Pille macht Journalisten impotent

18 Aug 08
18. August 2008

Hätte Fürst Potemkin* nicht Katharina II., sondern Journalisten von heute beeindrucken wollen, hätte er sich nicht soviel Mühe geben müssen. Er hätte auf die ganzen Pappkulissen und Dorfattrappen verzichten können. Eine Illustration, ein kleiner Prospekt, hätte es getan, wenn auf ihm zu sehen gewesen wäre, was die Journalisten sehen wollten. Dann hätte er sogar mit ihnen durch die unverstellte Ödnis fahren können. Sie hätten sie gar nicht wahrgenommen und von den prachvollen Landschaften geschwärmt.

Die Ödnis, das ist in diesem Fall eine Studie, die Wissenschaftler der Universitäten Liverpool und Newcastle vergangene Woche in der britischen Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht haben. Sie untersuchten, wie die Pille die Vorlieben von Frauen bei der Partnerwahl beeinflusst. (Nach einer berühmten Studie des Biologen Claus Wedekind aus dem Jahr 1995 finden Frauen den Körpergeruch von Männern attraktiver, die ihnen genetisch weniger ähnlich sind — was gut ist, um die Chancen für gesunden Nachwuchs zu erhöhen. Die Pille kehrt diesen Effekt laut Wedekind aber um.)

Die britischen Wissenschaftler hatten Pech: Es gelang ihnen nicht einmal, die Ergebnisse von Wedekind zu reproduzieren. Weder bevorzugten ihre rund 100 Testfrauen, wenn sie keine Pille nahmen, statistisch signifikant den Geruch der ihnen genetisch fremden Männer. Noch bevorzugten sie, wenn sie die Pille nahmen, den Geruch der ihnen genetisch ähnlichen Männer.

Erst nach diversen Statistik-Tricks gelang es den Forschern, überhaupt einen Effekt nachzuweisen: Wenn man alles mögliche herausrechnet, findet man mit Mühe eine Gruppe von Frauen, die mit der Pille den genetisch ähnlichen Mann tatsächlich etwas besser riechen kann als den genetisch fremden.

Die Veröffentlichung mit den mageren Ergebnissen kann seit vergangenem Dienstag jeder, den es interessiert, kostenlos online nachlesen [pdf]. Gleichzeitig hat die Fachzeitschrift aber eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie die Ergebnisse spannender macht, als sie sind. Sie wimmelt zwar von „könnte“ und „würde“, aber die Überschrift ist von betörender Eindeutigkeit:

Pille beeinflusst Partnerwahl.

Einer solch betörenden Botschaft hat die moderne Medienwelt nichts entgegenzusetzen, schon gar keine Recherche. Und so machten die vermeintlich revolutionären Erkenntnisse Medienkarriere.

Englischsprachige Medien berichteten unter Überschriften wie „Pill use ‚affects partner choice'“ (BBC), „The Pill may put you off smell of your man and ruin your relationship“ („The Times“), „Birth control affects sexiness of a man’s scent“ (Reuters), „Contraceptive pill ‚can lead women to choose wrong partner'“ („Guardian“) und „Taking the pill ‚can make women pick Mr. Wrong'“ (AFP). Keiner der Genannten hatte eine zweite Meinung eingeholt, um die Ergebnisse der Studie einzuschätzen.

Richtig Schwung bekam die Geschichte, als sie ins Deutsche übersetzt wurde und die ganzen „can“ und „may“ plötzlich verschwanden. Die Nachrichtenagentur AFP entschied sich, einfach jede notwendige Relativierung zu ignorieren und brachte die Meldung am Mittwoch unter dem grotesken Titel:

Pille lässt Frauen den falschen Partner wählen.

Aber die vermeintlich seriöse Agentur dpa war am Tag zuvor schon mit schlechtem Beispiel vorangegangen, als sie die Überschrift wählte:

Pille schlecht für Partnerwahl.

Diese Verkürzung hatte zwar den kleinen Nachteil, falsch zu sein, der aber von dem unschätzbaren Vorteil wettgemacht wurde, die Meldung auch jenseits der seriösen Medien und Wissenschaftsseiten richtig attaktiv zu machen. So meldete die „Bild“-Zeitung in ihrer Nachrichtenspalte auf Seite 1:

Anderer Partner durch Pille

(…) Frauen, die die Pille verwenden, wählen eher Männer, die ihrem eigenen Genpool sehr ähnlich sind. Andere Frauen entscheiden sich für möglichst abweichendes Erbgut. (…)

Das war immerhin nicht halb so abwegig wie der Quatsch, den der „Berliner Kurier“ am selben Tag produzierte, der unter der Überschrift „Millionen Frauen fahren auf den falschen Mann ab“ fantasierte:

(…) Jemanden gut riechen können, das fällt mit Pille Frauen schwerer. (…)

Aber die Boulevardpresse hatte — dank dpa — kein Monopol auf den Unsinn. „Welt“ und „Berlier Morgenpost“ zum Beispiel berichteten, ganz wie die Agentur:

[Laut der Studie] fühlt sich eine Frau anhand des Geruchs normalerweise von Männern angezogen, die genetisch verschieden von ihr sind. Und das ist gut für die Nachkommen. Doch durch die Pille suche sich eine Frau eher genetisch ähnliche Partner aus, berichteten die Forscher.

Für den Vorspann hat die „Welt“ noch frei improvisiert und behauptet in ihrer Ahnungslosigkeit:

Eine britische Studie kommt zu überraschenden Ergebnissen: Die Pille ist schlecht für die Partnerwahl und kann sogar das Ende einer Beziehung einläuten.

Abgesehen davon, dass die These über diese Wirkung der Pille nicht überraschend ist, sondern, wie gesagt, von Wedekind vor über zehn Jahren aufgestellt wurde: Nicht die Pille würde das Ende einer Beziehung einläuten. Sondern allenfalls ihre Absetzung.

Nicht einmal die „Wissens“-Seite der „Süddeutschen Zeitung“ machte sich die Mühe, die lächerlichen acht Seiten der Veröffentlichung selbst zu lesen. Aber „SZ“-Autor Mark Hammer hat den ganzen Schwachsinn, der überall zirkulierte, unbesehen geglaubt und in seinem Artikel „Durch die rosa Brille“ weiterverbreitet — und in seiner Fehlerhaftigkeit noch ausgeschmückt:

Frauen, die die Pille nicht nahmen, fanden eher Männer attraktiv, die sich genetisch stärker von ihnen unterschieden. Die übrigen bevorzugten ähnlichere Männer.

