Kerner

01 Okt 06
1. Oktober 2006

Wenn Johannes B. Kerner morgen bekannt gäbe, daß er gerne alten Frauen die Luft aus den Reifen ihrer Rollstühle läßt, müßte das ZDF natürlich reagieren. Die Sendeanstalt würde eine Krisensitzung einberufen und zum äußersten gehen: Sie würde öffentlich erkären, daß Kerner dieses Hobby nie im Beisein des Intendanten gepflegt habe und sich in Zukunft solche Aktivitäten vom Sender genehmigen lassen müsse. Und wenn Kerner später noch einmal auf den Vorgang zurückkäme und sagte, beim ZDF arbeiteten außer ihm doch eh nur kinderfressende Zombies, würde der Sender auf Nachfrage entspannt erwidern: Das träfe nach ZDF-Recherchen zwar nicht zu, aber natürlich könnte der Herr Kerner seine eigene Meinung…

Das ZDF ist inzwischen in einem Maße von Kerner abhängig, daß nichts (in Worten: nichts) vorstellbar ist, was den Sender zu einer Maßregelung seines Alles-Moderators veranlassen könnte oder gar zu einer Trennung. Das Gefühl, unkündbar zu sein, verändert die Menschen, und jemanden wie Kerner, der schon vorher nicht an Selbstzweifeln litt, läßt es in immer neue, ungeahnte Sphären der Selbstüberschätzung, Blasiertheit und Arroganz entschweben. Der „Zeit“ hat er in dieser Woche ein atemberaubendes Interview gegeben. Thema war seine umstrittene Werbung für den Air-Berlin-Börsengang, und seine Aussagen lassen sich ungefähr so zusammenfassen: Er hat nichts falsch gemacht, nein: nichts, er verbittet sich die Frage, er verbittet sich die Unterstellung, er wird darauf nicht antworten, oh nein, er verdankt dem ZDF nichts, das ZDF verdankt ihm alles, überhaupt: ein bißchen Dankbarkeit hätte er schon erwartet, ich bin wirklich niemandem Rechenschaft schuldig, ihr Arschlöcher.

Der Moderator, der schon vor Jahren in einem Interview aus den Unsummen Geld, die er verdient, den Schluß zog: “Ich habe alles richtig gemacht”, findet an keiner Stelle einen Fehler bei sich, und sei er noch so klitzeklein. Kerner macht keine Fehler. Wenn er trotzdem kritisiert wird, sucht (und findet) er die Ursache dafür allein bei den Kritikern, ihrem Neid, ihrer Jagdlust auf den “netten Herrn Kerner” (er sagt das wirklich). Es gibt ein altmodisches Wort für das, was dem netten Herrn Kerner vor allem fehlt, und das er offenbar nicht einmal mehr glaubt, vorgeben zu müssen: Demut.

Das Interview ist, wie so vieles an Kerner, eines öffentlich-rechtlichen Fernsehmoderators unwürdig. Ein Sender, der sich das gefallen läßt, hat jede Selbstachtung verloren.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

14 Gedanken
  1. 1
    Helmi says:

    Tja Stefan, so unterschiedlich kann man die Dinge sehen. Ich sehe das Interview eher als Beweis für einen schlechten Journalisten, als einen arroganten Interviewpartner. Die Fragen und Vorwürfe sind schon arg weiter hergeholt zum Teil — und auch dumm gestellt.

    Das Interview hat aus meiner Sicht eine ähnliche Absicht wie die damalige BILD-Kampagne. Das hat Herr Kerner schon recht gut erkannt.

    Ober sich nun darauf was einbildet oder nicht — ob er nun in einigen Aktionen arrogant wirkt oder nicht. Für mich ist er einer der wenigen Gründe hin und wieder mal öffentlich rechtliches Fernsehen einzuschalten.

    Ich bin natürlich kein Medienfachmann und auch kein Journalist — das ist auch „nur“ die Meinung eines einfachen Bürgers. :)

  2. 2
    plumpaquatsch says:

    Sehr genau auf den Punkt gebracht.

    Kerner hält sich stets schadlos, schmeißt in seiner Sendung mit Dreck den er aus ‚ner „BLÖD“-Schlagzeile zitiert und fragt dann unschuldig warum der Gast denn so schmutzig sein. Zögert bei Preisverleihungen nicht aufgrund vorgeblich persönlicher Betroffenheit vor laufenden Kameras um seinen verstorbenen Schwiergervater zu weinen.

