Google ist nicht das Netz, und Verlage sind nicht der gute Journalismus

28 Nov 12
28. November 2012

Die Kampagne von Google gegen das Leistungsschutzrecht ist, um mal mit dem rein Faktischen zu beginnen, natürlich nicht „beispiellos“, wie Konrad Lischka auf „Spiegel Online“ schreibt.

Der Suchmaschinen-Konzern hatte Anfang dieses Jahres — die Älteren werden sich erinnern — einen schwarzen Balken über sein Logo gelegt und seine Nutzer dazu aufgefordert, gegen zwei Gesetze zu kämpfen. Der amerikanische Kongress plante unter dem Vorwand, gegen Urheberrechtsverstöße zu kämpfen, gravierend ins Internet einzugreifen. Google warnte die Nutzer vor einer angeblich drohenden „Zensur des Netzes“ — und sorgte sich natürlich gleichzeitig ums eigene Geschäft.

Insofern ist es also nichts Neues, dass der Konzern seine Startseite jetzt für eine Kampagne in eigener Sache nutzt. Und auch nicht, dass er beim Versuch, die Nutzer zu mobilisieren, nicht diese eigene Sache in den Vordergrund stellt, sondern die Interessen der Nutzer und sogar die angebliche Sorge um das Gemeinwohl.

Deshalb ist es auch bloß Hyperventilation, wenn Michael Hanfeld in der FAZ den heutigen Tag als denjenigen beschreibt, „an dem Google sich in der Verstellung entlarvte“.

Hanfeld, Lischka und andere Kommentatoren scheinen es dem Konzern persönlich übel zu nehmen, dass er sich anmaßt, sich als „das Netz“ auszugeben, wo er doch bloß ein kommerzielles Unternehmen ist. Dabei ist das Problem nicht diese Anmaßung — sondern wie realistisch sie längst ist.

Das weiß kaum jemand so gut wie die Verlage, die die absurdesten Verrenkungen unternehmen, mit ihren Online-Angeboten bei Google weit vorne zu landen. Wer dort nicht auftaucht, mag theoretisch im Netz sein. Praktisch ist er es für den Großteil der Menschen nicht.

Das Kampagnenvideo von Google zeigt eindrucksvoll, wie sehr die Suchmaschine in der alltäglichen Erfahrung vieler Nutzer synonym mit dem Netz ist. Auf die analoge Welt übertragen wäre Google für sie nicht nur ein Stadtplan oder ein Branchenverzeichnis, sondern tatsächlich auch der Weg zum Ziel, Straßen, die ganze Infrastruktur.

Konrad Lischka macht einen interessanten Gegensatz auf:

Der Konzern [Google] will die deutschen Internetnutzer glauben machen, dass er für ihre Rechte, ihre Freiheit, das Gute in der Gesellschaft kämpft. Tatsächlich geht es um wirtschaftliche Interessen.

Als schlösse das eine das andere aus.

Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, stellen die deutschen Verleger für sich eine genau solche Verbindung her, wie sie Google behauptet. Sie stellen ihren Kampf um eigene wirtschaftliche Vorteile als uneigennützigen Kampf im Sinne der Demokratie dar. Sie tun so, als wären ihre kommerziellen Interessen identisch mit den Interessen der Gesellschaft. Sie versuchen, ihr Eigenwohl und das Gemeinwohl untrennbar miteinander zu verknüpfen.

Sie haben damit, wie Google, nicht ganz Unrecht. Wenn Verlage in der Lage sind, guten Journalismus zu produzieren, ist das im Interesse der Gesellschaft. Aber das bedeutet nicht, dass alles, was Verlagen nützt, dem Gemeinwohl dient.

Genau auf diesem Gedanken beruht aber, oft unausgesprochen, weil als selbstverständlich vorausgesetzt, die Lobbyarbeit der Verlage, der Kampf um eine steuerliche Bevorzugung, um eine eigene Google-Abgabe, die ihnen zugute kommen soll. Es ist eine doppelte Anmaßung: Was gut für Verlage ist, ist gut für die Gesellschaft. Und niemand anders kann das tun, was Verlage für die Gesellschaft tun.

Die überschäumende Empörung darüber, dass ein kommerzielles Unternehmen wie Google sein Eigeninteresse als Gemeinwohl ausgibt, lässt sich auch dadurch erklären, dass sich Google diesen Trick von den Verlagen abgeschaut haben könnte. Und natürlich aus der Angst, dass dieser Trick funktionieren könnte. Dass viele Menschen es womöglich nicht abwegig finden, in Google ein Synonym für das Netz, und sogar: ihr Netz zu sehen, und in einem Angriff auf Google einen Angriff auf ihre eigenen Interessen.

Umgekehrt scheint den Verlagen der Trick immer weniger zu gelingen. Wie viele Menschen sehen in ihnen noch ein Synonym für „gute Information“, und in einer Bedrohung von Verlagen eine Bedrohung ihrer eigenen Interessen als informierter Bürger?

Ich frage das ohne Häme. Ich finde die vielfachen Anmaßungen der Verlage lächerlich und empörend, aber ich glaube an die Bedeutung von professionellem Journalismus. Ich halte es für gefährlich, wenn viele Menschen im Internet glauben, die Informationen würden halt schon irgendwoher kommen und eine Welt ohne Verlage wäre eine bessere Welt.

Es liegt aber an den Verlagen selbst, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Stattdessen haben sie gestern wieder auf Hysterie und Gegenpropaganda gesetzt. Das Problem dabei ist: Wenn Google wegen seiner Kampagne als ein kommerzielles Unternehmen wahrgenommen wird, das seine Macht rücksichtslos für eigene Zwecke ausnutzt, kann es damit eher leben, als wenn die Verlage so wahrgenommen werden. Auch Google ist auf das Vertrauen der Nutzer angewiesen, aber Google steht gerade nicht mit dem Rücken an der Wand, und Google muss gerade nicht die Herausforderung meistern, Leute dazu zu gewinnen, in Zukunft Geld für bislang kostenlose Dienstleistungen auszugeben.

Die Verlage machen mit ihrer strategischen Einseitigkeit gerade alles noch schlimmer. Jetzt schreien sie auf, wie unlauter das Vorgehen von Google sei, was für ein Machtmissbrauch. Wo waren die flammenden Kommentare oder auch nur die kritischen Berichte, als die deutschen Verlage eine Kampagne für das Leistungsschutzrecht fuhren, als sie zu Mikrofonständern mutierten, als Zeitungen wie die „Welt“ und „FAZ“ ihre eigenen Lobbyvertreter als unabhängige Experten ausgaben?

Es ist schlicht unwahr, wenn Heribert Prantl in der „Süddeutschen“ schreibt: Das Leistungsschutzrecht „belastet und betrifft nicht die Blogger im Internet“. Es ist die reine Lüge, wenn er schreibt: „Das neue Gesetz betrifft einzig und allein die großen Suchmaschinen.“ Es betrifft auch kleine Suchmaschinen, es betrifft winzige, wunderbare Aggregatoren wie Rivva, und damit betrifft es, Verzeihung: mein Netz.

Prantl behauptet über das Leistungsschutzrecht:

Es ist nicht gefährlich für die Informationsfreiheit, es ist nicht gefährlich für die Kommunikationsgrundrechte, es ist nicht einmal gefährlich für den gewaltigen Geldbeutel von Google. Gefährlich ist nur die Art und Weise, mit der ein Weltkonzern seine gewaltige Marktmacht nutzt, um seine Nutzer zu täuschen und den Gesetzgeber zu drangsalieren.

Nun: Zahlreiche namhafte deutsche Urheberrechtler haben gestern eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie die „Gefahr unabsehbarer negativer Folgen“ durch ein Leistungsschutzrecht beschwören. Konkret sorgen sich die Wissenschaftler um die „Informationsfreiheit in Deutschland“.

Man muss sich natürlich diesem Urteil nicht anschließen. Aber wäre es nicht vertrauenserweckend, wenn eine Zeitung wie die „Süddeutsche“ und einer ihrer prominentesten Vertreter wie Heribert Prantl nicht so täten, als sei die Sorge um die „Informationsfreiheit“ so abwegig, dass darauf nur ein böses Unternehmen im schlimmen Propagandarausch kommen könnte? Einen Hinweis auf die Warnung der Experten vom Max-Planck-Institut für Immaterialgüter– und Wettbewerbsrecht, des Fachausschusses Urheber– und Medienrecht der Deutschen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht (GRUR) sowie der 16 weiteren Wissenschaftler habe ich bislang in keiner Meldung gefunden.

Die Pressestelle des BDZV hat gestern die Ablehnung eines Leistungsschutzrechtes mit der Legalisierung von Ladendiebstahl gleichgesetzt. Das sind die gleichen Leute, die Google vorwerfen, „üble Propaganda“ zu betreiben.

Das „Handelsblatt“ hat heute einen Artikel auf der Seite 1, der so überschrieben ist:

Boykottaufruf gegen Google. Justizministerin greift im Streit über Leistungsschutzrecht den Internetkonzern an.

Grundlage für diese Schlagzeile ist laut Text ein einziger, faktisch zweifellos zutreffender Satz der Bundesjustizministerin gegenüber dem „Handelsblatt“:

„Es gibt noch andere Suchanbieter als Google.“

Axel Springers Außenminister Christoph Keese twitterte:

Vielleicht merkt er wirklich nicht, dass diese „düstere Zukunft“ den Schrecken verliert, wenn sie sich so wenig unterscheidet von der Gegenwart. Wenn der kritische Beobachter den Eindruck bekommen könnte, dass der Unterschied minimal ist, ob ein riesiger amerikanischer Suchmaschinenkonzern die Leute aus Eigennutz (des)informiert oder eine deutsche Zeitung.

Sie haben immer noch nicht gemerkt, dass sie im vermeintlichen Kampf ums Überleben gerade ihre Lebensgrundlage verspielen.

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123 Gedanken
  1. 1
    Michael Ziesmann says:

    Ihr u.a. Zitat aus Ihrem Artikel würde zutreffen wenn Google eigene journalistische Inhalte besitzen und publizieren würde. Genau da liegt das Problem: Google ist ein Gatekeeper mit 98% Marktanteil ohne eigene Inhalte. Google vermittelt Traffic auf fremde Inhalte. Google ist kein Medienanbieter sondern Traffic-Vermittler mit marktbeherrschender Positon.

    Daher hinkt der Vergleich mit den Verlagen, die selbstverständlich auch wirtschaftliche Interessen verfolgen — aber eben mit EIGENEN journalistischen Inhalten. Zudem ist Medienunternehmen jegliche marktbeherrschende Position strikt verboten — weshalb sich Google besser nicht als Medienunternehmen positionieren sollte…

    Google kann denkunmöglich mit eigenen Inhalten irgendeinen Zweck verfolgen, es kann daher denklogisch ausschließlich um wirtschaftliche Interessen und unkontrollierte Verfestigung als Gatekeeper gehen — weshalb sich die Kampagne von Google als scheinheilig entpuppt.

    Daher hinkt Ihr Vergleich wenn Sie schreiben:

    „Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, stellen die deutschen Verleger für sich eine genau solche Verbindung her, wie sie Google behauptet. Sie stellen ihren Kampf um eigene wirtschaftliche Vorteile als uneigennützigen Kampf im Sinne der Demokratie dar. Sie tun so, als wären ihre kommerziellen Interessen identisch mit den Interessen der Gesellschaft. Sie versuchen, ihr Eigenwohl und das Gemeinwohl untrennbar miteinander zu verknüpfen.“

  2. 2
    polyphem says:

    „Sie haben immer noch nicht gemerkt, dass sie im vermeintlichen Kampf ums Überleben gerade ihre Lebensgrundlage verspielen…“

    Kann nicht sein. Die haben doch Frau Merkel an ihrer Seite. Die hat kürzlich in ihrer letzten Botschaft ans Volk, direkt nach Giovanni di Lorenzo, erklärt, wie wichtig und gut Papier-Tageszeitungen seien. Das sei doch was anders als dieses Internet-Dingens. Ihre frohen Botschaften verbreitet sie allerdings übers Internet. Ja, so isse. Sie kann sagen was sie will. Sie sagt, was sie soll. Jakob Augstein verzweifelt und Friede ist mit ihr. Liz vermutlich auch.

  3. 3
    Stefan Niggemeier says:

    @Michael Ziesmann: Das ist kein Vergleich, sondern eine Tatsache. Und natürlich ist Medienunternehmen nicht „jegliche marktbeherrschende Position strikt verboten“. Sie ist im Lokalen sogar eher die Regel: http://de.wikipedia.org/wiki/Einzeitungskreis

  4. 4
    polyphem says:

    @Michael Ziesmann:

    „Daher hinkt Ihr Vergleich wenn Sie schreiben:„
    Ja, er hinkt, ihr Vergleich, Herr Ziesmann. Denn es ist kein Vergleich. Es ist eine Analogie.

  5. 5
    polyphem says:

    @S.N.: :-))))))

  6. 6
    C.K. says:

    Danke, Zustimmung.
    Ich finde allerdings jenseits der allgemein interessierenden Fragen nach Lauterkeit und Argumenten noch viel schlimmer, dass das Management von Zeitungsverlagen sich in einer Sache engagiert, die ersichtlich nicht zu Mehreinnahmen führen wird. Einer Branche, die symbolisches Handeln zum Gegenstand hat, kann es gar nicht so schlecht gehen, wie sie behauptet. Zumal, wenn ich das gestern richtig recherchiert habe, ungefähr die Hälfte der Anzeigenerlöse von Zeitungen dieselben Verlage mit Anzeigenblättern machen, die sie seit Jahren systematisch ausbauen. Das ist ungefähr dieselbe Gewinnverschiebung, wie man sie Google & Co mit Offshore-Steueroasen vorwirft. Wobei Zeitungsverlage laut wehklagen, Google uns aber wenigstens noch das Jammern über Unternehmenssteuern erspart.

  7. 7
    Jens says:

    Dass die Verlage gerade ihr wichtigstes Guthaben, ihre Glaubwürdigkeit, verspielen scheinen sie entweder wirklich nicht zu merken oder es billigend in Kauf zu nehmen. Das ist auch der Punkt, der den Verlagen noch am meisten weh tun wird denke ich. Jeder neutrale Beobachter, der sich mit dem Leistungsschutzrecht (was für ein blöder Name btw) auseinander setzt wird feststellen, dass es dabei einzig um die Lobbyinteressen der Verlage geht. Wenn er dann feststellen muss, wie sehr die Verlage in dieser Sache gelogen haben und ihm Propaganda vorgesetzt haben, die sie als angeblich neutrale Wertung ausgegeben haben (was ja Aufgabe des Journalismus sein sollte), dann wird er sich bei anderen Themen sicherlich auch fragen, ob die Meldungen und Artikel der Verlage vielleicht nicht genauso einseitig sind. Und je mehr Menschen so an dem Wahrheitsgehalt einer Zeitung oder eines Verlages zweifeln, desto weniger werden ihm vertrauen, neutrale und ausgewogene Berichte zu schreiben (und damit seine Zeitungen nicht mehr kaufen). Dass die Verleger das nicht verstehen, kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass sie sich so in ihrem LSR verrannt haben, dass sie bis zum bitteren Untergang daran festhalten müssen. Und der wird sich wohl schwer aufhalten lassen, wenn sie so weiter machen.

