„Die Subjektivität der Blogger als Qualitätsmerkmal“

19 Mrz 13
19. März 2013

Morgen soll ich auf den 11. Frankfurter Medienrechtstagen einen Vortrag mit dem Thema halten: „Berufsethik und Rollenverständnis — Nur sich selbst verpflichtet? Die Subjektivität der Blogger als Qualitätsmerkmal“. Weil ich mal wieder spät dran bin und nicht nur meine üblichen Beispiele nennen möchte, frage ich mal vage in die Runde:

  • Welche (journalistisch relevanten) Blogs sind für Sie und Euch beispielhaft dafür, dass die subjektive Perspektive einen Gewinn darstellt?
  • Und warum ist das so?
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53 Gedanken
  1. 1
    Uwe says:

    Also ich finde das Blog von Fefe durchaus politisch und für mich persönlich einen großen Gewinn, weil er mir andere Ansichten und Dinge zum Nachdenken nahe bringt.

  2. 2
    Max says:

    a) Fast alle

    a) Sie dienen meist wunderbar als abschreckendes Beispiel (siehe fefe)

  3. 3
    Trantor says:

    Jens Weinreich

    Subjektiv, da es bei ihm ständig und immer um Korruption bzw. Doping im Sport geht, entsprechend das teilweise manchmal auch recht überspitzt dargestellt wird und logischerweise selten Berichte zu lesen sind, die das Thema haben von Sportfunktionären/Sportlern, die sich moralisch und ethisch korrekt verhalten. Dass nicht die gesamte Sportwelt so schlecht ist, muss man sich also denken. Aber die Fülle an Informationen, die man auf JW’s Blog findet sowie seine Beharrlichkeit und Klarheit im Nennung schon schwarzen Schafen suchen im deutschen Raum ihresgleichen, wie ich finde.

  4. 4
    Christian says:

    Für mich ganz klar John Gruber auf daringfireball.net.
    Er hat seinen Standpunkt (Pro Apple) und macht diesen auch deutlich. Das erlaubt ihm aber auch, in meinen Augen, gewissen mediale Trends in der Technik-Berichterstattung allgemein und im Kontext von Applle konkret, bessere Analysen anzustellen.
    Oder anders: Er schlägt durch das Gerausche an Bullshit. Manchmal vielleicht aber auch nur mit eigenem.

  5. 5
    Anderer Gregor says:

    Ganz klassisches Beispiel: Das Lawblog.
    Kommentiert ganz offen aus Sicht des Strafverteidigers — immer für den Angeklagten, immer kritisch gegenüber Justiz, Staatsanwaltschaften und Behörden. Und genauso, wie die „zweite“ und „dritte Gewalt“ (war doch Exekutive/Judikative, oder?) eines Rechtsstaates Verteidiger in genau dieser Rolle benötigen, benötigt die „vierte Gewalt“ Strafrechtsjournalisten in genau dieser Rolle.

  6. 6
    Matthias says:

    sprengsatz.de: Michael Spreng hat seine eigenen Meinungen und vertritt diese klar und auch mal gegen den jeweiligen Mainstream. Das hilft denen, die sich in der Minderheit wähnen und sich daher nicht trauen, ihre Meinung zu sagen (die gute alte Schweigespirale). Das Thema Politik ist häufig emotional, deshalb dürfen/sollten es auch die Blogs sein, die sich damit beschäftigen, so wie der Sprengsatz. Außerdem schildert er Begegnungen mit Politikern so, wie er sie eben erlebt hat (also subjektiv). Es wäre also gelogen, würde er hier Objektivität vorgaukeln.

  7. 7
    SG says:

    Lila (Letters from Rungholt) und der leider gerade verstorbene Zettel (Zettels Raum). Ich stimme nicht immer zu, was sie schreiben bzw. geschrieben haben, aber: Beide haben Ahnung. Bei Lila lernt man mehr über Israel als in jedem Korrespondentenbericht. Und Zettel hatte einen einfach unbeschreiblich großen Wissenshorizont. Bei beiden merkt man: Die machen das nicht, weil sie einen Artikel schreiben müssen bis Redaktionsschluss, sondern weil sie etwas mitzuteilen haben über etwas, mit dem sie sich auskennen. Im „klassischen“ Journalismus (egal ob TV oder Print) ist es m. E. manchmal erschreckend, wie wenig Ahnung (Allgemeinbildung, Fachwissen) die Journalisten haben.

