Eine besonders irreführende Art, die Opfer des Gaza-Krieges darzustellen

06 Aug 14
6. August 2014

Auf „Spiegel Online“ steht ein Diagramm, das illustrieren soll, wie sich die Zahl der Todesopfer im gegenwärtigen Gaza-Krieg entwickelt hat. Die Redaktion hat die vermutlich abwegigste Art gewählt, diese Entwicklung darzustellen.

Wenn Sie mal schauen mögen:

Darauf muss man erst einmal kommen. „Spiegel Online“ zeigt nicht die wachsende Gesamtzahl der Opfer. „Spiegel Online“ zeigt auch nicht den täglichen Zuwachs an Opfern in absoluten Zahlen. „Spiegel Online“ zeigt, um wie viel Prozent die Zahl der Opfer an diesem Tag im Vergleich zur bisherigen Gesamtzahl angestiegen ist.

Das ist aus mehreren Gründen eine sehr schlechte Idee. Es reduziert einzelne Opfer auf eine Prozentzahl, auf einen bloßen Anteil an einer Gesamtzahl. Es ist weder intuitiv verständlich noch anschaulich. Vor allem aber vermittelt es einen völlig falschen Eindruck vom Verlauf dieses Krieges.

Auf den ersten Blick (und ich würde wetten, für die meisten Betrachter auch auf den zweiten oder dritten) sieht es so aus, als ob der Krieg mit fortschreitender Dauer weniger tödlich wurde. Denn die Balken werden, grob gesagt, nach unten immer kürzer.

Das liegt aber daran, dass die Bezugsgröße jedes Balkens immer größer wird. Ein Zuwachs entspricht einem immer kleineren Prozentsatz, weil die Gesamtzahl der Opfer immer weiter ansteigt. Der relativ kurze Balken ganz unten steht für 193 Tote. Der lange Balken ganz oben steht für 34 Tote.

Würde man nicht den prozentualen Zuwachs zeigen, sondern den absoluten Zuwachs, also schlicht: wie viele Menschenleben der Krieg an jedem Tag gekostet hat, ergäbe sich ein ganz anderes Bild:

Der blutigste Tag war der letzte in der Grafik. Aufgrund der „Spiegel Online“-Darstellung würde man das nicht erahnen.

[mit Dank an BILDblog-Leser Johann H.]

Nachtrag, 7. August. „Spiegel Online“ hat mit einem Eintrag im „Datenlese“-Blog reagiert, der einräumt, dass sich „der Informationsgehalt der Grafik nicht ganz intuitiv erfassen“ lasse. Eine nachvollziehbare Erklärung für die bizarre Darstellung enthält er nicht.

92 Gedanken
  1. 1
    JMK says:

    auch wenn SPON die absoluten Zahlen als Grundlage gewählt hätte, es bliebe unangemessen. Liest sich ja wie Aktienkurse.

  2. 2
    Uli says:

    „Auf den ersten Blick (und ich würde wetten, für die meisten Betrachter auch auf den zweiten oder dritten) sieht es so aus, als ob der Krieg mit fortschreitender Dauer weniger tödlich wurde.“

    Ein Schelm wer hier Absicht vermutet… Mit solchen Aktionen befeuert man denke ich allerlei Verschwörungstheorien und eine allgemeine „Medienverdrossenheit“ frei nach den Motto „die belügen uns doch eh alle und verdrehen die Fakten so wie sie es brauchen“. Wenn ich mir die jüngsten Ereignisse rund um vermeintliche „Studien“ oder Umfragen so ansehe, fällt es immer schwerer da entschieden zu widersprechen.

  3. 3
    Horst says:

    Diese absurde Darstellung war mir auch schon aufgestoßen.
    Wie eine Aufgabe aus dem ersten Smester BWL: Stellen sie diese Zahlenreihe möglichst so dar, dass der Leser/Kunde genau das Gegenteil schlussfolgert!

  4. 4
    Jochen says:

    Warum?
    Durchgedrehte Grafiker oder Meinungsmanipulateure?

  5. 5
    Frank Behrens says:

    Eine absurde Darstellung. Doch Tote durch Balkendiagramme zu erfassen, halte ich grundsätzlich für keine gute Idee.

  6. 6
    Mirco says:

    Auch so verwirrend. Ruhige Tage erscheinen blutig, weil man an diesen Gelegenheit hatte die Opfer unter den eingestürzten Trümmern zu bergen.

  7. 7
    meykosoft says:

    Mein stellenweise strittiges Balkendiagramm:
    http://bit.ly/1g5lXqD

    (etwas OT, ich weiß. Sorry)

  8. 8
    Pepito says:

    Jetzt hab ich ein Weilchen nachgedacht, ob es irgendeine halbwegs plausible Erklärung dafür geben könnte.
    Die beste, die mir einfiel war, dass womöglich gerade nur der Praktikant da war, der sonst im Wirtschaftsressort die Wachstumszahlen aufbereitet, und dass der vielleicht auch nur so eine Software bedienen kann, die absolute Zahlen in Mehr-als-beim-letzten-Zählen-Prozente umrechnet.
    Mit anderen Worten: keine.

  9. 9
    Harris says:

    zu #2

    und wo ist da die verschworungstheorie?

    man muss schon ganz schön verblendet sein um das nicht zu erkennen.
    Ja, es ist Propaganda, weil immer und immer wieder in jedem Krieg immer das selbe propagiert wird.
    Das hat nichts mit Verschwörung zu tun, sondern ist einfach: West-Medien haben immer Recht, solange sie der Gemeinschaft dienen.

    Weiter im Osten ist es genau umgekehrt, deswegen auch mal die chinesische und russische propaganda anschauen, denn zwischen ‚uns‘ und ‚denen‘ liegt oft mehr Wahrheit.

    Ich erwarte auch nichts mehr von Spegel und FAZ und SZ und was auch immer, weil sie immer nur eine Seite bearbeiten, den Rest lassen sie KOMPLETT wegfallen. Geht doch jedem mit bissl twitter-Erfahrung in paar Minuten auf..

  10. 10
    Dexter says:

    @jochen: Dummheit oder Boshaftigkeit? Diese Frage quält einen ja nicht nur bzgl. des Spiegels.

    Nun ist es aber leider so, dass Dummheit UND Boshaftigkeit häufig Hand in Hand daherkommen …

  11. 11
    Max says:

    >„Spiegel Online“ zeigt, um wie viel Prozent die Zahl der Opfer an diesem Tag im Vergleich zur bisherigen Gesamtzahl angestiegen ist.

    Eventuell kleinlich von der Ausdrucksweise her, aber müsste es nicht heißen: … um wie viel Prozent die Gesamtanzahl der Opfer einschließlich des betrachteten Tages im Vergleich zur bisherigen Gesamtzahl (also ohne den betrachteten, aktuellen Tag) angestiegen ist?

