Heucheln und heucheln lassen

18 Jan 12
18. Januar 2012

Stefan Winterbauer, der Blinde unter den Einäugigen beim Braanchendienst „Meedia“, hat das Spiel längst abgepfiffen. Die „taz“ sei zum wiederholten Male beim Versuch gescheitert, „Bild“-Chef Kai Diekmann vorzuführen. „Genauso wie Lucy Charlie Brown in letzter Sekunde den Ball wegzieht, lässt sich die taz immer wieder von Kai Diekmann am Nasenring durch die Medienmanege führen“, urteilte er gestern.

Die „taz“ hatte Diekmann öffentlich Fragen gestellt zum undurchsichtigen Umgang seines Blattes mit der Nachricht, die Bundespräsident Christian Wulff auf seiner Mailbox hinterlassen hatte. Diekmann machte erst einen Witz daraus, der von „Meedia“ gleich aufgeregt nacherzählt wurde, und ließ die Pressestelle dann antworten. „Die Antworten der Bild“, urteilt Winterbauer, „enthielten nichts Brisantes oder Neues, sondern ausführlich dargestellt noch einmal die Angaben zu den Abläufen und die redaktionellen Erwägungen, warum die Mailbox-Nachricht zunächst in der Berichterstattung thematisiert wurde.“

(Er meint vermutlich: nicht.)

Dabei ist die Antwort von „Bild“ in mehrfacher Hinsicht entlarvend. Zum Beispiel schreibt die Pressestelle:

Nachdem die Redaktion die Abschrift der Nachricht an das Büro des Bundespräsidenten übermittelt hatte, häuften sich bei der Axel Springer-Pressestelle Anfragen von Journalisten zum vollständigen Inhalt der Nachricht. In Gesprächen wurden einige der bereits bekannten Passagen erläutert.

Wer in seinem Beruf ein bisschen mit Antworten von Pressestellen zu tun hat, kann erahnen, dass die Formulierungen im letzten Satz wohl vor allem der Verschleierung dienen. Journalisten rufen bei Springer an, wollen den kompletten Text wissen und die Pressestelle „erläutert“ „einige der bereits bekannten Passagen“? Was bedeutet das überhaupt? Man muss vermutlich bei einem PR-affinen Unternehmen wie „Meedia“ arbeiten, um das für eine befriedigende oder gar erschöpfende Antwort von „Bild“ zu halten.

In Wahrheit war es offenbar so, dass „Bild“ mehreren Journalisten zu verschiedenen Zeitpunkten die Abschrift der Nachricht am Telefon vorgelesen hat — unter der Maßgabe, das Gespräch nicht mitzuschneiden und es nicht vollständig zu veröffentlichen.

Insofern stimmt es in einem sehr engen, sehr wörtlichen Sinne womöglich auch, wenn „Bild“ der „taz“ antwortet:

Eine Abschrift der Nachricht wurde von der Pressestelle an keine Zeitung oder Zeitschrift geschickt. Es gab keinen Auftrag an Redakteure von Bild, die Nachricht oder Passagen daraus weiterzugeben.

Nicht nur an dieser Stelle klaffen größere Lücken in der Antwort von „Bild“. Genau genommen äußert sie sich nur über ihr Verhalten vor dem 1. Januar und nach dem 5. Januar — das ist leider der „taz“ ebensowenig aufgefallen wie Winterbauer. Dabei ist gerade der Zeitraum dazwischen interessant, in dem die Geschichte in die „Süddeutsche Zeitung“ kam und dann explodierte. In dem die „Bild“-Zeitung so tat, als habe sie nichts mit der Berichterstattung zu tun. Weshalb sie dann ganz scheinheilig den Bundespräsidenten fragen konnte, ob sie die Nachricht veröffentlichen dürfe, und ganz scheinanständig darauf verzichtete, als er ablehnte.

Ich würde unterstellen, dass die Leerstellen in den Antworten von „Bild“ sehr bewusste Leerstellen sind. Es wirkt ein bisschen, als würde man gefragt, ob man eine Geschäftsbeziehung zu einem Unternehmer gehabt habe, und verneint, weil man ja nur mit seiner Ehefrau einen Kreditvertrag hatte.

Als ich den „Bild“-Sprecher für „Spiegel Online“ nach einigen dieser Leerstellen fragte, war es plötzlich vorbei mit der Transparenz, die man dem Publikum und Leuten wie Winterbauer vorgespielt hat. Es gab auf keine meiner Fragen eine Antwort. Das ist kein Wunder, denn das ist das normale Verhalten des „Bild“-Sprechers. Zu laufenden Verfahren, zu redaktionellen Entscheidungen, zu Personalspekulationen, zu Interna, zu Thema XY äußert er sich grundsätzlich nicht.

Wenn dieser Verlag, wenn dieses Blatt, jemanden anders zu Transparenz und Wahrhaftigkeit auffordert, dann ist das selbst dann ein böser Witz, wenn die Forderung berechtigt sein sollte.

Aber Kai Diekmann sagt auf kritische Nachfragen manchmal etwas Lustiges, das man aus der Ferne mit Selbstironie verwechseln könnte. Nicht nur für die Leute von „Meedia“ ist das mehr wert als jede Wahrheit. Auch deshalb kommt „Bild“ so oft mit ihren Halbwahrheiten und Heucheleien durch.

71 Gedanken
  1. 1
    meykosoft says:

    „Wenn dieser Verlag, wenn dieses Blatt, jemanden anders zu Transparenz und Wahrhaftigkeit auffordert, dann ist das selbst dann ein böser Witz, wenn die Forderung berechtigt sein sollte.“

    Diese Formulierung hat mir gefehlt. Danke.

    Ich werde sie sicherlich bei Gelegenheit verwenden… (natürlich als Zitat ;)).

  2. 3
    Sebastian says:

    Ich finde es prima dass Du auf Deine Artikel hinweist und sie hier erläuterst, da ich SPON weiterhin grundsätzlich nicht lesen möchte. Ich hab nachdem Du da angefangen hast wieder probeweise die Hauptseite geöffnet und mich macht das immer wieder sauer weil ich früher (zwischen 2000 und 2005) regelmäßig dort jeden Artikel gelesen habe und es jetzt so extrem anders ist.

    Danke.

    Wenn’s nur ne einfache Möglichkeit gäbe jeden Artikel der dort von Dir veröffentlicht wird zu bekommen… ich glaub ich sollte mal in Google Alerts wühlen…

  3. 4
    Gregor Keuschnig says:

    Fazit: Wulff hat „Glück“ gehabt, Diekmann auf die Mailbox gesprochen zu haben. Wäre dies beim Chefredakteur der SZ oder beim Spiegel passiert, wäre der Präsident nicht mehr im Amt; die Medienreflexion würde wenn überhaupt erst nach Wulffs Demission einsetzen.

