Armselig

21 Dez 11
21. Dezember 2011

Man verzweifelt ja häufig am Publikum. Weil es einem so qualitätsverachtend erscheint, so rätselhaft und unverständlich in seinen Konsumentscheidungen.

Aber nicht immer.

In den vergangenen eineinhalb Jahren haben sich nur zwei Hefte des „Stern“ am Kiosk so schlecht verkauft wie die Ausgabe 46/2011. Das erleichtert mich sehr. Ich weiß noch, wie ich im Supermarkt vor dem Heft stand, es fassungslos anstarrte und der Impuls, es als Monument der Schrecklichkeit kaufen zu müssen, schnell niedergerungen wurde von der Angst, dass mich jemand dabei sehen könnte.

35 Gedanken
  1. 1
    Tim says:

    Nun der Titel ist so wild. Das macht alles keinen Sinn. Voll komisch.

  2. 2
    stefanolix says:

    Aus dem Artikel von »meedia«:

    Nur 244.763 Interessenten fand der stern 46/2011 mit einer auf einen muskulären Oberarm tätowierten Angela Merkel als Titelheldin.

    Wenn ich mich auf den Menschen beziehe, schreibe ich: »er ist muskulös gebaut« oder »er hat einen muskulösen Oberarm«. Wenn ich mich im medizinischen Sinne auf den Muskel beziehe, schreibe ich: Der Sportler hat ein muskuläres Defizit.

  3. 3
    Aristoteles Pagaltzis says:

    Mein erster Gedanke beim Blick darauf war die Ähnlichkeit des Merkel-»Tatoos« mit dem Troll-Gesicht

  4. 4
    JMK says:

    Meedia zu korrigieren wäre eine Lebensaufgabe.

  5. 5
    Alberto Green says:

    @ Stefan: Tolle Überschrift!
    @ stefanolix: Mit dem „muskulär“ klingt der Meedia-Artikel, als wäre er von Olaf Schubert geschrieben worden.

  6. 6
    stefanolix says:

    @Alberto: Bei Olaf Schubert könnte sich das (eng angelehnt an das Original) so anhören:

    Der Mensch ist ja in seiner gesamten Darreichungsform eher unterschiedlich. Der eine ist am Arm eher mussgulär [spannt seinen Bizeps an], bei dem anderen zeigt sich am Bauch schon der Schnitzelfriedhof …

    Youtube: „Olaf Schubert: Menschen“

  7. 7
    Axel_K says:

    Wäre so ein Titelbild auch ohne die Fußball-WM 2006 passiert? Ich habe den Eindruck, damals sind ein paar falsche Weichen in den Köpfen gestellt worden.

  8. 8
    PK Dick says:

    Ja, war schon eine Frechheit, schwarzrotgold rumzulaufen.

  9. 9
    Andreas says:

    @Axel_K Die nationalistische Komponente in der deutschen Politik ist noch immer ziemlich schwach ausgeprägt, verglichen mit dem , was woanders passiert.

  10. 10
    faulersack says:

    Geht’s nur mir so, oder wäre das Titelbild noch halbwegs witzig, wenn nicht direkt daneben „PREUßEN“ prangen würde…

  11. 11
    Axel_K says:

    @9 Andreas: Möge es so bleiben. Der Stern arbeitet ja gerade dagegen an.

    @8 PK Dick: Du scheinst kein Freund von Differenzierung zu sein.

  12. 12
    stefanolix says:

    Gerade seit der WM 2006 haben rassistische und nationalchauvinistische Kräfte unter den Fußballfans heftige Niederlagen einstecken müssen. Sie haben z.B. vor der WM gegen Nationalspieler gehetzt, die ursprünglich aus anderen Staaten stammen.

    Was ist dann geschehen? Erstens gab es nach langen Prozessen endlich eine Verurteilung wegen Volksverhetzung gegen einen führenden NPD-Funktionär (allerdings laufen Berufungsverfahren bis heute).

