsch verstanden werden.

  50. 52
    Stefan Niggemeier says:

    Ich hab meinen Artikel über Somuncu jetzt mal online gestellt: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/serdar-somuncu/

  51. 53
    Ulco says:

    Klasse Artikel. Danke dafür.

  52. 54
    borgdrone says:

    gibt es eigentlich auch vorbildliche Homosexuelle
    von Westerwelle zu Schreyl, es kann doch nicht nur Deppen geben.

  53. 55
    Flex says:

    Ich muss gestehen, ich finde Bohlens Aufforderung nicht unangemessen.

    Man kann es als „Drohung, ihn zu outen, wenn er sich nicht fügt“ verstehen, ja.
    In dem hier genannten Zusammenhang ist es IMO aber einfach eine Retourkutsche dafür, dass Schreyl Bohlens Privatleben für einen dahingeworfenen Witz benutzt hat. Was Du nicht willst, das man Dir tu…

  54. 56
    rauskucker says:

    Ich kannte bisher weder Somuncu noch Schreyl, ich seh auf RTL nur die Nachrichten. Nach Lesen der Kommentare vermute auch ich, daß Somuncu selber mehr oder weniger schwul ist.
    Ähnliche Einordnungsprobleme haben manche Leute ja auch bei Hagen Rether.

  55. 57
    rauskucker says:

    Ach so, ein Test wäre, festzustellen, ob er sich durch diese Vermutung beleidigt fühlt.

  56. 58
    ego says:

    Mich bitte nicht falsch verstehen, natürlich ist Homophobie ein großes Problem.

    Was mir nur ein bisschen komisch vorkommt, ist, dass man über eine Sendung wie DSDS, die ganz offen Menschen ausbeutet, sexualisiert, niedermacht, zerstört, anprangert, falsche Hoffnungen weckt, um aus zerstörten Träumen Gewinn zu generieren, … ganz normal berichtet und sich dann einen Bereich rauszuholen und den zu kritisieren.

    Es gibt kein Richtiges im Falschen und DSDS (wie das Dschungelcamp, die Modelsuche, Big Brother, …) ist in meinen Augen ein völlig fehlgeleitetes faschistoides Produkt, das ohne Homophobie nun nicht wirklich „gut“ wird.

    Die Berichterstattung (in fast allen Medien) hat sich inzwischen aber scheinbar damit abgefunden, dass wir diese Scheiße im Fernsehen ertragen müssen, der frühere Skandal/das frühere Tabu wurde zur Normalität, und der ganze Rest wird nicht mehr thematisiert. Auch hier im Blog stehen (positive) Artikel über das Dschungelcamp. Die offene Diskriminierung zu kritisieren, die versteckte Diskriminierung und Ausbeutung aber als Normalität anzuerkennen, kann nicht wirklich die Lösung sein.

    Die Homophobie eines Bohlen und einer BILD sind ekelerregend. 16-jährigen Mädchen die Hoffnung zu wecken, dass sie als Star ganz groß rauskommen können, sie in enge Klamotten zu stecken, in der BILD ihr Privatleben veröffentlichen zu lassen, sie diesem Druck auszusetzen und sie dann, wenn sie keinen Gewinn mehr abwerfen, fallen zu lassen, ist aber genauso ekelerregend.

  57. 59
    Twipsy says:

    Für die Bild ist auch nur die Türkin wirklich integriert, wenn sie ihre Ti***n in die Kamera hält. Was wir immer schon wussten: Die haben auch Brüste. Ekelhaft!

  58. 60
    Twipsy says:

    Das ekelhaft bezieht sich natürlich auf die Bild.

  59. 61
    murrayy says:

    Bitte nicht von Bild auf die Gesellschaft schließen. Danke

  60. 62
    Augusten says:

    @FH, #51
    Ich finde es gut, dass du das so offen sagen kannst. Ich denke, das komische Grundgefühl kommt daher, dass Homosexualität einfach immer noch keine Normalität ist. Als ich noch sehr jung war, fand ich Homosexualität ebenfalls merkwürdig und wenn ich mit ihr in Kontakt kam, hat mich das peinlich berührt. Je mehr Kontakt ich mit Schwulen und dem Thema schwul sein hatte, desto normaler kam mir das alles vor. Mittlerweile schreibe ich Slash stories. ;)
    Deswegen finde ich es auch so wichtig, dass Homosexualität nicht mehr als „big deal“ sondern als was ganz normales angesehen wird … je normaler damit umgegangen wird, desto eher wird dieses „komische Grundgefühl“ der Marke „Kenn ich nicht, find ich komisch / widerlich“ verschwinden.

  61. 63
    Sebastian says:

    @Linus (48): Er muss sich meinetwegen nicht ändern (als ehemaliger Fan sage ich doch, aber aus anderen Gründen). Aber seine Verteidiger sollten langsam akzeptieren, dass man sein Konzept verstehen und es trotzdem scheisse finden kann. Das hat was von Onkelz-Fans, die jeder kleinen musikalischen Kritik mit dem Argument begegnen, dass die doch gar nichts rechts sind. Behauptet keiner, aber damit ist die Diskussion schon losgetreten und man muss sich nicht mit der Kritik beschäftigen.

  62. 64
    Chris says:

    Ich kann den Artikel nur unterstützen. Homophobie ist leider immer noch sehr weit verbreitet. Ich finde es einfach nur widerwärtig, dass schwul immer noch als abwertendes Schimpfwort verwendet wird, Schwuchtel, Tunte und andere Begriffe immer noch im Sprachgebrauch auftauchen. Das sagt schon sehr viel über die Gesellschaft aus. Vor allem aber kann ich es nicht mehr hören, wenn mir Leute erzählen, sie meinen es ja nicht böse, wenn sie sowas sagen und sie das auch vor einem schwulen Freund sagen würden und dieser damit kein Problem hätte. Das erinnert mich immer an Argumente, wie „Ein Freund von mir ist Türke/Jude/Ostdeutscher etc. und findet auch, dass die meisten Türken/Juden/Ostdeutschen so sind etc.“. Da ist es mir lieber, mir sagt jemand offen, dass er was gegen Schwule hat oder damit ein Problem hat als mir irgendetwas vorzuheucheln. Das heißt nicht, dass Schwulenwitze nicht ok sein können, es kommt einfach auf die Inhalte und Umstände an.

    Zu Serdar Somuncu kann ich nur sagen, dass es mir auch egal ist, ob er schwulenfeindlich ist oder nicht. Therapieren wird er damit niemanden. Dave Chappelle hat seine Sendung damals eingestellt, da einige Leute aus den falschen Gründen über seine Witze über Schwarze gelacht haben. Ich fand das damals sehr traurig, da der Großteil der Leute sicherlich nicht aus dem falschen Grunde gelacht hat, aber ich muss ihm im nachhinein großen Respekt dafür zollen, da der Schritt richtig und vor allem mutig war. Solange er mit seiner Show auch Rassisten zum lachen brachte, wollte er damit kein Geld mehr verdienen. Somuncu sollte mal darüber nachdenken, ob es ok ist, mit schwulenfeindlichen Witzen Geld zu machen. Selbst, wenn es eine Rolle ist und er nur aufrütteln will, sollte er langsam einsehen, dass er damit gescheitert ist. Vor allem sollte er einsehen, dass sich Schwule und Lesben trotz allem von seinen Witzen diskriminiert fühlen. In dem Song „Ghetto Kabarett“ rappt er einerseits gegen Atomkraft und nutzt gleichzeitig schwulenfeindliches Repertoir. Da fehlt, dann irgendwie die Logik in der Satire! Was von beidem ist dann zu verurteilen? Atomkraft oder die Anwendung schwulenfeindlicher Sprache in Raptexten?

  63. 65
    Christine says:

    Kann ja alles sein, was in diesem Artikel steht. Ich wußte bisher nicht, daß der Mann schwul ist. Peinlich war er auch ohne das Wissen. Peinlich seine Kommentare, peinlich seine Witze, unglaubbar, wenn er meint er müsse grade mal sein Mitgefühl zeigen.
    O.k. er wirkt nicht wie einer, der sich seiner selbst sicher ist, sondern einer der sich versucht auf Teufel komm raus, gut zu verkaufen und dabei ständig scheidert. Ganz anders seine englischen Kollegen bei der Sendung Britain’s Got Talent. Da macht es Spaß zuzusehen. Die Gags lustig, die Teilnahme am Glück bzw. Pech der Teilnehmer wirkt zumindest echt. Es macht Spaß zuzusehen. Folglich, würde ich es natürlich schlimm finden, wenn der Sender nicht zu seinem schwulen Moderator steht. Aber ganz ehrlich, vermissen würde ich ihn nicht, wenn er gehen müßte. Ich würde nur aus Prinzip protestieren.

  64. 66
    Chris says:

    Hier noch ein sehr passendes Video zu Somuncu..ab 1:37 kommt das pssende Argument

    http://maryliterary.com/?p=1055

  65. 67
    Stefan Niggemeier says:

    @borgdrone: Klar. Mich.

  66. 68
    jangry says:

    Danke, Herr Niggemeier! Nagel auf den Kopf getroffen!

  67. 69
    cwc says:

    Man kann ja Serdar Somuncu mit Türkenwitzen bekämpfen ;-) Muss ja erlaubt sein, zu witzeln, seine Eltern seien Geschwister.

    Aber noch mal zur Toleranz: Es muss als ausreichend tolerant gelten, dass man akzeptiert, dass es Homosexuelle gibt. Das muss einem aber nicht gefallen.

  68. 70
    fernanda says:

    @Pittiplatsch
    Die Mehrheit der Menschen hat keine roten Haare. Sind Rothaarige deshalb nicht normal?
    Begriffe wie „Norm“ und „Toleranz“ sind in solchen Diskussionen irreführend. Sie werden benutzt, um vermeintliche Abweichungen hervorzuheben. Fakt ist: die Vielfalt gehört zum Leben.
    Leider auch die Einfalt.

  69. 71
    Lisa M. Koßmann says:

    Sehr wahr gesprochen. Ich finde nicht, dass hier Aufregen um des Aufregens willen vorliegt; im Gegenteil, die Homophobie wird hier so subtil angebracht, dass sich fast niemand aufregt, weil’s schlichtweg keiner bemerkt. Auch wenn ich nicht von Erpressung sprechen würde, es ist einfach ein unschöner Seitenhieb.

  70. 72
    queerfeminismuss says:

    marco schreyl hat natürlich das gleiche recht, sexistische witzchen zu reißen wie jede_r mensch. und daher hat er auch das gleiche recht, dafür kritisiert zu werden.

    oder sind wir plötzich nicht mehr für das gleiche recht für alle? ist schreyl gleicher, weil er schwul ist???

    http://www.stupidedia.org/stupi/Datei:Queershit-Bingo.jpg

  71. 73
    Patrick says:

    Hätte man die letzten beiden Sätze des Dialogs ganz weggelassen, hätte ich sogar eher eine Anspielung auf Liebeskugeln gefunden. Hach, Herrje, mein Verstand scheint zu verdorben.

    Der einzige Entlassungsgrund für den Moderator sollte sein, dass seine Moderation einfach unglaublich schlecht ist. Ob er schwul ist oder nicht ist vermutlich gerade für die Zielgruppe von DSDS eher total nebensächlich.

  72. 74
    David says:

    „Ich glaube immer mehr, dass man diese Form von Schein-Toleranz, die schon ein Coming-Out als eine unangenehme Behelligung mit dem Intimleben eines Menschen empfinden, bekämpfen muss.“

    Das ist doch ein Thema für eine 90er-Jahre Rückblicksendung, aber nicht für die Gegenwart. Die These, als Homosexueller müsste man sich immer und zu jeder Zeit bekennen, ist doch einfach nicht mehr zeitgemäß. Es gibt auch andere Dinge, die ein Persönlichkeit definieren. Diejenigen, die jedes „Coming-Out“ mit emphatischer – fast schon militanter – Freude begrüßen, machen den gleichen Fehler wie diejenigen, die das „Coming-Out“ ablehnen. Die Diskussion hat echt einen Riesenbart.

    Die Realität ist: Schwulenhasser müssen heute ihre tiefsitzende Leidenschaft in zwielichtigen Hinterzimmern und Kellern ausleben. In der Öffentlichkeit können sie sich nicht mehr sehen lassen. Ich finde das nur gerecht.

    Zu DSDS: Die Sendung schaue ich mir öfters an. Mich stören die direkten Fragen des Moderators manchmal auch. Vordergründig wirken sie harmlos, hintenrum sind sie aber auch immer der Versuch einer kleinen Demütigung unter der moralischen Gürtellinie. Wer sowas macht, muss auch mit dem Konter leben. Das ist ganz simpel. Mit „Schwulenhass“ hat das nach meinem Empfinden nichts zu tun.

  73. 75
    danielj says:

    [gelöscht]

  74. 76
    borgdrone says:

    ah ja, das wusst ich noch gar nicht

    dann steht es 2:1
    Dann sollte es weitaus mehr geben, damit die Zahl der Deppen so gering wird, dass sie keinen Anlass für Spekulationen gibt.

  75. 77
    Bernd says:

    Ich bedanke mich von Herzen für diese so wahren und entlarvenden Zeilen, lieber Stefan. Wie bigott muss die Kooperative RTL und BILD sein, dass sie jeden noch so sehr ins Schmuddelige abdriftenden Satz von Herrn Bohlen als Gag des Jahrtausends eines Pop-Titans (sicher auch eine Namensfindung selbiger Journaille) zelebrieren, einen Herrn Schreyl aber für vermeintlich anzügliche Sprüche, die definitiv im Moderationsbuch stehen – und damit vom Sender verabschiedet und abgenommen sind – derart abgestraft wird. Irgendeine Sau wird doch bei jeder Staffel durchs Dorf getrieben, um die ebenfalls in die Jahre gekommene Quote künstlich hochzuhalten. Und jetzt ist scheinbar der Moderator dran, weil er Herrn Bohlen nicht so recht in den Kram passt. Hat er sich in den letzten Jahren schon wieder und wieder seine ganz ureigene, ihm für den Moment in den Kram passende Jury erzwungen, muss jetzt halt der Host dran glauben, damit Herrn Bohlen auch dort keiner mehr das Wasser abgreift. Traurig – statt Musiktalente, spannende Menschen und wirkliche Stars von morgen zu finden, scheint die Ägide momentan die zu sein, wie man publikumswirksam und quotengerecht seine Köpfe demontiert: die Casting-hanseln auf der eine Seite, der Moderator auf der anderen. Und da schreckt man selbst vor Schwulenhetze nicht zurück. Grausamst!

  76. 78
    Sebastian says:

    Warum ist Schreyl eigentlich kein Hetero-Hasser wenn er Bohlen auf sein Privatleben anspricht?

    Sorry aber ich komm immer noch nicht drüber weg was für ein absolut übertriebener Quatsch das hier ist. Da wird die Bild und DSDS seziert nach irgendwelchen persönlichen Befindlichkeiten.

    Wenn man wollte könnte man die ganze Sendung jede Woche in zwanzig Artikeln besprechen je nachdem, welche Ethnie der jeweilige Sänger/die Sängerin (oder SängerInnen? Politisch korrekt genug?), welche Schulbildung, welche Körperform, welche Liedwahl etc. pp. sie gerade haben.

    Vor allen Dingen wird Bohlen die ganze Zeit die Kamera in die Fresse gehalten und ihm läuft ein hohler Satz nach dem anderen heraus.

    Sascha Lobo hat in seinem Trollvortrag gesagt, dass der gemeine Troll sich beleidigt fühlt, und deshalb einen Kommentar verfasst. Wenn die Kommentare zu einen Blogeintrag sachlicher wirken als der Eintrag selbst, läuft was falsch für meinen Geschmack.

    Vor allen Dingen würde ich gerne mal wissen, ob Herr Schreyl sich überhaupt angegriffen gefühlt hat. Nochmal: er hat Bohlens Privatleben auf’s Tablett gebracht, Bohlen nimmt das Volley und schlägt zurück – aber weil Bohlen hetero ist ist der Angriff ok, weil Schreyl das nicht ist, ist es „Erpressung“?

    Das ist sowas von lächerlich… vor allen Dingen aber sitze ich jetzt wieder hier und schreibe MEINEN Kommentar, weil ich nicht nachvollziehen kann, wieso dieser Blog-Eintrag überhaupt entstanden ist, weil er für mich absolut weltfremd und wirr daher kommt, und jetzt muss ich mir wieder darüber Gedanken machen, dass man mich für einen Schwulenhasser halten könnte, weil ich der Ansicht bin, schwul sein wäre absolut normal.

    Es ist schon fast Ironie pur dass ich noch vor Veröffentlichung dieser Beiträge über die „It gets better“ Kampagne gebloggt habe, weil bei John Gruber auf Daring Fireball das Apple-Video gefunden habe, mich an meine eigene Schulzeit erinnert habe und an Deinen Beitrag zum Thema (das Obama-Video). Ich hab da rein geschrieben dass ich gerne hätte, dass ich endlich Schwule genau so durch den Kakao ziehen kann wie Preußen Münster Fans oder Leute die Ed Hardy-Klamotten anhaben.