    Muss man Privatestes an die Öffentlichkeit zerren? Kann man nicht auch im stillen Kämmerlein eine Träne vergießen? Offenbar schließt Omnipräsenz solche Charaktereigenschaften gänzlich aus und läßt berechtigte Kritik als Blasphemie erscheinen und einem Gott haut man nunmal nicht auf die Finger.

    So schlimm Thommy bei „Wetten, dass…“ auch ist: mach‘ bitte bis zum Tod weiter, bevor JBK auch noch dieses ZDF-Flagschiff steuert…

    P.S.: Ich vermissen auf dieser Seite übrigen den Beitrag zur Sendung „Kerner“, die — so glaube ich jedenfalls — in der „FAS“ erschien?

  3. 4
    Chat Atkins says:

    Sind wir nicht alle ein wenig Kerner? Anders ausgedrückt: Braucht es nicht ganz unsere Zeiten, damit die Feldmarschalle des Narzissmus solche Positionen erklimmen?

    Übrigens: Abschalten hilft meines Wissens …

  4. 5
    Stefan says:

    abschalten hilft nicht dagegen, dass kerner von „unseren rundfunkgebühren“ (um mal eine wirklich überstrapazierte formulierung zu benutzen) bezahlt wird und sendezeit blockiert, in der das zdf auch anderes zeigen könnte

  5. 7
    Chat Atkins says:

    Schon klar — aber jedes Abschalten drückt die Quote. Die wiederum ist die heilige Kuh der Sendeanstalten. Als Quotenkiller kassiert auch ein Kerner dann nicht mehr so viel.

    Was willst du sonst machen: Die Carmagnole singen und ihn an die nächste Laterne knüpfen?

  6. 9
    Carl says:

    Ich durchstöbere grade diesen überaus gelungen Blog — zu JBK muss ich nun allerdigns auch mal einen Kommentar loslassen:
    WARUM darf sich dieser ewig ja sagende, oberflächliche Kerl im öffentlich rechtlichen Fersehen rumtreiben ?
    Es ist einfach unr grausam unwichtig und stumpf — eine Linie kann kein flacheres Niveau bieten als er.
    Kerner muss weg!

    mfG

  7. 10
    DrivesVLT says:

    Преобразователи частоты Danfoss VLT, FC102, FC202, FC301, FC302, FC51, VLT2800, MCD3000
    Мощность:
    0,18 — 2,2 кВт при питающем напряхении 1 Х (220 — 240) В,
    0,55 — 1200 кВт при питающем напряхении 3 Х (380 — 500) В
    Общепромышленная серия преобразователей частоты
    Алгоритм регулирования: Векторный VVC+ (улучшенный).
    Высокий КПД: минимум 98%.
    Встроенные фильтры для всех типоразмеров преобразователей частоты Danfoss Drives.
    Варианты исполнения корпуса: IP00, IP21 (NEMA1), IP54 (NEMA12).
    Корпус из аллюминия/стали.
    Встроенный ПИД-контроллер.
    Возможны сверхдлинные кабельные соединения: до 300м (неэкранированные) и 150м (экранированные и бронированные).
    Встроенный свободнопрограммируемый интерфейс RS485 — стандарт для любого преобразователя частоты Danfoss Drives.
    т.р. (044) 498–07-82,83
    т.м. 8–067-464–83-55
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  2. […] Wie schon vor einigen Tagen HIER und HIER festgestellt wurde, gibt es gute Gründe, warum das ZDF unter Leuten mit mehr als zwei funktionierenden Gehirnzellen als unsehbar gilt. […]

  3. […] Abgesehen davon, dass ich zwar auch nicht viel Ahnung vom Fußball habe, aber die Kommentar von Herrn Kerner mir zumindest auch nicht immer als die eloquentesten erscheinen. Gefunden bei Stefan Niggemeier. […]

  4. […] Erstaunlich, wie sich so einer dann Freitags ausgerechnet sein Studio zu einer Küche macht. Ich mein’ ja nur, es gibt da so ein Harry S. Truman-Zitat…   Stefan Niggemeyer in seinem Blog zum Interview: Seine Aussagen lassen sich ungefähr so zusammenfassen: Er hat nichts falsch gemacht, nein: nichts, er verbittet sich die Frage, er verbittet sich die Unterstellung, er wird darauf nicht antworten, oh nein, er verdankt dem ZDF nichts, das ZDF verdankt ihm alles, überhaupt: ein bißchen Dankbarkeit hätte er schon erwartet… […]

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