Nein, taten sie nicht. Hätten sie theoretisch sollen. Aber taten sie nicht.

Es steht, kostenlos für jeden im Netz nachlesbar, in der Studie selbst:

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es — wenistens in unserer Stichprobe — weder eine signifikante allgemeine Tendenz unter Frauen mit normalem Zyklus gab, Männer mit abweichenden Genen zu bevorzugen, noch eine signifikante Bevorzugung von Männern mit ähnlichen Genen bei Verwenderinnen der Pille.

Die Geschichte von der Pille, die Frauen die falschen Männer wählen lässt, geht um die Welt. Weil die Geschichte für die wenigen Medien, die den Stoff der Nachrichten- und PR-Agenturen überhaupt noch manchmal überprüfen, viel zu gut ist, um es tatsächlich zu tun.

Nur Nina Bublitz hat auf stern.de die andere Geschichte erzählt: die von dem „Unsinn mit der Pille und dem Schweiß“.

*) Ja, ich weiß, dass die Geschichte von den Potemkischen Dörfern vermutlich auch nur eine Legende ist.

[via Björn Erichsen]

67 Gedanken
  1. 1
    Rosentod says:

    Mir wird übel, wenn ich sowas lese.
    (Und ich lese es trotzdem…)

  2. 3
    malte says:

    vielen dank. dass vom menschen, der ein nicht besonders gut riechendes wesen ist (das seine partner nach musikgeschmack, ohrläppchenstellung und allgemeiner flauschigkeit, manchmal sogar nach abwegigen kriterien aussucht), behauptet wird, er entscheide nach seiner unterentwickelten nase, ist ein vulgärbiologismus, der mir seit jeher frühzeitigen verlust des winterfells beschert.
    der mensch ist dem mensch ein schaf.
    gute nacht.

  3. 4
    troubleage says:

    Also, ganz ehrlich, wenn Stefan Niggemeier recht hat (und ich glaube ihm einfach mal, da ich selbst zu faul bin, das Original zu lesen), dann ist der Stern-Artikel von Frau Bublitz Gold wert. Wer hätte gedacht, dass Deutschlands Qualitätsjournalismus im Stern zu finden ist ?!?
    Hut ab Frau Bublitz, auch wenn die anderen Medien es Ihnen leicht gemacht haben, inmitten all des Schattens als Lichtgestalt zu erscheinen.

  4. 5
    Manne Dumke says:

    Ich kann es mir kaum vorstellen, dass Frauen vor Verzückung in Ohnmacht fallen, wenn sie an durchgeschwitzen Männerhemden riechen dürfen. Aber zur Erforschung dieses Umstandes werde ich demnächst eine Fallstudie mit meinen gesammelten, ungewaschenen Socken durchführen.

  5. 6
    Cyberbrat says:

    Also, wenn man bedenkt daß Biologen bei Korrelationskoeffizienten von <0,5 schon ganz feucht in der Hose werden vor Freude und einen unwiderlegbaren Zusammenhang zweier Messgrößen annehmen und Formulierungen wie „kann“ oder „könnte“ erst dann benutzen, wenn man sich schon insgeheim eingestehen musste daß die ganze Untersuchung nur eine kleine persönliche Arbeitsbeschaffungsmassnahme war (darauf möchte ich erst eingehen, wenn meine Diplomarbeit akzeptiert wurde:-p), muss man sich fragen warum die Medien da überhaupt noch drauf eingehen.
    Bzw. warum man, wenn es denn schon Sensationen oder Skandale sein müssen, nicht gleich Nägel mit Köpfen macht: Aus der Tatsache, daß Wedekinds Ergebnisse nicht rekonstruiert werden konnten wäre doch ein: „FORSCHER FÄLSCHTE ERGEBNISSE!“ machbar.. Oder für die Blätter die sich „kümmern“, wäre eine Auseinandersetzung mit dem Untersuchungszweck an sich denkbar, wie „SCHON WIEDER GELDER FÜR SINNLOSES ZEUGS VERSCHWENDET“ (Naja, war ja nicht bei uns, nächstes mal, gelle?)

    Scherz beiseite, der Stern-Artikel hat mich positiv überrascht, das hatten wir lange nicht mehr (war es April ’83?)

  6. 7
    MH says:

    Lieber Stefan,

    wisst ihr überhaupt, was das Wort „Korrelationskoeffizient“ bedeutet?

    Z. B. dass er bei einem quadratischem Zusammenhang (also einer vollkommenen Korrelation) Null ist.

    Ob selbiger größer oder kleiner als 0,5 ist, sagt NICHTS aus über den Zusammenhang zwischen den beiden Größen.

    Der Artikel und die Kommentare sind in Gefahr, peinlich zu sein.

  7. 8
    Le says:

    Das ist ja das Problem mit der Statistik. Nichts, alleine hingestellt, sagt irgendetwas aus.

    Ich finde den Artikel gut und ich sehe keine Gefahr.

  8. 9
    Olly says:

    MH, vielleicht meinte Cyberbrat 0,05…

  9. 10
    Olly says:

    (Aber seine Formulierungen und der Tonfall gefallen mir auch nicht sonderlich…)

  10. 11
    Robin says:

    Statistisch gesehen … hihi

  11. 12
    Sebastian says:

    Ich habe Freunde (Bekannte) aus der Biologie an der Uni.

    Die lach(t)en sich regelmäßig über die Bio-Artikel in Spiegel Online kaputt.

  12. 13
    luna says:

    @MH:

    Orginalartikel wenigstens grob ueberflogen?
    Den Unterschied zwischen einer Korrelation und dem F-Wert einer ANOVA sollte man schon kennen, wenn man Methodenkritik uebt.

    @Cyberbrat und folgende zum Thema:

    Dummerweise funktioniert Wissenschaft so und gerade in den von Natur aus ungenaueren Bereichen wie den Sozialwissenschaften bzw. spezieller der Psychologie ist das ein uebliches Vorgehen. Das ist ein muehsames Vortasten zu mehr Erkenntnis, weil man eben kein Lineal anlegen und „exakt“ messen kann. Statistik ist lediglich ein tool zur Auswertung, das helfen soll die Ungenauigkeit abzuschaetzen und Sinn darin zu sehen. Leider ist das Riesenproblem, dass Heerscharen von (sorry) Unwissenden keine Ahnung haben und alles glauben. Im detail gehoert viel mehr zu einer guten Studie als viele Leute meinen.

