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Stefan Niggemeier | Die Arschlm

Die Arschlm

25 Aug 11
25. August 2011

Wenn man, wie ProSieben, keinen Ruf mehr zu verlieren hat, erhöht das deutlich die Handlungsoptionen. Und so griff der Sender in seiner Verzweiflung, dass die Leute sich nicht massenhaft dazu hinreißen lassen, die als Sommerhit geplante Sendung „Die Alm“ der sendereigenen Schrottproduktionsfirma Red Seven zu gucken, am späten Mittwochnachmittag zu einem erstaunlichen Mittel.

Er gab eine Pressemitteilung heraus, die man beim flüchtigen Hinsehen für eine Nachricht, sogar eine dringende Nachricht halten konnte. Sie lautete:

(Eil) Gina-Lisa, Rolfe und der Checker verlassen „Die Alm“

Unterföhring (ots) – Gina-Lisa Lohfink, Rolf Scheider und Thomas „Der Checker“ Karaoglan haben „Die Alm“ verlassen. Wie es weitergeht: Heute Abend um 22.15 Uhr live auf ProSieben.

(Vollständiges Zitat.)

Die Pressemitteilung ist eine Unverschämtheit. Die drei Unbekannten hatten die Alm schon am Dienstagmorgen verlassen. Und waren bereits am Dienstagabend zurückgekehrt. Wenn überhaupt, hatten die Kandidaten vorübergehend die Alm verlassen, aber nicht „Die Alm“.

Nun ist es für einen Sender wie ProSieben vermutlich bloß Ausdruck von Realitätssinn, bei seinen Pressemitteilungen nicht mehr auf Qualität Wert zu legen als bei der Produktion seiner Fernsehprogramme. Und wie viel Glaubwürdigkeit bei ProSieben zählt, bewies der Sender schon vor zwei Jahren, als er Werbung für eine neue Mystery-Serie so aussehen ließ, als handelte es sich um echte Breaking News. Trotzdem musste man bislang nicht unbedingt davon ausgehen, dass ProSieben über den üblichen Presseverteiler und unter dem Namen der tatsächlichen Pressesprecherin eine solche Lügengeschichte verbreiten würde.

Andererseits: Eine Ein-Satz-Mitteilung inklusive Schalten-Sie-ein-Teaser — kann das ernsthaft die Grundlage sein, auf der Journalisten Berichte verfassen?

Es kann.

Der Branchendienst DWDL verlieh der Ente zusätzliche Glaubwürdigkeit, indem er behauptete, sowas schon vorher gehört zu haben:

Gina-Lisa, Rolfe und der Checker verlassen „Die Alm“

Schon seit Mittwochmorgen ging das Gerücht um, der ProSieben-Realityshow „Die Alm“ würden die Promis weglaufen. Tagsüber dementierte der Sender noch. Am frühen Abend dann aber die Bestätigung per Eilmeldung über die üblichen Presseverteiler.

Eine Stunde später korrigierte DWDL sich und entschuldigte sich für die „kurzfristige Verwirrung“.

Auf Bild.de steht immer noch folgendes Nachrichtenfragment:

Gina-Lisa, Rolfe und der Checker verlassen „Die Alm“

Unterföhring (Bayern) — Gina-Lisa Lohfink, Rolf Scheider und Thomas „Der Checker“ Karaoglan haben „Die Alm“ verlassen. Die Sendung wird auf ProSieben ausgestrahlt.

Und in Rekordzeit interpretierte der über die dramatischen Vorgänge in der Sendung offenbar bestens informierte Online-Ableger der „Rheinischen Post“ die Breaking News:

Gina-Lisa, Rolf und der Checker
Promis verlassen die Alm von Prosieben

Düsseldorf (RPO). Die Promis hatten offenbar genug vom Landleben: Gina-Lisa Lohfink, Rolf Scheider und Thomas „Der Checker“ Karaoglan haben „Die Alm“ verlassen. Das teilt Prosieben am Mittwochabend mit.