    In leichter Abwandlung: „Wenn dieser Verlag, wenn dieses Blatt, jemanden anders zu Transparenz und Wahrhaftigkeit auffordert, dann ist das selbst dann richtig, wenn es eigentlich ein Witz wäre.“

    Zu wenig thematisiert wird mir die Willfährigkeit von SZ, FAZ und Spiegel, die vorgehaltenen Bröckchen von Bild gierig aufzuschnappen. Das zeigt, dass diese schicke Springer-Empörungsritualmaschine innerjournalistisch ein veritabler Oldtimer ist: In Wirklichkeit spielt man mit den Schmuddelkindern kooperiert man mit den „Kollegen“ wohl ganz gerne.

  4. 5
    Patrick says:

    Keine Ahnung warum sich der Verein überhaupt Branchendienst nennen darf. Die einzige Möglichkeit einen Journalisten mehr zu beleidigen als mit „BILD-Niveau“ wäre „Meedia-Niveau“. Aber man schreckt vor dem Einsatz von Atomwaffen ja generell zurück.

  5. 6
    theo says:

    offtopic: wie bekommt man eigentlich das Durchstreichen hin (siehe #3)? Ich werde wohl einer der wenigen Menschen sein, die das immer noch nicht wissen. Aber Hinweis wäre nett. :-)

  6. 7
    meykosoft says:

    @4 Gregor Keuschnig
    Nöö, Ihre „Abwandlung“ überzeugt mich nicht wirklich…

  7. 8
    Alex says:

    Ich schätze ja die Mühe, die sich der Hausherr ein ums andere Mal mit „Meedia“ macht. Aber ist ein „Braanchendienst“, der täglich mit einer Nacherzählung der Dschungelcamp-Sendung vom Vorabend aufmacht, überhaupt noch satisfaktionsfähig?

  8. 9
    guido says:

    @Theo: durchstreichen geht mit html tags einfach vor dem text (strike> und hinter dem text wieder schließen (/strike > und die runde klammer durch die spitze ersetzen, geht hier leider nicht da es sonst als html wieder verschwindet :)

    siehe http://de.selfhtml.org/html/text/physisch.htm

    @Stefan sorry für offtopic

  9. 10
    starkstromliesel says:

    Nun Herr Niggemeier, da muss ich Sie als Spiegel-Journalist, der Sie ja mittlerweile sind, ganz konkret fragen: Warum erst jetzt?

    Warum wendet sich der Spiegel erst jetzt mit einer kritischen Reflexion über das Verhalten der BILD-Zeitung in der Causa Wulff an die Öffentlichkeit?

    Warum hat man sich davor mit den Praktiken der Bild gemein gemacht, indem man willfährig das Spiel der Bild mitgespielt hat?

    Warum erst jetzt im Kielwasser der taz und nicht als Flaggschiff voran?

    Kommt mir vor wie bei einer Prügelei, in der man erst mal den Anderen vorschickt, schaut was passiert und wenn der Erfolg hat, hängt man sich aus der zweiten Reihe dran, damit man auch noch sagen kann, dass man tapfer mitgekämpft hat und einem jetzt aber auch ein Stück vom Kuchen gehört.

    Und warum muss ich am gleichen Tag zwar Ihren Artikel auf SPON lesen, aber gleichzeitig auch einen Artikel über die Bobby Car Affäre, die SPON willfährig von der Berliner Zeitung übernommen hat?

    Und in dem es von Worten wie „hätte“, „könnte“, „eventuell“und „vielleicht“ nur so wimmelt, was mit Recherche und qualifiziertem Journalismus aber auch wirklich gar nichts mehr zu tun hat?

  10. 11
    starkstromliesel says:

    Kleine Zusatzfrage

    Nennt da nicht der eine Heuchler (Spiegel) den Anderen Heuchler, um nicht selbst als Heuchler dazustehen?

  11. 12
    janar says:

    @4:

    Mir geht es ähnlich, wenn ich mir all die anderen JournalistInnen so anschaue, die in diesem Zusammenhang der BILD assistierten. Prof. Posner-Landsch meinte mal in einem ihrer Proseminare, es sei für jede/n Journalisti/en ein absolutes Muß, täglich die BILD zu lesen. Um zu wissen, wie die Branche funktioniert (damals gab es noch keinen Braanchendienst).

    Ich habe das nie begriffen und diesem Gewerbe den Rücken zugewandt. Nicht (nur), weil ich die BILD nicht mag. Es ist die unehrenhafte Art und Weise, wie mit Informationen untereinander gehandelt wird, bezüglich Wulff bei BILD, FAZ, SZ und wer weiß wo sonst noch. Wenn „intern“ schon lange über Wulff geredet wurde – warum dann das Zurückhalten von Informationen? Was wird damit bezweckt wenn nicht eigene Interessen der Branche?

    Für mich sind sie mittlerweile alle gleich, ob sie nun für die FAS oder den Spiegel ihre Kolumne schreiben. Ich bin für mich selbst nie damit klargekommen, bei diesem unaufrichtigen Spiel Akteur zu sein – und so beobachte ich es von außen nicht weniger empört und erstaunt.

    @theo:

    Den durchzu streichenden Text setzt frau/man zwischen die Anweisung strike, also

    [strike]streich mich durch[/strike].

    Statt eckiger Klammern nur das „kleiner als“- resp. „größer als“-Zeichen verwenden.

    janar

  12. 13
    Christian says:

    Lieber Herr Niggemeier, ich frage mich immer wieder, warum Sie Ihre Journalistenkollegen eigentlich stets mit populistischen Schimpfwörtern traktieren müssen, bevor Sie deren inhaltliche Arbeit zerpflücken.

  13. 14
    Martin says:

    Ist das in der Branche nicht mittlerweile ein offenes Geheimnis, wer da mit wem telefoniert hat und zu welchem Zeitpunkt?

  14. 15
    andreas says:

    Freue mich jetzt schon auf die Schlagzeilen der ganzen Pressemeute am morgigen Tag.
    Normalerweise müsste die ganze Bild Journalie auf Seite 1 ganz große Entschuldigungen drucken für das zerschlagene Porzellan.
    Heute hat nämlich sogar die Staatsanwaltschaft Stuttgart festgestellt, das weder der BP noch die BW Bank rechtswidrig gehandelt hat und auch eine Vorteilsnahme im Amt nicht vorliegt.
    Hier wäre ein Gang nach Canosa fällig für den Obersch….. Diekmann. Die Geschichte mit dem Anrufbeantworter war ja eine mustergültige Vorlage die von Anfang an nur Bildzeitungsniveau hatte. Ich konnte dadurch meinen Sohn mit 14 Jahren wieder einmal ganz deutlich zeigen wie Toll doch 90% unserer Medien sind. Man muss sich schämen für diese Machenschaften.

