Conchita Wurst punktete bei den Zuschauern in ganz Europa

11 Mai 14
11. Mai 2014


Foto: EBU

Conchita Wurst, die Siegerin des Eurovision Song Contest 2014, ist bei den Zuschauern in ganz Europa gut angekommen. Spanien und Estland ist das einzige Land, in dem sie es bei den Anrufern nicht unter die ersten fünf Plätze schaffte.

Es waren die Jurys, deren Urteil die Hälfte des jeweiligen Länder-Votums ausmacht, bei denen der Beitrag weniger gut ankam. Die deutschen Juroren zum Beispiel setzten Österreich nur auf Platz 11 — bei den Anrufern aus Deutschland lag Conchita Wurst auf Platz 1. Die Jurys aus Armenien, Aserbaidschan und Weißrussland hatten gar nichts für den österreichischen Beitrag übrig — die Zuschauer hingegen hatten auch dort mit der bärtigen Frauenfigur keine Probleme und stimmten in großer Zahl für ihren Auftritt.

Anders als man es vielleicht erwarten konnte, gab es keine große Kluft zwischen den Menschen in West- und Ost-Europa, was die Bereitschaft anging, für die Drag-Queen zu stimmen. Wenn man in ihrem Sieg ein Votum für Toleranz sehen will, war es ein Votum, das von west- und osteuropäischen Menschen ausging. Einen markanten Unterschied zwischen Ost und West gab es nur beim Abstimmungsverhalten der Juroren; da wäre dann aber Deutschland auf osteuropäischer Seite.

Dies sind die Plätze, die Österreich in den jeweiligen Ländern errang (samt Umrechnung in ESC-Punkte), aufgeschlüsselt nach Jury- und Zuschauervotum:

Platzierung Punkte
Land Juryvotum Televoting Juryvotum Televoting
Albanien 6. 5
Armenia 24. 2. 0 10
Aserbaidschan 24. 3. 0 8
Belgien 3. 3. 8 8
Dänemark 2. 3. 10 8
Deutschland 11. 1. 0 12
Estland 8. 8. 3 3
Finnland 1. 1. 12 12
Frankreich 4. 2. 7 10
Georgien 2. 10
Griechenland 1. 2. 12 10
Island 2. 3. 10 8
Irland 1. 3. 12 8
Israel 1. 2. 12 10
Italien 3. 2. 8 10
Lettland 10. 5. 1 6
Litauen 1. 5. 12 6
Malta 9. 1. 2 12
Mazedonien 14. 5. 0 6
Moldau 4. 4. 7 7
Montenegro 17. 5. 0 6
Niederlande 1. 1. 12 12
Norwegen 4. 2. 7 10
Polen 19. 4. 0 7
Portugal 6. 1. 5 12
Rumänien 7. 2. 4 10
Russland 11. 3. 0 8
San Marino 14. 0
Schweden 1. 1. 12 12
Schweiz 1. 1. 12 12
Slowenien 1. 1. 12 12
Spanien 2. 2. 10 10
Ukraine 3. 5. 8 6
Ungarn 8. 2. 3 10
Vereinigtes Königreich 3. 3. 8 8
Weißrussland 23. 4. 0 7
Summe 214 306

(Quelle.) Bei Albanien und San Marino wurde das Zuschauervotum nicht berücksichtigt, vermutlich wegen zu geringer Teilnehmerzahl. Bei Georgien wurde das Jury-Votum für ungültig erklärt.)

Das Urteil von Jurys und Zuschauern klaffte insgesamt teilweise dramatisch auseinander. So setzten in Großbritannien die Zuschauer Polen auf den ersten Platz, die Juroren auf den letzten. Das Ergebnis: null Punkte vom Vereinigten Königreich für Polen. Die fünf Juroren dort haben es geschafft, das Votum der Mehrheit der Tausenden anrufenden Zuschauer vollständig zu annullieren. Es könnte schwer werden, den Menschen in den kommenden Jahren zu erklären, dass ihr Anruf zählt. Im Zweifel zählt er in diesem System eben: nicht.

Fragen wirft auch das Abstimmungsverhalten der deutschen Jury auf. Alle fünf Juroren setzten im Finale Dänemark auf den ersten Platz. Nun heißt es zwar, dass der dänische Auftritt in der Probe, auf deren Grundlage die Juroren abstimmen, besonders gut gewesen sein soll. Aber nur bei den deutschen Juroren löste er eine solche einmütige Begeisterung aus.

Das Sieger-Votum der deutschen Jury ist europaweit eine Anomalie. Bei den drei anderen Ländern, bei denen die Juroren sich über den Sieger ebenfalls einig waren, deckte sich ihr Urteil immerhin mit dem der Anrufer. Die deutschen Zuschauer aber wählten Dänemark nur auf den zehnten Platz.

135 Gedanken
  1. 1
    Chris says:

    Hm. Bitte nochmal kontrollieren. Österreich erhielt von Spanien 12 Punkte, nach dieser Liste eigentlich nicht mögllich….

  2. 2
    Uli says:

    Ich finde das ja eine schöne Analogie zur Politik: Die europäischen Völker sind sich in vielem sehr nahe, grundsätzlich tolerant und aufgeschlossen gegenüber anderen. Ein Ost/West Gefälle existiert vor allem noch in den Köpfen, aktuell wird hier wieder viel kaputt gemacht.

    Aber in fast allen Ländern herrschen sogenannte Eliten, die diese positiven Entwicklungen zu unterdrücken wissen. Ein Transvestit mit Bart darf nicht gewinnen, weil das geht ja nicht. Ebenso sollen Homosexuelle hierzulande lieber keine Kinder adoptieren dürfen, weil das geht ja nicht. Der Wille der Mehrheit wird dabei konsequent ignoriert beziehungsweise um Jahre zurück geworfen.

    Spätestens seit uns eine deutsche Jury „Cascada“ eingebrockt hat, stehe ich diesen skeptisch gegenüber. Und wenn ich mir dann noch diesen neuen Song von „Sido“ anhöre, schüttelt es mich.

  3. 3
    Thomas says:

    Naja, nur weil sich Jury und Zuschauer Meinung teilweise sehr unterscheiden finde ich nicht, dass die Jury keine Berechtigung hat. Die Frage kann man ganz generell stellen, meiner MEinung nach aber losgelöst von den Ergebnissen.

    Nicht dass ich beim ESC musikalische Perlen erwarten würde, aber man muss schon sagen, dass der Beitrag Österreichs musikalisch irgendwie bemerkenswert war. Ähnliches gilt für das Beispiel Polen… da gab es def. besseres. Und bei der Jury erwarte ich halt, dass die Musik vll etwas mehr Beachtung findet als Frauen mit großen Brüsten die Wäsche waschen und im Butterfass stochern.

    Nichts gegen Polen, das ganze war einfach so billig, dass es schon irgendwie der lustigste Beitrag des Abends war!
    Am lustigsten eigentlich, dann später bei der Auswertung davon auszugehen, dass Polen in Deutschland nur so gut gevotet wurde, weil die Deutschen auf Brüste stehen ;-)

  4. 4
    Brösel says:

    Bei diesem ESC ging es leider (wieder einmal) um alles andere, aber nicht so sehr um Musik.

  5. 5
    Stefan Niggemeier says:

    @Christ: Stimmt, danke für den Hinweis. Ich hab das korrigiert — und das macht den europaweiten Erfolg von Conchita bei den Zuschauern noch eindrucksvoller.

  6. 6
    Stefan Niggemeier says:

    @Brösel: Ach, ich weiß nicht. Ich finde, mit Österreich hat die beste Show gewonnen, der größte Entertainment-Wert, in jeder Hinsicht. Und wie wäre der zweite Platz für die Niederlande zu erklären, wenn nicht musikalisch?

    Klar spielt Politik da hinein, aber weder war das jetzt eine Demonstration für oder gegen Putin noch eine Solidaritätsbekundung für die Ukraine oder was auch immer. Aber dass solche Sympathien eine Rolle spielen, das ist es doch, was diesen komischen Wettbewerb so reizvoll macht. Und überschattet wurde er davon, trotz aller Diskussionen vorher, meiner Meinung nach nicht.

  7. 7
    Stefan Niggemeier says:

    @Uli: Ich will jetzt nicht das alte Fass aufmachen, aber die deutschen Fernseh-Zuschauer haben mehrheitlich für Cascada gestimmt.

  8. 8
    txxx666 says:

    Wer hätte das gedacht: Elaiza hat verkackt, die Wurst gewonnen!
    Dann können wir uns ja jetzt auf die ganzen blöden Sprüche der Homo- und Transen-Hasser über den Untergang des Abendlandes freuen – und umgekehrt auf das Gesülze und Geschleime darüber, wie „fortschrittlich“ das europäische Publikum heuer abgestimmt habe.
    http://misanthrope.blogger.de/stories/2401557/

  9. 9
    Ariane says:

    Danke für das genaue Aufdröseln.
    Ich mochte Österreichs Beitrag auch am liebsten, sowas Bombastisches passt einfach perfekt zum ESC, ob da nun jemand Kleid & Bart trägt, oder nur eins davon. Die Holländer fand ich nett, aber für den ESC schon arg schnarchnasig.
    Ich hab gestern in einer kleinen Runde (alles hetero) geguckt und spannenderweise konnten sich alle auf Conchita als Favorit einigen, es gab dann aber Diskussionen über die Siegerrede. Das fanden einige total übertrieben nach dem Motto „Verwechselt sie das mit einer Misswahl?“, während ich und paar andere schon Pipi in den Augen hatten wegen des gewaltigen Symbols oder Statements, das da gerade an 100 Millionen Menschen rausging. Also da war man sich auch nicht so einig :-)

  10. 10
    Brösel says:

    Na ja. Ein griechischer Bekannter sagte mir gestern Mittag, er müsse am Abend unbedingt für Griechenland voten. Den Song kannte er noch gar nicht…

    Die vielen Stimmen aus England für Polen hängen sehr wahrscheinlich mit den vielen dort lebenden Polen zusammen. Der alte Nationalchauvinismus ist im Osten noch sehr präsent. Die Russen schieben den Weißrussen was zu und umgekehrt und so weiter (Ausnahmen bestätigen die Regel).
    Conchita konnte vermutlich sehr viele Stimmen von Anrufern bündeln, die ein Zeichen gegen Homophobie setzen wollten. Dazu kamen jede Menge Leute, die Gefallen an einer „Freakshow“ – O-Ton Nachbarin – haben (war ja bei Lordi ähnlich). Beides sind Beweggründe, die gewiss nicht ehrenrührig sind. Nur haben sie mit Musik nicht viel zu tun.

    Schade, dass Aram so schlecht gesungen hat. Der Song hatte was. Dass er keine Stimmen aus Aserbaidschan bekam, war zu erwarten.

    Ob man das nun „reizvoll“ findet oder nicht, hängt vermutlich mit der jeweils eigenen Begeisterung für den ESC zusammen. Wer Fan von dem Treiben ist, wird sicherlich eine andere Meinung haben als der Hin-und-wieder-Zuschauer.

    PS:
    Rußland wurde – in allen Belangen – vom Saalpublikum ausgebuht (ich glaube, dass dies weniger mit der Ukraine zu tun hatte als mit der homophoben Politik des Kreml). Man kann auch mit guten Beweggründen sich schlecht benehmen – den Künstlern gegenüber war das ziemlich unverschämt.

  11. 11
    BlueKO says:

    @Stefan #6: Da hast du es wohl unbewußt auf den Punkt gebracht. Die Show hat gewonnen. Die Performance war einwandfrei, da gibt es nichts. Der Song für sich ist doch aber eher mittelmäßig, zum richtigen „Hit“ taugt der jedenfalls nicht und wird wie damals™ Dana irgendwann als wonnige Erinnerung irgendwo herumschweben, aber nicht mehr aus irgendwelchen Lautsprechern ertönen.

    Wenn (!) die Jurys ihren Job ernst nehmen, was in diesem Jahr die deutsche aus irgendeinem Grund nicht gemacht hat, andere, oftmals russische und angrenzende, aber auch nicht, dann steht nun wirklich die Musik im Vordergrund. Und da waren andere, z.B. die Holländer, die ich auch ganz weit vorne gehofft hatte, einfach weitaus besser als Österreich. Der Sieg war aber vorhersehbar und geht genauso in Ordnung wie z.B. ein Lordi. Das muss alles mal sein und hat zum Glück einfach seinen Platz beim ESC.

  12. 12
    BlueKO says:

    PS: Richtig goldig ist übrigens der Artikel bei orf.at, in dem Tim bereits zum Bond-Girl hochsterilisiert wird.