  8. 8
    Der unglaubwürdige Freiheitskämpfer « Lumières dans la nuit says:

    […] Und nein, die Propaganda der Verleger ist nicht weniger verlogen. Bewerten:Share and Enjoy:TwitterE-MailDigg Schlagworte: Google, Leistungsschutzrecht, […]

  9. 9
    Ulan says:

    Auch Verlage haben keine „eigenen Inhalte“ solange das darin Veröffentlichte die Beiträge von Journalisten sind (Ausnahmen wären die Eigenverlage). Verlage besitzen in der Regel nur die Rechte an den Inhalten, die sie den Kulturschaffenden mit oft ans Erpresserische grenzenden Verträgen für lachhafte Beträge abgepresst haben.

    Eigenleistung der Verlage sind gegebenenfalls Gestaltung und Druckbild, was z.B. Notenblattverleger zur unverfrorenen Behauptung bringt, sie hätten die „Rechte“ beispielsweise an Volksliedern und Klassik. Diese Eigenleistung verlieren aber keine Verleger, wenn sie durch Suchmaschinen oder Links bei anderen Seiten wie Blogs und social Networks referenziert werden.

    Das Gejammere der Verlage nehme ich daher längst nicht mehr ernst und ohne Lobbyarbeit und der Bedienung und dem Bespielen der Eitelkeit unserer Politiker hätte dem LSR-Ansinnen nicht mehr als ein schallendes ROFLCOPTER GTFO entgegnet werden dürfen.

  10. 10
    Stefan Herwig says:

    Mit welcher Begründung kommt das Max Plank Institut eigentlich zum Schluss, dass hier kein Marktversagen vorliegt?

    Behaupten lässt sich viel, aber eine Argumentation, wieso die marktbeherrschende Stellung von Google im Infrastrukturbereich NICHT zu einem Marktversagen führen sollte (da bin ich ganz bei Herrns Ziesmann) wäre da schon angebracht.

    In dieser Auseinanderstezung bekleckern sich beide Parteien gerade nicht mit Ruhm, nicht die Verlage, und schon gar nicht Google. die benutzen übrigens gerade ihre MAchtposition, um Hobbylobbyisten ins Feld zu führen. Die Verleger haben bisher nicht dazu aufgerufen, dass sich Bürger bei ihren MDBs melden sollen.

    Wenn nur 1% der Lesenden diesen Aufruf befolgen, dann wird das ein Sturm werrden, der sein Ziel nicht verfehlen wird: Abgeordenete vor der öffentlichen Debatte zum LSR unter Druck zu setzen. Das hat es noch nicht gegeben.

    Während die verleger in der Tat ihre strukturellen Interessen auch in ihre Berichterstattung einfliessen lassen (Wobei die Zeit ja dagegen votiert hat) misbraucht Google seine Position ungleich skrupelloser.

  11. 11
    chi says:

    Grammatiktip: „Man muss sich natürlich dieses Urteils nicht anschließen.“ → „… diesem Urteil …“

  12. 12
    meykosoft says:

    Vorweg ein kurzer Erinnerungsausflug:

    In den ersten Jahren unserer Nachkriegsdemokratie wurden sogenannte „Lizenzzeitungen“ herausgegeben. Das bedeutete, ausschließlich eingewiesene, dem neuen Demokratie — System gewogene Medienmacher, durften Informationen zu Veröffentlichung auswählen und somit den (politischen) Ton in der Pressewelt angeben. (Die erste Lizenz wurde am 1. August 1945 an die Frankfurter Rundschau vergeben) Diese ersten Zeitungen wurden Anfangs, sicherlich auch als Hilfe zur Demokratisierung, von den Alliierten Mächten beraten und zensiert.

    Das damals installierte Mediensystem ist erweitert worden, mächtig gewachsen, funktioniert heute noch und ist nach wie vor eine Voraussetzung, oder besser gesagt die Lebensnotwendigkeit für vielfältige demokratische Entwicklungen, beinah auf der ganzen Welt. Deutlicher gesagt, ohne Informationen wüssten wir nicht, wen wir eventuell wählen, oder gegen wen wir etwa Krieg führen sollen.

    Also, unsere Medien haben über Jahrzehnte allein schon durch ihre „Informationsvorauswahl“ die Gelegenheit, Meinungen oder auch gesellschaftliche Entwicklungen zu steuern. Diese Möglichkeit wird auch wie selbstverständlich genutzt. Abgesehen von möglichen Manipulationen, die auf anderen (auch eigenen) Interessen beruhen können.

    Allerdings sagt der Art. 5 GG

    „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. ..“

    Vieles verändert sich derzeit rasant in der Welt der Medien. Durch das Netz (und auch durch Google) besteht seit einigen Jahren erstmals die Möglichkeit, Informationen „journalistisch ungefiltert oder unbearbeitet“ zu bekommen, bzw. sich auch aus anderweitigen Quellen die neuesten Informationen sehr viel schneller als bisher zu beschaffen. Das heisst dann wohl auch, die Medien werden so nach und nach einen Teil des Marktes, mitsamt der zugehörigen „Definitionsmacht“, aufgeben müssen. Das fällt ersichtlich schwer.

    Dass das seinerzeit verteilte „Journalismus-Monopol“ in immer mehr Bereichen aufgeweicht und abgelöst wird, ist vielleicht ja ein weiterer, unausgesprochener Grund für ein unablässiges Rufen der Verlage nach einem sogenannten „Leistungsschutzrecht“…

  13. 13
    Links anne Ruhr (28.11.2012) » Pottblog says:

    […] Leistungsschutzrecht eine Nacht-und-Nebel-Aktion? – Golem.de – Siehe auch die Artikel Google ist nicht das Netz und Verlage sind nicht der gute Journalismus sowie Google mobilisiert Endnutzer – warum mobilisieren Verlage nicht ihre […]

  14. 14
    Anke says:

    Ich begreife beim besten Willen nicht, wie die Verleger jemals darauf kommen konnten, dass es ein Nachteil für sie ist, wenn die Schlagzeilen ihrer Zeitung bei Google gefunden werden. Glauben die denn tatsächlich, dass ich als Leser jeden Tag 5–6 Zeitungen online lese? Nein, ich bekomme Angebote über Google und lese dann das, was mich interessiert. Manchmal bleibe ich sogar hängen und lese weiter, suche nach anderen Artikeln. Um die Artikel einordnen zu können brauche ich auch schon die paar Zeilen, die Google noch mitzeigt — sonst kann man teilweise nicht feststellen, worum es in dem Artikel geht.
    Wenn das von einigen Zeitungen nicht gewünscht wird, dann sollen sie doch die technischen Möglichkeiten nutzen um von Google nicht gelistet zu werden. Warum um alles in der Welt brauchen wir ein Gesetz, damit etwas nicht passiert, was doch offensichtlich von den Verlagen gewünscht wird, da sie es nicht verhindern?

  15. 15
    skluess says:

    Ich finde es unglaublich wie manche Artikel jetzt suggerieren, dass google mit der Kampagne etwas unglaubliches oder einmaliges machen würde. Die Verlage haben in den letzten Jahren immer wieder (selbstverständlich ohne viel Öffentlichkeit) versucht, ihre Interessen durch zu setzen — und wenn das jemand anders macht, ist es plötzlich was schlimmes?

    Hinzu kommt noch, dass ich zum Thema Leistungsschutzrecht in Zeitungen etc. bislang kaum kritische Artikel gelesen haben, wenn überhaupt. (Einen der wenigen zB auf spiegel.de)
    Gestern gab es dann zwar plötzlich überall und nirgends Artikel dazu, aber meist wars einfach die gleiche dpa-Meldung (grossartige arbeit, erstklassige copypasta, echt schützenswert!). Über die Argumente der Gegner eines Leistungsschutzrechtes gab es dort nichts zu lesen, selbst wenn sich aus versehen die ein oder andere eigene Zeile eingeschlichen hat.

    Ich bin kein grosser Fan von google. Aber diejenigen, die in dieser Debatte ihre Macht missbrauchen, lügen und Informationen verdrehen, sind die Verlage.

  16. 16
    Kinch says:

    @Anke(18)

    Ich begreife beim besten Willen nicht, wie die Verleger jemals darauf kommen konnten, dass es ein Nachteil für sie ist, wenn die Schlagzeilen ihrer Zeitung bei Google gefunden werden.

    Die Verlage haben diese Meinung auch nicht; würden sie sie haben, würden sie sich ja einfach bei google Auslisten lassen und das Thema wäre gegessen.

    Sie haben lediglich die Meinung, dass sie von Google dafür bezahlt werden sollten gelistet zu werden, obwohl das Listen etwas positives für sie ist. Warum auch nicht? Google hat Geld, die Verlage keines; ein wenig Umverteilung kann man ja mal versuchen.

  17. 17
    Andre says:

    Vor allem ist mir gestern akut aufgefallen, wie die Verlagspresse sich darauf versteift, dass Google ja ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht ist. Um dann daraus abzuleiten, es ginge bei der Gegenkampagne gar nicht um Freiheit, sondern nur um Gewinne von Google. Die Umwandlung der diversen Verlage in gemeinnützige Stiftungen muss mir wohl entgangen sein. Und dann schlug auch noch ein Kommentar auf der Tagesschau-Seite mit dem selben Tenor auf. Welch Zufall, dass die ARD seit geraumer Zeit in der Deutschen Content Allianz mit den selben Verlegern gemeine Sache macht.

    Was die Verlage dabei wohl übersehen: Die Glaubwürdigkeit, die sie in der LSR-Debatte aufs Spiel gesetzt haben ist das einzige Kapital, was sie in der Welt der zunehmend digitalen Medien noch haben. Wenn so ziemlich alle Zeitungen mit der selben Einseitigkeit über die Debatte schreiben, warum sollte ich denen dann unabhängige Berichterstattung über andere Themen zutrauen? In diesem Sinne: Liebe Verlage, geht doch bitte pleite! Schnell!

  18. 18
    Frank Reichelt says:

    Bei den Verlagen hat sich über die Jahre durch Autosuggestion die Ansicht verfestigt, sie wären nicht in erster Linie Wirtschaftsunternehmen, sondern Hüter und Bewahrer der Meinungsvielfalt, der Pressefreiheit und somit quasi der Demokratie selbst.
    Jeder Angriff auf sie ist somit gleichzeitig ein Angriff auf diese Werte, deshalb erwarten sie ganz selbstverständlich, dass die Bundesregierung und die Öffentlichkeit ihnen bedingungslos beispringt, da denen ja auch an der Bewahrung dieser Werte gelegen sein muss.
    Herr Niggemeier hat diesen Irrtum in seinem Artikel dankenswerterweise noch einmal aufgezeigt.

  19. 19
    Petra says:

    Trotz aller guten Argumente gegen das LSR halte ich dennoch die Aktion von Google ein bisschen übertrieben. Informationen zum Eyafjölladingsbums werde ich weiterhin finden können. Und ich glaube auch nicht, dass es Arbeitsplätze bei Google Deutschand kosten wird. Google schießt mit Kanonen auf Snippets und vergisst dabei, dass eben auch andere wie Rivva betroffen sind.

  20. 20
    Lesenswert: Google ist nicht das Netz, und Verlage sind nicht der gute Journalismus « Stefan Niggemeier | darkdestiny.de says:

    […] Link (via Instapaper) Dieser Beitrag wurde unter Lesenswert abgelegt und mit Tumblr verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Twittern ← Hörenswert: Hoaxilla 107 – Waldorf-Schule […]

  21. 21
    Takedown: Das Max-Planck-Institut nimmt Stellung zum Leistungschutzrecht « ThomNagy says:

    […] Wettbewerbsrecht so nüchtern wie vernichtend Stellung dazu. Ich bin gespannt, wie die Verfechter dieser bigotten Forderung dagegen argumentieren […]

  22. 22
    dg says:

    Dieser Vorwurf und der Aufschrei ob des Lobbyismusses der Verlage gegen Google und auch hier in den Kommentaren ist lächerlich.
    Dieser Entwurf (und seine zwei Vorgänger) existiert einzig allein aufgrund jahrelangen! Lobbyismusses genau der Branche, die sich hier über Lobbyismus beschwert.

    Die marktbeherschende Stellung von Google ist sicher ein Problem, aber das löst man nicht dadurch, dass man Google (und alle potentiellen Konkurenten von google) irgendwem Geld zahlen lässt.

  23. 23
    Gregor Keuschnig says:

    Sehr guter Artikel. Vielen Dank.

    Das Gerede von der „marktbeherrschenden Stellung“ oder gar einem „Monopol“ von Google ist Blödsinn. Niemand wird gezwungen, Google zu verwenden. Dass Google derzeit den Markt dominiert hat mit deren Produkten zu tun. Solange niemand eine auch nur annähernd ähnliche Suchmaschine basteln kann, bleibe ich bei Google (und die Verlage offensichtlich auch, denn niemand hat sich bisher freiwillig aus den Indizes herausbegeben). Die gleichen Ideologen, die allüberall für „freie Märkte“ eintreten, sind, sobald es um ihre eigenen, jämmerlichen Interessen geht, die ersten, die nach dem Staat rufen.

    Statt die tatsächlichen Problemstellungen, die sich aus der Aggregation von Informationen aus dem Internet ergeben zu thematisieren, wird die eigene Rolle derart überhöht, dass man als Google-User plötzlich als Lump und Demokratiegegner erscheinen muss. Diese Dämonisierungsstrategie ist in höchstem Maße lächerlich. Man verliert in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit den letzten Rest von Vertrauen in Journalisten, die mit derart Schaum vor dem Wort rabulistische Manipulation zu Gunsten ihrer eigenen Interessen betreiben.

  24. 24
    Ulrich van Stipriaan says:

    „Google ist ein Gatekeeper mit 98% Marktanteil ohne eigene Inhalte“ schreibt (oben unter 1) M.Z. Das Problem ist aber doch, dass Zeitungen (je lokaler, desto doller) auch kaum noch Eigenes schreiben. Sie sind ein PR-Aggregator, sie lassen sich treiben. Die einzig journalistische Arbeit ist dann häufig noch, das Eingereichte so zu kürzen oder mit eigenen unsinnigen Einleitungssätzen zu verwursten, dass es noch schlimmer wird. Ein Grund, weswegen ich schon länger von Qual(itäts)journalismus schreibe…

  25. 25
    Johannes says:

    Ich sehe das alles sehr ähnlich, finde das LSR genauso blöd wie Googles Vorgehen. Habe dazu auch gestern Morgen gebloggt:
    http://www.senSATZionell.blogspot.com/2012/11/lsr-google.html

  26. 26
    Torsten says:

    Hat jemand den Volltext des Handelsblatt-Interviews und kann uns sagen, was vorher oder nach dem vermeintlich so bösartigen Hinweis auf andere Suchanbieter stand?

  27. 27
    Frederic Schneider » Archiv » Leistungsschutzrecht und FAZ-Abo says:

    […] Stefan Niggemeier über die aktuelle Diskussion Veröffentlicht von frederic Abgelegt unter Mediales, Politisches Keine Kommentare » […]

  28. 28
    Alexander Finger says:

    Re „Gatekeeper“ — aus Spass habe ich letztens die Homepage einer regional dominanten Tageszeitung aufgerufen. Auf der ersten(!) Seite sah ich vor allem Agenturmeldungen. Um auf selbst erstellten Content zu gelangen, musste ich ganz nach unten scrollen und aktiv suchen.