  8. 8
    fuderer says:

    a) Für mich insbesondere der schon genannte Weinreich, aber auch Knüwer, Gutjahr und Keese. Wenn juristische Blogs auch als „journalistisch relevant“ gelten, dann vor allem Stadler und Kompa.

    b) Ganz allgemein merke ich, dass mir Subjektivität immer wichtiger wird. Ich beschreibe das mit „Ich weiß, woher der Wind weht; ich muss es nur für mich einordnen“.
    Gerade wenn es sich um bekannt streitbare Blogger bzw. Journalisten handelt, ist Subjektivität ein enorm wichtiger Debattenbeitrag, der die eigene Meinungsbildung befördert, sofern man bereit ist, auch die andere Seite zu hören. Subjektivität führt so gewissermaßen zu mehr Differenzierung. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Motivation und den Hintergrund des jeweiligen Bloggers kennt oder zumindest erahnt. Gerade Keese lese ich aus diesem Grund äußerst gerne, obwohl ich seine Positionen insbesondere zum Leistungsschutzrecht nicht teile. Subjektivität erfordert also auch ein gewisses Ausmaß an Beschäftigung mit dem entsprechenden Blog. Gelange ich nur durch einen zufälligen Link auf ein Blog, das ich nicht kenne, kann Subjektivität auch erstmal hinderlich sein.

    Nur am Rande: Diese Vorliebe für Meinungen weitet sich bei mir stark auch auf allgemeine journalistische Angebote aus. Bei den üblichen Nachrichtenportalen steuere ich (auch wenn es um tagesaktuelle Nachrichten geht) bewusst Kommentare, Leitartikel und Kolumnen an.

  9. 9
    Guido says:

    http://wuertz-wein.de/wordpress/

    Dirk Würtz ist selbst Winzer, was seine Perspektive auf das Thema Wein natürlich prägt. Dennoch ist er weit davon entfernt, das in simplen Lobbyismus münden zu lassen. In der insgesamt ziemlich desolaten Szene des Weinjournalismus‘, wo sonst aufdringliches PR-Geschnatter und bohrend langweilige Serviceberichte („sind das nun 93 oder doch 94 Punkte?“) dominieren und auch die Bloggerei insgesamt nicht ausschließlich gewinnbringend ist, da bei vielen dann doch eine tatsächliche oder auch nur gewünschte Nähe zu bestimmten Produzenten die Feder führt, setzt er mit einer gut dosierten Mischung aus Wissen, Recherche und Meinung Maßstäbe. Er sieht sich auch nicht als Verkünder von Weisheiten, sondern diskutiert lebhaft mit.
    Ein prototypischer Beitrag wäre z. B. der hier: http://wuertz-wein.de/wordpress/2012/12/02/es-lebe-die-realitat/

  10. 10
    Leonido says:

    a) ich teile die These voll und ganz.

    b) gutes Beispiel sind heterodoxe Ökonomieblogs wie der Herdentrieb-Blog, die ein Korrektiv zum Herdentrieb in den Wirtschaftsredaktionen darstellen. Aus Erzählungen der dortigen Blogger weiß ich, dass sie dort wirklich schreiben können, was sie denken, während es ihnen in ihren Heimatblättern verwehrt oder zumindest schwer gemacht wird.

  11. 11
    uerdmann says:

    a. Dieser Blog z.B. ist für mich ein gutes Beispiel für einen unabhängigen, subjektiven Blog, wenn es um Medienthemen geht .
    b. Wertvoll ist es für mich, eine Darstellung und Meinung zu lesen, die anders ist als die meistpublizierte/meistkopierten in anderen Medien. Dank Schwarmverhalten kommt es oft sehr schnell zu einer weitverbreiteten Hauptmeinung — aus dem Schwarm wird dann schnell eine Meute. Willt ich mich z.B. über K.Riemann bei DAS informieren, lese ich 30-mal das gleiche — bis ich auf eine andere Meinung treffe. Erst diese aber bringt mich weiter, sie addiert etwas, regt eigene Gedankenbildung und Auseinandersetzung an — das ist der Mehrwert.
    Für den Mehrwert ist wichtig:
    – Schnelligkeit
    – Auffindbarkeit
    – Abweichen/Kontrast zur „Hauptmeinung“

  12. 12
    Dirk Olbertz says:

    1) Alle.

    2) Ausserhalb von Blogs schaue ich in erster regelmäßig auf SpOn, heise.de und golem.de vorbei — um Beispiele für Nicht-Blogs zu nennen. Und diese Seiten sind für mich reine Informationslieferanten. Meinungen konsumiere ich woanders. Und Meinungen sind mir wichtiger als Informationen. Das klingt zwar paradox, weil Meinungen auf Informationen basieren, aber nur ganz selten bekommt man in einem Artikel mehr als eine Seite einer Information angeboten. Deshalb sind mir die persönlichen Einschätzungen der Blogger dazu so wichtig. Nicht weil ich mit denen übereinstimmen muss, sondern um einen anderen Blick auf die Informationen zu erhalten.

