„Handelsblatt“ setzt Medienkompetenzoffensive fort

Toll, das „Handelsblatt“, diese „große, stolze Wirtschaftszeitung“, wie ihr Herausgeber Gabor Steingart sie nennt. Ich les das jetzt öfter, seit die so groß in die Medienberichterstattung eingestiegen sind. Heute eine brisante Titelgeschichte von Hans-Peter Siebenhaar über eine „Branche im Alarmzustand“:

Am besten ist die Grafik, die die dramatischen Veränderungen in der Mediennutzung illustrieren soll. Sicherheitshalber hat das „Handelsblatt“ allerdings die y-Achse manipuliert. Trägt man beide Kurven korrekt an derselben Achse auf, ergibt sich nicht das linke, sondern das rechte Bild:

Außerdem verschweigt das „Handelsblatt“, dass sich seine beiden Kurven auf unterschiedliche Altersgruppen beziehen: die Internetnutzung auf Erwachsene ab 14 Jahren, die Fernsehnutzung auf Zuschauer ab 3 Jahren. Beim Fernsehen sind also auch Kinder einberechnet, die Altersgruppe, die mit Abstand am wenigsten fernsieht. Rechnet man auch hier auf der Basis „Erwachsene ab 14 Jahren“, kommt man 2012 auf eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 242 Minuten — und sogar einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (der sich womöglich aus Fußball-EM und Olympia erklären lässt).

Nur hätte sich diese Grafik vielleicht schlecht unter der Überschrift „Das große Umschalten“ und mit den Worten „Eine Branche im Alarmzustand“ auf dem „Handelsblatt“-Titel präsentieren lassen:

(Die Fernsehzahlen sind über die Jahre nicht ganz vergleichbar: Seit Mitte 2009 gehen vermehrt auch Nutzungen außer Haus und mit Zeitverzögerung in die Berechnung ein.)