WDR sieht in Auffälligkeiten bei Ranking-Show im Ersten keine Auffälligkeiten

12 Aug 14
12. August 2014

Wir halten also fest: Der NDR hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert, der WDR hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert, der RBB hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert (obwohl er das vor ein paar Tagen noch bestritt) und der HR hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert.

Ich glaube nicht, dass das alles ist.

In ihren Pressemitteilungen gehen WDR und HR ausschließlich auf Sendungen ein, die in ihren Dritten Programmen gelaufen sind. Sie haben aber auch gemeinsam Ranking-Shows fürs Erste produziert.

Auf Nachfrage nach diesen Sendungen teilt mir der WDR mit:

2009 bis 2013 gab es eine gemeinsam mit dem hr produzierte Sendereihe von zehn Folgen mit wechselnder Federführung. Themen waren zum Beispiel die schönsten Weihnachtslieder oder die beliebtesten TV-Tiere. Hier wurde in den Moderationen deutlich darauf hingewiesen, dass sowohl die Zuschauer als auch eine prominente Jury über die Rangfolge abgestimmt haben.

Außerdem haben wir 2012 eine ARD-Gemeinschaftsproduktion verantwortet mit je zwei Folgen „Die schönsten Bauernhöfe/Schlösser/Städte“. Hier wurden 50 Items redaktionell ausgewählt und die Rangfolge der besten repräsentativ von einem Meinungsforschungsinstitut ermittelt und auch so abgebildet.
 
Unsere Prüfung hat für die ARD-Sendungen keine Auffälligkeiten ergeben.

Das ist erstaunlich. Denn eine dieser Sendungen ist schon kurz nach ihrer Ausstrahlung auffällig geworden.

Es handelt sich um die Show „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“, die am 19. April 2012 im Ersten lief. Sie wurde von Kim Fisher und Ralf Schmitz moderiert, und der Hessische Rundfunk fand das Ergebnis so relevant, dass er es in seinen Radio-Nachrichten verkündete:

 
Das Magazin fernsehkritik.tv hatte damals schon auf diverse Unstimmigkeiten hingewiesen. Eine Bud-Spencer-Fanseite hatte damals berichtet, dass Bud Spencer und Terence Hill bei der Online-Abstimmung auf dem ersten Platz gelandet seien. Das sei den Betreibern von der Redaktion mitgeteilt worden. In der Sendung selbst lagen die beiden aber plötzlich nur auf Platz 20.

Dafür verantwortlich sein soll das Votum einer „prominenten Jury“. Deren Existenz wurde in der Sendung tatsächlich vage angedeutet. Im Presseheft zur Show war davon allerdings noch keine Rede gewesen. Dort behauptete der HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp:

In der Fernsehshow „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“ zeigt das Erste die 25 Lieblingskomiker-Duos der Zuschauer, die per Online-Abstimmung auf DasErste.de aus einer Liste gewählt worden sind.

Ja. Nein.

Der Off-Sprecher sagte zu Beginn der Sendung:

Sie haben im Internet abgestimmt. Und das Ergebnis Ihrer Wahl präsentieren Kim Fisher und Ralf Schmitz.

Drei Wochen und mehrere Nachfragen sollen nach Darstellung von fernsehkritik.tv damals nötig gewesen sein, um von einer Pressestelle Antworten auf naheliegende Fragen zu bekommen. Der HR erklärte schließlich:

Schon bei den ersten Zwischenergebnissen des Online-Votings war ein sehr schneller Anstieg der Stimmen für Bud Spencer und Terence Hill auffällig — unproportional zum Verlauf der weiteren Ergebnisse. Es wurde offensiv auf entsprechenden Fan-Seiten im Internet zur Abstimmung aufgerufen.


Wir haben die Ergebnisse daher rechnerisch gewichtet, damit wir keine zu großen Verzerrungen durch eine kleine, aber sehr aktive Fan-Gemeinde bekommen. Dies ist ein übliches Verfahren. Deshalb sind online-Votings auch nie repräsentativ und müssen durch die Stimmen der Jury ergänzt werden.