  13. 13
    meykosoft says:

    Tja, wo man sich halt überall so rumtreibt — aber, mal ehrlich gesagt, halte ich die sub­jek­tive Per­spek­tive meines kleinen „Blögchens“ für einen persönlichen Gewinn…
    ;-)

    Sorry, konnts mir nicht verkneifen. Viel Erfolg für morgen!

  14. 14
    Dirk Olbertz says:

    Noch ein Nachtrag, weil das „alle“ natürlich ein bisschen populistisch ist. Bei Autoblogs fällt mir der Unterschied zwischen Blog und „redaktionellen Arbeiten“ besonders auf.

    Ein Blogger geht z.B. offen damit um, dass er ein Mercedes-Fan ist. Dann kann ich seine Beschreibungen auch besser einschätzen. In seinen Berichten scheut er sich auch nicht zu schreiben warum ihm etwas nicht gefällt, auch wenn es total subjektiv ist. Auch das kann ich dann sehr gut einschätzen. Das ist doch wie bei den Produktrezensionen bei Amazon: eine schlechte Bewertung muss ein Produkt für mich noch lange nicht disqualifizieren.

    Die Offenheit mit der Subjektivität lässt mich besser einschätzen, wie ich mit den Beiträgen umzugehen habe. Und der persönliche Bezug hilft mir auch. Wenn ich mal einen SpOn-Artikel lese, habe ich den Autor nicht vor Augen, sondern SpOn insgesamt. Und ich habe keine Ahnung, wofür die insgesamt stehen.

  15. 15
    Nobilitatis says:

    Es gibt zu jedem Thema ein oder mehrere Blogs, die a) sich auf ihrem Gebiet auskennen und b) eine ergänzende Sichtweise zu der veröffentlichten Meinung bieten. Wenn man sich für ein Gebiet interessiert, erfordert es einen angemessenen Rechercheaufwand um das richtige Blog zu finden. Wenn man von einem Thema noch nichts weiß, ist es aber schwierig einzuschätzen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ist halt Erfahrungssache.
    Aktuelles Beispiel bei mir ist die Syrienberichterstattung, wo sich bei mir der Eindruck verfestigt hat, dass wir (wie wir in Deutschland) von dem Mediensystem systematisch belogen und betrogen werden, was das Geschehen dort betrifft. Es ist wohltuend, ein Blog zu besuchen, in dem das dann anders dargestellt wird, auch wenn da vielleicht andere politische Sichtweisen einfließen mögen. (Bsp.: http://apxwn.blogspot.de/)
    Während bei Ihrem derzeitigen Arbeitgeber z.B. Frau Salloum ihre Märchen ausbreiten darf und man nur dann Zweifel bekommt, wenn man die teils empörten Kommentare liest.
    Kehrseite ist, dass die eigene Recherche viel Zeit erfordert, man kann sich kaum noch schnell und kompakt informieren, muss immer kritisch mit den Artikeln umgehen (betrifft alle klassischen Medien).

  16. 16
    René says:

    Just hatte bei mir (Nerdcore) eine Posting-Serie aus Aleppo, Syrien. Die Story haben wir an ein renomiertes Magazin verkauft und das hat auch ein bisschen Wind gemacht. Schönes Beispiel, wie ich finde: http://www.crackajack.de/2013/02/13/letters-from-aleppo-ausstellung-in-berlin-interview-mit-just/

  17. 17
    Andreas says:

    http://www.craigmurray.org.uk/ ist herausragend, weil er Glaubwürdigkeit, Position und newsworthness verbindet.

  18. 18
    Torsten Dewi says:

    Ähnlich wie bei Filmkritiken glaube ich an die Definition der Eigenmeinung über die Fremdmeinung. Fakten sind erstmal wertfrei und es ist angesichts der Überflutung mit Details und Blickwinkeln schwierig, eine Einordnung zu treffen. Eine Zuweisung und Gewichtung von „gut“, „richtig“ und „wichtig„hilft bei der Orientierung. Das heißt nicht, dass man die präsentierte Meinung übernimmt — oft genug schärft sich die eigene Sicht der Dinge gerade dadurch, dass man einer präsentierten Position instinktiv widerspricht.

  19. 19
    Moki says:

    Ich möchte Juliane Wiedemeier vorschlagen (www.juliane-wiedemeier.de/). Sie bloggt aus einer sehr interessanten lokalen Perspektive.