  13. 13
    Kand.in.Sky says:

    [gelöscht]

  14. 14
    Wasserturm says:

    Hat das wirklich was mit Toleranz zu tun?
    Mit lustigen, schrillen Klischee-Travestie-Nudeln hatten wir Heteros doch noch nie Probleme (bestimmt auch schon vor Mary&Gordy oder Einem Käfig voller Narren), wenn aber ein Mann, der sich als Frau fühlt oder nur ein bekennend schwul lebender Mann bei uns auf der Arbeit anfängt, sieht das leider schon wieder ganz anders aus.
    Außerdem hat das Konzept Conchita Wurst die Community (gibt es so was überhaupt) perfekt mobilisiert, wahrscheinlich erst recht in der Diaspora.

  15. 15
    necs says:

    Eine kleine Korrektur: In vier weiteren Ländern war sich die Jury einig, wenn ich mich nicht verguckt habe. Im fehlenden Polen gab es einen minimalen Unterschied zwischen Jury und Televoting.

    Und so besonders war das deutsche Jury-Voting ja wirklich nicht. Grundsätzlich waren die Jurys in vielen Ländern weit vom Zuschauervoting entfernt. Bei den Jury-Siegern sind Montenegro und Armenien genauso interessante Ausreißer.

  16. 16
    ullrik says:

    @Stefan: Du hast die Auswertung von jedem Land rausgesucht, es gibt da keine Darstellung wie bei dir? Das macht aber keinen Spaß bei den Ladezeiten der Seite…
    Denn interessant wäre so eine Darstellung auch für die Niederlande.

    Funfact: Auch die Niederländer mögen Brüste: Polen Platz 2 im Zuschauerranking, Platz 25 bei der Jury.

  17. 17
    BlueKO says:

    @ullrik: Der polnische Song ist aber auch einfach nur scheiße. Die Möpse überdecken da einfach SEHR viel.

    Gestern liefen bei mir den ganzen Tag über die „37 Videos für Dänemark“ von einsfestival zur Vorbereitung auf den Abend. Sobald Polen dran war, habe ich dann aber das Video übersprungen. Dieses halb-atonale Geleiere ging mir einfach zu sehr auf die Eier.

  18. 18
    Thomas K. says:

    Diese Differenz zeigt doch deutlich, dass die Einführung der Jury das genaue Gegenteil bewirkt als das, wofür sie gedacht war. Die Zuschauer geben eben doch nicht die Punkte nach „Länderfreundschaft“ ab, sondern eben diese Jury. Dass die Ergebnisse dann so verfälscht werden, kann nicht im Interesse der Veranstaltung sein.

    Und zum deutschen Jury-Voting: Der dänische Song soll der Favorit von einem Sido und einer Jennifer Weist sein? Also bitte…

  19. 19
    Brösel says:

    „Die Zuschauer geben eben doch nicht die Punkte nach „Länderfreundschaft“ ab“

    Thomas K., das halte ich aber für ne steile These.

  20. 20
    jan says:

    Verschiebt man das Verhältnis einfach zu Gunsten der Zuschauer? 70/30? Dann haben die Zuschauer mehr Einfluss, aber die Jury kann auch noch etwas Einfluss nehmen. Aber warum stimmt die Jury nicht auch erst am Tag des ESC Finale ab?

  21. 21
    Thomas K. says:

    Nicht primär, Brösel.

    Ich nehme als Beispiel mal Weißrussland, was wohl für diese These das beste Beispiel ist.

    Platz 1 Russland, nun gut, geschenkt. Aber auf Platz 4 schon Österreich, Platz 5 Polen, Platz 6 Schweden, Platz 9 Österreich und Deutschland immer noch Platz 15. Das finde ich zumindest mal bemerkenswert ausgewogen.

  22. 22
    Tobias says:

    das Abstimmen ist seit der Einführung der gleichberechtigten Jury nicht unkomplizierter geworden, denn es wird aus den Zuschauer- und Jury-Votings ein wie auch immer gerecht geartetes „Mittel“ ermittelt (schlechtes Deutsch, ich weiß….) Daher war das ursprünglich für Spanien angegebene Voting tatsächlich korrekt: Obwohl sowohl Anrufer als auch Jury Österreich „nur“ auf Platz 2 sahen reichte es im „Mittel“ für die berühmten „Douze Points“. 10 Punkte aus Spanien gingen dann an Schweden (Jury: Platz 1, Zuschauer: Platz 5). Das gleiche Phänomen gab es beim deutschen Voting: 12 Punkte gingen an die Niederlande, obwohl sowohl beim Jury- als auch beim Zuschauervoting die Nachbarn nur auf dem 10-Punkte-Rang landeten.

  23. 23
    ullrik says:

    @BlueKO: Natürlich, der polnische Beitrag war musikalisch auch grottenschlecht!

    Da hat mich der niederländische Song auch wirklich überrascht, ich kannte ihn davor nicht. Jetzt bin ich gespannt auf das Album der beiden. Das war bisher noch bei keinem ESC so :-)

  24. 24
    Paru says:

    Zu den Zahlen von Spanien: Natürlich können die Zahlen so richtig sein. Wir sehen ja hier nur die getrennten Bewertungen von Jury und ZuschauerInnen. Beide hätten Österreich auf den zweiten Platz gesetzt. Wenn Österreich trotzdem 12 Punkte bekommen hat, dann lag es daran, dass Jury und ZuschauerInnen keinen gemeinsamen erste Platz hatten, sondern bei allen anderen KünstlerInnen weiter auseinander lagen.

  25. 25
    Tyr says:

    Sehe ich ähnlich. Es freut mich wirklich das Conchita Wurst gewonnen hat. Es war halt ein witziger Auftritt und die Kunstfigur (und nichts anderes ist es ja selbst für Tom Neuwirth) passte einfach vollkommen dazu. Mir hat es einfach gefallen.

    ABER die Buhrufe gegen Russland waren einfach nicht ok. Der Auftritt war vollkommen in Ordnung. Mir war diese blonde Schulmädchen Nummer einschl. dem Lied zwar etwas zu beliebig und die Platzierung „nur“ auf 7 (?!) war gerechtfertigt aber der Hass der den Sängerinnen und jeder einzelnen Punktevergabe entgegen schlug war einfach unter aller Sau. Selbst während ihres Auftritts hörte man vereinzelt Buh-Rufe. Muss sowas sein? Die Mädels können da absolut nichts für. Wahrscheinlich haben sie ungefähr soviel Politik Interesse wie Deutsche Jugendliche…nämlich gar keins. Warum also der Hass auf sie? Weil sie es „wagten“ aufzutreten? Schade das die Menschen nicht lernen zu differenzieren. So wenig wie ein krimineller Ausländer in Deutschland für sämtliche Ausländer steht so wenig steht ein russischer Künstler für alle Russen oder Putin höchstpersönlich. Es ist traurig das man soviel Hass auf ganze Völker ausbreitet. Sollte im Jahr 2014 nicht mehr sein.

    Fand ich jedenfalls sehr bitter was da ablief.

  26. 26
    Tobias says:

    Kleine Anekdote am Rande: Wäre es nur nach den Anrufern aus Österreich gegangen hätte Deutschland immerhin 6 Punkte bekommen (Platz 5) . Aber da gab es dann ja noch die österreichische Jury, die sah uns auf Platz 16. Ergo: NULL Punkte von Österreich für Deutschland.

  27. 27
    Bruno says:

    Polen hat übrigens noch stärker unter der Jury gelitten, be den Zuschauern hätten sie 161 Punkte gehabt, im Vergleich zu den 62 Gesamtpunkten.

  28. 28
    SvenG says:

    Man kann ja die Sinnhaftigkeit der Juries hinterfragen, aber dies aufgrund der Tatsache zu tun, dass sich Jury-Bewertungen von denen des Televotings unterscheiden, ist dann doch etwas mau. Haben die Juries nur eine Daseinsberechtigung, wenn sie das Televoting abbilden? Dann hätten sie keine Funktion und man bräuchte sie nicht. Oder aber sie haben eine Funktion in Ergänzung zum Televoting, dann MUSS die Bewertung in der Regel vom Televoting abweichen.

  29. 29
    Thomas K. says:

    @SvenG:

    Ja, aber was soll die Jury denn abbilden? Wenn die deutsche Jury einstimmig (!) Dänemark auf dem 1. Platz sieht, im Telefonranking sind sie nur auf Platz 10 – womit ist diese Abweichung dann begründet?

    Ich verstehe nicht, was die Jury bewirken soll oder nach welchen Kriterien sie abstimmt – ohne dem Wissen, wie die Zuschauer abstimmen.

  30. 30
    BlueKO says:

    …und die Jurys sollen schließlich auch(!) die starke Abstimmung von im Ausland lebenden Bevölkerungsgruppen ausgleichen. Nur weil die Türkei seit ein paar Jahren schmollend in der Ecke sitzt und nicht teilnimmt, können wir aus Deutschland doch „richtige“ Punkte vergeben.

    Bei der Teilnahme der Türkei ist eine Abmilderung der vielen Anrufe der türkischstämmigen Bevölkerung, für die irgendeine Qualität der Musik überhaupt keine Rolle spielt, doch mehr als notwendig.

    Andere Länder haben dieses Problem doch auch.

    Wenn man sich einen Gedanken um die Jurys machen muss, dann den, ob es vom Sender wirklich sinnvoll ist, die Mitglieder für einen Tag an den Veranstaltungsort zu verfrachten. Dieser Tourismus scheint mir dann doch für eine unabhängige Beurteilung etwas kontraproduktiv.

    Gibt es eigentlich nähere Infos warum bei Georgien die Jury nicht gezählt wurde?

  31. 31
    :j says:

    Interessant wäre es zu untersuchen, ob ein geometrisches Mittel (die Wurzel aus dem Produkt der beiden Platzziffern) zu einem ausgewogenerem Ergebnis führen. Zumindest ein erster Platz ließe sich hier nicht aus den Punkterängen drängen…

  32. 32
    polyphem says:

    Die Einen sehen den ESC als eine demokratische Veranstaltung.
    Andere nennen es „Wurst und Spiele.“

  33. 33
    Gregor Keuschnig says:

    Naja, es mag Differenzen zwischen einer Jury und dem Publikumsgeschmack geben. Bevor man jedoch mit Verteilungsquoten oder Mittelwerten rochiert, sollte man mal überdenken, warum ein Votum von San Marino (31.000 Einwohner) die gleiche Relevanz haben soll wie eines von Russland Frankreich oder Polen. Warum nicht alle Stimmen unabhängig von der Nationalität in einen Topf werfen?

  34. 34
    Brösel says:

    Thomas K.,

    für die „Beweisführung“

    (Platz 1 Russland, nun gut, geschenkt. Aber auf Platz 4 schon Österreich“)

    schon mal sieben Punkte von wegen dem Entertainment-Wert. :-)

  35. 35
    Stefan Niggemeier says:

    @Tobias: Ich hatte mich bei Spanien ursprünglich schlicht in der Zeile vertan.

    @BlueKO (#11): Ich habe schon bewusst „Show“ geschrieben.

  36. 36
    Stefan Niggemeier says:

    @#32: Die Möglichkeit, dass ein Beitrag null Punkte bekommt, obwohl er vom Publikum die meisten Stimmen hat, ist bewusst von der Eurovision eingeführt worden. Sie haben das System der Berechnung vor zwei Jahren entsprechend geändert. Vorher war es so, dass die Juroren nur ihre ersten zehn Plätze wählten und das mit den ersten zehn Plätzen der Zuschauer kombiniert wurde. Dabei war es schwieriger, dass ein Song, der bei einem der beiden Bestandteile ganz vorne lag, nach der Addition komplett rausfliegen würde, als bei einer Liste die von Platz 1 bis Platz 26 reicht.

  37. 37
    Stephan says:

    @Uli

    „Aber in fast allen Ländern herrschen sogenannte Eliten, die diese positiven Entwicklungen zu unterdrücken wissen. “

    Gott sei Dank haben wir in Deutschland keine Elite:
    – schwuler Außenminister
    – Regierungschefin ohne Kinder
    – schwuler Ministerpräsident in Berlin
    – lesbische Bundesumweltministerin
    – jede Menge Koks in den Abwässern der Großstädte

    Eine deutsche Sängerin, die nicht richtig singen kann, gewann vor kurzem den ESC. Viele deutsche Interpreten, die wesentlich besser singen können, landeten jeweils abgeschlagen auf den hinteren Plätze. Willkommen in der Wirklichkeit.

