Was der Presserat empfiehlt, ist dem „Spiegel“ egal

29 Sep 14
29. September 2014


(Unkenntlichmachung: BILDblog)

Mit seinem „Stoppt Putin jetzt“-Titelbild hat der „Spiegel“ gegen den Pressekodex verstoßen. Das hat der Beschwerdeausschuss 2 des Deutschen Presserates am 9. September einstimmig festgestellt. Das Nachrichtenmagazin habe die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Opfer des Fluges MH17 verletzt und sie „zur Emotionalisierung für die im Titel enthaltene politische These instrumentalisiert“.

Der „Spiegel“ hält das für keine erwähnenswerte Tatsache.

Bis heute hat er nicht darüber berichtet, dass das Selbstkontroll-Gremium eine Missbilligung ausgesprochen hat. Er hat es offenkundig auch nicht vor.

Der Geschäftsführende Redakteur Rüdiger Ditz schreibt mir auf Anfrage, die „Abdruckpflicht“ gelte laut Beschwerdeordnung des Presserats „ausschließlich für Rügen. Bei der Missbilligung ist das nicht vorgesehen. Und auch bei anderen Blättern ist es zumindest sehr unüblich, Missbilligungen abzudrucken. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt.“

Nun, hier wäre einer, ganz aktuell sogar, aus dem „Nordbayerischen Kurier“.

Tatsächlich besteht laut Beschwerdeordnung keine Pflicht, Missbilligungen zu veröffentlichungen. Als „Ausdruck fairer Berichterstattung“ empfiehlt der Beschwerdeausschuss jedoch die Veröffentlichung. Das steht sogar in der konkreten Entscheidung des Presserates, die der „Spiegel“ bekommen hat.

Ich vermute, dass sie dort mit dem Ausdruck „faire Berichterstattung“ nichts anfangen konnten.

Der „Spiegel“ hat eine eigene Rubrik, in der er über Reaktionen auf seine Berichterstattung berichtet. Sie heißt „Rückspiegel“, und wenn Margot Käßmann in der „Gala“ erzählt, wie es war, als sie dem „Spiegel“ ein Interview gegeben hat, steht es hier, und wenn der „Kölner Stadtanzeiger“ etwas zitiert, was der „Spiegel“ herausgefunden hat, steht es hier, und wenn das „Heute Journal“ den „Spiegel“ erwähnt, steht es hier.

Wenn der Presserat das Titelbild des „Spiegel“ kritisiert, weil er die Opfer eines Flugzeugabsturzes zur Emotionalisierung einer politischen These instrumentalisiert hat, steht es hier nicht und nicht bei „Spiegel Online“ und nicht zwischen den Steppenläufern, die durch das „Spiegelblog“ wehen.

Am 11. August zitierte der „Spiegel“ in seiner „Rückspiegel“-Rubrik allerdings ausführlich aus einem Artikel von „FAZ“-Redakteur Michael Hanfeld:

Die sind ja so cool, die Redakteure der Bild am Sonntag. Wie sie da in der Fernsehwerbung auftauchen … Ganz am Rande taucht, wenn ich mich nicht täusche, im jüngsten Spot kurz der stellvertretende Chefredakteur Nicolaus Fest auf. Der hatte, wie wir uns erinnern, einen Kommentar gegen den Islam geschrieben, dem man nicht zustimmen muss. Und wurde dafür anschließend … in den Boden gestampft. Die BamS-Chefin Marion Horn eierte herum. Der Bild-Chefredakteur Kai Diekmann konterte Fests Kommentar nicht nur, er nahm ihn auseinander und lud einen Gastkommentator ein, es dem Kollegen richtig zu zeigen. Sollte man das so machen, wenn sich im Internet, wie es heute andauernd passiert, der Shitstorm formiert und die Sache richtig dampft? … Wie man es besser macht und der Versuchung, sich dem Shitstorm zu ergeben, nicht erliegt, bewies diese Woche der SPIEGEL. Da gab es Unmut zuhauf über das Titelbild „Stoppt Putin jetzt!“. Kriegstreiberei sei das, tönte es massenhaft. Putins fünfte Kolonne im Netz ist bekanntlich rege. Das sei „eine absurde Behauptung“, hieß es dazu im SPIEGEL-Blog in eigener Sache. Damit verbunden war der Hinweis, die Titelgeschichte doch bitte mal ganz zu lesen. Man muss sich schon überlegen, ob es überhaupt nötig ist, seinen Standpunkt nochmals moderierend zu verteidigen.