  15. 16
    ts says:

    @ andreas:

    Ich sehe nicht, wo da gegenüber Wulff Anlass für eine Entschuldigung bestehen würde. In der Sache ändert die fragwürdige Berichterstattung einiger Medien nichts daran, dass Wulff sich in höchstem Maße unpräsidial verhalten hat.

    Dass die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt, ist so hinzunehmen – was die Vorteilsnahme angeht, gab (und gibt) es da aber auch durchaus ernstzunehmende anderslautende juristische Auffassungen. Auch die Vereinbarkeit mit dem niedersächsischen Ministergesetz steht doch noch sehr zur Diskussion.

    Und all diese rechtlichen Aspekte ändern nichts daran, dass Herr Wulff sich in jedem Fall weder bei der Finanzierung des Hauses, noch bei seinem Krisenmanagement so verhalten hat, wie es ein Präsident tun sollte. All das ist auch etwas, worüber berichtet werden sollte, im Großen und Ganzen auch in der Form und dem Ausmaß, in dem es erfolgt ist.

    Alles Andere ist berechtigte Medienkritik, die aber Wulff in keiner Weise vom Haken lässt und keinerlei Grund für eine Entschuldigung bei ihm gibt.

  16. 17
    MP says:

    Tausche ein „ß“ gegen ein „l“ im ersten Absatz (Male statt Maße).

    Ich frage mich, warum wir jahrelang über Politik(er)verdrossenheit diskutieren. Journalisten, die unseren Eindruck von Politikern maßgeblich formen, sind (in der Regel) offensichtlich genauso verdorben oder vielleicht viel schlimmer (wer kontrolliert die eigentlich?).
    Interessant ist auch, dass hier die politischen Lager überkreuz handeln. Wer hätte gedacht, dass die konservative FAZ/FAS Hand in Hand mit der populistischen Bild/BamS agiert, aber Spiegel, Stern und Zeit eher zurückhaltend mit dem christlich-liberalen Bundespräsidenten Wulff umgehen.

  17. 18
    Timo says:

    @mp: Spiegel zurueckhaltend?? Mit „der falsche praesident“? und dass die staatsanwaltschaft nicht ermittelt muesste dann ja auch Gutti rehabilitieren? 500 000 fuer einen MP , der alles tut, um die Quelle zu verheimlichen? schreiben hier jetztveigentlich Wulffs Anwaelte oder die CDU?

  18. 19
    Stefan Niggemeier says:

    @Sebastian (#3): Ich werde demnächst mal sehen, ob ich nicht meinen Google-Plus-Account dafür nutze oder hier im Blog irgendwo eine Ecke dafür finde. Ich schreibe allerdings auch nur sporadisch für „Spiegel Online“ und vor allem für den gedruckten „Spiegel“.

    @Alex (#8): „Meedia“ ist hier ja nur der Aufhänger für eine Haltung, die weiter verbreitet ist. Und in Wahrheit geht es um „Bild“ — und natürlich die Frage, warum die so leicht damit durchkommen, zu täuschen, zu vertuschen, zu desinformieren.

    @starkstromliesel (#10):

    1. „Spiegel Online“ und der gedruckte „Spiegel“ sind zwei unterschiedliche Medien; es hilft sehr, das zu unterscheiden.
    2. Ich kann weder für „Spiegel Online“ noch für den „Spiegel“ sprechen, sondern nur für mich.
    3. Ich habe bei „Spiegel Online“ schon am 2. Januar in einem Artikel versucht, die Rolle von „Bild“ und den Weg von „Bild“ in die anderen Medien nachzuzeichnen. Im aktuellen „Spiegel“ finden Sie außerdem einen längeren Text von mir über die Frage, wie berechtigt die Verdrossenheit größerer Teile des Publikums über die Medien und ihre Rolle in diesem Spiel sind.

    @Christian (#13): In diesem Fall handelt es sich eher um Running Gags.

    @Martin (#14): Weiß ich nicht. Mir ist das im Detail immer noch nicht ganz klar. Aber ich weiß genug, um zu wissen, dass die vermeintlichen Antworten von „Bild“ grob irreführend sind. Nebelmaschinen, sozusagen.

  19. 20
    Martin says:

    @Stefan Niggemeier: Würde mich sehr über Hinweise auf g+ freuen. Dort gibt es meiner Erfahrung nach auch ein diskussionsfreudiges Publikum.

  20. 21
    polyphem says:

    Als die Leser Wulff vermissten,
    wendet sich erneut das Blatt.
    Jetzt behaupten Journalisten:
    „Ein Bobbycar saust durch die Stadt.“
    „Drinnen sitzen Präsidenten,
    drehen selbst am Steuerrad.“
    Und die Zeitungsproduzenten
    sind schon wieder auf dem Pfad
    der Erleuchtung, um zu raten,
    ob man die privaten Fahrten
    ordentlich versteuert hat.

  21. 22
    Upton Sinclair says:

    Hahaha. Skandal. „Bild“-Sprecher gibt Stefan Niggemeier von Spon keine Auskunft. Woran das wohl liegen könnte?

  22. 23
    DÖnitz says:

    Wer sich noch an die fürchterlichen Artikel des Herrn Winterbauer über den Fall, der in Mannheim verhandelt wurde, erinnern kann, wird sich über seine sehr ausbaufähigen journalistischen Fähigkeiten nicht mehr weiter wundern. Meedia ist so etwas wie ein Wiederkäuer der deutschen Medienlandschaft: woanders schon Ausgespucktes wird hier nochmals auf Nährwerte geprüft (und dann den Lesern vorgesetzt).

  23. 24
    Sebastian says:

    Oh das wäre toll. Ich nehme was ich kriegen kann, schon Mal Danke im Voraus :-)

    Wenn einzelne Spiegel-Artikel zum gleichen Anteilspreis zu haben wären den sie am Gesamtheft ausmachen, würde ich sogar Micropayment machen aber Artikel kosten immer ein Drittel Heftpreis und deshalb fällt das für mich leider aus. Da Flattr ich lieber hier :-).

  24. 25
    Stefan W. says:

    Ich meine <strike> so wird das nix </strike> ;)

    Wer war eigentlich dieser Wulff?

  25. 26
    senta rieger says:

    Nur mal so als Leckerbissen:
    Gertrud Höhler hat heute bei Sandra Maischberger einen sehr interessanten Gedanken versucht zu formulieren, der bei den
    an der Runde beteiligten Herren entweder nicht verstanden wurde- oder wegen Bläh-Gehabe an den Rand gedrängt wurde und unterging.

