Mats und Moritz gehen ans Ende des Regenbogens

12 Apr 13
12. April 2013

Schon der Name ist schön. „Topf voll Gold“ haben Mats Schönauer und Moritz Tschermak ihr Blog genannt, in dem sie über den Markt der Regenbogenpresse in Deutschland berichten. Sie meinen nicht die Boulevardzeitungen wie „Bild“ oder sogenannte „People-Magazine“ wie „Gala“ und „Bunte“, nicht einmal viertelseriöse Angreifer wie „Closer“, sondern das Segment, dessen journalistische Ansprüche noch darunter liegen: Hefte wie „Freizeit Revue“, „Das goldene Blatt“, „Neue Woche“ und meine alte Freundin, „Die Aktuelle“, die Woche für Woche viele Hunderttausend Exemplare verkaufen.

Aus irgendeinem Grund gibt es kaum journalistisches Interesse an diesen schillernden Produkten und ihrer Art, sich auszumalen, was in der Welt der Reichen und Schönen wohl gerade vielleicht hätte passiert sein können, wenn das Leben die besten Geschichten schreiben würde und das nicht doch Woche für Woche die Redakteure dieser Blätter übernehmen müssten. Nur Jörg Thomann veredelt in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die (Fehl-)Leistungen der Blätter regelmäßig zu „Herzblatt-Geschichten“.

„Und so läuft das Geschäft unterm Regenbogen, ohne dass sich jemand groß damit auseinandersetzt“, schreiben Mats und Moritz, was angesichts der üblen Methoden und dreisten Lügen schon erstaunlich ist. So berichtet die Zeitschrift „Promi-Welt“, dass die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit „in einer Nacht– und Nebel-Aktion [in Indien] zwei Säuglinge aus einer Kinderklinik entführte“.

Schönauer und Tschermak studieren am Institut für Journalistik der TU Dortmund und betreiben den „Topf voll Gold“ als Teil ihrer Bachelorarbeit. Im schriftlichen Teil wollen sie unter anderem vergleichen, wie sich die Zeitschriften untereinander unterscheiden und im Lauf der Zeit verändert haben, und fragen, welchen Einfluss und welche Funktion Blogs neben der herkömmlichen Medienkontrolle und –kritik haben können.

„Vor allem aber interessiert uns die Frage“, sagt Mats Schönauer, der auch fleißig fürs BILDblog schreibt, „warum Medienjournalisten diesen riesigen Markt der Regenbogenpresse zum größten Teil unbeobachtet lassen. Das gilt interessanterweise auch für die Wissenschaft: Es gibt kaum Literatur und so gut wie keine Forschung zu diesem Bereich, obwohl er — allein gemessen an der Auflage — ohne Frage von Relevanz ist.“

Das Blog soll die praktische Ergänzung dazu sein. Dort sammeln sie auch die „Verrenkungen der Woche“ — das ist das Gegenstück zu meinem „die aktuelle“-Bingo und bietet ebenfalls die Möglichkeit mitzuraten, welche harmlose Nachricht für die absurd spektakulären Schlagzeilen der Titel verantwortlich ist. Das ist manchmal amüsant, wenn die „Neue Welt“ über Schlagersängerin Nicole titelt: „Knapp am Tod“, wohinter sich Folgendes verbirgt:

Dreimal schon ist Nicole dem Tod noch gerade so von der Schippe gesprungen — drei „Erlebnisse, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen …“

  • 1988 wollte sich Ehemann Winfried unbedingt die Flugschau in Rammstein angucken. „Weil seine Frau zu Hause zu lange herumtrödelte, wurde daraus nichts.“
  • 2004 planten die beiden eine Reise nach Südostasien. Exakt zu dem Zeitpunkt, als dort der Tsunami wütete. Das Paar „entschied sich dann jedoch kurzfristig für Südafrika“.
  • Irgendwann krachte mal bei einer Liveshow ein schweres Scheinwerfer-Gestell um — „es hätte Nicole erschlagen können, fiel aber in die andere Richtung.“

Und manchmal von ausgesuchter Ekligkeit, wenn die „Freizeit Monat“ auf ihrem Titel alles tut, um den Eindruck zu erwecken, dass Friso, der Sohn von Beatrix, der seit einem Unfall im Koma liegt, gestorben sei, wenn sie in Wahrheit nur die angekündigte Abdankung der niederländischen Königin meint.