    Zweitens sind NPD & Co. mit ihrer Hetze auf der ganzen Linie gescheitert: heute sind die Nationalspieler »mit Migrationshintergrund« zu allseits respektierten Leistungsträgern geworden. Wer seit den WM-Turnieren 2006/2010 für Deutschlands Fußballer jubelt, der bezieht Özil, Khedira, Boateng & Co. selbstverständlich mit ein.

    Mit der WM 2006 begann also unter den deutschen Fußballfans eine weitgehend positive Entwicklung. Heute stehen dumpfe Nationalisten zu Recht im Abseits, wenn sie eine Nationalmannschaft nur mit »deutschstämmigen« Spielern besetzen wollen oder wenn sie ausländische Spieler rassistisch beleidigen.

    Deshalb beunruhigen mich die schwarz-rot-goldenen Fahnen überhaupt nicht. Es geht nicht um Aggression oder Chauvinismus, sondern um die Freude am sportlichen Wettbewerb.

  13. 13
    Matthias says:

    @stefanolix: Im Fußball vielleicht (wenngleich ich da auch schnell zahlreiche Ausnahmen aufzählen könnte), aber wenn man sich andere Themenbereiche ansieht (z.B., äh, Politik?), dann sieht die Sache ein wenig anders aus.

  14. 14
    stefanolix says:

    Es war eine Antwort auf Axel_K, sein Kommentar bezog sich auf die WM 2006 und die Nationalfarben.

    Dass es in anderen Bereichen immer noch Nationalismus gibt, auch von der dumpfen und dummen Sorte, will ich überhaupt nicht bestreiten. In der zweiten und dritten Liga gibt es sehr finstere Ecken in manchen Stadien.

    Aber die Stimmung von hunderttausenden Fans der Nationalmannschaft wirkt natürlich in die Gesellschaft hinein. Viele Deutsche haben die Nationalmannschaft als Gesamtheit für sich »adoptiert«. Zumindest diese Deutschen scheinen mir resistent gegen NPD und Neonazismus zu sein: Wer ein wirklicher Fan der Nationalelf ist, jubelt Schweinsteiger und Neuer genauso wie Cacau, Özil und Khedira zu.

    PS: Übrigens verwenden die Neonazis nicht Schwarz-Rot-Gold, sondern andere Farbkombinationen und Symbole.

  15. 15
    Wilz says:

    Ich hatte mich ja schon immer gefragt, warum der Stern (also der Stern auf dem „stern“) so verwurschtelt ist. Mir deucht, für genau diese Fälle: Wenn man mal einen Mann mit ausladendem Hut auf der Titelseite unterbringen muss.

  16. 16
    Twipsy says:

    Welcher Journalist lässt sich denn freiwillig den Kanzler/in tätowieren? Außer Kai Diekmann, natürlich.

  17. 17
    A.L. Dreyfus says:

    @Twipsy
    Hans-Ulrich Jörges natürlich, das eigentliche Grauen im Innenteil des „Stern“!
    Am nächsten Tag würde er es natürlich weglasern lassen, weil er über Nacht seine Meinung zu Merkel mal wieder komplett über den Haufen geworfen hätte.

  18. 18
    A.L. Dreyfus says:

    …zusammen mit den Meinungen zu SÄMTLICHEN anderen Themen natürlich.

  19. 20
    LV says:

    @19 Albert

    Wie geil. Ist das echt so erschienen?

  20. 21
    Albert says:

    Jep, Eigenscan.

  21. 22
    OJ says:

    Wozu die Aufregung? Wahrscheinlich muss man jahrelang auf Journalistenakademien rumgehopst sein, um das „Monument der Schrecklichkeit“ als solches ausmachen zu können. Klärt mich jemand auf?

  22. 23
    roy felgner says:

    @ 22:

    Wenn Du an diesem Titelbild nichts Schreckliches erkennen kannst, ist Dir wirklich nicht zu helfen.