    Ich hatte die Bildunterschrift der Spiegel-Grafik erhlich gesagt auf eine weitere, andere Art und Weise verstanden: Das „im Vergleich zum Vortrag“ hatte ich so verstanden, dass sich die Prozentzahlen nur auf die Anzahl der Opfer beziehen, die es am vorherigen Tag zu verzeichnen gab.

    Fakeedit: Jetzt bin ich komplett verwirrt – wenn die Prozentzahlen für jeden Tag positiv sind, müssten dann nicht die Längen der Balken im 2. Diagramm mit jedem Tag zunehmen?

  12. 12
    Stefan Niggemeier says:

    @Max: Nein.

    Das zweite Diagramm zeigt die Toten an jedem einzelnen Tag; nicht kumuliert.

  13. 13
    Wir says:

    @5 Frank Behrens:
    Was spricht denn grundsätzlich dagegen tote in Balkendiagrammen darzustellen. Eine Grafik wie http://fagri.de/wp-content/uploads/2011/05/Todesursachen-Diagramm2.jpg ist doch durchaus hilfreich bei der Überlegung ob man lieber das rauchen verbieten sollte oder das mitnehmen von Schampoofläschchen im Handegepäck. Menschen sterben nun einmal, der Tod gehört einfach zum Leben dazu.
    Das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht alles menschenmögliche tun sollte um das sinnlose Blutvergießen im nahen Osten und überall in der Welt zu beenden.

  14. 14
    Stanz says:

    Lieber Herr Niggemeier: Ja, die Grafik ist bekloppt. Aber teilen sie die Ansicht von #2, dass es sich um eine bewusste Irreführung handelt in der Absicht, die Bevölkerung zu manipulieren?

  15. 15
    Stefan Niggemeier says:

    @Stanz: Das behauptet #2 gar nicht.

    Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass „Spiegel Online“ sowas mit Absicht macht. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, wie sowas versehentlich passieren soll.

    Und nun?

  16. 16
    Kay Macke says:

    Klar ist das bewusste Irreführung, was sonst soll diese „Verklärung“ mit aufgehübschten Prozentzahlen. Die müssen die Leute ja wirklich für geistig minderbemittelt halten. Alles, um den „Ausflug nach Gaza“ – so würden unsere Leitartikler, dass doch am liebsten betiteln – moch weiter zu verharmlosen. Einige nennen es ein Massaker, was da abgeht. Und werden natürlich prompt mit der üblichen Diffamierungskeule bedient. Schwer, da nicht die Fassung zu verlieren.

  17. 17
    Kay Macke says:

    … weiß schon, warum ich das **Blatt seit der „Das Boot ist voll“-Zeit nicht mehr lese.

  18. 18
    Kay Macke says:

    Glenn Greenwald in einem Interview in der Huffington Post zum Thema (dass auch dieses merkwürdige „Spiegel-Balkendiagramm des Todes“ betrifft, wie ich das sehe:
    http://www.huffingtonpost.com/2014/08/04/glenn-greenwald-israel_n_5648822.html

  19. 19
    Stephan says:

    @Dexter

    „@jochen: Dummheit oder Boshaftigkeit? “
    Wenn man sich die folgende Geschichte anschaut, dann muss man eher auf letzteres tippen:

    DIE BANDBREITE: Offener Brief an die Redakteurin Christina Hebel vom Politikressort von Spiegel Online
    Veröffentlicht am 6. August 2014 von Hartmut Barth-Engelbart

    Liebe Christina Hebel,

    du hast mich vor geraumer Zeit telefonisch kontaktiert, um an „Informationen“ für einen Artikel zu kommen. Du hast dich am Telefon sehr nett angehört, doch was letztendlich dabei raus kam war ganz und gar nicht nett:

    spiegel.de/politik/deutschland/linken-spitzenkandidat-verteidigt-frauenverachtende-band-a-907808.html

    http://www.barth-engelbart.de/?p=11941

  20. 20
    Stephan says:

    Noch ein etwas OT-Artikel in dem es um das Vorgehen der Medien gegenüber Russland in einem unserer Nachbarländer geht. Komischerweise passiert dort in den großen Medien das gleiche wie bei uns:

    Offener Brief von Professor Cees Hamelink: “Entschuldigung Herr Putin!”
    von Andy Martin, am 04. Aug. 2014

    Sehr geehrter Herr Präsident Putin,

    hiermit möchten wir uns im Namen eines Teils niederländischer Bürger für unsere Regierung und unsere Medien entschuldigen.
    Wir wache Niederländer, die diese Propaganda der westlichen Medien und die Lügen unserer Politiker durchschauen und ablehnen, wollen uns hiermit bei Ihnen entschuldigen. Es ist leider so, dass unsere Medien jede Art gesunder und unabhängiger Kritik verloren haben, und nur berichten was die Politik vorschreibt.

    http://www.neopresse.com/politik/offener-brief-von-professor-cees-hamelink-entschuldigung-herr-putin/

  21. 21
    Kay Macke says:

    @Stephan
    Danke. Ich hatte die Niederländer schon fast abgeschrieben. Gut zu wissen.

    Peter Lavelle analysiert in „crosstalk“ die Russophobie in den westlichen Medien: http://rt.com/shows/crosstalk/175344-russians-western-negative/

  22. 22
    n4u says:

    Stefan Niggemeier says:
    7. August 2014 um s00:47

    > Und nun?

    Traurig, nicht wahr?

  23. 23
    Stefan Niggemeier says:

    @Stephan, Kay Macke: Weniger Off-Topic wäre mir lieber.

  24. 24
    Kay Macke says:

    @Stefan
    Greenwald und Lavelle fand ich jetzt gar nicht so OT – erklären sie doch explizit die Gründe warum dieses Balkendiagrammkonstrukt – wenn es denn geplant konzipiert wurde – enstanden ist.

