„die aktuelle“-Bingo (6)

18 Feb 13
18. Februar 2013

Das ist natürlich für Bingo-Kenner eine zu leichte Aufgabe, zu erraten, was hinter diesem Liebesdrama im Leben der Kanzlerin steckt:

„Verlassen“ wurde Angela Merkel natürlich — auch wenn sich „die aktuelle“ alle Mühe gibt, das zu verschleiern — bloß von Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Das Titelfoto ist zwar am 29. Januar 2013 auf einer Gala des Bundesverbandes der Deutschen Industrie entstanden und kann schon deshalb nicht Merkels Reaktion auf Schavans Rücktritt zeigen, weil die damals noch nicht zurückgetreten war und sogar noch ihren Doktortitel hatte. Aber das sind für den Journalismus, wie ihn die aktuelle Illustrierte aus dem Haus der WAZ pflegt, bloß läppische Details.

Im Inneren stöhnt „die aktuelle“ dann: „So einsam war unsere Kanzlerin noch nie!“ und fabuliert:

Es geschah vor einer Woche. Da musste Angela Merkel erkennen, dass sie niemanden mehr hat, dem sie wirklich vertrauen kann. Sie verlor den letzten Menschen, der bedingungslos hinter ihr stand und absolut aufrichtig zu ihr war.

Annette Schavan.

Es ist wie ein Fluch:

„die aktuelle“ belässt es aber nicht bei dieser lustigen Erzählung von Politik als Schicksalsroman, sondern zielt dann noch auf das Privatleben der Kanzlerin. Es werde „schon länger über die Ehe der Kanzlerin gemunkelt“, behauptet die Volontärin der Zeitschrift, die den Text verfasst hat. Selbst im Urlaub wirke Merkel an der Seite ihres Mannes „nicht glücklich“, wie neulich im St. Moritz. Und so schließt sich der Kreis:

Wahrscheinlich hat Angela Merkel auch ihre privaten Sorgen da noch mit ihrer Freundin Annette Schavan geteilt.

Wie skrupellos „die aktuelle“ bei ihren Lügengeschichten ist, demonstrierte sie besonders eindrucksvoll vor vier Wochen. Gezeigt wurden Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Frau. Die Frage: „Was hat er damit zu tun?“ bezieht sich auf einen tragischen Unfall, bei dem der Rektor der Bayreuther Hochschule ums Leben kam, als er beim Joggen von einer Straßenbahn erfasst wurde. Es ist die Hochschule, die Guttenberg den Doktortitel aberkannte. Was „die aktuelle“ daraus machte, fasste Jörg Thomann in seinen „Herzblatt-Geschichten“ in der FAS so zusammen:

„Der rätselhafte Tod seines größten Feindes“ sei „spannender als jeder Krimi“ und ein „Unfall, der die Phantasie anheizt, der Raum für viele Spekulationen lässt“. Und wenn auch Guttenberg dem Verunglückten nicht den Tod gewünscht habe, „klingt diese Tragödie nach Rache, nach Vergeltung“. Nein, Aktuelle, es klingt alles nur nach ganz miesem Journalismus, und wir sind froh, dass wir deine angeheizte, dreckige Phantasie nicht teilen müssen. Keine Pointe.

69 Gedanken
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    Dexter says:

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