  13. 14
    Inga says:

    @luna
    Das ist sicherlich richtig. Und wie von journalistischer Seite mit solchen Studien umgehen, ist ein weiteres Problem. Es ist ja durchaus ehrenhaft, alte Studien zu wiederholen, eben um zu sehen, ob sich auch die Ergebnisse reproduzieren lassen. Wenn hier nichts herauskommt, dann ist das schließlich auch ein Ergebnis.
    Viel interessanter finde ich, wie aus dem (sehr dürftigen) Ergebnis „Frauen finden den Geruch von T-Shirts unter Pilleneinnahme weniger eklig, wenn sie von Männern mit ähnlichem Erbgut vollgeschwitzt wurden“ zu der „Erkenntnis“ kommt „Pilleneinnahme führt zur falschen Partnerwahl“. Mir fehlen da ein paar Zwischenschritte und die Vermutung, auch Männer könnten in irgendeiner Weise an der Partnerwahl beteiligt sein, außer mit ihren Schweißdrüsen…

  14. 15
    Cyberbrat says:

    OoooHaaaa,
    also: erstmal, @MH, das geht auf meine Kappe und nicht auf die von Herrn Niggemeier.
    Bei vollkommender Übereinstimmung beträgt er (also besagter Korrelationskoeffizient)übrigens 1 bzw. -1 und JA, ich habe mich vertippt, es muss heissen >0,5… und das war auch nur ein ganz lahmes Beispiel… Aber ist das hier das Forum um über Statistik zu lamentieren? Worauf es mir in meinem Kommentar ankam, war der Punkt, daß in Biologenkreisen (dazu zähle ich) eine sehr „wohlwollende“ Auslegung der eigenen Daten üblich ist, und daß, wenn dann mal einer Formulierungen wie „könnte sein“ gebraucht, das auf ziemlich anfechtbare Daten hinweist…. Siehe unser Beispiel: es wurden – mehr oder weiniger willkürlich – Daten gestrichen bis man zumindest einen leisen Trend in der Untersuchung ausmachen konnte… egal, eh hier Leute Nasenbluten kriegen…lassen wir das

    Und @ olly
    Wieso? hab ich die (N)Etiquette verletzt? wenn ja, war auf alle Fälle nicht so gemeint, bzw. eher mit Augenzwinkern, tut mir leid wenn das angeeckt ist..

    @ luna:
    Jooooo, erzähl mir davon… der Biologe in mir frohlockt, der Informatiker weint… Aber solange es selbst anfechtbare „Nature“-Artikel gibt, höre ich nicht auf mit meiner Kritik…

  15. 16
    Cyberbrat says:

    @ Inga
    ….Männer an der Partnerwahl beteiligt? da tun sich mir ja ganz neue Perspektiven auf…… :-)

  16. 17
    luna says:

    @ Cyberbrat:
    Selbstverstaendlich sind wissenschaftliche Artikel immer anfechtbar. Das ist doch gerade der Sinn dabei. Unanfechtbar ist man doch nur im Glauben (vulgo: Theologie) oder in der reinen Mathematik durch endgueltigen Beweis. Abgesehen davon sollte selber denken immer erwuenscht bleiben.

    Das Aussschliessen von Daten aus dem Datensatz darf nicht willkuerlich sein, sondern muss begruendet werden. Ob man den Autoren einer Studie diese Begruendung abnimmt, bleibt dem Leser selbst ueberlassen. Eigentlich kein schlechtes Vorgehen, aber es verlangt den muendigen, fachlich vorgebildeten Leser. Dummerweise wuerde vielen Journalisten wohl nicht mal auffallen, wenn ein Originalartikel zwischen Deckblatt, abstract und discussion nur „lorem ipsum“ enthielte. Wenn dann noch irgendwo ein schoenes buntes Bild von einem Gehirn drin ist, dann wird sicherlich demnaechst ueber eine neue wissenschaftliche Mega-Sensation berichtet.
    Insofern finde ich diesen blog-Eintrag absolut toll. Es sind nunmal nicht die Wissenschaftler des Originalartikels, die den Bloedsinn verzapft haben. Mehr als „nicht signifikant“ koennen die kaum schreiben.

  17. 18
    MH says:

    Ich wiederhole meine Frage:

    Weiß hier überhaupt EIN EINZIGER, was Korelationskoeffizient bedeutet? Und bitte verschont mich mit blabla-Antworten. Entweder man weiß es oder man weiß es nicht…

  18. 19
    Sebastian says:

    Oder man guckt’s nach, z.B. mit Hilfe von Google:

    „Meinten Sie: Korrelationskoeffizient?“

    Har har.

  19. 20
    Stefan says:

    Treffer, versenkt.

  20. 21
    martin says:

    @MH Ja, ich.

  21. 22
    Jeff Kelly says:

    Interessant das in einer Diskussion über Statistik plötzlich mit „Entweder… oder“ argumentiert wird.

    Darüber hinaus ist Korrelation != Kausation.

    Jedesmal wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre regnets am gleichen Tag. Da kann ich wunderbare Korrelationen konstruieren ohne das die beiden Ereignisse auch nur im entferntesten voneinander abhängen

  22. 23
    Tim says:

    Korrelationen sind einfach ein herrliches Thema:

    Je mehr in einem Land für Fast Food ausgegeben wird, desto besser ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung.

    Je mehr Störche in einem Land leben, desto höher ist die Geburtenrate.

    Je mehr Videospielkonsolen es in einem Land gibt, desto höher das Bildungsniveau.

    Je intensiver Sonnenschutzmittel genutzt werden, desto höher die Hautkrebsrate.

    Und so weiter und so fort. Alles Aussagen, die korrekt sind, wenn man nur den passenden Kontext wählt.

  23. 24
    creezy says:

    Es gibt bei diesen wissenschaftlichen Artikeln ja eine journalistitische Hierachie:

    Zuerst erscheint ein mehrseitiger Artikel in Scientific American (Spektrum der Wissenschaft) dann, ein zwei Monate später haben wir das Thema in der
    Bild der Wissenschaft, auf 2-3 Seiten gekürzt aber im Thema dennoch nah an der Realität, dann poppt die Geschichte in den Magazinen wie Spiegel und Stern hoch. Stern ist oft hart an der Grenze aber doch in dem Bereich deutlich mehr bemüht, die tatsächlichen Aussagen der anderen Magazine zu wiederholen, dennoch sie scheinen ihren Lesern nicht viel zuzutrauen und die Kürzungen an den relevanten Stellen sind gelegentlich bitter zu lesen. Spiegel aber geht überhaupt nicht mehr. Das tut wirklich nur noch weh.

