Ein bisschen Spiegel

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, alle Artikel rauszusuchen, die der „Spiegel“ 1983 über den Eurovision Song Contest veröffentlicht hat, der in jenem Jahr in München stattfand, nachdem Nicole den ersten Sieg für Deutschland errungen hatte. Dies ist die vollständige Berichterstattung:

40 Replies to “Ein bisschen Spiegel”

  1. Wenn man bedenkt, dass wir ein Jahr zuvor mit einem der schönsten Friedenslieder der Musikgeschichte angetreten sind und gewonnen haben, so lässt die „Berichterstattung“ zumindest auf absolute Konsequenz schließen: Der Spiegel fand Frieden schon damals Scheiße.

  2. So lustig/unlustig die Kommentare zu Shows und Spielfilmen auch sein moegen-nur beim ‚Koenig Fussball‘ hoerte der Spass schon immer auf…

  3. ohne klugscheißern zu wollen (obwohl…doch!), aber 1957 fand der wettbewerb in frankfurt am main statt. insofern war der wettbewerb 1983 der zweite, der in deutschland stattfand.

  4. Ich breche ungern eine Lanze für den SPIEGEL, aber hier muss ich ehrlich sagen: Respekt!
    Würden alle seriösen Journalisten diesen Schnulzenwettbewerb so konsequent ignorieren, wäre dieses „Event“ vielleicht so tot wie es inzwischen riecht.

  5. @15: Nein. Falsch. Ganz furchtbar falsch – mit 1983 begann der große Niedergang des ESC, der erst Ende der 1990er wieder aufgehalten wurde, als das Publikum sich mal beteiligen durfte. Die Zeit zwischen 1983 und 1997 gilt allgemein als der Nadir des Wettbewerbs.

    @16: Corinne Hermès, „Si la vie est cadeau“, Luxemburg. Übrigens vor der auch anderweitig nicht ganz unbekannten Ofra Haza. ;)

    @18: Aha. Es ist seriöser Journalismus, wenn eine Medienveranstaltung mit einer Sendereichweite von 500 Millionen Menschen in ganz Europa und darüber hinaus einfach wegignoriert wird. Soll der Spiegel demnächst auch die olympischen Spiele oder die Fußball-WM ignorieren? Oder die gerade erfolgte Prinzenverheiratung? (Letzteres würde mich nicht stören, aber einige andere vielleicht doch…)

  6. Ich breche ungern eine Lanze für den SPIEGEL, aber hier muss ich ehrlich sagen: Respekt! Würden alle seriösen Journalisten diesen Schnulzenwettbewerb so konsequent ignorieren, wäre dieses »Event« vielleicht so tot wie es inzwischen riecht. [2]

    @23: »Soll der Spiegel demnächst auch die olympischen Spiele oder die Fußball-WM ignorieren? Oder die gerade erfolgte Prinzenverheiratung?« – Ja. Natürlich!

  7. Besser als heute, wo gerade zwei lange SPIEGEL-Artikel erschienen sind:
    1 x Düsseldorf-Dissing,
    1 x Lena-Dissing
    :-(

  8. So war das nun mal früher. Da hat nicht jeder irgendeinen Hype mitgemacht. Da war man noch ehrlicher und ernster.

  9. Daniel, 26:

    Ich bin bestimmt kein Lena-Verehrer, aber der Spiegel-Artikel von Thomas Tuma ist tatsächlich sehr mau.

    Tuma konstatiert zunächst:

    „Das Land liebte sie nicht wegen ihres
    Eurovision-Siegs. Es liebte sie trotzdem,
    denn schon in der Nacht des Triumphs,
    als Raab verkündete, diese seine Lena
    werde im nächsten Jahr ihren Titel verteidigen
    – schon an diesem Abend war ja
    klar, dass sich etwas ganz Wichtiges bereits
    verändert hatte: Lena war fortan
    nicht mehr die Showgeschäft-Novizin.“

    Und wenn der Leser sich ab dieser Stelle fragt, wie Tuma diesen faszinierenden Grad an Allwissenheit hat erreichen können, entdeckt er im letzten Bein des Artikels:

    „Vergangene Woche machte das Institut
    TNS Forschung im Auftrag des SPIEGEL
    eine Umfrage: Wie fand Deutschland
    Lena vor einem Jahr – und wie sehen wir
    sie heute. Die repräsentativ Befragten hatten
    eine Skala zur Verfügung von eins bis
    zehn, von überhaupt nicht bis äußerst
    sympathisch. Im Rückblick kam sie damals
    auf einen Wert von 6,3. Mittlerweile
    sind es trotz Dauerfeuers nur noch 5,7.“

    Das wäre ein Rückgang von gerade mal zehn Prozent. Wow. Muss ja aus Spiegel-Sicht ein Erdrutsch sein.

    Manchmal frage ich mich schon, für wie blöd einige Autoren eigentlich ihre Leser halten.

  10. Wohl einem Land, dessen Journalismus sich auf eine so distanzierte Art mit Werbeveranstaltungen auseinandersetzt. 1983 schien das noch der Spiegel zu sein, den ich mag.

  11. Den „Spiegel“ hab ich schon zu frühester Kindheit als hämisch-humorlose Spassbremse in Erinnerung. Nur war früher als Ausgleich auch mehr Seriosität. Zumindest gefühlt.

  12. Und man muss kein Binnenländer sein, um zu vermuten, dass im Falle Hamburgs als Austragungsort der Spiegel eine lange Geschichte über den neuen Glanz der (eigenen) Weltmetropole gebracht hätte.

    Stimme Linus zu: humorvoll war der Spiegel noch nie. Beim Lächeln herrscht zuviel Anpressdruck auf den Zähnen.

  13. @27: Hype? Um den ESC? 1983? In Deutschland? Bei Ralph Siegel vielleicht…

    @29: Wie bitte? „Werbeveranstaltung“? Wofür denn bitte, anno 1983? Das mit den Sponsoren hat meines Wissens erst später angefangen (beim ESC, nicht dass hier Missverständnisse aufkommen).

    @32: Was an dem Begriff „Schnulziade“ ernst und sachlich sein soll, muss man mir auch noch mal erklären…

  14. @ Ospero (#32): Wenn auf einer Veranstaltung Liedgut wie Nicoles „Ein bisschen Frieden“ vorgetragen wird (von einer blonden Maid mit einer weißen Gitarre, begleitet von einer Band in weißen Anzügen, also bitte), ist „Schnulziade“ ein durchaus angemessener Ausdruck. Ein bisschen gehässig vielleicht, aber – könnte man argumentieren – sachlich korrekt.

  15. Der spiegel hat doch recht. Damals war es fast noch schlimmer, aber heute ist es schlimm genug.

  16. Was fällt Herrn Alexander Kühn ein….und warum werden solche Leute beim Spiegel eingestellt.

    Aktueller Spiegel.
    Eine journalistische Frechheit,sein Bericht über die „Kolonie“ um das „Dorf“ an der Düssel.
    „Die wohlhabende Königsallee Dekadenz“
    Quintessenz: als Stadt austragungsunwürdig.
    Aber selber in Zürich leben.
    Stefan, ich schätze, du kennst den Artikel.
    Auf Facebook gehen, Gruppen/Seiten Suche „Altstadt Düsseldorf“ –
    meinen Kommentar dazu lesen.
    Und kommentieren.

  17. Also stimmt es, was die alten Leute sagen? Der Spiegel war früher wirklich mal bei den Guten? Das zu glauben fiel mir schon bei Jockel Fischer schwer und hier nicht weniger.

  18. @ Mirko (#36): Aber klar. Sturmgeschütz der Demokratie und so. Von FJS seinerzeit fast liquidiert. Besser geht’s kaum.

  19. @33: Der Begriff impliziert aber aus meiner Sicht, dass bei solchen Veranstaltungen NUR Schnulzen geboten werden, und das war schon damals alles andere als korrekt – Finnland oder Israel 1982 waren alles, möglicherweise auch schlecht, aber sicher keine Schnulzen. Und damit ist der Begriff nicht nur gehässig (das ist bei meinen Kommentaren zum ESC nicht anders), sondern sachlich inkorrekt, weil er von einer echten Teilmenge der Lieder auf die Gesamtheit schließt.

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