  23. 24
    Michael says:

    Bitte helft mir auch.

  24. 25
    Petra says:

    Wie hätte der photogeshopte Oberarmbizeps ausgesehen, wenn das Objekt der Begierde Amy Whinehouse mit ihrer Turmfrisur gewesen wäre?

    @Albert
    Wozu scannt man solche Katasphropen auch noch für die Nachwelt ein?

  25. 26
    gnaddrig says:

    @ Petra (#25): Scannen gegen das Vergessen…

  26. 27
    Albert says:

    @Petra (#25): Genau. Für die Nachwelt.

  27. 28
    Matthias Schumacher says:

    Euro: Schtonk! Kanzlerin: Schtonk! Stern: Schtonk!

  28. 29
    anton bibersberg says:

    wen interessiert das?
    könnte man sich als journalist fragen.

    niemand könnte eine mögliche antwort sein.

    wie kommt sowas zustande in sendern?

    könnte eine gute frage sein.

    im wdr zum beispiel ist glaube ich das verhältnis von
    denen, die etwas tun, und denen die das verwalten
    1 zu 5 das heisst grob geschätzt 500 tun was
    3000 verwalten die tuenden.

    glauben sie ernsthaft, dass jemand verantwortung für etwas
    übernehmen will, soll, kann?

    das wäre, bytheway, mal ne wirklich gute frage.

    und sie fordern was genau?
    dass ein youtubevideo nicht gelöscht wird?

    dass frau streisand sozusagen woanders wohnt?

    ich erhelle ihren horizont:
    frau streisand wird nicht umziehen.

    ich habe das video gesehen und fand es lustig und prima. bemerkenswert fand ich
    dass jemand seine zeit damit verschwendet, sowas herzustellen.

    der ansatz ist gut. sowohl von den machern also auch von den kritikern.

    was dabei verloren geht oder nie da war:

    ob im auto oder nicht.

    das ganze is so erzkonservativ und langweilig, dass die deutsche rentnerarmee frohlockt.

    und da treffen sich streisand und journalismus.

    die frage ist muss das dauernd
    auch in blogs wie ein streisand song dauergeschleift werden?

    habt ihr nix besseres zu tun, als diesem subventionsquatsch die hand zum kompromiss zu reichen?

  29. 30
    Österreicher says:

    Würde bitte auch gerne aufgeklärt werden, was an dem Titel so schrecklich sein soll.

    Danke

  30. 31
    gnaddrig says:

    @ Österreicher: Ich versteh’s auch nicht. Angela Merkels Konterfei als Tätowierung auf dem Bizeps zeugt ganz eindeutig von Stilsicherheit und gutem Geschmack. Genauso wie das schwarzrotgoldene T-Shirt.

  31. 32
    OJ says:

    Verstehe die Überheblichkeit nicht. Über Geschmack kann man sicher trefflich streiten, aber wo da jetzt die verdammungswürdige Todsünde stecken soll, ist mir schleierhaft.

  32. 33
    Dennis says:

    Mal abgesehen davon, dass das eine Layout Sünde ist, sghe ich in dem Cover dieser stern Ausgabe jetzt nich t direkt den Bruch mit sonstiger Stern Titelbild Ästhetik — ist doch der Stern so etwas wie die Bild für politisch interessierte mit wenig Lust auf Buchstaben.

  33. 34
    Großer Bruder says:

    Was an diesem Titelbild schrecklich ist? Ganz einfach: es ist keine nackte Frau drauf. Man hätte das Bild von Frau Merkel statt auf einen Oberarm auf eine Brust tätowieren sollen, das hätte seitens der Stern-Leser auch nicht soviel neue Sehgewohnheiten erfordert.

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  1. […] absolut unnötig. Es ist kein Wunder, dass der Stern keine Ausgaben verkauft mit ‘nem Preußen-Aufmacher. Warum zogen Politiker es vor, gerade an dieser Stelle blind die Scheine auszustellen, sodass die […]

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