Dass die freihändige rechnerische Gewichtung ein innerhalb der ARD „übliches Verfahren“ ist, ja, das kann man angesichts der Meldungen der vergangenen Tage als bestätigt sehen. Ob es ein in dieser Form zulässiges Verfahren ist, insbesondere wenn diese Änderungen nicht transparent gemacht werden, ist eine andere Frage.

Lustig aber auch die Behauptung, dass Online-Votings immer durch Jurystimmen „ergänzt“ werden müssten. Wie diese „Ergänzung“ passierte, verriet der HR nicht. Die Ergebnisse seien „kumuliert“ worden, hieß es nur vage.

Der HR wollte gegenüber fernsehkritik.tv damals nicht einmal die vollständige Liste der Mitglieder der ominösen „prominenten Jury“ nennen. „Mehr als zehn Personen aus dem Unterhaltungsfach“, gehörten dazu, hieß es nur, „darunter Eckart von Hirschhausen, Désirée Nick, Hellmuth Karasek, Bülent Ceylan, Jan Fedder, Olaf Schubert und Gayle Tufts.“

Sowie, so würde ich mutmaßen, irgendwelche weiteren Leute, die man sich notfalls bei weiteren Nachfragen noch ausdenken würde, samt ihrer Abstimmungsergebnisse oder jedenfalls deren Kumulation.

Das sind die Auffälligkeiten der von WDR und HR produzierten Sendung „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“ (wiederholt im Mai 2012 im HR-Fernsehen, im Oktober 2012 im WDR-Fernsehen, im Oktober 2012 im NDR-Fernsehen, im April 2013 im HR-Fernsehen), die schon im Mai 2012 öffentlich geworden sind.

Mein Eindruck ist: Wenn der WDR bei der Prüfung dieser Sendungen keine Auffälligkeiten gefunden hat, hat er sie nicht geprüft.

34 Gedanken
  1. 1
    meykosoft says:

    Mannomann – Jetzt sollten sie doch etwas konkreter werden, um überhaupt eine Art von Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen…

    Es war an anderer Stelle ja auch schon mal relativ eng:
    http://bit.ly/1mGmmiW

  2. 2
    Gernot says:

    Es gilt immer noch die alte Regel, jeder blamiert sich so gut er kann. Wenn die Sender damit überfordert sind, ein journalistisch einwandfreies Programm 24/7 zu liefern, sollten sie über das gute alte Testbild nachdenken. Kostet wenig, ist nicht peinlich.

  3. 3
    Ste says:

    @Gernot: Hatte ich mir auch so gedacht, das gabs doch früher. Man kann ja statt das dösige Testbild zu senden einen nettes Sprüchlein einblenden: „Wir brauchen eine Kreativpause. Wir bitten um Verständnis. Und Sie werden es uns danken. Schauen Sie doch gern einmal online unter http://www.xyz.de vorbei.“ Oder sowas.

  4. 4
    Klaus Thomas Heck says:

    Noch ein kleiner Hinweis, Stefan: Der HR räumt ein, 3 von 29 untersuchten Sendungen manipuliert zu haben. Es sind nur die Sendungen, die von 2011 bis 2014 produziert wurden. Der HR verliert in seiner offiziellen Presseerklärung aber kein Wort darüber, wie sich das mit älteren, vor dem Jahr 2011 produzierten Sendungen verhält. Diese werden natürlich auch heute noch mit großer Penetranz ausgestrahlt. Die drei manipulierten Sendungen sind daher vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

  5. 5
    freiwild says:

    Und demnächst in der ARD: „Die beliebtesten Medienkritiker der Deutschen“ (d.h. der Jury bestehend aus Henryk Broder, Wolfgang Büchner, Jo Groebel, Manfred Güllner, Peter Hahne, Anne Hoffmann, Josef Joffe, Lutz Marmor, Matthias Matussek, Burkhardt Müller-Sönksen, Konstantin Neven DuMont, Gabor Steingart, Peter Turi und Wolfram Weimer).

    Stefan, ich glaube, Du kannst schonmal den Sekt kaltstellen!