  24. 25
    Olly says:

    @ Cyberbrat

    Na gut, vielleicht hab´ ich da etwas dünnhäutig reagiert. Bin auch Biologe, und in meiner Diplomarbeit habe ich durchaus einige Male den Korrelationskoeffizienten bemüht (im Glauben, zu wissen, was das ist, MH…). Das mit dem „feucht in der Hose“ war mir da halt etwas aufgestoßen. Auch wenn ich mich natürlich nicht davon freimachen kann, meine Daten wohlwollend behandelt zu haben… (Der Vorschlag, dass Du 0,7 ernst genommen (vollkommen willkürlich)).

    Sorry für die Dünnhäutigkeit in Kombination mit dem Werte-Mißverständnis, viel Erfolg bei Deiner Diplomarbeit…

  25. 26
    Olly says:

    Ui, HTML oder wie?
    so sollte es heißen:

    @ Cyberbrat

    Na gut, vielleicht hab´ ich da etwas dünnhäutig reagiert. Bin auch Biologe, und in meiner Diplomarbeit habe ich durchaus einige Male den Korrelationskoeffizienten bemüht (im Glauben, zu wissen, was das ist, MH…). Das mit dem „feucht in der Hose“ war mir da halt etwas aufgestoßen. Auch wenn ich mich natürlich nicht davon freimachen kann, meine Daten wohlwollend behandelt zu haben… (Der Vorschlag, dass Du kleiner 0,05 gemeint hattest, war aber ganz ernsthaft gemeint, ich hatte das leider mit der Signifikanz verwechselt und bei diesem Wert habe ich meine Signifikanzgrenze gezogen, meine Korrelationskoeffizienten habe ich größer 0,7 ernst genommen (vollkommen willkürlich)).

    Sorry für die Dünnhäutigkeit in Kombination mit dem Werte-Mißverständnis, viel Erfolg bei Deiner Diplomarbeit…

  26. 27
    jeeves says:

    #25 creezy

    Würde mich interessieren: Wie würden Sie in dieser Hierachie das Magazin „P.M.“ einstufen?
    Ich hab solch‘ Heft im Urlaub mal in der Hand gehabt, durchgeblättert und war baff erstaunt über die offensichtliche Sensationsgeilheit.
    Der Heft- und Pensionsbesitzer, kein Dummkopf, verteidigte sanft und geduldig den Inhalt.

  27. 28
    Johan says:

    Ich habe da auch schon einen eindeutigen Zusammenhang entdeckt: unter den Frauen in meinem Umfeld sind von denjenigen, die keine Pille nehmen, statistisch signifikant viele lesbisch! Wirklich!

  28. 29
    SvenR says:

    Unter den Frauen in meinem Umfeld sind von denjenigen, die keine Pille nehmen, statistisch signifikant viele alt! Oder jung! Aber keine so mittel! Wirklich!

  29. 30
    Saarlänner says:

    Mein Statisik-Prof sagte immer:
    „Wenn man einmal links am Reh vorbeischießt und einmal rechts vorbei – dann ist das Reh rein statistisch gesehen tot“.

    Er wusste also, welchen Nutzwert die meisten Statisiken haben, die auf dieser Welt grassieren: KEINEN.

  30. 31
    Detlef Guertler says:

    Darf man hier auch Partei für die Journalisten ergreifen? Dann würde ich das gerne tun: Wenn Craig Roberts, der Leiter der Studie, sich in der Pressemitteilung zitieren lässt mit
    „Not only could MHC-similarity in couples lead to fertility problems but it could ultimately lead to the breakdown of relationships when women stop using the contraceptive pill, as odour perception plays a significant role in maintaining attraction to partners.“
    ist es doch wohl völlig korrekt, wenn Medien daraus machen, dass die Pille Beziehungen killen kann. Dass die Studie diese Schlussfolgerung nicht hergibt, da sie in erster Linie Null-Effekte hervorbringt, darf man m.E. nicht den Medien anlasten, sondern Mr. Roberts, der hier eher nicht als wissenschaftlicher, sondern als unwissenschaftlicher Leiter fungiert.

  31. 32
    Stefan says:

    @Detlef Guertler: Und wenn Frau Merkel erzählt, das neue Gesetz werde die Arbeitslosigkeit beseitigen, und alle schreiben das als Tatsache auf, dann darf man das auch nicht den Medien anlasten, sondern Frau Merkel? Und wenn Sony behauptet, das neue Laptop habe das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller Laptops überhaupt, und alle schreiben das als Tatsache auf, dann darf man das auch nicht den Medien anlasten, sondern Sony?

    Was ist denn dann Journalismus? Das Abschreiben von Pressemitteilungen und Glauben von Zitaten des Urhebers, der natürlich ein Interesse daran hat, seine Studie als wegweisend und revolutionär zu verkaufen? Ohne jede weitere Recherche? Selbst wenn man sich selbst die Studie umsonst angucken könnte? Im Ernst, Herr Guertler? Man holt keine zweite Meinung ein? Man guckt nicht wenigstens selbst in die Quelle? Man übernimmt die Behauptungen von einem Beteiligten als Tatsache?

    Und dass dann Unsinn dabei herauskommt und die Leser in die Irre geführt werden (in ähnlicher Form ungezählte Male jeden Tag), das darf man nicht den Medien anlasten?

  32. 33
    Detlef Guertler says:

    Wenn Frau Merkel über die Ergebnisse ihrer physikalischen Studien referieren würde, dann würde ich das eventuell tatsächlich so übernehmen. Für gewöhnlich sind Journalisten mit der Überprüfung wissenschaftlicher Studien überfordert – die Studie, um die es hier geht, hat zwar nur acht Seiten, aber obwohl ich sie mehrfach rauf und runter gelesen habe, habe ich nicht verstanden, ob Mr. Roberts‘ Aussagen in der Pressemitteilung wahr, falsch, verzerrend oder zugespitzt sind. Ich vermute, dass niemand der hier an der Diskussion beteiligten das verstanden hat.
    Nein, Wissenschaftler sind keine besseren Menschen als Politiker oder Manager. Aber wenn sie lügen, um eine Schlagzeile zu bekommen, sind sie in ihrer eigenen Community sofort unten durch – weshalb sie es in der Regel nicht tun. Und wenn sie es doch tun, wird das ebenso in der Regel von anderen Wissenschaftlern herausgefunden. Das war bei der kalten Fusion so und bei in Südkorea geklonten Menschen, und wenn Roberts sein Blatt überreizt hat, wird ihm das hoffentlich jemand reinwürgen, der es beurteilen kann.
    Dass nicht jede „Studie“, die in die Welt geblasen wird, etwas mit Wissenschaft zu tun hat, ist hinlänglich bekannt und auch in diesem Blog mehrfach dokumentiert worden. Bei einer Pressemitteilung der britischen Royal Society möchte ich hingegen davon ausgehen können, dass die dort präsentierten Fakten und Schlussfolgerungen in Ordnung sind.