Man kann den Abdruck dieser FAZ-Textstellen mit dem Plädoyer im letzten Satz im „Spiegel“ vermutlich programmatisch verstehen. Der „Spiegel“ verteidigt sich nicht. Das hat er überhaupt nicht nötig, denn er ist ja der „Spiegel“. Und wenn er nicht dazu verpflichtet ist, eine Missbilligung durch den Presserat zu veröffentlichen, veröffentlicht er sie natürlich nicht. Denn was wäre dadurch schon zu gewinnen? Also, außer Vertrauen?

Erstaunlicherweise hat sich der „Spiegel“ zwar nicht gegenüber seinen Lesern und der kritischen Öffentlichkeit, aber gegenüber dem Presserat richtig ins Zeug gelegt, um mit bemerkenswerten Spitzfindigkeiten den Vorwurf mehrerer Beschwerdeführer zu entkräften, der „Spiegel“ habe die Persönlichkeitsrechte der Opfer oder Gefühle der Angehörigen verletzt oder die Opfer instrumentalisiert. Der Presserat fasst die Argumentation des „Spiegel“-Justiziariates so zusammen:

Bis heute, circa einen Monat nach Veröffentlichung, habe sich noch kein Angehöriger an den SPIEGEL gewandt und eine Verletzung seiner Gefühle gerügt. Es habe auch kein Angehöriger moniert, dass die Opfer durch den SPIEGEL instrumentalisiert würden. Wieso auch? Selbstverständlich lasse der SPIEGEL nicht die verstorbenen Opfer fordern, dass Putin gestoppt werden müsse, sondern nehme die Opfer zum Anlass seiner Forderung, Putin zu stoppen.

Warum sollten Gefühle der Angehörigen durch eine nochmalige Veröffentlichung ehemals mit Einverständnis ihrer verstorbenen Angehörigen veröffentlichter Portraitfotos verletzt werden? Warum solle die Nennung der Namen der Opfer die Gefühle ihrer Angehörigen verletzen? Die Namensnennung sei ein Gedenken, wie sie im nordeuropäischen Kulturkreis als aufrichtige Trauer und Innehalten absolut üblich sei. Folge eine Verletzung der Gefühle der Angehörigen aus der Veröffentlichung von harmlosen Fotos (wie sie im sudeuropäischen Bereich gerade auf Friedhöfen üblich seien)?

Der Rechtsabteilung sei bewusst, dass der Presserat die Veröffentlichung von „Opfergalerien“ als Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Opfer ansehe. Gerade in diesem Fall könne man nur anregen, dass der Presserat seine Einschätzung gut be- und überdenke. Denn wer die vom SPIEGEL gerade nicht veröffentlichten Fotos sehe (der Beschwerdegegner hat dazu insbesondere Fotos von Leichen von MH17-Passagieren eingereicht) und sich ernsthaft mit der dem Titel des Heftes einhergehenden „Emotionalisierung“ auseinandersetze, der müsse sich fragen, ob ein noch weitergehender Verzicht auf „Emotionalisierung“ nicht das genaue Gegenteil dessen sei, was von Medien nach Ziffer 1 zu Recht verlangt werde. Hätten die Medien mit der Veröffentlichung von Portraitfotos und nicht nur Zahlen nicht eine besonders verantwortungsvolle Balance gefunden zwischen der leicht möglichen Emotionalisierung durch Veröffentlichung der Bilder der Unglücksstelle und einem emotionslosen Datenjournalismus?