    @Kand.in.Sky
    „Daneben natürlich dominierte mal wieder Englisch und nicht die eigenen Landessprachen.“

    Ich finde das auch total übel. Die Veranstaltung heißt ja schließlich Eurovision Song Contest und nicht English Song Contest. Es gibt so viele tolle Sprachen: Schwedisch, Ungarisch/Finnisch, Französisch. Aber es geht vermutlichg wieder mal ums Geld bzw. um die möglichst optimale Vermarktung bei mehreren hundert Millionen Zuschauern in aller Welt.
    Sorry, aber der ESC ist für mich nur noch eine Farce.

    „Ebenso sollen Homosexuelle hierzulande lieber keine Kinder adoptieren dürfen, “

    Den Homosexuellen kann man nur viel Erfolg wünschen bei ihrer Suche nach einem Adoptivkind, weil das nämlich eine extrem schwierige Sache ist, selbst für heterosexuelle Paare: Nur sehr wenige Familien auf der Welt wollen ihre geborenen Kinder loswerden.

  38. 38
    Stefan Niggemeier says:

    @Stephan: Und das Koks hat in der Aufzähl… Ach was frag ich.

  39. 39
    Oliver says:

    Und wann wird mal erforscht, wie das deutsche Zuschauervoting durch die Zwischenmoderationen des merkwürdig unvermeidlichen Peter Urban verzerrt wird? Dessen Humor grenzt mittlerweile in seiner Tranbüddeligkeit an Heinz-Erhardt-Niveau. Ich möchte zwischen den Songs wirklich nicht hören, ob dieser Typ, der nicht mal fehlerlos zwei Mod-Sätze vorlesen kann, irgendein Kleid oder irgendeine Turneinlage während der vorausgegangenen oder bevorstehenden (!) Nummer unpassend findet. Genauso wenig muss er mich darauf vorbereiten, dass ich den gleich kommenden Song „genießen“ werde. Wenn er mit seiner Masche versucht, trotz Unvermögens den Sarkasmus von BBC-Moderator Graham Norton zu kopieren, dann ist es genau das: eine billige und abgestandene Kopie.

  40. 40
    Jesus says:

    Verwirrend: „Die deutschen Juroren zum Beispiel setzten Österreich nur auf Platz 11 — bei den Anrufern aus Deutschland lag Conchita Wurst auf Platz 1.“

    Ahhhhhhhhhh – jetzt beim copy/pasten wirds klar! Das sind keine römischen Ziffern in Form von I, II, III usw, sondern das ist die Zahl 11. Also die hier verwendete Schriftart ist gänzlich ungeeignet, wenn man mit Zahlen hantiert.

  41. 41
    Jesus says:

    … sondern die Zahl ELF meine ich.

  42. 42
    Janno says:

    Das ist es? Jurypunkte? Toleranzstatement?
    Ich weiß ja, dass Zeit knapp ist und Geld auch nur einmal ausgegeben werden kann, aber ein ESC ohne @niggi ist seit 4 Jahren nicht mehr dasselbe. Auch wenn Lukas mit Bloggenhagen bei eurovision.tv untergekommen ist, das geht doch so nicht, Herr Niggemeier?! Das ist wie Waldorf ohne Statler, wie Schmidt ohne Andrack, wie na halt so….
    Und dann noch die Aftershow ohne Thomas, ohne Anke, ohne Ücker, ohne Käseigel?!
    Und dann, dann noch ein deutscher Beitrag ohne Stefan Raab, das führt eh in die Niederungen, in denen der NDR zu Hause ist, Platz 18, Himmel, knapp vor Ralf Siegel?!
    Und ne Halftime-Show, die aufgezeichnet war, also die Bühne war ja schön und der dänische Hugh Jackman auch und die Punktepräsentatoren aus Moldau bis Estland, aber….ne, so, da muss doch was gesagt, was geschrieben werden. Ich brauch meine Traditionen, hab ja nicht mal mehr nen unbefristeten Arbeitsvertrag, was bleibt mir noch außer Weihnachten?
    Croudfunding für den Viennablog? Rasierschaumwerbung im Rahmenprogramm, Kontrabassverbote?! Ich helfe, wenn ich helfen kann, sag mir bitte wie!?

  43. 43
    Janno says:

    Meinte natürlich Krautpfanding!

  44. 44
    BlueKO says:

    Kurz nach 15:00 Uhr ging die Sendung auch in Australien zuende.

    Das Ergebnis der dortigen Abstimmung abgekürzt: Österreich gewinnt auch in Australien, danach wird es etwas durcheinander gewürfelt (2 und 3 vertauscht) und San Marino ist statt Frankreich auf dem letzten Platz. Die komplette Liste ist leider noch nicht bzw. nicht mehr online.

  45. 45
    DJ Doena says:

    Warum genau geben die Juroren ihr Stimme aufgrund der (nichtübertragenen) Probe ab? Da ist es doch klar, dass Diskrepanzen vorkommen werden. Eine Band hat die Probe verkackt, war dann aber in der Show wieder große klasse und andersherum.

    Warum bewerten die Juroren nicht auch die Show, nur dann wird es wenigstens halbwegs vergleichbar.

  46. 46
    Brösel says:

    „jede Menge Koks in den Abwässern der Großstädte“ [40]

    Stephan,

    genau genommen handelt es sich um das durch den Körper ausgeschiedene Abbauprodukt Benzoylecgonin, gewiss nicht um Kokain, sonst wären unsere Großklärwerke längst in der Hand kolumbianischer Firmen. Übrigens koksen Großstädter in der Schweiz sehr viel mehr als in Deutschland; landesweit haben die Spanier rekordverdächtig die Nase voll (was auch bedeutet, dass das alles nicht damit zusammenhängt, ob eine Gesellschaft offen ist für andere Lebensweisen).
    Der deutsche Außenminister ist übrigens nicht schwul. Willkommen in der Wirklichkeit. :-)

  47. 47
    marks says:

    blueKO: bin ich anderer ansicht. rein vom song mochte ich einfach den wurst-song mehr. einer der schönsten songs der letzten jahre mit einem herrlich melancholischen refrain in g gmoll. der niederlande-song war in g-dur. mir war das zu happy. selbstverständlich geht es um diesen song. hätte wurst einen schlechten song gehabt, hätte sie nicht gewonnen. vor 3 jahren bei der vorausscheidung hatte sie einen song, mit dem sie nicht besser als 5.ter geworden wäre.

  48. 48
    Malce says:

    Ich finds sowieso auffällig, wie sehr sich die Ergebnisse der Jury-Mitglieder teilweise ähneln. Ich weiß ja seit dem Duslog, dass die Jury sich das Ganze zusammen anguckt und viel diskutiert und es auch schwer ist, so viele Plätze zu vergeben, weil man zu manchen Liedern einfach nich viel sagen kann. Trotzdem sollte das doch viel unterschiedlicher sein. Ein Lied, was einer mag, findet ein anderer in der Jury vielleicht total bescheuert. Ich hab jetzt nur einige Länder überflogen, aber bei dem deutschen Ergebnis fällt schon auf, dass es selten Platzierungsunterschiede von mehr als zehn Plätzen innerhalb der Jury gibt.

  49. 49
    BlueKO says:

    @marks: Das ist doch auch das schöne an der Veranstaltung. Die Beurteilung beruht auf dem eigenen, subjektiven Geschmack. Und der ist nun mal nicht messbar wie erzielte Tore oder erlaufene Zeiten.

    Ich wollte nur sagen, dass bei diesem Bombast-Titel kaum die Gefahr besteht, dass er wie „Euphoria“ monatelang nach dem Ereignis vom deutschen Formatradio totgedudelt wird. (Da besteht für den NL-Titel schon eher gefahr, auch wen Coutry im Radio natürlich auch bäh ist.)

  50. 50
    Horst Schulte says:

    Deutschland hat den Song von Conchita nur auf dem 11. Platz gesehen? Vielleicht hatte man das Votum der Österreich schon gesehen. Da gab es 0 Punkte für Deutschland. Die Schweizer haben immerhin mal 7 Punkte für unseren Beitrag gegeben. Aus diesem Verhalten irgendwas Konspiratives zu machen ist blöd, weil das nahezu historische Züge hat. :-)

  51. 51
    danadiva says:

    @ullrik die Jurys in denen Polen so schlecht wegkommt, haben anscheinend keine blassen Schimmer von Ironie; Denn so habe ich den Vortrag vestanden.

    Und wenn in einer deutschen Jury Juroren sitzen die nicht zaehlen koennen sehe ich einen gewissen Punkt zur Absetzung jedwelcher Jury erfuellt.
    Wie sonst ist es zu erklaeren das Frl. Juno auf die Frage von Frau Schoeneberger wo sie denn Conchita Wurst gesehen hat, mit den Zahlen „4“ -„5“ beantwortet, aber ich dann heute lesen muss das es der 13 Platz gewesen ist.

    Liebe Madeleine: Anstatt Videos in Youtube hochzuladen lieber noch mal die Grundschule besuchen. Dann klappts auch mit dem zaehlen.

  52. 52
    Stephan says:

    @Stefan Niggemeier

    Okay, das mit dem Koks war an dieser Stelle verfehlt, weil ich ja auf die Fortschrittlichkeit in der Bundesrepublik auch ohne Eliten hinweisen wollte.

    Ich habe aber trotzdem noch was:

    „Klar spielt Politik da hinein, aber weder war das jetzt eine Demonstration für oder gegen Putin noch eine Solidaritätsbekundung für die Ukraine oder was auch immer. “

    Dazu ein Kommentar aus einem Forum:

    „Sobald Russland auch nur ein paar wenige Punkte zugewiesen wurden, waren leise, bei höheren Punktzahlen dann auch durchdringendere Buh-Rufe zu hören. Die russische Jury-Repräsentantin wurde gar schmählich durch Unmutsgebrüll diskreditiert. Von Moderatoren mit „Ar… in der Hose“ hätte ich spätestens an dieser Stelle eine, ja, eben moderierende Stellungnahme gewünscht. “

    In der Übertragung der Olympischen Winterspiele von Sotschi soll es anscheinend ständig irgendwelche negativen Kommentare bezüglich Russland bzw. bezüglich dessen Ausrichtung der Winterspiele gegeben haben. Letzlich also ein ganzer Abend zum Fremdschämen.
    Die Menschen werden gegen Putin und Russland aufgehetzt. Aber Gott sei Dank gibt es immer noch genügend vernünftige Leute, die wissen wie wirklich der Hase läuft.

    Ich habe übrigens schon seit längerem mehr keine Möglichkeit Fernsehen zu schauen, ich nehme aber mal trotzdem stark an, dass Tom Neuwirth nichts zu dem Gebuhe gegen den russischen Auftritt und die russische Jury-Repräsentantin gesagt.

    Vielleicht fallen sich die USA und Russland diesen Herbst, wenn sie die Streitigkeiten über die Ukraine beigelegt haben, endlich in die Arme, entlassen ihre Soldaten, schaffen die Todesstrafe ab, hören auf sich in die Angelegenheiten fremder Staaten einzumischen und rufen den weltweiten Frieden aus. Das wär doch was, oder?

    @Brösel
    „Der deutsche Außenminister ist übrigens nicht schwul. “

    Ja okay, ich weiß, aber ich habe ja auch explizit keinen Bezug zu einer Zeit gewählt, es war mehr eine Aufzählung von dem was wir alles in jüngerer Zeit schon hatten. Ich kann schon zwischen Westerwelle und Steinmeier unterscheiden. Wobei letzterer anscheinend weniger Probleme hat, sich mit Vertretern von Faschisten bzw. Rechtsradikalen, die mit Hilfe getürkter Parlamentsabstimmungen (s. http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2014/03/ukraine-die-kernluge-von-der-legitimen.html ) an die Macht kamen, an einen Tisch zu setzen.

    Das mit dem toleranten Umgang der Spanier in Sachen BTMs habe ich selber schon mal erlebt in einer WG in Spanien – vor zwanzig Jahren.

  53. 53
    twex says:

    re: die „Siegerrede“

    Ich hatte gar nicht verstanden, worauf sie sich bezog. Irgendwas mit peace and unity? War da auch die Ukraine gemeint?

  54. 54
    Peter Stollewerk says:

    Es ist doch wohl nicht zu beanstanden, wenn eine Jury aus 5 Personen deutlich anders votet, als Millionen Zuschauer. Deren Meinung sollte man akzeptieren oder grundsätzlich gegen jede Art von Jury sein und ausschließlich auf Anrufer setzen.

