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Stefan Niggemeier | Springer und der Minister: Wo „Regierungsbeziehung“ ein schmutziges Wort ist

Springer und der Minister: Wo „Regierungsbeziehung“ ein schmutziges Wort ist

01 Jun 13
1. Juni 2013

Wenn man sich „Leiter Regierungsbeziehungen“ nennt, dann ist so ein getwittertes Foto schon ein schöner Arbeitsbeleg:

Absender und rechts im Bild ist Dietrich von Klaeden, der Mann, der bei der Axel Springer AG in der Abteilung Public Affairs dafür zuständig ist, die Kontakte zur Politik zu pflegen. Und das links, seine Trophäe, ist der Bundeswirtschaftsminister und Vize-Kanzler Philipp Rösler (FDP).

Das Foto ist von derselben Dienstreise Röslers, auf der auch die Bilder entstanden, wie der Minister dem „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann um den Hals fiel. Diekmann war zu Studienzwecken ein Dreivierteljahr vor Ort, aber was machte Klaeden in Kalifornien?

Die Antwort ist einfach: Er gehörte zur offiziellen Delegation Röslers.

Das ist erstaunlich. Rösler hatte als Begleitung für die mehrtägige Reise nach San Francisco und Washington „ca. 40 Unternehmensvertreter sogenannter Startup-Unternehmen aus dem Bereich IT und Internet“ gesucht. Die Ausschreibung hatte im Detail formuliert, was unter einem „Startup“ zu verstehen sei — die Axel Springer AG fällt trotz allen Geredes von der angeblich gerade dort herrschenden Gründerzeitstimmung eher nicht darunter. Gefragt waren ausdrücklich Mitreisende von Vorstands-, Geschäftsführer- und Inhaberebene, also niemand aus der dritten Reihe wie Klaeden.

Wie kam der Springer-Mann dann in die Delegation und damit auch in den Genuss eines Sitzes in der Regierungsmaschine? Die Plätze waren eigentlich heiß begehrt. Die Seite deutsche-startups.de berichtete im Vorfeld, die Reise sei „quasi überbucht“ und zitierte Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Startups (BVDS): „Wir gehen aktuell davon aus, dass auf jeden Platz mehr als fünf Bewerber kommen. Das wird eine sehr schwere Entscheidung für das Ministerium.“ Der BVDS organisierte sogar eigens eine eigene Parallelreise, um den Bedarf teilweise zu decken.

Aber für Dietrich von Klaeden, den Regierungsbeauftragten der Axel Springer AG, der als Lobbyist unter anderem viele Male bei der Bundesregierung vorstellig geworden war, um für ein Leistungsschutzrecht für die Verlage zu werben, fand sich ein Platz in der offiziellen Delegation. Warum?

Das Bundeswirtschaftsministerium [BMWi] schreibt mir auf Anfrage:

Der Minister wurde auf seiner Reise von einer Delegation aus deutschen Unternehmen, Pressevertretern, Vertretern des BMWi sowie Abgeordneten, unter anderem auch von Herrn Dietrich von Klaeden, begleitet.

Das ist sicher nur unglücklich formuliert, denn Dietrich von Klaeden ist — anders als sein Bruder Eckart, der Staatsminister im Bundeskanzleramt — kein Abgeordneter. (Außer von Springer, natürlich.) Die Unschärfe ist an dieser Stelle besonders betrüblich, weil meine Frage an das Ministerium ausdrücklich gelautet hatte: „In welcher Funktion war Dietrich von Klaeden von der Axel Springer AG [in der Delegation] mit dabei?“

Immerhin hat mir das Ministerium eine Liste der Unternehmen geschickt, die „zusammen mit dem Minister als Teil der Delegation in die USA gereist sind“. Da stand die Axel Springer AG nicht drauf. Bleibt also noch die Möglichkeit, dass Klaeden als „Pressevertreter“ mitgereist ist, womit aber üblicherweise Berichterstatter gemeint sind und nicht Lobbyisten der Presse. Dass Klaeden sich selbst auf Twitter als „Lawyer and Journalist“ bezeichnet, kann im Ernst nicht mehr sein als eine romantisierte Anspielung auf seine Zeit bei der ARD Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre.

Vielleicht muss man die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums so verstehen: Rösler nahm in seiner Delegation Unternehmer mit, Pressevertreter, Ministeriumsleute, Abgeordnete — sowie Dietrich von Klaeden in seiner Funktion als Freund des Hauses und Lobbyist der Axel Springer AG, mit der sich der Minister auf Innigste verbunden fühlt.

Mehr von mir über Springers Digital-Inszenierungsstrategie und wie ihr — nicht nur — Jakob Augstein auf den Leim geht, steht in der FAS — und jetzt auch frei auf faz.net.

25 Gedanken
  1. 1
    hANNES wURST says:

    Dietrich ist offensichtlich ein ganz gerissener Hund. Erst erschleicht er sich einen Platz in der Delegation, indem er die Tölpelhaftigkeit des BMWi ausnutzt, das ihn mit Eckart verwechselt. Dann lauert er Rösler beim Jogging (oder Wogging) auf, und wirft sich ihm groupiemäßig an den Hals. Ich wette, er hat außerdem noch anderen Delegationsteilnehmern Furzkissen auf die Sitze gelegt und ähnliche Sachen.