Was die Portraitfotoveröffentlichung und die Abwägung zwischen Berichterstattungsinteresse und Persönlichkeitsschutz angehe, sei allein Ziffer 11.3 und nicht 8.1 und 8.2 einschlägig. Es gehe nicht um Kriminalberichterstattung, sondern um eine Berichterstattung über Krieg, Unglücksfälle und Katastrophen. Und auch sonst sei die Veröffentlichung der Identität von Opfern in Wort und Bild nicht per se unzulässig, sondern eine Frage der Abwägung. In diese einzustellen sei auf Seiten des Berichterstattungsinteresses, dass nicht die Namen der Opfer eines Allerweltsdeliktes, sondern der ersten nicht mehr zu den eigentlichen Kriegsparteien zählenden Kriegsopfer und zivilen Opfer eines Krieges in Rede stünden. Auf Seiten des Persönlichkeitsschutzes sei zu berücksichtigen, dass die Identität der Opfer schon von der Malaysia-Airlines publik gemacht worden sei, längst öffentlich bekannt gewesen seien. Der SPIEGEL habe sich ausschließlich ohne irgendein Zugangshindernis zugänglicher öffentlicher Quellen bedient. Von daher könne die Veröffentlichung der Namen und von Fotos aus der von den Opfern selbst gewählten Sozial- oder Öffentlichkeitssphäre nach herkömmlichen, Fragen der Emotionalisierung nicht berücksichtigenden Maßstäben, nicht ansatzweise als Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte angesehen werden.

Der Presserat erwiderte:

Der Beschwerdeausschuss erkennt in der Gestaltung des Titelblatts eine Verletzung der Ziffer 8 des Pressekodex. Die Mitglieder sind übereinstimmend der Auffassung, dass die fünfzig mit Portraitfotos auf dem Titelblatt veröffentlichten Opfer des Unglücksfluges MH17 in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt werden. Denn zumindest für einen Teil der Opfer-Bilder lag offensichtlich keine Zustimmung zur Veröffentlichung im Sinne der Richtlinie 8.2** vor.

Aus einer vormaligen Veröffentlichung eines Bildes in einem sozialen Netzwerk kann nicht auf eine Genehmigung zur Verwendung des Bildmaterials in anderen Zusammenhängen geschlossen werden. Zudem ist für das Verständnis des Unglückshergangs das Wissen um die Identität der Opfer unerheblich. Zwar führt der Beschwerdegegner zu Recht aus, bei diesem Flugzeugabsturz handele es sich nicht um ein „Allerweltsdelikt“. Allein aus der Prominenz eines Unglücksfalls lässt sich jedoch kein berechtigtes öffentliches Interesse an der Identität der Opfer ableiten. Daher überlagert der Persönlichkeitsschutz der Opfer ein mögliches Interesse der Leser. Der Beschwerdeausschuss bleibt hier bei seiner, dem Beschwerdegegner ausweislich seiner Stellungnahme bereits bekannten, Spruchpraxis.

Einen Verstoß gegen den Opferschutz sieht der Ausschuss zudem darin, dass die auf dem Titelblatt abgebildeten Opfer zur Emotionalisierung für die im Titel enthaltene politische These „Stoppt Putin jetzt“ instrumentalisiert werden. Der Argumentation des Beschwerdegegners, bei der Abwägung zwischen Berichterstattungsinteresse und Persönlichkeitsschutz sei allein Richtlinie 11.3 und nicht 8.1 und 8.2 einschlägig, da es nicht um Kriminalitätsberichterstattung gehe, folgt der Beschwerdeausschuss nicht. Richtlinie 8.2 bezieht sich als Konkretisierung zu Ziffer 8 auf den Opferschutz im Allgemeinen und nicht auf die in Richtlinie 8.1 thematisierte Kriminalitätsberichterstattung und ist daher auch bei Kriegs- oder Katastrophenberichterstattung einschlägig.