Es war nicht immer alles sonnig bei der Promi-Trash-Show „Die Alm“ — aber das ist ja auch das Konzept. Nun haben laut Sender aber gleich drei Bewohner ihre Rucksäcke gepackt und sind abgerauscht. Und das zeichnete sich bereits ab.

Rolf(e) Scheider drohte bereits mit Ausstieg. Denn die Bedingungen auf der Alm sind einfach zu hart für den sensiblen Castingdirektor, meint Prosieben. (…)

Moderatorin Charlotte und Ex-Topmodel-Anwärterin Tessa haben erst Thomas „Checker“  Karaoglan die Schlafdecke versteckt, dann haben sie Gina-Lisa auf dem Kieker (…).

Sollte es damit jetzt vorbei sein, mit allen diesen Lästereien und Boshaftigkeiten? Oder geht es ohne Rolf, den Checker und Gina-Lisa weiter? Prosieben hüllt sich in Schweigen — und verweist auf die Sendung um 22.15 Uhr. Vielleicht lassen sich die drei ja überreden, zurückzukommen.  Viel Lärm um nichts, würde man das dann wohl nennen.

Joa. Obwohl mir da noch andere Formulierungen einfielen, wie man das „wohl nennen“ würde. „Deppen unter sich“, vielleicht. Oder: „Wenn PR-Simulation auf Journalismus-Simulation trifft“. Oder irgendwas mit Fäkalien.

56 Gedanken
  1. 1
    Filmriss says:

    Ihr Frust ist spürbar und „wohl berechtigt“. Gar nicht erst anschauen und mit beschäftigen.

  2. 2
    Vetaro says:

    „Fäkalien-Simulation“?

  3. 3
    Klaus Jarchow says:

    Ringelpietz mit Morsfiedeln – eine ganz neue journalistische Disziplin.

  4. 4
    anton bibersberg says:

    wie heisst es so schön bei den muppets, wenn einer gehen will:
    wenn du gehen willst, dann nimm den müll mit!

  5. 5
    Oliver says:

    Merke: Das Lesen von Pressemitteilungen oder „wichtigen Nachrichten“ bei folgenden Worten sofort abbrechen: Gina-Lisa, Daniela Katzenberger, Lorielle London, Naddel, Sarah Knappik, …

    Da kann eigentlich gar nicht mehr viel passieren.

  6. 6
    necs says:

    Was mich an diesem Beitrag am meisten schockiert: Herr Niggemeier folgt offenbar den Ereignissen auf der Alm. Das tut nicht mal das Panorama-Ressort dieser großen Apple-Fanseite!

  7. 7
    Onkel Pelle says:

    Ich staune, womit sich Herr Niggemeier so beschäftigt. Alleine das Verfassen des Blogeintrags hat doch mindestens 15 Minuten gedauert. Wertvolle Lebenszeit! Die bekommt man nicht wieder. Äh, apropos… Ich bin dann mal weg!

  8. 8
    quietschbeu says:

    „..der Branchendienst DWDL…“
    Danke, ich hab‘ sehr gelacht!

  9. 9
    Zahnwart says:

    @necs (#6): Stefan Niggemeier folgt nicht den Ereignissen auf der Alm (zumindest nicht beruflich), er erhält nur die Pressemitteilungen von Pro7. Und sich über deren Qualität aufzuregen, das darf man als Journalist durchaus. Weil Pressemitteilungen nämlich Arbeitsmaterial für Journalisten sind, und wenn dieses Arbeitsmaterial von minderer Qualität ist, dann ist das … nicht gut.

  10. 10
    Chris says:

    Gute Güte, Niggi, du musst mal so’n bisschen, äh …

  11. 11
    thomas hackenberg says:

    @9. Zahnwart: Genau das ist der Punkt.
    P.S.
    War das Feuer im Pro7Sat1etc.pp. Sendezentrum eigentlich echt??