    Was aus lokaler Sicht auch nicht fehlen darf: Ankommen in Bayreuth (ankommen.nordbayerischer-kurier.de/). Chefredakteur Joachim Braun nimmt kein Blatt vor den Mund und verbindet auf interessante Art und Weise seine klassiche Redaktionsarbeit mit einem persönlichen Blog.

    Aus dem Bereich Sport: Kabinentraktate (kabinentraktate.wordpress.com/). Hier macht sich ein gewisser Sören Feyerabend in sehr schöner Sprache Gedanken über das oberflächliche Grundrauschen im Sportjournalismus.

  20. 20
    Kunibert Aschweiler says:

    Ich würde auch Fefe anhand seiner Zypern-“Berichterstattung“ vorschlagen. Denn an diesem Beispiel zeigt sich die Schere zwischen vermeintlich objektiver und subjektiver Berichterstatttung m. E. ganz schön: Während man bei den klassischen Medien oft den Eindruck bekommt, dass sie sich um jede allzu konkrete Information winden, vermittelt Fefe, dass er die Karten mal auf den Tisch lege. Solange man die Art und Weise mit der das alles geschrieben ist (s. Bezüge auf Verschwörungstheorien o.ä.), zu nehmen weiß, ist sein Blog mir wesentlich lieber, als die klassische Berichterstattungen im pappenen Tagesschaustil.

  21. 21
    pmuc says:

    Frage 1: mehrere Blogs, insbes. aber die 5 Fragen zum Leistungsschutzrecht von Sascha Lobo
    Frage 2: viel wichtiger, als Frage 1, da mir persönlich LSR und die interessanten Stories und Entwicklungen um dieses Thema herum gar nicht bekannt worden wären (da sie ja bekanntermaßen in der „klassischen“ Presse entweder gar nicht, oder nur äußerst einseitig dargestellt wurden)

  22. 22
    Patrick Delor says:

    Genau betrachtet, ist alles subjektiv. Ich lese eigentlich keine Berichte mehr, die objektiv sind (und Berichte sollten ja objektiv sein). Weil objektiv ist neutral und neutral ist langweilig. Selbst in Polizeiberichten in Zeitungen trifft man eigentlich nur noch auf subjektive Formulierungen. Vielleicht bin ich da etwas zu spitz, aber mir kommt es so vor.
    An subjektiven Blogs liebe ich die Kontroverse, die Diversität der Kommentare. Natürlich nur die auf hohem Niveau ;-)
    Ich liebe es, einen bisher nicht publizierten (bzw. gefundenen) Standpunkt erörtert zu bekommen. Ich glaube, dass hier die Subjektivität die Triebfeder des Autors ist. Das kritische Umgehen mit dem Thema äußert sich darin. Und noch etwas: die Blogs haben das der Politik voraus. Kein wischi waschi (wie schreibt man das?!), sondern Standpunkte, die meist mit Fakten und/oder Beispielen unterlegt sind.

  23. 23
    Nold says:

    Was mich etwas irritiert — wird damit unterstellt, dass Subjektivität nur bei Bloggern zu finden sei oder nur dort ein Qualitätsmerkmal sein könne?

    Für mich sieht es bei der „Qualitätspresse“ nicht so aus, als ob diese frei von Subjektivität seien. Man nehme nur die Berichterstattung über das „Leistungsschutzrecht“. Dort konnte man froh sein, dass man mit der papierenen Zeitung gleich einen geeigneten Gegenstand zur Verfügung hatte, wenn einem vom Niveau der Berichte übel wurde (Ein eReader kann das nicht leisten). Auch bei anderen Themen erkannt man gut, dass manche Autoren ihre iegenen Ansichten „etwas“ miteinfließen lassen. Daher gilt bei Presseartikeln mein erster Blick auch dem Autor, wenn ich den nicht „kenne“ — z.B. Christian Stöcker bei SPON, nehme ich den Artikel nur noch als Unterhaltung war und habe nicht mehr den Anspruch, mich zu informieren. Für mich ist im Übrigen Subjektivität kein Problem, sondern maßgeblich ist vielmehr Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz: Dass die Interessenkonflikte (wie bei Udo Vetter) offensichtlich, offengelgt und bekannt sind, dass man ihm trotzdem abnimmt, dass er die Tatsachen richtig darstellt und nicht aus dem Zusammenhang reißt und das Quellen der Einträge für den Leser nachvollziehbar und vor allem nachverfolgbar angegeben und verlinkt sind. Alles Merkmale, die ich bei der Printpresse nicht habe (zum Teil lässt sich wegen des Fehlens einer Legende für die Kürzel nicht einmal herausfinden, wer den Text geschrieben hat), wobei man Urheberschaft und Hintermänner sowie Intressen natürlich auch im Netz verschleiern kann. Das hat dann aber nicht selten auch entsprechende Kompetenzen (Peerblog).