  6. 6
    BlueKO says:

    @freiwild: Kein Online-Voting? Ich bin enttäuscht.
    Da hätte ich ausnahmsweise mal mit allen zur Verfügung stehenden IP-Adressen wilde Klickorgien veranstaltet.

  7. 7
    Lars says:

    Lustig ist diese pauschale Verdammung von Online-Votings, so als gäbe es da keinerlei technischen Möglichkeiten, ein Voting sinnvoll zu gestalten, um ein Powervoting durch Fangruppen zu vermeiden. Das Internet scheint für die Fernseh-Redakteure (ach was, für uns alle!) noch immer Neuland zu sein.
    So lief ja auch das letzte ZDF-Besten-Voting ab: Keinerlei Einschränkung, noch nicht mal mit Cookie: Seite neu laden und man konnte erneut abstimmen, lediglich die Anordnung der Damen und Herren war nach dem Zufallsprinzip neu geordnet, was einfachste Bots vielleicht behinderte, mehr aber nicht.
    Und anschließend wunderte man sich ganz unschuldig über das Ergebnis …

    Ich nehme stark an, das Komiker-Onlinevoting war ähnlich schlicht.
    Die Konsequenz, die man daraus zieht, ist nicht etwa die Einschaltung von Personen, die sich vielleicht etwas mit Onlinevotings auskennen, sondern entweder der völlige Verzicht darauf, die freihändische „rechnerische Gewichtung“ oder eine ergänzende oder alternative Befragung von Olaf Schubert.

  8. 8
    Twipsy says:

    @5
    Schade, den Gag haste versaut. ;-)
    „Die zehnköpfige Jury besteht aus Konstantin Neven DuMont.“
    Ist schon komisch, dass man die Manipulationen schon beim Fernsehkritik-Beitrag hat erkennen können ohne dass das Folgen hatte. Ist offensichtlich schon ein Unterschied, wer das postet und wie.

  9. 9
    Stefan Niggemeier says:

    @Twipsy: Hatte ja im konkreten Fall immer noch keine Folgen.

  10. 10
    dermax says:

    Man koennte vielleicht auch noch erwaehnen, dass der Ausdruck „rechnerisch gewichten“ voelliger Unfug ist… aber schon bloed, wenn man „hinbiegen wie wir lustig sind“ ned schreiben kann.

  11. 11
    Pepito says:

    Hat sich eigentlich eines der genannten Jurymitglieder schon irgendwie zu seiner angeblichen Jurytätigkeit geäußert? Vielleicht wissen die ja gar nichts von ihrem Glück.
    Das mit dem „üblichen“ Juryverfahren als Korrektiv ist sowieso inhaltlich ein ziemlicher Taschenspielertrick. Es mag in solchen Fällen angebracht sein, wo eine fachkundige Meinung sinnvoll ist um eine Leistung einschätzen zu können. Deswegen wird das Verfahren (mit bekannten Konsequenzen) zur Einschätzung von Humor, darstellerischem, musikalischem oder sonstigem Talent angewandt um auf reinem Geschmack des Publikums basierenden Bewertungen eine auf Fachwissen basierende Meinung gegenüberzustellen. Das kann man dann machen, wenn es um subjektive Einschätzungen geht, wer der lustigste/beste/schönste Irgendwas ist. Aber wenn gefragt ist, wer am beliebtesten ist? Wie hat man sich dazu eine fachkundige Jurymeinung vorzustellen? So, dass der Hirschhausen sagt: „Also Loriot geht ja immer, da wird bei Zitaten immer gelacht. Ich glaube, der ist eigentlich viel beliebter als die Spaghetti-Western-Typen!“?

  12. 12
    theo says:

    Ich könnte mir vorstellen, dass innerhalb der Sender die Aufregung bis zuletzt gar nicht wirklich verstanden worden ist, frei nach dem Motto: „Klar ist das industriell hergestellter Murks, den wir da versenden, warum sollen wir da irgendwelche journalistischen oder ethischen Standards anwenden?“

    Immer dann, wenn die Dritten davon sprechen, dass man bestimmte Sendungen dem Zuschauer zuliebe fabriziert, weiß man, dass sie das Gegenteil davon denken. Sie hauen den Müll raus, lachen selbst über die Doofen, die das anschauen. Das ist weder Liebe zum Zuschauer noch Liebe zum Programm. Es ist Zynismus in 16:9.