„Kein Plan, wie lange wir das aushalten“, sagt Mats, „aber noch sind wir hochmotiviert.“ Ich drücke die Daumen.

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28 Gedanken
  1. 1
    meykosoft says:

    »Und so läuft das Geschäft unterm Regen­bo­gen, ohne dass sich jemand groß damit auseinandersetzt«

    Das ist ein wenig wie beim Vorabendprogramm. Es laufen,zumindest wenn ich mal reinschau, sich irgendwie untereinander ähnelnde und eher unwahrscheinliche Lebensberichte über den Flatscreen. Harmlose Ablenkung eben.

    Das ist vermutlich der Grund, „warum Medi­en­jour­na­lis­ten die­sen rie­si­gen Markt der Regen­bo­gen­presse zum größ­ten Teil unbe­ob­ach­tet las­sen“.
    Aber ab sofort wird das ja nun anders!
    ;-)

  2. 2
    Philipp says:

    So wichtig ich das finde – Ich halte das einfach nicht aus. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ich im Supermarkt 15 Meter Regebbogenpresse finde… :-(

  3. 3
    trashjazz3000 says:

    „Und so läuft das Geschäft unterm Regen­bo­gen, ohne dass sich jemand groß damit aus­ein­an­der­setzt“. Zu Recht! Es ist nicht die Aufgabe von Medienjournalisten manipulativen Dornröschen-Klatsch zu durchleuchten. Dafür haben die Promis gut bezahlte Promi-Anwälte. Mir wäre hier jedenfalls ehrlicher Flauschcontent lieber als investigativer Journalismus über schlecht recherchierte Hofberichterstattung.

  4. 4
    Sebastian says:

    Geht mir wie Philipp. Verdienstvoll, in dieser Gosse wenigstens mal eine Laterne aufzustellen, aber es macht keinen Spaß, das zu lesen. Es ist so erbärmlich. Künstlerisch, moralisch, politisch, journalistisch: erbärmlich.

  5. 5
    Frank Reichelt says:

    Ich kann „trashjazz3000“ nur zustimmen!

    Bis eben wußte ich nicht, dass es ein Druckerzeugnis namens „Freizeit Monat“ überhaupt gibt und ich wünschte, es wäre dabei geblieben!

  6. 6
    ACR Angela Charlotte Reichel says:

    ich habe überhaupt nicht gewusst, wie viele solcher Dinger es gibt.
    Ja Himmel, wer liest das Zeuch denn und vor allem, warum wird dafür Papier verbraucht?

    Dafür wäre kostenlose eBooks zu empfehlen. GelbbuntessinnloseBookkostenlos wäre ein eventuell gar passender Sammeltitel.

    Tja, aber damit würde es zum Arbeitsplatz„killer“ — so kostet es ja „nur Bäume“.

    Zu welch‘ unbegreiflicher Unsinn der Mensch in der Lage ist … langsam scheint mir in dem Zusammenhang der Begriff
    – Schöpfung– überdenkenswert.

    (ACR)
    .

  7. 7
    Thomas K. says:

    Ich find’s eine tolle Idee und hab den Blog mal unter den Favoriten gespeichert.

    Wünsche den beiden viel Erfolg und starke Nerven!

  8. 8
    Ypsilon says:

    Steht in der „Neuen Welt“ wirklich „Rammstein“ mit zwei m? Das wär ja mal ein schöner Treppenwitz ;)

    (Darauf erstmal ne Runde Rammstein hören…)

  9. 9
    gnaddrig says:

    Also, die Geschichten über den journalistischen Bodensatz würde ich mir auf die Dauer nicht antun wollen. das „die aktuelle“-Bingo reicht mir da völlig aus. Aber ein bisschen Forschung wäre sicher interessant — wer liest diese Blätter und warum, und was richtet dieser Schrott in den Köpfen an? Aber das Woche für Woche auseinanderzuklamüsern, dazu ist das Leben zu kurz.

