„Auch der Tod hat ein Recht auf Leben“

04 Sep 12
4. September 2012

Die Kollegen fanden’s fast alle schrecklich. Hans Hoff meint, der Film sei „dem Tod geweiht. In jeder Hinsicht“. David Denk schreibt, er sei „irgendwie egal, irgendwie deutsch“. Daniela Zinser findet, das Drehbuch sei „brutal auf Romantikkitsch getrimmt“.


Fotos: Sat.1

„Und weg bist du“ ist eine Tragikomödie über die letzten Wochen im Leben von Schuhverkäuferin Jela Becker. Ihr Körper ist voller Metastasen. „Mit ein bisschen Pech übernimmt der Krebs mein Gehirn“, sagt sie, „mit ein bisschen Glück bin ich vorher tot.“ Der Tod erwartet sie schon an der Fahrstuhltür im Krankenhaus, aber sie schafft es, ihm zu imponieren – und zu entwischen. Bis zum achten Geburtstag ihrer Tochter in vier Wochen will sie unbedingt durchhalten.

Sie versucht, noch ein bisschen zu leben und sucht nach dem richtigen Weg, ihre Familie auf das Leben nach ihrem Tod vorzubereiten. Der Tod versucht derweil, an ihrer Stelle ihre alte, verbitterte Nachbarin (Ruth Maria Kubitschek) ins Jenseits zu befördern, die wirklich nicht am Leben zu hängen scheint.

Aus der Konstellation mit Christoph Maria Herbst als langhaarigem Tod, der sich in die Frau verliebt, die er sterben lassen soll, hätte eine schreckliche Klamotte werden können. Und der Film lässt die naheliegenden Pointen und Kalauer nicht aus. Mit Straßenschuhen in ihre gute Stube? „Nur über meine Leiche“, sagt die alte Frau zum Tod. Und der rechtfertigt seine Romanze mit den Worten: „Auch der Tod hat ein Recht auf Leben.“

Aber „Und weg bist du“ montiert die erwartbaren Versatzstücke solcher Filme zu einer dann doch immer wieder unberechenbaren, originellen, leichten Geschichte über das Sterben Leben.

Mir hat der Film sehr gefallen, er hat mich zum Lachen gebracht und bewegt, er hatte genau das richtige Maß Kitsch für mich und eine wunderbare Annette Frier in der Hauptrolle. Und weil man ja nicht so oft die Gelegenheit hat, für einen Sat.1-FilmFilm zu schwärmen, möchte ich diesen Sat.1-Filmfilm empfehlen.

Er ist übrigens so etwas wie der Abschiedsfilm von Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack. Bei der Premiere am Kurfürstendamm sagte er vor dem versammelten Publikum aus Künstlern, Journalisten und Gästen: „Ich freue mich, dass mein Onkologe da ist“, und das war kein Witz. Sein Abschied ist dann aber zum Glück doch nur von Sat.1.

9 Gedanken
  1. 1
    Ste says:

    Hm, Dr. House kommt aber schon um 21.15 auf dem Nachbarsender! Tut mir leid.

  2. 2
    Marc says:

    Ach Mann, da habe ich mal richtig Glück gehabt und lese einen solchen Tipp mal kurz vor der Sendung. Oft genug passiert es, dass ich erst am Folgetag zur Kenntnis nehmen darf, was sehenswert gewesen sein könnte.

    Gibt es da ein Embargo, das eine frühere Veröffentlichung untersagt?

  3. 3
    Stefan Niggemeier says:

    @Marc: Nee, nur meine Schludrigkeit.

  4. 4
    SvenR says:

    Danke, das war bewegend. Und lustig.

  5. 5
    Daniel says:

    Ich fand den Film auch nicht schlecht aber irgendwie hat er mich an den Webcomic „Der Tod und das Mädchen“ erinnert…

  6. 6
    Jac-K says:

    Ich hatte immer wieder das Gefühl, den falschen Sender eingeschaltet zu haben. Und konnte auch nicht glauben, wie die Pro7Sat1-Stammklamauker Frier und Herbst, ihre Rollen so überzeugend und „leise“ spielten.
    Ein nettet Fernsehabend!

  7. 7
    Johannes says:

    das hört sich für mich nach einer Abkupferung von „The Clink of Ice“, einem franz. Film aus dem Jahr 2011. Dort steht eines Tages der Krebs vor dem Anwesen eines versoffenen Schriftstellers und klingelt bzw, zieht dort ein. Herrlich bizarr!

  8. 8
    Horst says:

    Schön, dass man den Film auch online gucken kann.

  9. 9
    JJPreston says:

    @Daniel
    Dem schließe ich mich an. Ich hoffe ja noch, dass es Nina irgendwann wieder so gut geht, dass sie auch den Elan findet, ihr Werk zu vollenden.

Einen Kommentar hinterlassen

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.