[Offenlegung: Ich habe eineinhalb Jahre für den „Spiegel“ gearbeitet.]

40 Gedanken
  1. 1
    Marcus says:

    Aus dem letzten Presseratzitat:

    „Aus einer vormaligen Veröffentlichung eines Bildes in einem sozialen Netzwerk kann nicht auf eine Genehmigung zur Verwendung des Bildmaterials in anderen Zusammenhängen geschlossen werden.“

    Ich habe in letzter Zeit öfters gesehen, dass Medien Facebook-Bilder einfach so übernehmen und veröffentlichen. Beispielsweise hat die Hamburger MoPo, als vor einigen Monaten eine Frau in Harburg von ihrem Mann erstochen wurde, Bilder aus der Facebook-Seite dieser Frau übernommen.

    Das sollte auf jeden Fall immer mindestens gerügt, besser noch bestraft werden.

  2. 2
    Thomas K. says:

    Was der Presserat empfiehlt und entscheidet, ist nicht nur dem Spiegel egal. Was der Presserat entscheidet, ist grundsätzlich egal, weil es keine Konsequenzen hat. Wen interessiert – im schlimmsten Fall – eine Rüge, die das Medium nach ein paar Wochen oder Monaten auf der letzten Seite abdruckt?

    Ein Hinweis, eine Missbilligung oder Rüge sollte immer die Zahlung eines festgelegten Geldbetrags für einen guten Zweck zur Folge haben, im Falle des „Spiegel“-Artikels z.B. an eine Waisen-Organisation. Ein hübscher 5- oder 6-stelliger Betrag sollte doch Abschreckung genug sein.

    Aber wenn man sich anschaut, wem der Presserat „gehört“, wird so etwas wohl niemals kommen.

  3. 3
    theo says:

    „Putins fünfte Kolonne im Netz ist bekanntlich rege.“

    Das ist die Sprache der FAZ, der publizistische Rücksturz in die 50er Jahre. Wer anderer Meinung ist, der gilt als Putin-Versteher oder ist gleich ein Agent der Russen. Alle Wege führen nach Moskau, so lautete auch ein CDU-Wahlplakat damals, und die FAZ hat das Plakatmotiv vor einiger Zeit ironiefrei auf die eigene Titelseite gehoben.

  4. 4
    Jean Pierre Hintze says:

    Die publizistischen Ehren der Opfer haben einen höheren Wert als die presserechtlichen Haarspaltereien der deutschen Putinisten. Vielleicht sollten Sie, Herr Niggemeier, den Lesern eher erläutern, weshalb Sie nicht mehr für den SPIEGEL tätig sind, anstatt sich stets und ständig als journalistischer Gutmensch zu profilieren…?

  5. 5
    Jürgen says:

    Dass es dem Spiegel um die “ Emotionalisierung einer politischen These“ gegangen sei, ist ja sehr vornehm ausgedrückt. Man könnte auch von “ Emotionalisierung einer propagandistischen Mutmaßung“ sprechen.

  6. 6
    ek says:

    @ Herrn Niggemeier:
    Auch ich bin vor vielen Jahren am Sonntag nach dem Tatort noch zum Bahnhof gelaufen, um den SPIEGEL um 22:00 zu bekommen.
    Ist, wie festgestellt, lange her…

  7. 7
    Wisakedjak says:

    Die Zeiten, in denen man den „Spiegel“ ganz unironisch als Sturmgeschütz der Demokratie bezeichnen konnte sind weiter weg, als die Zeiten, in denen man die Worte Max Goldts über die „Bild“ auch auf den „Spiegel“ und seine Redakteure wird anwenden können.

  8. 8
    Sigmund says:

    Klarer Fall, der Presserat ist vom KGB unterwandert. Anders ist das nicht zu erklären.