  10. 10
    Albert says:

    „Kein Plan, wie lange wir das aus­hal­ten“ sagt Mats.
    Mats, diese Heuchelei zieht bei mir nicht. Du und Moritz, ihr habt Spaß dran diesen Kram zu lesen. So weit, so gut. Ihr habt mittels eines superkritischen, wahrscheinlich total kultigen und ironischen blogs einen Weg gefunden, diesen Kram lesen zu dürfen, ohne von euren hippen Freunden ausgelacht zu werden. So weit, so gut. Aber tut nicht so, als wäre es eine Last für euch, das zu tun. Fast jedes andere Thema wäre relevanter gewesen. Aber ihr habt eben keinen Bock, euch mit komplexeren Sachverhalten auseinanderzusetzen, sondern wollt spaß mit yellow press haben. Wenn ihr dazu steht, seid ihr cool, aber diese Schiene, die ihr zur Zeit fahrt, ist nur peinlich.

  11. 11
    Stefan Niggemeier says:

    Ach Gottchen. Gut, dass wir das geklärt haben, dass Albert keiner ist, bei dem sowas zieht.

  12. 12
    Aristoteles Pagaltzis says:

    Man gewinnt ja den Eindruck, wenn man bei der Regenbogenpresse alle Lügen weg-radiert, bleiben vom ganzen Text nur noch die Eigennamen übrig. Warum dürfen diese… Produkte eigentlich verkauft werden?

  13. 13
    Daniel says:

    @ Albert
    Zu glauben, sich mit solchen unbeleuchteten Aspekten zu beschäftigen wäre der leichtere Weg als sich mit viel dokumentierten „komplexeren Sachverhalten auseinanderzusetzen“, halte ich ja mal für einen groben Irrtum. Die üblichen Standardthemen sind da ganz sicher der einfachere Weg eine Bachelor-Arbeit fertig zu stellen. Abseitige Themen sind — auch wenn sie in thematisch seichtere Gewässer führen — meist mit erheblich mehr Arbeit verbunden. Glauben sie es jemanden, der in seinem Literaturstudium auch keine Lust hatte die 500. Thomas Mann Magisterarbeit abzugeben und sich stattdessen dachte: hey, mach ich doch mal was ganz originelles und verfasse meinen eigenen Primärtext nach den Vorgaben der „How to write“ Drehbuch Gurus und analysiere als Theorieteil, wie weit solche Standard-Dramaturgien funktionieren. Was habe ich mich am Ende verflucht, nicht die Normalo-Akademiker-Kost anzurühren. Da wäre ich ja mit einem drittel der Arbeitszeit ausgekommen.
    Und ich wette, dieser „Spaß mit der yellow press“ samt Blogbetrieb ist da nicht weniger aufwändig.

  14. 14
    Else says:

    Albert formuliert es etwas unfreundlich, aber ich finde er liegt nicht ganz falsch. An die Freizeit Revue den Anspruch auf „Fakten“ zu erheben, finde ich einen wunderlichen Ansatz. aktuelle und Freundin verhalten sich, was aufklärerischen Anspruch betrifft, zu Bild wie Bild zu bildblog, würd ich mal sagen. Und das ist bekannt. (Es nochmal zu erforschen hat natürlich immer seine Berechtigung.) Ich hätte die eher auch in eine Form literarischer Gattung eingeordnet. Mein Mitleid mit Protagonisten wie Beatrix und Boris Becker ist übrigens auch begrenzt. Eine Problematik sehe ich eher im „demokratiepraktischen“ Bereich. Ich fürchte, dass es viele Menschen gibt, für die die genannten Publikationen eine oder die wesentliche Informationsquelle sind. Man sollte sich fragen, wie man es schaffen kann, diese zu Teilhabenden von, ich nenns mal aufgeklärteren Debatten werden zu lassen (auch wenns etwas selbstherrlich klingt).

  15. 15
    Stefan Niggemeier says:

    @Else: Warum ist es wunderlich, an eine Zeitschrift, die aussieht, als wäre sie ein journalistisches Produkt und u.a. vom Staat auch als ein solches behandelt wird, den Anspruch auf korrekte Fakten zu stellen? Wem ist es bekannt, dass diese Zeitschriften lügen, was das Zeug hält? Und für welche Zeitschriften gilt das? Gehört, zum Beispiel, „Closer“ dazu, in dem sich in dieser Woche neben diversen mutmaßlich erfundenen Geschichten auch der, nun ja, Scoop fand, dass Jürgen Klopp sich Haare hat transplantieren lassen? Und warum haben Sie kein Mitleid mit Königin Beatrix?