  13. 13
    Twipsy says:

    @11
    Hirschhausen als Arzt und Experte wird nach alter Seher-Tradition die Eingeweide befragt haben.
    Das musste für die drögen NDR/HR/WDR-Typen eine völlig neue Erfahrung sein, dass sich plötzlich Leute für Abstimmungen interessieren. Dass es Fanclubs gibt, wo dann mal (Schalke) ein paar Tausend Leute klicken. Klar, dass man das dann wegwichten muss.

  14. 14
    Kay Macke says:

    BWAHAHAHA! Großartig Stefan! Du entlarvst den öffentlichrechtliche Fernsehbetrieb als das, was es ist: ein reinen Küngelverein!!

    Irgendwie weiß es ja im Grunde jeder, aber man möchte es dann doch nicht wahr haben – schließlich leben wir ja schon im 21. Jahrhundert und da passt so eine mittelalterliche Pfründewirtschaft so gar nicht rein! Aber klar, die Einfallslosigkeit und öde Leere entwickelt sich aus einem Vakuum, dass nur Buchhalterseelen erzeugen können, die sich gegenseitig die Stühle zuschanzen und einen auf „kreativen“ Produzenten und Programmplaner machen. Kann ja nichts werden! Da müsste man mal radikal den ganzen Laden ausmisten und mit völlig neuem Personal anfangen!! Mutigen Leute, die sich trauen auszuprobieren und auch keine Angst vor Flops haben (Okayokay, ich denk jetzt nicht an so infantilen Kinderkram wie jüngst von Deinem erklärten Protegé Jan Dingsda für Mitternacht produziert). Nein, ich meine muss ja nicht immer die doofe Lustiglustigschiene sein .- aber eben NEUES ausprobieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Aber dazu sollte man vielleicht erst einmal den inzwischen gigantisch angewachsenen Wasserkopf zerkleinern (der WDR hat wieviel Mitarbeiter, 20.000? Die allemeisten sind natürlich Freie) – kleine Units in Konkurrenzdruck gründen und natürlich die korrumpierende Dauerinfusion in Form der GEZ-Zwangsteuer endlich abschaffen.. .(die läßt alle Muskeln erschlaffen, tötet Ehrgeiz und jeglichen Rest Fantasie) und mit erfolgsorientierten Budgets arbeiten. Schickt sie alle in die Rente! Hugh!

  15. 15
    berndlernt says:

    Der Ansatz, online „die Zuschauer“ zu befragen, ist doch völlig naiv und reine PR. Wenn sie es wollten, investieren sie 2 € und geben eine repräsentative Umfrage in Auftrag.

    Es gibt aber doch viel entscheidendere Fragen als die Platzierung von Content in Ranking-Shows: Wie schaffen es Ereignisse und Themen in die News und die Reportage-Plätze?

    Wie funktioniert die Auswahl von Unterhaltungssendungen? Hier könnte man mal über eine Zuschauerbeteiligung nachdenken..

  16. 16
    nona says:

    Nicht zuletzt die Tatsache, dass einige Verschiebungen aufgrund zu geringer Beteiligung an den Abstimmungen/Umfragen „nötig“ waren, um ein tatsächliches „Ranking“ vorzugaukeln, sollte ein für alle mal ausreichen, um dieses furchtbar flache und dümmliche Konzept so kritisch zu hinterfragen, dass am Ende nur die Einstampfung desselben stehen kann. Die Zuschauer interessiert offenbar überhaupt nicht die Rangfolge. Es geht dabei ergo nicht um Beteiligung der Zuschauer, sondern um das Vorgaukeln von Beteiligung (ebenso wie das leidige Tweetvorlesen und Facebookerklären im Fernsehen Beteiligungsvorgaukelei ist). Am kuscheligen Nimbus „wir machen Programm für Sie nach Ihren Wünschen!“ soll nicht gerüttelt werden.