    Ich würd mir wünschen dass all die verklemmten Menschen in Deutschland (ob hetero oder homo) endlich in der Realität ankommen, und dass wir uns gegenseitig einen Reinwürgen können, ohne dass man gleich zum „Hasser“ wird. Oder dass man sich am laufenden Meter darüber Gedanken machen muss, wie eventuell irgendwelche Extremisten mit dem umgehen, was man sagt.

    Auf der gleichen Basis werden alle Moslems zu Extremisten, alle Männer zu Misogynisten, alle Priester zu Kinderschändern etc. pp.

    Was war nochmal das Motto von Jon Stewart und Stephen Colbert?

    Restore Sanity.

  77. 79
    Zahnwart says:

    @ ego (#59): „Es gibt kein Richtiges im Falschen“, da haben Sie recht. Deutschland sucht den Superstar ist ein ganz schlimmes Produkt (Sie übertreiben mit „faschistisch“, Faschismus ist schon noch etwas geringfügig anderes, aber gut), menschenverachtend, niveaulos, langweilig … und auch homophob. Hat aber auch niemand behauptet, dass sich Niveaulosigkeit und Homophobie ausschließen würden, oder? So gesehen ist, was der ansonsten geschätzte Herr Niggemeier da oben schreibt, keine Überraschung, vielleicht ist es ein bisschen unfair, vielleicht ist es ein Missveraständnis gegenüber Herrn Somuncu (ich fand den verlinkten Auftritt auch nicht über die Maßen komisch), vor allem aber: Es ist müßig.

  78. 80
    B.Schuss says:

    @Sebastian, #82: +1

  79. 81
    Anonymus says:

    Das eigentliche Problem in diesem Text, scheint mir tiefenpsychologisch gesehen, die Problematik die der Autor mit diesem Thema hat. Vielleicht sollte er sich mal einfach freischreiben!

  80. 82
    ego says:

    @83: Ich habe in Ermangelung eines besseren Wortes „faschistoid“ (nicht faschistisch) genommen. Als Geschichtslehrer weiß ich, dass faschistisch etwas anderes bedeutet. Schaut man sich aber an, welches Menschenbild, welche Moral, welche Zielsetzungen, etc. mit DSDS und anderen Sendungen verbunden werden, halte ich sie durchaus für faschistoid.

    Das bedeutet in meinen Augen nicht, dass sie die Werte des Faschismus verkörpern, sondern dass sie ähnlich zielgerichtet ein bestimmtes Menschenbild propagieren und so versuchen diese Vorstellung des Menschen als Realität zu verkaufen. Der Mensch als Ware und Produkt , immer mit dem Hintergrund, dass man so aussehen, sich so geben, sich auf diese oder jene Art prostituieren muss, um erfolgreich zu sein. Ist der Gewinnprozess dann abgeschlossen, wird die Ware Mensch im Lokus entsorgt.

    Ich kritisiere auch nicht, dass diese Homophobie kritisiert wird. Das ist völlig richtig. Ich kritisiere, dass im gleichen Blog positive Artikel über das Dschungelcamp erscheinen oder so getan wird, dass DSDS eine ganz normale, unterhaltsame Sendung ist. Ich kritisiere, dass selbst die Qualitätspresse solche Sendungen entweder „neutral“ betrachtet oder Häme ausschüttet, nicht ohne aber gleichzeitig „die besten Sprüche Bohlens“ niederzuschreiben, um so höhere Klickzahlen zu erzeugen.

    Auch die Bildzeitung ist „unterhaltsam“. Der Autor dieses Blogs würde sich aber sicher mit Entrüstung gegen alle wenden, die in der Bild ein unterhaltsames Blatt mit merkwürdigen Nebentendenzen sehen würde. In dem Moment, in dem ich die antiintellektuellen und antimoralischen Züge von DSDS, Bauer sucht Frau, Dschungelcamp, etc. als Normalität akzeptiere, kann ich mich nicht über die Homophobie dieser Formate aufregen, weil eben diese Homophobie durch diese Grundlagen mit erzeugt wird.

  81. 83
    martin says:

    @Sebastian #82: Ich glaube nicht, dass Bohlens Privatleben noch von irgendjemanden aufs Tablett gebracht werden muss. Nachdem die Ehen und Trennungen, der Überfall auf und die Familienplanung von Bohlen detailliert Gegenstand der Berichterstattung waren, das Privatleben Schreyls bisher in erster Linie privat war, scheint mir deine Differenzierung anhand der Sexualität konstruiert und vor allem falsch.

  82. 84
    Mitleserin says:

    Die BILD fährt ganz klar eine homophobe Kampagne gegen Marco Schreyl.
    Und zwar von der übelsten Art. So ehrenvolle Blätter wie Express und Berliner Kurier haben sich bereits angehängt.
    Hier die Kritiker dieser BILD-Kampagne zu bekritteln, von wegen „psychologisch gesehen mal freischreiben“ verhöhnt die Kritik am Verhalten von BILD als lächerlich.
    Zu meinen Beweggründen mich hier zu äußern:
    Ich finde DSDS ziemlich schrecklich, schau mir das üblicherweise nicht an. Zufällig geriet ich an die laufende Glotze meiner Teenager-Nichten, als diese verzückt der Interpretation von Cohens Hallelujah in der Wainwright-Version eines deutschen Justin Bieber lauschten. Ich wollte nur mal hören, wer sich mit dem Hallelujah abmühte, da ich den Song sehr mag (besonders in der Buckley-Version). Das war ein Bubi, der sich wirklich anstrengte und nicht jeden Ton traf. Er bekam trotzdem tosenden Applaus. Anschließend flirtete Herr Schreyl ein bisschen albern herum – wie das heterosexuelle Moderatoren von solcher Art Sendungen den ganzen Abend über genauso machen. Dem Jungen war das anscheinend nicht peinlich. Der stand drüber. Ich fand daran überhaupt nichts Problematisches und wunderte mich nur ein klein wenig, dass der Moderator bei dem Ganzen durchscheinen ließ, dass er schwul sein könnte. Denn das ist ja im deutschen TV und Fußball tabu, außer man tritt als schwuler Komödiant oder Witzfigur auf – das scheint geduldet.
    Ich denke, viele haben ein Problem mit selbstbewussten Schwulen. Anscheinend auch hier im Blog.
    Hab gerade gefunden, was ich gesehen hatte:
    http://www.clipfish.de/special/dsds/video/3554596/sebastian-singt-hallelujah-in-der-6-dsds-mottoshow/

  83. 85
    Sebastian says:

    @martin: Herr Schreyl hat das Privatleben von Herrn Bohlen „auf’s Tablett“ gebracht.

  84. 86
    luna says:

    Irgendwie fällt es mir schwer, mich über solche schwulenfeindliche Anspielungen zu empören. Wir reden hier immerhin über DSDS und Sprüche von Bohlen im besonderen. Da wirkt es geradezu erfrischend, wenn man mal merkt, dass nicht nur Kandidaten schlecht behandelt werden. Die ganze Sendung ist mitunter ziemlich ekelhaft. Wenn Marco Schreyl jetzt irgendwas seriöses machen würde, dann würde es noch als Aufreger taugen. Aber so ist es einfach nur irgendein schlechter Bohlen-Spruch im Kontext irgendeiner schlechten Show.
    Nicht schön. Aber es liegt doch im Bereich dessen, was man erwarten konnte.
    Warum sollte RTL sich schützend vor einen Moderator stellen, wenn die Kandidaten systematisch schlecht behandelt werden?

  85. 87
    Chris says:

    @ego @Sebastian und viel mehr:
    Der Artikel handelt nicht davon wie schlecht DSDS ist, sondern wie in den Medien und andererorts mit zweierlei Maß gemessen wird. Es werden immer noch täglich Schwule in allen Teilen der Gesellschaft gemobbt. Witze über Schwule bieten vielen Leuten die Möglichkeit ihren Vorurteilen unter dem Deckmantel des Humors zu verstecken. Solange Jugendliche wegen ihrer Homosexualität unter Angst Leiden müssen und sich sogar das Leben nehmen, da sie tagtäglich mit idiotischen Stereotypen und Anfeindungen zu kämpfen haben, ausgeschlossen werden oder verprügelt werden, ist es nicht ok diese dummen Schwulenwitze zu erzählen. Das hat etwas mit Respekt zu tun. Selbstverständlich werden viele andere Menschen ebenfalls diskriminiert, man kann nun leider nicht alles in einem Blogeintrag abarbeiten.

    Haben sich die Leute mal überlegt, dass es für die Betroffenen nicht lustig ist von vermeintlich toleranten Meschen den gelichen Dreck zu hören, den sie von Schwulenhassern hören müssen? Man kann nicht einerseits einfordern sich über sie lustig machen zu dürfen, ihnen aber gelichzeitig das Recht absprechen sich zu wehren oder sich gar einfach nur genauso wie die anderen zu verhalten.

    Herr Niggemeier hat es doch auf den Punkt gebracht. Über anzügliche Zoten von Heterosexuellen wird gelacht, kommen diese von Homosexuellen kommt stets die gleiche Reaktion: „Ich hab ja nix gegen Schwule, aber die müssen das ja nich so nach außen tragen.“

    Viele Menschen trauen sich nicht offen zu ihrer Homosexualität zu stehen, da sie davon ausgehen müssen für immer die gleichen dummen Witze und Sprüche zu hören. Diese Scheintoleranz nervt unglaublich. Natürlich hat man das Recht diese Witze zu machen, was aber ist schlimm daran die Witze nicht zu machen, wenn ich weiß, dass ich damit viele Menschen verletze?

  86. 88
    martin says:

    @Sebastian: Dich stört also nur der fehlende Apostroph? Meinetwegen: Ich glaube nicht, dass Bohlens Privatleben noch von irgendjemandem auf’s Tablett gebracht werden muss.

  87. 89
    alter Jakob says:

    Bohlen hat das Privatleben von Bohlen auf’s Tablett gebracht (in BILD, Bunte, etc). Herr Schreyl hat dann über das öffentlich von Bohlen breitgetretene Privatleben von Bohlen einen Witz gemacht. Daraufhin hat der erbärmlich pubertäre Bohlen dann Andeutungen über das Privatleben von Herrn Schreyl gemacht, die bisher nicht öffentliches Tema waren. Sozusagen als schäbige Retourkutsche, weil Bohlen zwar austeilen aber nicht einstecken kann.

  88. 90
    Andreas says:

    Lieber Stefan, hast du DSDS in letzter Zeit mal verfolgt? Da gibt/gab es einen minderjährigen Sänger der zwar durch Jugendschutz nicht nach 22 Uhr singen darf, sich aber von Schreyl einige anzügliche Bemerkungen anhören musste.
    Z.B. meinte Schreyl zu ihm sinngemäß „Lass mich dein Dr. Sommer sein, ich kann dir noch einiges beibringen“ etc. pp…

  89. 91
    luna says:

    @Chris:
    Ich sehe da wenig Ungleichbehandlung. Bohlen ist bekannt dafür alle möglichen Sprüche zu machen. Der Dieter(tm) hat halt immer Recht und das letzte Wort. Das ist eins der grundlegenden Konzepte dieser show. Da werden Menschen allgemein schlecht behandelt und nicht speziell Schwule. Bohlen macht auch Witze, wenn eine blonde Kandidatin g**le, d*cke T*tten hat. Wenn der Zuschauer Schreyls Witze mit schwulen Anspielungen eklig findet und Bohlen Sprüche zur Oberweite der Kandidatin toll, liegt das doch nicht an RTL oder der Sendung, sondern daran, dass die Zuschauer halt immer noch irgendwo homophob sind.

  90. 92
    ego says:

    @Chris „Der Artikel handelt nicht davon wie schlecht DSDS ist, sondern wie in den Medien und andererorts mit zweierlei Maß gemessen wird.“

    Und meine Kritik geht nicht darüber, wie schlecht DSDS vom Niveau her ist (wir reden nicht über den Eurovisionscontest), sondern darüber dass man es eben nicht normal finden darf, wenn Männer, Frauen, Kinder, Bauern, C-Prominente, magersüchtige Ischen mit Leseschwäche, etc. im Fernsehen vorgeführt und diskriminiert werden, um sich dann über die Diskriminierung von Schwulen aufzuregen. Ich werfe Niggemeier auch nicht vor, dass er sich über Homophobie aufregt, sondern dass er sich über die anderen Dinge schon lange nicht mehr aufregt.

  91. 93
    Sebastian says:

    Nein mich störte nicht der fehlende Apostroph. Es ging darum dass Herr Schreyl meinte er müsste Herrn Bohlen einen Spruch reinwürgen.

    Wer dann der Ansicht ist, dass er von Bohlen nichts gewechselt bekommt bzw. dass man, wenn man so eine „Majestätsbeleidigung“ begeht, nicht sofort die Bild im Nacken hat und dass Herr Bohlen nicht genau so zurückholzt (und vor allen Dingen auf DSDS-Niveau zurückholzt, nämlich in zu erwartender Art und Weise unter der Gürtellinie) der muss die letzten 8 Jahre DSDS im Koma gelegen haben.

    Ich kann’s auch noch platter ausdrücken: wenn ich einen Proll einen Spruch gebe, dann ist es lächerlich nachher so zu tun, als ob ich sowas wie eine geschützt Art bin die man ja nicht anfrotzeln kann.

    Dieses Gehabe hier ist doch lächerlich. Da wird in der Sendung groß auf irgendwelche Pipiflecken gegangen aber wenn sich der Moderator und ein Jury-Mitglied gegenseitig Sprüche geben, dann fangen wir an Partei zu ergreifen, weil wir es nicht mögen, dass die eigene präferierte Minderheit dabei jetzt nicht so gut wegkommt.

    Geht’s noch bigotter?

  92. 94
    Manuel says:

    Moment mal – in dieser „4 gewinnt“-Sendung sind 3 der schlimmsten Menschen auf der ganzen Welt unter den Panelisten, nämlich Heiner Brehme, Jan Fleischhauer und Sascha Lobo und ihr sucht Euch ausgerechnet Serdar aus, um auf ihm herumzuhacken? Aua.

  93. 95
    Philipp Schilling says:

    Die Tatsache, dass selbst in vermeintlich aufgeklärten Kreisen noch Schwulenwitze erzählt werden und darüber gelacht wird ist für mich eines der Zeichen, dass es eben doch immer noch wichtig ist, darüber zu reden und zu schreiben.

    Und dass Bohlen als Mensch, Schreyl als Moderator, DSDS als Sendung und BILD als „Zeitung“ allerunterste Schublade sind, kann man eigentlich nicht oft genug erwähnen, denn offenbar gibt es immer noch genug Menschen, die sich dessen nicht bewusst sind.

    @Sebastian, @Martin Da fehlt kein Apostroph, wie Sebastian mit einem kurzen Blick in seinen Duden (den er doch bestimmt besitzt) hätte herausfinden können.

  94. 96
    Chris says:

    @luna @ego : Es geht dabei in erster Linie nicht um Bohlen, DSDS oder irgendwelche anderen Sendungen. Der Auslöser des Artikels ist die BILD-Kampgane gegen Schreyl bei der bewusst mit den Vorurteilen gegen Schwule gespielt wird. Ich finde es in anderen Sendungen genauso problematisch wie man dort mit den Leuten umgeht. Leider ist ein Großteil der Bevölkerung immer noch nicht so aufgeklärt wie man es sich wünschen würde. Und viele Schwule haben es eben tagtäglich mit diesen Leuten zu tun. Die BILD-Zeitung oder auch Bohlen geben den Vorurteilen vieler neue Nahrung indem sie Homosexualität unterschwellig als pervers anprangern und sie in die Schmuddelecke stellen. Schreyls Aussagen werden dabei als Vorwand verwendet.

    @Sebastian: Ich habe deinen Blog-Eintrag gelesen. Natürlich muss man mit schwulen umgehen wie mit anderen auch. Nur leider hat nicht jeder so viel Glück einen Sitznachbarn wie dich zu haben und leider hat nicht jeder so viel Selbstbewusstsein um damit umzugehen. Auf Schulhöfen gilt „schwul“ immer noch als eines der schlimmsten Schimpfwörter und Artikel, wie die in der BILD werden sicherlich nicht dazu führen, dass das bald ein Ende hat. Wie fühlt sich wohl ein Jugendlicher, wenn er im Alltag lernt, dass seine Homosexualität als abartig empfunden wird? Nicht jeder versteht, dass die Witze eventuell nicht ernst gemeint sind. Man sollte generell öfter bedenken, was so etwas auslösen kann.

  95. 97
    Chris says:

    @ Philipp Schilling:
    „Die Tatsache, dass selbst in vermeintlich aufgeklärten Kreisen noch Schwulenwitze erzählt werden und darüber gelacht wird ist für mich eines der Zeichen, dass es eben doch immer noch wichtig ist, darüber zu reden und zu schreiben.“

    Danke!

  96. 98
    Sebastian says:

    Man kann wohl einfach sagen: Auch Schwule haben das Recht, verteidigt zu werden.

  97. 99
    diaet says:

    So gleich auch unser Fazit ist, Stefan – eine leichte Reibung empfinde ich bei Deiner Einschätzung des DWDL-Auszugs, den ich so tatsächlich voll unterschreiben würde. Ebenfalls keine Ahnung, ob das daran liegt, dass ich in Köln lebe – aber ich freue mich tatsächlich bei DSDS darauf, zuzusehen, wie weit Schreyl (Achtung:) mit einer Selbstverständlichkeit und spitzbübischer Freude seine Anspielungen unterbringt.