    Sie stellte die Mutmaßung an: Merkel habe ein Interesse, dass Wulff scheitert (= Zeitpunkt bestimmt sie), weil damit das Amt selbst obsolet wäre (nach ihren Erfahrungen mit Köhler vielleicht aus ihrer Sicht naheliegend)-läßt sich daraus evtl. die Schiene Merkel-CDU-Bild ableiten? Das wäre doch mal ein interessanter Aspekt. Dann hätten wir es aber tatsächlich mit einer veritablen Kampagne zu tun.

  26. 27
    Gregor Keuschnig says:

    @26/senta rieger
    Frau Merkel bestimmt nicht, wann das Amt des Bundespräsidenten überflüssig ist und wann nicht. Insofern ist Höhlers These – freundlich ausgedrückt – gewagt.

    Dass Bild dauernd in Verschwörungstheorien genannt wird, schmeichelt diesen Leuten natürlich. Ich halte das für groben Unsinn. Die Springer-Presse hatte 2010 Gauck als Präsidentschaftskandidat unterstützt, nicht Wulff. Homestories nimmt man, weil man damit Auflage bekommt (es soll Leute geben, die sowas interessiert). Die Abwägung, einen Bundespräsidenten auf Abwegen zu zeigen versus später entgehende Homestories fällt dabei eindeutig aus: Irgendwann erschöpfen sich diese Familienbildchen sowieso.

    Die Rolle der Bild-Zeitung hatte ich schon am 13.12. befragt. Es war sehr merkwürdig, wie die sogenannten seriösen Medien Bild als selbstverständliche Quelle angaben. Das setzte sich dann später mit dem ominösen Anruf bei Diekmann fort.

    Davon vollkommen unabhängig sind die Taten Wulffs zu bewerten. Derzeit kippt die Situation aus zwei Gründen: (1.) Die Salami ist zu Ende – es gibt nichts Neues gegen Wulff mehr (außer Lächerlichkeiten). Und (2.) langsam dämmert es einigen Journalisten, wem sie da aufgesessen sind.

  27. 28
    senta rieger says:

    @27

    Die Höhler-These mag gewagt sein-aber wer weiss schon, was die ostdeutsche Mutti wirklich umtreibt. Vielleicht ist sie im Grundgesetz gar nicht so verwurzelt, wie man anzunehmen geneigt ist-vielleicht interessierte sie -von Beginn an- das Straucheln des Amtes. Dafür war Wulff vielleicht -bereits damals bekannt- der richtige Kandidat.

    Und gerade, weil Springer den Gauck wollte, machen sie jetzt den Wulff- in Absprache. Vielleicht ist die Strategie komplizierter als gedacht.

  28. 29
    silvio machunze says:

    @senta rieger

    herbeikonstruierter unsinn und was soll dieser verweis auf „ostdeutsche“ von ihnen? nach ihnen ist es denkbar, dass angie das amt des bp abschaffen wlll, weil sie durch ihr aufwachsen in der ddr ein demokratiedefizit hat? und das indem sie wulff erst inthronisiert und danach nicht stützt, wenn er strauchelt? oder schon von anfang an wusste, dass er straucheln wird?

    die weltfremde äußerung der dame wurde von den herren nicht wegen imponiergehabe beiseitegewischt, sondern wegen lächerlich unrealistischer gzsz-haftigkeit. angie ist nicht joe gerner! aber teilweise geht mir die aufgeblasenheit der männlichen medienschaffenden auch auf den keks. wenn das allerdings durch weibliche soap-drehbücher-fantasien ersetzt wird, hilft uns das wenig.

  29. 30
    Realsatiriker says:

    „Weshalb sie dann ganz scheinheilig den Bundespräsidenten fragen könnte“

    Konnte. Ansonsten ein gewohnt erhellender Beitrag, danke.

  30. 31
    starkstromliesel says:

    @ Stefan Niggemeier

    Zitat Niggemeier:

    „1. „Spiegel Online“ und der gedruckte „Spiegel“ sind zwei unterschiedliche Medien; es hilft sehr, das zu unterscheiden.“

    Was wollen Sie mir mit diesem Satz sagen? Etwa, dass die Onlineausgabe eines Verlages weniger seriös recherchieren darf?

    Dass die Online-Journalisten sich nicht an Standards halten müssen?

    Dass ich auf einer Online-Plattform eines Verlages nicht die gleiche Qualität erwarten darf wie bei der Printausgabe?

    Online und Print sind vielleicht zwei verschiedene Medien. Aber doch hoffentlich nur, was den Kommunikationskanal anbelangt.
    Ansonsten werden doch über beide Kanäle Informationen in Wort und Bild zu entsprechenden Themen verbreitet.

    Und da sollten journalistische Sorgfaltspflicht, Recherche, Qualitätsanspruch usw. absolut identisch sein. Oder sehen Sie das tatsächlich anders?

  31. 32
    Stefan Niggemeier says:

    @starkstromliesel: Nichts von alledem wollte ich sagen. Ich wollte sagen, dass „Der Spiegel“ nicht identisch ist mit „Spiegel Online“ und beide Redaktionen gelegentlich unterschiedliche Entscheidungen treffen.

    Und ich wollte andeuten, dass Ihre Frage,

    Warum wendet sich der Spiegel erst jetzt mit einer kritischen Reflexion über das Verhalten der BILD-Zeitung in der Causa Wulff an die Öffentlichkeit?

    in die Irre führt, wenn Sie mit „der Spiegel“ „Spiegel Online“ meinen.

  32. 33
    starkstromliesel says:

    @ Niggemeier

    Hmh, ob diese Art der Trennung von der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen wird? Ich gehe mal davon aus, dass eine große Mehrheit der Deutschen wenn sie von „der Spiegel“ spricht, nicht zwischen Redaktion Spiegel Print und Redaktion Spiegel Online unterscheidet, sondern den Verlag als Ganzes betrachtet. Eher wird wahrscheinlich geglaubt, dass Spiegel Online der Ableger der Printversion ist, garniert mit tagesaktuellen Themen.

    Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass Spiegel Online der Printausgabe extrem schadet, eben weil der Leser die beiden Redaktionen nicht trennt. Ja ich unterstelle damit der Onlineplattform eine wesentlich schlechtere journalistische Qualität, einen nicht sorgsamen Umgang mit Informationen, mangelnde Recherche usw.