    P.S.: Hätte Conchita Wurst den ESC auch ohne Bart gewonnen?

  55. 55
    Thomas K. says:

    Wenn die 5 Personen die gleichen Stimmrechte haben, wie hunderttausende Zuschauer und somit ein Voting komplett umdrehen, kann man den Sinn dieser Jury schon hinterfragen. Warum also nicht wieder komplett die Jury entscheiden lassen?

    Ich sag es gern noch einmal: Wir erinnern uns doch alle noch, was der Grund für die Wiedereinsetzung der Jury war: Die vermeintliche Punkteschieberei zu verhindern. So nachbarfreundlich stimmen die Zuschauer aber nicht mehr ab (meine Vermutung: das Publikum hat in den letzten Jahren einen deutlichen „Jugendzuwachs“ bekommen), diesen Job erledigt jetzt offensichtlich die Jury.

  56. 56
    Sebastian says:

    @Gregor Keuschnig (Post 35): Das geht nicht, weil die Russen ja nicht für sich selbst anrufen dürfen. Wenn also alle Stimmen zusammengeworfen werden, hätte RUS die deutlich wenigstens Siegchancen, weil sie den Löwenanteil der Stimmen gar nicht erst kriegen können. Darum ist die Aufteilung nach Ländern notwendig.

  57. 57
    Robert says:

    Der Erfolg von Conchita Wurst war in meinen Augen ein überwältigendes Zeichen europaweiter Toleranz und Solidarität gegenüber Homosexuellen, die vor allem in Russland diskriminiert und verfolgt werden. Empörend finde ich daher den heutigen Beitrag im Deutschlandfunk: „Warum ausgerechnet Conchita Wurst gewann“.

    http://www.deutschlandfunk.de/eurovision-song-contest-warum-ausgerechnet-conchita-wurst.691.de.html?dram:article_id=285060

    Dort erklärt uns Burkhard Müller-Ullrich, Conchita Wurst sei ein Wesen, das „nicht zum Zwecke des Gesangs geschaffen und nicht durch ihren Gesang berühmt und mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde“. Vielmehr handele es sich hierbei um ein „irritierendes Halbwesen, um mit Sibylle Lewitscharoff zu sprechen“, das auf die „Bühne biologischer Bedenklichkeiten“ getreten sei, um Europa „mit sexualpsychologischen Fragestellungen“ zu konfrontieren, denen es „selbstverständlich nicht gewachsen ist“.

    Der Hintergrund läge darin, dass sich „durch Kettenreaktion vermehrende Genderpolitiker… jeden Schambereich nutzen, um Druck aufzubauen und Macht zu gewinnen“. Es gäbe für „die hier ausagierte Körperpolitik gewisse geografische Bezüge“:

    Man konnte „die Europakarte sexueller Verklemmtheiten und Verhaltensnormen teilweise neu zeichnen“. Nur Russland wird vom Autor positiv erwähnt. Es sei „in diesen Dingen eher zimperlich“. Aber insgesamt zeige sich, „wie verkracht der moderne Mensch mit seinen Seinsgrundlagen ist“.

  58. 58
    Tilman_s says:

    Nach Lordi wurden doch die Jurys (wieder-) eingeführt. Nach der Logik des Wettbewerbs müssten die Jurys daher nächstes Jahr doppelt gewichtet werden.

  59. 59
    Ste says:

    @61: War doch klar, es fängt ja schon mit der beknackten Frage „Hätte Sie auch ohne Bart gewonnen?“ an; und Focus Online hat im Vorfeld über das „Ösi-Wunder“ geschrieben wie ein Kolonialherr, als hätte man wieder einen Exoten im Netz, das man mal am Wochenende bestaunen darf.

  60. 60
    Ariane says:

    Siegerrede: Sinngemäß war es sowas wie „..dedicated to people who believe in peace and freedom. You know who you are. We are unitiy. We are unstoppable“ Und beim unstoppable hat sie den Preis in die Höhe gereckt und einen unfassbar entschlossenen Blick draufgehabt.

    Also da hatte sie ja schon längst gewonnen, aber das war für mich (und ich bin als stinknormaler Hetero ja gar nicht direkt persönlich betroffen) schon ein starkes Statement für Homosexuelle, Männer, die sich ein Kleid anziehen oder insgesamt Leute, die irgendwie anders sind. Nicht zu vergessen, dass das ganze eben auch live an 100 Millionen ging, die vielleicht gerade angstvoll ob ihrer Homosexualität o.a. in Russland oder Ungarn oder in einem kleinen österreichischem Dorf sitzen. Ich fand es ungeheuer bewegend und hatte schon bisschen feuchte Augen.
    Ich glaub nicht, dass sie deswegen gewonnen hat, ich persönlich fand das Lied auch einfach toll. Aber es war sicher ein kleiner Bonus, wie Lordi vllt damals auch einen gewissen Bonus hatte, weil sie anders waren.
    Aber sie hat es gut genutzt, um es im Abschluss zu einem generellen Sieg der Toleranz zu machen und das finde ich sowohl gut als auch völlig legitim.
    Soll mir doch bitte keiner erzählen, dass Russland einen Sieg rein auf die Gesangskünste der Zwillinge geschoben hätte, das wäre sofort als Symbol für die generelle russische Gesangsüberlegenheit hergenommen wurden.

  61. 61
    M says:

    Kann es sein, dass aus Polen trotz 7 Punkten beim Zuschauervoting kein einziger Punkt an Österreich ging? Das wäre mindestens genauso skandalös wie die unterschlagenen Zuschauerpunkte aus UK nach Polen. Oder habe ich da was übersehen?

  62. 62
    Peter Stollewerk says:

    @63 Wie ist die Antwort auf die „beknackte Frage“, ob es auch ohne Bart funktioniert hätte?

  63. 63
    Ste says:

    @66: Vielleicht nicht, und nu?

  64. 64
    Peter Stollewerk says:

    Ich glaube, ohne Bart hätte Wurst auch gewonnen, da sie natürlich nicht nur der Bart ausmacht, sondern auch der gute Gesang, die Performance, der Song und die Optik und Persönlichkeit. Es ist aber sicher legitim, wenn die deutsche Jury sie nicht als Beste gesehen haben.

  65. 65
    T says:

    Das Jury-Voting wurde ja 2009 wieder eingeführt, um dem Block-Voting etwas entgegenzusetzen. Leider legen die Juroren aber ein ähnliches politisch-nachbarschaftliches Abstimmungsverhalten an den Tag. Muss man sich nur mal Weißrussland ansehen, deren Jury Österreich auf den drittvorletzten Platz wählte und aber selber von der russischen Jury mit Punkten überhäuft wurde.

    Meiner Meinung nach sollte man die Jury-Wertung wieder abschaffen, denn warum soll jemand wie Sido ein besseres Gespür für musikalische Qualität haben als der Zuschauer zu Hause?

  66. 66
    Stefan Niggemeier says:

    @M (#65): Das ist nicht skandalös, sondern das von der Eurovision gewollte Prinzip: Wenn ein Song bei der Jury komplett durchfällt, ist es irrelevant, wie gut ihn das Publikum fand. (Gilt umgekehrt natürlich auch.)

    @Peter Stollewerk: Schon klar. Die Jurys wurden ja gerade eingeführt, um das Zuschauervotum zu korrigieren, insofern ist es geradezu ihre Aufgabe, anders zu entscheiden. Das sollte man den Zuschauern, die man zum Anrufen animiert, aber vielleicht noch deutlicher sagen: Wenn die Jury das, wofür Sie da abstimmen, doof findet, haben Sie keine Chance, dass Ihr Favorit Punkte bekommt, egal wie oft Sie anrufen, egal ob das ganze Land für ihn stimmt.

    Tatsächlich bin ich grundsätzlich gegen die Jurys beim ESC. Und die neue Transparenz liefert, finde ich, neue Argumente gegen sie. Offenbar gab es in der deutschen Jury eine kollektive Begeisterung für den Auftritt Dänemarks, die niemand sonst so hatte. Das passiert, wenn kleine Gruppen zusammensitzen und sich die Mitglieder gegenseitig anstecken, insbesondere wenn diese Gruppen eher homogen sind, wie es bei der deutschen Jury der Fall ist. Aber das kann doch nicht der Sinn einer nationalen „Fach-„Jury sein, dass jeder einzelne Juror dieselbe Meinung vertritt, die wiederum von außen kaum nachvollziehbar ist.

  67. 67
    Stefan Niggemeier says:

    (Hinweis am Rande: Pseudonyme wie „T“, „M“ und „:j“ erschweren die Diskussion, finde ich.)

  68. 68
    Michael Ziesmann says:

    Es war die heterosexuelle Kunstfigur namens „Sido“, der bereits im nationalen Vorentscheid zum ESC in Österreich im Jahr 2012(!) vor laufender ORF-Kamera wörtlich sagte: „Ich glaube, man macht sich lächerlich wenn man eine Frau mit Bart als Repräsentantin in ein anderes Land schickt“. Conchita Wurst ist hiernach nicht schon 2012 zum ESC geschickt worden. Der von Sido unterstützte Teilnehmer „Trackshittaz“ belegte im Halbfinale den letzten Platz. Daher frage ich mich – und den NDR – warum eine offen voreingenommene und wohl interessengesteuerte Person in einer Jury sitzen darf. Dass diese Jury das krasse Gegenteil des deutschen Publikums geurteilt hat, zeigt zusätzlich wie groß diese Voreingenommenheit gewesen sein muss. PS: Von einer Schlägerei der Kunstfigur Sido vor laufender ORF-Kamera und laufendem Rechtsstreit dazu, mal ganz zu schweigen…

  69. 69
    Stefan Niggemeier says:

    @Michael Ziesmann: Wobei Conchita Wurst damals auch schlecht gesungen und keinen guten Song hatte. (Nicht dass das irgendetwas an der Sache mit Sido ändern würde.)

  70. 70
    Brösel says:

    „egal ob das ganze Land für ihn stimmt“

    Darin liegt eine gewisse, sagen wir mal, Unschärfe. Zigtausende Angehörige einer bestimmten Personengruppe – Polen in England, Türken in Deutschland, Deutsche auf Mallorca – verändern durch exzessives Anrufverhalten ein solches Ländervotum. Da hat dann halt nicht England, Deutschland, Spanien gewertet und gewichtet. Daran hat sich bis heute nicht so ganz viel geändert.

    Man kann natürlich meinen, dies sei ein demokratischer Willensakt, weil ja jeder so häufig anrufen könne. Der TED ist nicht repräsentativ. Im Grunde genommen sagt er wenig über die Meinung eines ganzen Landes aus, deswegen ist das „Ländervotum“ schon der falsche Ausdruck.

    Wie wäre es, wenn man europaweit abstimmen lassen und auswerten würde? Und dann EINE Stimme pro Telefonnummer. Über alle Grenzen hinweg, kein Ländervotum. DAS wäre demokratisch. Das wäre zudem auch völkerverbindend. Die Nationenwertung sorgt doch derzeit selten für ein grenzenloses Miteinander, sondern markiert oft alte Gräben..

  71. 71
    Stefan Niggemeier says:

    Ich sehe es genau umgekehrt. Diese zigtausend Polen, die möglicherweise aus Großbritannien für Polen anrufen (wer weiß es schon), die sind (auch) Großbritannien. Es ist ein Ländervotum. Kein Ethnien-Votum oder Ureinwohner-Votum oder Aber-nur-ohne-Migrationshintergrund-Votum.

  72. 72
    BlueKO says:

    So langsam verstehe ich deine Beweggründe immer weniger. Du jammerst hier doch auf sehr hohem Niveau. Ja, das System hat seine Fehler, aber deine Favoritin hat doch trotzdem gewonnen. Das konnte einfach niemand verhindern, weil sich Europa im Grunde einig war. Nur weil da ein paar Punkte mehr drin gewesen wären, muss man nicht ein ganzes System wegwerfen. Dieses fehlerhafte System ist aus verschiedenen, weiter oben benannten Gründen leider so notwenig, wie es ist. Es ist nicht perfekt, aber immer noch besser als alle Alternativen. Und es korrigiert sich auch selbst dort, wo es seine Fehler hat. Eine aus welchen Gründen auch immer verunglückte deutsche Jury kann Dänemark ebenso wenig alleine zum Sieger voten, wie es vier russlandnahen Jurys gelingt dieses Land zum Sieger zu machen. Dafür sind einfach viel zu viele anderen an der gesamten Abstimmung beteiligt.