  29. 29
    Felix aus Frankfurt says:

    Wirklich schlimm finde ich, dass ich bei mir merke, wie ich kopfschüttelnd daneben sitze und JEGLICHES Wohlwollen gegenüber Zeitungsverlegern verloren habe. Und mir denke: „Juckt mich eigentlich nicht (mehr), wenn es keine Zeitungen mehr geben sollte.“

    Es ist vermutlich diese Heuchlerei, und der Wille, zu gestalten, statt einfach über das Geschehen in der Welt zu berichten.

    Dabei nutze ich sehr selten (<1mal in der Woche) google-News und surfe Seiten eher direkt an bzw. werde über Blogs/Twitter auf interessante Artikel hingewiesen…

  30. 30
    Thomas says:

    Vielen Dank für diesen Artikel, der meine ganze Wut auf diese gestrigen verlogenen Artikel der „Qualitäts“-presse ziemlich präzise ausformuliert.
    Auch wenn ich das LSR von Anfang an für Unsinn gehalten habe, hatte ich ja noch etwas Sympathie mit den Verlegern und der alten Presse. Aber spätestens seit gestern hat sich das. Mit dieser Breitseite von heuchlerischen, verlogenen und hetzerischen Artikeln zu Googles Aktion haben sie sich — zumindest bei mir — allesamt um das letzte Bisschen Glaubwürdigkeit gebracht. Sollen sie allesamt wirtschaftlich zu Grunde gehen, Insolvenz anmelden und zur Hölle fahren. Der ganze scheinheilige Haufen.
    Um die Zukunft der Nachrichten mach ich mir da keine Sorgen. Es wird genügend Akteure geben, die den Markt nach dem Zeitungssterben für sich besetzen werden. Auch wenn uns die Verlage weissmachen wollen, dass es ohne sie keine Nachrichten gäbe.

  31. 31
    J0nathan Beddig says:

    Google Gatekeeper? Ja! Das liegt unter Anderem daran das jahrelang versucht wurde SEO zu betreiben um ja ganz vorn mit seinem redaktionellen Angebot zu liegen. Das ist als ob man jemandem sein Auto schenkt und dann, weil man merkt, dass die Konsequenz zu Fuss unterwegs zu sein doch nicht so prall ist, sich einen Anwalt zu nehmen um den Beschenkten zu verklagen.

    Liebe Verlage — ich kenne euch gut. Seit Jahren dreht sich bei Euch Verlagsarbeit darum Prozesse zu optimieren, seinen es Laufwege von Zeitungszustellern, Outsourcing zu Hungerlöhnen und Stockcontent um den Folgen einer immer geringer werdenden Zeitungsleserschaft entgegen zu wirken. Und genau das ist auch das eigentliche Problem: euer Produkt ist ein VW Käfer, der vollgeklebt ist mit Werbestickern, wo man im Stile Feuerstein mit den Füßen durch das Loch im verrosteten Boden bremsen muss.

    Der Grund warum Google in diesem Spiel als Sieger hervor gehen wird, liegt sicher nicht an Lobbyarbeit, liegt sicher nicht an den ganzen Netzpiraten die euren Content stehlen — nein es liegt daran das ihr mittlerweile ein minderwertiges Produkt habt, das keiner haben will, bzw. dafür Geld bezahlen möchte. Ich im Übrigen auch nicht!

    Danke für diesen mir aus der Seele sprechenden Artikel Herr Niggemeier!

  32. 32
    Stefan Niggemeier says:

    @torsten: es gibt, soweit das zu erkennen ist, kein Interview. Es gibt im ganzen „Handelsblatt“ von Frau Leutheusser nur diesen einen Satz.

  33. 33
    Richard Gutjahr says:

    Gerade in diesem Internet gelesen:

    „Google vs. LSR — oder: wenn schlechte PR auf schlechten Journalismus trifft.“

    (by @BendlerBlogger via Twitter)

  34. 34
    Christian Stöcker says:

    1. Konrad Lischka ist kein Unternehmenssprecher und kein Vertreter „der Verlage“. Er ist Journalist und schreibt nicht im Auftrag irgendwelcher Verbände. „Lischka sagt dies, die Verlage tun das“ ist deshalb eine wenig hilfreiche Gegenüberstellung. Im Übrigen ist bei uns gestern auch dieser Text erschienen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/fragen-und-antworten-was-das-leistungsschutzrecht-soll-a-869464.html
    Ich habe ein Problem mit diesem pauschalen Vorwurf der Parteilichkeit.

    2. Die Gefühlslage von Autoren erraten zu wollen, um sie anschließend zu kritisieren, („scheinen … persönlich übel zu nehmen“) ist meistens ein Anzeichen dafür, dass man faktisch nichts zum Kritisieren gefunden hat.

    3. „Was die da machen, ist nicht gut (sich für synonym mit „dem Netz“ erklären), aber andere machen doch auch Sachen, die nicht gut sind! („die Verlage“)“ war schon immer ein schlechtes Argument.

  35. 35
    Stefan Herwig says:

    Ich finde das bei der Meinung über Presseverlage hier bei einigen das Differenzierungsvermögen sehr stark zu wünschen übrig lässt. Man kann ischelrich nicht alle Presseverlage über einen Kamm scheren, weder qualitativ, noch in der Art und Weise, wie sie mit dem LSR und der Nutzermanipulation umgehen.

    Bei Aussagen wie: „Alle Presseverlage mögen doch pleite gehen“, läuft es mir kalt den Rücken runter. (Jonathan beddig, @Thomas, @Felix aus Frankfurt, @Alexander Finger).

    Kauft Euch mal wieder eine „Zeit„um Euch mal wieder etwas zu erden…

  36. 36
    noyse says:

    @10 das brauchen die verleger auch nicht, da ihre vertreter sowieso bei den mdbs ein und aus gehen. Das ist der Unterschied.

    Interessant wäre für mich folgende Situation, wenn das LSR tatsächlich verabschiedet werden sollte und google die verlage auslistet. nehmen wir mal an bing zahlt dann an die Verlage. Steigen dann alle auf Bing um, weil man da die Inhalte der Verleger finden kann? Ich glaube nicht. Eher das gegenteil — man wird nur dann bewusst nach deren Inhalten suchen , wenn jemand einen auf einen Artikel in der Presse hingewiesen hat.

    Und ich bin versucht drauf zu wetten, dass wenn google aus Trotz die Verlage auslistet eben google nicht zugrunde geht. was ja der logischen Argumentationsfolge der verlage entsprechen würde.

    Aber wahrscheinlich gibt es dann ein weiteres Gesetz geben das Suchmaschinenanbieter dazu verpflichtet inhalte der Verlage zu listen und damit geld zu bezahlen.

  37. 37
    Stephan says:

    Ich finde, ein wenig mehr Applaus hätte die Stellungnahme des Max-Planck-Instituts verdient — es handelt sich immerhin um einen der wenigen wirklich unabhängigen Stimmen in der Debatte, und die Stellungnahme ist so eindeutig wie richtig. Ich habe selten ein akademisches Papier gesehen, dass so „auf die Fresse“ ist. Und die Unterzeichnerliste ist auch nicht von schlechten Eltern — von der Prominenz fehlen eigentlich nur die, die für die Verlage arbeiten.

    Es ist auch nicht richtig, dass das Marktversagen vielleicht doch vorliegt und dass das Nichtvorliegen besser hätte begründet werden müssen. Es ist ein Allgemeinplatz, der den Autoren zu Recht keine weiteren Worte wert war. Jeder Verlag hat die Möglichkeit zu entscheiden, ob er auf Google News oder in der Suchliste auftauchen will oder nicht. Jeder Verlag hat auch die Möglichkeit, eine Bezahlschranke einzuführen oder es sein zu lassen. Dass in beiden Fällen ökonomische Nachteile entstehen, liegt nicht an Google, sondern daran, dass Nachrichten eine Commodity geworden sind, bei der ein Überangebot an inhaltlich identischen Angeboten einer beschränkten Nachfrage gegenübersteht. Der Markt versagt nicht, sondern er regelt das gerade und wird zu einer Marktbereinigung führen, bei der am Ende wenige große Nachrichtenanbieter übrig bleiben.

    Als Kontrollüberlegung: Nimmt man Google und Suchmaschinen allgemein aus dem Spiel heraus, bleibt es doch dabei: Verlagswebseiten werden nicht mehr Geld verdienen, weil der Leser die Möglichkeit hat, sich das angebotene Produkt anderweitig zu besorgen. Anders als früher gibt es eben durch das Netz zahllose Anbieter, die diese Nachfrage befriedigen können, und nicht mehr nur die am Ort angebotene(n) Tageszeitung(en), die man quasi zwangsläufig erwerben muss, wenn man sich informieren will.

    Warum soll jetzt also Google dafür zahlen, dass das Netz als solches eine Nachfrageübermacht herbeiführt? Wenn schon, dann bitte eine Journalismusabgabe auf Netzverbindungen.

  38. 38
    Alexander Finger says:

    @Stefan Herwig — ich habe weder gesagt noch gemeint, dass alle Verlage pleite gehen sollen. Gesagt habe ich, dass mir aufgefallen ist, dass eine Zeitung (ich meinte die Lüneburger Landeszeitung) auf ihrer (Internet-) Seite 1 vor allem Agenturmeldungen druckt. Damit stelle ich die Legitimation des „wir machen Content und keiner zahlt dafür“ zumindest mal _dieser_ Zeitung in Frage.

    An anderer Stelle hatte ich schon den Vorschlag gemacht, dass Google doch selber „Verlag“ werden sollte, mit eigener Redaktion.

  39. 39
    Frank says:

    Ich verstehe diese leidliche Diskussion ehrlich gesagt gar nicht. Wenn die Verlage nicht wöllten, dass Google sie in den Index aufnimmt und zitiert, dann sollen sie’s halt unterbinden. Google zwingt ja niemanden dort aufzutauchen. Eine robots.txt, ein paar „nofollow“ und „noindex“ Attribute und schon könnten sie unabhängig von Google agieren.

    Aber stattdessen werden eigene SEO-Experten engagiert, die eben genau das Gegenteil bewirken sollen. Wie absurd ist das denn bitte?

  40. 40
    Foodfreak says:

    Verlage produzieren keine Information — sie verwerten sie. Die Lieferanten von Information sind (im weit gefassten Sinne) Journalisten. Wenn wir weiterhin Informationen aus aller Welt und (etwas das viele Verlage aus vielen Gründen zu verhindern suchen) in breiter Meinungsvielfalt haben wollen, brauchen wir Journalisten, die für ihre Arbeit bezahlt werden, und zwar so dass sie davon leben können. (Damit meine ich Journalisten die was anderes tun als Pressemitteilungen von Konzernen zu aggregieren). Die derzeitige Verlagslandschaft ist aber dafür mitnichten vonnöten, eher im Gegenteil.

    Google verkauft also seine Kampagne gegen das LSR. die Google nutzt, damit dass diese im Interesse aller sei. Man möchte sagen, ja und? Wenn jemand mir etwas verkaufen will, unabhängig vom Produkt, dann damit, dass er mir erklärt welchen Vorteil *ich* davon habe, nicht welchen Vorteil er davon hat, das ist doch ganz normal, darüber braucht sich keiner irgendwie zu echauffieren…

  41. 41
    Stefan herwig says:

    @stephan:
    Tut mir leid, aber ich finde das Schreiben des MPA nicht so toll wie Du. Ich pflichte denen auch nicht zu, dass es kein Marktversagen gibt. Bei einem Marktanteil von 91% bei den Suchmascinen und 94% beim Anzeigenmarkt sollte man bei sowas schon genauer hinschauen.

    Für die Presseverlage bleiben nur die Optionen sich gegen diese Suchmaschine quasi „unsichtbar“ zu machen (Robot txt), oder mit den google-Wölfen heulen und deren teils wirklich skandalöse Geschäftsbdingungen zu akzeptieren. Da es keinen Wettbewerb zwischen den Suchmaschnen gibt, gibt es aktuell auch keinen Wettbewerb bei den Anzeigenkonditionen, beim Algorithmus beim Umgang mit Inhalten, bei der Suchmaschinenneutralität, etc.

    Und das „unsichtbar machen“ ist für ein Presseangebot welches in letzter Konsequenz von Aufmerksamkeit lebt leider nur eine theorteische Option. Faktisch ist das ökonomischer Selbstmord. Das weiss auch Google.

    Das konstituiert für mich ein Marktversagen.

    Zur Klarstellng: daraus folgt aber nicht, dass sich damit das Leistungsschutzrecht in dieser Form automatisch legitimiert. Ich glaube es ist prinzipiell richtig, das Machtverhältnis zwischen marktbeherrschender Suchmaschine und Verlagen neu auszutarieren, aber nicht auf diese Art und Weise. Im Gegenteil, man muss genau hinsehen, welche „Leistung“ der Verleger bei den Aggregatoren assimiliert wird. Die liegt nicht wirklich in Snippets, sondern ganz woanders.

  42. 42
    Fritz says:

    @Torsten (29) Es gab kein Interview, offenbar nur telefonisch ein paar Stellungnahmen hereingeholt. Der seltsame Passus komplett: „Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat wegen der Onlinekampagne von Google gegen das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverlage indirekt zum Boykott des Suchmaschinenbetreibers aufgerufen: ‚Es gibt noch andere Suchanbieter als Google‘, sagte sie dem Handelsblatt . Die FDP-Politikerin zeigte sich erstaunt darüber, dass ein marktbeherrschendes Unternehmen versuche, die Meinungsbildung zu monopolisieren.“

    Auf Seite 20 führt HB die Geschichte weiter, da wird dann auch — richtig gesagt — dass Bing etc. ebenfalls in die Verwertungsgesellschaftskasse einzahlen dürften. Interessant dort noch die Stellungnahme des DJV, der eine Verteilungsdebatte führen möchte: „‚Die Interessen der Journalisten als Urheber müssen vollständig gewahrt werden‘ , sagte … Michael Konken. Er bat die Abgeordneten, den Gesetzentwurf entsprechend nachzubessern. ‚Dass Qualitätsjournalismus seinen Preis hat, müssen auch die Betreiber von Suchmaschinen akzeptieren, wenn sie diese Inhalte nutzen‘, sagte Konken.„
    Übrigens schreibt HB auch: „Innerhalb der Verlage ist das Leitungsschutzrecht durchaus umstritten.„
    Am Ende gibt esdann noch diese Flurgerüchte aus dem Bundestag: „Beteiligte berichten, dass die Chancen von Google, das Gesetz zu Fall zu bringen, eher gering seien. ‚Die Mehrheiten in der Koalition sind sicher‘, sagte ein Insider in Berlin. Demnach soll das Gesetzesvorhaben im Frühjahr verabschiedet werden und im Herbst in Kraft treten.“

  43. 43
    Stefan Herwig says:

    @alexander Finger,

    danke für die Klarstellung. Dadurch dass die zeitung nicht genannt ewurde, scien es so, als wenn sie diese „Leistung“ der Lüneberger Landeszeitung als repräsentativ für presse ansehen. Sie haben in ihrer zweiten Mail klargestellt, dass dem nicht so ist. Danke dafür.

