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09 Sep 08
9. September 2008

Heute ein paar Fundstücke aus dem „Guardian“:

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Peter Wilby über die Verlogenheit der Medien in der Berichterstattung über den nach seiner Haft wegen Kindesmissbrauchs nach Großbritannien zurückgekehrten Gary Glitter:

Moreover, „pervs“ play an important role in defining the boundary between the respectable folk who read and produce redtop papers and what sociologists call „the other“. The Sun may publish revealing pictures of women just above the age of consent, as well as of flat-chested models, sometimes dressed as young schoolgirls. Anybody who objects is roundly denounced as „politically correct“. But to assure us they are not encouraging paedophilia, the redtops must denounce, even more vehemently, anybody who lays a finger on anyone aged 15 years 364 days or less. This explains why Glitter’s name can never appear without being shepherded by such words as brute, evil, foul, depraved, monster, scum and, specially brought out by the Sun’s Lorraine Kelly for the occasion,„toxic effluent“.

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Ben Goldacre über die britischen Medien, die sich wie doof auf eine vermeintliche Rangfolge der Regionen mit den glücklichsten und unglücklichsten Menschen stürzten, die fast vollständig allein durch zufällige, statistisch nicht relevante Abweichungen entstand:

Dr Dimitris Ballas, the academic who did the research, had this to say: „I tried to explain issues of significance to the journalists who interviewed me. Most did not want to know.“

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Und Ben Goldacre darüber, wie die britischen Medien zweifelhafte Berichte über eine mögliche Verbindung zwischen Impfungen gegen Kinderkrankheiten (MMR-Impfungen) und Autismus erst verbreiteten und grotesk übertrieben und sich später, als sie sich als unwahr herausstellten, den Wissenschaftler statt sich selbst als Schuldigen anklagten:

The media are fingering the wrong man, and they know who should really take the blame: in MMR, journalists and editors have constructed their greatest hoax to date, and finally demonstrated that they can pose a serious risk to public health.

(Goldacres „Guardian“-Kolumne „Bad Science“ ist ohnehin außerordentlich lesenwert.)

8 Gedanken
  1. 1
    Mart says:

    Speziell zum letztgenannten Thema wäre eine Top Ten der größten medialen 360 Grad Fingerzeige ganz interessant. Ein Beispiel der US Medien ist da sicherlich das „für/gegen Irak Krieg-Spielchen.“

  2. 2
    mus says:

    Ben Goldacre hat auch ein eigenes blog, unter http://​badscience​.net — alle Artikel aus dem Guardian erscheinen dort ungekürzt (d.h. ohne die redaktionellen „Verbesserungen“/Kürzungen; alte Kolumnen sind noch zu lesen), dazu einiges anderes mehr. Im Forum (http://​www​.badscience​.net/​f​o​r​um/) finden sich immer kompetente Kommentare zu (pseudo-)wissenschaftlichen Fragen und PR-science. Goldacres Buch Bad Science ( http://www.amazon.co.uk/Bad-Science-Ben-Goldacre/dp/0007240198/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1220971401&sr=8–1 ) ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

  3. 3
    Torsten Dewi says:

    Neben der „Bad Science“-Kolumne ist im Guardian der TV-Kritiker Charlie Brooker mit seiner Kolumne „Screen Burn“ absolute Pflichtlektüre. Gibt es ebenfalls grandios gesammelt als „Screen Burn“ und „Dawn of the Dumb“. Und wer noch drankommen kann, soll sich seine TV-Reihe „Charlie Brooker’s Screenwipe“ besorgen.

  4. 4
    SD says:

    Wenn Artikel mit „Eine neue Studie zeigt…“ oder „Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden…“ anfängt, lese ich sowieso nicht mehr weiter.

  5. 5
    Sebastian says:

    was SD gesagt hat.

  6. 6
    nona says:

    Was Sebastian gesagt hat.

  7. 7
    Olly says:

    Äh… sorry, aber… mit welchen Worten muss ein Artikel über eine neue Studie, die etwas zeigt oder über Wissenschaftler, die etwas herausgefunden haben, denn anfangen?

  8. 8
    HR says:

    Wilby schreibt: „Let us hope that one of Heffer’s „rational people“ doesn’t get the wrong person.“
    Das ist der Satz in seinem Kommentar an dem ich mich am meisten stoße, auch wenn ich dem Rest durchaus zustimmen würde. Aber hier stellt er es implizit als richtig dar wenn man jemanden — der seine Strafe wohlgemerkt abgesessen hat — durch Selbstjustiz endgültig (hin-)richtet.

    Und dass human rights auch für Straftäter gelten will er auch nicht verteidigen… man muss natürlich nicht in jedem Artikel zu Straftaten darauf hinweisen, und schon gar nicht in einem Kommentar, aber wenn er es schon selbst anspricht sollte er das auch durchziehen. Sonst bleibt am Ende nur die Kritik an der Konkurrenz, ohne selbst wirklich anders zu sein. Sondern nur nicht ganz so schlimm.

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