  25. 25
    Stephan says:

    Protest gegen die Meinungsmache kann auch so gehen (nein ich meine nicht den Titel, die Redaktion der Neopresse hat den Artikel schon als nicht ihrer Meinung entsprechend kommentiert, sondern den Kommentar des Users Dirk) ;-) :

    Kommentar: Putin bittet den Westen, ihn am Arsch zu lecken
    Von Klaus Fürst – Am 06. Aug. 2014

    Kommentare

    Dirk 07.08.2014 um 00:16 – Antworten
    deshalb rufe ich alle Drucker Europas, die noch eine Rest von Anstand besitzen, dazu auf, die Druckmaschinen zu sabotieren (kommt von sabou – Holzschuhe, die die Holländer aus Protest gegen die Industrialisierung in die Maschinen warfen).
    Ich habe meine Maschine heute bereits dauerhaft “stillgelegt”, eine sehr bekannte Tageszeitung erscheint heute nicht bzw. nur in Notauflage. Das ist mein Protest gegen diese ganze Scheiße. Liebe Drucker, macht mit und stoppt das Ganze an der Basis.

    http://www.neopresse.com/medien/kommentar-putin-bittet-den-westen-ihn-am-arsch-zu-lecken/comment-page-2/#comments

  26. 26
    Stephan says:

    Okay jetzt On topic (die obigen Dinge fand ich einfach extrem wichtig, sorry):
    Diese Grafik mit den Prozentzahlen hatte ich gestern auch entdeckt. Gedacht habe ich mir auch gleich: Irgendwie haben die sie nicht mehr alle bei der Spiegel-Redaktion. Allerdings war mir diese extreme Relativierung durch den Bezug auf die wachsende absolute Anzahl der Todesopfer gar nicht so richtig bewusst.

  27. 27
    Pablo Polybius says:

    Props erstmal an Herrn Niggemeier, dass er sich nicht darin beirren lässt den Finger in die Wunde zu legen, wenn Journalisten und Redakteure Unfug verzapfen – wohl wissend, dass er sich dadurch in manchen Kreisen den Ruf eines Nestbeschmuzers einfängt.

    Ob nun SPON diese formal richtige und gleichzeitig irreführende Visualisierung kreiert hat um intentional einen falschen Eindruck bei der Leserschaft zu erzeugen, oder ob fehlende Kompetenz und widrige Umstände als Ursache auszumachen sind – diese Frage werden wir hier wohl nicht aufklären können.
    Es hinterlässt jedenfalls ein Gschmäckle, der mich an das kürzlich erschienene Essay von Christian Sievers in der FAZ erinnert. Der brachte dort seine Besorgnis zum Ausruck, dass die Bilder des Leidens in Gaza dazu geeignet seien, bei den Zuschauern und Lesern negative Gefühle gegenüber Israel zu entfachen. Dieser Problematisierungskontext, so schien es, verhält sich für Sievers wie eine Schablone, durch die er den Konflikt momentan mit besonderem Fokus wahrnimmt. Er hinterließ durch die vertretenen Positionen im Essay wohl nicht nur bei mir den Eindruck, dass er es als Teil seiner Berufung ansieht, den negativen Gefühlen, die anlässlich der Kriegshandlungen gegenüber Israel aufkeimen ein Stück weit gezielt entgegenzuwirken ohne dabei seine Aufgaben als neutraler Berichterstatter zu vernachlässigen.
    Man mag sein Anliegen als ehrbar bewerten. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Journalisten offen Partei ergreifen. Wenn jedoch, so wie bei Sievers, Agenda-getriebener Journalismus im weißen Gewand des nicht-Partei-ergreifenden Objektivismus daherkommt, dann geraten wir in ein ungutes Fahrwasser.
    In diesem Sinne ließt sich so mancher Artikel bei SPON und co. wie der Versuch, eine Berichterstattung nach bestem Wissen und Gewissen zu kombinieren mit dem Anliegen, Israel und seine politische Administration in den Köpfen der Leserschaft vor zuviel negativen Empfindungen zu schützen. Ob die Visualisierung des Sterbens in Gaza durch SPON nun als Fallbeispiel meiner Beobachtung gelten kann – das sei dahingestellt.

  28. 28
    Uli says:

    Ich sehe es so: Durch das Veröffentlichen bestenfalls nichts sagender Statistiken, das scheinbar gedankenlose „Nachjustieren“ von Umfragen oder das Nachplappern sehr zweifelhafter Studien macht man sich als Medium immer unglaubwürdiger. Zumal es um Themen von Krieg und Frieden geht, nicht um den jährlichen Gummibärenkonsum in Hessen.

    Dazu ein paar Tipps gegen Rheuma und Agenturmeldungen über Homer Simpsons Twitter Account, fertig ist der Eindruck von lauter „ehemaligen Nachrichtenmagazinen“.

  29. 29
    JUB 68 says:

    Ich habe den Artikel auf SPON gelesen, der über dem seltsamen Diagramm steht.
    (Israel hat seine militärischen Ziele im Konflikt neu definiert, die Ziele nicht ganz erreicht, die Hamas ist geschwächt, aber nicht besiegt, die UNO sollte den Gazastreifen kontrollieren…)
    Ich finde überhaupt keinen Kontext zwischen dem Inhalt des Artikels und dem Diagramm. Außer eventuell, dass der erste Satz mit der echten Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe, damit illsustriert werden soll, was aber mit dem Hauptinhalt des Artikels nichts zu tun hat.
    Also gibt der Artikel auch keinerlei Aufschluss, was diese grafische Darstellung nun eigentlich bezwecken soll. Das finde ich genauso seltsam, wie das Diagramm an sich.

  30. 30
    Christian Schulz says:

    @JUB 68
    Das scheint mir der Punkt. Die Grafik stellt die alte Frage „Was will der Künstler uns damit sagen“, um die alte Antwort zu bekommen: „Garnichts, er wollte die leere Fläche füllen“.

    Einfach sinnfrei, ProaganDADA.

  31. 31
    Petra says:

    Diese „interaktive“ Grafik wird auch durch das „Interagieren“ mittels Mouseover nicht deutlicher.
    Wahrscheinlich lag der Fokus lediglich auf der Interaktivität für den Leser, nicht auf irgendeiner Sinnhaftigkeit

    @Stefan Niggemeier
    Kleine Erklärung zu Herr Stephan mit „ph“ und seinen OT-Kommentaren.
    Der von ihm oben genannte Andy Martin gehört in den sozialen Netzwerken Facebook/GooglePlus zu den virtuellen Montagsdemo-Mitlatschern um das Profil von Dawid Heftman.
    Es handelt sich um eine Gruppierung, die vieles ungeprüft und ungefiltert in den Stream jagt um Empörung zu generieren. Bei Fragen nach Quellen wird einem oft die Antwort „Informiere Dich selbst“ statt irgendwelcher Argumente entgegengeschleudert. Informiert man sich tatsächlich, landet man entweder beim Honigmann oder bei den PI-News

  32. 32
    lattentreffer says:

    @Stephan #19

    Find ich klasse, dass sowohl Herr Dehm, als auch die unsägliche Hip-Hop Kombo „Die Bandbreite“, die er wohlwissend, „dass deren Texte ein mehr als unappetitliches Gebräu aus Verschwörungstheorien, Anti-Amerikanismus, Sexismus und Frauenfeindlichkeit ist.“, so massiv propagiert, einen Einlauf von Fr.Hebel bekommen haben.