    Fehlt nur noch die Rückfrage, was bei den Lüneburgern Symptom und was Ursache für das „Agenturmeldung paraphrasieren“ ist.

    Habe dieses Jahr einen guten Satz gehört, von Mark-Jan Eumann, Staatssekretär für Medien und Europa: „We are overnewsed and underinformed.“

    Da ist wohl viel dran…

    Stefan

  44. 44
    Michael says:

    Wieso ist das was google macht eigentlich schlechte PR? Zumindest ist offen und klar, was die Absichten dahinter sind. Im Gegensatz zur Verlagsseite, wo keiner weiss welcher Politiker woher geschmiert ist, was alles in geschlossenen Hinterzimmern abläuft etc…

  45. 45
    Moki says:

    Ist vielleicht mal ein bissl off-topic. Aber weil sie auch für den Spiegel arbeiten, Herr Niggemeier, würde mich mal interessieren, wie der Spiegel-Verlag zum Thema LSR steht. Gibt’s da eine offizielle Position? Bei vielen anderen (v.a. Springer) Medien wird ja offener Lobbyismus betrieben und man kann leicht rauslesen, wie sie zum LSR stehen.
    Ich frage das nicht, um ggf. blöd mit dem Finger zu zeigen und zu sagen: Ätsch! Ihr Arbeitgeber macht ja auch mit. Es ist wirklich reines Informationsbedürfnis, weil ich beim Spiegel nicht weiß, wie er zum LSR steht.

  46. 46
    Sven says:

    Ich verstehe das alles sowieso nicht. Wenn denn Google nun als „das Böse“ von Regierungen und Verlagen betitelt wird, aber die Informationsfreiheit nach Regierungssicht im Internet gewährt werden muss, dann könnte sich doch der Staat überlegen, eine eigene Suchmaschine ins Netz zu stellen bzw. ein Förderprogramm zu gründen — dazu gleich eine Netzagentur. Der Staat hätte seine Alternative und das Volk entscheidet wem es mehr vertraut, Google/Bing/Yahoo oder den Behörden.

  47. 47
    Maximillion says:

    Hallo #10:

    „Marktversagen“ ist ein entsprechender Fachbegriff. Wie die Herren Rechtswissenschaftler zu ihrem Ergebnis kommen, dass ein Marktversagen in diesem Sinne nicht vorliegt, begründen diese in ihrer ausführlichen Stellungnahme (der Link ist in dem pdf angegeben):

    „Nur dort, wo ohne Rechtsschutz Investitionen nicht getätigt würden, weil nicht der Investierende selbst, sondern ein Dritter davon profitieren könnte, rechtfertigt es sich, die Wettbewerbsposition des Investors für eine befristete Zeit gegenüber Trittbrettfahrern abzusichern. Erforderlich ist ein Schutzrecht mit andern Worten nur dort, wo ohne ein solches ein Marktversagen droht (BGH GRUR 2011, 436, 438 – hartplatzhelden.de). Diese Konstellation liegt in Bezug auf Presseerzeugnisse im Verhältnis zu Suchmaschinenbetreibern aber nicht vor.

    Suchdienste gefährden nicht die Möglichkeit der Presseverleger, ihre eigenen Inhalte auf dem Internet zur Verfügung zu stellen. Denn solche Angebote werden durch Suchmaschinen nicht substituiert, sondern das Gegenteil ist der Fall: Die Möglichkeit, solche Inhalte aufzufinden, wird gefördert (BGH GRUR 2003, 958, 962 – Paperboy). Im Ergebnis landet der die Information Suchende beim Verlagserzeugnis; Suchmaschinen vermindern also nicht den sog. „Traffic“ auf den Webseiten der Verleger, sondern sie erhöhen ihn.

    Ebenfalls anders als bei für Schutzrechte typischen Konstellationen geht es nicht darum, dass ein Marktteilnehmer die Leistung des anderen ohne eigene Leistung übernimmt. Die Funktionsfähigkeit von Suchmaschinen beruht vielmehr auf einer selbständigen, abgrenzbaren Leistung ihrer Betreiber. Erforderlich dafür sind erhebliche technische und finanzielle Aufwendungen. Dass diese erbracht werden, liegt ebenso im Interesse aller Beteiligten wie die Tatsache, dass Presseverleger in die Erzeugung der Inhalte investieren.

    Dabei ist das Zusammenwirken beider Investitionen erforderlich, damit die Technologie des Internet überhaupt sinnvoll genutzt werden kann: Ohne Inhalte würden die Suchmaschinen nichts finden – und ohne Suchmaschine würde in der unübersehbaren Informationsfülle des Internets nichts gefunden (BGH GRUR 2003, 958, 963 – Paperboy). Mit andern Worten ist es keineswegs so, dass nur einer vom anderen profitiert. Vielmehr ist das Zusammenspiel von Inhaltsanbietern und Suchmaschinenbetreibern Ausdruck unserer modernen, arbeitsteiligen Marktwirtschaft. Diese funktioniert, weil es nicht nur generell erlaubt, sondern geradezu erforderlich ist, dass Folge– oder Mehrwertleistungen an eine vorbestehende Leistungen anknüpfen können.“

  48. 48
    Sven says:

    Ich frage mich, wie Verlage ihre Inhalte denn auffindbar machen wollen, wenn sie die Artikel sperren lassen. Die Verlage meinen, damit alte Kundenbindungsmodelle (Abos) zu stärken. Das wird aber kaum mehr jemand akzeptieren. Jede PageImpression, die durch Google entsteht bringt den Verlagen Werbegelder, oftmals besteht zu wenig Inventar (Leser) und die Verlage sind heilfroh, dass Traffic durch Google und Facebook zugesteuert wird. Das mag die schwindenden Exemplar-Verkäufe nicht ausgleichen, aber es ist dennoch ein beachtlicher, moderner Umsatzkanal. Die digital natives werden auf alte Zöpfe nicht mehr aufspringen — und es gibt immer Alternativen zu bestehenden Premium-Marken, insofern ist es bessert sich mit dem vermeintlichen Feind zu verbünden und mit einer konstruktiven Vision in die Zukunft zu schauen, auch wenn es für die Verlage zunächst schmerzhaft erscheint. Die Medienmarken haben eine Chance, wenn sie jetzt keine falschen Entscheidungen treffen.

  49. 49
    ingo says:

    was genau ist jetzt schlecht daran wenn mich google auffordert meinen abgeordneten zu kontaktieren? die ZWINGEN mich ja nicht, ich muss mich immer noch selber entscheiden ob ich das will oder nicht — und das ist dann kein „druck machen“ sondern einfach demokratie.
    und nur zur erinnerung: die deutsche presse betätigt sich in sachen einflussnahme auf politische prozesse durch steuerung der meinungsbildung doch auch schon seit eh und je, nur meist etwas plumper: einer meiner nachbarn hat noch immer einen „ich hup euch was!“-aufkleber der BILD am auto kleben.

  50. 50
    Patrick Delor says:

    Ich persönlich finde es bescheuert, welche Richtung die Kontroverse annimmt. Die Befürworter finden es anmaßend, dass Google das Netz vertritt. Sie haben aber auch immer betont, dass das Leistungsschutzrecht nicht gegen Google allein sein soll. Google wird aber ständig Zentrum der Diskussion.
    Mein Fazit zum Leistungsschutzrecht nach allen Argumenten dafür und dagegen (und auch Nicht-Argumenten): In >dieser< Form darf es nicht wirksam werden.

  51. 51
    Eduard von Schwetzingen says:

    @noyse:
    Es wird wohl das gleiche passieren, was auch in Belgien mit den
    Zeitungsverlagen passiert ist. Google nimmt alle deutschen
    Verlage aus „google news“ raus und lässt die jeweiligen
    Zeitungen/Zeitschriften nur noch über die normale
    Websuche finden, d.h. ohne „angerissene Artikel“.
    Und Copiepresse hat auch nicht darüber geklagt, dass
    die belgischen Zeitungen aus google news verschwunden
    sind.
    Ein weiteres Gesetz, dass Google dazu verpflichten würde,
    Zeitungen bei google news anzuzeigen, ist nicht
    durchsetzbar. Das wäre mit vielen anderen Gesetzen
    nicht konform. Das wäre so, als wenn man einem
    Kaufmann vorschreiben mit wem er alles Geschäfte
    machen darf/muss. Oder anderes Beispiel: Ein Restaurantbesitzer kann auch einen Gast oder mehrere Gäste rausschmeißen bzw. sich weigern zu bewirten/bedienen.
    Und wenn jetzt hier der Hinweis auf die faktische
    Monopolstellung Googles kommen sollte: Wenn
    es in einem kleinen Städchen nur eine Gastwirtschaft
    gibt, dann hat die auch eine „faktische Monopolstellung“.
    Niemand kann den Gastwirt dazu verdonnern/zwingen
    einem ihm missliebigen oder missgünstig eingestellten
    Gast zu bewirten.
    Wer unbedingt ein Gesetz anführen will, aus
    Art. 2 Abs. 1 GG ergibt sich „Vertragsfreiheit“.
    Ein Gesetz, dass Google dazu verdonnern würde
    deutsche Zeitungsangebote bei google news
    aufzunehmen und dafür auch noch an die
    Verlage zu zahlen, würde der „Vertragsfreiheit„
    entgegenstehen. Somit wäre ein solches Gesetz
    gar nicht durchsetzbar.
    Ein weiterer Aspekt wird hier auch übersehen:
    Es bietet für neue „Anbieter“ die Möglichkeit
    sich mit google zu verständigen, so dass man
    bei google news auftaucht, sprich, man einigt
    sich, dass das Listen nichts kostet. Und da
    aufgrund des LSR alle etablierten deut. Verlage
    dann nicht mehr über google news zu finden
    wären, sondern eben nur die Artikel von
    Anbietern mit denen sich google verständigt
    hat, würden diese neuen Anbieter in kürzester
    Zeit einen hohen Bekanntheitsheit erreichen.

  52. 52
    Stephan says:

    @Stefan Herwig: Wenn wir über den Begriff Marktversagen sprechen, sollten wir schon genau sein: Im Markt für Suchmaschinen konkurrieren Verlage und Google nicht, dort ist also eine Marktkollision nicht zu befürchten. Sie konkurrieren allein im Markt für Anzeigen — dort ist aber Google weit davon entfernt, eine marktbeherrschende Stellung innezuhaben.

  53. 53
    Moon says:

    @41 Stephan Herwig

    Das konstituiert für mich ein Marktversagen.

    Heißt also, Sie haben in BWL/Wipo nicht richtig aufgepasst. Warum dies aber hier breit treten statt sich da noch mal richtig
    einzulesen (siehe auch Kommentar #47)?

    Angebracht wäre viel eher, dass die Marktversagen-Apologeten mal ihre unsinnige Behauptung belegen (dabei natürlich Bing, Yahoo und Co. nicht vergessen) und erklären, wie Google wen woran warum hindert.

  54. 54
    paRABEns says:

    Stimme vollkommen zu. Der Aufschrei der bezahlten Kommentatoren ist völlig unglaubwürdig und zeigt, wie sehr selbst Edelfedern wie Prantl inzwischen bei ihren Verlagen unter Druck stehen. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Das ist bei abhängig Beschäftigten nun mal so, und das umso mehr, wenn große Veränderungen anstehen und die Gefahr des Jobverlustes oder massiver Einkommenseinschnitte immer näherrückt.

  55. 55
    Felix aus Frankfurt says:

    @Stefan Herwig

    Ich habe nicht behauptet, dass Verlage oder Zeitungen pleite gehen SOLLEN. Es juckt mich halt nur nicht mehr, wie es das für vielleicht 3–4 Jahren noch getan hätte.

    Meine ganz persönliche Meinung ist, dass die Verlage mehr wollen, als ihnen legitimerweise zusteht. Und das ich das Gefühl habe, dass sich mindestens eine ganze Generation von dem Konzept „News-Bundle“, zumal in gedruckter Form, längst verabschiedet hat und es nicht Aufgabe des Staates ist, dieses Konzept durch ein Gesetz zu verteidigen. Journalismus wird nicht durch das Fehlen von Zeitungen untergehen.

  56. 56
    Stefan Herwig says:

    @ Stephan

    Presseverlage und Suchmaschinen sind im Netz quasi symbiotisch verbunbden, denn jedes Immaterialgut braucht neben eines Inhalteersatellers auch eine Infrastruktur über die es vertrieben wird. Die Beziehung zwischen verlagen und Google im Netz ist also in etwas die ziwschen Zeitungen und Kiosken.

    Nur dass der Kioskbetreiber hier 91% Marktanteil hat, und sich entschlossen hat Zeitungen nicht mehr in seinen shops zu verkaufen, sondenr nur noch über Quersubventionierungen mit Anzeigen zu finanzieren, von dem die Zeitungen dann auch nur einen sehr geringen, nicht offiziell festgeschriebenen Anteil auf Basis der Google-Berechnungen bekommen, die sie laut google AGB nicht einsehen dürfen.

    Dieser Infrastrukturbetreiber stellt die Zeitungen also vor die Wahl, sich entweder auslisten zu lassen, oder das „Anzeigenspiel“ mit zu spielemn, ein Spiel welches für die verlage wohl nachweislich als gescheitert gelten darf — es ist ja nicht so, dass die da snicht veruscht höätten. Andere Optionen gibt es nicht. Über Googole news kann man keine Presseerzeugnisse oder Artikel kaufen (obwohl das für Google sehr einfach möglich wäre), es gibt nur die friss oder Stirb Variante.

    Wie gesagt, wenn 91% aller Kioske die Zeitungsverleger vor die Wahl stellen, sich unsichtbar zu machen, oder ihre Zeitungen über Werbung zu verkaufen (und nix anderes), dann kann man da schon in Zusammenhang mit der Marktmacht von Google von einem Marktversagen sprechen.

    Gäbe es drei, vier konkurrierende Suchmaschinen, die alle mit ähnlichen Marktanteilen und Leistungsdiffernzierung um Kunden buhlten, dann wäre die Sache anders. dann hätten die Verleger auch eine Macht, wenn sie einer Suchmaschione die Inhalte entzögen und mit anderen verhandelten. Diese Situation entsteht aber nicht, im Gegenteil. die Marktmacht Googles nimmt noch zu.

    @Maximillion: danke für den Hinweis auf die Langversion. Habe ich überlesen. Schaue mir das heute mal an.

  57. 57
    Dieter says:

    Gabor Steingart hat heute Morgen noch mal eine Schippe drauf gelegt. Im Morning Briefing des Handelsblatt schreibt er:
    „Google ist schon eine geniale, man kann auch sagen teuflische Firma: Sie lebt von den Artikeln hundertausender von Journalisten, Schriftstellern, Studenten, Chattern und Bloggern, ohne je selbst eine einzige Zeile produziert zu haben. Ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgte im Mittelalter ein gewisser Graf Dracula aus Transsylvanien.“

    Vampir ist nicht der richtige Vergleich, Schmarotzer oder Parasit hat er sich aber wohl nicht getraut zu schreiben. Jetzt müßte auch klar sein, was Gabor Steingart von Maklern hält. Denn für die gilt ja das entsprechende wie für Google. Die verdienen ihr Geld auch, ohne irgendetwas selbst zu erschaffen.