  24. 24
    Nold says:

    Oha, das sind jetzt aber doch arge Fehler. Natürlich „war“ -> „wahr“ und „Kompetenzen“ -> „Konsequenzen“.

  25. 25
    Florian Freistetter says:

    Na da sag ich mal ganz allgemein „Wissenschaftsblogs“ (da sind sicher auch journalistisch relevante dabei), die von Wissenschaftlern geschrieben werden. Denn es ist mMn wichtig, dass die Öffentlichkeit nicht nur rein über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung informiert wird. Sondern auch über das ganze „Drumherum“. Über Wissenschaft sind so viele Vorurteile im Umlauf; viele Leute haben keine Ahnung, was Wissenschaft ist, wie sie funktioniert und halten Wissenschaftler für irgendwelche abgehobenen Laborkittelträger, die komische Experimente machen und irgendwann die Welt zerstören werden. Wissenschaftler über ein Blog auch als ganz normale Menschen kennenlernen zu können, ist ein großer Gewinn der subjektiven Perspektive.

  26. 26
    Ste says:

    „Subjektivität“ ist etwas irreführend. Es suggeriert, dass „subjektiv“ eher was schlechtes, minderwertiges, exotisches ist. Für manche stellt dieser auch eine Art Luxus, den es wohl nur freien Schreiber und Schriftsteller erlaubt ist. Manches Mal wird Subjektivität auch als Unterscheidungsmerkmal benutzt, die Blogger vom zeitungsschreiber unterscheidet.
    Alles Quatsch. Es gibt immer schon und eher eine Subjektiv-Objektiv-Spannung, eine Bewegung zwischen beiden, auch wenn es manche nicht wahr haben wollen und sich hinter der Objektivität verstecken wollen.

    Ansonsten stimme ich Nobilitatis zu. Durch viele verschiedene Meinungen, dreht sich das ganze wieder, weil der Nagel rausgezogen wird, den andere fest reinschlagen wollen.

  27. 27
    Marc-Oliver says:

    Ich komme aus der Fragestellung nicht ganz raus. Geht’s wirklich um Subjektivität? Oder vielleicht eher um die Freiheit von redaktionellen Kontrollinstanzen oder die Kultivierung des eigenen Namens als Marke mit Wiedererkennungswert fürs Publikum?

    Denn zum einen geht’s im Journalismus ja oft darum, Subjektivität zu verhandeln, also nicht nur in Blogs. Und zum anderen fällt mir nicht ein, wie der Grad an Subjektivität eines wie auch immer gearteten journalistischen Beitrags ein „Qualitätsmerkmal“ sein kann.

    Es kommt halt darauf an, wie die schreibende Person mit dem Modus/Werkzeug/Stilmittel der Subjektivität umgeht. Wer einen wachen Verstand und ein scharfes Auge hat und gut schreiben kann, wird auch einem stark subjektiven Blickwinkel etwas abgewinnen können. Das gilt aber wiederum nicht nur für Blogger, sondern auch für Kolumnisten, Kritiker und generell so ziemlich jeden, der irgendwo namentlich gekennzeichnete journalistische Beiträge veröffentlicht.

  28. 28
    SvenR says:

    Ich weiß nicht, was journalistisch relevante Blogs sind.

  29. 29
    Max says:

    Kommt auf den Bereich drauf an:

    neues Publishing:
    Marco Arments Blog (marco.org): er hat die Software Instapaper programmiert und gibt das nur auf iOS erhältliche 2-wöchig erscheinende Magazin »The Magazine« raus. Er ist einer der Pioniere des neuen Publishing. Beim The Magazine erscheinen Beiträge von »richtigen« Journalisten und Bloggern.

    Politik:
    Andrew Sullivans Blog (http://dish.andrewsullivan.com)

    Techbranche:
    Daringfireball (John Gruber, daringfireball.net): Apple-lastiges Link-Blog
    Asymco von Horace Dediu (asymco.com): Analyst und Blogger, der sich auf die Mobilfunkbranche spezialisiert hat. Ex-Nokia-Mitarbeiter.
    counternotions.com: Techblog mit Fokus auf mobilen Geräten

  30. 30
    M.K. says:

    Dummheit, Hoppalas und dreiste Lügen in den Massenmedien prangert „Nömix“ in seinem Blog nicht an, sondern macht sich in ironischer Weise darüber lustig.