    @VorrednerIn #31 Petra und Herrn Niggemeier:

    Ich sehe die Entwicklung hier im Blog ähnlich. Aufgrund der fundierten und professionellen Medienkritik von Herrn Niggemeier, zieht das Blog mehr und mehr Wahnwichtel an, die sonst nur auf PI, Der Honigmann sagt, Hinter der Fichte, mmnews – und wie die ganzen Truther-Blogs sonst noch so heißen – kommentieren. Geht bitte wieder. Hier gibts nicht zu sehen.

  33. 33
    JUB 68 says:

    @30 Christian Schulz
    Danke, wahrscheinlich haben Sie die Lösung gefunden (zumindest für mich).
    Das Diagramm ist Kunst!
    Kunst kann man nicht immer mit Logik und rational hinterfragen, die muss man einfach auf sich wirken lassen und sehen, welche emotionalen Schwingungen ausgelöst werden. Passiert nichts oder sind diese negativ, kauft man das Werk halt nicht bzw. geht zum nächsten Ausstellungsstück. Mach ich jetzt!

  34. 34
    Kay Macke says:

    @32
    Lästiges Fliegengeschmeiß, nicht?

  35. 35
    Oliver says:

    Oh. Eine Reaktion von „Spiegel Online“:

    „In der Tat lässt sich der Informationsgehalt der Grafik nicht ganz intuitiv erfassen.“

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-krieg-opferzahlen-der-uno-a-984868.html

  36. 36
    Oliver says:

    Nun ist klar, warum das SPIEGEL-Diagramm erst mit dem 11. Juli beginnt. Der Zuwachs von 0 auf 35 Tote (9. Juli) wäre in Prozent schlecht darstellbar gewesen. Der Zuwachs von 35 auf 80 Tote (10. Juli) hätte mit über 100 Prozent angegeben werden müssen.

  37. 37
    Kay Macke says:

    @Stefan
    Deine Ex-Kollegen lesen hier sehr aufmerksam mit und reagieen prompt (s. Link von Oliver).

  38. 38
    Stefan Niggemeier says:

    Kann jemand den Informationsgehalt der Antwort von „Spiegel Online“ erfassen?

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-krieg-opferzahlen-der-uno-a-984868.html

  39. 39
    Peter Brülls says:

    Ja, das Originaldiagramm ist völliger Unsinn. Die alternative ist zumindest korrekt und entlarvt die Lüge.

    Allerdings geht es sicherlich noch besser, indem man zwei Elemente gleichzeitig darstellt, nämlich die Einzelwerte pro Tag und die akkumulierten in einer eigenen Kurve.

    „Tote pro Tag“ als einziges Aussage eine solcher Grafiken ist schon etwas unpassend, da sehr technisch (werden am Samstag vielleicht weniger getötet? Am Freitag mehr? Wenn ja, warum?) und verschleiern, dass tatsächliche Ausmass des menschlichen Leids. Ist ja nicht so, dass die Getöteten am nächsten Tag nicht mehr tot sind.

    Also vielleicht besser so wie iin diesem Beispiel.

    Die Zahlenwerte sind nicht die realen, sondern grob anhand des zweiten Diagramms geschätzt, um ein ähnliches Bild zu erzeugen.

  40. 40
    Mirco says:

    Die Grafik könnte eine Art Maßstab für Aufmerksamkeitsökonomie darstellen. Jedes neue Opfer ist nur relativ zu allen bisherigen interessant.

  41. 41
    DaW says:

    @ Petra, # 31:

    „Bei Fragen nach Quellen wird einem oft die Antwort „Informiere Dich selbst“ statt irgendwelcher Argumente entgegengeschleudert.“

    Das lustige ist ja, dass diese Leute immer fordern, man solle alles hinterfragen. Aber wenn man dann ihre Ansichten hinterfragt (also genau das tut, was sie vorgeben zu fordern), reduziert sich ihre Argumentation auf ein „Ist halt so!“.

    @ lattentreffer, # 32:

    „Ich sehe die Entwicklung hier im Blog ähnlich. Aufgrund der fundierten und professionellen Medienkritik von Herrn Niggemeier, zieht das Blog mehr und mehr Wahnwichtel an, die sonst nur auf PI, Der Honigmann sagt, Hinter der Fichte, mmnews — und wie die ganzen Truther-Blogs sonst noch so heißen — kommentieren.“

    Machen wir das beste draus – ein Trinkspiel! Jeweils ein Shot für die Nennung dieser Begriffe (und Synonyme von ihnen): „Imperialismus“ (2 Shots für „US-amerikanischer Imperialismus“), „gleichgeschaltet“, „Zensur“ bzw. „zensiert“, „Faschisten in Kiew“ (hat zwar nichts mit dem Gaza-Streifen und somit mit dem Thema zu tun, aber hinter beidem steckt ja irgendwie der Amerikaner), „linksgrün“, „Mainstream“ (2 Shots für „Mainstreammedien“), „Russophobie“ und als besonderes Extra noch „Mondlandung“.

  42. 42
    lattentreffer says:

    @ 34:

    Fliegengeschmeiß ist doch recht hart ausgedrückt. Ich fühl da eher Mitleid, als Ekel über diese Orientierungslosigkeit, den Zweifel und den abstrakten Unmut der Empöria. Und über dieses unkritische Auseinandersetzen, sprich das Hereinfallen auf die Trutherblogs. Frei nach Pippi Langstrumpf: Ich mache mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.

  43. 43
    Kay Macke says:

    @39
    Richtig: Dein Beispiel würde ja das tatsächliche Ausmaß an Todesopfern (= getötete Kinder, Frauen, Männer und alte Menschen) verdeutlichen, die dieses „militärische Vorgehen“ (MSM) hinterläßt. Das kann nicht. Sieht zu deprimierend aus.

  44. 44
    lattentreffer says:

    @ DaW, #41

    Super Idee! Ich kann’s mir nur nicht leisten, bereits morgens um 08:00 mit 10+ Shots lallend vor der Tastatur zu sitzen.

  45. 45
    Malint says:

    @niggi #38: Da steht, dass die UNO jeden Tag den neuen Gesamtstand der Todesopfer veröffentlicht. Leider geht aus diesen Zahlen nicht hervor, wie viele Menschen pro Tag gestorben sind, da wir „Subtraktion“ nicht verstehen. Ferner kann es sein, dass Opfer von Tag A erst an Tag B gefunden werden, was unsere schöne präzise Statistik versaut. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, die dümmstmögliche Visualisierung von täglicher Opferzahl zu veröffentlichen, die wir zu bauen imstande waren. Alternative Ideen wie die Veröffentlichung absoluter Zahlen oder die Zahlen über größere Zeitabstände (Wochen?) oder aber das Fallenlassen der Idee als solches (Pietät) kommen uns meistens zu spät oder gar nicht.