  12. 12
    david says:

    Mal so nebenbei: Kam „Promi“ nicht einmal von „prominent“, also – laut Duden – „beruflich oder gesellschaftlich weithin bekannt, berühmt, einen besonderen Rang einnehmend“? Ich habe diese Namen da oben ganz ehrlich noch nie zuvor auch nur gehört. Aber ulkig klingen sie schon …

    Ich kann nur jedes Mal aufs Neue den Kopf schütteln. Gut, dass man nicht gezwungen ist, sich deutsches Fernsehen anzutun.

  13. 13
    Sven says:

    Interessanter Artikel, jedoch der Verweis auf die eigentlich originelle Werbung für Fringe vor ein paar Jahren ist irgendwie kleinkariert…

  14. 14
    Jens says:

    Und ich dachte „die ALM“ muss man nicht sehen. Ab jetzt werde ich keine Sendung mehr verpassen.
    Wenn Stefan sogar über die Sendung schreibt, ja, dann muss sie schließlich wichtig sein..

  15. 15
    Ste says:

    @1): Weil etwas blöd ist, darf/soll/muss man sich nicht damit beschäftigen?! So wie mit der Zeit ab 1933? So wie Merkels Schweigen? So wie mit Atombomben? Ihre Logik versteh ich nicht! Besser: Ich versteh sie im Lichte einer konsumistischen Unvernunft!

    mit freundlichen grüßen,
    ihr oswald spengler (fakename, vgl. bücherregal in einer bibliotheke)

  16. 16
    Uli G. says:

    Wenn es die Simpsons nicht bei Pro7 gäbe [ja, ich habe alle Staffeln auf DVD, lasse mich aber gerne einfach mal von der Folge überraschen, wenn ich Zeit habe, zu schauen :-) ], gäbe für mich überhaupt keinen Grund, Pro7 in meiner Senderliste zu haben.

    Mein Lieblingszitat ist eigentlich immer nach dem Gallileo Teaser, wo Jumbo Schneider zeigt, wie viele Würste er essen kann oder welches Auto in der Kurve besser umkippt und wo gesagt wird „Sie haben die Fragen – wir haben die Antworten.“

    Hat einer von euch so etwas gefragt? Ich wollte das noch nie wissen…

  17. 17
    Ste says:

    @17): Natürlich nicht wirklich, es werden einfach die Instinke angesprochen, ein geiler, besser, mehr! Shcon beim Wetterbericht in Boulevard-Zeitungen heißt es dann nicht: Es werden 35 Grad…. Nein, es muss dann heißen: „35 Grad: baden, grillen oder bräunen – oder alles gleichzeitig? Endlich Sommer!“ Also ich kann bei 35 Grad nur sterben! Ich höre noch die Sirenen der Krankenwagen, die hier jede Stunde zu hören waren.

  18. 18
    Martin says:

    Wie hoch ist denn der Narichtenwert der Meldung? Ist das schon Journalismus oder nicht einfach nur ne PR-Aktion? Was die anderen Medien daraus machen ist freilich trauurig.

  19. 19
    Heyland's says:

    Leider tauchen hier in letzter Zeit etliche banale Einträge auf, deren Relevanz sich mir nur schwer erschließt. Sich über pöse PRler des Prekariats-Service-Unternehmens Springer künstlich zu echauffieren, die lediglich versuchen das Umfeld von Werbespots zu promoten, halte ich für vergeudete Lebenszeit. Wäre es denn für sie wirklich befriedigender, wenn dieser „irgendwas mit Fäkalien“ journalistisch sauberer an die interessierte Klientel gebracht würde?

    Gibt es denn in diesen Tagen keine Medienthemen für sie, die es wert sind, genauer angeschaut zu werden? Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit Sommerloch.

  20. 20
    Vetaro says:

    @ 13, david
    Soweit ich das verstehe ist ein „Prominenter“ im Sprachgebrauch der Medien jemand, der bekanntheit erlangt hat, ohne an Ansehen zu gewinnen. Bzw. in härteren fällen „irgendwer der mal für eine beliebige Anzahl an Sekunden von einer Kamera aufgenommen wurde“.