  16. 16
    mkorsakov says:

    Georg Seeßlen hat in konkret 02 und 03.2013 zwei lesenswerte Artikel mit dem (Unter)titel »Was die Klatschpresse zu sagen hat« geschrieben, die hier bestimmt wunderbar hinpassen würden, aber leider nicht zu verlinken sind.
    Vllt. findet man die Hefte ja noch in irgendeinem Archiv oder einer lokalen Stadtbücherei …

  17. 17
    gerrit says:

    Bericht wird übrigens erstattet, nicht ertattet. Was der Klatschpresse nie passieren wird: Dass man aus Sympathie Leserbriefe oder blogkommentare schreibt. Die kriegen nur Post von Anwälten.

  18. 18
    Peter says:

    Bei dieser Gelegenheit gebe ich mal eine kurze Episode aus meinem Leben zum Besten (mit kleineren Änderungen, aber das Wesentliche bleibt):

    Gestern war meine Tante zu Besuch (technisch gesehen auch ich, da ich ja nicht mehr bei meinen Eltern wohne), nachmittags haben wir Kaffee getrunken und Streuselkuchen gegessen, und meine Eltern/Tante haben sich über irgendwelche Prominenten-Geschichten unterhalten, die zuletzt in den Medien waren (Pocher, Van der Vaart…). Natürlich haben sie sich dann auch gegenseitig noch verraten, was die letzte Bildschlagzeile war, die sie auf der Bäckereitheke lesen konnten. Irgendwann hat sich meine Tante dann als stolze bild.de-Leserin geoutet (und sie ist jetzt nicht gerade der geistigen Unterschicht angehörig, ebensowenig wie meine Eltern), woraufhin meine Mutter mich angeschaut und zu lachen angefangen hat: „Ich will dich jetzt nicht beleidigen Peter hahaha aber der Peter hahaha liest den B-I-L-D-blog! Hahahaha.

    Am liebsten hätte ich ihr einfach gesagt, wie unfassbar bescheuert.…habe dann aber nur etwas gesagt wie „hahaha übrigens sind Wale vom Aussterben bedroht hahaha“. Was besseres ist mir nicht eingefallen, ich habe ein paar verständnislose Blicke bekommen und das war’s. In der Vergangenheit habe ich vielleicht zwei– oder dreimal gesagt „Zu der und der Sendung war neulich ein schöner Artikel auf bildblog.“ worauf meine Mutter dann regelmäßig bestürzt (sie ist um die 50 aber schon extrem vergesslich und bei solchen Dingen schicht lernunfähig — „wir sind da zu alt für“, „wir müssen arbeiten“) zurückgab: „Wie, du liest doch nicht etwa die Bild?!“ und ich jedesmal Mühe hatte, ihr zu erklären, dass der bildblog praktisch das komplette Gegenteil ist. Naja, dieser Vorfall war mir einen Kommentar wert, einfach um meiner inneren Wut Luft zu machen. Wenn ich in einem auf dem Bildblog verlinkten Artikel lese, wie die Gesellschaft auf bestimmte Medien oder bestimmte Ereignisse reagiert, ja von ihnen gefügig gemacht wird oder welche Autoren welches Weltbild vertreten und wie sie mit ihren Fehlern umgehen, wie sehr Journalismus, Politik und Wirtschaft in manchem Bereich miteinander verzahnt ist, dann erschrecke ich manchmal, wie exemplarisch meine Familie das Verhalten abbildet, das entsteht, wenn man eine Zeitung völlig unreflektiert liest. Ich erinnere mich auch an die eine odere andere Situation, in der ich meinen Eltern ein bestimmtes Buch o.ä. empfohlen habe, sie es aber erst gut fanden, als sie mal Monate später zufällig eine positive Kritik dazu in der ZEIT oder FAZ gesehen haben. Vielleicht haben sie auch nur etwas gegen mich.