  46. 46
    DaW says:

    @ lattentreffer, # 44:

    Dann nehmen Sie doch Kwas, allein um das dumme Argument „Kritik an der russischen Politik = Russlandhetze“ ins Lächerliche zu ziehen.

  47. 47
    Sebastian says:

    @lattentreffer: Laut Hebels Artikel hat Dehm im Wahlkampf eine Liste von Bands rumgeschickt, die bereit sind, die Linke zu unterstützen, wobei unklar ist, wie und von wem die Liste erstellt wurde. Darauf stand auch die Bandbreite. Nach der Kritik und auf Nachfrage soll Dehm gesagt haben, die Band sei durch ein „Unglück“ auf die Liste gelangt, und später, dass er sie „nicht weiter bewerten“ wolle, derzeit jedenfalls keine Auftritte von ihr geplant seien.

    „So massiv propagiert“ er sie. In der Darstellung seiner sichtlich um eine umfassende Anklage bemühten Gegnerin.

    Übrigens war das im Juni 2013. Es lässt den Spiegel eher gut aussehen, wenn so was als Beispiel für tendenziöse Berichterstattung hervorgekramt wird, als gäbe es keine besseren, neueren oder relevanteren Beispiele.

    (Sorry fürs OT. Allerdings scheint mir diese Situation, in der viele sich von „den Mainstream-Medien“ betrogen und die Journalisten sich im Gegenzug von jenen betrollt fühlen, durchaus mal eine eingehendere Beschäftigung wert zu sein, weil sie offensichtlich antidemokratische Ressentiments schürt und eine rationale Auseinandersetzung mit Problemen über die jeweiligen partikularen Standpunkte hinweg immer mehr ausschließt.)

  48. 48
    Kay Macke says:

    @42
    Also ich find die Jungs von der Bandbreite mutig, intelligent und sehr bewundernswert. Im Gegensatz zu Dir – TUN die etwas um die Welt ein bißchen aufzuklären Und sie haben in vielen Punkten nicht Unrecht, finde ich. Im Internetzeitalter kann es faktisch keine Orientierungslosigkeit geben – zuviel an Möglichkeiten. Den Göttern sei Dank ist man da nicht auf Typen wie Kornelius als einzelene Quelle angewiesen. Und Kritiker des Mainstreams pauschal als „Truther“zu diskreditieren ist auch nicht die feine Art: vergiss mal nicht die 1000 Ingenieure, Architekten und Piloten (alles professionelle Leute) – die den 9/11 Report mit wissenschaftlichen Methoden auseinanderpflücken. Mittlweweile gibt es Blogger, die eher am Geschehen sind als die meisten Journalisten. Und die Erfahrungen mitbringen: ich persönlich neige dazu, z.B., einem altgedienten Militärangehörigen – der viele Jahre seines Lebens in der Abwehr gearbeitet hat und nun über das Internet seine Gedanken und Analysen veröffentlicht – mehr als einem Frischling von Journalisten, der 1000 km vom Geschehen entfernt seinen Artikel im Hotelzimmer verfasst. Ist heute alles nicht mehr so wie früher – der traditionelle Journalismus ist am Verschwinden.

  49. 49
    lattentreffer says:

    [gelöscht]

  50. 50
    Harald says:

    in der Berichterstattung deutscher Medien kommt die Resignation zum Ausdruck. Gegen Israel und den Landraub an der palästinensischen Bevölkerung anzuschreiben käme einem Auflageselbstmord gleich. Keinen Tag würde es dauern bis Vertreter der israelischen Politik und deren nützliche Idioten die Antisemitismuskeule auspacken. Man darf Wahrheiten, die Israels Politik in schlechtem Licht erscheinen lassen, einfach nicht aussprechen. Das ist ein Tabu. Israel ist, was die Berichterstattung angeht, ein Gegner, mit dem man sich nicht anlegen darf. Bleibt also der schwächere Kandidat als Opfer übrig: die Palästinenser. Irgendwas muß man ja berichten. Das palästinensische Volk hat aber keine starke Lobby, hat keine großen Fürsprecher, hat niemand, der die Keule auspacken kann um auf die Schande eines Holocaust und der damit verbundenen Verpflichtung zum Maulhalten hinzuweisen.
    Also macht man es sich in den Redaktionsstuben einfach und drischt auf den Schwächeren ein, schreibt ihm jede Schuld zu und ignoriert sein Leiden und seine Opfer. Irgendwann bekommt dieses Muster eine Eigendynamik, man hat ein bequemes Feindbild, hat stets was in den Meldungen, hat Klickstrecke, Auflage und Werbeeinnahmen.
    Wer in dem Konflikt zwischen Palästinensern und Israel gerade mal wieder der Aggressor ist, wer gerade mal wieder Siedlungen auf geraubtem Land baut und damit den Widerstand der Palästinenser anfeuert, wer gerade mal wieder primitive Raketen abfeuert oder lasergelenkte Präzisionsbomben vom Typ GBU24 schmeißt, spielt am Ende keine Rolle mehr. Die Mühe, dieses Schlamassel journalistisch aufzuarbeiten will man sich nicht mehr machen. Es bringt ja auch nichts, wenn man am Ende einen der beiden Adressaten nicht benennen darf weil einem sonst wieder der Protest israelunkritischer Gruppen um die Ohren fliegt.

  51. 51
    Luzi says:

    Sehr toll!
    Ich bin Professorin für Statistik – darf ich das für meine Studenten benutzen?
    Die vom Spiegel dargestellten Zuwachdaten sind z.B. bei der „Ansteckgefahr von Epedemien“ nützlich. Denn da möchte man – kurz gefasst – zeigen, wie die Ansteckrate pro Krankheitsfall ist. (Wenn eine erkrankte Peson z.B. 3 andere ansteckt, dann ist das eben gleichgeblieben wenn auf 100 Patienten 300 neue Ansteckungen kommen. Das Ansteckrisiko konnten dann noch nicht eingedämmt werden. Aber auch da verschleiert das das reale Risiko – denn na klar ob sich 3 oder 300 anstecken ist ja wohl nicht das gleiche.) In dem Zusammenhang ists aber selbstverständlich fehl am Platz.

  52. 52
    Kay Macke says:

    @48
    Schon gut, bist auch nicht wichtig. Möchtest Du wissen, was wirklich mutig und bewundernswert ist? Die Friedensbewegung in Israel. Möchte mit Sicherheit kein Mensch auf der Welt mit denen tauschen: Gideon Levy im Guardian-Interview (http://www.theguardian.com/world/2014/aug/06/gaza-israel-movement-that-dare-not-speak-its-name)

  53. 53
    DaW says:

    @ Harald:

    So ein Unsinn. Israel wird gern und viel kritisiert, z.B. wegen seiner Siedlungspolitik. Und das, wie ich finde, völlig zu recht.