    Ich bin mir nicht sicher mit welchem Wort genau man Prominente jetzt von Leuten wie Robin Williams unterscheidet. Ich nehme aber an, dass man bei guten und relevanten leuten nicht mehr dazu sagen muss, dass sie das sind, damit Zuschauer das akzeptieren.

  21. 21
    Ste says:

    sich echauffieren ist etwas anderes als Kritik üben. Und Springer ist leider nicht einfach irgendein „Prekariats-Service-Unternehmen“, schön wärs, dann könne man es tatsächlich vergessen, so wäre aber jede Verweigerung und Hand vor die Augen halten jedoch ein Zynismus.

  22. 22
    Stefan Niggemeier says:

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was Springer jetzt mit dieser Debatte zu tun hat.

  23. 23
    Jan says:

    Früher waren Wunschberuf „irgendwas mit Medien“, jetzt sind sie „irgendwas mit Fäkalien“…

  24. 24
    Medienagentur says:

    Manche Leute taugen halt um im Fotostudio oder in der Werbung doof zu grinsen und mehr nicht.

  25. 25
    Ommelbommel says:

    @Stefan: „Die Arschlm“? Ist Alberto von seinem Posten als Überschriftenassistent zurückgetreten?

    Ich frage mich ja schon gar nicht mehr, was Springer mit den Themen hier zu tun hat, sondern freue mich stattdessen, dass zumindest in diesem Thread noch nicht die beliebten Six Degrees of Rundfunkzwangsabgaben gespielt wurden.

  26. 26
    Stefan Niggemeier says:

    @Ommelbommel: Es war eine Art Touretterülpser, der mir dann merkwürdig passend vorkam.

    (Wo sich Alberto rumtreibt, weiß ich auch nicht. Meinst Du, der hätte das verhindert?)

  27. 27
    TKEDM says:

    Nunja, es stimmt doch, dass die 3 „Die Alm“ verlassen haben – wenn auch kurzzeitig. Sie wurden ja während der Zeit wohl auch nicht gefilmt.

    Aber: Sieht denn keiner den Gag, der einen direkt ins Gesicht springt, wenn man die PM liest? „Eil“ und „Wie es weitergeht: Heute Abend …“. Finde ich geschickt gemacht und umso mehr lache ich über die Medien, die das als ernst weiterverkauft haben.

  28. 28
    Olly says:

    @Ommelbommel und Stefan, #26&27

    Wenn ich die Vertretung machen dürfte?

    „Auf der Alm gibt’s nix woas stimmt“

    scnr…

  29. 30
    tacke says:

    Was soll denn Arschlm sein? Sowas wie Abschaumlm?

  30. 31
    Ommelbommel says:

    Ich habe auch keine Ahnung, wo der steckt. Ob er es verhindert hätte, kann ich natürlich auch nicht sagen.

  31. 32
    LV says:

    Herr Niggemeier,
    wie kommt es eigentlich, dass sie das Dschungelcamp über den grünen Klee loben während sie die Alm in Bausch unhd Bogen verdammen?
    Beide Sendungen sind doch nahezu identisch: Pseudopromigesindel wälzt sich im Dreck.

    Einige dieser Möchtegernpromis haben ja auch schon an beiden Formaten teilgenommen wie z.B. dieses Lorielledingens.

  32. 33
    Stefan Niggemeier says:

    @LV: Die Sendungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Mein Kollege Hans Hoff hat das schön auf den Punkt gebracht: http://www.sueddeutsche.de/medien/pro-sieben-die-alm-aa-ins-toepfchen-1.1133340

  33. 34
    LV says:

    @Stefan Niggemeier,

    Sorry aber auch nach dem Lesen des SZ-Artikels sehe ich den großen Unterschied zwischen den beiden Sendungen immer noch nicht.
    Außer dass sich im Dschungel in Maden, auf der Alm hingegen in Kacke gewälzt wird.

  34. 35
    Murks says:

    Es sind die gleichen Promis, es sind ähnliche Geschichten, aber es ist so anders.