  2. 2
    Petra says:

    Es gibt ein weiteres Foto mit einem unbekannten Herrn, der mit Rösler ärmelt…
    Muss wohl der von „Deutsche Start-ups“ viel beschriebene Spirit gewesen sein.
    Mir fehlt allerdings mal ein richtiger Bericht über die Leute, die mitgefahren sind. Dass die BLÖD dabei war, bekomme ich im Googleversum von jedem unter die Nase gerieben. Aber ein neutraler Bericht über diese Reise mit den Teilnehmern fehlt.
    Und wäre es nihct die Aufgabe eines Medienjournalisten (wenn er sich denn schon die Mühe gemacht hat) die vom Ministerium zugesandte Liste zu veröffentlichen? Oder ist die VS?

  3. 3
    Moon says:

    Goog­le­ver­sum? Was soll das sein?

  4. 4
    Thomas Hackenberg says:

    Da würde ich mir ja wünschen, dass Du dranbleibst und hartnäckig weiterfragst .
    Bin jetzt schon gespannt auf die weiteren Auslassungen des BMWi und vor allem auf deren Strategie:
    a) sich tot stellen
    b) sich immer tiefer in die Grütze reiten
    c) die Sache als Ergebnis einer bedauerlichen familiären Verwechslung darstellen

  5. 5
    meykosoft says:

    Twitter „entlarvt“ also nicht nur das „Beziehungsgemenge“ der Piraten…
    Fein!

  6. 6
    theo says:

    Nach langer Zeit heute früh eher zufällig mal wieder FAS gekauft – und angenehm überrascht. :-) Schön, dort wieder was von Stefan zu finden (auch der Kommentar zu Tom Buhrow war angebracht!) – noch schöner, wenn dies künftig öfter passiert.

  7. 7
    Blunt says:

    Wunderbar – selbst wenn Herr von Klaeden als Berichterstatter dabei gewesen sein sollte: Als Politiker darf man sich nicht in dieser Pose mit einem Journalisten ablichten lassen. Gilt für einen Journalisten umgekehrt aber genauso.

  8. 8
    Cpt. Reality says:

    schließe mich theo an: herr niggemeier passt deutlich besser zur FAS als zum spiegel.
    unglaublich, wie sich die dinge (printmedien) verändern. hätte ich vor 10 jahren nicht gedacht dass ich das mal so sehen würde. aber selbst als eher linksliberaler finde ich die FAS jetzt schon über jahre jedesmal wieder interessant, überraschend, innovativ. kein anderes medium in dem ich einen so hohen prozentsatz interessanter aktikel finde. und der anteil steigt weiter mit mehr niggemeier drin.

  9. 9
    Petra says:

    @Moon
    Mein derzeit bevorzugtes Netzwerk GooglePlus.
    Aber ist es nicht besser, wenn man offen mitbekommt, wer mit wem turtelt? Schon die Verflechtungen zwischen den Klaeden-Brüdern, Springer und Mercedes sind doch so offensichtlich, dass man ab sofort bei jedem Artikel in der Autobild daran denken wird (hoffentlich).

  10. 10
    Mike says:

    Schade, Herr Niggemeier, daß Sie nicht bei den VG WORT Sauererei, gegen die wir gemeinsam angehn könnten, am Ball bleiben
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/vg-wortlos-das-schweigen-der-treuhaender/

  11. 11
    Raoul says:

    Danke! Und erbärmlich, daß man dies sonst nirgends liest.

  12. 12
    KaiS says:

    Unter 2 von 3 Bilder auf dem faz.net-Artikel steht „(C) Screenshot FAZ“.

    Das ist ein Scherz, oder?

    (PS: Logischerweise ist das Originalfoto in von Klaedens Twitter-Stream qualitativ besser… – Realsatire pur)

  13. 13
    Mirco says:

    Oh die FAS. Back home?

  14. 14
    Ste macht einen Witz says:

    der skandal ist doch dass sie einen alten baum umsägten damit man die golden gate bridge hinter ihnen sehen kann. ich verlange eine revolution nach türkischem und stuttgarter vorbild.

  15. 15
    JolieJake says:

    „stutt­gar­ter vorbild“
    Eine Revolution der stuttgarter Halbhöhenlage-Rentner?
    Wozu soll das gut sein?

  16. 16
    Ste says:

    @16: Achherjee…

  17. 17
    Martin Böttger says:

    @7 & @9:
    Kann Ihre FAS-Begeisterung nicht so ganz teilen. Der Politikteil bleibt hinter der Werktagsausgabe mit so exzellenten Korrespondenten wie Bannas und Sattar weit zurück. Das Wenige, was meine Augen für mehrere Sekunden in ihm hält, sind Greser/Lenz und die seltenen Exerzitien von Hans-Conrad Zander. Das kann eine Medienseite plus eine Spalte von Niggemeier, so erfreulich sie ist, nicht alleine rausreißen. Die doktrinär-neoliberalen Botschaften des Wirtschafts- und des Geldteils werden durch das ingesamt Klasse-Layout leider auch nicht fortschrittlicher. Und: den Spiegel will ich damit natürlich keineswegs verteidigen.

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