    Über Niveau muss man hier wohl kaum reden; gerade gegenüber Sebastian sollte Schreyl mit Sicherheit (allein aufgrund des Welpenschutzes* Alters) öfter mal auf die Bremse treten, aber Du selbst schreibst ja ebenfalls, dass „anzügliche Witze“ von Schwulen eigentlich auch Teil einer „Normalität“ sein sollten. Und nicht eine bspw. von Pittiplatsch (#13) geforderte besondere Vorsicht und Rücksichtnahme von „uns Schwulen“ gegenüber den zahlenmäßig normativen Heten.

    Dass sich ausgerechnet das anerkannte Fachblatt für Bigotterie hierüber aufregt, zeigt doch nur, dass die Richtung stimmt, aber das Ende des Wegs noch längst nicht erreicht ist. (Wobei das Ende vermutlich eh wäre, dass Wurth Schreyl wegen sexueller Belästigung anzeigen könnte. Ganz ohne „Homo“ oder „Hetero“.)

    *) Ja, „Welpenschutz“ war trotz Augenzwinkerns nicht sehr niveauvoll meinerseits. Aber wir reden hier immer noch von RTL, DSDS und Bild. Hui.

  98. 100
    Ali Schwarzer says:

    Zum Artikel: Die Geschichte hatte ich vorher schon mal irgendwo gelesen, da klang sie aber viel skandalöser. Wenn aber nur die Worte gefallen sind, die du hier zitiert hast, dann verstehe ich die Aufregung bzgl. der Wortwahl Schreyls nicht.

    Wenn man Schreyl furchtbar finden kann, dann eigtl. nur wegen seines furchtbaren Moderationsstils.

    @6, Firehunter: War der Trend jemals verschwunden? Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck. So weit ich zurückdenken kann, werden deutsch-asiatische Pärchen immer mit so einem Vorurteil belegt. Genau wie bei Beziehungen zwischen weißen (vermeintlich deutschen) Frauen und nichtweißen Männern oft der Vorwurf geäußert wird, «die Ausländer» wollen doch nur eine deutschen Pass. Anscheinend müssen wir noch viel lernen.

    @82, Sebastian: Der Unterschied zwischen Bohlen und Schreyl ist doch aber, dass der erste sein Privatleben ohne Not breittritt, während der zweite es eben nicht hinausposaunt. So was hat man zu respektieren. Auch der Dieter. Ganz nebenbei bringt man Themen nicht aufs Tablett, sondern aufs Tapet.

    Zu Serdar Somuncu: Wenn der Herr nicht so oft rumbrüllen und so furchtar mit seiner politischen Unkorrektheit übertreiben würde, wäre er toll.

  99. 101
    Sebastian says:

    Ich kann mich nur wiederholen: wenn man über Schwule keine Witzen machen darf wie über jede andere Gruppe auch, dann sind Schwule eben nicht normal. Wenn ich über einen Typen im Ed Hardy T-Shirt Witze machen kann, weil er bescheuert aussieht, das aber unterlassen muss, weil er eventuell homosexuell ist, dann läuft was falsch. Viel schlimmer noch: am Ende ist es Madonna. Bei wem muss ich mich dann entschuldigen?

    Gott sei Dank gibt es Bedenkenträger, die überall und jederzeit verlangen können, dass RTL irgendwas macht, wenn bei DSDS sich wieder Menschen (MENSCHEN!) daneben benehmen oder irgendwer diskriminiert wird.

    Die ganze Scheiße auszuschalten – Gott bewahre.

    Vielleicht ist der Unterschied, dass Ed Hardy Träger und Preußen Münster Fans ihr Einstellung auf dem Hemd tragen und man nur über Leute Witze machen darf, die offen mit ihrer Einstellung umgehen.

    Darf ich mich dann über Transen lustig machen? Nee jetzt im Ernst. Die gehen doch auch offen mit ihrer Sexualität um.

  100. 102
    Alberto Green says:

    Seit wann ist Häme (=Lachen über …) eigentlich ein Menschenrecht?

  101. 103
    Linus says:

    @Sebastian

    Und seit wann tragen Schwule Ed Hardy?

    Ganz im Ernst: Sie sehen keinen Unterschied darin, jemanden doof zu finden, weil er etwas tut (Preußen Münster, Ed Hardy) im Gegensatz zu jemandem, der etwas ist (schwul)? „Deine blonden Haare sind scheiße“, wäre die Analogie. Wenn das ansonsten auch Ihr Bedürfnis ist, bestimmte Brüste, Hintern, Nasen oder sonstwas „nervig“ zu finden, dann möchte lieber nicht neben Ihnen sitzen.

  102. 104
    mike says:

    Ui, mit dieser feurigen Beschaustellung der eigenen Toleranz und moralischen Überlegenheit hat Stefan Niggemeier als erster den Aufstieg zum Bestmenschen hinter sich gebracht. Glückwunsch.

    Wie man als Journalist PC verteidigen kann, bleibt wohl auch für immer ein Rätsel.

    „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört“

    Das fehlt bei Ihnen, Herr Niggemeier, leider vollkommen. Es ist alles sehr einseitig.

  103. 105
    Sebastian says:

    Häme ist nicht „Lachen über“

    Häme beinhaltet Spott.

  104. 106
    Sebastian says:

    @Linus: Es schon schade wenn man nicht unterscheiden kann zwischen einer Gruppe und einem unpersönlichen „sich lustig machen“ und einer Person.

    Es ist eben nicht „Deine Haare sind scheiße“ sondern „Diese Frisur ist scheiße“ und dann so zu tun, als ob ich jemanden der eben diese Frisur trägt als Menschen verachte.

    Und so denken immer nur Menschen mit absolut zusammengekniffenen Arsch, die sich über alles aufregen wollen und zum Lachen in den Keller gehen und mehr noch: im ersten Moment, wenn ICH den Spruch mache, mitlachen, und sich dann dafür schämen, weil sie da Sachen reininterpretieren über MICH. Was ist denn mit dieser Menschenverachtung gegenüber mir, die grundsätzlich davon ausgeht, dass ICH ein schlechter Mensch bin und grundsätzlich „so denke“(n würde)?

    Ich glaube der Unterschied ist, dass ich immer zuerst an das Gute im Menschen glaube, während diejenigen, die mein Verhalten so gerne aufregt, grundsätzlich immer vom Schlechten ausgehen.

    Wenn dann aber schwulenfeindliche Dinge gesagt werden von einem Menschen im Bekanntenkreis dann wird geduckmäusert und genau der gleiche Gedankengang angeschmissen. „Das ist ein schlechter Mensch“ und dann will man nichts mehr mit dem Schwulenhasser zu tun haben. Ich hingegen spreche denjenigen, der sich abfällig über Schwule äußert, sofort an, und frage direkt warum denn Schwule jetzt so schlechte Menschen sind. Ich setze mich mit Menschen mit ihren verbohrten Hirnen auseinander.

    Ihr habt immer nur die Ausgrenzung als Antwort.

  105. 107
    Linus says:

    @Sebastian

    Sie haben wohl eher die Ausgrenzung bereits als Frage.

    Sie ziehen also Parallelen zwischen einer Kackfrisur und dem Schwulsein? Na super. Als wäre Schwulsein auch nur ein Unfall eines Hobbyfriseurs.

    Sie können Sich gerne an Ed Hardy und Konsorten abarbeiten. Sich daran abarbeiten zu wollen, dass jemand schwul ist, finde ich zumindest etwas merkwürdig. Sie tun so (implizit), als wäre Schwulsein eine Entscheidung, eine Mode, eine Geschmacksverirrung. Das ist das perfide.

    Und ja, man darf Tucken nervig finden. Man muss auch nicht zum CSD. Aber das hat dann andere Gründe.

  106. 108
    Sebastian says:

    „Sie haben wohl eher die Ausgrenzung bereits als Frage.“

    Den Satz verstehe ich nicht.

    „Sie ziehen also Parallelen zwischen einer Kackfrisur und dem Schwulsein?“

    a) Sie haben das Beispiel gebracht mit der Frisur
    b) nein ich sehe einen Unterschied zwischen „Deine Frisur“ und „Frisuren“ genau so wie ich einen Unterschied sehe zwischen einem Spruch über Homosexuelle und einem Spruch über einen speziellen Homosexuellen

    „Sich daran abarbeiten zu wollen, dass jemand schwul ist, finde ich zumindest etwas merkwürdig.“

    Ich auch. Wissen Sie weil Sie da wieder sagen „jemand“. Eine bestimmte Person.

    „Sie tun so (implizit), als wäre Schwulsein eine Entscheidung“

    Ach Gott das Beispiel habe ich gebracht weil es um Mode ging. Was wär Ihnen denn lieber? Lederhosen? Von mir aus. Ed-Hardy-Träger, Preußen-Münster-Fans, Transen und Lederhosenträger. Jetzt besser? Oder sollen wir noch allgemeiner werden?

    So oder so bestätigen Sie meine Auffassung, dass Sie überhaupt nicht versuchen auf das was ich schreibe einzugehen sondern statt dessen ihre eigenen Vorurteile über „Menschen wie mich“ in die schriftliche Form zu bringen. Ich meine irgendwo muss ja der Grund liegen dass SIE nicht zwischen einer Gruppe mit spezifischen Verhaltensweisen und Eigenschaften, über die man sich amüsieren könnte, und einer Einzelperson, einem Individuum, unterscheiden können.

    Alleine dass Sie mir unterschieben wollen ich würde schwul sein für eine persönliche Entscheidung halten spricht Bände. Ich kann mich da nur wiederholen. Geht’s noch ein wenig bigotter? Haben Sie sonst noch Vorurteile gegenüber „Menschen wie Sie“ (also mich)?

  107. 109
    nona says:

    Natürlich darf man über Schwule Witze machen. Man macht ja schliesslich auch Witze über Heteros. Schwulenwitze sind aber gemeinhin, meistens, nicht Witze über Schwule, sondern das Lächerlichmachen von Schwulsein aus Gründen der Verachtung und der diskriminierenden Ausgrenzung. Explizite Schwulenwitze sind üblicherweise als Angriff auf eine elementare und unveränderliche Eigenschaft eines Menschen gemeint. Wer sich ernsthaft hinstellt und das für verteidigenswert und nicht weiter schlimm erklärt, der hat meines Erachtens echt den Schuss nicht gehört.

    Und ja, natürlich ist Bohlens perfide Retourkutsche eine schäbige unterschwellig Drohung und ein Versuch, die „heteronormen Massen“ gegen etwas „unnormales“ zu formen, was in keinem Vergleich zu Schreyls harmloser Spitze steht. Bohlen tritt sein facettenreiches Privatleben in seinen Haus- und Hofmedien öffentlich breit. Schreyl hält sein Privatleben aus privaten Gründen privat. Der Unterschied ist so offensichtlich, man muss schon sehr unverständig sein um das nicht zu erkennen, oder erkennen zu wollen. Ich weiss nicht ob Bohlen homophob ist, und es ist mir auch relativ egal. Aber es ist mehr als legitim wenn man sich klar dagegen ausspricht wenn Bohlen oder irgendwelche Schmuddelblätter aus seinem erweiterten Dunstkreis Homophobie kultivieren indem sie als Keule eingesetzt wird.

  108. 110
    Sebastian says:

    Ehrlich gesagt kenne ich keinen einzigen Schwulenwitz der das Schwulsein als solches als Grund der Verachtung beinhaltet.

    Vielleicht kennen Sie sich da besser aus, nona.

    Was den Artikel von Stefan betrifft ging mein Gedankengang übrigens so: Schreyl sagt was über Bohlens Frauengeschichten. Ich assoziiere damit, dass Bohlen ja viele Ehefrauen hatte und außerdem gerne sehr viel jüngere Freundinnen hat. Dann sagt Bohlen was über Schreyl. Dabei ist mir dann folgender Gedanke gekommen: wieso, hat Schreyl viele Ehefrauen gehabt? Oder viele viel jüngere Freundinnen?

    Nein.

    Sie müssen wissen – Schreyl ist schwul.

    Aha dachte ich mir. Also war er nie verheiratet mit einem Mann (geht ja in Deutschland nicht) und hat statt dessen viele viel jüngere Männer als Beziehungspartner gehabt.

    Aber lassen Sie mich raten. Ich halte Schwulsein nicht für normal und assoziiere richtig, nein ich bin naiv und seh nur den ganzen Schwulenhass in Deutschland nicht.

    Nebenbei: mir geht’s hier die ganze Zeit nicht um die Bild. Ich kann einfach nicht nachvollziehen dass wir seit fünf Jahren alle Bildblog lesen und dabei mitbekommen, wie die Bild verzerrt, aus dem Zusammenhang reißt und übertreibt, Dinge behauptet die nicht wahr sind, und dann taucht hier ein Zitat von Bohlen auf und das wird dann eindeutig als schwulenfeindlich dargestellt.

    Vor allen Dingen aber müsste doch klar sein, dass die Bild immer ihre Lieblinge hatte und für diese schreibt, egal um was oder wen es sich handelt. Den Berliner Flughafen, Michelle Huntziker in diesem Fall, den Kaiser, Boris Becker oder oder oder. Dass Bild dazu immer die perfidesten Methoden wählt müsste doch wohl klar sein. Als wäre es etwas Neues, dass sie gern ausländerfeindlich sind. Oder hier halt schwulenfeindlich. Oder für Atomkraft. Oder für die Riester-Rente. Und Werbung für Aldi und Schlecker machen.

    Was ist daran neu?

    Nur hier ist es auf einmal der große Bohey weil es eben das Thema schwul ist, und deshalb ist Bohlen jetzt heimlich schwulenfeindlich. Egal ob wir das wissen oder nicht.

  109. 111
    Frank says:

    Ich finde – mal ganz abgesehen von den flachen Moderationen – dass Schreyl sich tatsächlich die ein oder andere Anspielung sparen könnte. Das sage ich als Angehöriger der Minderheit. Denn er steht da oben nicht, um die Kandidaten mit Kommentaren zu provozieren, mit denen sie letztenendes eher intellektuell, positiv unterstellt aufgrund ihres Alters und der fehlenden Lebenserfahrung, noch nicht umgehen können und meist ja auch eher peinlich berührt reagieren, sondern weil das in dem Format gänzlich unangebracht ist: Die Rollen sind da klar verteilt – als Zotenklopfer ist nicht Schreyl eingestellt, der sich damit vielleicht auch von dem Moderatorenkorsett befreien will, sondern Bohlen. Schreyl ist Moderator, und zwar der einer bis ins Details durchgestylten Marketingmaschine – seine vielleicht ironisch oder doppeldeutig oder wie auch immer gemeinten Anspielungen haben da nichts zu suchen, noch machen sie irgendetwas lustiger, denn er ist leider auch nicht mit unterhaltsamen Spontanhumor gesegnet. Noch hat da seine vielleicht unterstellte Absicht etwas zu suchen, Leuten möglicherweise ihre eigene Scheintoleranz unter die Nase reiben zu wollen. Die Sendung – so streitbar sie ist – geht um die Kandidaten, die Songs und die Jurybewertung, nicht um ihn oder seine Person.

    Nichtsdestotrotz stimme ich der Aussage zu, das Schwulsein noch lange nicht in der Gesellschaft angekommen ist. Es ist absolut zutreffend: Die reine Eigenschaft wird toleriert – aber bitte nicht in einer wie auch immer gearteten Aktion oder in Sprache gegossen, deren man Zeuge wird. Das Wissen darum stört nicht (oft genug auch schon das), das Sehen oder Hören müssen aber schon. Soll die Person doch schwul oder lesbisch sein – ich möchte aber bitte nicht zur Auseinandersetzung damit genötigt werden.

    Und auch eine weitere Aussage stimmt – Schwulsein ist immernoch eklig und provoziert im Bezug auf Jugend Jugendschutzgedanken. Da schwingt immernoch ein altes, gern bedientes Klischee mit, auf das ich hier nicht weiter eingehen werde. Niemand tut sich einen Gefallen, diese zufällig naturgegebene Eigenschaft der Homosexualität bekannt zu machen – öffentliches Bekenntnis bedeutet oft genug Spießrutenlaufen, zumindest aber Geringschätzung, der man ab dann immer wieder aufs Neue und mitunter nur auf Grund des Wissens um die Sexualität und damit verbundenen Vorurteilen begegnet. Ab der Veröffentlichung wird man genötigt, sich immer wieder neu zu erklären, zu behaupten, gleichwertig zu sein. Hier ist findet wiederholt jene Nötigung statt, vor der man andersherum aber bitte bewahrt werden möchte. Schon allein, weil es immer wieder Menschen mit Vorurteilen geben wird, die sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

    Die beschriebene Problematik der fehlenden homosexuellen und vor allem jungen Medienstars hat nicht nur zur Folge, dass Jugendliche vor allem auf dem Land sich nicht trauen, sich zu outen und Vorbilder fehlen. Und dabei verstehe ich jeden Prominenten, der sich nicht zum Vorkämpfer machen lassen will, denn das wird man dann automatisch – wie alle anderen Minderheiten werden Schwule eben auch gern in bestehende Schubladen eingeordnet und es liegt in der Verantwortung der Betroffenen, sich aus diesen wieder herauszukämpfen.
    Auch innerhalb der Schwulenszene lässt sich beobachten, dass Schwule sich mehr und mehr gegenseitig diskriminieren und damit übernehmen, was sie in der Medienwelt und in der sie umgebenden Gesellschaft wahrnehmen. So kommt es, dass man als Schwuler in einem sich anbahnenden Kennenlernprozess um Gottes Willen bloss nicht mit jenen Schwulen zu tun haben will, die irgendwie feminin oder tuntig sind. Kerligkeit muss her, am besten prollig, männlich, ohne Parfum. Bärtig ist wieder topaktuell, spätestens seit sich die Heteros im gleichen Alter angefangen haben, die Augenbrauen zu zupfen und auf ihr Äußeres zu achten. Alte brauchen sich im Grunde gar nicht mehr zu Wort melden. Bloss kein offensichtliches Zeichen, dass man dieser geringgeschätzten Minderheit angehört. Lieber als Mainstream durchgehen – und der heißt: das Männliche zelebrieren, Andersartigkeit verachten.