    Mir fehlt bei „Die Alm“ die Raffinesse im Schnitt, im Storytelling, also handwerkliche Fehler, die sich RTL in der xten Staffel nicht mehr erlaubt.
    Mir fehlt jemand wie Dirk Bach, der mir die intellektuelle Absolution erteilt, sowas zu gucken.
    Mir fehlt die augenzwinkernde Metaebene.

    Die Location „altes Bauernhaus auf einer Alm“ erweckt keinerlei Fantasie, das Elend ist mir viel zu real, die ganzen Innenlocations bedrueckend und beklemmend. Das ganze Setting ist ein Downer und die alpine Folklore steht für mich für das vorletzte Jahrhundert, eine traurige Zeit, die wir gottseidank hinter uns gelassen haben..

    Ganz grundsätzlich kann man es so zusammenfassen:

    Nach einer Folge Dschungelcamp geht man heiter beschwingt ins Bett. Nach einer Folge Die Alm hadert man mit der Welt und zieht eine überdosis Diazepam als Problemlösung in Betracht.

  35. 36
    LV says:

    @Murks
    Naja, wenn wir jetzt mal das ganze Geschwafel über Metaebenen und Fallhöhen beiseite lassen, bleibt nun sooo viel an Unterschied wahrlich nicht über.
    Okay Du stehst mehr auf Dschungel als auf Bergpanorama, ist halt, auch wenn es bei derlei Formaten schwerfällt es auszuprechen, Geschmackssache.
    Dirk Bach und intellektuelle Absolution? WTF?

  36. 37
    mich says:

    Hab eben erst wieder „Free Rainer“ gesehen.

  37. 38
    Juli says:

    @ LV, ist zwar eigentlich off topic, aber ich möchte dann doch gerne mal festhalten: wenn jemand andere Leute nur aufgrund ihrer vom mainstream abweichenden sexuellen Identiät als „dieses Dingens“ bezeichnet, kann´s mit der eigenen Intelligenz ja auch nicht so weit her sein…

  38. 39
    Juli says:

    gemeint war natürlich „Identität“

  39. 40
    jonathan hart says:

    @LV

    Vielleicht würde es helfen, sich beide Sendungen mal anzuschauen? Wer dann den qualitativen Unterschied nicht erkennt, der darf dann auch gerne weiter ARTE schauen und ist für Unterhaltungsfernsehen wohl einfach nicht gemacht.

  40. 41
    Claus says:

    @jonathan hart: Es mag ja einen qualitativen Unterschied geben, dennoch darf man doch beide Formate letztlich schauderhaft finden, ohne gleich als ARTE-Seher abgestempelt zu werden, oder?

  41. 42
    starkstromliesel says:

    @ Herr Niggemeier

    so ist die Welt 2011. Gewöhnen Sie sich besser daran, bevor ihr Blutdruck unkalkulierbar steigt. Es gibt keine Trennung der Bereiche Werbung, Journalismus und PR. Diese Bereiche gehen fließend ineinander über und werden je nach Interessenlage benutzt. Dazu kommt, dass es auch keine faktische institutionelle Trennung dieser Bereiche mehr gibt. Die großen Unternehmen vereinen alle Disziplinen in einem Haus und nutzen entsprechend die Synergie-Effekte wie es im Bullshit-Bingo-Deutsch so schön heißt.

    Das ist aber so neu nicht, nur wird es heutzutage noch professioneller und kalkulierter eingesetzt. Die Schamgrenze ist im Laufe der Zeit einfach gefallen. Das Ganze nennt man dann übrigens integrierte Kommunikation über verschiedene Kommunikationskanäle hinweg, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen.