  19. 19
    Else says:

    @Stefan Niggemeier

    Über presserechtliche Privilegien hatte ich überhaupt nicht nachgedacht. Wem ist bekannt, dass diese Zeitschriften lügen? Den Leuten „mit Medienkompetenz“. Die, die auch wissen, dass Joe Gerner oder die RTL-Doku Soaps nicht real sind.
    Ich fände Freizeit Revue und Konsorten selbst dann gefährlich, wenn alles, was sie schreiben, der Wahrheit entspräche. Da werden ja Prominente und Adelige nicht nur herabgewürdigt, sondern vielfach auch stark angepriesen. Selbst, wenn alles wahr wäre, was zu lesen ist, sind es immer noch nicht die Themenkreise, die einem „aufgeklärten Diskurs“ förderlich sind. (Etwas off topic, aber es beschäftigt mich: ich finde es eigentlich egal, ob und was Jürgen Klopp mit seinen Haaren macht. Ich gönne ihm jede Frisur, die er sich wünscht. Ich finde es aber überhaupt nicht günstig, dass jetzt alle deutschen Männer Anlass haben, darüber nachzudenken, dass einer der coolsten (und bereits gut aussehenden) Typen des Landes ein paar tausend Euro in eine Glatzenoperation investiert hat und ob sie selber das nicht auch in Angriff nehmen müssen.) Das klingt jetzt, als sollte ich nach Nordkorea auswandern.

    Bezüglich Königin Beatrix habe ich ungeprüft meinen Freund als Quelle genutzt, der immer sagt: „Königin Beatrix ist die reichste Frau der Niederlanden und ihr gehören viele Shell-Aktien (Öl=Böse). Jetzt, insbesondere sensibilisiert durch den Aufruhr um Denis Yücel und sein Fake-Video, bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich in der Lage wäre zu belegen, dass sie überhaupt exisitiert. Wenn aber doch, so ist mein Mitleid mit ihr als Opfer der Regenbogenpresse begrenzt, weil ich glaube, dass sie aufgrund ihrer Herkunft die Möglichkeit hatte und genutzt haben wird, eine Medienkompetenz zu entwickeln, die sie (mehr als viele andere Menschen), neben ihrer gesellschaftlich privilegierten Stellung, davor schützt, unter den negativen Auswirkungen dieser schrecklichen Berichterstattung zu leiden.

    Vor meinem nächsten Post bei Ihnen werde ich etwas gründlicher nachdenken. Oder vielleicht eine Bewerbung beim Freizeit Monat in Betracht ziehen.

  20. 20
    Daniela says:

    Was für eine großartige Idee!

    Die geringe Beachtung dieses Zeitschriftensegments erinnert mich immer an die „Dschungelcamp“-Kritiker, die sich künstlich über den Niveaulimbo einer Sendung aufregen, in der alle Akteure Medienprofis sind, während jeden Tag im privaten Nachmittagsfernsehen solche Machwerke wie „Die Trovatos“, „Mitten im Leben“, „Verklag mich doch“ und weitere Sendungen laufen, die mir beim Zappen einen Schauer über den Rücken laufen ließen. Oder lag es nur an der fiebrigen Erkältung, die mich ans Bett & TV fesselte?

  21. 21
    ACR Angela Charlotte Reichel says:

    Da ist es wieder, dieses Wort, welches im Grunde ein Menschen-Gefühl wiederspiegeln soll, aber nach meinem Empfinden in den letzten Jahren meist mit „begrenzt“ oder „nicht bis gar nicht vorhanden randbeschmückt wird.
    Mitleid.
    Wieso? Wo ist es hin? Es ist doch so menschlich, Mitleid, Mitgefühl zu empfinden. Wenn wir schon keinen Euro geben, dann doch wenigstens ein Lächeln.
    Nein? Die Zeit des Lächeln Schenkens ist vorbei? Immerhin sind wir da angekommen, in der jeder ein Promi sein kann– auch wenn wir dazu das Alphabet in die 999. Runde schicken müssten. Z– 245 Promi sind hernach die Kleindarsteller für die Castingsshow in der die Besitzer der 10 unaufgewaschensten Kaffeetassen Deutschlands gefunden werden sollen. Mit Probetrinken natürlich, es soll schon echt wirken. Ekel ist angesagt. Wo bleibt nur das Geruchsfernsehen endlich? Müssen denn ihre ganzen Forschungsgelder für Medizin ausgegeben werden. Zuschauerquoten machend das Leben. Krebs, was ist schon Krebs? Wenn den ne Berühmte hat, lässt die sich die Brüste sicherlich bald vor der Cam amputieren.
    Mitleid? Ach woher auch.
    Schreiben wir beispielsweise Königin Beatrix (ich habe gegooglet, um zu wissen, was da los ist) keinen Brief, weil wir dann allen weinenden Müttern dieser Welt einen Brief schreiben müssten, und niemand so viele Briefe lesen kann und will, sollten wir wenigstens eine Wimpernschlaglänge lang dieser Mutter gedenken, die am Bett ihres Sohnes sitzt und hofft, er möge aus dem Koma erwachen. Es ist vollkommen gleich, ob sie mehr Tafelsilber in ihren Schränken hat als Friedaklaresonja Müllermeierschulzesdchmitt. Hier braucht’s nur ein Gedanke. Diese Frau ist in ihre Kreise hineingeboren, sie hat keine Kriege geführt und hat auf keiner Besetzungsdingsda gesessen und war zu keinem Königinwerd– Casting. Sie ist geboren und hatte das Leben. Will es jemand für sich oder was ist los?
    Jeder, der in diese bunten Blätter schaut, bezahlt Geld dafür und betrachtet das Leben (nicht nur) dieser Frau (dieses Menschen). Schauen wirklich nur alle dahin, weil sie was abhaben wollen, was wissen, was sehen, was erhaschen … bleibt dann wirklich nicht die Zeit, einmal nur kurz aufzuschauen … einmal kurz Mensch sein???
    Und Königin Beatrix steht hier nur als eine von Unzähligen, die durch diese Blätter gezerrt werden … benutzt und nur für uns …(?)
    Machen wir uns wirklich keine Gedanken, wie sich ein Mensch fühlt, der nur, weil er ein Lied singt, was viele mögen, nun mit unendlichem, gellenden Geschrei und einer Bedrängnis leben muss .. was andere Menschen in die Klapsmühle bringen würde? Ist niemandem klar, dass ein kranker Mensch unter seinem Krankenhausbettfenster keine 1000e „Fans“ schreien hören will?
    Haben wir Menschen nichts anderes als das Leben anderer Menschen „nötig“?
    Die Welt schaut einer Amy nach der anderen beim sich selbst Umbringen zu und nachher gibt’s die herzzerreissenden Buntfotos vom Kerzenanzünden noch hinterher?
    Mag sein, sie haben alle die Wahl — m a g s e i n.
    Vor kurzem hat eine mal ganz öffentlich gezeigt, dass sie sich nicht jederzeit öffentlich vermatschquatschen lässt, und ihr kam das entgegen, was auf Deutsch so heißt, dass jenes Wort vor Sturm kleinen Kindern als „schlechtes Wort“ verkauft wird. Ich verweigere mich dem ebenso, wie ich es Frevel finde, in alten Büchern die Texte gendergerecht politisch anzupassen.
    Und– ich bin noch heute betroffen über die menschliche Unmenschlichkeit, die jene Krankenschwester nicht mehr erfuhr, mit denen aber den Angehörigen das heutige Weltbild farblich klargestellt worden ist, die sich umbrachte, weil sie mit dem fingierten „Queenanruf“ nicht fertig werden konnte. Zur eigenen Entlastung und um nicht jenes Gefühl, Mitleid-genannt, aufkommen zu lassen, wurde lapidar festgestellt: Sie habe sich schon mehrmals vorher umbringen wollen, es müsse also nicht mit jenem Anruf in Verbindung gebracht werden. Und außerdem, also einen Spaß sollte schon jeder verstehen …
    Mitleid. Mitgefühl. Einen Atemzug mit dem Anderen teilen? Nein, wir Menschen lachen. Lachen ist doch auch menschlich. Soll sogar gesund sein. Gibt´s Studien drüber. Alles Spaß! Jugendliche bringen sich um, weil sie spaßig vermarktet werden, von andere Jugendlichen– Handyfilmchen und Internetplattformen als BunteBlätterErsatz– es ist braucht nicht für alles Papier… es gibt Krankheiten, die dem Mobbing entspringen, Menschen laufen Amok, die Anzahl der Männer, die sich umbringen steigt, Kinder, die „Gegen-ihren-Willen-Alleinerzogene“ genannt werden könnten, wenn es nicht dauernd nur um Erwachsenenwelten ginge, werden immer mehr, Frauen sind total überfordert … und wir lachen … wir feixen über andere, weil es ihnen in dem Moment noch schlechter geht als uns … oder es ihnen bisher wesentlich besser/anders ging als den meisten?
    Und diese bunten Blätter sollen uns auch noch suggerieren, das sei total in Ordnung und zeitgemäß– und jeder, der sie liest, kauft sich für paar Euro die Legitimation, einfach in anderer Leute Fenster zu schauen und merkt dabei nicht mal, wie er benutzt wird und belogen.
    Es kursieren Filmchen im Internet. Z.B. geht in einem Fahrstuhl plötzlich das Licht aus und er stoppt. Alleine das löst bei vielen schon Panik aus. Aber dann.… durch eine Klappe wird ein „auf Geist“ geschminktes Kind in diese kleine Kabine gelassen und das Licht wieder angeschaltet. Diese Menschen in dem Fahrstuhl– maximal 2 Personen außer dem Kind– erschrecken so sehr, sie versuchen sogar durch die Fahrstuhlwand zu springen, schreien gellend … unfassbar, welche Belastung der Kreislauf dabei aushalten muss und es ist möglich, dass so ein Schreck in jedem Falle nicht einfach verarbeitet werden kann.
    Und wir haben kein Mitleid?
    Selbst Schuld –falscher Fahrstuhl. Außerdem war Friedagustavklara eh schon immer schreckhaft??? Eine Bekannte hat mir den Link zu so einem Streifen geschickt, diesen Kontakt habe ich gecancelt.
    Ich bin sicher, mein Tod wäre so ein Schreck auf jeden Fall.
    Ich weiß nicht, ich weiß nicht, sind’s wirklich die bunten Blätter oder sind es nicht wir selbst, die entscheiden– welcher Gefühle wir fähig sind– was wir anderen (an)tun ?