    Insofern haben Jugendliche nicht nur keine Vorbilder. In den Medien gibt es im Grunde keine authentischen, die nicht der alten Garde angehören und für das Schrille stehen (müssen, denn anders macht das Thema keine Quote), oder die sich einfach über ihr „normales“ anderes Leben ausbreiten dürfen – Normalität interessiert keinen. Zum einen etabliert sich dadurch erst gar nicht der Gedanke, dass Schwul- oder Lesbischsein ganz normal wäre und sich auch „normal/belanglos“ äußern oder darstellen kann, zum anderen glaubt ein nicht unwesentlicher Publikumsanteil ohnehin nicht an das Zutreffen des Konzepts, das dies möglich sei.
    Schwule und lesbische Jugendliche vom Dorf trauen sich damit noch weniger an die Öffentlichkeit. Und selbst wenn sie es tun, erleben sie mitunter innerhalb der Szene, die sie dann allmählich kennenlernen, dass Schwul- und Lesbischsein nicht eine möglicherweise bereichernde Andersartigkeit ist, die man begrüßen kann, sondern dass Andersartigkeit nicht vorkommen darf oder zumindest nicht vorkommen sollte, um nicht verachtenswert zu sein.

    Von einer toleranten Gesellschaft im Bezug auf Homosexualität sind wir leider noch meilenweit entfernt, trotz aller Solidaritätsbekundungen einiger weniger Prominenter, die als Heteros ja nicht betroffen sind.

  110. 112
    Alberto Green says:

    @ Sebastian:

    Nur hier ist es auf einmal der große Bohey …

    Wer kommentiert denn hier (mal wieder) mit einer gehörigen Portion Schaum vor dem Mund?

  111. 113
    Oliver says:

    „Ich glaube immer mehr, dass man diese Form von Schein-Toleranz, die schon ein Coming-Out als eine unangenehme Behelligung mit dem Intimleben eines Menschen empfinden, bekämpfen muss.“

    Ja, so ist es. Danke für diesen Text!

  112. 114
    Flo says:

    Oh Mann,
    man fragt sich ja einfach schon, warum Herr Schreyl dann nicht einfach zurückkontert. Und ein für alle Mal Schluss macht mit dem Rumversteckln. Ein „wieso, Du kennst meinen Freund doch“ hätte schon mehr als genügt. Problematisch daran ist eben, dass der Freund eben auch kein Unbekannter ist und die BILD dann was hätte, um das gesamte drohende Sommerloch gut auszufüllen.
    Was mich übrigens mega nervt, sind die Kommentare anderso. „Der verhält sich ja gar nicht schwul, das hätte ich nie gedacht“ ist da noch das Harmloseste. Ich werde nie verstehen, warum sich Menschen, die in den Medien arbeiten, immer noch so verstecken.
    Oder es völlig übertreiben, wie Dirk Bach beispielsweise und dann jeder denkt, na klar, so sind Schwule halt.

    Ich muss mir auch manchmal blöde Witze anhören und holze dann einfach zurück, wenn’s das Hetenpack mal wieder übertreibt in der Redaktionskonferenz. Ich finde, keiner hat dort ernsthaft ein Problem damit, im Gegenteil. Was mir aber immer ein Rätsel bleiben wird, warum die Schreyls dieser Welt dann ausgerechnet bei RTL anheuern. Hat sich irgendwer über Wilhelm Wieben aufgeregt?

    Dass es beruflich für Herrn Schreyl einfach nicht mehr als zu RTL zu reichen scheint, steht ja auf einem anderen Blatt. Das hat mit der sexuellen Ausrichtung herzlich wenig zu tun, sondern schlicht mit professionellem Unvermögen.

  113. 115
    krusty20 says:

    So, endlich hat’s auch mal wieder einer (# 108) geschafft, den ach so negativ konnotierten Gutmenschen (hier sogar in Form eines sarkastisch gesteigerten „Bestmenschen“) unterzubrigen. Mein Gott, wie ich das hasse!

    Und natürlich gleich noch einen Seitenhieb auf die PC dazu. Ach wie oberinkorrekt. Da kann sich ja jemand wieder feiern als einzig Aufrechter, à la „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“.

    Falls Du es noch immer nicht geschnallt haben solltest, unlieber mike: ja, der Kampf gegen jedwede Diskriminierung Schwuler ist dem Hausherren ein persönliches Anliegen. Und er hätte auch das Recht, auf seinem Blog einseitig zu sein. Auch wenn ich hier die Einseitigigkeit nicht sehe. Was wäre denn die andere Seite? Das Ganze dargereicht mit ein paar Schwulenwitzchen?

  114. 116
    Matthias Schumacher says:

    Da ist viel Wahres in Deinem Text. Man muss sich natürlich genau ansehen, wer wen wie nennt. „Schwuchtel“ ist unter manchen Homosexuellen in diversen Situationen beinah ein Kosewort. Etliche haben auch eine etwas schräge Sicht auf Heteros. Das fängt schon damit an, jedem zweiten eine gewisse Latenz zu unterstellen. Und dann auch noch die Lesben! Kurze Haare, Bierflasche in der Hand: Diagnose Terrorlesbe. Es kommt auf den Tonfall an und vor allem auf die Haltung dahinter. Wenn ein Jugendlicher einen Mitschüler Schwuchtel nennt, kann das als Beleidigung aufgefasst werden usw. Da gäbe es viel zu sagen, aber die ganze Pubertäts- und Selbsfindungsphase blende ich hier mal aus.

    Wir leben in einem Land, wo sich mancher angegriffen fühlt, wenn er Jude genannt wird und „Jude“ in gewissen Kreisen als Schimpfwort gilt. Da kann man sich nur an den Kopf fassen. Idioten, tja. Legendär sind übrigens auch Roberto Blancos Wortspiele über Schwarze und „Neger“, manchmal nimmt sowas die Spannung aus der Kommunikation. Manchmal schlägt es Brücken, wo früher Schwarz und Weiß getrennt waren.

    Vielleicht findet Schreyl es ja interessant, mitten der Gerüchteküche zu sitzen, vielleicht ist das seine Ersatzsauna. Das Geheimnisvolle hat eben was.

    Seit Rosa von Praunheim Hape Kerkeling outete, ist der halt der Hape, der schwule Hape. Seiner Popularität hat es nicht geschadet, vielleicht hat es ihr sogar geholfen, aber irgendwo ist doch der Zauber weg. Und welches Bild von Schwulen vermittelt Kerkeling nun den Menschen? Schwule verkleiden sich gern als Frauen. Oder wie? Und Georg Preuße („Mary“)? Tim Fischer? Vorzweigeschwule? Klischeeschwule? Dirk Bach zeigt, dass Schwule gern irre Klamotten am Leib haben. Und Hella von Sinnen? Der Paradiesvogel hat es in der Öffentlichkeit leichter als der Durchschnittschwule.

    Was ist mit den ganz „normalen“ Schwulen, die nicht bei jeder Gelegenheit herumtucken, die nicht zum CSD rennen, den Eurovision Song Contest ignorieren, die nicht auch noch einen schwulen Arzt, Friseur, Klempner brauchen? Selbst Carsten Flöter in der „Lindenstraße“ ist aus dem großen Bausatz für Serienschwule zusammengebaut. Sein Freund Georg wird natürlich „Käthe“ genannt. Ahhhhh ja.

    Nach welchen Kriterien outet die BILD eigentlich? Wenn man in der Berliner Gayszene unterwegs ist, trifft man reihenweise Soap-Sternchen, die offiziell sowas von hetero sind. Das wissen alle, aber das ist der BILD keine Meldung wert. Dann soll Jay Khan irgendwem einen gedingsbumst haben und am nächsten Tag ist das fett überm Knick. Man könnte einen ganzen Monat lang die komplette Springer-Presse nur mit solchen Nebensächlichkeiten füllen.

    Ich bin der Meinung, dass sich jeder verstecken und verschanzen kann, wie er will. Problematisch könnte es sein, wenn die gesamte Öffentlichkeit belogen wird. Könnte. Ist nicht selbst das egal? Denn worum geht es? Um Glaubwürdigkeit? Bei Castingshow-Moderatoren, Soapies?

    Ich erinnere mich, wie Schreyl bei „alfredissimo“ von seiner Freundin redete. Habe nie verstanden, warum mancher glaubt, eine erfinden zu müssen, man kann auch gar nichts sagen, hat Biolek lange selbst so gehalten: „Ich habe immer offen gelebt, aber nicht öffentlich.“

    Würde es an dieser Stelle passen, wäre ich zu einem Outing bereit. Aber es passt nicht. Doch wie und wozu?
    Vielleicht beim nächsten Mal.

  115. 117
    ach says:

    „Ich werfe Niggemeier auch nicht vor, dass er sich über Homophobie aufregt, sondern dass er sich über die anderen Dinge schon lange nicht mehr aufregt.“

    Schon lange, also seit Januar?
    http://faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog/archive/2011/01/09/dsds.aspx

  116. 118
    Sebastian says:

    @Frank: Tja ich weiß auch nicht. Wenn’s um Adoption geht bin ich übrigens der Meinung, dass es auf die Eignung des zukünftigen Heims des Kindes und die Partnerschaft ankommt, und nicht wessen Geschlechts die zukünftigen Adoptiveltern sind. Ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, wie man da anders denken kann. Ist dem heute immer noch so? Werden gleichgeschlechtliche Paare als Eltern im Kindergarten mehr angefeindet als… weißnich… Russlanddeutsche? Hartz IV-Empfänger?

    Ist es wirklich nicht mittlerweile so, dass die Bevölkerung generell einen solchen Strauß an Vorurteilen gegenüber alles und allem hat?

    Und mal ganz davon ab: ich halte Leute die z.B. in der Disco rummachen für nervig egal welchen Geschlechts sie sind.

    Wie gesagt ich versteh das alles nicht. Wieso ist das nicht einfach „Gesellschaft, die sich gerne in Gruppen aufteilt, und andere anfeindet“ anstatt generellem Schwulenhass?

    Mich kotzt die Gesellschaft am laufenden Meter auch an. Ich bin auch schon zigdutzendmal für meine körperlichen und geistigen Eigenschaften angefeindet worden, ausgegrenzt und ausgesondert. Klar liegt das daran weil ich mich anders verhalte als andere. Klar bin ich der Ansicht, dass die Gesellschaft insgesamt einen an der Waffel hat. Weil sie an Homöopathie glaubt, an Tierkreiszeichen, an den Maya-Kalender, weil sie glaubt Impfungen sorgen für Autismus, weil 25% nicht wissen, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, weil ich den Dreisatz kann und sie nicht und und und und. Ich halte „die Gesellschaft“ auch gerne für strunzdoof und scheiße aber ist es wirklich so, dass die Homosexuellen hier immer noch eine Ausnahmestellung einnehmen?

    Kann es nicht einfach sein, dass die Bevölkerung generell doof ist zu einem gewissen Prozentsatz und dass sie so oder so auf alles anspringen, sei es schwul, Monika Lierhaus‘ Entlohnung oder die Inflation in Griechenland?

    Ich finde das ist generelle Intoleranz und keine spezifische Schwulenfeindlichkeit mehr. Im Endeffekt diskutiere ich hier wohl darum, ob ich in Zukunft noch harmlose Witze machen darf oder nicht. Und wie es immer ist dürfen die, die zu doof sind und total intolerant alles machen, und ich, der ein Gewissen hat, darf sich gefälligst zurück halten, in der Hoffnung, dass dadurch in Zukunft die Gesellschaft weniger doof und weniger intolerant ist.

  117. 119
    Claus says:

    Ich sehe es wie Sebastian (82):

    Schreyl hat Bohlen öffentlich in die Situation gedrängt, etwas zu seinem Privatleben zu sagen.

    Mit allem Respekt, Herr Niggemeier – die gleiche Situation bei einem anderen Menschen wäre Ihnen sicher auch einen Eintrag über unangemessene Verletzung der Intimsphäre im Fernsehen wert gewesen.

    Warum ist es hier anders? Ich glaube, es liegt daran, dass es eben der Bohlen war. Und da haben Sie recht. Wer sich so verhält wie Bohlen muss sich sowas gefallen lassen.

    Aber wer sich so verhält wie Schreyl – der nicht nur über „Eier“ redet, sondern auch schon mal 16-jährige Kandidaten dazu bringt, vor einem Millionenpublikum über ihre Darmspiegelung Auskunft geben zu müssen – der muss sich das halt auch gefallen lassen.

    Sorry, da sind einfach zwei peinliche Menschen unter sich.

    Kirche im Dorf lassen. Bitte.

  118. 120
    Sebastian says:

    [schaum weggewischt.]

  119. 121
    Sebastian says:

    Hat er eh als E-Mail bekommen.

    Ändert nichts an seiner Polemik und zu der Kritik stehe ich.

  120. 122
    Mitleserin says:

    @Frank,
    DSDS ist so bescheuert wie erfolgreich – trotz oder gerade wegen der Kandidaten, der Jury und der Moderation. Der Skandal, um den es vor allem geht, ist die BILD-Kampagne gegen Marco Schreyl. Über dümmliche oder sexistische Bemerkungen eines Herrn Gottschalk im Staatsfernsehen wird gnädig hinweggesehen, Zweideutigkeiten und „schrilles“ Auftreten von Herrn Schreyl im Privatfernsehen werden geifernd verfolgt. Jeder sollte so blöde Sendungen produzieren und anschauen dürfen wie er möchte, solange niemand anderem geschadet wird. Werden Menschen gegen ihren Willen zur Schau gestellt, verletzt oder diskriminiert, ist es Pflicht der Medienaufsicht einzuschreiten und der kritischen Journalisten und Zuschauer das Maul aufzureißen.
    Marco Schreyl mag als Moderator Fans und ein Gegenpublikum haben. Solange er niemandem geschadet hat, muss er die gleiche Narrenfreiheit genießen wie ein Herr Bohlen, Gottschalk, Raab,……
    BILD darf nicht zugestanden werden, einen Moderator, den BILD nicht sehen möchte, weil er ist wie er ist, abzuschießen.

  121. 123
    Frank says:

    @Sebastian (122).

    Tja, mit der allgemeinen Dummheit und Intoleranz gegenüber allem und jedem magst Du recht haben. Ich glaube aber dennoch, dass es Unterschiede gibt – Schwulsein ist genauso wie schwarze Hautfarbe, aber anders als Türkischstämmigkeit, Esoterik, Blindheit oder Autismus – sexuell konotiert und berührt damit meistens einen Grundpfeiler der eigenen (männlichen) Identität. Ich rede nicht von allgemeinem Schwulenhass. Ich rede eher von Unsicherheit in der Konfrontation mit dem anderen, die aufgrund der vielleicht unbewussten Sex-Assoziation genau in der Situation der Konfrontation als unangenehm empfunden wird, weswegen man sie vermeidet oder wenn es um öffentliche Stellung beziehen geht, man gerne die umgebende Mehrheit darin bestätigt, dass man zu ihr, der Mehrheit gehört und keinesfalls zur belächelnswerten Minderheit. Das sind dann die Stellen für Schwulenwitze oder Tunterei-Nachgeahme, für die sich alle gegenseitig auf die Schulter klopfen. In dieser oft als notwendig empfundenen Abgrenzung, wird das andere, in dem Fall das Schwulsein, immer minderwertiger sein.

    Um Dein Bespiel zu nehmen, obwohl ich nicht denke, dass Schwule in Diskos die Tendenz haben rumzumachen :o), Du magst Schwule in der Disko wie andere rummachende Heteros einfach nur als nervig empfinden. Für andere, auch auf der Straße, ist 2 Männer + Küssen = schwuler Sex = iiiih, und zwar genauso nah beineinander als Teil eines schnellen Gedankengangs. Genausogut passiert das (eher bei Männern) für 2 Frauen + Küssen = lesbischer Sex = lecker, denn die machen das, um mich anzuturnen. Erst dann setzt der Verstand ein und man ruft sich vielleicht die pc-Toleranzgedanken wieder in Erinnerung.