    Wie oft habe ich die letzten Jahre in meinem Bekanntenkreis gehört, dass der Spiegel immer schlechter wird. Die lesen zwar nur die Onlineausgabe, werfen aber beide Redaktionen in einen Topf. Ist halt der Spiegel. Die kämen nie auf die Idee ein Printabo zu bestellen, eben wegen der schlechten Online-Version. Da schadet das schlechte Image von SPON ganz klar dem Magazin.

    Wenn es also auch Aufgabe von Spon sein sollte, auch mal Printabonennten zu gewinnen, ist das Verhalten dieser Online-Redaktion absolut kontraproduktiv.

    Und was die Unterschiedlichkeit in der Entscheidung beider Redaktionen anbelangt, so geben sie mir ja indirekt recht mit meiner Einlassung in Kommentar 31. Sie können es eben nicht so deutlich sagen. Ist mir ja auch klar.

  33. 34
    Stefan Niggemeier says:

    @starkstromliesel: Nein.

  34. 35
    starkstromliesel says:

    @ Niggemeier

    Ich nehme mal an, ihr Nein bezieht sich auf den letzten Absatz.
    Oder etwa auch auf den Rest??

  35. 36
    Alberto Green says:

    @ starkstromliesel: Inwiefern kann eines der erfolgreichsten (das erfolgreichste?) Online-Nachrichtenportale (mit im Oktober 2011 neunstelligen Aufrufen, s. wikipedia) für die Printversion schädlich werden, wenn man die Trennung nicht wahrnimmt? Nur weil sie, ich und einzwei andere Interessierte eine „schlechtere journalistische Qualität“ wahrnehmen?

  36. 37
    Stefan Niggemeier says:

    @starkstromliesel: Mein „Nein“ war der Versuch, mich in so kurzer Form von all Ihren Interpretationen zu distanzieren, dass es Ihnen nicht als Vorlage dienen kann für weiteres Reininterpretieren.

  37. 38
    starkstromliesel says:

    @ Alberto Green

    Ich glaube nicht, dass Spiegel-Online aufgrund des qualitativen Journalismus so erfolgreich ist. Das sehe ich viel pragmatischer.

    SPON ist so erfolgreich, weil eine große Mehrheit der Bevölkerung einfach links-orientiert ist. Dass eine andere Parteienkonstellation regiert liegt ja nur daran, dass die linksgerichteten Parteien SPD, Grüne, Linke etc. sich nicht einigen können. Andernfalls würden sie wahrscheinlich in allen Bundesländern regieren und auch die Bundesregierung stellen.

    Bei dieser linken Bevölkerungsmehrheit gehört es einfach zur Tradition, linksgerichtete Medien zu lesen. (Und die lesen auch noch) SPON zehrt da noch stark von den Erfolgen seines Gründervaters. Sie wissen ja, dass sich starke Traditionen, Konventionen erst nach mehreren Generationen ändern.

    Und by the way, glauben Sie wirklich, dass die Zahl der Aufrufe (Klicks) der richtige Maßstab für Erfolgsmessungen sind? Vielleicht für die Werbeindustrie, aber auch für den qualitativ hochwertigen Journalismus? Da würde ich ja eher umgekehrt sagen, je mehr Klicks, desto schrottiger der Inhalt. Denn aus der Motivation heraus Klicks = Erfolg zu generieren, entstehen ja die Drama-Schlagzeilen, entsteht ja der unqualifizierte Journalismus von SPON.

    Zum ab und an mal reinschauen reicht vielleicht ein Schrott-Journalismus. Aber Werbung für die Printausgabe, für die man ja Geld in die Hand nehmen muss, ist das auf keinen Fall. Denn wenn die Menschen bezahlen müssen, ist ihr Anspruch auch wesentlich höher. Wenn sie aber sehen, dass der Online-Ableger nur Müll liefert, wie sollten sie auf die Idee kommen, dass das Niveau der Printausgabe höher ist und es sich lohnt, dafür Geld auszugeben?

  38. 39
    starkstromliesel says:

    @ Niggemeier
    Also tot stellen, um nichts sagen zu müssen :)

  39. 40
    Stefan Niggemeier says:

    @starkstromliesel: Da isses schon wieder passiert.

  40. 41
    Alberto Green says:

    (jetzt macht die/der das auch noch bei mir!)
    ich sage nur, das spiegelonline erfolgreich ist und somit für den spiegel nützlich sein kann (werbung und so). dass journalistische qualität (für die mehrheit) eine rolle spielt – und somit ihre these, dass spon dem spiegel schadet – will ich ja ausdrücklich bestreiten!

  41. 42
    starkstromliesel says:

    @ Niggemeier
    :)))))

    @ Alberto Greeen

    Wie denn, wo denn, was denn?

    Wenn ich sie richtig verstanden habe, bestreiten Sie, dass journalistische Qualität für die Mehrheit bei der Auswahl des Informationsmediums keine Rolle spielt und deshalb kann SPON dem Printmagazin der Spiegel nicht schaden?

    Habe ich das so richtig verstanden? Das wäre dann ja ein Armutszeugnis für den Großteil der Bevölkerung. Glauben Sie wirklich, dass die Mehrheit so „blöd“ ist? Ich meine, damit würden Sie sich in die Riege vieler Politiker begeben, die das Gleiche denken und die deshalb glauben, sich alles erlauben zu können.Aber trotzdem …

  42. 43
    starkstromliesel says:

    @ Äh ich glaube es muss heißen „eine Rolle statt keine Rolle“, aber da bin ich mir echt gerade nicht sicher . . .

  43. 44
    dermax says:

    @starkstromliesel: Haben Sie auch nur für irgendeine Ihrer Behauptungen und Interpretationen sowas wie einen Beweis?

  44. 45
    Boris Beggemann says:

    „Bild.de“ und „Spiegel.de“, auch „SPON“ oder „Spiegel Online“ genannt, sind die beiden erfolgreichsten Online-Portale in Deutschland.

  45. 46
    Klaus Kreimeier says:

    Was soll diese etwas bescheuerte Diskussion? Inzwischen steht ein neuer Medienskandal ins Haus. Diekmann und Co. haben die Staatsanwälte gegen Wulffs ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker mobilisiert, etliche Immobilien werden durchsucht, und Spiegel-online und die Journalisten der „Qualitätspresse“ schreiben prompt alles auf.