    Einen Link als Beleg kann ich leider nicht anbieten, weil darin meine Emailadresse enthalten ist.

  58. 58
    Wmann says:

    Danke für diesen informativen Artikel.
    Ich bin der Meinung, dass Verlage heute schon einen hohen Gegenwert für Ihre „Snippets“ bekommen, denn im Normalfall kostet ein Klick etwa 50 Cent, wenn man für seine Internetseite im Web Werbung macht.
    Das bedeutet, dass die Zeitung auf diese Weise einen täglichen Gegenwert von vielen Millionen Euro generieren.

    Unmöglich finde ich die Behauptung, dass die Zeitungen für Inhalte sorgen, während Google sich quasi als Parasit im Internet bedient. Ich, wenn ich gezwungen wäre zu wählen, zwischen den Möglichkteiten ein Internet zu nutzen, ohne Zeitungen, zumindest deutschen, oder ohne Google, ich würde mich ganz klar gegen die Zeitungen entscheiden.
    Das wird meiner Meinung nach verschwiegen, wenn so getan wird, als ob die Technik für Suchmaschinen und Newsportale einfach so vom Himmel fällt. Wäre es so einfach diese Dienste zur Verfügung zu stellen, dann hätte Google nicht die Stellung, die es heute hat. Es kostet enorm viel Geld soetwas zu entwickeln und zu betreiben. Und wenn man soetwas hat, dann kann man möglicherweise ganz viel Geld verdienen, so wie Google. Aber so zu tun. als wäre es keine Leistung, diese Dienste zur Verfügung zu stellen, ist heuchlerische Demagogie.

  59. 59
    Beobachter says:

    Ein Problem dabei ist, dass die deutschen Medien ihre Leser/Nutzer schön links erzogen haben: Es findet kaum noch einer was dabei, dass der Staat alles regelt. Und die Wirtschaft („der Kapitalismus“) wird auf die andere Seite gestellt — statt sie als Teil der freien Gesellschaft zu begreifen. Einen Teil, der jeden betrifft: als Schaffender (Angestellter, Selbstständiger, Unternehmer .…) wie auch als freier Konsument, der selbst seine Entscheidungen trifft — z.B. auch, ob er Google nutzen möchte, oder nicht vielleicht doch Bing, und ob er die Tageszeitung abonniert — oder eben nicht. Die Frage ist also: Freiheit oder Etatismus. Und Etatismus heißt eben: Leistungsschutzrecht, Internetsperren, Zensur.

    Und wir brauchen nicht glauben, diese dauernde antikapitalistische Umerziehung der Medien in D hätte keine Wirkung: Wenn man dauernd das Gleiche hört, wirkt es. Wie in Russland — dort ist inzwischen eine Zweidrittelmehrheit für Internet-Zensur, weil Putin ihnen das vorbetet — so wie wir Antikapitalismus vorgebetet kriegen.

  60. 60
    VolkerPfau says:

    Wer kann mir helfen?

    Ich habe ein konkretes Problem mit Googles Aufruf, mich an „meinen“ Abgeordneten zu wenden. Mein Wahlkreis ist Neuss II. Meine Volksvertreter sind:

    - Otto Fricke (FDP)
    otto.fricke@bundestag.de

    - Bernd Scheelen (SPD)
    keine e-Mail Adresse

    - Ansgar Heveling (CDU/CSU)
    ansgar.heveling@bundestag.de

    Dieser Aufruf von Google läuft doch ins Leere, oder?

    *Achtung: Ironie* (funktioniert meist nicht, ich weiss) _ Oder reißt Hr. Fricke alles raus?

  61. 61
    Moon says:

    @56, Stefan Herwig

    Presseverlage und Suchmaschinen sind im Netz quasi symbiotisch verbunbden, denn jedes Immaterialgut braucht neben eines Inhalteersatellers auch eine Infrastruktur über die es vertrieben wird.

    Nein, sind sie nicht! Denn Google indziert weit mehr als Inhalte von Presseverlagen und kommt auch fantastisch ohne diese aus. Und sagen Sie doch auch noch mal, was Google News an den Presseinhalten groß verdient.

    Über Googole news kann man keine Presseerzeugnisse oder Artikel kaufen (obwohl das für Google sehr einfach möglich wäre), es gibt nur die friss oder Stirb Variante.

    Merken Sie eigentlich, was für einen hanebüchenen Unsinn Sie da schreiben? Wieso sollte Google plötzlich bei sich Artikel der Verleger verkaufen? Hätten die Verleger gern auch noch eine kostenlose Vertriebsinfrastruktur, oder was?

    KEIN MENSCH gibt sich mit dem Anriß auf Google News zufrieden, sondern klickt nach den 2 Zeilen bei gewecktem Interesse auf den Link und landet auf der Verlagsseite, wo Werbung der Verlage geschaltet ist und wo jene auch Artikel verkaufen könnten (wäre die Qualität gut genug und den Leuten noch was wert).

    Gäbe es drei, vier konkurrierende Suchmaschinen, die alle mit ähnlichen Marktanteilen und Leistungsdiffernzierung um Kunden buhlten, dann wäre die Sache anders. dann hätten die Verleger auch eine Macht, wenn sie einer Suchmaschione die Inhalte entzögen und mit anderen verhandelten.

    Und selbst dann würden sie es nicht tun, weil auch die anderen keinerlei Grund haben, für die Zuführung von Lesern an die Verlage Geld hinzulegen. Wieso auch sollte der Taxifahrer dem Kinobesitzer Geld geben, dass er ihm die Kunden bringt?

    Fazit: Das einzige Versagen besteht weiterhin in der unlogischen Argumentation der LSR-Befürworter, was glücklicherweise immer mehr Leuten auffällt (man lese sich nur die vernichtenden Kommentare zu Prantls verlogenen Scheinheiligkeiten durch).

  62. 62
    Christian Schulz says:

    Die ganze Debatte wirft meines Erachtens auch wieder die Frage nach den Inhalten auf, die Frage nach dem Qualitätsjournalimus.
    Natürlich muss ich als Verlag Angst vor dem Google-Zitat haben, wenn die Leser wissen, dass sie damit 80% der Information des Artikels schon kennen.
    Weitere 15% finden sie dann im Einleitungstext, der meist der Agenturmeldung entspricht.
    Eigene journalistische Leistung, eine Einordnung der Information in Zusammenhänge, Hintergründe, eben die journalistische Aufbereitung fehlt doch fast immer und überall.

    Es sind die Verlage, allen voran Springer, die hier versagen. Schlechter Journalismus ist viel eher die Gefahr für die Verlage. Die Erkenntnis der Leser, dass sie im Artikel nichts neues erfahren werden. Das wird sich mit einer Anti-Google Kampagne nicht ändern lassen. Ein Beleg dafür ist, dass Zeitungen, die eben den anderen Weg gehen, neu entstehen und durchaus erfolgreich sind.

  63. 63
    Glaukon says:

    @ Stefan Herwig

    Google ist kein Kioskbetreiber und auch kein Amazon für Nachrichten. Google ist ein Wegweiser, der Besucher auf die Seiten der Verlage leitet, nicht mehr, nicht weniger.

    Google legt den Verlagen auch in keiner Weise irgendeinen bestimmten Weg zur Refinanzierung ihres Angebots nahe oder verhindert aktiv Alternativen zum präferierten Modell. Es steht den Verlagen völlig frei, nach belieben Bezahlschranken einzuführen, wenn sie das für erfolgversprechend halten. Worauf Sie mit ihrem weitgehend zusammenhanglosen Gerede vom „Anzeigenspiel“ hinauswollen, erschließt sich mir leider nicht.

    Auch wenn die Marktanteile bei den Suchmaschinen gleichmäßiger verteilt wären, wäre die Macht der Presseverlage nahe Null. Sie (und die Presseverlage) tun ja gerade so, als würden die meisten Nutzer einer Suchmaschine diese vorrangig zum Auffinden von Newsartikeln verwenden, während die entsprechenden Suchanfragen in der Realität wohl nur einen Bruchteil des Suchmaschinen-Traffics ausmachen, weshalb sich die Suchmaschinen das Auslisten der Presseverlage ohne spürbare Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts leisten könnten, die Presseverlage aber nicht.

  64. 64
    Christoph Hochhäusler says:

    Ich finde den Plan, „Leistungsschutzrechte” auf Presseerzeugnisse auszuweiten nicht so absurd wie viele hier (die Google-Gewinne folgen wirklich einer parasitären Logik), sehe aber nicht, wie der Gesetzesvorschlag funktionieren kann. Die vagen Formulierungen schaffen eine Rechtsunsicherheit, die großen Schaden gerade bei den kleinen Unternehmen anrichten wird; der Nutzen dagegen bleibt theoretisch.

  65. 65
    Thomas B. says:

    Es ist so herrlich, wie Verlage versuchen, sich als Urheber und Opfer darzustellen.

    Das LSR wird sie aber erst recht zu Opfern machen. Zu Opfern ihrer eigenen Ideologie.

    Wird Zeit, dass die Autoren sich mehr und mehr lösen und via Suchmaschinen ihre Inhalte, deren Urheber sie ja sind, auffindbar machen.

    Übrigens reiben sich NZZ & Co. wohl bereits die Hände und warten nur drauf, bis die störrischen Verlagsseiten aus der Suchmaschine fliegen…

    Das wirklich traurige daran ist, wie sich der Bundestag hier zum Spielball der Interessen degradieren lässt.

    Übrigens: Wer Googles Lobbyarbeit zum LSR kritisiert, verkennt, dass nicht Google damit angefangen hat. Das waren wohl eher die Brüder von Klaeden.

  66. 67
    Bjoern says:

    @Stefan Herwig:
    „Presseverlage und Suchmaschinen sind im Netz quasi symbiotisch verbunbden, denn jedes Immaterialgut braucht neben eines Inhalteersatellers auch eine Infrastruktur über die es vertrieben wird. “

    Das halte ich für ein Gerücht, Presseverlage sind zwar auf Suchmaschinen angewiesen, wie sich ja an deren Anstrengungen im Google Index möglichst vorteilhaft aufzutauchen ja ableiten lässt, umgekehrt ist das Geschäftsmodell von Google bestehende Inhalte auffindbar zu machen (was bei weitem nicht nur deutsche Presseerzeugnisse sind) und finanziert sich über eingeblendete Werbung.

    „Die Beziehung zwischen verlagen und Google im Netz ist also in etwas die ziwschen Zeitungen und Kiosken.
    Nur dass der Kioskbetreiber hier 91% Marktanteil hat, und sich entschlossen hat Zeitungen nicht mehr in seinen shops zu verkaufen, sondenr nur noch über Quersubventionierungen mit Anzeigen zu finanzieren, von dem die Zeitungen dann auch nur einen sehr geringen, nicht offiziell festgeschriebenen Anteil auf Basis der Google-Berechnungen bekommen, die sie laut google AGB nicht einsehen dürfen.“

    Nur das der Kiosk die Presseerzeugnisses vom Verlag vorher einkaufen muss. Wenn der Kioskbesitzer eine kostenlose Lokalzeitung ausstellt zum freien Mitnehmen mit der er explizit freiwillig beliefert wird und Werbebanner an sein Geschäft hängt leitet sich daraus ja auch kein Gewinnanspruch für den Hersteller des Erzeugnisses ab.

    Die Verlage stellen ihre Inhalte offen und kostenlos ins Netz mit dem Bestreben in Suchmaschinen auffindbar zu sein. Dieser für die Verlage kostenlose Service wird vom Endverbraucher finanziert.
    Der Vergleich hinkt also stark.

    Etwas näher dran wäre, wenn auch nicht perfekt, folgendes:
    Der Kioskbesitzer erwartet Geld von den gelben Seiten weil er sich dort freiwillig und kostenlos listen lässt um auffindbar für Kunden zu sein.

    „Gäbe es drei, vier konkurrierende Suchmaschinen, die alle mit ähnlichen Marktanteilen und Leistungsdiffernzierung um Kunden buhlten, dann wäre die Sache anders. dann hätten die Verleger auch eine Macht, wenn sie einer Suchmaschione die Inhalte entzögen und mit anderen verhandelten. Diese Situation entsteht aber nicht, im Gegenteil. die Marktmacht Googles nimmt noch zu.“

    Das würde stimmen wenn diese 3–4 Suchmaschinen alle deutsche Unternehmen wären und von den deutschen Presseerzeugnissen abhängig.

    Wenn Bing, Google, Yahoo und ein unbekannter Vierter sich den Markt aufteilen würden wäre die Situation wohl kein bisschen besser für die Verleger. Weder Microsoft noch Yahoo würden sich von deutschen Verlegern in ihr Geschäft reden lassen.
    Dass es weltweit tätige Unternehmen nur wenig kratzt wenn sich eine lokale Interessengruppe beschwert haben wir in der Vergangenheit ja ausgiebig in anderen Fällen sehen können.

  67. 68
    Maximillion says:

    @#56
    Ich stimme zwar eher #60 zu, aber nehmen wir mal kurz an, Google sei wirklich mit einem marktbeherrschenden Kioskbetreiber vergleichbar.

    Das Problem wäre doch dann nicht der Markt zwischen Kioskbetreiber und Verleger, sondern die Struktur des Kioskbetreibermarktes. Das ist es aber nicht, was mit dem Marktversagen hier gemeint ist (siehe auch oben #47) sondern, dann müsst man sich Gedanken um den Markt der Kioskbetreiber machen. Meinen Sie, dass dann ein Leistungsschutzrecht für die Verleger die Struktur des Kioskmarktes sinnvoll verändern könnte? Und selbst wenn man vermutet, dass das so wäre, wäre das dann wirklich das geeignetste und verhältnismäßige Mittel, um diese Veränderung herbeizuführen?

    Eine Anmerkung noch, auf die auch Stefan Niggemeier schon hingewiesen hatte: Es geht hier doch auch den Verlegern gar nicht darum, den Suchmaschinenmarkt aufzuräumen und Google in die Schranken zu weisen, sondern es geht darum alle Suchmaschinenangebote in die Schranken zu weisen. Und noch ein Gedanke weiter: Wie soll das denn dann den Suchmaschinenmarkt pluraler strukturieren? Ist nicht das Gegenteil zu befürchten?

  68. 69
    Luc says:

    @34 Chr. Stöcker:

    1. Sie begegnen dem Vorwurf, die Verlage würden selbst einseitig und kampagnenartig berichten mit dem Hiweis auf einen Artikel, der bereits in der Einleitung Aussagen gegenüberstellt wie „Google soll zahlen, so wünschen es sich die Verlegerverbände BDZV und VDZ“ und „Google lehnt das Gesetz vehement ab, hat am Dienstag eine Kampagne gestartet […]“. Dazu der duzendfach diskutierte und längst als falsch qualifizierte Vergleich mit dem LSR der Musikbranche als Faktum und ein ganzer Absatz über einen „Netzpolitiker der CDU, der das LSR jetzt doch befürwortet“. Und nur, weil in einem Absatz, zudem der kürzeste, kurz angerissen wird, dass es Vorbehalte gäbe (benannt wird selbst dort nur ein Teilaspekt der entstehenden Rechtsunsicherheit!) soll der Artikel ein Beispiel für die dialektische Berichterstattung zumindest von Spon sein? Er ist gut geschrieben und man merkt ihm an, dass da tatsächlich mal Arbeit reingeflossen ist, aber dass das etwas besonderes ist sagt nur etwas über die sonstige Qualität von Spon aus. Gut geschrieben ist nicht dasselbe wie neutral.