    Schwule reagieren auch im alltäglichen Umgang (was allein schon für die meisten Heteros nicht zutrifft) in der Regel anders als Heteromänner auf die Heteromänner-sich-gegenseitig-versichern/bestätigen-Rituale – auch das verunsichert und ist deswegen unangenehm, auch weil man nicht versteht, warum, solange das Gegenüber noch ungeoutet und nicht klar erkennbar schwul ist. Das Wissen um das Schwulsein ist dann fast eine Erleichterung, denn dann kann man einordnen und Rangordnungen schaffen.

    So gern ich sagen möchte, dass es keine besondere Heraushebung im Meer der Intoleranzen geben sollte, ist meine Erfahrung schon, dass es Homosexualität mehr bedeutet, als einfach nur anders zu sein. Und zwar nicht, weil die Betroffenen sich das aussuchen. Oftmals ist Schwulsein ja nicht mal offensichtlich. Auch ein nicht geouteter Schwuler, dem man das nicht anmerkt, erfährt Diskriminierung zuhauf. Spätestens, wenn er unter Männern ist, die sich „unter sich“ wähnen… Das macht das Outing nicht einfacher.
    Ein Outing im Beruf ist für mich immer wieder eine strategische Abwägung. Denn natürlich möchte ich mir nicht unnötig das Leben schwermachen und sehe auch nicht ein, warum ich mehr kämpfen soll, als das andere müssen, nur aufgrund der Sexualität, die mich bei anderen ja auch nicht interessiert und für die sich andere nicht rechtfertigen müssen?

    Es kann natürlich sein, dass das jede Minderheit für sich als außergewöhnlich empfindet. Was man ihnen wiederum nicht nachtragen kann, denn es gibt immer eine Geschichte und handfeste persönliche Erfahrungen, die Stoff dafür liefern, das so zu empfinden.

  122. 124
    Frank says:

    @Mitleserin

    Du hast Recht. Man muss aber auch nicht alles aus political correctness toll finden, was einfach unglücklich ist und meiner Ansicht nach auch ein bisschen unprofessionell rüberkommt. Das die BILD sowas verwurstet ist für mich überhaupt nicht überraschend, darin ist der vermeintliche Skandal nicht anders, als andere. Schreyl spielt ja damit und fühlt sich wohl damit, da muss er mit sowas rechnen. BILD wird jeden Anlass nutzen, sei er noch so weit unter der Gürtellinie. Das BILD verbieten zu wollen, wird nicht funktionieren – sie ist nicht umsonst die auflagenstärkste Zeitung – es ist das, was die Leute lesen wollen. BILD bringt sich damit ja auch noch mehr ins Gespräch. Und sorgt damit zusätzlich noch für noch mehr Quote nach dem Motto „schlechte PR ist gute PR. Ist PR überhaupt.“ Kommendes Wochenende werden wieder mehr Leute einschalten, um das mal zu überprüfen, was die BILD da so schreibt. So geht die Rechnung für alle auf. Schwul oder nicht Schwul.

  123. 125
    Linus says:

    @Frank

    [Bild] ist das, was die Leute lesen wollen.

    Das ist aber nicht ganz korrekt. Bild ist das, von dem die Macher glauben, dass es die Leute lesen wollen sollten. Wenn Bild das nicht thematisieren würde, würde es auch niemanden interessieren. Das macht die Menschen nicht toleranter, aber rückt die Dinge ein bißchen zurecht.

  124. 126
    faulersack says:

    @Linus: Und genau aus dem Grund entscheidet auch nicht Bild, was hoffähig ist und was nicht. Deshalb finde ich die These am Ende des Blogeintrags auch wahnsinnig steil.

  125. 127
    Frank says:

    @Linus

    Ich weiß, dass BILD Agenda macht. Und mitunter gefährlich ist, bzw. erpresserisch vorgeht. Aber die Themenwahl hängt auch und nicht zuletzt mit handfesten Zahlen zusammen. Vielleicht wusste die Leserschaft nicht, dass sie etwas über Schreyl lesen wollte und das Thema wäre untergegangen. Und BILD hätte theoretisch auch die Macht, sich für die moralisch einwandfreie Publikationspolitik zu entscheiden. Tut sie aber nicht. Denn die Zahlen sagen, dass die Leserschaft etwas von dieser inszenierten Dramatik haben will – auch wenn dafür Köpfe rollen.

  126. 128
    Linus says:

    @Frank

    Ich bin mir nicht so sicher, ob man das so genau empirisch untersuchen kann, was genau jetzt wie Auflage macht. Bild macht hier noch nicht mal Agenda, sondern geht einfach nur niedrigschwellig den einfachsten Weg, indem es die voyeuristischen Gelüste, die in uns allen vorhanden sind (unterstelle ich mal frisch fromm fröhlich frei) befriedigt. Und wenn sie nicht vorhanden sind, dann bringt uns Bild dazu, zu erkennen, dass sie ja eigentlich vorhanden sein müßten

    Ich glaube allerdings nicht, dass es sich hier ein Bedürfnis handelt, bei dem die Leute unbedingt Befriedigung erwarten. Ich weiß nicht, ob Lieschen Müller aus Hinterarschkleppelesweiher sich aktiv und bewußt Gedanken darüber macht, was jetzt Raab, Schmidt und Jauch im Bett so treiben. Indem man das medial thematisiert, schafft man erst ein Bewusstsein. Um dann hinterher sagen zu können, siehste, das wollten ja alle wissen.

  127. 129
    Sebastian says:

    @Frank: der Gedankengang „iiih“ und „uuuh lecker“ setzt bei mir aber auch ein, wenn ich eine 13-jährige mit Bauchnabelpiercing, Hot-Pants und Tanktop und tiefem Ausschnitt sehen „darf“ bzw. eine 13jährige mit 40 Kilo Übergewicht in den gleichen Klamotten. Das hat doch nix mit Schwulenfeindlichkeit zu tun, das sind Instinkt-Reaktionen für die ich mich dann auch gerne mal hasse.

    Wahrscheinlich bin ich aber alleine deshalb komisch weil ich mir nicht zu schade bin beiden Mädels zu sagen, dass sie sich nicht so anziehen sollten.

    Ich weiß das ist dann wieder absolut politisch inkorrekt, ich hab kein Recht dazu usw. usf.

  128. 130
    Lars Dreher says:

    Ich hoffe, ich gelte nicht als schwulenfeindlich, weil ich Herrn Schreyls Moderation bei DSDS nicht mag.

  129. 131
    Twipsy says:

    „Vorher waren alle Menschen froh,
    alle Menschen waren hetero.
    Weil schwul sein ja eine Krankheit war
    und da war keiner Krank.
    Gott sei dank!
    Die 68er sind an allem Schuld!“

    (Rainald Grebe)

  130. 132
  131. 133
    Linus says:

    @Sebastian

    Sie werfen ja anderen gerne mangelnde Lesekompetenz vor, aber erklären Sie’s mir bitte.

    Wenn Sie einer 13-jährigen mit Bauchnabelpiercing etc. und einer Übergewichtigen sagen, dass sie kacke aussehen, hat das doch nichts mit deren sexueller Präferenz zu tun, oder? Wenn Sie einem Schwulen sagen, dass sein Schwulsein nervt, ist das eine etwas andere Qualität, finden Sie nicht? Und ich weiß, dass Sie nur den einen konkreten meinen und nicht die Schwulen an sich.

    Trotzdem thematisieren Sie völlig unnötig seine Sexualität. Für die „kann er aber nix“ (Deswegen die Analogie mit der Haarfarbe). Für tuckiges Verhalten und scheiß Klamottengeschmack vielleicht schon und es steht ihnen auch meinetwegen gerne zu, ihm das unter die Nase zu reiben.

  132. 134
    Sebastian says:

    Wenn Sie „13 Jahre, weiblich, tiefer Ausschnitt“ nicht in einen sexuellen Kontext bringen können kann ich Ihnen ehrlich gesagt auch nicht wirklich helfen.

    Ich frag mich auch wie ich einem Schwulen sagen soll, dass sein Schwulsein nervt. Wie geht das? Vor allem: wieso sollte ich das tun? Warum sollte mich das nerven? Woran sollte ich merken dass er schwul ist?

    Ich glaub ihr Unverständnis für meine Beispiele kommt daher dass ich die Sexualität ausklammere und schon einen Schritt weiter bin, nämlich beim Umgang in der Öffentlichkeit mit anderen Menschen. Wissen Sie es nervt mich nicht, dass zwei Männer sich überhaupt küssen, sondern wenn sie dabei Schmatzgeräusche machen oder es z.B. direkt vor meiner Nase tun zu müssen in der Straßenbahn. Das nervt mich aber auch bei Heteros und bei Lesben. PDA kann nerven. Ich reg mich auch auf wenn sich jemand beim Bäcker vor mich drängelt. Oder wenn jemand laut Musik hört in der Bahn. Oder wenn er meint sein Kaugummi mit offenem Mund kauen zu müssen.

    Wenn sich jemand scheiße verhält dann sag ich das. Und das tut eben nicht jeder.

    Sie dagegen krampfen sich irgendwie daran fest ich würde einem Schwulen unbedingt sagen wollen, dass seine Sexualität schlecht ist. Warum? Wann hab ich das gesagt dass ich das tun möchte? Wie kommen Sie auf das schmale Brett?

  133. 135
    Frank says:

    @Linus
    @Sebastian

    1. Der erste Abschnitt bestätigt meinen vorangegangenen Satz, es ist das was die Leute lesen wollen. Zu den Messverfahren kurz – es gibt sie. Der zweite Absatz ist die Frage nach Huhn oder Ei, aus der sich leicht die Antwort ableiten lässt – BILD setzt die Themen, dann kommt die Quote, oder war erst die Quote und danach kamen die Themen? BILD kann sehr gut davon leben, dass die Bedürfnisse befriedigt werden und man weiß deswegen nicht gleich, ob die Erwartung der Befriedigung da war. BILD kann aber nicht davon leben, wenn die Leute aufhören, die Zeitung zu kaufen, weil Bedürfnisse nicht mehr befriedigt werden (und die sind hier vielschichtig – leicht zu komsumierende Information in kleinen, einfach formulierten Häppchen, schon vorweg eingeteilt in Gut und Böse). Das wird BILD nicht egal sein. Deswegen ist klar – die Erwartung war da.

    Ich empfehle BILD-Blog, da wird nämlich deutlich, dass diese Kampagne auch mit Michel Hunziker zu tun hat, die BILD schon länger pusht. Die lässt sich dann nämlich auch besser und immer wieder neu verkaufen als ein Schreyl.

    2. Beide Beispiele stellen auch im Fall Deiner Beurteilung Deine eigene sexuelle Identität nicht in Frage. Wenn Du als Mann (nicht Du persönlich, sondern allgemein) schwule Männer beurteilst, musst Du Stellung beziehen. Meist geht damit Abgrenzung einher, weil sich niemand eines gesellschaftlich umstrittenen Andersseins verdächtig machen will, schon gar nicht, wenn das in den Augen Dritter mit dem Verdacht von Verlust von „echter“ (weil numerisch überwiegender) Männlichkeit einhergeht.
    Ich habe auch nicht alle Antworten und treffe auch keine Allgemeinaussage für alle Heteromänner, noch Rede ich von allgemeingesellschaftlichem grundsätzlichem Schwulenhass.
    Ich bezweifle aber, dass sich Feindlichkeit gegenüber Schwulen aus dem Verhältnis von Heteromännern gegenüber unterschiedlichen Typen von Frauen erklären lässt.
    Irgendwie glaube Dir auch nicht, dass Du Dich für das iiih bei der dicken Teenagerdame hasst. :o) Das klingt wie die Scheintoleranz gegenüber Schwulen – ich weiß, dass eine solche Ansicht nicht korrekt wäre, also bezeuge ich es zumindest, obwohl es mir egal ist.
    Wie gesagt, Du beschreibst einen Typus, der offensichtlich auf irgendeine Weise kenntlich ist. Ich rede von einer Unkenntlichkeit und Feindlichkeit, die trotzdem zutage tritt. Weil sie da ist.

  134. 136
    Linus says:

    @Sebastian

    Ach so, eine gepiercte 13-Jährige kann nicht vielleicht auch lesbisch oder wasweißichwas sein? Wo kommt da die sexuelle Präferenz ins Spiel, wenn Sie meinen, die Tante sieht scheiße aus? Ach egal…

    Was Sie irgendwie mißzuverstehen scheinen: Sie dürfen sich gerne über häßliche, pickelige, dicke doofe Ed Hardy-Träger echauffieren, auch wenn sie schwul sind. Das stellt Ihnen hier niemand in Abrede. Echt nicht. Nur hat das nichts mit Homophobie oder political correctness oder weißderhimmel zu tun. Von daher rennt Ihr Anspruch, auch Schwule beleidigen zu dürfen, himmelweit offene Tore ein. Darum geht es hier nämlich gar nicht.

    Es geht hier (steht zumindest so oben im Artikel) um mediale Spielchen, die bei blöden Sprüchen einen künstlichen Unterschied machen wollen, ob Sie nun ein Schwuler (Pfui, weg it dem!) oder ein Bohlen (Der Pop-Titan) vom Stapel lässt. DAS ist bigott. Keineswegs die nicht existente Forderung nach besonderem Schutz Schwuler.

  135. 137
    Linus says:

    @Frank

    Ich glaube, Hunziker hat größere Brüste und plaudert gerne über Ihr Sexleben. Das macht Sie für Bild interessant, sonst nichts.

    Und nochmal: Blid befriedigt in vielerlei Hinsicht Bedürfnisse, von denen die meisten noch nicht einmal wußten, dass sie sie hatten. Das Verachtenswerte an Bild (und ähnlichen Blättern) ist, dass sie es fortwährend und ohne Not tun. Würde jemandem irgendetwas bewußt fehlen, wenn er seine Nase nicht in fremde Mülltonenn, Schlüpfer und Betten gesteckt bekommt? Ich glaube nicht. Wobei – wie gesagt – das nichts über die Dummheit der Leser (auch ohne Bild) aussagt oder diese relativiert.

    Äpfel und Birnen: Warum ist die NPD so stark in Gegenden, wo es wenige bis gar keine Ausländer hat? Doch nicht, weil die Leute täglich darüber nachdenken, dass die Neger schon irgendwie doof sind, sondern weil man Ihnen eine virtuelle Projektionsfläche bietet, auf die sie selber wohl kaum gekommen wären. Ansonsten wären es halt die Langhaarigen, die Blonden, die Kleinen – irgendetwas anderes anderes halt.

  136. 138
    theo says:

    @ Sebastian, @ Mitleserin, #10

    („Schreyl versteckt seine Neigung/Orientierung nicht,“)

    Ich kann mich nur daran erinnern, dass Schreyl seine Homosexualität nie groß plakatiert hat. Hat er selbst sich eigentlich mal irgendwann dazu geäußert? Falls nicht, wäre das Vorgehen von dwdl sogar noch ganz anders zu bewerten.

    Und egal, wie sehr die Bild-Leute versuchen, ihrem Blatt ein halbwegs anständiges Image zu verpassen: der üble Dreck kommt doch in schöner Regelmäßigkeit immer wieder zum Vorschein.

  137. 139
    Johann says:

    [gelöscht]

  138. 140
    Sebastian says:

    @Frank: Nee klar auf das hypothetische dicke Mädchen war das jetzt nicht bezogen :-)

    @Linus: lassen wir’s einfach mit den Beispielen. Sie verstehen so ziemlich alles falsch. Vor allen Dingen meinen Sie jetzt mir sagen zu müssen dass es um die Kampagne der Bild ginge.

    Nein geht es nicht. Schon die ganze Zeit nicht.

  139. 141
    farad says:

    [gelöscht.]

  140. 142
    Jojo ohne Blog says:

    Wie geht denn hier kursiv? Egal, Anführungszeichen:

    „Ich fürchte, es gibt viele Menschen, die von sich sagen würden, sie seien „tolerant”, was Homosexualität angeht. In Wahrheit akzeptieren sie nur, dass es Schwule gibt, und nicht, dass Schwule ihr Schwulsein auch in der Öffentlichkeit leben, wie es Heterosexuelle tun, und sei es mit anzüglichen Witzen. Ich glaube immer mehr, dass man diese Form von Schein-Toleranz, die schon ein Coming-Out als eine unangenehme Behelligung mit dem Intimleben eines Menschen empfinden, bekämpfen muss.“

    Das mag ja stimmen.

    Und dennoch fühle ich mich, wenn ich sowas lese, getadelt. Denn ich halte mich auch für ..äh.. tolerant, nein akzeptant, nein, eigentlich ist mir die sexuelle Ausrichtung eines Menschen im täglichen Umgang erstmal egal, also ignorant. Aber egal, was man ist, es ist ja falsch. Als Toleranter duldet man die Homosexuellen bloß, als Akzeptierender akzeptiert man offenbar das Falsche und nicht weitreichend genug, oder wiederum zu offensiv und somit einschränkend oder was weiß ich, was. Hat man keine Meinung (auch keine negative), verschließt man die Augen vor den Problemen. Und jegliches nicht korrekt ausgeführte Tolerieren und Akzeptieren kann auch wieder als versteckte Bigotterie, als perfide Homophobie mit Rückschlüssen auf die eigene sexuelle Unsicherheit gedeutet werden.

    Dieses Kaum-eine-Chance-auf-korrekten-Umgang-Lassen ist eigentlich das einzige, was mich an „den Homosexuellen“ nervt. Sobald man sich jeglicherdings bezüglich Homosexualität äußert, ohne selbst homosexuell zu sein, ist man schon in die Falle getappt. Jetzt gerade zum Beispiel schon wieder.

