Der Heinlein

21 Nov 06
21. November 2006

Peter Heinlein ist möglicherweise der traurigste Medienjournalist der Welt. Er ist schon ziemlich was rumgekommen, hat für „Die Welt“, den „Spiegel“, die „Welt am Sonntag“, „Max“, das „Handelsblatt“, die „Bunte“ gearbeitet. Aktuell schreibt er eine Medien-Kolumne namens „Der Heinlein“, die mittwochs in der Hamburger Ausgabe von „Bild“ erscheint.

Es ist, aufgrund der vielfältigen Beteiligungen des Verlages, schon nicht leicht, Medienjournalist bei anderen Springer-Blättern zu sein. Bei „Bild“ ist es die Hölle.

Es sei denn, man macht das gerne: aus geschäftlichen Interessen der Zeitung und persönlichen Interessen des Chefredakteurs Texte formen, die unbefangen betrachtet wie „Journalismus“ aussehen.

Die „Zeit“ zum Beispiel steht auf der Liste der meistgehassten Zeitungen von „Bild“ sicher unten den Top Two. Und so schrieb Der Heinlein am 11. Oktober:

Was ist denn bei der „Zeit“ los? Elf Wochen lang hat das Wochenblatt bei seiner Auflage nicht mehr die halbe Million erreicht. Die letzte abgerechnete Ausgabe 36 lag sogar nur bei 477 000 Exemplaren. Auch die Abo-Auflage sank unter die 300 000er-Marke.

Das klingt dramatisch. Und man müsste es eine dreiste Lüge nennen, wenn es nicht stimmen würde: Die Auflage der „Zeit“ hatte tatsächlich elf Wochen lang nicht mehr die halbe Million erreicht. Und die Abo-Auflage war tatsächlich unter die 300.000er-Marke gefallen.

Was Der Heinlein verschweigt: Das Erreichen der halben Million ist für die „Zeit“ nicht die Regel, sondern ein Grund zum Feiern. In den vergangenen zehn Jahren gelang es ihr nur 13-mal. Davon sechsmal in diesem Jahr. Was eigentlich dafür spricht, dass die Auflagenkrise eher nicht so groß ist. Von den ersten 36 „Zeit“-Ausgaben dieses Jahres haben sich nur fünf schlechter verkauft als im Vorjahr. Der Schnitt lag in diesem Zeitraum bei 483.537 Exemplaren, eine Steigerung von 13.093 gegenüber dem Vorjahr. Die Abo-Auflage sank, wie fast immer, im Sommer, lag aber bei jeder einzelnen Ausgabe um mehr als 10.000 Exemplare über der des Vorjahrs.

Ich lese Den Heinlein viel zu selten (deshalb auch die Verspätung in dieser Sache). Seine Kolumne müsste Pflichtlektüre für jeden angehenden Medienjournalisten sein. Als Beispiel dafür, wie ihr Beruf missbraucht werden kann.

4 Gedanken
  1. 1
    Christoph says:

    Ich will dir ja nicht in dein Blog reinreden. aber ist dass und die Bildblogfavorite Sache bei Bild nicht auch für Bildblog interessant ?

  2. 2
    mark793 says:

    Ganz schön nachtragend, die Springers. Jenes „Zeit“-Dossier zum Thema Boulevard, bei dem „Bild“ nicht so gut wegkam, ist doch schon eine ganze Weile her.

    Ich kenne Der Heinlein nicht persönlich, nehme aber an, dass der sich nicht mehr groß anstrengen muss, um solche Verrenkungen hinzukriegen.

  3. 3
    Felix says:

    @ Christoph: Der Unterschied ist, dass hier nicht Dinge völlig verzerrt dargestellt werden, oder?

  4. 4
    Stefan says:

    @Christoph: Diese konkrete Heinlein-Geschichte war uns einfach zu alt jetzt. Und das mit den BILDblog-Favoriten bei „Bild“… ja, das hätten wir auch bei BILDblog machen können. Kam uns irgendwie zu läppisch vor, aber eigentlich hätte nichts dagegen gesprochen. Das nächste Mal!

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