    Man muss sich doch einfach nur vorstellen wie es gewesen wäre, wenn die Türkei in diesem Jahr teilgenommen hätte, und Deutschland ohne eine Jury als Korrektiv 10 oder gar 12 Punkte aus allen anderen als musikalischen Gründen an das Land hätte vergeben müssen. Da hätten wir SEHR schnell nicht viel anders als ein Weißrussland dagestanden und die Stimmung in der Halle wäre ähnlich gewesen wie bei den diesjährigen Punktevergaben für Russland. Das kann niemand wirklich wollen.

    UND:

    Du bekklagst doch immer, dass das deutsche Fernsehen so schlecht ist. Für mich hat es sich in seiner Gesamtheit (also inklusive Öffis) schon vor Jahren in die Irrelevanz verabschiedet. Das deutsche Fernsehen ist aber eben aus dem Grunde so schlecht, weil es ständig er tumben Masse (die durch die Quoten ermittelt wird) hinterhersendet. Die im Netz propagierte und verlangte Basisdemokratie ist in diesem Fall für die Gesamteiheit einfach schädlich. Jemand muss sehr offensichtlich in irgendeiner Weise lenkend einschreiten, damit man sich in irgendeiner Weise vorwärtsbewegt.
    Wenn in diesem Fall ganz (Hetero-)Europa nur schwanzgesteuert für Polen abgestimmt hätte, wäre am Ende nur ein Ergebnis herausgekommen, mit dem auch keiner so recht zufrieden sein könnte.

    Nochmnal: Ja, das System hat seine Macken, die hast du auch sehr gut aufgeschrieben, es gibt aber trotzdem keine bessere Alternative. Reines Televoting ist hier NICHT die Lösung.

  73. 73
    Queron says:

    Ich würde das Punktesystem dahingehend ändern, dass die jeweils ersten 5 Plätze von Jury- und Telefonvoting auf jeden Fall Punkte bekommen (dann natürlich in Reihenfolge des Durchschnitts beider Votings). Das würde eine mögliche Diskrepanz zwischen Jury- und Zuschauervoting ein wenig aufheben, da dann die Mehrzahl der Stimmen auch wirklich eine Auswirkung auf die Punkteverteilung haben.

  74. 74
    Ospero says:

    @78: Das klingt sinnvoll.

    @Hausherr: In der Tabelle sind anscheinend alle Ländernamen ins Deutsche übersetzt – bis auf Armenien.

  75. 75
    Brösel says:

    „die sind (auch) Großbritannien“

    Korrekt, aber ihr Abstimmungsverhalten ist bestimmt durch ihr Heimatland. Um diesen Nationalismus aufzubrechen und die Sache wieder auf das zurück zu führen, wonach eigentlich gesucht wird (beste Gesangsdarbietung), wäre eine nationenunabhängige, europaweite Stimmabgabe mit Beschränkung auf einen Anruf deutlich vorteilhafter. Malta hätte weniger Gewicht. Man könnte sich auch dann das Gedöns mit der Länder-Jury sparen.
    Von mir aus könnten die Stimmen nationenmäßig aufgedröselt und per Schalte verkündet werden, um dieses traditionelle Element zu behalten. Aber das wäre dann nur eine eine Analyse des nationalen Votingverhaltens.
    Unterm Strich eine grenzüberschreitende und grenzunabhängige Art der Abstimmung. Was wäre daran so falsch?

  76. 76
    Neha says:

    Mich würde folgendes interessieren: Entscheiden die Jurys blind, also völlig unabhängig vom Votum der Zuschauer? Oder erfahren die Jurys die Entscheidung des Publikums, bevor sie ihre eigene Entscheidung treffen? Am Ende muss es ja auch eine Instanz geben, die beide Voten zusammenführt, ist das so? Oder ist diese Instanz die Jury?

  77. 77
    Neha says:

    Meine Frage hat sich erledigt, habe in Kommentar 20 gelesen, dass die Jury am Tag vorher ihre Stimmen abgibt. Wäre aber tatsächlich besser, wenn sie auch erst am Finaltag abstimmen würde.

  78. 78
    Bluesmaker says:

    Die Meinung, der Sieg und das Voting wären ein Ausdruck europäischer Toleranz, halte ich für ähnlich oberflächlich wie die meisten dieser Contest-Veranstaltungen.

    Anders als Dana International, die zumindest das Thema Transsexualität in das Bewusstsein der Menschen rückte, stöckelte mit Wurst ein schrilles Kunstprodukt über die Bühne, das mit dem Otto-Normal-Schwulen – abgesehen von der sexuellen Ausrichtung – wohl kaum etwas gemein hat.

    Ob es für Homosexuelle erstrebenswert ist, über das von den Medien gern gezeichnete Bild von bunten, lustigen und zudem grundsätzlich sensiblen und kreativen Fummelträgern Gleichstellung zu erreichen, halte ich persönlich für mehr als fragwürdig. Denn letztlich sollte das Ziel doch sein, Vorurteile abzubauen und nicht neue – seien sie auch positiver belegt – aufzubauen.

    Was die Votings angeht, so wird auch der ESC ein von der Bauart her eckiges Rad nicht dazu bringen, rund zu laufen.
    Entweder man bestimmt elitäre Fachleute, die fernab der Basis und mit angenehmen Privilegien ausgestattet (Reise- und Hotelkostenübernahme + Spesen) von der Ehrenloge herunter weltfremde (oder politische) Entscheidungen treffen.
    Oder aber jener per Facebook & Co. vernetzte Künstler mit der aktivsten Fangemeinde, die auch schon mal zur Reisegruppe wird, um aus dem Ausland für den nationalen Liebling stimmen zu können, gewinnt.

    Egal ob ESC, DSDS oder der Country & Western- Nachwuchswettbewerb des Kulturzentrums von Unterkotzingen: Im Mittelpunkt steht nicht die Musik, sondern ein Zirkus, der allen Beteiligten nicht nur ihre fünf Minuten Ruhm, sondern auch das Gefühl von Wichtigkeit schenkt.

    Egal ob schwul oder hetero, egal ob schrill oder trist, mich widern solche Veranstaltungen zutiefst an, schlicht weil ich die Musik zu sehr liebe, als das ich diesen (aus kultureller Sicht) zerstörerischen Kommerzveranstaltungen auch nur irgendwelche positiven Aspekte beimessen möchte.

    Ebenfalls erscheint mir das Thema Gleichstellung von Homosexuellen zu wichtig, um es in den Niederungen der Bling-Bling-Banalität zu thematisieren.

  79. 79
    Neha says:

    @Robert (# 62 ) Der Deutschlandfunk-Artikel ist in der Tat schockierend, klingt nahezu paranoid. (Er würde wohl Sarrazin und Pirincci gefallen.)
    Ich teile Ihre Wertung des Erfolgs von Conchita Wurst.

    Die Buhrufe für Russland hatten, meiner Meinung nach, nichts (oder wenn doch, jedenfalls nicht sehr viel) mit der Situation in der Ukraine zu tun, sondern mit der steinzeitlichen Schwulen-Politik in Putins Russland. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass diese Politik für Schwule/Lesben in Russland lebensgefährlich ist. Das keine Übertreibung, weil potentielle physische Attacken auf Schwule/Lesben (bzw. offensichtliche Nicht-Normalos), wegen der neuen Gesetzgebung, nicht geahndet würden, sofern sich die Opfer „provokant“ verhalten, „Schwulen Propaganda“ ist ja gesetzlich verboten. Wenn man/frau kein Opfer werden will, heißt das wegducken, verstecken, ein Leben in Angst leben, Mensch/ Bürger zweiter Klasse sein. Es bestand allerdings auch schon vor Putins neuer Homosexuellen-Gesetzgebung Gefahr für Leib und Leben, wenn sich Schwule/ Lesben öffentlich zu ihrer Sexualität bekannten. http://www.stern.de/politik/ausland/moskau-schlaege-fuer-schwule-589875.html
    Ich denke die Empörung über die unmenschliche Haltung Schwulen/Lesben gegenüber hat sich im ESC-Finale kollektiv Bahn gebrochen. Ich kann das gut nachvollziehen, denn die ESC-Siegerin könnte nicht als Conchita Wurst in Moskau auf die Straße gehen, wenn ihr ihre körperliche Unversehrtheit lieb ist.
    Ich habe den Eindruck, dass die Brisanz der Schwulen/ Lesben Politik in Russland, Menschen, die privat und/oder beruflich überhaupt keine Kontakte mit Schwulen und Lesben haben und nur Guido Westerwelle, Hape Kerkeling und Olivia Jones aus dem Fernsehen kennen, nicht wirklich klar ist. Das ist nicht nur schade, sondern falsch und muss sich dringend ändern, denn die russische Schwulen-Politik ist nicht als „peanuts“ abzutun. Durch diese Politik werden Menschen gezielt gegen eine Minderheit aufgehetzt. (Sündenböcke sind ja für Machthaber immer ganz praktisch, um das Versagen der Politik in anderen Lebensbereichen zu verschleiern.) Eigentlich bräuchte es einen europaweiten Aufschrei gegen diese unmenschliche Politik.

  80. 80
    Narf says:

    @Neha/84
    „Die Buhrufe für Russland hatten, meiner Meinung nach, nichts (oder wenn doch, jedenfalls nicht sehr viel) mit der Situation in der Ukraine zu tun,…“

    Ähh genau, die Situation der Schwulen in Russland ist ja erst seit diesem ESC (also seit gestern) so, darum hat da die letzten Jahre keiner gebuht… . Liegt bestimmt überhaupt nicht daran, dass seit Sotschi jeden Tag und überall zu hören ist, dass der Iwan böse und auszubuhen ist!!111!1

  81. 81
    Narf says:

    edit: Ich hab die Sendung nicht gesehen, aber es gab doch bestimmt auch Buhrufe gegen die freiheitlich/aufgeklärten/toleranten Länder Weißrussland, Aserbaidschan usw. wo die Situation ähnlich wie in Russland ist?
    Wenn dem so gewesen wäre, dann könnte man sagen, dass die Buhrufe für Russland gegen die dortige Schwulenpolitik waren. Ansonsten war es hauptsächlich nur das geblöke einer Medien verblödeten Schafherde. ;-)

  82. 82
    Neha says:

    @Narf Die Situation der Schwulen/ Lesben ist nicht erst seit gestern „so“. Sondern sie ist leider schon verdammt viel länger „so“. Wäre schön, wenn Sie meinen Kommentar wirklich lesen würden. Nur so macht eine Reaktion darauf nämlich Sinn, bzw. nur dann kann ich Ihre Antwort ernst nehmen.
    So wie Sie antworten, entlarven sie sich als einen Menschen, der leider nicht wirklich weiß, was auf unserem Planeten so passiert.
    Ich jedenfalls muss nirgendwo lesen, „dass der Iwan böse ist“, um etwas zu „blöken“. Vielleicht schließen Sie ja nur von sich auf Andere, denn sehr qualifiziert argumentieren Sie leider nicht (um es noch sehr milde auszudrücken).
    Wir können uns gerne auf freundliche und zivilisierte Weise über das Thema Situation von Schwulen und Lesben in Russland austauschen, wenn Sie zumindest meinen Kommentar (samt verlinktem Artikel) vollständig gelesen haben.

  83. 83
    amfenster says:

    @Bluesmaker/82:
    Und wer sagt, dass Conchita angetreten ist, um den Otto-Normal-Schwulen zu repräsentieren?
    Für mich liegt die Kraft von Conchitas Sieg gerade in ihrer Ambivalenz zwischen Travestie-Nummer (also Entertainment) und ernsthaftem Ausleben einer wie auch immer gearteten Trans-Identität. Conchita Wurst/Tom Neuwirth scheint das ja in der Schwebe zu lassen.
    Aber – und genau das finde ich so toll – das spielt hier alles überhaupt keine Rolle. Die Botschaft von Conchita ist: Es ist völlig egal wer Du bist, ob Du ein Kerl bist, der halt gerne im Fummel auftritt, oder ob Du Transgender bist, oder was auch immer – es spielt einfach keine Rolle, für jeden ist Platz.

    *Ich* habe jedenfalls nicht das Gefühl, mir als Schwulem würde hier ein Bärendienst erwiesen. Wie es ja überhaupt ziemlich scheinheilig ist, die angebliche Sorge um das zarte Pflänzchen Akzeptanz vorzuschieben, um damit eigentlich doch nichts anderes zu sagen als: Ich will die komische Fummeltrine nicht sehen. Diese Art von Pseudotoleranz braucht nun wirklich kein Mensch.