  54. 54
    alter Jakob says:

    Mirco #40 hat einen schönen Ansatz:

    „Die Grafik könnte eine Art Maßstab für Aufmerksamkeitsökonomie darstellen. Jedes neue Opfer ist nur relativ zu allen bisherigen interessant.“

    Das ist die täglich aktualisierte SpOn-interne Statistik ob es sich heute lohnt über den Gazastrifen zu berichten oder nicht. Nur wenn der Balken einen bestimmten Grenzwert überschreitet, wird ein Artikel Online gestellt. Die Veröffentlichung war natürlich ein Versehen.

  55. 55
    ek says:

    Mal abgesehen davon, dass ich solche Diagramme als obszön empfinde: Das alles ist doch der Klickstrecken-Wütigkeit und vermeintlich ständg aktuell sein müssenden („Eilmeldung“) Online-Redaktionen zu verdanken.
    Gerne erinnere ich mich an Zeiten, wo ich mir Sonntags nach dem „Tatort“ ganz schnell die Schuhe angezogen habe, um am HBF den Spiegel der kommenden Woche zu erwerben.
    Ist lange her, meine Naivität aber auch.
    Jedenfalls war seinerzeit noch Raum für Recherche und Gegenrecherche. Bei dem Online-Wahn heutzutage bleibt das halt alles auf der Strecke.
    Sich ‚rausreden kann man ja später immer noch.
    Herr Niggemeier weis das wohl am besten…

  56. 56
    knorke says:

    @Luzi (51)

    Ich bin zwar nicht in der Lehre, aber sehe das genauso. Und das beste ist: Man kann mit derlei Fundstücken Bücher füllen – wäre sogar ‚e Sache für Klausuren – Zusatzaufgabe für ne 1: Bitte beurteilen Sie die folgende Grafik im Hinblick auf Korrektheit, Angemessenheit der verwendeten Kennzahlen und weisen Sie auf mögliche Alternativen der Darstellung hin. Für Statistik I und II oder Methodenlehre sind grade Medienblogs eine Fundgrube.

    Und tatsächlich – manche spekulierten ja: Bevor man hier von absichtlicher Täuschung ausgeht wird es wohl ganz profan der Spieltrieb in Tateinheit mit nicht vorhandener Ahnung gewesen sein.

    Auch lustig die Aussage von SpOn von wegen „nicht ganz intuitiv“. Das als schamlose Untertreibung zu bezeichnen wäre schon geprahlt.

  57. 57
    Roland Thele says:

    (38) @ Stefan Niggemeier

    Nichts würde die Intensität dieses israelischen Hightech-Massakers statistisch besser darstellen, als die absoluten Zahlen der Palästinenser, die täglich abgeschlachtet wurden. Wenn die Macher dieser irreführenden Grafik jetzt behaupten, dies sei ihre Intention gewesen, muss ich annehmen, dass sie dümmer als Viertklässler sind. Das von ihnen präsentierte Balkendiagramm erweckt doch genau den gegenteiligen Eindruck.

    Um die eigene Amateurhaftigkeit zu unterstreichen, wirft man den Kritikern dann noch folgende Worthülse als Erklärung hin: „Die Grausamkeit eines Krieges lässt sich nicht allein in Zahlen bemessen.“
    Hm… ja aha – das dürfte wohl auch dem dümmsten Leser einleuchten. Und darum ging es in diesem Panzerbild-illustrierten Fazit aus Sicht der Hightech-Killer auch gar nicht.

    Es ist einfach nur beschämend.

  58. 58
    Matthias Seifert says:

    An der Darstellungsschraube hätte man sicherlich auch noch etwas drehen können. Das ist vom Spiegel nicht korrekt zu Ende gedacht.

    http://matthiasseifert.posthaven.com/negative-opferzahlen-in-gaza

  59. 59
    Oliver says:

    Von welchem Interesse wird „Spiegel Online“ geleitet? Welches Interesse führt dazu, sich eine Grafik auszudenken, die auf den ersten Blick („intuitiv“) das Gegenteil dessen darstellt, was die eigentlichen Zahlen besagen. Ich begreif’s nicht.

  60. 60
    Pepito says:

    Nach Lektüre der „Antwort“ von SpON: ich würde sagen, es ist einfach sträfliche Dummheit, Inkompetenz und Ignoranz. Sie haben es nicht verstanden und wollen es auch nicht verstehen.

    „Die Todesopfer im Gaza-Konflikt zu beziffern, ist schwierig. Eine gute grafische Darstellung für diese Zahlen zu finden umso schwieriger.

    Was genau wäre denn einfacher und naheligender als die absoluten Zahlen dazustellen? In Säulen, Graphen, was auch immer?
    Theorie: da hat sich irgendjemand gemerkt, dass man „Entwicklungen“ und „Intensitäten“ am besten immer in Prozentangaben angibt. Also irgendwas mit „20 % mehr als gestern/bei der letzten Wahl/im letzten Quartal“, „doppelt so viele Opfer wie beim letzten Angriff“ usw., weil es generell leichter zu verstehen und einzuordnen ist, als absolute Zahlen. Und dabei hat jemand schlicht und ergreifend die falsche Rechnung mit falscher Bezugsgröße aufgemacht.

    Übrigens (weil das hier noch keine Rolle gespielt hat und ich nicht sicher bin, dass das jedem klar ist): Die Operzahlen enthalten nicht nur die Opfer auf palästinensischer Seite, sondern alle Todesopfer, zivil und militärisch, israelisch oder palästinensisch. Das mag man angesichts der stark ungleichen Verteilung der Opfer für belanglos halten. Aber ich finde, es sollte berücksichtigt werden, wenn man andeutet, dass hier versucht wird, „Israels rücksichtslose Kriegsführung“ graphisch zu verharmlosen. Dafür gäbe es im Übrigen eine viel einfachere Mehtode: auf Graphiken dieser Art gänzlich zu verzichten, zumal sie der Inhalt des Artikels in keiner Weise erfordert. Dessen Aussage war schließlich nicht, dass Israels Offensive viel harmloser sei als immer behauptet werde.

  61. 61
    Sigmund says:

    Das wirklich Schlimme und Deprimierende am Zustand deutscher Medien ist doch eigentlich, dass man beides, tendenziöse Absicht und Dummheit/Schlampigkeit/Wurschtigkeit gleichermassen möglich und wahrscheinlich ist.

  62. 62
    Sigmund says:

    Noch ’ne Idee: Man könnte auch die „Toten des Tages“ als Balkendiagramm darstellen, und zwar, festhalten: Der Anteil an der -bis zum jeweiligen Tag- Gesamtzahl der Toten. Dann würde der Balken zwangsläufig immer kleiner werden.