    Es ist natürlich auch nicht logisch zu erklären, warum „Die beliebtesten (irgendwas)“ überhaupt in eine Pseudo-Rangliste gekippt werden müssen. Wenn etwas beliebt oder sonstwie gern gesehen ist, dann sollte es möglich sein, es dokumentarisch-unterhaltsam zu präsentieren, wie es ja weithin auch gemacht wurde und wird. Das ist inhaltlich tendentiell immer noch sehr hohl und oberflächlich wenn es in 10 Schnipseln pro Sendung daherkommt („Unser nächster Fall: …“) anstatt sich auf ein Element zu konzentrieren, wie man z.B. am ZDF und seinen inkompetenten „History“-Filmchen sehen kann (irgendwo im Dunstkreis von „Die schlimmsten Raumfahrtkatastrophen“ und „Die grössten Spionagefälle des Jahrhunderts“ und dergleichen), aber da weiss man wenigstens dass es Autoren und Redaktionen zusammengestellt haben, ohne die Gebührenzahler dabei dreist anzulügen und sowieso nicht ernstzunehmen.

  17. 17
    JFL says:

    Und natürlich geht es bei diesen ganzen Listing-Formaten einzig und allein ums Geld. Denn diese Ranking-Shows setzen sich zu 75% aus sendereigenem Archivmaterial zusammen, das i.d. R. nicht nacherworben werden muss.

    Unterm Strich kommen da sehr günstige Produktionskosten pro Sendung heraus, weil neben den für Filmmaterial ggfs. anfallenden Lizenzgebühren nur Rechereche, Schnitt und Moderationen honoriert werden müssen.

    Diese neu aufgezeichneten Moderationen für die Rankingformate führen aber in der Folge dazu, dass alle öffentlich-rechtlichen Sender ihre Shows als „Neuproduktionen“ titulieren können. Damit entgehen sie geschickt dem Vorwurf, nur „Konserven“ abzududeln und können sich dann damit schmücken, dem Zuschauer stets „neue Ware“ zu präsentieren.

    Das wäre dann die nächste, in den Bereich der Manipulation gehende Eigenmächtigkeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten, bei der man sich die Frage nach der Verwendung der Gebührengelder stellen darf….

  18. 18
    DL2MCD says:

    Ich glaube, wir können Michael Ramstetter einen Ehrenpreis verleihen für subversives Aufdecken von Gemauschel: wenn er beim ADAC nicht so grandios Mist gebaut hätte, daß er damit aufgeflogen ist, würden die alle noch die nächsten 10 Jahre so weiter machen.

    Ja, klar, prominente Jurys mit den üblichen Verdächtigen. Damit die Abstimmung ausfällt wie immer. Und dann singt noch Paola…ach nein, dann kommentiert Eckart von Witzhausen.

    Da ist mir selbst eine von Fanclubs manipulierte Online-Abstimmung noch lieber.

    Vom westdeutschen Rundfunk Köln wundert mich allerdings nix. Bald kommt sicher auch die schon 2000 von mir prophezeite Sendung „die 50 peinlichsten E-Mails – wir präsentieren das Beste aus von uns auf dem Rechtsweg eingeklagten Mailboxen fremder Leute“…

  19. 19
    Kraeuselhirn says:

    Die Dinger sind BILLIG also gibts da viele von.
    Inhalt ist doch wohl ziemlich egal.. wo ist denn bei ‚Die schönsten Bauwerke von Hessen‘ der Inhalt .Da kommt in der nächsten Linie doch schon ‚Die saubersten Mülltonnen von Potsdam‘. Das ist doch Alles inhaltleeres Geblubber (mit hübschen Bildern) was sich doch vermutlich nur Leute angucken die nicht stattdessen die leere Wand angucken wollen (wegen der hüschen Bilder). In welcher aus der Luft gezogenen Reihefolge die hübschen Bilder kommen ist da irgendwie egal, finde ich.
    Dass die Sender das nciht ernst nehmen wundert da nicht, die wissen ja am besten was für einen Müll die da auftischen. Was mich wundert ist dass die bisher nciht einfach die maximale Tranaprenz auspacken. Wäre einfach und käm gut. Oder ist das nicht einfach.. wird da in kleinen Abteilungen vor sich hin gewurschtelt ? das wäre nicht so gut. Oder ist das einfach nicht mal DAFÜR wichtig genug ?