    Und dem Einwand, es wären die Bunten Blätter, die uns dazu machen, dass wir den Bunten Blättern immer ähnlicher werden, na dem kann doch leicht entgegnet werden.… es ist die Frage der Entscheidung … wie z.B. .… na.… wie heißt sie gleich, diese Mutter mit dem Sohn im Koma, die mit den Hüten, Ihr wisst schon … selbst entscheiden kann …

    Oder so. Eben. Halt. Und weitere Worthülsen, die nichts aussagen, aber kalt sind… oder warum wird so was cool genannt?

    (ACR)

  22. 22
    Frank Reichelt says:

    Ist der Blogname „Topf voll Gold“ nicht sowieso etwas irreführend?
    Es wird suggeriert, dass man am Ende des Regenbogens wertvolles finden könnte, was aber nicht der Fall ist, im Gegenteil!
    Aufrichtigerweise hätte die beiden ihren Blog „Topf voll Scheiße“ nennen sollen!

  23. 23
    Jan says:

    Ist Kommentar 21 jetzt Kunst?

  24. 24
    Scott L. F. Rockenfield says:

    Eher nicht, denn Kunst kommt von Können.

  25. 25
    Sebastian says:

    @Frank Reichelt: Vielleicht wollen sie ja darauf hinaus, dass noch niemand den sprichwörtlichen Topf voll Gold am Ende des Regenbogens gefunden hat. (So à la „Brutus ist ein ehrenwerter Mann“.) Dann könnte es tatsächlich auch sein, dass da etwas anderes lagert. Oder mehr noch: Man findet das Ende gar nicht. Es nimmt kein Ende, aargh! Passt auch.

  26. 26
    gnaddrig says:

    @ Sebastian (#25): Dabei ist doch bekannt, dass am Ende des Regenbogens ein furzendes Einhorn steht…

  27. 27
    swina says:

    was, wenn nun beim „goldenen blatt„et al. einfach nur die cooleren säue/journalisten sitzen?

  28. 28
    Patrick Neser says:

    Oh Leute von topfvollgold. Ich habe eure Site in der Symbolleiste liegen. Nach dem (unregelmäßigen) Lesen von mehr als zwei Eintägen ist mir in der Regel speiübel.
    Wie geht es euch?

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