  84. 84
    Flügelschlag says:

    Ich frage mich, ob eine bärtige Frau den gleichen Erfolg gehabt hätte wie ein bärtiger Mann in Frauenkleidern.

  85. 85
    KatrinW says:

    Die deutsche Jury hat Dänemark auf Platz 1 gesetzt? Dänemark? Hat denn niemand gehört, dass der Song ein eindeutiges Cover von „You to me are everything“ von The Real Thing war? Das muss doch noch jemandem außer mir aufgefallen sein?
    (Und ich bin KEIN Musiker).
    Merkwürdig.

  86. 86
    Richard says:

    @Flügelschlag: Sagen Sie uns Bescheid, wenn Sie die Antwort gefunden haben.

  87. 87
    Eule says:

    John Oliver gestern über den ESC:

    http://www.youtube.com/watch?v=We1IvUe6KLo

  88. 88
    j. says:

    Ich finde es peinlich, wie man sich zur Zeit überall übertreffen will mit platten „Wurst“-Wortspielen. Hat was Entlarvendes. Da sind wohl einige recht verunsichert.

  89. 89
    Maximillion says:

    Umso erstaunlicher, dass es doch wieder Leute gibt, die finden, dass die „Monopolmedien“ mittels des Eurovision Song Contest die „sexuelle Umerziehung Westeuropas“ vorantreiben (darauf muss man erstmal kommen):

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2014/05/11/eurovision-statt-ekel-wurst-ich-will-lena-zuruck/

  90. 90
    Bluesmaker says:

    @ amfenster

    Mal ein Zitat aus Wikipedia: „Ihre Schaffung [also Conchita Wurst] erklärt Neuwirth als Reaktion und Statement gegen Diskriminierungen, die er in seiner Jugend aufgrund seiner Homosexualität erfuhr.“.

    Davon, dass Herr Neuwirth wusste, dass Frau Wurst diese Rolle als singende Protestgestalt zugedacht werden würde, ist bei seiner Art der Selbstvermarktung also auszugehen.

    Und ja, du hast Recht, ich persönlich will weder diese Fummeltrine sehen, noch ihre weiblichen C-Promi-Genossinnen, die sich von Medienmachern für ein bisschen Ruhm in Stöckelschuhen und Paillettenkleid auf afrikanische Normadenvölker hetzen lassen.
    Ich will auch nichts von, bzw. über Jürgen und Sladko wissen, weil sie für mich, ebenso wie Conchita Wurst, Teil einer absurden Medienkultur sind, in der groteske Selbstinszenierungen den eigenen Marktwert steigern.

    Mein persönliches Mittel gegen Wurst, Katzenberger & Co., heißt Fernbedienung, weshalb es mir auch völlig egal ist, ob sich Männer, Frauen, Transsexuelle, Transvestiten, Homo- Hetero- oder Bisexuelle, nackt, teilweise oder auch völlig bekleidet vor die Kamera drängeln. Wenn es mir auf den Keks geht, schalte ich halt um.

    Aber ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass es aus einem bestimmten Blickwinkel heraus absurd erscheinen kann, dass in der Welt nahezu unbemerkt Aktivisten mit Leib und Leben gegen Diskriminierung kämpfen, während Neuwirth Anerkennung und einen Plattenvertrag erhält?

    Wursts Weg zur Bekanntheit führte über den Boulevard und ich meine, dass dieser Blog nicht selten medienkritisch über Boulevardmedien berichtet.

    Die Liberalen applaudieren, die Kläffer kläffen und die Transe im realen Leben bekommt des Nachts immer noch eine auf die Fresse. Aber egal, schicken wir ein RTL-Team hin und machen eine Doku-Soap daraus. Das ist unterhaltsam und im Gegensatz zu kostenintensiver Aufklärungsarbeit auch noch lukrativ.

    Kapitalismus kann so schön sein…

    Nun verstanden, worauf meine Kritik abzielte?

  91. 91
    amfenster says:

    @Bluesmaker/95:

    Mein persönliches Mittel gegen Wurst, Katzenberger & Co., heißt Fernbedienung

    Und seitenlange Blogkommentare offenbar.

    Aber ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass es aus einem bestimmten Blickwinkel heraus absurd erscheinen kann, dass in der Welt nahezu unbemerkt Aktivisten mit Leib und Leben gegen Diskriminierung kämpfen, während Neuwirth Anerkennung und einen Plattenvertrag erhält?

    Und welchem Opfer von Gewalt gegen LGBTI wäre geholfen, wenn man es sich verkneift, sich mal einen Moment lang über diesen symbolischen Sieg zu freuen? Den mutigen Einsatz der echten Frontkämpfer stellt das doch nicht in Frage. Im Gegenteil, mit Conchitas „Unstoppable“-Parole haben sie ein klares Signal bekommen: „Ihr seid nicht allein“. Kann sich natürlich keiner was für kaufen, aber ich würde den symbolischen Wert auch nicht ganz unterschätzen wollen.

    Sie haben doch selbst gesagt, dass Ihnen einfach nur diese Fummeltrine auf die Nerven geht. Das ist ja Ihr gutes Recht. Warum verschanzen Sie sich dann noch hinter dem realen Elend zusammengeschlagener „Transen“? Auf mich wirkt das wie der hilflose Versuch, ein rein geschmäcklerisches Urteil noch irgendwie aufzuwerten.

  92. 92
    Bluesmaker says:

    @ amfenster

    Na da haben Sie nach dem ersten Zitat ja voll in die rhetorische Trickkiste gegriffen.

    Überhaupt scheinen Sie nicht reich an Argumenten und versuchen aus Sarkasmus latente oder versteckte Homophobie zu konstruieren.

    Davon abgesehen ist festzustellen, dass ich es befremdlich finden würde, wenn Zwergenwerfen als Mittel zur Durchsetzung der Rechte Kleinwüchsiger gefeiert würde oder man die Gleichberechtigung der Schwarzen mit dem Pseudoargument einfordert, dass sie ja bekanntlich alle toll singen können, so wie alle Schwulen bekanntlich schrill und irgendwie drollig sind.

    Diese „positiven“ Klischees mögen vielleicht oberflächliche Toleranz fördern, stehen aber einer Gleichberechtigung im Wege, weil die meisten, die aufgrund irgendwelcher Eigenschaften diskriminiert werden, eigentlich nur als normal wahrgenommen werden wollen.

    Und normal ist, dass man Wurst dann auch ebenso kritisiert, wie überzogene Machos oder dumme Blondinen, die in der selben medialen Liga spielen und ähnliche Mittel der Selbstinszenierung wählen.

    Aber wenn Sie dieses Konzept der Gleichbehandlung bislang nicht verstanden haben, werde ich es Ihnen auch nicht mehr vermitteln können, weshalb ich die Diskussion mit Ihnen an diesem Punkt beende.

    Nur ein Denkanstoß noch: So wie es Jubel gibt, schäumt bei den Rechten gerade die Homophobie. Die Lager waren klar verteilt und die Grenzen werden sich durch Wurst auch nicht sonderlich verschieben.

    Was bleibt, ist die Show und genau diese kritisiere ich.

  93. 93
    Neha says:

    @ Bluesmaker (#83/ # 95)

    Der von Ihnen so gebrandmarkte „Zirkus“ ESC macht Zehntausenden von Menschen sehr viel Spaß. Wenn Sie nicht dazugehören wollen… prima. Sie wirken allerdings so, als ob Sie den erzieherischen Auftrag verspüren würden, diesen Menschen mit aller Gewalt den Spaß auszutreiben.

    Unter den Schwulen/ Lesben in meinem Freundeskreis hat sich bisher keine(r) darüber beklagt von Conchita vertreten worden zu sein, im Gegenteil. Viele Hetero-Männer in meinem Freundeskreis packt allerdings das Entsetzen beim Anblick eines als Frau geschminkten Mannes im Abendkleid mit langen Haaren und Bart. Bei heterosexuellen Männern scheint Conchitas Anblick Urängste auszulösen.

    Ich glaube nicht, dass Sie Conchita Wurst ablehnen, weil sie ein, wie Sie es sagen, Kunstprodukt ist, sondern ich nehme an, dass auch bei Ihrer Ablehnung des von Ihnen so genannten Kunstproduktes, diese Ängste eine große Rolle spielen. Denn wenn Sie Musik so lieben, wie Sie vorgeben, kann es Ihnen nicht entgangen sein, dass der Song gut war und dass das „Kunstprodukt“ tatsächlich auch gut singen kann.

    Es ist übrigens nicht notwendig zu Dana International zurückzublicken, ich dachte bei Conchitas Auftritt sofort an Verka Serduchka, Travestiekünstler aus der Ukraine (!) der beim ESC 2007 mit „Dancing Lasha Tumbai“ auf Platz zwei (!) kam. http://www.youtube.com/watch?v=hfjHJneVonE

    Diesen Künstler als Clown abzutun, fiel angesichts seiner Aufmachung leicht, es fühlte sich daher Niemand bedroht oder provoziert. Bei der näheren Beschäftigung mit Verka Serduchkas Werdegang vor und nach ihrem Erfolg von 2007, wird jedoch schnell klar, dass sie nicht nur witzig-, sondern durchaus auch politisch ist. In Russland darf sie übrigens nicht mehr auftreten…Außerdem erlaube ich mir noch an das „Kunstprodukt“ Boy George zu erinnern… hat er bei seinem Karrierestart Ablehnung erfahren, weil er ein „Kunstprodukt“ ist? – Es tut mir leid, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei Ihrer Ablehnung des „Kunstproduktes“ Conchita Wurst eine latente Homophobie im Spiel ist, die Ihnen (das halte ich Ihnen gerne zugute!) vielleicht selbst nicht bewusst ist.

    Das betrifft sowieso nicht nur Sie, sondern sehr viele andere Hetero-Männer, die Conchita Wurst mit ganz weit hergeholten pseudo-rationalen Argumenten, als untalentiert und Ihres Erfolges „unwürdig“ geißeln. Es wäre erfreulich, wenn der Eine oder Andere, der auf diese Weise „argumentiert“ Inne halten – und mal ein wenig nachdenken würde, ob er denn dem bösen „Kunstprodukt“ tatsächlich überlegen ist. Wenn die Antwort auf diese Frage „ja“ lautet, dann würde ich gerne wissen. „was bitte, macht Ihre Überlegenheit aus?“

  94. 94
    o aus h says:

    @Brösel, #80: Um den Grand Prix „nationenunabhängig“ zu bekommen, könnte man ganz einfach abschaffen, dass jedes Land ein Lied schickt, sondern länderunabhängige Teams länderunabhängige Lieder schaffen. Dann wäre es aber gerade nicht mehr der Nationenkampf, der die Mobilisierung gerade erst schafft. Vermutlich eventuell wäre es eine Veranstaltung mit mehr musikalischer Qualität. Und weniger Zuschauer als jetzt Jurymitglieder.
    @Stephan, #40: Die Sprache der Titel ist seit 1999 wieder freigegeben – in den sieben Jahrgängen davor hatte vier mal Irland plus einmal Großbritannien gewonnen, dazu der fast wortlose Titel „Nocturne“ aus Norwegen und das mit zumindest international verständlichem Refrain „Viva la Diva“ aus Israel. Daher war die Konsequenz nur logisch und m.E. verständlich: wenn sowieso dauernd was englischsprachiges gewinnt, sollte die Siegchance nicht auf UK und IRL beschränkt bleiben (zumal die Iren eh allmählich keine Lust mehr hatten :-)
    Aber mir kam gerade eine neue, völlig unrealistische Idee: Alle singen in der selben Sprache, in der Landessprache (einer der Landessprachen) des Austragungslandes, alternativ wäre höchstens Latein oder Esperanto erlaubt …

  95. 95
    BN Det says:

    @j.

    deine meinung ist mir wurst

  96. 96
    o aus h says:

    @Bluesmaker, 98: Irgendwie verstehe ich immer noch nicht, was Sie eigentlich wollen. Die Eurovision ist eine Megashow, insofern hat eine Showfigur wie Conchita Wurst alles recht dort zu performen. Ja, das Leben ist nicht (nur) Show; ja, die Betonköpfe weltweit, die mit solch’ einer Performance den Untergang des Abendlandes eintreffen sehen, werden sich nicht eines besseren belehren lassen, wenn genau dieser Act mit erstaunlicher Einmütigkeit durch ganz Europa bei den Zuschauern abräumt. Und trotzdem – wenn Tom Neuwirth im dunklen Nadelstreifenanzug und „männlicher“ Frisur (whatever the funk that may be) aufgetreten wäre, wäre doch noch viel weniger passiert. Der russische Kommentator hätte seinen Zuschauern bestimmt nicht erklärt, dass dieser Sänger sich zu Hause für die LGBT*I- oder sonst eine Emanzipation einsetzt. Und dann hätte der russische Zuschauer sich nicht einmal ein „Huch, solche Leute gibt es auch“ denken können.