  141. 143
    hugo von krapendorf says:

    Zur Erklärung zu meinem vorherigen Eintrag (Nr. 8) und auf die Reaktion von Irene (Eintrag Nr. 12) erlaube ich mir zu ergänzen:

    Wenn ich sage, dass es meiner Ansicht nach angemessen wäre, wenn niemand mehr die Notwendigkeit verspürte, zu irgendeiner Sexualität „stehen” oder damit „entspannt umgehen” zu müssen, bedeutet das natürlich gleichzeitig, dass jeder Mensch so viel von seiner Sexualität preisgeben soll, wie er mag. Ein Coming-Out ist in keinem Fall „eine unangenehme Behelligung mit dem Intimleben eines Menschen.“ Ein gesellschaftlich notwendiges Coming-Out hingegen könnte vom Einzelnen als unangenehme Behelligung seines Intimlebens mit gesellschaftlichen Realitäten empfunden werden.

    Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass es heute möglicherweise bei der entsprechenden Entscheidung noch immer einen äußeren Druck gibt, der mit der empfundenen oder tatsächlichen gesellschaftlichen Realität zusammenhängt.

    Auch wenn man selbst der Meinung ist, dass diese gesellschaftliche Realität zu ihrer Optimierung dringend Beispiele für das „Stehen-zu“ und das „Entspannt-Umgehen-mit“ Sexualität (besonders nicht heterosexueller) benötigt – sollte man nicht dennoch tolerieren, wenn andere das für den Bereich ihres eigenen Privatlebens anders einschätzen?

  142. 144
    zoey says:

    @Linus
    wie – preußen münster?? was soll denn das in diesem kontext??

  143. 145
    Linus says:

    Keine Ahnung, fragen Sie Sebastian. Der findet, dass Schwulsein sowas ist, wie Preußen Münster Fan zu sein. Oder, nee. Schwule Preußen Münster Fans müssen genauso verlacht werden dürfen wie Heterofans. Oder Ed Hardy-Träger. Aber wahrscheinlich hab‘ ich da nur wieder was falsch verstanden.

  144. 146
    Frank says:

    @jojo

    dieses nervige „Kaum-eine-Chance-auf-korrekten-Umgang-Lassen“… Ich denke das geht ein bisschen an der Realität vorbei. Das ist wie einem Kind sagen, dass es einen schließlich zwingt es zu schlagen, wenn es sich doch verhält, wie es sich verhält. Die sind doch selber schuld, schließlich machen sie es einem so schwer. Da weiß man gar nicht, wie man sich richtig verhalten soll.
    Ich denke da werden mal ganz schnell die Seiten der Realität miteinander vertauscht und das ganze klingt nicht wirklich nach dem Willen, die Thematik auch mal durch die Augen des anderen zu versuchen zu sehen. Oftmals genug ist es genau andersherum, wenn es darum geht, wer hier wieviel Chancen bekommt, Dinge „richtig“ oder „falsch“ zu machen. Wenn Toleranz oder Akzeptanz schon als eine Art opferndes Verhalten stilisiert wird, dann stimmt da was nicht mit dem Gesamtbild. Es geht ja gerade darum, dass Homosexualität nicht als etwas zu Tolerierendes oder zu Akzeptierendes zu betrachten ist, sondern als etwas ebenso Normales wie Heterosexualität. Schwule fragt auch keiner ob sie Heterosexualität tolerieren sollten oder nicht.

    Ich wollte einfach ein paar Gedanken aus einer anderen Perspektive beitragen und niemanden angreifen. Das manche interessierte Heteromänner durchaus auch dankbar für einen solchen Einblick sind, habe ich schon erlebt, auch dass sie ihn bestätigen, nachdem sie daraufhin dann mal darauf achten. Die waren allerdings nicht gleich frustriert, weil sie mal etwas Kritisches gehört haben.

  145. 147
    irp says:

    Ich glaube Homophobie lässt sich nie ganz erklären, wie ich es mir auch schwer erklären kann, dass tatsächlich manchmal intelligente Menschen religiös sind.

    Kommt mir ähnlich vor.

  146. 148
    H.M.Voynich says:

    @irp:
    Ekel. Die tiefsten Instinkte sind der Ratio am schwersten zugänglich.

  147. 149
    SvenR says:

    Das Marco Schreyl schwul sein soll, ist bislang an mir vorüber gegangen. Auch das ist ein Zeichen der latenten Homophobie. Er hat wohl mit Bedacht sein öffentliches Leben so gelebt, dass ich, wir alle, das bislang nicht wahrgenommen haben.

    Es ist ja auch vollkommen unerheblich.

    Ein Kollege aus dem Londoner Büro, mit dem ich seit zehn Jahren eng und gut zusammenarbeite, ohne das wir uns dazu häufig treffen mussten, entschuldigte sich vor zwei Jahren bei mir, dass er mir nie gesagt habe, dass er schwul sei. Wir hatten uns über die Jahre wirklich angefreundet und saßen beim Weihnachtsessen in einem hippen Lokal in Greenwich, als er von einem Tischnachbar angesprochen wurde, ob sein Partner David schon den neuen Job angetreten hätte. Er wusste, dass ich eine Frau und Kinder habe, nicht zuletzt deshalb, weil ich ihm nach den Geburten der Kinder mit den obligatorischen hormoninduzierten Informationsemails »belästigt« habe. Nun saß er also da und entschuldigte sich, dass er es mir nie gesagt hatte. Ich fand das einerseits ein wenig beleidigend, als ob es für mich, für uns wichtig wäre. Andererseits war ich schwer beeindruckt, wie nonchalant er das Offensichtliche jetzt manifestierte. Ich entschuldigte mich bei ihm, dass ich ihm nie gesagt habe, das ich nicht schwul bin. Er lachte herzlich und lange. Seit diesem Tag sind wir wirklich Freunde.

    Wir sprachen ausführlich über Strategien, um mit dem eigenen Schwulsein umzugehen. Er habe alle ausprobiert, und die einzige, die seiner Meinung nach trägt, sein Leben zu leben und dazu zu stehen, ohne es offensiv nach aussen zu tragen.

    Und jetzt sind wir wieder bei Marco Schreyl: Es ist vollkommen unerheblich, das er schwul ist, um ihn für einen furchtbaren Moderator einer noch viel furchtbareren RTL-Show zu halten. Oder einen angenehmen Morgen-Moderator im Radio. Das Eine hat damit nichts zu tun, das Andere aber auch nicht. Und so zu tun, als ob das Eine das Andere bedingt ist infam, aber sowas von!

    It’s getting better. But it’ll take some time. Still.

  148. 150
    Sebastian says:

    @Linus: stimmt. Sie haben’s wieder falsch verstanden. Irgendwie kriegen Sie’s nicht auf die Reihe zwischen oberflächlichen Dingen, über die man auch mal einen Witz machen könnte, und der Sexualität einer Person zu trennen. Ich versteh ehrlich gesagt nicht warum das so schwer sein soll.

    @irp, 151: lustig. Das Beispiel mit meinem Atheismus wollte ich auch bringen. Frank hatte ja gesagt, dass man, wenn jemand was zu Homosexualität sagt, Stellung beziehen müsste. Ich find das irgendwie nicht und habe darüber mal länger nachgedacht. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass ich generell wenn jemand sagt „Ich glaube an Gott“ dazu gezwungen bin, meine Einstellung dazu preis zu geben. Genau so wenig kann ich mich dran erinnern dass ich jedes Mal, wenn jemand zu mir „Schwuchtel“ gesagt hat in meinem Leben, dazu gezwungen gewesen bin, das zu verneinen oder das Gegenteil zu beweisen. ich hab in der Schule jahrelang neben einer homosexuellen Person gesessen und als dann das Coming-Out war, war meine Reaktion „Wie, ich dachte das wäre schon vor Jahren passiert“ – weil ich mich schon Jahre zuvor, als wir in der 11. Klasse Sitzplätze ausgesucht hatten, da hin gesetzt hatte und es für mich normal war, dass das seine Sexualität ist.

    Ehrlich gesagt fand ich den Zwang, weiter in den katholischen Religionsunterricht gehen zu müssen, während der Abiturzeit ätzender. Dort habe ich es übrigens vermieden, krampfhaft auf meinen Atheismus hinzuweisen. 1.) wollte ich meine 2 nicht gefährden und B) hätte ich bis ich 18 bin wegen der Aufsichtspflicht eh irgendwo in einen Unterricht gemusst.

    Auch da hab ich also keine Stellung bezogen. Auch was Schreyl angeht verstehe ich nicht, warum RTL jetzt Stellung beziehen soll. Oder Schreyl selbst. Wenn überhaupt würde ich entweder jetzt gar nix mehr sagen, weil die Bild sich eingemischt hat, und alles was ich sage sowieso aus dem Kontext gerissen werden würde, oder aber ich würde süffisant fragen, ob es mir denn helfen würde, wenn der Herr Bohlen sich mit meiner Freundin beschäftigt von der er ja angeblich so viel gehört haben will.

    Das Spiel so lange weiter treiben bis Bohlen sich entweder als homophob outet oder aber er sagen muss, dass er glaubt, ich (Schreyl) wäre schwul. Und wenn er es dann auf’s Tablett bringt einfach mit „Und?“ reagieren.

    Wieso ist das so schwer? Ich versteh’s echt nicht. Wenn RTL sich hinstellt und Schreyl „in Schutz nimmt“ dann bestätigt das sowohl die Macht von Bild und dass RTL ebenfalls annimmt, Bohlen hätte was gegen Homosexuelle. Ständig nimmt Bild irgendwas aus DSDS, überhöht es, dann dann wird nach einer Reaktion von RTL geschrien. Ich weiß ja nicht aber es wird sich nie in die Position von RTL versetzt und was eine Reaktion auf irgendwas bedeutet könnte. Wenn RTL auf jeden dummen Spruch von Bohlen und jede dämlichen Kampagne von Bild reagieren müsste, wäre die Presseabteilung von RTL verdammt gut beschäftigt.

    Vor allem finde ich es putzig, dass ich mir hier vorwerfen lassen muss, ich hätte Schaum vor dem Mund wenn ich mir angucke wie sich seit Jahren immer wieder entsetzt an der Bild und an Sachen die auf RTL bei DSDS passieren abgearbeitet wird. Der Fernsehkritiker hat da meiner Auffassung nach irgendwie ein lockereres Verhältnis zu. Der sagt einfach „Das ist Scheiße“ und zwar an sich. Die Kritik halte ich für um Einiges berechtigter. Das ganze System DSDS ist absoluter Schrott.

  149. 151
    nasenbär says:

    @SvenR, 153: Danke für den Kommentar. Die Strategie Deines Kollegen ist mir auch am nächsten. Ohne dass ich je bewusst darüber nachgedacht habe. Insofern danke fürs Benennen.

    An dem Artikel selbst stört mich vor allem der erste Satz: Implizit steht doch da, Marco Schreyl habe nicht zu seiner Homosexualität stehen wollen. Damit einher geht dann der Vorwurf an ihn: Er hat sich damit erpressbar gemacht, ist nicht entspannt mit seiner Sexualität umgegangen. Und: Er war anderen Homosexuellen dadurch kein gutes Beispiel. Alles aus einer Annahme abgeleitet, die womöglich gar nicht stimmt. Vielleicht wollte Schreyl seine Sexualität nicht offensiv nach außen tragen. Dass er Bohlens Geschwätz umkommentiert gelassen hat, kann man genauso gut als Zeichen seiner Souveränität interpretieren.

    Das Problem, das ich habe: Es entsteht der Eindruck, dass man sich als Schwuler unmoralisch gegenüber anderen Schwulen verhält, wenn man nicht – überspitzt ausgedrückt – jederzeit mit überlebensgroßer Regenbogenflagge seine Solidarität zu allen anderen Homosexuellen ausdrückt. Das nervt. Total. Ich entscheide, wann, wo und wie ich meine Solidarität zum Ausdruck bringe. Und Marco Schreyl entscheidet es für sich. Und nebenbei: Wer öffentlich preisgibt, dass er sich mit „dicks“ auskennt, geht sicher nicht verklemmt mit seiner Sexualität um.

  150. 152
    jo says:

    Die ganze Sache hat noch eine andere Dimension: Viele Schwule reagieren auf die von Stefan beschriebene Diskriminierungsstimmung, indem sie selbst am lautesten behaupten, daß es keine Diskriminierung gibt. Sie wollen ihr erlangtes (vermeintliches) Respektiertwerden nicht dadurch gefährden, daß andere Schwule (vermeintlich) negativ auffallen. Sie überkonformieren sich und fühlen sich dann am sichersten, wenn sie es auf die aus ihrer Sicht andere Seite geschafft haben. Wie die schon etwas grösseren Kleinkinder, die immer noch im Babyschmimmbecken des Freibades mitplanschen müssen, und dann als erstes ganz laut „ich war´s nicht“ rufen, sobald sich das Wasser verfärbt.
    Wie anders kann man diese „Gays Against Guido“-Aktion verstehen? Wenn es angeblich so egal ist, ob Westerwelle schwul ist, was macht es dann so relevant, daß sich Schwule von Westerwelle distanzieren?

    Wenn nicht Heteros, sondern Schwule Schwule am lautesten beschimpfen, dürfen sie sich von denen gelobt fühlen, von denen sie am meisten gehaßt werden. Auch den hier zitiereten homophoben BILD-Artikel hat ein Schwuler geschrieben.

  151. 153
    inga says:

    @nasenbär:
    Ich verstehe diese Sätze völlig anders, nämlich gerade als Verwunderung oder Ärger darüber, dass man sich heute tatsächlich noch erpressbar macht, wenn man sich nicht offensiv outet. Ich kann nicht erkennen, dass Niggemeier hier Schwule dazu aufruft, sich öffentlich zu outen oder fordert, Vorbild zu sein. Vielmehr deutet er die Tatsache, dass einem Schwulen praktisch keine andere Wahl bleibt, als sich zu outen, wenn er nicht mit mehr oder weniger unterschwelligen Drohungen leben will, als Hinweis auf in unserer Gesellschaft immer noch existierende Homophobie.

    @Sebastian: Hast Du eigentlich nicht auch schon mal die Erfahrung gemacht, dass gerade eine auffällig wortreiche Beteuerung beim Gegenüber den Verdacht aufkommen lässt, das Gegenteil sei der Fall? Ich will Dich durchaus nicht als schwulenfeindlich hinstellen, womöglich hast Du diesbezüglich wirklich eine entspannte Haltung. Aber diese ewiglangen Kommentare hier hinterlassen bei mir doch eher den Eindruck von jemandem, der beim Thema Schwulsein gleich mal die Rosette zusammenkneift (um mit Ralf König zu sprechen). Nix für ungut.

  152. 154
    ungestüm says:

    „Das Marco Schreyl schwul sein soll, ist bislang an mir vorüber gegangen. Auch das ist ein Zeichen der latenten Homophobie. Er hat wohl mit Bedacht sein öffentliches Leben so gelebt, dass ich, wir alle, das bislang nicht wahrgenommen haben.“

    Das lassen wir uns jetzt mal alle auf der Zunge zergehen. Wer sich also nicht öffentlich hinstellt und einen Partner oder eine Partnerin präsentiert, der tut das, weil er 1. schwul und weil 2. die Gesellschaft immer noch ganz gemein gegen Schwule ist. So kann man sich die Sache natürlich auch drehen und dann darf man auch ganz, ganz doll betroffen sein.

    Was wäre übrigens genau so schlimm daran, wenn die Mehrheit der Deutschen wirklich keine Schwulen und keine schwulen Anzüglichkeiten mag? Es gibt eine moralische Pflicht, Menschen anständig und gerecht zu behandeln. Gibt es auch eine Pflicht, alle Menschen und alle Facetten menschlichen Lebens gleich gut zu finden? Darf ich also nicht über Schwule und Schwulsein lachen, Schwule meiden wo immer es geht, wenn ich aber trotzdem ihnen nie die gleichen Rechte wie mir (einschließlich: mich wegen meiner Sexualität abzulehnen) zugestehe?

  153. 155
    ungestüm says:

    Man streiche das NIE im letzten Satz. Ich wollte ursprünglich schreiben: „nie das Recht absprechen würde…“

  154. 156
    Linus says:

    @Sebastian

    Sie haben geschrieben (#105):

    Wenn ich über einen Typen im Ed Hardy T-Shirt Witze machen kann, weil er bescheuert aussieht, das aber unterlassen muss, weil er eventuell homosexuell ist, dann läuft was falsch.

    Was gibt es da denn falsch zu verstehen? Niemand spricht ihnen das Recht ab, Ed Hardy-Träger doof zu finden. Warum Sie meinen, es gäbe vor lauter pc ein Problem damit, schwule Ed Hardy Träger doof zu finden, bleibt mir ein Rätsel. Das Problem gibt es nicht. Jedenfalls nicht hier. Sonst dürfte man ja schließlich auch nicht sagen, dass Marco Schreyl ein grottenschlechter Moderator ist. Aber wer bitte wollte Ihnen das verbieten?

  155. 157
    inga says:

    @ungstüm: Du darfst über Schwule und Schwulsein lachen und Schwule meiden wo immer es geht. Und und andere dürfen Dich deshalb für einen schwulenfeindlichen Deppen halten.