    2. Autoren persönlich anzugehen ist Polemik, über die man streiten kann, aber Ihre Erwiderung ist substanzlos. Sachliche Kritik findet selbst ein Viertklässler problemlos im Text.

    3. Der Text entschuldigt nicht Google, weil die Verlage ja auch böse seien! einself. Sondern er wirft den Verlagen vor, mit völlig offensichtlich zweierlei Maß zu messen — selbst eine einseitige Kampagne zu fahren und dann Google genau das vorzuwerfen. Und damit ihre journalistische Glaubwürdigkeit zu verspielen nach dem Motto: wenns um unsere Kohle geht, ist uns jedes Mittel recht, gerade und vor allem auch Desinformation.

  69. 70
    Thomas says:

    Danke für diesen Artikel, der das Prädikat „Qualitätsjournalismus“ verdienen würde, in diesem Falle wohl eher „Qualitätsblogger“.

    Die Verlage sehen ihr Printgeschäft schwinden (Siehe FR und Financial Time DE) und suchen verzweifelt nach dem Schuldigen. Das traurige an der Geschichte ist, dass dies schon seit Jahren so ist und sie kein bisschen schlauer geworden sind. Früher war das Feindbild nicht Google , sondern die bösen Blogger! Es gab Zeitungsartikel mit denen Blogger verunglimpft worden sind, nach dem Motto: Blogger sind nicht ernst zu nehmen, haben keine Journalistenausbildung „genossen“ und schreiben somit ja generell nur blödes Zeug … und das auch noch „For Free“ … SKANDAL! Das Geschrei erhielt keine Resonanz (außer mildes Lächeln) und anstatt sich mal Gedanken um die Internetpräsenz, den Inhalt dort und der ganzen Internetthematik an sich zu machen, wird eben ein neues Feindbild gesucht, jetzt eben Google.

    Liebe Verlage — Fakt: Wenn jemand nicht will das er bei Google gelistet wird und sich somit Google an ihm bereichert, einfach mal die robot.txt einbinden und fertig. Ach nee, funktioniert ja nicht, weil Ihr wollt ja gelistet werden und dafür Geld bekommen! Grund: Google verdient ja Milliarden, Ihr nicht, Ihr wollen auch was von dem Kuchen haben. Sieht für mich nach Neidverlagen aus, Ihr tut mir leid!

    Das Problem an Eurem LSR ist, dass es Google nicht zwingt zu bezahlen, sondern sie Euch aus dem Index schmeißen und Ihr wesentlich weniger Traffic habt. Das erklärt dann mal bitte Euren Werbekunden, die Banner und ähnliches bei Euch schalten … viel Spass dabei. Und Ihr glaubt doch nicht ernsthaft das Google das auf lange Sicht juckt ob Ihr gelistet seid oder nicht, oder?

    Die belgischen Verlage haben den Mist doch schon vorgemacht: Google hat sie aus dem Index genommen, ein paar Tage später kamen die Verlage wieder heulend an um im Index wieder zu erscheinen. Ach nein, stimmt, wir sind ja in Deutschland, wissen alles besser und machen alles ja richtig. Belgien kann somit kein Vorbild sein.

    Mein Tipp an die Verlage: Sucht Euch mal Leute die von Traffic, Internetpräsenz und wie damit Geld verdient Ahnung haben. Anscheinend besitzt Ihr sowas nicht und werdet von einem unfähigen Management geleitet, was immer noch im Jahr 1984 lebt und versucht entsprechend den Markt zu beherrschen. Anlehnung an Orwell’s 1984 ist hier beabsichtigt.

    Letzter Punkt: Google hat nicht die Marktbeherrschende Stellung weil sie sie sich erkauft oder erstritten haben, sondern will sie den Nutzern das gegeben haben was sie wollen und unglaublich gute Produkte auf den Markt schmeißt. Übrigens, die meißten Google-Produkte sind umsonst und Google macht damit Milliarden. Vielleicht solltet Ihr Verlage Euch mal daran ein Beispiel nehmen, klingt nämlich total verrückt: Diensleistung for free –> Milliarden Umsatz. Es funktioniert!

    Gruß,
    Thomas

  70. 71
    egghat says:

    Toller Artikel und volle Zustimmung. Die Verlage verspielen gerade ihre Glaubwürdigkeit.

    Sie argumentieren einseitig wie die schlimmsten Lobbyisten. Und verschweigen permanent, dass es Kritik am LSR gibt (und zwar fundierte), sie verschweigen, dass es mit dem Urherberrecht bereits eine Gesetzesgrundlage gibt (die die Verlage ganz nebenbei oft mit Füßen treten und Atoren komplett enteignen), sie verschweigen, dass es auch für den Spezialfall Google mit „No-Index“ oder noch treffsicherer „No-Snippet“ technische Lösungen gibt, die alle genannten Probleme lösen könnten („Ladendiebstahl“). Und sie verschweigen auch, dass das Problem der Verlage nicht Google, das Internet oder was weiss ich ist, sondern nur die Unmöglichkeit bzw Unfähigkeit, die eigenen Inhalte zu Geld zu machen. Und daran ändert das LSR gar nichts.

  71. 72
    Twipsy says:

    Ich finde es legitim von den Verlagen, sich bei Google auslisten und sich so beim Sterben nicht zusehen zu lassen.
    In dem Sinne: Weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen!

  72. 73
    Dis kussion says:

    Googles Werbung ist zu amerikanisch. Da weiß man in welchem Lager man steht und will nur Endergebnis-Parolen wie „no Obama-care“ bzw „yes we share — Vote for Obamacare “ hören und lesen.
    Dadurch liefert man denen natürlich Argumente oder irrelevante nebenkriegschauplätze zur Ablenkung vom eigentlichen Thema.

    Google ist wie die gelben Seiten bzw Telefonbuch oder der Stadtplan. Die bezahlen ja auch nicht um Theater, Nachtclubs, taxiunternehmen, pizzerien eintragen zu dürfen sind aber oft lokal-monopole. In vielen Märkten gibt’s de facto nur wenige Anbieter wie Philips und Osram oder Assmann und Varta oder AMD Intel Arm oder AMD NVIDIA Intel oder DPA dapd oder die 4 mobilfunker oder die Eisenbahn oder Post+Konkurrenten oder Festnetz oder benzinfirmen. Das Gejammer basiert eher darauf, das Europa kaum it-Projekte gebacken kriegt. Davon abgesehen muss alle Information an einem Punkt (ruhig bei vielen anbietern aber dort jeweils alle information wie auch in der Zeitung wo Hamburger Abendblatt ja auch nicht die Ergebnisse der Süddeutschen Vereine nicht meldet) vorhanden sein. Denn nur das ist Marktwirtschaft anstelle von darkrooms und Seitenstraßen wenn barrierefrei jedes Angebot und jeder Nachfrager teilnehmen können und alle entscheidungsrelevanten (Preis, Wiederverkaufspreis, Barwert, Verzinsung, Totalschaden, Reparaturen, Updates, Ersatzteile,…) kennt.

    Vielleicht ist einem auch die Vergleichbarkeit durch google-News (nicht mit google-Websuche verwechseln auch wenn es fast gleich aussieht) peinlich oder mancher leistungs-[lL]oser (mehrdeutige Wortbedeutung) will vor der Wahl alle kritischen unliebsamen Blogs abschalten können.
    Vielleicht warten sie auf die Rezession und die Großverlage von Hamburg München Berlin können dann billig die kleinen Verlage aufkaufen und per Zentralkonferenz per Telefon mit dem Kanzler bespricht man jeden Abend die Information fürs Volk am nächsten Tag.

    Das die Masse und internetgemeinde und auch Blogger wenig kreaktiv gebacken Kriegen und sich lieber beklagen statt wirksam aktiv zu sein, erkennt man allerdings auch.
    Das LSR wird also wohl kommen. Was sagen die Wettbüros oder Zertifikatehändler auf Gesetze ?

  73. 74
    Google und die Linke « H I E R says:

    […] Bigotterie, die hier von den Verlagen betrieben wird (schön auseinander genommen von Stefan Niggemeier). Und da merkte ich: Vielleicht hat die Google-Kampagne ja doch etwas gutes. Vielleicht sollte man […]

  74. 75
    theo says:

    @65 („Wird Zeit, dass die Autoren sich mehr und mehr lösen und via Suchmaschinen ihre Inhalte, deren Urheber sie ja sind, auffindbar machen.“)

    Großartige Idee. Stell mir gerade vor, wie die Autoren einer Regionalzeitung dem Verlag „adieu“ sagen und ihre Artikel selbst in eine Suchmaschine stellen. Da kann endlich der Bericht über die jüngste Ratssitzung von Quickborn gewinnbringend weltweit verhökert werden. Da rollt der Rubel. ;-)

  75. 76
    alter Jakob says:

    Weil’s mal wieder um’s LSR geht ist dieser Link wohl auch interessant (via Lawblog gerade entdeckt):

    http://www.ip.mpg.de/files/pdf2/Stellungnahme_zum_Leistungsschutzrecht_fuer_Verleger.pdf

    „Stellungnahme zum Gesetzesentwurf für eine Ergänzung des
    Urheberrechtsgesetzes durch ein Leistungsschutzrecht für Verleger

    des
    Max-Planck-Instituts für Immaterialgüter– und Wettbewerbsrecht.

  76. 77
    alter Jakob says:

    #76 ichselbst:
    Hoppsala, das ist ja schon im Artikel verlinkt. Verzeihung für den Nutzloskommentar

  77. 78
    TecoScr says:

    @#41 Stefan Herwig

    Ein Monopol ist grundsätzlich nicht seiner selbst wegen schädlich, sondern aufgrund des „Schadens“ für die Konsumenten (ökonomisch ausgedrückt: Reduktion der Konsumentenrente). Worin besteht dieser Schaden ihrer Meinung nach beim „Google-Monopol“? Tiefer als Null kann der Preis für die von Google angebotenen Dienstleistungen kaum fallen.

    Abgesehen davon nehmen wir aber einmal an, das „Google Monopol“ sei in der Tat schädlich. Wie sollte es dann zerschlagen werden? Und wie sehe das potentiell bessere (für wen?) Szenario auf dem Suchmaschinenmarkt nach einer solchen Zerschlagung aus?

  78. 79
    Sven says:

    @theo: Ja aber das wäre ein konstruktiver Ansatz. Verlage könnten z. B. mit Google & Co. vernünftig kommunizieren und überlegen/verhandeln wie regionale Inhalte besser ausgesteuert werden. Technisch alles machbar, durch Vermarktungsnetze auch für Werbung interessant. Aber man sieht sich halt lieber als Opfer aber möchte trotzdem sein Inventar gewinnbringend an Werbekunden verkaufen. Die schöne alte Verlagswelt ist tot, insofern wird es nun endlich Zeit aufzuwachen. Die traditionellen Medienmarken könnten davon profitieren, wenn sie sich stärker auf die Zukunft (die längst begonnen hat), als auf den vermeintlichen Feind zu konzentrieren. Denn Qualität ist auch im Internet wichtig und wird letztendlich auch bezahlt, vielleicht nicht mehr so unerhört gut wie 1984, aber es rechnet sich.

  79. 80
    Beobachter says:

    #41,#78 Es gibt verschiedene Arten von Monopolen — staatlich geht man in der Regel gegen Monopolbildungen vor, die auf einem Markt stattfinden und diesen verändern, etwa durch Absprachen von mehreren Anbietern zuungunsten anderer (meist schwächerer), Kartelle genannt, oder durch anderweitige Nutzung ihrer Marktmacht (Microsoft steht da immer wieder in Kritik). Staatliches, ordnungspolitisches Handeln nutzt aber auch dann nur, wenn durch so ein Monopol die Gefahr besteht, das andere vom Markt verdrängt werden — zum Nachteil der Nutzer/Konsumenten, deren Wahlfreiheit dann eingeschränkt ist. Die Befürchtung: Ein Kartell verbilligt zum Beispiel die Leistung, bis die Konkurrenten verschwunden sind, und erhöht danach dann die Preise, zu denen es dann keine Alternative mehr gibt.

    Wenn jedoch ein Anbieter einfach von sich aus so gut ist, dass die anderen keinen nennenswerten Marktanteile erringen, wie im Falle Google, und die anderen selbst gar nicht in Gefahr sind (oder hat jemand Angst, das Microsoft wegen Bing pleitegeht?), und außerdem (wie #78 richtig feststellt) der Preis für den Nutzer keine Rolle spielt, wo soll dann das schädliche Monopol liegen? Hier den Staat zu fordern ist wieder typisch für das Denken in Deutschland — wirtschaftlich und politisch aber völlig unsinnig.

  80. 81
    Christian Schulz says:

    Die Frage ob das Monopol Googls schädlich ist oder nicht, ist keine wirtschaftliche.
    Das Problem liegt hier wohl eher in den manipulativen Möglichkeiten. Wenn Google nicht will, dass wir etwas nicht sehen, dann sehen wir es nicht, wenn Google will, dass wir etwas sehen, dann sehen wir das auch.

    Das ist problematisch.

    In sofern hätte ich eher Verständnis für ein umgekehrtes Bgehren der Verlage: Ein Rechtsanspruch bei Google geführt zu werden.

  81. 82
    Stefan Herwig says:

    „Ein Monopol ist grundsätzlich nicht seiner selbst wegen schädlich, sondern aufgrund des »Schadens« für die Konsumenten (ökonomisch ausgedrückt: Reduktion der Konsumentenrente). Worin besteht dieser Schaden ihrer Meinung nach beim »Google-Monopol«? Tiefer als Null kann der Preis für die von Google angebotenen Dienstleistungen kaum fallen.“

    @TecoSCR
    Aahh, da hat jemand ökonomisch aufgerüstet. Schön, aber: Soll ich Ihnen nochmal erklären, auf welchesr Basis Google seine Geschäfte macht? Der Konzern reduziert Streuverluste bei Anzeigen, indem er die Daten seiner Nutzer absaugt, und sie zwischen den einzelnen Diensten verknüpft. Das allein ist schon Marktversagen. Oder was glauben sie wieviele der Google-Nutzer wissen, weswegen ihre W-Lan Daten gemappt werden. Wie soll sich so ein homogener Suchmaschonenmarkt entwickeln, wenn wir shcon beim verständnids der Leistung und des eigentlichen Geschäftsmodells nicht durchblicken? Das nennt sich Marktversagen durch asymmetrische Information (hat aber nix mit Presserverlegern zu tun).

    Darüber hinaus werden natürlich Konsumenten geschädigt, wenn Presseverlage plattgehen, oder ihrer Leistung so weit reduzieren, dass #38 bei rauskommt. Sehen sie da keinen Konsumentenschaden? Vom Pareto-Optimum sind wir hier jedenfalls meilenweit entfernt.