  97. 97
    Jan says:

    @101 – Latein fände ich eine großartige Idee! :D
    Würde noch altgriechisch erlauben, ggf. auch noch klingonisch und elbisch (aber nur hochelbisch (Quenya), nicht das moderne elbisch (Sindarin))

  98. 98
    Narf says:

    @Neha/87
    Ihr Ironiedetektor ist kaputt und sie haben meinen zweiten Beitrag nicht gelesen, ihre Antwort läuft somit völlig fehl und aus dem Ruder.
    Also noch mal langsam zum mitschreiben und unironisch:
    1. Die Situation in Russland ist schon lange so.
    2. Hat die letzten Jahre deswegen irgendjemand beim ESC Russland ausgebuht? Nö!
    3. Schlussfolgerung: Es liegt hauptsächlich an der „Der Iwan ist böse“ Sau, die gerade durchs Mediendorf getrieben wird, dass die Leute dort völlig unreflektiert rumgebuht haben.

  99. 99
    Sigmund says:

    Mich kotzt die Verlogenheit an.
    Da redet man jetzt über all von „Toleranz“ prangert den „Hass“ gegen Minderheiten an, aber Hass gegen Russen – das ist natürlich kein Problem. Der russische Beitrag wurde ausgebuht, dabei gibt es auch in anderen osteuropäischen Ländern genug Homophobie. Aber die ist irrelevant, nur die in dem Land, welches gerade zum neuen Antichrist gewählt wurde (mit 99 % der Stimmen), ist wichtig.
    Wurde auch der ukrainische Beitrag ausgebuht? Ihr wißt schon, der aus dem Land, in dem die „Freiheits-„Partei in der Regierung ist. Welche die Ukraine „frei“ haben möchte. Also frei von Russen, Juden, Ausländern und aus „westlichen Liberalismus hervorgegangenen sexuellen Perversionen“.

    Davon abgesehen, wenn man sich Stefans Tabelle ansieht, haben die Russen den Wurst-Beitrag doch gar nicht schlecht bewertet. Aber darum geht es ja auch gar nicht.
    Man kämpft hier gegen das eine Ressentiment – und pflegt das andere.

    Ich hab den Eindruck, das der CW-Hype auch eine Form von Ausgrenzung ist: Guckt mal her, ich bin ja sowas von tolerant und liberal – anders als die versoffenen Muschiks dort in der Ostukraine.

  100. 100
    Stefan Niggemeier says:

    @Sigmund: Ungefähr in jedem Artikel über die Show, den ich gelesen habe, wurden die Buh-Rufe für die russischen Sängerinnen verurteilt.

  101. 101
    Sigmund says:

    Danke für die Info, ich hab das (wie jedes Jahr) nicht gesehen. Es war mehr eine Meta-Betrachtung.

    Aber wäre das nicht ein Fall für den Bildblog: Sonst beschwert sich „Die Zeitung“ immer über ostmafiöse Punktevergabe, und jetzt fordert sie exakt das Gegenteil?

    Und ganz grundsätzlich: Die Beschwerden über die abweichende Stimmabgabe ethnischer Minderheiten und Einwanderer verstehe ich nicht. Soweit ich weiß leben z.B. in Grossbritannien viel mehr Engländer als Polen. Wenn die letzteren einfach eine höhere Wahlbeteiligung haben als die ersteren, ist das nicht die Schuld der letzteren.

  102. 102
    gebimmel says:

    @107: ich finde, die Annahme, dass die Buh-Rufe weniger den Sängerinnen als Russland selbst galten, doch recht naheliegend. Im Zweifel waren es auch Buh-Rufe gegen die Verfolgung von Homosexuellen. Erst die Aussage von Putin in Sotchi („Schwule sollen sich bei den Olympischen Spielen in Sotschi wohlfühlen. Aber bitte, lasst unsere Kinder in Ruhe!“), dann die Initiativen gegen den Auftritt von Frau Wurst. Und schlussendlich die Angst vor einem Krieg in der Ukraine. Da kommt schon was zusammen. Vielleicht hätte ich auch gebuht.

  103. 103
    Susanne says:

    Tatsache, dass der ESC hier unglaublich die Gemüter erhitzt, macht mich glauben, dass er wohl doch eine größere Bedeutung hat als ich bisher dachte. Offenbar werden da grundlegende Stimmungen sichtbar. Finde das sehr interessant, denke aber gerade deswegen, dass man sich die Jurys sparen könnte. Wenn schon Barometer für allerlei Befindlichkeiten, dann wenigstens richtig…

  104. 104
    BlueKO says:

    Damit jetzt auch dieser Kommentarspalte endlich da ankommt, wo sonst alle Kommentare ganz unweigerlich landen: dem anderen Österreicher mit komischem Bart.

    Spiegel Online betitelt seine Presseschau zum Thema gerade mit einer Variante der alten BILD-Schlagzeile: „Wir sind Wurst“

    Da reicht wohl ein teutscher ESC-Sieg in 10 Jahren noch nicht. Es muss auch noch mal schnell Österreich wieder angegliedert werden… Mann, mann, man…

  105. 105
    Sigmund says:

    @ gebimmel?
    Sind die Beiden Staatssekretäre in der russischen Regierung? Nein? Also warum ausbuhen?
    Wenn der israelische Künstler regelmäßig – stellvertretend für ihre Regierung- ausgebuht würden, wär das auch in Ordnung?
    Und wenn Homophobie der Grund ist, müssten dann nicht auch andere osteuropäische Beiträge ausgebuht werden. Auch und spezielle der ukrainische? Fragen über Fragen.

  106. 106
    Hans Wurst says:

    Mit Musik hat diese alljährliche Show schon lange nix mehr zu tun. Ob CW allen anderen Drag Queens & Homosexuellen ect. einen Gefallen getan hat wird sich zeigen.
    Rein musikalisch waren mindestens 6, 7 andere Beiträge besser. Die Buh-Rufe wenn es um Russland ging waren ebenso daneben wie intolerante Bemerkungen an die Adresse von CW. Wie sich die russischen Zwillinge gefühlt haben müssen … daran haben diese Blöker auch nicht gedacht.
    Es war von Anfang bis Ende eine politische Show, eigentlich schade, da es doch einige interessante Acts gab.
    Und jetzt jeden zu verurteilen der diese Siegerin, oder auch Sieger kritisiert lässt auch tief blicken.

  107. 107
    Ospero says:

    @115: Verraten Sie mir bitte, wann es beim ESC jemals nur und ausschließlich um die Musik ging? Ihre Aussage impliziert, dass es eine solche Zeit gegeben haben muss, und als jemand, der unter anderem den ESC von 1958 gesehen hat, zerbreche ich mir den Kopf, wann das gewesen sein könnte. 1956?

  108. 108
    Bluesmaker says:

    @ neha

    Das Lesen der Boulevardpresse bereitet ebenfalls vielen Menschen Spaß und dennoch gibt es (glücklicherweise) viele Stimmen, die diesen Umstand kritisieren.

    Das Argument, dass Homophobie auch das Produkt unterdrückter homosexuellen Neigungen sein kann, habe ich selbst schon Menschen an den Kopf geworfen – nur haben die sich dann auch tatsächlich schwulenfeindlich geäußert.
    Dass es offensichtlich schon reicht, einen schwulen Transvestiten und/oder Travestiekünstler samt ESC zu kritisieren, um derartige Küchentischpsychologie zu beschwören, erachte ich als lehrreich, weil ich selbige künftig wohl besser dort lasse, wo sie hingehört und es stattdessen lieber mit sachbezogenen Argumenten versuchen werde.

    Dass die ja durchaus aus der Schwulenbewegung stammende These, dass Medien ein überzogen schrilles Bild von Homosexuellen zeichnen, wiederum auch als Homophobie gedeutet werden kann, finde ich ebenso spannend und lehrreich.
    Wenn der positive Hype um Wurst abklingt, die Klischees bei BILD & Co. jedoch bleiben, bitte konsequent sein und das alles ganz toll finden, denn wer auf dem Boulevard Klischees sät, wird vorurteilsbehaftete Schlagzeilen ernten.

    Dass Conchita Wurst gut gesungen hat, mag ja stimmen. Die Frage ist nur, ob Herr Neuwirth ohne schrilles Outfit und entsprechender Symbolik gewonnen hätte und genau diesen Punkt kritisiere ich als Musikliebhaber. Die Musik hat beim ESC noch nie im Vordergrund gestanden – was auch für alle anderen mir bislang bekannten Contest-Verantaltungen gilt.

    Wenn Ihnen das Hintergrundwissen zur Thematik fehlt, empfehle ich Ihnen das Buch „Das Geschäft mit der Musik“, von Berthold Seliger.
    Wenn Sie erfahren wollen, welche negativen Auswirkungen derartige Veranstaltungen in Verbindung mit den Boulevardmedien haben, lesen Sie diverse Artikel die sich kritisch mit DSDS und der medialen Berichterstattung befassen.

    Sie werden erstaunt sein, dass nun ausgerechnet jene Medien genau das Spektakel veranstalten, das sie bei DSDS und Boulevardmedien kritisiert haben und das alles, weil ein schwuler Mann in Frauenkleidern und mit aufgemaltem Bart gut singen kann.

    Spiegel Online schlägt Conchita Wurst süffisant als nächstes Bond-Girl vor, während Wagner von der BILD feststellt, dass er keine bärtigen Frauen küsst und in Russland verklären rechte Politiker Wurst zum Sinnbild des westlichen Gayropas.

    Na da können wir ja froh sein, dass die Wurst tapfer gegen die Macher derartiger Diskriminierungen ansingt…

  109. 109
    Bluesmaker says:

    @ o aus h

    Kurz für Sie zusammengefasst: Ich halte es für fragwürdig, wenn Gesellschaftskritik, politischer Aktivismus und Charity kommerzialisiert und trivialisiert werden und der eigentliche Lösungsansatz dadurch zum Teil des Problems wird.

  110. 110
    Jona says:

    ui hab diesen eintrag erst jetzt gefunden, aber diese Unausgeglichenheit hab ich auch sehr spannend gefunden und hab eine interaktive Karte von den Daten gemacht… http://jonahoier.net/vbe2014/

    lg jona

  111. 111
    o aus h says:

    @Bluesmaker, 118: Das kann ich zwar nachvollziehen – ich sehe es nur umgekehrt: Der Grand Prix ist niemals Gesellschaftskritik, noch politischer Aktivismus noch Charity gewesen. Das heißt aber eben auch nicht, dass man ihn zum Schutzraum erklären dürfte, in dem nichts stattzufinden hätte, was auch nur unter dem leisesten Diskussions- oder gar Disputsverdacht steht. Dort wie in jedem anderen Bereich der Gesellschaft darf und soll auch die ganze Bandbreite der Gesellschaft abgebildet werden, damit gerade keine „Parallelgesellschaft“ überbleibt, die dann wieder behaupten könnte, „was haben solche Menschen überhaupt in der Öffentlichkeit [so weit ich sie sehen will] zu suchen?“

  112. 112
    xxx says:

    Die Toleranzinterpretation halte ich für schwer übertrieben, trotzdem bleibe ich mal dabei:

    Deutschlands Jury hat Conchita Wurst von den westlichorientierten Ländern laut der Tabelle mit am schlechtesten bewertet, schlechter urteilten nur noch die Jurys aus dem so genannten homophoben Osten Europas. Das Publikum war durchweg begeistert, wobei man nicht mehr beurteilen kann, ob es das Lied, der Gesang, die Inszenierung, die Travestie oder der Bart war.

    Fest steht aber aus meiner Sicht, dass _ohne_ den Bart der ESC 2015 im Ahoy Rotterdam stattgefunden hätte.

  113. 113
    Lars says:

    Eine Jury aus 5 Leuten ist nicht repräsentativ, kann nie repräsentativ sein, ganz gleich welche Mühen man sich mit der Zusammensetzung gibt. Daher kann eine solche Jury ganz leicht deutlich vom Televoting abweichen. Außerdem: Sie soll ja auch gar nicht repräsentativ sein, sondern eine Expertenjury. Das stimmt auch, jedenfalls haben alle 5 irgendwie etwas mit Musik zu tun. Als Musikfachleute können schon daher ihre Auswahlskriterien ganz andere sein, als die der Fernsehzuschauer, die mehrheitlich von der musikalisch-technischen Seite keinen Schimmer haben und nur auf ihren Geschmack angewiesen sind.