  33. 34
    Stefan says:

    Und ich möchte davon ausgehen können, dass Journalisten, die über eine Studie schreiben, das Fachwissen mitbringen, um sie zu verstehen. Und ich möchte davon ausgehen können, dass Journalisten, die über wissenschaftliche Forschungsergebnisse schreiben, sich nicht allein auf eine Pressemitteilung des Forschers verlassen.

    Was ist denn sonst Journalismus?

  34. 35
    arahf says:

    schon krass, und wenn man jetzt jemanden erklären will der genau das so tausend mal im radio gehört, im tv gesehen oder in der zeitung gelesen hat, dass das alles schwachsinn ist erklärt der jenige einen für doof. Wahnsinn

  35. 36
    Detlef Guertler says:

    @36: Bei diesem Maßstab bleiben dann leider nicht mehr viele Journalisten übrig, die über wissenschaftliche Forschungsergebnisse schreiben können. Wer viel von wenig weiß, ist nämlich im Allgemeinen kein Journalist, sondern Experte, Manager, Wissenschaftler o.ä.
    Journalismus ist universelle Halbbildung, wer sonst könnte sich im einen Moment über beziehungskillende Pillen und im nächsten über den Unterschied zwischen fünf- und sechszackigen gelben Sternen äußern? Und beides gleichermaßen fundiert.
    Ich halte nichts davon, an Journalisten Experten-Ansprüche zu stellen. Nicht etwa, weil Journalisten dafür zu blöd sind (soll natürlich auch vorkommen), sondern weil es schwer ist, als Experte sauber zu bleiben. Wer von kleinen Gebieten sehr viel weiß, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in der einen oder anderen Form Beteiligter: Der Lokal-Chef, der mit dem Bürgermeister paktiert, der Motor-Journalist, der aus welchem Grund auch immer ein besonders Faible für die Produkte eines Konzerns hat, der Fonds-Experte, der sich von jedem Anbieter bezahlen lässt, den er in seine Empfehlungstabelle aufnimmt. Wenn sich ein Journalist wirklich intensiv mit den Auswirkungen von Anti-Baby-Pillen auf die Partnerwahl beschäftigt hat – wie groß ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit, dass er NICHT von Schering geschmiert wird?
    Wichtiger als Expertentum sind für mich die Antennen, mit denen Journalisten spüren, ob bei einer Geschichte etwas nicht stimmt, sowie dann natürlich die Recherche, die das bestätigt oder widerlegt. Wenn eine Pressemitteilung zu diesem Thema von Schering käme, wäre es grob fahrlässig, die Aussagen des Studienleiters einfach als wahr hinzunehmen. Wenn die Mitteilung aber von der Royal Society kommt, kann ich darin immer noch keine Fahrlässigkeit erkennen.

  36. 37
    Stefan says:

    Wir haben also Ihrer Meinung nach nur die Wahl zwischen Leuten, die aus Ahnungslosigkeit PR machen (Journalisten)? Und Leuten, die aus Kalkül oder weil sie bestochen wurden, PR machen (Experten)?

    Ich muss die Diskussion an dieser Stelle beenden, weil ich sonst kotze.

  37. 38
    Arnulf says:

    Das Problem ist, dass Journalisten, die nicht den ganzen Tag mit Wissenschaft zu tun haben, noch immer davon ausgehen, dass Wissenschaftler nur der Wahrheit verpflichtet sind. (Viele) Forscher haben aber schon vor Jahren erkannt, dass sie, um beruflichen Fortschritt und Forschungsgelder zu erreichen, selbst gehörig die PR-Trommel rühren müssen – mit allen dazu gehörenden Übertreibungen. Und es wird immer schlimmer. Forschungsfälschung ist noch mal ein ganz anderes Thema.
    Einem Nachrichtenredakteur ist in der Regel klar, dass er die CDU-Pressemitteilung eigentlich hinterfragen und auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen sollte. Aber erklär so jemanden mal, dass das genau so auch für die Pressemitteilungen von so ehrwürdigen Institutionen wie „Science“, „Nature“, der Max-Planck-Gesellschaft und Konsorten gilt.
    Und selbst unter Wissenschaftsjournalisten ist das noch immer nicht gängige Praxis oder wird im hektischen Alltag gerne mal vergessen.

  38. 39
    Lukas says:

    Herr Guertler, bis zu Ihrer Definition des Berufsbildes Journalist hatte ich diesen Lebensweg ernsthaft in Erwägung gezogen. Ich glaube, jetzt werde ich lieber Maurer.

    (Dies ist nicht als Beleidigung von Maurern zu verstehen. Maurer ist ein ehrenwerter Beruf. Wenn Maurer einen Fehler machen, sehen sie das daran, dass die Wand umgekippt ist und sie sich nicht rausreden können.)

  39. 40
    Sebastian says:

    Wow… ich bin einfach nur baff.

    In der Uni gibt es für Abschreiben und einfaches Hinzudichten und ungeprüftes Übernehmen von Aussagen Sechsen. In der Schule auch.

    Bei der taz bekommt man dafür am Ende des Monats anscheinend einen Gehaltsscheck.

    Web 2.0 ist doch was Feines. Da kann man dann den Autor vor den Augen aller fragen, ob er einfach nur doof ist. Und der antwortet dann aus vollem Halse „Klar bin ich nur doof, ich bin doch Journalist, nachdenken kann man von mir nicht erwarten“.

    Gut zu wissen, dass neben Demenzpflege ein weiterer Berufszweig für schwer Vermittelbare offen steht.

