Die Premiere aus der Zukunft der Vergangenheit

Deutsches Fernsehen ist komisch.

Am Donnerstag warb der NDR in einer Pressemitteilung für eine „Premiere“, die in der Sendung „Star Quiz“ mit Kai Pflaume am folgenden Samstag gefeiert werde: „Zum ersten Mal wird in der Sendung das gerade gedrehte Gewinnervideo von ‚Unser Star für Baku‘ in voller Länge zu sehen sein.“

Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, außer dass das „Star Quiz“ bereits am Montag aufgezeichnet worden war — zu einem Zeitpunkt also, als nicht nur das Video noch nicht fertig war, sondern noch nicht einmal feststand, wer welchen Titel darin singen würde.

Kai Pflaume musste also eine unspezifische Standard-Anmoderation sprechen, was ihm als unspezifischer Standard-Moderator nicht schwer fiel. Und so sah das aus:
 

Eine „Weltpremiere im Ersten“ war es dann auch nicht, weil das Video auf der „Unser Star für Baku“-Homepage bereits vorher zu sehen war.

Eigentlich hätte die ARD natürlich mit „Gottschalk live“ jetzt eine Live-Sendung, in der man solche Höhepunkte präsentieren könnte, jedenfalls wenn es einem nicht auf Zuschauer ankommt. Die Videos von Lena hatten übrigens im Morgenmagazin bzw. im Werbeblock vor der „Tagesschau“ Premiere.

(Die Ausstrahlung von „Bodyguard“, die in dem Ausschnitt oben etwas überraschend beworben wird, war die dritte Ausstrahlung des Filmes mit Whitney Houston in der ARD innerhalb von zehn Tagen. Deutsches Fernsehen ist komisch.)

17 Replies to “Die Premiere aus der Zukunft der Vergangenheit”

  1. Schön ist, wie Bastian Pastewka nach dem Video klatscht, aber zugleich leicht verschämt nach unten guckt. :)
    Was hätte er nur für ein Gesicht gemacht, wenn er diese Kopie des „Satellite“-Videos zu von Boyzone vorgetragener Adele-Musik wirklich gesehen hätte?

  2. @DaW: Darf ich den Vergleich benutzen, wenn ich das nächste Mal gefragt werde, warum ich den Song mag und ihm große Chancen einräume?

  3. Dann noch Günter Jauch zwei Mal innerhalb von drei Tagen. Und Marc Bator, Carmen Miosga und Ronald Becker (wo ist in diesen schweren Tagen eigentlich Uli Deppendorf hin verschwunden?) sind sowieso täglich auf dem Sender.
    Das Erste kommt momentan mit erstaunlich wenig Personal aus.

  4. Ganz großes Minenspiel von Welke&Pastewka. :-)
    Auf der anderen Seite natürlich auch traurig, dass die beiden bei solchen Dingen immer wieder mitmachen (müssen?).

  5. Immerhin wurden die Gäste nicht nach ihrer Meinung zum Video gefragt: „Großartig, da hat unser Star bestimmt gute Chancen, in Oslo“

  6. Auch ein schönes Beispiel zum Thema Vermischung von redaktionellen (Quizfrage zum ESC) und werblichen Inhalten (Beitrag zum ESC), zumindest nach strenger Auslegung.

  7. @ Alberto Green, #2:
    Gern. Ich verurteile ja niemanden, weil er den Song mag, auch ich persönlich ihn etwas zu durchschnittlich finde.

  8. Interessant auch, dass Kai Pflaume explizit von einem „Vertreter“ (männlich) spricht. Es hätte ja auch eine „Vertreterin“ werden können. Dann hätte der Durchschnittszuschauer zumindest auch deutlicher ahnen können, dass Kai Pflaume im wahrsten Sinne des Wortes nicht weiß, wovon er redet.

  9. … und Herr Pflaume schafft es, gleich zwei Aussprachevarianten von „Baku“ in einer Moderation unterzubringen (beide nicht falsch, aber die ARD-Aussprachedatenbank bevorzugt die Variante ‚Ba-ku).

  10. Naja, das ist halt Fernsehen. Wenn Herr Niggemeier zu „Neo Paradise“ geht und Joko und Klaas beim Auftritt freundlich „Hallo“ sagt, dann ist das auch Fake, weil sie sich natürlich längst schon hinter den Kulissen offiziell begrüßt haben.

    Aber in der Tat wäre es vielleicht aufrichtiger gewesen, zu sagen, dass zum Zeitpunkt der Aufzeichnung der Gewinner noch nicht feststand.

  11. Klugscheißermodus an:
    „Eine »Weltpremiere im Ersten« war es dann auch nicht, weil das Video auf der »Unser Star für Baku«-Homepage bereits vorher zu sehen war.“

    Aber es war doch die Weltpremiere im Ersten, zwar nicht die Weltpremiere des Videos überhaupt oder die Weltpremiere im Internet, aber halt die Weltpremiere im Ersten…
    KLugscheißermodus aus

    Toller Artikel und ja, ich kann mich auch nur wundern, warum eigentlich so sympathische Menschen wie Welke und Pastewka sich immer wieder mit Weichspülmoderatoren wie Kai Pflaume in eine Sendung zwängen müssen.
    Bekommen die tatsächlich soviel Kohle dafür?

  12. @Wolfgang: Du glaubst doch nicht ernsthaft, daß Herr Pflaume jemals etwas von der Aussprachedatenbank gehört hat bzw. über deren Existens informiert ist.

  13. „Unser Star für Baku“, das ist doch die neue Staffel der Serie „ESC“ von diesen zwei begnadeten Bloggern im Internet, die diesen Video-Podcast dadurch finanzieren, daß sie die Eigenwerbeblöcke von anderen schalten, die dann immer singend vorgetragen werden, richtig?
    Also, abgesehen davon, daß mir diese Werbeblöcke viel zu häufig auftauchen (vor allem zum Ende jeder Staffel hin), und ich dadurch so oft auf den Stumm-Button des Videoplayers drücken muß (so oft muß auch so ein Alter wie ich nicht auf Toilette, also wird zwischenzeitlich was anderes im Internet geguckt), finde ich diese Serie wirklich gut.

    Statt „Dick und Doof“ eben „Dick und Dünn“. Toll!

  14. Kai Pflaume hat die Aufgabe doch gut gelöst. Dieser Blogeintrag zeigt nicht wie „komisch“ Fernsehen ist, sondern eher was sich Herr Niggemeier im Pantoffelkino so Samstag Abend reinzieht.
    Wo ist eine Beurteilung dieses unsäglichen Klitschko-Kampfes, der sich nur wegen der Werbepausen bis zur 12. Runde hinzog?

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