    Wer weiß: vielleicht. fanden sie es ja gerade musikalisch beeindruckend, wie dreist Dänemark aus dem uralten „You to me are everything“ einen „neuen“ Titel gemacht haben.

  114. 114
    Stephan says:

    @Robert #62

    “ ein überwältigendes Zeichen europaweiter Toleranz und Solidarität gegenüber Homosexuellen, die vor allem in Russland diskriminiert und verfolgt werden. “

    Die Toleranz in den USA bezüglich Homosexuellen ist auch noch sehr entwicklungsfähig:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Anerkennung_gleichgeschlechtlicher_Partnerschaften_in_den_Vereinigten_Staaten

    gut zu sehen bei dieser Grafik:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Samesex_marriage_in_USA.svg

    Und vom immer noch vorhandenen Rassismus gegen Schwarze oder Lateinamerikaner in den USA rede ich lieber erst gar nicht.

  115. 115
    Stephan says:

    @Neha
    „sondern mit der steinzeitlichen Schwulen-Politik in Putins Russland. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass diese Politik für Schwule/Lesben in Russland lebensgefährlich ist. “

    In Russland wurde letztes Jahr nicht die Homosexualität verboten, sondern nur quasi die Werbung für Homosexualität bzw. die Werbung dafür, dass Homosexualität etwas Normales sei und das ist sie definitiv nicht, auch wenn es im Tierreich auch zu diversen Abwandlungen von weiblichen und männlichen Tieren bzw. Sexualität zwischen männlichen und weiblichen Tieren kommt. Man denke nur an den Regenwurm. Menschen werden nach wie vor als Mann und Frau geboren, aber gut vielleicht ist das Dank Gentechnik und Elektronik in 100 Jahren oder so dann anders.

    „Das keine Übertreibung, weil potentielle physische Attacken auf Schwule/Lesben … wegen der neuen Gesetzgebung, nicht geahndet würden, sofern sich die Opfer „provokant“ verhalten, „Schwulen Propaganda“ ist ja gesetzlich verboten. “

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass in Russland Körperverletzung nach wie vor als Körperverletzung bestraft wird, egal wer Opfer und Täter sind. Übrigens ist auch in Deutschland die Störung der Religionsausübung mit bis zu mehreren Jahren Gefängnis strafbar.

    „Es bestand allerdings auch schon vor Putins neuer Homosexuellen-Gesetzgebung Gefahr für Leib und Leben, wenn sich Schwule/ Lesben öffentlich zu ihrer Sexualität bekannten. “

    Es ist nach wie vor in den USA Minderheiten nicht zu raten sich mit Polizisten anzulegen.

    „Ich denke die Empörung über die unmenschliche Haltung Schwulen/Lesben gegenüber hat sich im ESC-Finale kollektiv Bahn gebrochen.“

    Gab es eigentlich auch eine Empörung über die vielen Toten in der Ukraine, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum großen Teil auf die Machenschaften diverser westlicher Dienste zurückzuführen sind? Ich sage nur orangene Revolution. Das hier ist ja ein Medienblog, der sich auch um die Wahrheit in den Medien kümmert. Deswegen sollte der folgende Link weit verbreitet werden (wie wurde die Regierung Janukowitsch wirklich abgesetzt):
    http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2014/03/ukraine-die-kernluge-von-der-legitimen.html

    Aus Deinem verlinkten Stern-Artikel über die Ausschreitungen im Jahr 2007:
    „Während einer Kundgebung für die Rechte von Schwulen und Lesben kam es zu Angriffen von Orthodoxen, Neonazis und Polizisten. “

    Wer sich mit Russland auskennt, der weiß das eine solche Aktion mindestens in einer Schlägerei ausarten muss. Aber jeder soll schließlich andere provozieren können, weil das zur Meinungsfreiheit gehört, oder wie muss man das verstehen?
    Es ist auch heute noch in Nordirland nicht empfehlenswert durch bestimmte Gegenden eine katholische Prozession zu führen. Wer aber Gewalt schüren will, macht genau dies.

    „Das ist nicht nur schade, sondern falsch und muss sich dringend ändern, denn die russische Schwulen-Politik ist nicht als „peanuts“ abzutun.“

    Werden die Schwulen in Russland auch wie angebliche Islamisten z.B. im souveränen Staat Pakistan mit Hilfe freitheitlicher amerikanischer Drohnen ohne Festnahme oder gar Gerichtsverfahren ermordet?

  116. 116
    Stephan says:

    @Sigmund
    “ Soweit ich weiß leben z.B. in Grossbritannien viel mehr Engländer als Polen. Wenn die letzteren einfach eine höhere Wahlbeteiligung haben als die ersteren, ist das nicht die Schuld der letzteren.“

    Stimmt! Guter Punkt.

  117. 117
    Stephan says:

    @o aus h

    Ich habe mir seit ca. 2003 kaum mehr einen ESC angeschaut, komplett glaube ich gar nicht mehr. Damals gewann Sertab Erner aus der Türkei mit dem Titel „Everyway that i can“. Ihr Auftritt war wirklich sensationell, weil sie völlig aus sich herausgegangen ist, um dieses Lied zu singen. Das Tüpfelchen auf dem i wäre aber gewesen, wenn sie das Lied in türkisch gesungen hätte. Erstens weil die Melodie sich eindeutig an orientalischen Klängen orientiert hat und zweitens weil man trotz ihres guten Englischs gemerkt hat, dass dies nicht ihre Muttersprache ist.

    Vor zwei Jahren wurde ein Titel aus Brasilien im Radio rauf und runter gespielt. Die Sprache war Brasilianisch/Portugiesisch. D.h. es spielt anscheinend nicht so eine wichtige Rolle welche Sprache ein Lied hat. Sind eigentlich die Hits in den anderen europäischen Ländern alle so schlecht, dass sie nicht in Deutschland gespielt werden können?
    Oder ich denke an das Liede

    „wenn sowieso dauernd was englischsprachiges gewinnt, sollte die Siegchance nicht auf UK und IRL beschränkt bleiben (zumal die Iren eh allmählich keine Lust mehr hatten :-)“

    Wie ist das eigentlich in anderen europäischen Ländern mit dem Anteil englischsprachiger Lieder im Radio? Von Frankreich weiß ich, dass es seit einigen Jahren eine Quote für französische Lieder im Radio gibt (ich glaube 30%). In Spanien kommt/kam in den üblichen Pop-Radios, zumindestens im Sommer, auch meistens englische Musik.
    Frankreich war beim Grand Prix bis 1978 sehr erfolgreich: Jede Menge erste, zweite und dritte Plätze. Allerdings war das letzte Mal auf dem Treppchen im Jahr 1991.
    Wenn ein Mann wie Gunter Gabriel ein Liebeslied über Deutschland singt („Deutschland ist …“), wird er von der Medienmacht stante pede in die rechte Ecke bugsiert und das Lied auf den Index gesetzt. Und da fragen sich Menschen aus anderen Ländern wie z.B. aus den Niederlanden warum wir Deutschen eigentlich so wenig singen – das habe ich selber mal erlebt bei einem Urlaub mit Niederländern, die ich nicht kannte, in Griechenland im Sommer 2000.

    Von mir aus kann man das gerne auch so machen, dass nur noch englische Lieder im Radio gespielt werden, wenn schon denn schon. Deutsche Schlager und Hits kann man dann noch auf verschiedenen freien Radios hören, von denen es noch ein paar in Deutschland gibt.
    Wie heißt eigentlich noch mal der Ohrwurm vom Balkan(? Rumänien?)? Irgendwas mit „Hallo“, gesungen von einem Mann und einer Frau auf bosnisch, serbisch oder auch rumänisch, der vor ca. acht, neun Jahren dauernd im Radio lief?

  118. 118
    o aus h says:

    @Stephan, 126:

    Vor zwei Jahren wurde ein Titel aus Brasilien im Radio rauf und runter gespielt. Die Sprache war Brasilianisch/Portugiesisch. D.h. es spielt anscheinend nicht so eine wichtige Rolle welche Sprache ein Lied hat.

    Ich will gar nicht bestreiten, dass auch nicht-englische Lieder erfolgreich sein können. Nur zeigt die Statistik der genannten Jahre, dass die Nummer 1 zu 70% auf Englisch gesungen wurde. Anscheinend stimmen mehr Leute für einen englischsprachigen Titel; ich vermute, weil sie zumindest glauben, den Inhalt verstanden zu haben. Wie heißt es auch über politische Wahlen: Es muss Dir nicht jeder zustimmen, solange Du die qualifizierte Mehrheit gewinnst.
    Und Frankreich hat bestimmt keine 30%-Quote eingeführt, weil zu viel Französisch gespielt wurde.

    Wie heißt eigentlich noch mal der Ohrwurm vom Balkan(? Rumänien?)? Irgendwas mit „Hallo“, gesungen von einem Mann und einer Frau auf bosnisch, serbisch oder auch rumänisch, der vor ca. acht, neun Jahren dauernd im Radio lief?

    Keine Ahnung – Texte und Titel in Sprachen, die ich nicht spreche, kann ich mir schlechter merken … oh, das passt ja auch zur Frage. :-)

  119. 119
    o aus h says:

    (Nachtrag: Der Tag ‹ cite › unterscheidet sich nicht in der Darstellung vom Rest des Textes …

  120. 120
    Stefan Niggemeier says:

    @o aus h: Ja, da muss ich nochmal ans CSS. Ich hab’s jetzt einfach mal durch ein Blockquote ersetzt.

  121. 121
    Horst says:

    @Neha #84
    „@Robert (# 62 ) Der Deutschlandfunk-Artikel ist in der Tat schockierend, klingt nahezu paranoid. (Er würde wohl Sarrazin und Pirincci gefallen.)“

    Kann nicht verwundern, ist doch dieser Burkhard Müller-Ullrich von der unsäglichen „Achse des Guten“ Die waren schon immer kompatibel mit allem was reaktionär riecht.

  122. 122
    DL2MCD says:

    ESC? Is‘ mir Wurst! :D

  123. 123
    Stephan says:

    @o aus h
    „Und Frankreich hat bestimmt keine 30%-Quote eingeführt, weil zu viel Französisch gespielt wurde. “

    Nein, die Quote wurde eingeführt weil zu viel in Englisch gesungen wurde. Immer dieser Nationalismus, tststs. Die Menschen können ja gefälligst Englisch lernen, wenn sie es nicht verstehen. ZAZ kann kein Englisch und ist trotzdem extrem erfolgreich.

    Jetzt habe ich wieder das Lied gefunden, das ich gemeint hatte:

    Dragostea Din Tei, auch als Numa-Numa-Song bekannt, von der moldawischen Pop-Gruppe O-Zone. Die noch bessere Cover-Version war von Haiducii

    Haiducii – Dragostea Din Tei
    http://www.youtube.com/watch?v=MhuTaD-B4qs

    Falls einem das spanisch vorkommt: Es ist rumänisch. Das Lied stammt also aus einem ziemlich schlimmen Teil der Welt, da wo diese ganzen Diktatoren und sonstigen Kreaturen herkommen, so Draculas, Bushs, Obamas oder Cheneys. Wo man eigentlich nur mit einem fahrbaren Kruzifix wirklich heil wieder aus diesen Ländern rauskommt.
    Und trotzdem räumte das Lied im Jahr 2004 auf der ganzen Welt ab: 14 Wochen Platz 1 in Deutschland, 32 Wochen in den Charts, Schweiz Platz 1 (39 Wo.), Frankreich Platz 1 (30 Wo.), Österreich Platz 1 (41 Wo.), Irland Platz 1 (25 Wo.), Portugal Platz 1 (20 Wo.), Russland Platz 1 (16 Wo.), USA immerhin Platz 72 in den Charts ( http://de.wikipedia.org/wiki/Dragostea_din_tei ).

    Selbst in hiesigen Altersheimen war dieses Lied wohl ein Knaller. ;-)

    So vielen Menschen, die vermutlich alle den Text nicht kannten, hatte das Lied gefallen. Meiner Meinung nach haben die Musikmacher aus nicht-englischsprachigen Ländern, die meinen einem Interpreten aus rein finanziellen Gründen einen englischen Song aufs Auge drücken zu müssen, entweder keine Phantasie oder sind zu faul ein wirklich gutes Lied zu komponieren.

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