  156. 158
    ungestüm says:

    @inga

    Was ist aber an „kann ich nicht leiden, lass ich aber so leben, wie sie wollen“ schwulenFEINDLICH? Jemand, der mit mir nicht zu tun haben will, der mir aber auch nichts tut, der ist doch nicht mein FEIND.

    Und „Depp“? Na ja, wer derartige Abkanzelungen braucht, der soll sie haben.

  157. 159
    Stefan Niggemeier says:

    @ungestüm: „Depp“ finde ich eigentlich ein harmloses Wort dafür, dass Sie glauben, über einen Menschen aufgrund seiner Sexualität urteilen zu können (egal ob positiv oder negativ). Aber da Sie sich ohnehin von Schwulen fernhalten wollen, sind Sie in diesem Blog verkehrt und ich mache Ihnen das jetzt mal leicht. (Ich nehme eh an, dass es sich bei Herrn „ungestüm“ um die erneute Widerkehr dieses Herrn handelt.)

  158. 160
    Frank says:

    @ungestüm

    …die implizite Einstellung, dass irgendeine Bewertung von Dir relevant für die Antastbarkeit der (Menschen)Rechte der Schwulen sei.

  159. 161
    amfenster says:

    @163:
    Der Knackpunkt sind die Gründe, warum Sie jemanden nicht leiden können.
    Wenn Sie einen Türken nicht leiden können, weil er Türke ist, ist das ausländerfeindlich.

    Wenn Sie einen Behinderten nicht leiden können, weil er behindert ist, ist das behindertenfeindlich.
    Wenn Sie einen Juden nicht leiden können, weil er Jude ist, ist das antisemitisch.
    Wenn Sie einen Schwulen nicht leiden können, weil er schwul ist, ist das homophob.
    Wenn Sie denselben Türken, denselben Behinderten, denselben Juden, denselben Schwulen nicht leiden können, weil er Sie z.B. blöd von der Seite angemacht oder durch sein Verhalten sonst irgendeinen Grund gegeben hat, ihn unsympathisch zu finden – dann ist das Ihr gutes Recht.

    Ein Depp ist der, der den Unterschied nicht sieht.

  160. 162
    alter Jakob says:

    @163 ungestüm:

    Wo steht denn der hier in Anführungszeichen geschriebene Satz? Ich lese nur

    „Darf ich also nicht über Schwule und Schwulsein lachen, Schwule meiden wo immer es geht…“

    Klar darf man, aber man muss sich dann nicht wundern, wenn man dann auch beim Namen genannt wird. Denn diese Einstellung hat ja nur einen Grund für die Ablehnung, ohne die abgelehnte Person tatsächlich zu kennen. Was macht man als Schwuler, wenn solche Ansichten im Freundeskreis oder sogar in der Familie vorhanden sind…

    Und zum Nachsatz („…wenn ich aber trotzdem ihnen nie die gleichen Rechte wie mir (einschließlich: mich wegen meiner Sexualität abzulehnen) zugestehe“): Bei Diskriminierung von Minderheiten spielt es eine Rolle, dass eben eine Minderheit diskriminiert wird. Vielleicht ein Vergleich: Nur weil ein 2m Hüne aus dem Boxclub mir anbietet ihm eine in die Fresse zu hauen (er mir das also zugesteht), wird es (für mich) nicht besser, wenn er mir eine verpasst.

  161. 163
    manchild says:

    Marco Schreyl ist schwul, und das wussten die entsprechenden Journalisten der BILD-Zeitung sicherlich schon seit Jahren, ohne von diesem Wissen bisher Gebrauch gemacht zu haben. Herr Schreyl selbst ist für mein Verständnis mit dieser Situation auch immer unentspannt umgegangen. Fragen zu seinem Privatleben durften nur ganz dosiert gestellt werden – Interviewer wurden vorher entsprechend gebrieft. Selbstbewusst ist anders !

    Dass nun ausgerechnet jetzt mit dieser Geschichte aufgemacht wird, lässt vermuten, dass es einen Pakt zwischen BILD und Bohlen gibt, der den Moderationsposten gerne anderweitig vergeben würde. Sowas bestimmt längst nicht mehr RTL. DSDS ist Bohlen und Bohlen und Bohlen und Bohlen……… Gerecht ist das nicht, die Argumente sind scheinheilig – und da spielt es eine absolut untergeordnete Rolle, ob Marco Schreyl nun ein guter oder schlechter Ansager ist ( unter uns… Er ist ein unsäglicher ! ). Gefunden wurde nun ein Aufhänger – die Demontage kann beginnen, BILD sei Dank. Hätte Herr Schreyl schon vor Jahren gesagt: “ Ich gehöre auch zu den TV-Schwulen“ wäre ihm diese Peinlichkeit heute wahrscheinlich erspart geblieben.

  162. 164
    Sebastian says:

    „Sowas bestimmt längst nicht mehr RTL“

    Was für ein Käse.

    Ich würd ich dann gerne jetzt noch von ungestüm distanzieren weil mit den Kommentaren von Linus der mich krampfhaft falsch verstehen will und der Hohlfruchtelichkeit von ungestüm irgendwann noch der Eindruck entstehen könnte, ich würde mich gerne über Homosexualität lustig machen wollen.

    Ich finde die Logik von manchen Kommentaren hier ehrlich gesagt auch bisweilen sehr bemüht. Wenn ich einen Witz über Polen mache bin ich Ausländerfeind? Was ist denn das für eine verquere Logik?

    Es geht um den Humor, den Witz an der Sache. Nach dieser Logik hätte ich was gegen Bienen und Homosexuelle wenn ich über die Biene Maja bei 1Live lache.

    Das ist doch bescheuert.

  163. 165
    Donaufalterzeitung says:

    Interessanterweise sind heute Salafisten in Frankfurt ,die öffentlich Hasspredigten gegen Schwule von sich geben. Wie verträgt sich das? Was sagen die Grünen dazu?
    Nix?

    Über Bohlen nachzudenken, ist , ihm zu viel Aufmerksamkeit zu geben.

    http://www.donaufalter-zeitung.de/friends/parser.php?artikel=216

  164. 166
    yapaner says:

    [gelöscht]

  165. 167
    Tobias says:

    Ich bin schwul, ganz normal schwul, und erwarte auch, als solcher von meiner Umwelt wahrgenommen zu werden: Ganz normal schwul. Nichtsdestotrotz bin ich kein Traumtänzer, der in einem selbstgewählten Ghetto der (sexuellen) Freiheit lebt, sondern mir ist klar, dass „die Welt da draußen“ auch manchmal anders denkt. Um so mehr freue ich mich eigentlich, wenn Personen in der Öffentlichkeit ganz normal mit ihrem Schwul- oder Lesbisch-Sein umgehen, wenn sie vielleicht sogar noch eine Art Vorbild-Funktion für igendwelche Gruppen haben, die eher weniger mit diesem Thema zu tun haben. Vor Jahren war das mal bei Kerkeling der Fall, den fanden eigentlich ALLE nur nett und entzückend, und ich dachte nur: Na seht mal, Schwule können also offensichtlich auch witzig sein. Später dann Biolek und der ähnliche Gedanke: Schwule können auch klug sein.
    Natürlich ist mir klar, dass Schwule auch schleimig, sexistisch, anmaßend und einfach nur saublöd sein können (hierzu erspare ich mir und Ihnen die passenden Beispiele). Das dürfen sie auch, denn es sind völlig normale Menschen (und auch auf mich treffen obige Merkmale, wenn auch selten, zu….)
    Ich fand den dwdl-Artikel gar nicht mal schlecht, sogar ziemlich gut, zumal man (ich) solch reflektierte Analyse dort eher weniger erwartet hätte.
    Schreyls schlüpfrige Kommentare, die immer noch bei weitem nicht so frauenfeindlich sind wie die des alternden, blondierten und ondulierten Ober-Chauvis Gottschalk, gefallen mir zwar auch nicht, aber weshalb er ausgerechnet als Schwuler – was ja bislang auch nur eine Tatsachenbehauptung ist – WENIGER Rechte hätte, fiese Bemerkungen zu machen, erschliesst sich mir nicht. Er hat allerdings auch keinen verbalen Freifahrtsschein nach dem Motto „Ich bin ja eigentlich schwul, also soll man mir mal meine Anzüglichkeiten nachsehen“.
    Dass BILD sich ausgerechnet dann über seine Sprüche aufregt, wenn in einem Medienportal vollkommen unaufgeregt sei Schwulsein am Rande erwähnt, ist sicherlich kein Zufall. Noch in der vergangenen Staffel wurde Schreyl gelobt, er wäre lockerer geworden, nicht mehr die konturlose Moderations-Maschine. Nun hat man einen fiesen und „unappetitlichen“ Anknüpfungspunkt für die Kritik gefunden und macht daraus mit widerwärtigem Vergnügen ein Riesen-Drama.
    Tiefer Seufzer zum Ende, verbunden mit der Hoffnung, dass man irgendwann (überall) ganz einfach ganz normal ganz doof schwul sein kann und kein Hahn mehr danach kräht….

  166. 168
    Lars Dreher says:

    @Tobias: Du sprichst mir aus dem Herzen.

  167. 169
    medienfuzzi says:

    Wenn Dieter Bohlen angeblich das Recht verwirkt hat, Sprüche über sein Privatleben abzulehnen, weil er vielleicht früher damit selbst an die Presse getreten ist (die letzten Jahre ja auch eher weniger), dann muss das doch auch für Marco Schreyl gelten. Er ist ebenfalls an einer Sendung beteiligt, die sich um die Privatsphäre der medienunerfahrenen Kandidaten herzlich wenig kümmert und daran ist selbstverständlich auch der Moderator mit seinen Sprüchen beteiligt.
    Da verstehe ich die Empörung nun wirklich nicht: Schreyl drückt Bohlen einen Spruch über sein Privatleben, Bohlen kontert – so what? Der, der Schreyl geoutet hat, ist nicht Bohlen, sondern der DWDL-Redakteur. Dass die Bild-Zeitung das direkt aufgreift, ist mies, war aber doch zu erwarten…

  168. 170
    peanut says:

    Wann outen Sie sich, Herr Niggemeier?

  169. 171
    peanut says:

    Aso #70, alles klar… weitermachen ;)

  170. 172
    Dirk Dotzert says:

    wie kann man auf diesen wasserglas-scheiß nur so abfahren & voll reinfallen…
    DSDS & v.a. BILD inszenieren alle 5 minuten irgendeinen unsinn um aufmerksamkeit & kohle zu generieren; bohlen ist der hofnarr der nation den außer spaß & geld (und ‚musik‘, okay) eh nix interessiert; und schreyl wird nicht gezwungen den volksverdummungs-blödsinn zu moderieren.
    also worüber reden wir hier? gib’t nix wichtigeres zu diskutieren?

  171. 173
    irreversible says:

    Guter Text und viele der Kommentare hier verdeutlichen unbeabsichtigt, wie viel im Bereich der Diskriminierung Schwuler noch im Argen liegt. Es wird eben immer und überall mit zweierlei Maß gemessen und gerade BILD & Co. sind bei solchen widerlichen Kampagnen immer vorne dabei.

    Den Seitenhieb auf Sommuncu finde ich allerdings unangebracht da der Mann (zumindest früher) in seinen Programmen wirklich deutlich macht, dass seine Provokationen Teil einer Rolle sind.

  172. 174
    Thom says:

    Sommuncu ist versuchter Tabubruch überall, wo es geht. Da kann sich jede Minderheit (und Mehrheit) an Teilen bedienen und sagen, wie übel sie diffamiert werde.
    Na ja, und das Witze von Schwulen bei RTL und Bild geächtet werden, also der arrière garde par excellence, spiegelt nicht gerade einen gesellschaftlichen Zustand wieder.

  173. 175
    Andreas Digel says:

    @175

    Hat er schon.

    „Aber da Sie sich ohnehin von Schwulen fernhalten wollen, sind Sie in diesem Blog verkehrt und ich mache Ihnen das jetzt mal leicht. „

  174. 176
    Torsten says:

    Mal ganz dumm gefragt: Kann es sein, dass Bohlen nicht mal wusste, dass Schreyl schwul ist (deshalb hat er ja vielleicht auch das mit der „Freundin“ gesagt)? Da Herr Schreyl sein Privatleben ja in der Tat sehr stark von der Öffentlichkeit abschottet und ich bis zum Lesen dieses Artikels selbst nicht wusste, dass er schuwl ist, wäre das doch naheliegend.
    Ansonsten sehe ich jetzt auch nicht das Skandalöse an dieser Szene. Schreyl hat eine blöden Spruch über Bohlens Privatleben gemacht, dieser hat mit einem dummen Spruch gekontert. Soll man ihm dieses Recht jetzt aufgrund Schreyls Homosexualität absprechen? Dass Herr Schreyl schwul ist, darf auch kein Freifahrtsschein sein, dass er austeilen darf wie er will, aber alles, was dann auch mal gegen ihn geht, gleich als homophob und schwulenfeindlich verachtet wird. Erinnert sei hier an die geniale South Park-Folge mit der Krankenschwester mit dem totgeborenen Fötus am Kopf, die am Ende sagt, dass sie gar nicht anders als andere, sondern einfach ganz normal wie jeder andere behandelt werden will.

  175. 177
    inga says:

    Mann Torsten, Du hast ja mal überhaupt nichts verstanden. Erstens finde ich es schon ein bisschen egozentrisch, zu argumentieren, nur weil Du das nicht wusstest, sei es wahrscheinlich, dass Bohlen, der seit Jahren mit Schreyl beruflich zu tun hat, das auch nicht wusste. Mal ganz davon ab, was in dem Fall der Zusatz „Man hört da ja so einiges“ bedeuten soll. Und es geht auch weder darum, dass Schreyl weil er schwul ist nicht auch einstecken können müsse, sofern er selbst austeilt noch dass alle Kritik an ihm schwulenfeindlich ist.

  176. 178
    Kalter Kaffee says:

    Ich habe neulich zum ersten mal seit der 1. Staffel DSDS kurz reingeschaut und erlebt, wie der Moderator (den ich nicht kannte und somit nicht als Schwulen erlebt habe) der Oma eines Teilnehmers anzügliche Kommentare über den womöglich knackigen Po des Teilnehmers entlocken wollte, mit anzüglichen Fragen. Einfach peinlich und weiter gezappt.

    In der Sache Homophobie stimme ich Herrn Niggemeier aber im allgemeinen zu.

    Wirklich interessant ist hier aber doch, dass sich hier Bertelsmann (RTL) und Springer (Bildzeitung) ein Machtkampf oder „Machtspiel“ abliefern. Ist das etwa ein Zickenkrieg (auch so ein blödes Wort, was man nur bei Frauen anwendet) zwischen Liz und Friede? Oder ein Zusammenspiel, um gegenseitig Auflage und Quote zu steigern – auch wenn dabei andere auf der Stecke bleiben. Künstliche Polarisation, dass macht Quote. Also will Bild nicht wirklich, dass Schreyl geht – dann gäbe es nix mehr zu schreiben.

    Demnach ist das hier das falsche Beispiel, um über Homophobie zu diskutieren – Schreyl spielt auf jeden Fall mit, denn: bad news are good news. Wer es auf Bilds Titelseite schafft, wird garantiert wieder einen Moderatorjob bekommen oder irgendwie populär bleiben. Das hat Schreyl bei Bohlen gelernt ;)

    Der Kaffee ist fertig.

  177. 179
    Alex says:

    Ich sehe es genauso.
    Es ist doch mal wieder absolut heuchlerisch von der „Bild“ sich jetzt auf einmal um den Jugendschutz Gedanken zu machen, wo doch in jeder Ausgabe besagter Zeitung in jeder Ausgabe nackte Frauen vorzufinden sind.

  178. 180
    FH says:

    Ich glaube, mit dem Schließen der Kommentarspalte unter dem Somuncu-Artikel hast Du Dir keinen Gefallen getan. Zumindest ich bin erschüttert, wie wenig Du die Grundsätze, die Du immer von anderen Journalisten einforderst, selbst achtest.

  179. 181
    Sebastian says:

    Kurz bevor Stefan drüber zugemacht hat wollte ich noch einen Kommentar schreiben, ob er jetzt nicht zumachen will, weil eh nichts Neues mehr gesagt wird.

    Hier kann meiner Ansicht nach auch zugemacht werden, sonst geht die Diskussion hier wieder von vorne los.

  180. 182
    Max Niemann says:

    Schade! Ich fand die Diskussion eigentlich höchst anregend. Wie wär’s, lieber Herr Niggemeier, wenn Sie die Spalte wieder aufmachen, aber einfach nicht mehr hingucken?

    Das hört sich sicher primitiv an, aber ich denke, es gäbe durchaus noch ein paar Interessierte, die die Diskussion noch weiterführen wollen würden. Mich zum Beispiel – aber ich begebe mich jetzt erst mal dekadent in den Urlaub.

  181. 183
    Sebastian says:

    Stefan muss das alles lesen weil er rechtlich dazu verpflichtet ist.