  31. 31
    Blunt says:

    Frage eins: Blogs, die tendenziell meiner eigenen subjektiven Weltanschauung widersprechen.
    Frage zwei: Weil sie es mir mittels Kommentarfunktion ermöglichen, meinen Widerspruch zu formulieren und daraufhin mit dem Blogger selbst oder anderen Lesern in einen Diskurs zu treten. Im Idealfall veranlasst dieser Diskurs mich dazu, meine Weltanschauung zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern.

  32. 32
    Max says:

    IMHO entsteht der eintscheidende Vorteil eher in der subjektiven und oft eigenständigen Themenwahl. Die klassischen Medien springen alle viel zu oft auf denselben Zug auf. Da liest man überall die Selbe Agentur Meldung, eventuell mit anderer Überschrift. Oder man bekommt überall weitgehend identische Interviews mit dem Hauptdarsteller des aktuellen Kinofilms. Oder es wird einfach nur überall über das Selbe Tagesereignis schwadroniert. Da tingelt der gleiche Politiker oder Dschungelcampteilnehmer (wo ist eigentlich der Unterschied?) durch sämtliche Talkshows. Zeitungen, Radio und TV sind so uniform, so gleichgeschaltet dass man keine Lust mehr hat diese Medien zu nutzen. Da ist man über jeden Blogger froh der eigene Prioritäten setzt und sich allein schon so abhebt.

  33. 33
    Markus says:

    Objektivität gibt es nicht. Selbst ein banaler Satz wie „Es schneit“ kann Reaktionen der Art „Was, DAS bissel Krümelei nennst Du schneien?“ hervorrufen.

    Aber sei es drum. Für mich macht die Blogosphäre aus, dass sie ungefiltert ist. Und die Meisten Blogger scheuen keinen Diskurs. Die etablierte Presse sieht sich gern als 4. Kraft, die legislative, Exekutive und Judikative überwacht. Und wer überwacht die Überwacher? Die Blogger! (Nicht alle, aber einige) Die sind dann in meinen Augen die 5. Macht. Und die 6. sind dann die Blog-Leser, Blog-Kommentierer und Blog-Empfehler. Und diese 6. Macht ist dann die ganz Breite Masse (aber auch hier wieder dahin gehend eingeschränkt, dass sie den Netzzugang brauchen).

    LG Markus

  34. 34
    kaltmamsell says:

    http://www.esskultur.at/
    Bloggerin Katharina Seiser ist Journalistin und Buchautorin, speziaisiert auf Food. Die Subjektivität ihres Blogs: Hier ist sie noch kompromissloser und schärfer, aber ebenso fundiert und recherchestark.

  35. 35
    Lutz Breunig says:

    Blogposts sind subjektive Meinungsäusserungen, die aber nicht zwangsläufig auch die Meinung des Bloggers repräsentieren. Die Qualität eines Blogs steigt mit glaubhafter Authentizität. Hiervon hängt der Gewinn ab — sowohl für den Blogger als auch für den Leser.

  36. 36
    Fabian says:

    Im Bereich Fotografie finde ich den Blog von Robert Kneschke http://www.alltageinesfotoproduzenten.de/ sehr gut. Er schreibt nicht nur über praktische Tips für bessere Fotos, sondern liefert auch regelmässig Berichte, Analyse und Hintergrundgeschichten über aktuelle Entwicklungen im Bildermarkt in die er stark seine eigenen Erfahrungen als Fotograf einfließen lässt, sehr spannend.

  37. 37
    Stefan says:

    http://www.doggennetz.de

    Ist eine Journalistin, die (leider) jenseits der öffentlichen Wahrnehmung über die Misstände im deutschen und im Auslandstierschutz aufklärt und sich aktuell sogar mit dem ETN e.V. anlegt.

    Sie ist ein gutes Beispiel, weil sie sich um ein eigentlich wichtiges und relevantes Thema kümmert, das aber leider kaum einen interessiert und dementsprechend kein Echo in den Mainstreammedien findet.

  38. 38
    nona says:

    Zu a) könnte ich zuviele (schon genannte) Beispiele nennen, deswegen lasse ich’s. Zu b) finde ich die Subjektivität einerseits wichtig, denn sie ist eine Form von Stimme, die es im klassischen Journalismus bislang noch nicht gab, nichtmal in Kommentaren. Teilweise gehen Blogs geradezu als Bürgerjournalismus durch. Andererseits halte ich es für unerlässlich, diese Subjektivität immer auch mit ihren Risiken und Nebenwirkungen wahrzunehmen, denn sie führt zu Spezialisierung und damit zu Fraktionierung und Inselbildung der Leserschaft. Das spiegelt sich in den Leserkommentaren nicht selten als ausgesprochener Klub der Ja-Sager und Schulterklopfer wieder. Durch Blogs ist es sehr leicht geworden, nur noch Stimmungen, Meinungen und Interessen bedient zu bekommen, die man bewusst oder unbewusst sowieso schon hatte. Und das ist nicht gut.