  63. 63
    Stefan Niggemeier says:

    @Sigmund: Genau das hat „Spiegel Online“ doch gemacht.

  64. 64
    Sigmund says:

    @daw
    Fehlen bei Ihrem Trinkspiel nicht noch Begriffe wie
    „Putinversteher“
    „Putintroll“
    „Putin der Faschist/neuer Hitler“
    „russischer Imperialismus“
    usw.?

    Ach Nee, hier reduziert sich IHRE Argumentation auf „Ist halt so!“

  65. 65
    Sigmund says:

    @ SN
    Nee, ich meinte das (im Scherz natürlich) noch etwas verquerer.
    Aber nicht so wichtig.

  66. 66
    Twipsy says:

    Den Krieg als erste Ableitung darzustellen, da hätte man früher drauf kommen können. Das letzte Jahrhundert wäre weniger grausam gewesen.

  67. 67
    Twipsy says:

    Vor 69 Jahren erhöhte sich in Japan die Gesamtzahl an Toten im 2. Weltkrieg um 1 Promille.

  68. 68
    Pepito says:

    @ Twipsy, #68
    Eine Abbildung der ersten Ableitung (einer Kurve absoluter Opferzahlen an bestimmten Kriegstagen) wäre ja okay. Das von SpON behauptete Anliegen, eine zu- oder abnehmende Intensität des Konflikt anhand steigender oder abnehmender täglicher Opferzahlen darstellen zu wollen, ist als solches ja legitim. Aber die Berechnungsmethode ist dazu eben völlig unbrauchbar.

  69. 69
    Stephan says:

    Zu meinem Post #20 bezüglich des offenen Briefes an Putin:
    Da muss ich mich entschuldigen. Ich habe hier vorschnell etwas verbreitet, was mehr oder weniger eine Ente ist. Dieser Brief kam nicht von dem Professor Hamelink.
    Die Blogseite neopress.com hat einen offenen Brief ohne Unterschrift ( ommekeer-nederland.nl/documents/brief-putin-de.pdf ), der von der Webseite ommekeer-nederland.nl online gestellt wurde, anscheinend einfach mit dem Namen des Professors versehen und auf die eigene Webseite gestellt, wahrscheinlich nur,um entsprechende Klicks zu produzieren.

  70. 70
    Constantin says:

    Könnte die Gag-Order eine mögliche Erklärung für diese ungewöhnliche Balkengraphik sein?

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Wenn-der-Zensor-mit-im-Newsroom-sitzt,zensurisrael100.html

  71. 71
    Pepito says:

    @ Stephan, #71
    Gut für Professor Hamelink.

  72. 72
    Susanne says:

    Da kann man mit noch so viel gutem Willen eine nachvollziehbare Erklärung für dieses Diagramm suchen… es gibt keine. Jedenfalls nicht für einen klar denkenden Menschen. Für die Veröffentlichung einer derartigen Darstellung gibt es, meiner Meinung nach, keinen Grund. Denn die Aussage erschließt sich mir auch nicht, wenn ich die Zahlen richtig lese. Wieder mal: peinlich.

  73. 73
    Pepito says:

    „Die Todesopfer im Gaza-Konflikt zu beziffern, ist schwierig. Eine gute grafische Darstellung für diese Zahlen zu finden umso schwieriger.

    Beim ersten Lesen fand ich es nur peinlich. Beim nochmaligen Lesen auch eine Unverschämtheit. Es ist zweifellos schwierig, aus Kriegsgebieten verlässliche Opferzahlen zu bekommen. Aber SpON findet es „umso schwieriger“ diese von der UN bereitgestellten Zahlen grafisch gut oder auch nur annähernd sinnvoll darzustellen?! Wahrscheinlich findet man dort auch, dass die Grafikabteilung im Vergleich mit den Nahost-Korrespondenten eigentlich den härteren Job hat.

  74. 74
    Stefan Niggemeier says:

    @Constantin: Nein.

  75. 75
    DaW says:

    @ Sigmund, # 66:

    Nö, wieso? Ich persönliche argumentiere auch mit diesen Begriffen nicht, sondern an leite meine Kritik an der russischen Politik (und meine Sorge zu gesellschaftlichen Entwicklungen in Russland) von meinen persönlichen Werten ab. Das mache ich übrigens bei der US-Politik genauso. Ich wüsste auch nicht, wieso ich hier ein Gut-Böse-Schema anwenden sollte, das der Komplexität der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Aber wer nicht für mich ist, ist gegen mich…

  76. 76
    manes says:

    57:
    was ich bei diesen israel“kritkern“ nie verstehe: wenn die angeblich bestausgerüstete armee in nahost es tatsächlich darauf anlegte, massaker zu begehen und die bewohner des gazastreifens abzuschlachten, sollte sie für die genannten ~1000 toten doch nicht zwei wochen benötigen. sowas kann man doch in wenigen stunden bewerkstelligen, wenn man will und die mittel hat.
    entweder sind die israelis also hochgradig unfähig, ihre bösen zwecke zu verfolgen oder sie legen es tatsächlich darauf an, unnötige opfer zu vermeiden. tertium datur?
    @niggemeier: sorry für ot.

  77. 77
    Roland Thele says:

    (78) @ manes

    Ich bin eigentlich nicht bereit, in makabere Rechenspielchen mit anonymen Trollen einzusteigen, die meinen, die Opferzahl sei doch eigentlich recht niedrig. Du scheinst schon beim mathematischen Runden Probleme zu haben.
    Unabhängige Berichte, Bilder, Zahlen (auch der fast 10.000 Verletzten, und 200.000 IDPs) aus Gaza sprechen eine deutliche Sprache.

    Aktuelle Zahlen der UN: http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ocha_opt_sitrep_07082014_0.pdf

  78. 78
    user unknown says:

    Der Kritik an der Erfassbarkeit und Interpretierbarkeit schließe ich mich an. Eine bemerkenswerte Grafik wäre ja eine, bei der alle Balken gleich lang sind, was zu deuten wäre, als täglich gleiche Zunahme der Opfer an der Gesamtheit. Hätte das eine interessante Bedeutung? Für mich nicht.

    Völlig unintuitiv.

    Es reduziert einzelne Opfer auf eine Prozentzahl, auf einen bloßen Anteil an einer Gesamtzahl.

    Das ist aber ein Quatschargument. In statistischen Betrachtungen wird der Anteil der Personen als Zahl dargestellt – dass das einen negativen Einfluss auf Opfer hat ist reines Geschwafel welches durch keine Realität gedeckt ist.
    Es ist eine Darstellungsform neben anderen.