  40. 41
    Detlef Guertler says:

    @All:
    Blog-Groupies ist ein nettes Wort.
    Hat denn irgendjemand hier, ob Journalist oder nicht, die Studie gelesen und verstanden?
    Niggemeier schreibt: „Die britischen Wissenschaftler hatten Pech: Es gelang ihnen nicht einmal, die Ergebnisse von Wedekind zu reproduzieren.“

    Die britischen Wissenschaftler schreiben: „Our data provide further evidence that use of oral contraceptives influence women’s MHC-correlated odour preferences. The significant session–group interaction, whereby ratings shift in favour of MHC similarity after initiating pill use, in contrast to the control group, is consistent with Wedekind et al.’s (1995) suggestion that pill use may disrupt daptive mate preferences. Indeed, our results are the first to test this suggestion empirically.“

    Ich halte nach mehrfacher Lektüre der Studie und dieser Diskussion Stefans Aussage für falsch und die der britischen Wissenschaftler für richtig. Ich halte die Überschrift der Pressemitteilung „Pille beeinflusst Partnerwahl“ für völlig korrekt und den Ergebnissen der Studie angemessen. Und da vermutlich die meisten Menschen die bahnbrechende Studie von Wedekind nicht kennen, halte ich das auch für die wichtigste Nachricht in diesem Zusammenhang.

    @Sebastian: Sowohl in der Uni als auch in der Schule gibt es eine ganze Reihe Lehrer, die auf dem ungeprüften Übernehmen von Aussagen bestehen – nämlich ihren eigenen. Da gibt es dann Sechsen für kritisches Nachfragen oder für Abwandeln dieser Aussagen.

  41. 42
    Sebastian says:

    Herr Guertler: MAY!

    Das ist nicht der MONAT sondern eine Aussage im Englischen, dass es so sein KÖNNTE.

    Herr Niggemeier weist auf der Weglassen dieser Einschätzung bei der Überführung vom Englischen ins Deutsche hin, ungefähr hier:

    „Richtig Schwung bekam die Geschichte, als sie ins Deutsche übersetzt wurde und die ganzen “can” und “may” plötzlich verschwanden.“

    Detleg Guertler may be a moron. He doesn’t understand the problem.

    Sehen Sie? Das ist nichtmal eine Beleidigung. Problem ist nur: wenn Sie das jetzt so übersetzen, wie die „Journalisten“ oben, dann habe ich sie auf Deutsch dann wohl jetzt als „Trottel“ bezeichnet. Was ich nicht tue – sondern es in einen Konjunktiv verpackt habe.

    Im Moment halte ich Sie nur für starrsinnig. Und ich frage mich, ob Sie selbst elementares Englischverständnis besitzen und darüber hinaus überhaupt den Blogeintrag von Herrn Niggemeier gelesen haben.

    Langsam komme ich mir veralbert vor.

  42. 43
    Inga says:

    @43 Ja. Ich.
    Und ich bin der Ansicht, dass Journalisten, die für das Wissenschaftsressort eines Mediums schreiben, basale Kenntnisse über die Methoden der Wissenschaft haben sollten. Dazu gehört lediglich, dass sie z.B. wissen, was ein Signifikanzwert ist, was man unter Repräsentativität zu verstehen hat, was eine Doppelblindstudie ist und dergleichen Kleinigkeiten mehr. Man wäre ja schon froh, wenn diese Leute wenigstens das schöne Buch „So lügt man mit Statistik“ von W. Krämer gelesen hätten, da wäre schon viel erreicht. Diese Grundkenntnisse kann ein Journalist dann übrigens zur Überprüfung aller quantitativen Studien anwenden, egal aus welchem Bereich. Es ist also durchaus nicht nötig, sich mit den Nebenwirkungen der Pille auszukennen, wenn man die erwähnte Studie beurteilen soll.
    Im übrigen bin ich sowieso der Ansicht, dass grundlegende Kenntnisse über statistische Methoden Allgemeinbildung sein sollten.

  43. 44
    SvenR says:

    @ Lukas #41:

    Glaub mir, der Onkel hat nicht recht. So Leute wie Du müssen Journalisten werden. Du kannst schreiben, hast eine Meinung, bist aber für Argumente empfänglich, scheinst zu recherchieren zu können, bist relevant.

    @ Detlef Guertler #43:

    Das soll jetzt weder überheblich oder böse klingen, aber ich habe bei Ihnen ehrlich auch nicht erwartet, dass Sie die Studie verstehen. Das hängt wahrscheinlich mit meinen einschlägigen Erfahrungen hinsichtlich der angeblichen Zähflüssigkeit von Glas zusammen.

    Ich halte viele Ihrer Grundannahmen und -aussagen für schlichtweg falsch:

    Bei diesem Maßstab bleiben dann leider nicht mehr viele Journalisten übrig, die über wissenschaftliche Forschungsergebnisse schreiben können.

    Na und? Sie – die Journalisten – müssen auch nicht über alles und jeden schreiben. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Da würde es reichen, wenn ein paar Wissenschaftsjournalisten darüber schrieben und der Rest von ihnen abschriebe.

    Aber es darf jeder Journalist darüber schrieben, wenn er einfach seine Arbeitszeug beherrscht. Oder manchmal auch nur den Konjunktiv.

    Wer viel von wenig weiß, ist nämlich im Allgemeinen kein Journalist, sondern Experte, Manager, Wissenschaftler o.ä.

    Man muss weder als Journalist, Experte, Manager oder Wissenschaftler nur viel von wenig wissen, sondern auch immer wenig von viel. Und man muss jeden Tag dazulernen.

    Allein schon die Gegenüberstellung und dann noch das o.ä. Nennen Sie doch bitte einen, der nach „Experte, Manager oder Wissenschaftler“ in Ihrer Reihe kommt.

    Und da vermutlich die meisten Menschen die bahnbrechende Studie von Wedekind nicht kennen, halte ich das auch für die wichtigste Nachricht in diesem Zusammenhang.

    Weil Sie es nicht kennen, kennen es vermutlich die meisten Menschen nicht. Aha.

    Sowohl in der Uni als auch in der Schule gibt es eine ganze Reihe Lehrer, die auf dem ungeprüften Übernehmen von Aussagen bestehen – nämlich ihren eigenen.

    Finden Sie das richtig so? Wahrscheinlich nicht, oder? Hoffe ich.

    Ich will Sie wirklich nicht beleidigen, ich bin nur einfach diametral anderer Ansicht. Sie kommen mir vor, als ob Sie in einem Elfenbeinturm säßen (sagt man das so, mir gehen gerade die Bilder aus).