  46. 47
    rog says:

    Manchmal wundere ich mich über die Anspruchshaltung gewisser Leute. Natürlich entdecke auch ich täglich Beiträge bei Spiegel online, die ich nicht mag oder für unrelevant halte. Aber im Gegenzug stoße ich auch Tag für Tag auf Artikel, die ich mit großem Interesse lese.
    Und das, wohlgemerkt, bei einem kostenlosen Angebot, das ich nicht lesen muss, sondern kann, wenn ich möchte.
    Mir kommt es mittlerweile so vor, als ob manche Menschen nur das mögen, was sie in ihrer Weltsicht bestätigt. Sprich: „Spiegel online (oder medium xyz) wäre dann gut, wenn es in allen Facetten mein Bild vom Leben und meine politische Anschauung widerspiegeln würde.”
    Am Ende bleibt immer noch der Weg, den ich persönlich am besten finde. Wie mal jemand treffend sagte: Die beste Kritik an einem Film ist das Drehen eines Films. Oder: Die beste Kritik an einem Artikel ist das Schreiben eines besseren Artikels.
    Diese Chance steht jedem offen.

  47. 48
    meykosoft says:

    So geht’s mir auch:
    … Im „Spiegel lese“ ich über Jahre mit großem Vergnügen, vor allem Themen von denen ich wenig verstehe, die sind da auf trinkstärke gebracht, gefällig und unterhaltsam geschrieben, da fühlt man sich gut bedient… sobald ich aber auf Themen stoße, wo ich mich gut auskenne, denke ich, oh da ham die aber, das ist aber nicht präzise, das muss man aber hier oder da anders schreiben, … na das ist ja nicht so hinreichend … (sagt Dr. S.Weischenberg – Professor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft in der an anderer Stelle bereits erwähnten Dokumentation http://www.youtube.com/watch?v=fbG-W4rH5J0&feature=player_embedded)

  48. 49
    presseversorgung says:

    Guten Abend, weiß gar nicht, wo ich meine Zeilen unterbringen soll, zuviele spannende Artikel zum Thema. Mach ich es hier! Wenn es eine Berufsgruppe in Deutschland verdient, den Namen „Nassauer“ zu tragen, dann Journalisten. Eigentlich als Festangestellte ordentlich verdienend (Freie mal ausgenommen), sind sie doch die Ersten, die sich a) gern gratis auf diverse Gästelisten (Konzerte/Austellungen/Partys) setzen lassen, obwohl klar ist, dass kein Artikel über die Veranstaltung erscheint, b) bei diversen Auto/PC/Handy/Weihnachtsbaumherstellern um Rabatte feilschen, c) für private Urlaubsreisen bei großen Reiseveranstaltern um fette Nachlässe buhlen… usw, usf.
    Oder die Problematik der sogenannten Technik-/Reise-/Motor“journalisten“. Warum sollte es nicht üblich werden, dass z.B. unter jedem Artikel einer Auto-Neuvorstellung im Ausland (oder Inland), bei dem der Verfasser vor Ort war, steht, dass die Reise selbstredend vom Hersteller organisiert und bezahlt wurde. Flug/Hotel/Rahmenprogramm. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass große Nachrichtenmagazine o. Tageszeitungen ihren Spesenetat für langweilige BMW/Mercedes/Toyota-Neuvorstellungen in Übersee verschwenden? Oder der Redakteur es aus eigener Tasche bezahlt? Nassauer-Journalisten wulffen auch rum. Und das nicht zu knapp. Sollte mal gesagt sein! ;-)

  49. 50
    Linus says:

    @starkstromliesel

    Woher kommt denn eigentlich immer dieses Klischee, der Spiegel sei irgendwie „links“? Das behauptet im SPON-Forum auch mindestens jeder zweite. Das machts aber auch nicht richtiger.

    Und dass Sie dann auch noch behaupten, die Mehrheit der Bevölkerung wähle links (wahrscheinlich deswegen, weil diese ganzen Systemmedien, die man so liest, eben links sind), ist dann auch an Drolligkeit nicht zu überbieten.

  50. 51
    Bruder Barnabas says:

    Einer hier bezeichnete die FAZ als „konservativ“. Seit Herausgeber Frank Schirrmacher da den Diekmann gibt, ist die Bezeichnung wohl obsolet. Beispiel Grimm-Artikel jüngst. Der Autor ist laut FAZ-Hinweis auch ein Experte in Sachen „Macht der Medien“ (Wow ! Gibt es denn so was überhaupt ???). Was hätte denn da näher gelegen, als in der nun überwiegend auch Medien-Affäre betitelten Angelegenheit genau hier zu Macht oder Ohnmacht der Medien Stellung zu nehmen ? Derzeit sind ja alle „Leitmedien“ (so ein weltberühmter CDU-MdB) mit Ausnahme der FAZ zu dieser Thematik in durchaus kritischem Diskurs voll engagiert, auch die entsprechenden Foren. Wäre Herr Grimm jedoch darauf eingegangen, sachlich und objektiv, hätte Herr Schirrmacher den ganzen Artikel nicht drucken können. Bleibt in Sachen Grimm-FAZ-Artikel die Frage: Warum lässt sich so ein honoriger Mann in einer Medienkampagne derart instrumentalisieren? Besonders hätte mich interessiert, was Herr Grimm dazu gesagt hätte, dass die FAS als erstes Medium den von BILD erhaltenen bis dato nicht veröffentlichen Mailbox-Text zumindest inhaltlich an die Öffentlichkeit brachte ?

  51. 52
    Klaus Kreimeier says:

    Lieber Linus, ich kann Ihre Trauer darüber gut verstehen, dass das ehedem so kompakte „konservativ-bürgerliche Lager“ seit längerer Zeit in Auflösung begriffen ist (die bemerkenswerten Artikel des von Bruder Barnabas erwähnten Frank Schirrmacher in der FAZ sind dafür nur ein besonders markantes Symptom). Ob diese Auflösung (als Konsequenz rasanter gesellschaftlicher und kultureller Umwälzungen) einem „linken Lager“ im klassischen Sinne zugute kommt, ist allerdings eher zu bezweifeln. Die Behauptung, dass eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung z.Z. eher links wählen würde, ist jedoch alles andere als drollig, vielmehr durch Umfragen zu erhärten. Die jüngsten Zahlen von Infratest/Dimap sind eindeutig: CDU 36, FDP 3, SPD 29, Grüne 15, Linke 7, Piraten 6. Das ergibt nach Adam Riese 39% für die sog. bürgerlichen Parteien, 57% für die (im weitesten Sinne) linken Parteien. Alle anderen Institute weisen gleiche bzw. sehr ähnliche Ergebnisse auf.
    Im übrigen erlaube ich mir den Hinweis, dass ein Terminus wie „Systemmedien“ ein Kampfbegriff und der Sprache der nationalistischen und nationalsozialistischen Rechten in der Weimarer Republik entlehnt ist.

    Mit freundlichen Grüßen

  52. 53
    starkstromliesel says:

    @ Klaus Kreimeier
    Danke für die Unterstützung.