  20. 20
    Kraeuselhirn says:

    Meine Güte.. noch mehr tippfehler als sonst (neuer Laptop:) :Tschuldigung!

  21. 21
    Peter Schmidt says:

    Ich weiß nicht, ob es hier schon diskutiert wurde. Was ist eigentlich mit den Abstimmungen zum Sänger-Grand-Prix (mir fällt gerade der neue Name nicht ein). Auch alles gemogelt? Nur so ein Gedanke, würde aber manches erklären.

  22. 22
    Pepito says:

    @Peter Schmidt, #21
    Der ESC ist doch Stefan Niggemeiers Spezialgebiet, da finden Sie hier im Archiv einige Beiträge zu.
    Das ist aber kaum vergleichbar. Zwar ist dort so viel ich weiß auch nicht wirklich transparent, wie die Teilnehmer des nationalen Vorentscheids ausgewählt werden, aber das spätere Abstimmverfahren ist zumindest klar definiert. Zum einen wird dort nicht online abgestimmt, zum anderen ist dort der Einfluss einer Fachjury auf das Endergebnis von vorneherein vorgesehen und rechnerisch definiert. Auch ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dort ungleich höher, sodass Manipulationen deutlich aufwendiger wären. Näheres über das Verfahren der Stimmenabgabe und-auszählung weiß ich da aber auch nicht.
    Über die Merkwürdigkeiten der Ergebnisse in anderen Ländern hatte Stefan auch schon mal was geschrieben.
    Generell aber wäre ich vorsichtig, von den Manipulationen bei belanglosen Rankings im Dritten pauschal auf sämtliche Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen zu schließen.

  23. 23
    Susanne says:

    Im ersten Absatz fehlt mir noch das ZDF, das ja wohl auch mit mind. einer Hitliste sehr großzügig umging, wie hier zu lesen war. Und wie kommt man auf die Idee, dass die Entscheidung einer etwa zehnköpfigen Jury representativer ist als ein Online-Voting?

  24. 24
    Oliver says:

    Oberstes Gebot im Quotenzoo: „Du sollst deine Zuschauer bei der Stange halten. Sie sollen nicht wegzappen.“

    Damit es nicht wegzappt, muss man dem Pulikum Glück versprechen. Man muss ihm von vornherein sagen, dass es sich lohnt, dranzubleiben. Man braucht also eine klar überschaubare und leicht nachvollziehbare Dramaturgie, einen Spannungsbogen mit allmählicher Steigerung und ein klar definiertes Ziel.

    Die Macher der Ranking-Shows haben herausgefunden, dass man dem obersten Quotengebot schon dadurch entsprechen kann, dass man innerhalb einer Sendung einen Countdown von Zehn bis Eins herunterzählt. Das Füllmaterial, mit dem der Raum zwischen den Zahlen ausgestopft wird, ist offenbar nachrangig. Das simple Setting sorgt für gute Quoten, begünstigt aber zugleich den passiven Zuschauer, der sich gern berieseln lässt, aber nicht geneigt ist, sich aktiv am Geschehen (z.B. an Abstimmungen) zu beteiligen. Die Ranking-Show bedient die Passivität des Publikums, obwohl sie etwas anderes vorgaukelt.

    Die starke Asymmetrie von Aktivität und Passivität, die hier zum Ausdruck kommt, ist unserer Gesellschaft einbeschrieben wie jene von Lohnarbeit und Urlaub, Tagwerk und Feierabend, Ernst und Unterhaltung. Wer das Konzept der Ranking-Show in Frage stellt, übt zugleich Kritik am großen Ganzen.