  44. 45
    Stefan says:

    @Detlef Guertler: Vielleicht lesen Sie meinen Text noch einmal nach. Ich habe nicht gesagt, dass die Überschrift der Pressemitteilung “Pille beeinflusst Partnerwahl” falsch sei. Ich habe gesagt, dass sie „die Ergebnisse spannender macht, als sie sind“. Falsch sind aber die Überschriften von AFP und dpa, die Berichte von „Kurier“ und „Bild“ und „Süddeutscher Zeitung“.

    Sie schreiben: „Ich halte nach mehrfacher Lektüre der Studie und dieser Diskussion Stefans Aussage für falsch und die der britischen Wissenschaftler für richtig.“ Ah. Ein paar Kommentare zuvor haben Sie über den Autor der Studie geurteilt, er fungiere „nicht als wissenschaftlicher, sondern als unwissenschaftlicher Leiter“. Hatten Sie die Studie da noch nicht oft genug gelesen? Oder noch gar nicht?

    Und welche Aussage von mir ist nun genau falsch? Dass es den Autoren nicht gelang, „die Ergebnisse von Wedekind zu reproduzieren“?

    Although several studies have reported significant effects of MHC dissimilarity on women’s preferences for male body odour, we were unable to replicate this on our main sample of women, in which none were pill users and all were in the follicular cycle phase. (…)

    We do not know whether the change in preferences related to pill use is sufficiently strong to influence partner choice, (…). Some studies have suggested that women consider the olfactory domain to be an important factor in their assessment of potential partners (…). Although we were unable to replicate the effect, (…).

  45. 46
    Ivor Bigbotty says:

    program QualitaetsJournalist

    while (money_and_fame < more_money_and_fame)
    do {
    initialize(article);

    topic = findVeryGoodTopic();

    if (topic = sex)
    do {
    turnBrainOff();
    article = getRandom();
    seedSexWords(article);
    try {
    turnBrainOn();
    }
    catch(NoBrainException ex)
    {
    // do nothing, not in use anyway.
    }
    }
    else
    do {
    copyAndPaste(topic, article);
    }

    money_and_fame = calcMoneyAndFame(article);

    }

  46. 47
    Detlef Guertler says:

    @44:
    Ungeschützter Sex mit HIV-Infizierten kann das Virus übertragen. Kann, muss aber nicht. Wer das HI-Virus hat, kann an Aids erkranken. Kann, muss aber nicht. Das Absetzen der Pille kann die Beziehung killen. Kann, muss aber nicht. Ist doch trotzdem eine Nachricht, oder?

    @45:
    Prima, wenn Sie die Studie gelesen und verstanden haben. Können Sie uns dann mitteilen, was so genau drinsteht?

    @46:
    Ich kannte die Studie von Wedekind – bzw. das, was die Medien darüber berichtet haben. Aber die meisten Menschen kennen weder die Studie noch die Berichterstattung darüber. Die Aussage, dass die Pille einen Einfluss auf die Partnerwahl haben kann, ist deshalb für die meisten Leser neu und damit eine Nachricht.

    @47:
    Wenn Wissenschaftler die Ergebnisse einer anderen Studie nicht reproduzieren können, haben vermutlich nicht sie Pech, sondern die Macher der anderen Studie. Es ist eine zentrale Anforderung an wissenschaftliche Hypothesen, dass die Ergebnisse, auf denen sie beruhen, reproduzierbar sind. Sind sie es nicht, ist die ursprüngliche Hypothese reif für den Mülleimer.
    Pech wäre es nur, wenn der Versuchsaufbau der Nachahmer so gewählt wurde, dass aus einem vorher nicht beachteten Grund die Ergebnisse gar nicht vergleichbar sein können. Weshalb die Forscher auch sehr viel Buchstaben darauf verwenden, um alle im Versuchsaufbau liegenden Möglichkeiten für eine Abweichung von der Wedekind-Studie zu diskutieren (Glasbehälter statt Papp-Boxen, Ausschaltung bzw. Berücksichtigung von Tabak- oder Parfumgeruch etc.).
    Lassen wir das mit dem Pech also weg. Dann bleibt: Die britischen Wissenschaftler haben EINIGE Ergebnisse der Wedekind-Studie reproduzieren können, andere nicht. Und sie haben detailliert darüber Auskunft gegeben, welche Ergebnisse sie reproduzieren konnten und welche nicht. Möglicherweise bleibt es dann weiteren Untersuchungen vorbehalten, Fehler im Versuchsaufbau und/oder den Hypothesen aufzudecken.
    Dass ich weiter oben in der Diskussion von Roberts als unwissenschaftlichem Leiter der Studie geschrieben habe, tut mir beim jetzigen Stand meiner Erkenntnisse leid. Ich führe es darauf zurück, dass ich ein hohes Grundvertrauen zu Stefan Niggemeier habe und deshalb seine Ausgangsthese von einer lauwarmen, aber sehr aufgeblasenen Studie ungeprüft übernommen habe. Das war ein Fehler: Bei einer Abwägung zwischen den beiden Quellen „Royal Society“ und „Stefan Niggemeier“ hätte ich mich nicht einfach auf Niggemeiers Seite schlagen sollen.
    Richtig ist und bleibt natürlich, dass ein großer Teil dessen, was in den deutschen Medien über diese Studie berichtet wurde, wenig mit dem zu tun hat, was die Studie tatsächlich belegt hat. Die Entwicklung von der ursprünglichen Untersuchung bis zum medialen Niederschlag inklusive dieser Diskussion scheint mit eine gute Fallstudie für die Ausbildung von Wissenschaftsjournalisten zu sein.
    Falls diese überhaupt irgendwo ausgebildet werden.

  47. 48
    Inga says:

    Warum sollte ich. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, meinen Mitmenschen die Welt zu erklären. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Texte zu verstehen, tut mir das natürlich leid für Sie. Mutig, dass Sie sich dennoch an einer „Methodenkritik“ versuchen.

  48. 49
    Detlef Guertler says:

    @50: Dann werden Sie (und wir) wohl damit leben müssen, dass das mit der Welterklärung von Journalisten versucht wird. Viel Spaß weiterhin beim Auf-die-Mitmenschen-hinabschauen.