    @ Linus

    Normalerweise mache ich keine Beweisführungen, so wie sie z.B. der Gaudimax von mir fordert. Der stellt sich als Ein-Satz-phrasierer hin und fordert mit verschränkten Armen von oben herab Beweise, damit der Andere sich stundenlang mit Studien abmüht, die dann beibringt, diese mit etlichen Zeilen erläutert, damit der Einsatz-Max sagen kann: Genügt mir nicht. Solche Foristen kommen bei mir direkt hinter den Oberlehrer-Typen mit ihrem Ein-Satz-Kommentar für einen Artikel: Sechs, setzen.

    Wir können Argumente austauschen und diskutieren. Und ich glaube die meisten hier verfügen über einen relativ scharfen und gesunden Menschverstand, dass sie abwägen können, ob Argumente einer Plausibilitätsprüfung standhalten oder einfach nur aberwitzig sind.

    Egal, für Sie, lieber Linus, mache ich eine Ausnahme.

    Anbei chronologisch die Ergebnisse der letzten zehn Landtagswahlen. Um Ihnen zu helfen, rechne ich die FDP dem rechten Lager zu, obwohl es viele Linksliberale gibt und die Piraten behandle ich neutral und führe sie deshalb nicht auf. Dafür rechne ich die 1 % NPD-Wähler z.B. in BW nicht mit, wenn es genehm ist.

    Ergebnisse LW Berlin 18.09.2011

    CDU: 23,3 % / SPD 28,3 % / Grüne: 17,6 % / Die Linke: 11,7 % / FDP: 1,8 %
    = Linke Mehrheit

    Ergebnisse Meckpomm 04.09.2011

    CDU: 23 % / SPD: 35,6 % / Grüne: 8,7 % / Die Linke: 18,4 % / FDP: 2,8 % / NPD: 6 %

    Hier führe ich die NPD als rechts auf, weil 6 % % doch nicht ohne sind.
    Dennoch: klare linke Mehrheit

    Ergebnisse LW Bremen 22.05.2011

    CDU: 20,3 % / SPD: 38,6 % / Grüne: 22,5 % / Die Linke: 5,6 % / FDP: 2,4 %
    = Linke Mehrheit

    Ergebnisse LW BW 27.03.2011

    CDU: 39 % / Grüne: 24,2 % / SPD: 23,1 % / FDP: 5,3 % / Die Linke: 2,8 %
    = Linke Mehrheit

    Ergebnisse LW Rheinland Pfalz 27.03.2011

    CDU: 35,2 % / SPD: 35,7 % / Grüne: 15,4 % / Die Linke: 3,0 % / FDP: 4,2 %
    = linke Mehrheit

    Ergebnisse LW Sachsen-Anhalt 20.03.2011

    CDU: 32,5 % / SPD: 21,5 % / Grüne: 7,1 % / Die Linke: 23,7 % / FDP: 2,8 % / NPD: 4,6 %

    Hier führe ich die NPD als rechts auf, weil 4,6 % doch nicht ohne sind.
    Dennoch: klare linke Mehrheit

    Ergebnis LW Hamburg 20.02.2011

    CDU: 21,9 % / SPD 48,4 / Grüne: 11,2 % / Die Linke: 6,4 % / FDP: 6,7 %

    = linke Mehrheit

    Ergebnisse NRW 09.05.2010

    CDU: 34,6 % / SPD: 34,5 % / Grüne: 12,1 % / Die Linke: 5,6 & / FDP: 6,7 %

    = linke Mehrheit

    Ergebnisse LW Brandenburg 27.09.2009

    CDU: 19,8 % / SPD: 33 % / Grüne: 5,6 % / Die Linke: 27,2 % / FDP: 7,2 %

    = linke Mehrheit

    Ergebnisse LW Saarland 30.08.2009

    CDU: 34,5 % / SPD: 24,5 % / Grüne: 5,9 % / Die Linke: 21,3 % / FDP: 9,2 %

    = linke Mehrheit

    Angesichts dieser linken Demonstration darf ich doch wohl getrost davon ausgehen, dass in der BRD mehrheitlich links gewählt wird, lieber Linus oder etwa nicht???

    Erstaunlich ist nur, wie oft der linke Wählerwille von den Parteien durch Bildung von Rechts / Links-Koalitionen einfach ignoriert wird. Aber das ist ein anderes Thema.

    @ rog

    Die Totschlagnummer, jeder kann es ja besser machen, wenn es ihm nicht gefällt, statt Kritik zu üben, ist Bullshit-Rhetorik. Damit untersagen Sie jedem, sich außerhalb seines Spezialgebietes / Berufes zu äußern oder Kritik zu üben. Sollten Sie mal einen Hausbau in Auftrag geben und die Handwerker pfuschen, sagt dann der Maurer zu Ihnen: Wenn es dir nicht passt, kannst ja selber bauen. Prost Mahlzeit. Und allgemeine politische oder gesellschaftswissenschaftliche Themen wären dann auch tabu. Zumindest ohne Politikstudium etc.

  53. 54
    meykosoft says:

    Die Frage, ob die SPD denn tatsächlich noch eine linke Linke Partei ist, quetsche ich hier mal absichtlich nicht in die nach unten offene Kommentarspalte…

    ;-)

  54. 55
    Stefan W. says:

    @55: Aber die Grünen sind links, oder was?

  55. 56
    Linus says:

    @starkstromliesel

    Danke für die Mühe, das wäre nun nicht nötig gewesen, da ich diese Zahlen kenne. Während Sie aber nun davon ausgehen, dass diese irgendwie belegen, die Menschen würden mehrheitlich links wählen, tue ich das nicht. Und nicht nur, weil man sich streiten kann, ob jetzt die Grünen nicht eher wertkonservativ, die SPD stockkonservativ und die Linke wolkenkuckucksheim-konservativ sind.

    Ich bezweifele, dass hinter der Wahlentscheidung der meisten Menschen annähernd sowas wie ein Gesellschaftsbild steht, dass eine Aussage darüber zulässt, ob es sich in Deutschland um eine links denkende Mehrheit handelt, die nur durch die Doofheit der handelnden Parteien einfach und verflixt nochmal nicht zum Tragen kommt.

    Noch dazu: ich halte weder den Spiegel noch SPON für „links“. Das ist aus vielerlei Gründen kompletter Mainstream, und damit schwierig einzuordnen in ein irgendwie geartetes politisches Spektrum. Das gilt aber nicht nur für den Spiegel.

    @Klaus Kreimeier

    Im übrigen erlaube ich mir den Hinweis, dass ein Terminus wie „Systemmedien“ ein Kampfbegriff und der Sprache der nationalistischen und nationalsozialistischen Rechten in der Weimarer Republik entlehnt ist.