  39. 39
    Tilman says:

    Na klar, der Jens Berger mit dem Spiegelfechter! http://spiegelfechter.com

    Kritische Hinterfragung der aktuellen Politik — und dennoch seine linke Sichtweise.

  40. 40
    Levander says:

    Ein aus meiner Sicht für das Vortragsthema beispielhafter Blog wäre http://www.danisch.de
    Obwohl ich durchaus häufiger nicht einer Meinung mit dem Autor des Blogs bin, halte ich die Auseinandersetzung mit einigen seiner wohlformulierten festen Standpunkte für sehr erfrischend. Die Themenauswahl ist relativ breit, allerdings dominieren, neben einigen eher IT-nahen Einträgen, zeitweise die Themen „Wissenschaftsbetrieb“ und „Politik“ und „Genderismus“ (alles im „weitesten Sinne“) den Blog. Es werden hier z.B. genüsslich Logikbrüche in politischen Argumentationen offengelegt bzw. viele Themen einfach mal sehr kritisch hinterfragt.

  41. 41
    Jaheira says:

    Ich lese gerne die nachdenkseiten.de. Zum einen finde in deren Linksammlungen interessante Artikel von Dritten, zum anderen wird in deren eigenen Kommentaren oft überzeugend kommentiert. Ich finde, dass es ehrlich und vertrauenserweckend ist, wenn Autoren direkt zugeben, ihre persönlichen Ansichten zu verbreiten. Außerdem stimmt es mich versöhnlich: wenn ich nicht zustimme, dann ist es eben die Meinung von Michael H. Spreng oder sonstwem, das kann ich akzeptieren.

    Durch die „Gegenmeinungen“ der Nachdenkseiten habe ich gelernt, dass Zeitungsartikel auch nur Meinungen sind. Dort wird vorgegeben, Wissen zu vermitteln, das allgemeingültig sei und nur von dummen, naiven oder schlechten Menschen nicht geteilt würde. Viele Autoren in „Qualitätszeitungen“ wirken auf mich inzwischen arrogant und ahnungslos.

  42. 42
    Gero says:

    Wenn ich das Thema (Subjektivität der Blogger als Qualitätsmerkmal)nehme, fällt mir das Blog
    horstson.de ein. Eigentlich für Mode und Lifestyle gedacht,
    kommen da zu aktuellen Themen plötzlich teils völlig neue
    Sichtweisen.

  43. 43
    jokahl says:

    Ist Subjektivität nicht sozusagen das einzige echte Qualitätsmerkmal, was ein traditionelles (von Einzelkämpfern betriebenes) Blog von anderen Darstellungsformen unterscheidet? Und ist ein Blog mit mehreren/vielen Autoren nicht sowieso schon fast eine Onlinezeitung?

    Wie dem auch sei:

    neben den schon genannten Spreng und dem frühen Spiegelfechter (Berger allein) pantelouris — weil er trotz seiner kruden Mischung aus Printjournalismusdiskussion und Griechenland-PR unterhaltsam argumentiert.

  44. 44
    Stephan says:

    Bei Blogs finde ich es gut, dass man sich sehr schnell (z.B. Vita oder viel offensichtlicher den anderen Artikeln) einen Überblick über den Autor verschaffen kann und seine Subjektivität einordnen kann. Die Blogs sortieren für mich daher quasi eine subjektive Meinung: anderer Blog, andere Perspektive.
    Das fällt mir in einer Zeitung im klassischen Sinne wesentlich schwerer. Was hatte der Autor nochmal zu diesem Thema vor drei Ausgaben geschrieben? Wie positioniert sich der Autor bezüglich seines Auftraggebers?
    Zudem ist offene Ehrlichkeit immer glaubwürdiger! :-D

  45. 45
    Da Nil says:

    Fefe, kress und „alles schall und rauch“ sind doch paradebeispiele.