  25. 25
    John Lenin says:

    Seit wann sind eigentlich Bud Spencer und Terence Hill Komiker? Es ist alles so sinnlos …

  26. 26
    Wowe says:

    Ein befreundeter Regisseur, der auch regelmäßig im Abspann solcher Sendungen auftaucht, hat mir mal erklärt, daß sich die Dritten gerade mit solchem Müll einen billigen Zuschauer-Sockel schaffen würden. Das könne man gut an der Quoten-Entwicklung des HR sehen, dessen Verantwortliche den Hals nicht vollbekommen könnten mit wie auch immer geartetem Hessen-Content. Das sei ein wenig wie täglich „Schweinefüttern“

  27. 27
    meykosoft says:

    @24#Oliver
    „Damit es nicht wegzappt, muss man dem Pulikum Glück versprechen. Man muss ihm von vornherein sagen, dass es sich lohnt, dranzubleiben.“

    Woher mag wohl diese weitverbreitete Idee stammen, dass, wer seine Fernbedienung exzessiv benutzt, irgendwo hin zappen will, also irgend etwas sucht? Ich bin eigentlich meistens auf der Flucht:
    http://bit.ly/XTdj8B

  28. 28
    DerMaestro says:

    Und dann erdreistet man sich auch noch, in der Überschrift der Pressemeldung das Problem selbst unter den Tisch zu kehren und erwähnt nur, dass man was positives macht: „hr führt Transparenzregeln für Formate mit Zuschauer-Beteiligung ein“

  29. 29
    HenryG. says:

    Das ZDF hat einen noch viel größeren Skandal! Haltet Euch fest:

    Die Lacher in der heute show wurden jahrelang gefälscht. Man hat sie künstlich eingespielt und für betimmte Pointen zusätzlich manipuliert!

    Zuschauer fordern jetzt personelle Konsequenzen von Moderator Oliver Welke.

    Martin Sonneborn ist bereits in Brüssel auf der Flucht.

    Olaf Schubert soll untergetaucht sein. Ermittler fanden seinen karrierten Pullunder ohne Inhalt und Nachbarn berichten sogar, er speche jetzt hochdeutsch.

    Ich habe jahrelang gedacht alle finden die heute show lustig und wir lachen gemeinsam. Wir werden von den öffentlich-rechtlichen Sendern nur belogen und betrogen!

  30. 30
    Kay Macke says:

    @HenryG
    Ähm…mja.

  31. 31
    Arne Hoffmann says:

    @ freiwild:

    > Und demnächst in der ARD: „Die beliebtesten Medienkritiker der Deutschen“ (d.h. der Jury bestehend aus Henryk Broder, Wolfgang Büchner, Jo Groebel, Manfred Güllner, Peter Hahne, Anne Hoffmann, Josef Joffe, Lutz Marmor, Matthias Matussek, Burkhardt Müller-Sönksen, Konstantin Neven DuMont, Gabor Steingart, Peter Turi und Wolfram Weimer).

    „Anne“ Hoffmann? Jetzt geht’s aber los. :-o Schlimm genug, dass man mit dem doofen Broder in derselben Jury sitzen muss … :D

    Davon abgesehen hatte ich aber einen sehr ähnlichen Gedanken, als ich die drollige Zusammenstellung der angeblichen HR-Jury gelesen habe.

  32. 32
    olfinger says:

    mich erstaunt das erstaunen. bereits 2007 hatte ich aus beruflichen gründen das zweifelhafte vergnügen, eine ranking-show von radio bremen zu sehen. damals sollten die zuschauer über den schönsten lovesong aller zeiten entscheiden.
    http://www.radiobremen.de/unternehmen/presse/fernsehen/pressemitteilung4952.html
    klar, dass man weder die beatles noch die stones in die sendung einladen konnte. gewonnen hat (meiner erinnerung nach, 100%ig sicher bin ich mir nicht und ich habe die platzierungen auch nicht im netz gefunden) heinz rudolf kunze mit „dein ist mein ganzes herz“. auch peter maffay landete ziemlich weit vorne. wohlgemerkt bei einer internationalen hitparade mit songs aller zeiten.
    klar, dass man den sieger gerne in der sendung haben wollte. den musste sich das kleine radio bremen auch leisten können. und zu wem hats da gereicht? zum in der versenkung verschwundenen kunze. für mich lag das damals auf der hand. offen hinterfragt habe ich es aber nicht, weil ich das ungefähr so wichtig fand, wie einen bauernhof im saarland.

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