    Ich mach meinen Job jetzt schon seit fast 20 Jahren. Damals wurde auch schon so gearbeitet. Im Unterschied zu heute war der finanzielle Einsatz aber wesentlich geringer. Wenn ich vor 15 Jahren noch eine Kampagne für ein Unternehmen fahren wollte – mit Einbindung von PR und seriöser Presse – dann musste ich z.B. als Werbeagentur schon einiges an Fakelaki über den Tisch schieben, damit Teile der Presse mitzog und die Kampagne erfolgreich war. Heute habe ich alles in einem Haus und die „seriöse Presse“ ist aus Angst etwas zu verpassen und aus Rechercheunwilligkeit so blöd, alles zu drucken, was ich denen vorsetze. Geändert hat sich also nur Geldeinsatz. Das Prinzip bleibt gleich.

  42. 43
    SvenR says:

    Ich versuche seit Erscheinen dieses Überschrift auszusprechen – es gelingt mir nicht.

    @Murks #38: Stimmt es werden Menschen gefilmt, mit Ton, das Ganze geschnitten und dann gesendet. Quasi identisch.

    @Juli #40 + 41: Genau, es gibt nur eine Dingens, nämlcih Sarah Dingens!

    @Claus #43: Man kann jemanden als ARTE-Seher abstempeln? Wow! Ich möchte bitte als freundlich diffamiert werden.

  43. 44
    The_Vanguard says:

    Seit wann ist „ARTE-Seher“ eigentlich ein Schimpfwort?

    Grundlage beider Formate ist, so scheint es mir jedenfalls, die Dekonstruktion der Prominentenfigur. Da werden den Leuten die Füße an den Boden getackert, und alles, was über die Wolken hinausragt, wird abgeschlagen. Dahinter sehe ich eine Krabbeneimermentalität, die sicherlich durch die schon seit Jahren auf Überlast laufende Starproduktionsmaschinerie begründet ist: Weil uns tagtäglich Leute als Stars untergejubelt werden, von denen man häufig nie gehört hat, entsteht das Bedürfnis diesen Status auf dem Prüfstand zu sehen. Mehr noch: Die fraglichen Personen scheitern zu sehen, um das eigene Gefühl bestätigt zu bekommen, dass es sich nur um Wichtigtuer handelt.

    Formate wie Alm und Dschungelcamp fungieren deshalb nicht nur als Recyclingcenter für abgelaufene Produkte, sondern auch als Agenten des Dekonstruktionsbedürfnisses des Zuschauers. Die Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ macht dabei schon allein durch das titelgebende Konzept viel richtig. Dieser vermeintliche Rettungsspruch ermöglicht die komplette Flucht in die Persona des (Pseudo-) Stars, ist dabei aber auch gleichzeitg das Eingeständnis des Versagens auf menschlicher Ebene. Man könnte stattdessen auch „Ich bin zu schwach für die Realität, packt mich in Watte“ rufen. Dass die ganze Inszenierung auf perfide Weise konstant auf dieses Versagen zusteuert steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Bei einem inhaltlichen Verglich müsste deshalb, so mein Vorschlag, überprüft werden, inwieweit beide Formate die Gestaltung dieser Dekonstruktion betreiben, und wie erfolgreich sie dabei sind. Ich muss gestehen, dass ich beim Dschungelcamp die abschließende Wahl zu Königin oder König dabei besonders gelungen finde, da ich dabei immer an „König für einen Tag, Narr ein Leben lang“ denken muss. Für einen fundierten Vergleich mit der Alm fehlt mir aber das nötige Hintergrundwissen.

  44. 45
    Gregor Keuschnig says:

    Ich frage mich gerade, warum ProSieben „keinen Ruf mehr zu verlieren hat“. Klang das nicht mit Raabs Eurovision-Penetration noch ein bisschen anders?

    Und ein bisschen Loriot steckt auch in den Beitrag, wenn es heisst, die „drei Unbekannten hatten die Alm schon am Dienstagmorgen verlassen. Und waren bereits am Dienstagabend zurückgekehrt.“ Fehlt nur noch die Angabe, was sie am Mittwoch gefrühstückt haben.