    @Maximillion & Björn

    Bitte schauen sie auf mein Post #40, letzter Absatz: ich finde überhaupt nicht, dass dieses Leistungsschutzrecht, so wie es jetzt ausgestaltet ist, dafür zielführend ist, was was MPI ja auch ausführt.

    Ich halte den generellen Ansatz, die Rahmenbedingungen zwischen Infrastrukturbetreiber und Inhaltebetreiber neu auszutarieren für richtig, aber nicht auf diese problematische Art und Weise. Und so erklärt sich auch das MPI Gutachten. Die schauen nur auf die aktuelle Ausgestaltung des Ansatzes (und haben m.E. auch einiges nicht richtig verstanden, was man aber der schwammigen Ausgestaltung des Gesetzesvorschlages zuschreiben darf). Das heisst aber nicht, dass kein Marktversagen vorliegt, wie in der Zusammenfassung behauptet wird. Dort wird in der Langversion lediglich darauf eingegangem, dass DIESER GESETZESVORSCHLAG nicht durch Marktversagen gerechtfertigt ist. Dass kein Martkversagen vorliegt, hat das Gutachten lediglich behauptet (Kurzversion), aber nicht ausgeführt (Langversion).

    So habe ich es zumindest verstanden, gerade beim Querlesen während der Mittagspause.

    Back to work… danke übrigens an alle für die (größtenteils) hochwertige Diskussion!

  82. 83
    Beobachter says:

    #81 Wer hindert Sie daran, Bing zu benützen? Oder erwarten Sie eine Verschwörung von Microsoft UND Google, mit dem Ziel, dass Sie „etwas nicht sehen“ (und es gibt noch mehr Anbieter!)? Wenn der Staat hier eingreift, dann deswegen, weil so viele Leute das — total freiwillig — benützen, obwohl sie Alternativen haben (Bing, Altavista/Google, Fireball .……)? Ist das sinnvoll, wenn der Gesetzgeber hier handelt, wollen wir einen solchen Staat? Man sollte vorsichtig sein, wenn man den Monopolbegriff als „keine wirtschaftliche Frage“ ansehen möchte — es ist eigentlich ein rein wirtschaftlicher Begriff, und wir sind gut beraten, das auch so zu behandeln. Es gibt allerdings Länder, die das anders sehen: Russland und China lassen grüßen!

  83. 84
    Thomas B. says:

    @75. Großartige Idee. Stell mir gerade vor, wie die Autoren einer Regionalzeitung dem Verlag »adieu« sagen und ihre Artikel selbst in eine Suchmaschine stellen. Da kann endlich der Bericht über die jüngste Ratssitzung von Quickborn gewinnbringend weltweit verhökert werden. Da rollt der Rubel. ;-)

    Ja warum denn nicht? Der Quickborner wird sicher nicht abgeneigt sein, neben den internationalen News (die dann vllt. von Autoren der NZZ kommen) auch seine Ratssitzung lesen zu können. Zumal der Trend hin zum Regionalen und Lokalen ja wohl unverkennbar ist …

    @81. Das Zensur-Problem ist weniger Google. Die Begehrlichkeiten auf Zensur kommt eher von Staaten und Unternehmen. Die veröffentlichten Sperranfragen sind recht aufschlussreich. Aber anderes Thema.

  84. 85
    TecoScr says:

    @#82 Stefan Herwig

    Soll ich Ihnen nochmal erklären, auf welchesr Basis Google seine Geschäfte macht? Der Konzern reduziert Streuverluste bei Anzeigen, indem er die Daten seiner Nutzer absaugt, und sie zwischen den einzelnen Diensten verknüpft. Das allein ist schon Marktversagen.

    Worin soll hier ein Marktversagen bestehen? Wenn ein beliebiger Konzern Marktforschung betreibt, um seine Kunden zu kategorisieren, ist das allenfalls ein datenschutzrechtliches Problem, aber kein ökonomisches.

    Wie soll sich so ein homogener Suchmaschonenmarkt entwickeln, wenn wir shcon beim verständnids der Leistung und des eigentlichen Geschäftsmodells nicht durchblicken? Das nennt sich Marktversagen durch asymmetrische Information

    Ein Problem durch asymmetrische Informationsverteilung sehe ich bei Suchmaschinen nicht. Könnten Sie mir dies ggf. genauer erläutern?

    Darüber hinaus werden natürlich Konsumenten geschädigt, wenn Presseverlage plattgehen, oder ihrer Leistung so weit reduzieren, dass #38 bei rauskommt. Sehen sie da keinen Konsumentenschaden?

    Inwiefern das mögliche Verschwinden aller traditionellen Presseverlage den Konsumenten schädigt ist eine Frage für sich. Warum aber steht ihrer Meinung nach ausgerechnet Google in der Pflicht, mittels einer eigens konzipierten Abgabe jene strauchelnden Presseverlage zu finanzieren?

  85. 86
    Stefan Herwig says:

    Das Marktversagen besteht darin, dass man davon ausgehen kann, dass Kunden, die genau wissen wie Google vorgeht, sich als Marktteilnehmer anders entscheiden würden, und einen anderen Marktteilnehmer wählen würden. Weil diese Information aber lversteckt wird, kann sich der Kunde nicht objektiv entscheiden.

    Das ist genauso, wie wenn sie zwei Lippenstifte am Markt haben, der eine hat ein tieferes Rot, erzeugt aber Lippenherpes und verschmuzt die Umwelt. Ohne über diese Leistung Bescheid zu wissen, kaufen 90% der Frauen den schönen aber schädlicheren Lippenstift. Wenn man das aber als Verbraucherschutzzentrale herausarbeitet, oder Stiftung Warentest die offensichltichen Fehler des Produktes offenlegt, dann entscheiden sich die Kunden logischerweise ganz anders.

    Zu einem funktionierenden Markt gehört also eine symmetrische Information für die Marktteilnehmer. Die liegt aber hier nicht vor.

    Denken sie an Energieffzienzklassen bei Fernsehern oder Kühlschränken, oder an Verbrauchsnormen bei PKW. Erst seitdem die verpflichtend im Leistungsportfolio dargestellt werden, ist auch Energieverbrauch/Umweltschutz ein Marktdifferenzierungsmerkmal.

    Die Einhaltung von Datenschutz könnte für Suchmaschinen oder Social Media Plattformen sogar ein zentrales Marktmerkmal werden, aber erst dann, wenn das dem Kunden auch entsprechend kommuniziert wird. Und gerade das würde die Marktmacht von google Entscheidend verringern, und würde DuckDuckGo oder Ixquick mehr Marktanteile geben.

    Ökonomisch genug für Sie?

    Aber nochmal: Das Ganze hat NICHTS mit der Verlegerdiskussion zu tun. Da ist die Situation anders gelagtert.

    Gruß,

    SH

  86. 87
    Moon says:

    @81, Christan Schulz

    Das Problem liegt hier wohl eher in den manipulativen Möglichkeiten. Wenn Google nicht will, dass wir etwas nicht sehen, dann sehen wir es nicht, wenn Google will, dass wir etwas sehen, dann sehen wir das auch.

    Das gleiche gilt für die Verlage, oder wie viel Negatives haben sie von den Qualitätsjournalisten bisher über das LSR gelesen? Man kann dem entgehen und sich anderweitigt informieren, sagen Sie? Ja, man kann auch andere Suchmaschinen nutzen.

    @82, Stefan Herwig

    Schön, aber: Soll ich Ihnen nochmal erklären, auf welchesr Basis Google seine Geschäfte macht? Der Konzern reduziert Streuverluste bei Anzeigen, indem er die Daten seiner Nutzer absaugt, und sie zwischen den einzelnen Diensten verknüpft. Das allein ist schon Marktversagen.

    Nein, ist es nicht. Und wenn Sie die Mittagspause dazu genutzt hätten, sich wie vorgeschlagen diesbezüglich zu informieren (ökonomisch „aufzurüsten“), würden Sie nicht weiterhin diesen Unsinn behaupten.

    Dass kein Martkversagen vorliegt, hat das Gutachten lediglich behauptet (Kurzversion), aber nicht ausgeführt (Langversion).

    Aber Ihre Behauptung ist irgendwie belegt? Upps.

    Das Marktversagen besteht darin, dass man davon ausgehen kann, dass Kunden, die genau wissen wie Google vorgeht, sich als Marktteilnehmer anders entscheiden würden, und einen anderen Marktteilnehmer wählen würden.

    Ich weiß, wie Google vorgeht und entscheide mich deswegen/trotzdem dafür, es zu nutzen. Und zwar weil mir der Preis für die erbrachte Leistung gerechtfertigt erscheint. Nichts daran ist Martkversagen.

    Ökonomisch genug für Sie?

    Äh, nein.

  87. 88
    hrool says:

    Ihr selbstreferentiellen Faselköppe.

    Gegen die Überzeugungskraft des kleinen Google-Clips könnt Ihr nicht ansatzweise ansti^H^Hchreiben. Spielt keine Rolle, ob ihr dafür oder dagegen seid.

    Sorry, musste mal sein.

  88. 89
    gnaddrig says:

    @ hrool (#88): Und das ist natürlich Grund genug, in dem Zusammenhang einfach die Klappe zu halten? Nach dem Google-Video bleibt zu dem Thema nichts mehr zu sagen? Ich weiß ja nicht.

  89. 90
    alter Jakob says:

    @hrool: Hab mir den Clip erst aufgrund dieses Hinweises angeschaut. PR-mäßig spielt der Clip jedenfalls in einer ganz anderen Liga als alles, was die Verlage bisher aufzubieten hatten („wo wont knud“ — das ist ein beiläufiges „denkt doch auch mal an die Kinder“ in ziemlich genialer Verpackung). Das liegt wohl aber zu einem guten Teil sicher auch daran, dass Google in diesem Zusammenhang schlicht und einfach recht hat.

    Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich Kopp trotzdem weiterhin selbstreferentiell faseln. Hab ich ja dann auch gemacht… genau wie Sie.

  90. 91
    Marcy says:

    „Google ist ein Gatekeeper mit 98% Marktanteil ohne eigene Inhalte.“

    Ach ja die Kleingeister… Ihr schreibt Prosa, Google schreibt Code. Und Arroganz ist kein Ersatz für Argumente…

  91. 92
    Wie stehst du eigentlich zu „amerikanischen Konzernen“? — neunetz.com says:

    […] Bigotterie, die hier von den Verlagen betrieben wird (schön auseinander genommen von Stefan Niggemeier). Und da merkte ich: Vielleicht hat die Google-Kampagne ja doch etwas gutes. Vielleicht sollte man […]

  92. 93
    theo says:

    Thomas B. (84):

    Der Quickborner wird bestimmt auch gerne bereit sein, dafür eigens zu zahlen. Oder? Wenn nicht, halb so wild. Der Autor bekommt pro Klick sicherlich 0,1 Cent oder so. Google ist da ja sehr spendabel…

  93. 94
    Tobias says:

    Ein kleiner Hinweis auf einen Welt.de Artikel.
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article111611551/Totalitaere-Wachstumslogik-von-Big-Data.html

    Der Teaser macht dann auch gleich das ganz grosse Fass auf.

    Es geht um die informationelle Enteignung des Menschen im Namen einer totalitären Wachstumsstrategie.

    Laut dem Artikel wollte der Autor mit den User zwischen 16:30 und 17:30 in den Kommentaren diskutieren. Aber das scheint nicht zu funktionieren. Jedenfalls waren gerade alle Kommentare (inkl einer von mir) geloescht.

  94. 95
    Christian Schulz says:

    Der Artikel ist entweder Satire oder in seiner verbissenen Dummheit peinlich.
    Über so etwas muss man auch nicht diskutieren. :-)

  95. 96
    Thomas Elbel says:

    Seit wann ist Reto Hilty „namhafte deutsche Urheberrechtler“?

  96. 97
    MicSch says:

    Schöner Artikel.

    Ich kann der Einschätzung in Bezug auf die Verlage aber nur teilweise folgen. In dem Wort professioneller Journalismus steckt nämlich das Wort Profit. Und genau das kann ein Problem sein. Muss zwar nicht, aber kann (z. B. Chomskys Propagandamodell oder ähnliche Vorstellungen).

    Ich kann auch nichts gefährliches daran finden, dass Menschen die Verlagsprodukte nicht mehr Lesen wollen. Verlage haben zwar schon eine systemrelevante Funktion. Das stimmt. Aber die ist nicht unersetzlich. In anderen politischen Systemen wird diese Funkton einfach von anderen Anbietern wahrgenommen.

    Die in NRW angedachte staatliche Subventionierung von journalistischer Tätigkeiten zeigt ja genau in diese Richtung. Auch wenn diese Vorgehensweise natürlich zeigt, dass man in NRW glaubt, dass die Verlage es ja wohl überhaupt nicht mehr hinkriegen werden.

    Vom Standpunkt des Systems ist möglicherweise sowohl die staatliche als auch die privatwirtschaftliche Informationsverbreitung gleichwertig. Für die Bewohner des System möglicherweise ja auch. Wer mich verscheißert kann mir doch letztlich egal sein.

    Aber vielleicht erklärt ja gerade das die Heftigkeit der Reaktion der Verlage. Man steht am Abgrund und fühlt sich allein gelassen.

  97. 98
    tutNixZurSache says:

    „Als schlösse das eine das andere aus. “

    Sie sprechen mir aus der Seele.

    Es ist erbärmlich wie sich so viele Medien auf Google stürzen und ausschließlich Eigennutz unterstellen.

  98. 99
    SvenR says:

    Wunderbarer Artikel. Qualitätsjournalismus im eigentlichen Sinne des Wortes.

    Wenn die Verleger keine so elitärer, unfassbar reicher, kontrollwütige, egomanischer und zerstrittener Haufen wären, dann könnten sie anstatt ihre Wut über den erlittenen Kontrollverlust kanalisieren und versuchen etwas eigenes auf die Beine zu stellen lügen sie sich in die Tasche. Beim Presse-Grosso war es doch auch möglich, gemeinsam eine Infrastruktur zu etablieren.

    Interessant finde ich auch immer die Kritik, dass Google wie ja auch Facebook oder Apple Nutzerdaten sammeln obwohl sie diese (auch) zum Nutzen des Kunden verwendet werden, wohin gegen die Datensammelei und –vermarktung der Verlage nicht thematisiert wird, ohne dass das dem Kunden nutzt.

    Ich bin mir relativ sicher, dass die Verlage die Kurve nicht mehr bekommen werden und ich sehe auch keinen iTunes-ähnlichen weißen Ritter, der die Verlage wie einst Steve Jobs die Musikindustrie gerettet hat…

  99. 100
    Andreas Schumann says:

    Für die Verlage ist es ungewohnt, sich in der Rolle des Juniorpartners von Google und Co. wiederzufinden. Bisher waren Sie der Seniorpartner und konnten schalten und walten, wie sie wollten. Nun müssten Sie sich neu ausrichten, was ihnen offensichtlich schwer fällt.

    Sie versuchen mit nationalen Protektionismus den Status quo wiederherzustellen. Sollte das gelingen, wäre dies kurzfristig sehr schmerzhaft und unangenehm. Langfristig jedoch wird die Abwehrstrategie scheitern. Wer sich nicht bewegt, wird von der Bildfläche verschwinden.

