Wiederholungstäter II

04 Dez 06
4. Dezember 2006

Jede Wette: Noch in zehn Jahren werden sich Journalisten in vermeintlich wichtigen Tageszeitungen über die Bedeutungslosigkeit der deutschen Blogosphäre mokieren und darauf hinweisen, dass man es „schon mit 450 Zugriffen im Monat“ in die Top100 schaffe.

Nach der „Frankfurter Rundschau“ verbreitet nun auch die „Süddeutsche Zeitung“ bzw. jetzt.de diese Mär, und auf Nachfrage antwortet der Autor süffisant:

Zum besseren Verständnis:

Die Information, dass man mit „450 Zugriffen schon in die Top100 kommt“ ist dem Buch „Weblogs“ von Jan Schmidt entnommen (2006), einer der ersten wissenschaftlichen Studien (kein Marketing-Pamphlet oder Selbstauskunft von Blog-Betreibern) in Deutschland über die von uns allen doch so sehr geschätzte Blogosphäre.

Erfahrungsgemäß kann es sich jetzt nur noch um Wochen handeln, bis der Autor merkt, dass zwar die Zahl stimmt, aber die Zeiteinheit nicht: Er hat Monate mit Tagen verwechselt.

Aber dann hat bestimmt längst der nächste Kollege die falsche Zahl abgeschrieben.

(via Sherpa)

16 Gedanken
  1. 1
    Chat Atkins says:

    Es ist unausrottbar: Zusammen mit einigen anderen montierten wir zu Uni-Zeiten in unsere wissenschaftlichen Arbeiten jeweils ein „Fake-Zitat“, entweder ganz erdichtet oder mit verdrehter Seitenzahl o.ä., um dann amüsiert zu verfolgen, wie unser Talmi in die Texte aller möglichen Kompilatoren migrierte.

  2. 2
    ulibee says:

    zu wissenschaftlichen Studien, die sich mit web(zwonull)-themen beschäftigen, ist ohnehin zu sagen: kaum veröffentlicht, schon veraltet. das liegt in der dynamik der sache. monate mit tagen zu verwechseln, nun ja, das kann mal passieren. journalisten und zahlen, generell: schwierig…

  3. 3
    tiber says:

    irgendwie kommt mir der jetzt-artikel vor als wenn anno 1985 eine langspielplatte über eine compactdisc schreibt.

    viele unnötige daten (zb. 450/monat?, therapie-ersatz, nachrichtenquelle brauchen ein ereignis) und zuletzt die fragen warum (der frische jetzt-blog keine resonanz findet) die lp nicht in den cd-player passt.

  4. 4
    ommelbommel says:

    langspielplatten schreiben über cds? jetzt.de ist ein frischer blog, der nicht in den cd-wechsler passt? und hören jetzt nicht alle mp3? wir brauchen mehr schräge analogien!

  5. 5
    Dr. Frank Huber says:

    Statt langweiliger Zahlen, sollte man sich lieber mal die Hintergründe ansehen und analysieren, warum Verleger Blogs „runtermachen“: http://blog.firstmedia.de/?p=98

  6. 6
    Lascha Sobo says:

    Hintergründe statt Zahlen! Verleger zu Pflugscharen! Doktortitel für alle!

  7. 7
    Dr. Frank Huber says:

    Genau – sage ich auch immer. Fehlt nur noch das Freibier …

  8. 8
    Bartleby says:

    >Jede Wette: Noch in zehn Jahren werden sich Journalisten in vermeintlich wichtigen Tageszeitungen(…)
    Bei der rasanten Entwicklung fragt man sich, ob es in zehn Jahren überhaupt noch (vermeintlich) wichtige Tageszeitungen geben wird. Für meine Interessenprofil werde ich jedenfalls schon jetzt in der Blogosphäre weitaus besser bedient als in allen Qualitätszeitungen. Dazu kommt, daß Blogger vieles schreiben können, was Zeitungen aus politischen oder wirtschaftlichen Sachzwängen nicht bringen können.

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] sein zu wol­len, gefal­len las­sen. Und auch wenn Stefan Niggemeier feh­len­des Rechentalent beschwört, wird aus der Verwechslung von Tagen und Monaten noch lang kein sinn­stö­ren­der Fehler. […]

  2. […] hat Recht. Und – Entschuldigung, wenn ich dafür so tief ins Archiv stiege, aber: Das hier passiert, wenn Leute da draußen Journalisten von jetzt.de nachweisen, dass sie einen Fehler gemacht […]

  3. […] Dezember 2006. “Jetzt.de” schreibt über Blogs — und verwechselt Monate mit Tagen. […]

  4. […] einem Artikel der Süddeutschen Zeitung sogar falsche Zahlen herangezogen (s. Stefan Niggemeier hier, hier und hier). Technorati Tags: […]

  5. […] 2006. „Jetzt.de” schreibt über Blogs — und verwechselt Monate mit Tagen. Als er von den Lesern in den Kommentaren auf seinen Fehler hingewiesen wird, wiederholt der Autor […]

  6. […] Schnell reagiert, auch in bestern religionshistorischer Tradition, hat der Spreeblick mit seinen 9 Thesen über die SZ. Dennoch lässt sich eines nicht wegleugnen: Blogger erweisen sich nur so lange als Meister der Selbstreflexion wie diese für sie erfreulich ausfällt. Wer sich auf den Schlips getreten fühlt, der muss sich zumindest den schlau konstruierten Vorwurf, selbst eigentlich lieber eine Esszett sein zu wollen, gefallen lassen. Und auch wenn Stefan Niggemeier fehlendes Rechentalent beschwört, wird aus der Verwechslung von Tagen und Monaten noch lang kein sinnstörender Fehler. Überhaupt sind alle Hitparaden relativ, abgesehen davon traute schon Winston Churchill keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht hat. Und abgesehen davon hätten wir ja alle gern soviele Leser wie die amerikanischen Top-Blog-Dogs… aber ob Nerdmedienkultur tragfähig ist, wird keine These und keine Diskussion, sondern bloss die Zukunft weisen. […]

  7. […] Und das ist ein leuchtendes Beispiel für seriöse Berichterstattung. Nur das der gute Mann täglich mit monatlich verwechselt. Und dann noch Zugriffe mit Besuchen. Tatsächlich kann es wohl passieren das ein Blog mit 450 Besuchen am Tag in den Top100 landet. Ansonsten ist der Artikel langweilig. Oder nicht? […]

  8. […] “Falsche Zahl” ruft da Stefan Niggemeier, Gründer des Bildblog – und zwar nicht zum ersten Mal. Bereits im Oktober hatte die “Frankfurter Rundschau” diesen Wert verbreitet. […]

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