    Dass solch eine angebliche Reduktion auf eine Zahl im Vergleich zum Fakt des Sterbens eine berichtenswerte Relevanz haben soll erscheint als ebensolch bemühte Ungeheuerlichkeit. Man kann auch sagen, die Reduktion der Opfer in der Zeitung auf ihren Namen … – auf Druckerschwärze oder im Netz auf schwarze Pixel, nicht? Das scheint auf den ersten Blick irgendwie einleuchtend.

    Soll man bei den Toten des Flugs, statt die Zahl zu nennen oder von der Gesamtheit zu reden alle Hunderte Namen runterleiern? Jedes Mal? Aber weil man niemand auf den Namen reduzieren will doch immer eine Biographie vorlesen?

  79. 79
    Stefan Niggemeier says:

    @user unknown: Ich habe nicht die Reduktion auf eine Zahl kritisiert, sondern die weitere Abstraktion dieser Zahl auf eine Prozentzahl, einen Anteil. Wenn nicht einmal mehr vermittelt wird, wie viele Menschen gestorben ist, sondern welchen Prozentsatz diese Zahl im Vergleich zu den zuvor gestorbenen ausmacht.

  80. 80
    gast says:

    Auch hier nochmal, in Richtung der ganzen reflexhaften „OT“-Kommentare:

    http://shehadistan.com/2014/07/12/nahost-social-media-verhalten-fur-anfanger_innen-und-fortgeschrittene/

  81. 81
    DaW says:

    @ gast, # 83:

    Danke, der Link ist super – vor allem die Aussage mit den monolithischen Blöcken, in die man sich einzuordnen hat.

  82. 82
    Illoinen says:

    Dieses Beispiel sollte es in die Mittelstufen-Mathematikbücher dieser Republik schaffen. Anstelle alberner Aufgaben, mit an den Haaren herbei gezogenem Realitätsbezug, a la “Der Preis der Hose wird zuerst – aufgrund gesteigerter Produktionskosten – um 30% erhöht, und anschließend – in einer – Rabattaktion – um 30% reduziert. […]” ließe sich hier der “mathematische Denkfehler” als “Quelle der Desinformation” wunderbar sinnvoll und nebenbei fast fächerübergreifend analysieren. Nebenbei liefert der SPON-Artikel eine schöne Antwort auf die oft von Schülern gestellte Frage: “Wofür brauch’ ich ‘n das?” – “Damit de nich verarscht wirst, Jung!”. Quelle NDS

  83. 83
    aloo masala says:

    @Stefan Niggemeier

    Sie schreiben: „Ich habe nicht die Reduktion auf eine Zahl kritisiert, sondern die weitere Abstraktion dieser Zahl auf eine Prozentzahl, einen Anteil.“

    In diesem konkreten Fall trifft Ihre Aussage zu. Im allgemeinen jedoch nicht. Prozentzahlen können besser als absolute Zahlen uns helfen, eine Vorstellung davon zu erhalten, in welchen Größenordnungen wir uns bewegen.

    Beispiele von (inzwischen veralteten) Prozentzahlen zum Gaza-Krieg finden Sie hier: http://hogymag.wordpress.com/2014/07/30/israelischer-terror-in-gaza/

    Beste Grüße

    aloo masala

  84. 84
    aloo masala says:

    Nachtrag: Sorry, ich meinte

    Prozentzahlen können *in manchen Fällen* uns besser als absolute Zahlen helfen …

  85. 85
    aloo masala says:

    Üblicherweise heißt es, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Aus diesem Grund sind Grafiken da. Spiegel Online bietet dem Leser eine Grafik an, für die man mehr als 1000 Worte benötigt, um die Grafik zu erklären.

    Wenn man als Berliner mal schnell seine Oma in Hamburg besuchen möchte, dann geht das mit dem Auto 1000 mal schneller als zu Fuß. Nur bei Spiegel Online drehen sie Dir ein Auto an, das man zur Oma schieben muss.

  86. 86
    chrischan says:

    Dass diese Grafik Unfug ist, wurde ausreichend festgestellt.

    Der eigentliche ‚Skandal‘ ist doch aber: Sollte es nicht in einer Redaktion (die diese Bezeichnung verdient!) Kontrollinstanzen geben, die Praktikantenblödsinn dieser Art ausfiltern?! Kann beim SpOn tatsächlich ein Einzelner ‚per Knopfdruck‘ so einen Quatsch unter der Marke DER SPIEGEL veröffentlichen?

    Sie haben doch mal beim Spiegel gearbeitet, Hr. Niggemeier – wenn man, weit nach Mitternacht durch die Büros schleicht… muss ich mir da eine Horde Pudelmützenträger vorstellen, nervös an ihren eZigs ziehend, „ey Alter, bin voll am arbeiten“ … ? Und die ‚gestandenen Redakteure‘ erfahren dann erst gegen 10.oo, wenn zB dieses Blog ausgedruckt in der Presseschau liegt, was da verzapft wurde? ;)

  87. 87
    Gast says:

    @crishan

    Wie kommen Sie auf die Idee, sowas seien, unzureichend kontrollierte, Böcke von Praktikanten?

    Man muss ja wohl annehmen, dass es sich hier um die Arbeit der Profis handelt, die eventuelle Böcke von Praktikanten verhindern würden, die darin bestehen würden, aus Versehen nicht das erwünschte Narrativ-Design zu produzieren?

    „Gestandene Redakteure“, die sich dieser Agenda verweigern, kann ich beim Spiegel jedenfalls nicht mehr erkennen.
    Ebensogut könnte man sich über den Mangel an Jungfräulichkeit in Bordellen wundern…

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  1. […] Eine besonders irreführende Art, die Opfer des Gaza-Krieges darzustellen […]

  2. […] So ISIS auch im Nord-Irak und in Syrien. Und wenn jemand dieZiehväter und Finanziers der angeblichen “Gotteskrieger”  so wie schon in Bosnien-Herzogowina genauerbenennt, wird der selbst in solch medien-kritischen Portalen  wie http://www.stefan-niggemeier.de/blog/18565/eine-besonders-irrefuehrende-art-die-opfer-des-gaza-krieg… […]

  3. […] Eine besonders irreführende Art, die Opfer des Gaza-Krieges darzustellen Auf „Spiegel Online“ steht ein Diagramm, das illustrieren soll, wie sich die Zahl der Todesopfer im gegenwärtigen Gaza-Krieg entwickelt hat. Die Redaktion hat die vermutlich abwegigste Art gewählt, diese Entwicklung darzustellen. Quelle: Stefan Niggemeier […]

  4. […] angaben des totenwaxtums in prozent und einem absurden balkendiagramm den eindruck erwecken kann, im gegenwärtig laufenden krieg im gaza-streifen würden immer weniger menschen verrecken. Ganz großes […]

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