  100. 101
    Heiner Kruse says:

    Guter Artikel gegen die Scheinheiligkeit…

  101. 102
    U. says:

    Der Prantl sondert in den letzten 1–2 Jahren nur noch Peinlichkeiten ab. Vielleicht wäre es mal Zeit für den Ruhestand, um wenigstens noch bei einigen wenigen in guter Erinnerung behalten zu werden. Die Süddeutsche — leider unlesbar geworden.

  102. 103
    Pottblog says:

    Wie einseitig die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) über das geplante Leistungsschutzrecht (LSR) für Presseverleger informiert…

    Die deutschen Verlage wie die WAZ-Mediengruppe sind zum größten Teil für das sogenannte Leistungsschutzrecht (LSR) für Presseverleger. Da ist ihr gutes Recht (wobei: wenn das wirklich Recht wird, wäre es meiner Meinung nach vie…

  103. 104
    Leo says:

    Auch von mir vielen Dank für den klugen und ausgewogenen Artikel.

    Bei dem was die „Qualitätsmedien“ dazu schreiben (so heute in der FAZ) stellen sich einem wirklich die Fußnägel auf.

    Das Schreien nach der Politik, wenn überkommene Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren, anstatt neue zu entwickeln ist schon ziemlich erbärmlich.

    Bin mal gespannt ob die „Huffington Post“ doch noch einen Partnerverlag in Deutschland findet und wie dann arumentiert wird .…

  104. 105
    Moon says:

    @93, theo

    Google ist da ja sehr spendabel…

    Und die Verlage erst…

  105. 106
    polyphem says:

    @Andreas Schumann:
    “..Wer sich nicht bewegt, wird von der Bildfläche verschwinden..“

    Verschwinden ohne sich zu bewegen. Ein schönes Bild.

  106. 107
    meykosoft says:

    Meine bisherige Vermutung, die „aufgeklärten“ Nutzer würden sich einfach zurücklehnen und der „liberalen“ Wirtschafts-Entwicklung (z.B. Google ignoriert die Verlage in Zukunft einfach vollständig) an dieser Stelle ausnahmsweise mal entspannt zuschauen, wird sich vielleicht doch nicht bestätigen.
    Denn wenn die (provozierte) Google-Kampagne fruchtet, werden die Verlage nicht nur zunehmend ignoriert, sondern es enwickelt sich zudem eine „freiheitssuchende“ Google-Gemeinschaft, die die Verlage als gegnerisch begreift und eventuell gar bekämpft. Die Verlage sollten sich sinnvoller Weise, wenn sie denn irgendwie weiter überleben wollen, in nächster Zeit doch mal was Besseres einfallen lassen…

  107. 108
    Moon says:

    @94, 95
    Anscheinend wurden nicht alle Kommentare bei der Welt gelöscht und der Autor des Machwerks — Ulli Clauß — kam nach technischen Problemen doch noch hinzu, versagt allerdings aufgrund eigener Probleme mit Logik und Ökonomie auf ganzer Linie. Deswegen wurden die wohl inzwischen auch geschlossen. Peinlich.

  108. 109
    nonononame says:

    Verlage? roflcopter gtfo

  109. 110
    lautenist says:

    Die alte Frage “cui bono?” hilft vielleicht auch hier. Dass Google (und andere Suchmachinenbetreiber) die Nachrichtendienste aus dem Angebot nehmen werden ist absehbar. Daraufhin dürfte der Webauftritt der Zeitungen uninteressant bzw. “nicht lohnend” werden. Für die meisten Anbieter wohl ein Grund, das ungeliebte (weil teure) Angebot einzustellen bzw. sich zusammenzuschliessen in einem Verbund, der sich vielleicht hinter einer Bezahlschranke lukrativ gestalten lässt. Beide “Lösungen” (Einstellen des Angebots oder Konzentration hinter einer Bezahlschranke) sind für Verlage interessanter, als selbst ein ansprechendes Angebot anbieten zu müssen.

    Ich vermute, die Blogger sind nicht einmal das Ziel der Verlage sondern die Verlage versuchen, ihr eigenes Versagen beim Gestalten eines interessanten (und “lohnenden”) Webauftritts zu kompensieren.

    Politisch finde ich diese Entscheidung ein weiteres Beispiel dafür, wie weit die marktkonforme Demokratie fortgeschritten ist – und wie wenig Sinn darin liegt, dem Markt freie Hand zu lassen und der Lobby zu folgen. Popper definierte eine Demokratie dadurch, dass ein Machtwechsel unblutig stattfinden kann. Ich sehe immer weniger Gründe, die aktuellen Zustände noch demokratisch zu nennen

  110. 111
    Tobi says:

    Ich finde, der Herr Niggemeier hat einen erstklassigen, weil ausgewogenen Artikel formuliert. Möge er sich verbreiten.

  111. 112
    Beobachter says:

    @lautenist #110
    Was hat denn „dem Markt freie Hand zu lassen“ mit dem Leistungsschutzrecht zu tun? Das ist doch eben genau das NICHT. Würde man dem Markt freie Hand lassen, müssten die Verlage mit der Situation, die sich in der Medienentwicklung (und durch nicht zuletzt durch das Versagen der Verlag selbst innerhalb dieser Entwicklung) ergeben hat, eben leben. Das Freiheitsschutzrecht ist eben NICHT der freie Markt — den wir schon lange nicht mehr haben: Die Politik mischt sich seit Jahrzehnten immer mehr ein, wie doch gerade das LSR zeigt. DAS eröffnet Lobbyisten doch ganz neue Spielräume! In einem Markt hat ein Lobbyist keine Chance: der Käufer entscheidet. Lobbyismus blüht überall dort, wo der Staat viele ökonomische Entscheidungen fällt. Wo laufen denn die Lobbyisten rum — in der Lobby des Parlaments, wo politische Entscheidungen fallen, oder in der Lobbies von Geschäften, wo Kaufentscheidungen fallen? ;-) — Und wie soll man den letzten Satz verstehen — als Androhung, Gewalt anzuwenden? Ich kriege vor den Antikapitalisten langsam Angst …

  112. 113
    SJ says:

    Was ich irgendwie an der ganzen Diskussion vermisse:

    Google hat mit Google News einen Service geschaffen, der ja (ausschliesslich) für Zeitungen etc. gedacht ist. Da kommen nicht noch Homepages etc. rein, sondern eben echte, aktuelle Inhalte.

    Und in Google News blendet Google keine Werbung ein. Google verdient an Google News also gar nichts, macht es aber möglich, dass Surfer halt tatsächlich nach aktuellen Geschehnissen suchen können.

    Ich bin der Meinung, die Verlage müssten eigentlich Google dafür zahlen.

  113. 114
    Dieter says:

    @113 SJ

    Auch wenn Google auf der News-Seite keine Anzeigen schaltet und daran unmittelbar nichts verdient, halte ich es doch für naiv, darin irgendeinen wohltätigen Service zu sehen. Das ist vergleichbar mit der Tasse Kaffee, die ich irgendwo umsonst bekomme, während ich auf etwas warte, wofür ich dann bezahlen werde.
    Daß die Verleger Google bezahlen sollten ist wiederum durchaus eine Idee, die durch den großen Traffic gerechtfertigt wäre, den Google auf die Seiten der Zeitungen bringt. Nur wollen die Verleger das nicht sehen.
    Aber es ist doch wie immer eine Machtfrage, und wer am längeren Hebel sitzt, wer von wem wofür Geld verlangen kann. Normalerweise kriegt eine Band in einer Kneipe Geld für einen Auftritt, oder sie teilt sich mit dem Wirt die Einnahmen. Wenn sie ganz am Anfang der Karriere steht, wird sie auch für umsonst spielen, einfach nur um auf der Bühne zu stehen und sich vorstellen zu können. In Los Angeles war (ist?) es in den angesagten Clubs, also kleinen Konzerthallen, üblich, daß neue Bands für einen Auftritt dort bezahlen mußten. Jedenfalls las ich dies über viele Hair-Metal-Bands der 80er Jahre.
    Oft wird Google mit den Taxifahrern verglichen, die Gäste in ein Restaurant fahren, und in Analogie zum Leistungsschutzrecht auch dafür bezahlen müßten, Gäste dort hinzubringen. Das hört sich absurd an, aber wenn es irgendeine angesagte Location gäbe, die total überlaufen wäre, dann könnte es gelingen, die Taxifahrer dafür abzukassieren, daß sie direkt vor das Restaurant fahren dürfen und den Fahrgästen dadurch einen Vorteil bieten würden. Diesen Preis würden die Taxifahrer natürlich von ihren Fahrgästen wieder kriegen, sei es durch einen Zuschlag oder eine veränderte Mischkalkulation, aber es könnte klappen. Normalerweise ist es aber so, daß Restaurants und Bordelle Taxifahrer dafür belohnen, daß sie ortsunkundige Gäste, die nicht genau wissen, wohin sie wollen, bei ihnen absetzen.

    Es ist also keine Prinzipienfrage, sondern eine Frage der Machtverhältnisse, wer wen abkassieren darf.

  114. 115
    Leo says:

    Was mich an der Haltung der Verlage (neben anderem) besonders stört ist das Gehabe: Wir bringen die Leistung und Google macht gar nichts und kassiert nur. Geschickt verpackt in in das unsägliche Wort „Leistungsschutzrecht“. Die Leistung, die von Google-Mitarbeitern seit fast 15 Jahren Tag für Tag erbracht wird, wird komplett marginalisiert. Was denken die eigentlich wie die Google-Suche funktioniert? Eine einfache Webseite mit einem einzigem Eingabefeld und dahinter sitzt ein kleiner Kobold der die Ergebnisse zusammensucht.

    Welt Online schreibt
    „Verleger beklagen seit Langem, dass Suchmaschinen im Internet von der Arbeit der Redaktionen profitieren, ohne dafür eine angemessene Gegenleistung zu erbringen. “

    Allein die die Websuche ist eine grandiose technische Meisterleistung, die auch deshalb so konkurrenzlos ist, weil da etwas Gehirnschmalz drinsteckt

    z.B. mal hier
    http://www.wired.com/wiredenterprise/2012/10/ff-inside-google-data-center/
    http://www.stanford.edu/class/ee380/Abstracts/101110-slides.pdf

    schauen und staunen. Ist das nicht genug „Gegenleistung“?

    Was gibt es sonst noch so alles vom „Minderleister“ Google

    Android,YouTube, Google Maps, Google Earth, Streetview, Google Books, GMail, Google+, Google Docs, Google Drive, Picasa„ Chrome, Chromium, V8, GWT, Guice

    und vieles mehr.

    Liebe Chefredakteure steigt doch bitte mal hinab in eure IT-Abteilungen und lasst euch erklären mit welchen schrecklichen Kostenlosprodukten eure Webauftritte überhaupt erst möglich gemacht werden. Vielleicht ist auch etwas von Google dabei.

    Ja das sind nicht alles orginär Google-Ideen und einiges ist dazugekauft. Das schmälert aber nicht die Leistung der Mitarbeiter, die an diesen Projekten arbeiten. Google und Google-Mitarbeiter halten tausende von Patente für innovative technische Verfahren. Liebe Verlage was ist Euer Beitrag zum technischen Fortschritt? Das Tabloid-Format?

    Liebe Verlage wenn ihr Geld sehen wollt (was ich verstehen kann), dann macht eure Inhalte bitte kostenpflichtig. Wälzt das Geldverdienen nicht auf Suchmaschinen, Internetprovider, Routerhersteller, Bildschirmbauer, Pizzaboten oder wenn auch immer ab. Kommt selber klar!

    P.S. Ja man kann Google auf für vieles völlig zu Recht kritisieren, von Datenschutz bis zur Steuergestaltung (eigentlich auch Aufgabe der Gesetzgebers), aber anderes Thema
    P.P.S.: Sorry, für den Missbrauch der Kommentarfunktion zum Frustabbau. ‚-)

  115. 116
    Augusten says:

    Leo, Du sprichst mir aus der Seele … habe drüben was ganz ähnliches kommentiert :)

  116. 117
    wwwchrisde says:

    Wenn denn die verlinkten Seiten der Verlage denn wenigstens noch Qualitätsjournalismus böten. Immer häufiger sind auch auf den Seiten namhafter Vertreter der onlinepublizierenden Offlinepresse orthografische Fehler zu finden, die so falsch sind, dass sie selbst die einfachste Rechtschreibprüfung ausgemerzt hätte. Ganz zu schweigen von unzusammenhängenden Testpassagen die von Gedankensprüngen des Redakteurs beim Tippen zeugen — Lektorat, Korrektur #Fehlanzeige. Für diese Armutszeugnisse auch noch Kasse machen zu wollen ist dreist.

    Wo ist da die Leistung für das Leistungsschutzrecht?

    Ich sage nur Google schalt ab!

    Sobald die Verlage nach dem Abschalten von NEWS mit sinkenden Absatzzahlen kämpfen kann sich Google ein neues Geschäftsmodell überlegen — wieviel die Verlage dann wohl bereit sind an Google zu überweisen um wieder aufgenommen zu werden?

    Da es sich um ein Recht der Verlage handeln wird trifft schon die Bezeichnung des Schutzrechtes voll daneben — Die Leistung erbringen die Redakteure und Journalisten — es geht hier um nichts anderes als um ein #Nachrichtenverwertungsrecht

  117. 118
    Michael Ziesmann says:

    zur Kommentar 3 von Stefan Niggemeier:

    Das heißt, Sie vergleichen die Marktposition von Google mit der des „Hintertupfinger Abendblattes“? Das ist in etwa so abwegig wie Ihre Überlegung für eine Werbesteuer — die es in Österreich gibt, und dort weg soll weil sie Investitionen verhindert. Das ist keine Zukunft sondern Vergangenheit.

  118. 119
    Stefan Niggemeier says:

    @Michael Ziesmann: Ich habe keine Überlegung für eine Werbesteuer angestellt. (Schwierig, mit Ihnen zu diskutieren, wenn Sie dauernd falsche Tatsachenbehauptungen aufstellen.)

  119. 120
    Innovation ist keine deutsche Tugend - Brillenträger says:

    […] ohne dafür zu erbringende Gegenleistung. Es gibt im Weg unzählige Artikel (z.B. hier, hier, hier und nicht zuletzt auch hier), die meisten von unabhängiger Seite, denn die selbsternannte […]

  120. 121
    Wichtige Nachrichten – 28.11.2012 | newsabstracts says:

    […] die Anzeige kurzer Textausschnitte bei der Verlinkung gezahlt werden soll: (heise.de + taz.de + stefan-niggemeier.de + google.de + […]

  121. 122
    Webschau Dezember 2012 says:

    […] das Gute in der Gesellschaft kämpft. Tatsächlich geht es um wirtschaftliche Interessen.” Stefan Niggemeier führt in seiner Einschätzung der Debatte aus, dass die Firma Google sich das möglicherweise von […]

  122. 123
    Leistungsschutzrecht: Google als Ladendieb? › jorni.de says:

    […] den Medienhäusern zu sprechen ist, nun ja, nicht gerade abwegig. Stefan Niggemeier analysiert die Ungereimtheiten in der Diskussion […]

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