  46. 46
    tba says:

    Ich schlage Aus Liebe Zur Freiheit von Antje Schrupp vor. Antje hat ihre Lieblingsthemen (Internet, Feminismus) und eine für mich klar erkennbare Meinung. Und diese versucht sie oft an persönlichen Beispielen deutlich zu machen. Meiner Meinung hilft das, ihre Argumente nachzuvollziehen, auch wenn man mit der Meinung nicht übereinstimmt. Und dabei schafft sie noch den Spagat, zu zeigen wie wichtig es ist, auch mal die Perspektive von anderen einzunehmen.
    Zum Beispiel in ihrer Äußerung zu rassistischen Begriffen in Kinderbüchern: http://antjeschrupp.com/2013/01/19/kontext-wie-worter-zu-ihrer-bedeutung-kommen/

  47. 47
    Rico83 says:

    Der Artikel erinnert mich daran, dass ich kürzlich über die Seite von bildblog auf einen Blog mit einer sehr persönlichen Note gestoßen bin. Mir gefällt der sehr, ist aber wohl nur was für Fußballfans, denke ich: http://kabinentraktate.wordpress.com/

  48. 48
    Oliver says:

    Grunsätzlich natürlich alle, denn wenn ich immer das gleiche sehen und hören will, schau ich die Tagesschau … Ich muss nicht mit einem Autor übereinstimmen, um seine Meinung lesen zu wollen (ausser fixmbr — da krieg ich Pickel).

    Besonders fällt mir aber Netzpolitik und die Nachdenkseiten ein.

  49. 49
    Christian Schulz says:

    Ich finde den oben Vergleich mit Amazon-Kommentaren von Dirk Olbertz (#14) sehr gut.
    Wenn es 75 Kommentare gibt, davon 70 sehr positive, und fünf negative Bewertungen, dann lese ich zuerst die negativen Bewertungen. Diese machen mich auf Fehler oder Probleme aufmerksam. Sie sind fast immer sehr subjektiv und teilweise etwas „exotisch“ oder einfach dumm, aber sie zeigen mir die Ausreißer auf, in positiven Bewertungen erwarte ich nur, dass sie sagen das Produkt tut was ich erwarte, dass muss ich nicht lesen.

    So ist es auch mit dem Journalismus, das Leben ist die Summe von Einzelfällen, wie eine scheinbar graue Wand aus einer unendlichen Zahl von Farbtupfern bestehen kann. Ich muss nah rantreten, um das zu sehen. SPON zeigt die Wand, Blogger eher die Farben.

  50. 50
    vera says:

    Erbloggtes
    kenntnisreich, pointiert, ausführlich, gut recherchiert (und unterhaltsam)

    Internet Law
    unaufgeregt, informativ

    Antje Schrupp
    gerne gegen den Strich, sehr intelligent

    Feynsinn
    rotzfrech links

    NDS, Spiegelfechter, Fefe, Sprengsatz (oben schon erwähnt)

    Und alle Journalisten aus meiner Blogroll. Und Carta ‚)

  51. 51
    PS says:

    - coffee & TV: weil es mir inhaltlich nahe ist
    – das kraftfuttermischwerk: musikalisch interessant, politisch interessiert.
    – fefe: weil fun und politik gut zusammenwirken.
    – lawblog: kult.
    – pharmama: weil ich mal mit einer Apothekertochter geschlafen habe…
    – Duckhome: das ist nicht links, das ist dagegen. Und öffnet damit Augen…

  52. 52
    Nobilitatis says:

    @Rene, #16:
    Ihre Eigenwerbung in allen Ehren. Aber wozu angesichts der massenhaften propagandistischen Bearbeitung in den Druck– und Funkmedien noch eine Reportage eines weiteren mit den syrischen „Rebellen“ verbundenen Journalisten gebraucht wird, erschließt sich mir nicht. Was gebraucht würde, wäre neutrale Berichterstattung, davon gibts nämlich zu wenig.

  53. 53
    Sebastian says:

    Das Problem der Fragestellung ist meiner Auffassung nach, dass viele Leser nur solche Blogs lesen deren Inhalt mit der eigenen Meinung überein stimmt. Man nennt das gerne „Filter Bubble“.

    Ich folge auf Twitter gezwungen Rupert Murdoch und David Frum, nur um zu wissen, wie „die andere Seite“ so tickt. Auf 140 Zeichen begrenzt geht das gerade so, darüber hinaus würde ich wahnsinnig werden.

    Das ist dann auch das Hauptargument für Ich-zentrierte Blogger. Die Leser finden sich und ihre Meinung wieder und finden das Blog deshalb toll. Inwiefern das journalistisch wertvoll ist sollte man eventuell mal irgendwie beleuchten. Mir stellt sich die Frage ob die journalistische Unabhängigkeit und die unparteiische Beleuchtung von Dingen überhaupt möglich sind.

    Daringfireball ist ein gutes Beispiel für ein Blog in dem der Autor eigene Fehler korrigiert und auch seine Meinung ändert. Sullivan ist davon Lichtjahre entfernt.

    Gute, persönliche Blogs erkennt man am Umgang mit persönlichen Fehlern und am Umgang mit Kritik. Nach solchen Situationen sollte man die Blogs durchsuchen und danach beurteilen.

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