  49. 50
    Batman says:

    @49: Eindrucksvoll, wie Sie in Ihrer Retour @46 schreiben:
    „Die Aussage, dass die Pille einen Einfluss auf die Partnerwahl haben kann, ist deshalb für die meisten Leser neu und damit eine Nachricht.“

    Das „kann“ ist hierbei wichtig. Genau das haben die genannten Journalisten nicht verwendet. Stattdessen gab es Headlines wie:
    „Pille beeinflusst Partnerwahl“
    „Pille schlecht für Partnerwahl“
    “Millionen Frauen fahren auf den falschen Mann ab”

    Und genau über dieses mangelnde „kann“ (das eigentlich sogar ein „könnte“ sein sollte, geht der Artikel von Herrn N. Hätte einer der Journalisten genauer recherchiert, was offensichtlich nicht allzu schwierig gesesen wäre, dann hätten auch ihre Artikel den Tatsachen entsprochen.
    Genau Ihnen als Taz-Wortklauber sollte solche Feinheiten wichtig und bewusst sein.

  50. 51
    Batman says:

    Klammer zu nach „sollte“

  51. 52
    luna says:

    @51:
    Also mit anderen Worten: wenn niemand explizit erklaert wie die Faktenlage aussieht, dann wird weiter das geschrieben, was der Journalist zu verstehen glaubt, erhaben ueber Zweifel, bis zum Beweis des Gegenteils. Gute Recherche ist unnoetig. Wenn es jemanden genug stoert, wird derjenige sich schon beschweren und sich die Muehe machen das richtig zu stellen.

    Eigentlich mehr die Art von journalistischem Vorgehen, das man von der Zeitung mit den grossen, fettgedruckten Buchstaben erwartet.

  52. 53
    Sebastian says:

    Im übrigen finde ich die an mich gerichteten Zeilen herzig. Sie rechtfertigen also das Fehlverhalten der Journalisten mit Fehlverhalten von Professoren?

    Wobei ich mir bei Ihrer Aussage da so sicher glaube ich gar nicht sein kann. Ich wette, die Sechsen, von denen Sie da reden, waren berechtigt. Ich gehe mal davon aus, der Student hat die Arbeiten des Professors einfach nicht verstanden, und sich irgendwas zurecht gedeutet. Vielleicht waren die Texte des Profs sogar noch auf Englisch *gasp*

    Und um ihre erneute Replik aufzugreifen:

    KANN = CAN. KÖNNTE = MAY

    Ist ja gut, ich versteh ja, dass sie kein Englisch können.

    Vielleicht versuchen wir es auf Deutsch:

    „Pille sorgt für falsche Partnerwahl“
    ist nicht gleich
    „Pille könnte für falsche Partnerwahl sorgen“

    Aber vielleicht bin ich nicht genug Journalist und sehe hier einfach einen Unterschied, der für einen solchen nicht da ist.

  53. 54
    Sebastian says:

    Oh Sekunde, da fällt mir ein Beispiel für Sie ein:

    „Viagra sorgt für Erektion“
    gegen
    „Viagra könnte für Erektion sorgen“

    Vielleicht erklährt Ihnen dann Ihre Frau/Freundin, was der Unterschied ist.

  54. 55
    SvenR says:

    @ Sebastian #56:

    Das war weder nett, noch nötig.

  55. 56
    Inga says:

    @51
    Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, weil ich davon ausgehe, dass interessierte Menschen das alleine hinbekommen. Insofern ist da nichts Überhebliches dran. Im Gegensatz zu meiner Aussage, dass es mir leid tut, dass Sie das offenbar nicht hinbekommen. Das war überheblich, und womit? Mit voller Absicht.

  56. 57
    Sebastian says:

    @57: der AIDS-Vergleich war auch nicht nett, und für meinen Geschmack unter jedem Niveau.

  57. 58
    scrutograph says:

    Wie wäre es mit dieser Überschrift:

    „Die Pille – eine biologische Zeitbombe?“

  58. 59
    SvenR says:

    @ Sebastian #59:

    Das kann ja sein, ich glaubte nur mich erinnern zu können, dass Sie ein gewisses Niveau nicht unterschreiten. Das kam mir hier anders vor. Ich finde, man muss nicht jedes Niveau mitgehen.

  59. 60
    Sebastian says:

    Na gut ich geb zu der letzte Satz war etwas unter der Gürtellinie ;-)

    Ich war aber auch ansatzweise frustriert über die „Lernresistenz“, wenn man schon händisch alles für den Herrn übersetzt, und er den Unterschied immer noch nicht sieht…

  60. 61
    Leia says:

    PotemkiNsche Dörfer, wenn ich anmerken darf. Abgesehen davon: Ich kann aus eigener Efrahung nur bestätigen, dass sich praktisch niemand in Online-Redaktionen die Mühe macht, wenigstens einen raschen Blick auf Studien im Original zu werfen.

  61. 62
    Trompette harmonique says:

    Es ist schade, das hier zu lesen.

    @Herr Guertler: Tapfer, dass sie bis zum Schluss versucht haben, ein bisschen Diskussionskultur zu wahren. Ich bin nicht Ihrer Meinung. Aber Sie pöbeln nicht, Sie versuchen sich an Argumenten, Sie schreiben nicht von oben herab und Sie geben sogar zu, wenn sie sich geirrt haben. Ich schätze diesen Versuch einer zivilisierten Diskussion.

    An Ihrer Stelle hätte ich mich jedoch bereits nach Kommentar #39 abgewendet. Soll doch jedes Blog die Kommentatoren bekommen, die es verdient.

  62. 63
    clintongonzes says:

    Thats cool. I agree, that was a good post!Dude a friend of mine has been was tring to increase Ejaculation Volume,. He try all natural threaph, they were working, but very slow, so at the end, he try try semen volume pills to increase prodcution, volume and flavour. yes results were great. so my suggestion if u want to Increase Ejaculation Volume

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Trackbacks & Pingbacks

  1. Verh sagt:

    […] falschen M

  2. […] durch ein verkürzt wiedergegebenes Zitat und die reisserische Überschrift ein Artikel geworden, der zu falschen Schlüssen verleitet. Immerhin steht dieser nicht alleine: Mit der kreativen Auslegung von Studien hat man bei n-tv Erfahrung (Details bei Stefan Niggemeier). […]

  3. […] Stefan Niggemeier in seinem Blog unter Pille macht Journalisten impotent gerade einen genialen Artikel verfasst. Wer das Bildblog liest, trifft ja öfters auf solch […]

  4. […] ““Die Pille” schuld an Scheidungsrate?” verfasste. Wie Stefan Niggemeier in seinem Blog nun berichtet, war dies leider eine sogenannte Ente: Erst nach diversen Statistik-Tricks gelang es […]

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