    Ach?

  56. 57
    rog says:

    @starkstromliesel, 54: Es wäre dann Bullshitrhetorik, wenn ich es als einzige Möglichkeit genannt hätte. Ich habe weiter oben allerdings noch andere Wege vorgeschlagen, zum Beispiel den, einfach mal zu akzeptieren, dass nicht alles im Leben dem eigenen Geschmack entsprechen muss.
    Weil Sie diesen Vorschlag jedoch einfach ignorieren, fürchte ich, dass Sie diejenige sind, die hier Bullshitrhetorik betreibt.
    Aber gut. Ich komme vom eigentlichen Thema ab.

  57. 58
    Uwe Alschner says:

    Ich gebe Gregor Keuschnig hier recht: Es ist traurig, dass der Mainstream erst jetzt umschwenkt und das fragwürdige Spiel der BILD beleuchtet.
    Es liegt natürlich daran, dass es eine faktische BILD/SPIEGEL/FAZ/SZ Koalition gegeben hat.
    Die Vorwürfe, auf denen der Erstbericht aufbaute, waren so lächerlich bemüht (man konnte beinahe den Schmerzsäufzer hören, der den Schreiber ergriffen hatte, weil es leider NICHT Maschmeyer war), dass man sich fragen muss: wie konnte es soweit kommen, dass BILD einen Bundespräsidenten (und damit das Land) auf Auslandsreise blamiert anstatt dieses nicht tagesaktuelle Thema aufzuheben, bis der Präsident wieder im Lande ist.
    Frau Höhler mag sicher von vielem etwas Verstehen. Von Politik versteht sie nichts. Das Motiv, warum sich hier die großen Redaktionen haben einspannen lassen ist die Weigerung Wulffs, sich als Bundespräsident zu Merkel-Kritik herzugeben. Schade, dass dies niemand vor der taz aufgenommen hat! Der BILD und den eingespannten Kollegen ging bei der ganzen Kampagne darum, den Spielverderber abzuschiessen. Wirklich schade. Dass wäre ein Thema für Medienjournalisten gewesen!

  58. 59
    Klaus Kreimeier says:

    @linus

    „Ach?“

    Tja, man benutzt eine kontaminierte Sprache – und weiß es nicht mal. Kommt oft vor in dem Geplapper, das sich heute „Diskurs“ nennt. Von den Blogs ganz zu schweigen.

    Im übrigen widersprechen Sie sich selbst. Einmal behaupten Sie weiter oben, die von Ihnen so genannten „Systemmedien“ seien „eben links“. Jetzt formulieren Sie genauer (und, wie ich meine, richtiger) der Spiegel etc. sei nicht links, sondern „Mainstream“. Dem kann ich zustimmen und würde diesem Mainstream auch FAZ, SZ, taz, Zeit, viele andere Zeitungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuordnen: Es ist nichts anderes als die demokratische, in Teilen sozial- und/oder linksliberale, pluralistische und weltoffene Grundhaltung, die seit 68 unsere Republik verändert hat. Die alten Machtträger (die konservativen Teile der CDU und der Marktradikalismus der FDP) zerfallen in atemberaubendem Tempo, und Leute wie Guttenberg und Wulff zerrütten die einst vom Bürgertum reklamierten Werte wie Anstand und Ehrlichkeit so gründlich, dass es einem die Sprache verschlägt. Wir stehen vor den Ruinen der alten Bourgeoisie – und wer sich von diesen abwendet, wählt eben „links“. Ich gebe zu: das ist eine begriffliche Krücke, die mit SPD, den Linken und Grünen wenig bis gar nichts zu tun hat.

    Schöne Grüße

  59. 60
    Linus says:

    @Klaus Kreimeier

    Ihren Loriot kennen Sie aber schon, oder?

    Und für meine vermeintliche Behauptung, die sogenannten „Systemmedien“ seien links (und die damit verbundene Unterstellung, ich trauere entsprechend um die Auflösung des „konservativ-bürgerlichen Lagers“), sollten Sie meinen Kommentar am besten nochmal lesen. Und verstehen. Hilft. Manchmal.

  60. 61
    dermax says:

    @54: Sehr schöne Beweisführung, nur warum nur ist dann im Bundestag keine linke Mehrheit zu finden? Und das ist ja schliesslich die einzig faire Stichprobe, da in ihren dollen Beispielen ja schon mal das grösste deutsche Bundesland komplett fehlt…

    Eventuell lässt sich die mehrheit der Bundesbürger gar nicht mehr schön in links und rechts dividieren…

  61. 62
    starkstromliesel says:

    @62
    Das größte deutsche Bundesland fehlt????
    Also ich dachte ja immer, dass zahlenmäßig – und darauf kommt es bei den Stimmen ja an und nicht auf die Größe der Fläche – NRW ganz vorne liegt. Und die NRW-Wahl habe ich mit aufgelistet.

    Aber genau so ist es mit den Bratmaxes dieser Erde, wie ich es schon beschrieben haben. Sich breitbeinig hinstellen und den Beweis fordern. Dann den Beweis kriegen und dann anfangen zu mäkeln: „Ätsch, Sie haben das größte Bundesland vergessen.“

    Dann muss man wieder erneut einen Beweis liefern, dass man es natürlich nicht vergessen hat und wahrscheinlich kommt dann die nächste Mäkelei.

    Gähn

  62. 63
    Biber says:

    Sie müssen gar nichts, starkstromliesel. Sie müssen auch die Kommentare des Hausherrn unter der laufenden Nummer 37 bzw. 40 nicht verstehen.

  63. 64
    Howie Munson says:

    @54&62: die SPD ist seit spätestens Schröder rechts vom linken Flügel der CDU…

    und solange die Steinis in der ersten (Vorstands-)reihe sind wird sich daran auch nicht viel ändern.

  64. 65
    starkstromliesel says:

    @ Biber
    Mist, gerade die hatte ich verstanden.

  65. 66
    Jörg Kachelmann says:

    Danke besonders auch für den ersten Satz.

  66. 67
    polyphem says:

    Bin ich jetzt ein Running Geck?

  67. 68
    dermax says:

    @63: Ja, schon nervig, da behauptet man was und dann hinterfragen andere die angeblichen Fakten… warum können andere den eigenen Sums nicht einfach naiv glauben… hat doch im Mittelalter auch funktioniert…

    Aber was solls, sind ja nur 15% der Einwohner unseres schönen Landes…

  68. 69
    sentarieger says:

    mein furchtbares beispiel für fremdschämen: der auftritt und stil von joffe im interview mit wulff. hatte von ihm bisher immer etwas gehalten- ist jetzt erledigt.

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