    Wie gesagt ich kann gut verstehen dass ein Thema was ihm persönlich so an die Nieren geht keine Lust mehr hat, Dinge zu lesen, die ihm absolut gegen den Strich gehen. Es ist immerhin seine Seite. (das ist auch der Grund warum ich zu keiner Zeit rumheule wenn einer meiner Beiträge gelöscht wird. Wenn’s ihm nicht gefällt darf er löschen, ist schließlich seine Seite).

    Geht doch woanders diskutieren. Auf der Facebook-Seite von Somuncu zum Beispiel.

  182. 184
    Kai says:

    Sehr geehrter Herr Niggemeier,

    mit dem letzten Absatz über Serdar Somuncu haben sie sich leider keinen Gefallen getan.

    Ich empfehle Ihnen mal mehr als eine Folge Hatenight zu gucken, auch sein Buch „Der Antitürke“ ist als Gegenpol zu z.B. Sarrazin sehr empfehlenswert.

    Somuncu benutzt absichtlich Ressentiments in überspitzter Form um diese bloß zu stellen. Gerade bei der Hatenight geht es ja darum, in jeder Folge auf eine Minderheit draufzukloppen, den Zuschauern ein „recht hat er!“ zu entlocken, nur um sie dann am Ende vor den Kopf zu stoßen. Das Somuncu dabei wirklich vor keiner Personengruppe halt macht gehört zum Programm -Schwule, Lesben, Deutsche, Türken, Kinder, dicke, dünne, Promis, Arbeitslose etc.

    Das ausgerechnet Sie plötzlich nicht mehr im Stande sind zwischen Ernst und Satire zu unterscheiden, enttäuscht mich ehrlich gesagt. Vor allem im Zusammenhang mit dem Absatz über „political correctness“ ein ziemlicher Fauxpas, der mich den (bis dahin guten) Artikel doch mit sehr gemischten Gefühlen lesen lässt.

    Denn in der Tat wirkt es nun so als ob sie die political corectness nur da anlegen wo sie selbst meinen betroffen zu sein. Oder warum habe ich hier noch nie über die Auftritte Somuncus gelesen, in denen er Türken immer wieder als Kanacken und Deutsche als Nazis bezeichnet?

    Zugegeben: Da Somuncu, auch in Interviews, teilweise zwischen seiner Bühnenfigur und seinem echten Ich hin und her springt, mag er für Uninformierte teilweise wie ein extremer Ingo Appelt rüberkommen und ich könnte die von Ihnen zitierten Sprüche evtl. auch nicht richtig einordnen, hätte ich mich nicht vor kurzem im Zusammenhang mit einer Ausstellung mit ihm beschäftigt.

    Wer, wie Sie, die Ansprüche an Recherche etc. so hoch legt hätte sowas aber bedenken sollen. Ein kurzer Check seinens Programms hätte eigentlich gereicht, wobei ich mir jetzt nicht sicher bin ob Sie das nicht sogar gemacht haben, es aber bewusst ignorierten, wobei ich ihnen sowas nicht unterstellen möchte.

    Falls das hier jetzt schon breitgetreten wurde (187 Kommentare kann ich leider nicht lesen) darf dieser Beitrag als sinnlos erachtet werden, ansonsten kann ich ihnen nur empfehlen Herrn Somuncu evtl. per mail zu kontaktieren. Da Sie beide mit der „Bild“ zumindest ein gemeinsames Feindbild haben, kann ich mir kaum vorstellen dass diese unbeantwortet bleibt.

    mit freundlichen Grüßen

  183. 185
    Linus says:

    @Kai

    Noch fürs Protokoll: Ich habe den Text nicht im Affekt geschrieben. Ich habe nicht nur die Ausschnitte aus den Sendungen gesehen, bevor ich ihn geschrieben habe. Ich habe vor dem Schreiben recherchiert.

    Sagt er selbst

  184. 186
    Kai says:

    @ Linus: Oha. Na gut. Dann ist der Beitrag in der Tat überflüssig.

    @ Herrn Niggemeier: Habe mir jetzt ihren Somuncu Artikel zu Gemüte geführt. Und das ist leider völlig unter ihrem Niveau. Tatsächlich erinnert mich der Tonfall an Post von Wagner.

    Das kann Doch nicht ihr ernst sein, dass sie das Konzept der Hatenight derart missverstehen?
    Gerade in der Lesben Folge nimmt Serdar doch brilliant diese „Schwule? Iiih! Aber Lesben sind geil! Außer sie sind hässlich“ Denke aufs Korn. Es geht ihm darum Ressentiments zu enttarnen, nicht welche zu schüren. Gerade die Comments auf You Tube sind genialste Real Satire.

    Ihn dann noch in die rechte Ecke zu schieben, lässt mich wirklich mit dem Kopf schütteln. Zum Burka Thema empfehle ich wie gesagt „der Antitürke“.

    verdutzte Grüße

  185. 187
    Linus says:

    Somuncu hat einen Weg gefunden, mit seinem Hass fertigzuwerden. Er verbreitet ihn öffentlich. Wenn das für ihn, wie er sagt, eine kathartische Wirkung hat, freut es mich für ihn. Ich halte ihn trotzdem für jemanden, der nicht reinigt, sondern verschmutzt.

    sagt er

    [Gibt’s hier ne Stelle als Sekretär?]

  186. 188
    Kai says:

    Hab´s schon gelesen, fühl dich nicht verpflichtet ;-)

    Naja. Öhm. Schade, dass man hier sowas lesen muss.
    Herr Niggemeier ist Somuncu auf den Leim gegangen und hat es scheinbar selber gemerkt. Dann aber die Comments dicht machen – ist nicht so optimal.

    Aber ich will hier kein altes Thema aufwärmen. Deswegen: Kann passieren.

  187. 189
    inga says:

    @Kai: Super. Sie schreiben hier denselben Vorwurf, den vor Ihnen schon tausend andere nahezu wortgleich formuliert haben, werden darauf (zweimal!) hingewiesen und beschweren sich allen Ernstes, dass Stefan Niggemeier die Kommentare nebenan zu gemacht hat?

    Leute, ist das eigentlich sowas wie eine narzisstische Kränkung, wenn der Lieblingsblogger mal anderer Meinung ist als man selbst? Oder warum darf er das seltsame Konzept dieses Typen nicht für schlecht/doof/verwerflich/wasweisich halten, ohne dass man ihm schlechte Recherche vorwirft und unterstellt, zu doof zu sein, das Programm zu kapieren?

    Die letzten Fragen waren rhetorisch, Antwort nicht nötig.

  188. 190
    Alberto Green says:

    Frohe Ostern.

  189. 191
    Linus says:

    Dicke Eier

  190. 192
    Kai says:

    Gaaanz ruhig Inga – das in der Artikel Rubrik eine Somuncu Diskussion tobte wusste ich schlicht nicht und habe deshalb geschrieben: „Aber ich will hier kein altes Thema aufwärmen. Deswegen: Kann passieren.“

    Ihren Kommentar hätten sie sich also genau so gut sparen können wie Ich, oder? Wo mit wir wieder bei dem Somuncu Prinzip wären. Mal an die eigene nase fassen ;-)

  191. 193
    Alberto Green says:

    Frohe Ostern!

  192. 194
    Sebastian says:

    Ein-Satz-Kommentar!

  193. 195
    Howie Munson says:

    zum OT: was nützt die Realsatire, wenn auch die klatschen die sie nicht verstehen? Das ist dann auch kein enttarnen, denn diejenigen die es mitbekommen wußten es auch schon vorher, was von den anderen zu halten ist. Und dann darf man auch darauf hinweisen das an den „nixmerkenden und jubelden Eckenpublikum“ auch Geld verdient wird…

    zum Thema Schreyl und Bohlen: „dumme Sprüche, die im Zweifel auch zuweit gehen könnten“ sind doch seine Stellenbeschreibung und auch nicht wirklich was anderes als die Moderation von Dirk & Sonja im Dschungel… (wobei ich zugeben muss, dass ich das nur vonn sehr kurzen Ausschnitten selbst beurteilen kann. )

    zum Satireblatt mit den großen Buchstaben: hat sich mal wieder selbst enttarnt. Find ich großartig, dass das so wenige merken…

    Ironietags gesetzt.

  194. 196
    Kai says:

    OT/@Howie: Realsatire hat keinen Sinn, Realsatire passiert ja unbeabsichtigt und im besten Fall regt es mich zum Denken an.

    Im Hinblick auf Herrn Niggemeiers Artikel frage ich mich bspw.:
    Warum holt er Somuncu jetzt aus der Schublade? Der Mann hat in seinem Bühnenprogramm/bei Hatenight Gott weiß wen alles beleidigt und diskriminiert.
    Wäre es Herrn Niggemeier einen Artikel wert gewesen, hätte Somuncu sich lediglich auf niederträchtige Art und Weise über Westerwelles Akne Narben lustig gemacht? So wie 1000 Komiker vor ihm? Oder über Merkels Hänge Visage?
    Vor kurzem schrieb er in dem Artikel „Rieckelhaft“: „Oder wissen Sie jetzt, warum Kachelmann für Riekel ein „böser Bube” ist? Weil er Dinge im Bett macht, die ich mir bei Frau Riekel nicht vorstellen möchte?“. Scheinbar ist es für Herrn Niggemeier im tolerablen Bereich konservative Sexualgewohnheiten einer Boulevard Journalistin spöttisch zu kommentieren, auch Dieter Bohlens altersgeile Getue wertet er negativ. Auch ist eine Anspielung auf Bohlens stets jüngere Sexgespielinnen wohl OK (weil notgeiler ekliger Macho und so), die Anspielung Bohlens auf die Homosexualität seine Co-Moderators jedoch nicht.

    Das ist doch interessant zu sehen wie WIR die Messlatte im Endeffekt nur wo anders anlegen und nicht merken, dass wir uns an anderer Stelle den selben Mechanismen bedienen, die wir anderen Leuten ankreiden. Und ich schreibe bewusst WIR, den ich nehme mich da nicht aus, im Gegenteil.

    Und deswegen finde ich Somuncu wichtig. Ich habe da gerade auf YT erst wieder eine absolut wahnsinnige Szene entdeckt: Serdar zieht über Schwule, Kinder, Juden und „schwule Juden Kinder“ her, das Publikum lacht verhalten, wenig später reißt er einen plumpen „Ich hasse Ossis“ Spruch und plötzlich verfällt der Saal in tosenden Applaus, als ob die Diskriminierung einer Bevölkerungsgruppe besser oder leichter verdaulich sei als die einer anderen. Interessant, oder?

  195. 197
    Squeedly says:

    Die abschließenden Worte vom Hausherrn im Somuncu-Thread waren doch ziemlich eindeutig – ihn nervt die ganze Diskussion nur noch und er will darüber nichts mehr lesen müssen. Das ist sein gutes Recht und wenn jetzt versucht werden sollte, einfach in diesem Thread weiterzumachen, fände ich das ehrlich gesagt grob unhöflich… wir kommentieren hier alle nur als Gäste auf seinem Blog und sollten uns auch dementsprechend verhalten.

    Wie Sebastian schon schrieb – falls jemanden diese Endlosdiskussion nach wie vor brennend interessiert, kann er sie jederzeit woanders weiterführen. Und ggf hier einen Link setzen, damit auch alle anderen möglicherweise Interessierten sehen, wo es weitergeht. Wobei ich persönlich finde, dass man seine Freizeit auch weit sinnvoller verbringen kann als mit einer Diskussion, die sich endlos im Kreise dreht… aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

  196. 198
    Fareus says:

    In der gestrigen Live-Show unterhielt sich der Moderator Schreyl mit einem Freund von Ardian Bujupi aus dem Fan-Block.
    Auf die Frage von Schreyl, wie er denn mit der aufgesetzten Sonnenrille aussieht, antwortet der Bujupi-Freund, „Wie ein Hibne.“

    Hibne bedeutet „Schwuler“.

    Herr Schreyl bedankt sich ganz brav.

  197. 199
    SaM says:

    @204: Und schlimm, dass einem der erste Reflex sagt, dass das nicht als Kompliment gemeint ist.

  198. 200
    SaM says:

    Abgesehen davon (auch wenn die Intention des Artikels eine leicht andere ist) spiegelt die komplette Diskussion die Realität wider, die immer noch viel Schwule davon abhält, sich zu outen. Natürlich müssen Schwule, die sich ganz einfach so geben, wie sie nun mal sind, mit blöden Kommentaren und schiefen Blicken rechnen, besonders dann, wenn der Wohn-/Arbeitsort eher ländlich geprägt ist. (und nur zur Vervollständigung: Meist passiert gar nix und schon gar nicht das, was viele Schwule befürchten) Und natürlich wären Vorbilder sehr wünschenswert, sei es im privaten Umfeld oder in Film, Funk oder Fernsehen. Wenn sich aber noch nicht mal unsere schwulen ‚Promis‘ in der Lage sehen, ganz normal mit sich selbst umzugehen, wie kann man dass dann von anderen (Leser, Zuschauer, Journalisten etc.) verlangen? Niemand muss die Regenbogenfahne vor sich hertragen (obwohl auch das wichtig ist), aber einfach nicht zu lügen, wenn’s drauf ankommt, das wäre schon ein großer Fortschritt.

  199. 201
    wolframcgn says:

    Ich fand den DWDL-Artikel auch zum brechen und teile grundsätzlich Herrn Niggemeiers Auffassung.

    Die Toleranzdecke war schon immer mehr ein Deckchen und ist leider auch heute noch viel zu oft vorgeschoben.

  200. 202
    Chrom says:

    Es ist doch ganz einfach. Würden Mediensprecher und Journalisten mit gleichem Maß messen, wären schlüpfrige Sprüche gegenüber Minderjähringen und das in flitterige Fetzchen oder knallenge Rockeroutfits Stecken, mit der Intention die Jugendlichen als Sexobjekte vorzuführen und damit Quote zu machen, unabhängig vom Geschlecht abstoßend und verurteilenswert. Denn letztendlich ist es gleichgültig, ob ein Mann einen Jungen oder ein Mann ein Mädchen derart sexualisiert. Der potentielle Schaden ist der Gleiche. Daher ist es eindeutig homophob, wenn ein Moderator, der auf Männer steht abgekanzelt wird, ein Juror, der auf Frauen steht, aber nicht.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Dieter Bohlen seine eigene Tochter (so er eine hätte) niemals in dieser Sendung rumhüpfen lassen würde.

  201. 203
    Martin says:

    Serdar Somuncu spielt das nur.

    Auf Youtube gibt es ein schönes Interview mit ihm, geht über 2-3 Videos. Er ist einer der tolerantesten und intelligentesten Menschen, ohne Zweifel.

  202. 204
    inga says:

    Auf das besagte Interview wurde hier ungefähr drei Milliarden mal hingewiesen. Irgendwie lustig, um die Äußerungen eines Künstlers bzw. eines „Künstlers“ beurteilen zu dürfen, muss man anscheinend jedes jemals von ihm gesendete Interview und alle seine Programme und Schriften kennen, aber in Blogs darf man seine Meinung reinkommentieren, ohne höflicherweise den bisherigen Diskussionsverlauf auch nur überflogen zu haben.

  203. 205
    H.M.Voynich says:

    War das das Interview, in dem er erzählt, wie er seinen Zuschauern auch schon mal gerne Wasser übern Kopf kippt?
    Ja, sehr tolerant und intelligent …

  204. 206
    bobby says:

    Was eine Dramatisierung!
    Bohlen regt sich künstlich öffentlich auf, damit Leute sich aufregen, über ihn reden, schreiben, wie hier (211 Kommentare) usw. und das die Teenies weiter den Mist gucken. Man kann über den sagen, was man will, aber der hat doch kein Problem mit Schwulen, son Quatsch. Eher ein Problem mit erwachsenen Frauen, haha.

    Manchmal denke, ich, je mehr schlechte Witze über Schwule öffentlich gemacht werden, desto schneller normalisiert sich die ganze Homophobie. Oft entlarven die doch die ganze Dummheit. Die Stammtischwitze hinter vorgehaltener Hand sind doch viel schlimmer.

  205. 207
    äpplerwoman says:

    …der Kommentar zur BILD – „vor unbefriedigter Geilheit berstend“ – sooooooooo genial!!! Weiter so! (Thema BILD: Fand es als Lesbe äußerst amüsant, wie BILD nach Anne Wills Outing einen „Psychologen“ befragte, wie das denn so geht bei den Frauen. Wie Manfred Krug als Tatort-Kommissar so schön sagte: BLÖD-Zeitung ;-))

  206. 208
    Johannes says:

    Gewogen und für zu leicht befunden. Bohlen ist ausgesprochen homophil. BILD ist grundsätzlich Scheiße. Keine Neuigkeiten und eine Überinterpretaion.

  207. 209
    schwulsein says:

    Du hast das sehr gut geschrieben. Echt tolle Worte „Ich fürchte, es gibt viele Menschen, die von sich sagen würden, sie seien „tolerant“, was Homosexualität angeht. In Wahrheit akzeptieren sie nur, dass es Schwule gibt, und nicht, dass Schwule ihr Schwulsein auch in der Öffentlichkeit leben, wie es Heterosexuelle tun, und sei es mit anzüglichen Witzen. Ich glaube immer mehr, dass man diese Form von Schein-Toleranz, die schon ein Coming-Out als eine unangenehme Behelligung mit dem Intimleben eines Menschen empfinden, bekämpfen muss.“

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