  45. 46
    jonathan hart says:

    Es muss irgendeine mir unbekannte Glaubensrichtung geben, die den Gläubigen das Himmelreich verspricht, wenn sie sich nur immer wieder glaubwürdig von Unterhaltungssendungen distanzieren. Anders kann ich mir die vielen engeekelten Kommentare über derartige Formate AN SICH nicht erklären. Dass „Die Alm“ geistlose Unterhaltung ist, ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie schlecht gemachte geistlose Unterhaltung ist. Zu einem solchen Format gehört nun einmal eine liebevolle Inszenierung und beißender Spott. Und bei Pro7 lässt man dann Daniel Aminati ran, bei dem die Hautfarbe die Hauptqualifikation zu sein scheint. Der erinnert mich aus irgendeinem Grund immer an die unterirdischen Pierre Sanoussi-Bliss, den Nachfolger von Charles M. Huber auf der Position des Quotenschwarzen für’s reine Spießbürgergewissen beim „Alten“.

  46. 47
    Stefan Niggemeier says:

    @Gregor Keuschnig: Die Angabe, dass die drei am Dienstagfrüh gingen und am Dienstagabend wiederkamen, ist nicht ganz irrelvant, um zu beurteilen, wie dreist eine Pressestelle vorgeht, die am Mittwochabend eine „Eil“-Meldung versendet, sie hätten die Sendung verlassen.

  47. 48
    polyphem says:

    @Murks (#38): Nomen est omen ?
    „..steht für mich für das vorletzte Jahrhundert, eine traurige Zeit, die wir gottseidank hinter uns gelassen haben….“

    Meinen Sie die Zeit von 1800 bis 1899 n.C.? Wenn ja, sollten Sie bitte noch einmal ihr Geschichtsbuch bemühen. Und wer ist „wir“? Ich würde gern in diese Zeit zurück kehren. Zumindest zeit-weise.

  48. 49
    lab says:

    Die Kritik – so sie denn an Pro7 gerichtet ist – geht in die falsche Richtung.

    Skandalös ist doch nicht, dass Unternehmen ihre Produkte mit belanglosen Pressemitteilungen bewerben (wollen), sondern dass Journalisten das kaufen und solcherart offensichtliche Werbung als Nachricht betrachten…

  49. 50
    Thorsten says:

    @ polyphem: Als ich einmal in einem Freilichtmuseum war, in dem das Leben auf Bauernhöfen verschiedener vergangener Epochen gezeigt wurde, betonte der Museumsführer immer wieder: „Von der ‚guten, alten Zeit‘ kann keine Rede sein!“ Manche Menschen verklären diese Zeit zur Bauernhofromantik, dabei war das Leben auf den Bauernhöfen damals besonders hart. Ich nehme mal an, Murks bezog sich darauf. Und auch ich bin froh, im 21. Jahrhundert zu leen. Zumindest zeit-weise. ;-)

    @ Topic: Ich habe den Titel des Artikels zuerst als „Die Arschalm“ gelesen und musste spontan an „Achalm“ denken. Dafür möchte ich mich bei den Reutlinger Bürgern entschuldigen.

  50. 51
    Claus says:

    @SvenR #45: Nein, „Arte-Seher“ ist kein Schimpfwort. Es ist eine Schublade, in die ich als solche nicht gesteckt werden möchte, nur weil mir jene beiden Formate nicht gefallen wollen.

  51. 52
    alter Jakob says:

    @45 SvenR:

    Sprech „Limburger“ mal ohne das „i“ aus (das klappt zumindest bei mir ganz gut, klingt aber immer noch sehr ähnlich zum Original). Dann schneid das „burger“ ab und setz den vulgären Hintern davor…et voilà, schon hat man Arschlm in einem Zug in einer mMn vertretbaren Art ausgesprochen.

  52. 53
    Besenstiel says:

    Bei Twitter hatte ich an dem Tag gelesen, die Teilnehmer fänden die Sendung selbst zu blöd, um noch daran teilzunehmen.

    HAHA

  53. 54
    tacke says:

    @ LV
    Mensch LV, sieh´ es ein: Du hast das Dschungeldings nie geguckt, kannst nicht mitreden und solltest Dich über die hier empfangene Aufmerksamkeit nunmehr still freuen!

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