    Aber im Ernst: Diese Leier, au oben von Hintze, ist vor allem eins: Bequem.
    Man muss sich nicht mit so was wie Argumenten auseinandersetzen, es reichen polemische Werturteile.
    Dabei ist das ganze ein Zirkelschluss, vergleichbar dem Vorwurf der Befangenheit an den Richter in einem Verfahren:
    Natürlich kann ein Richter tatsächlich befangen sein, für mich ist der Richter immer dann befangen, wenn er nicht in meinem Sinne entscheidet.
    Zwei Möglichkeiten: Er entscheidet zu meinen Gunsten, oder er ist befangen.
    Beweis für die Befangenheit: Er hat gegen meinen Gust entscheiden.
    Ein Zirkel- als auch Fehlschluss, klar, aber innerhalb dieser Logik unwiderlegbar.

  9. 9
    Hardy Prothmann says:

    Das ist eines der Probleme, dass ich mit dem Presserat habe: Seine Alibi-Funktion. Es gibt keine Möglichkeit echter „Sanktionen“.

    Vielleicht sollte man auch die Missbilligung veröffentlichungspflichtig machen. Dann würde aber schnell viel Platz gebraucht.

    Seit einem Jahr bin ich Mitglied – wie auch andere neue Internetangebote, die zum Netzwerk istlokal.de gehören.

    Soweit mir bekannt ist, gab es in dieser Zeit keine Rügen und keine Missbilligungen gegenüber den Blogs und lokalen Internetzeitungen.

    Spricht das für eine bessere Qualität? Nicht unbedingt – aber immerhin dafür, dass man nicht unbedingt einer Sensationsgier folgt, was aber heutzutage schon ein Qualitätsmerkmal sein kann.

  10. 10
    Markus Kompa says:

    Sicher ist es nur ein häßlicher Zufall, dass die Vorsitzende des Plenums des Deutschen Presserats die Geschäftsführerin von Spiegel Online ist. Das wird bestimmt keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt haben, dass man nur diskret „missbilligt“ statt rügt.

    Meine Rechtsmeinung zum Spiegel-Cover habe ich in der gebotenen Kürze hier dargelegt:
    http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/spiegel-cover-foto-opfer-mh017-presserecht-urheberrecht-persoenlichkeitsrecht/

  11. 11
    jochen says:

    @Kompa: Bevor Sie mal wieder vollständig substanzlos rumspekulieren, hätten Sie vielleicht mal die Satzung des Presserates lesen sollen. Die Vorsitzende des Plenums hat so gut wie keinen Einfluss auf die Entscheidung, da Beschlüsse mit 2/3-Mehrheit beschlossen werden. Ich frage mich daher waren sie hier keine diffamierenden Unwahrheiten verbreiten?

  12. 12
    Stefan Niggemeier says:

    @Markus Kompa: Das Plenum hat mit der Entscheidung aber gar nichts zu tun. Sie wurde getroffen vom Beschwerdeausschuss 2.

    Dass da grundsätzlich die Branche über sich selbst urteilt, liegt in der Natur der Sache einer freiwilligen Selbstkontrolle.

  13. 13
    meykosoft says:

    Nochmal kurz zu: “ Andauerndem Shitstorm“

    Wie viele der Journalistenkollegen, neigt der Spiegel, statt auch nur ein wenig Selbstzweifel aufkommen zu lassen, am ehesten zu einer weitverbreiteten, hilflosen Art der „Kundenabwertung“ oder „Publikumsbeschimpfung“. Mit Begriffen wie „Shitstorm“, „Putinversteher“, „Russlandfreunde“, etc. werden unerwünschte Lesermeinungen oder grad nicht ins journalistische Bild passende Informationen kurzerhand niedergemacht und abgewertet.

    Dazu werden üblicher Weise einige harsche oder unsachliche Leserbeiträge, von den tausend oder mehr kritisch-sachlichen Kommentaren ausgewählt und dann beispielhaft hervorgehoben. Für diverse Journalisten also nichts weiter, als das ganz normale Alltagsgeschäft: Der klassische Tendenzjournalismus. Dabei in „eigener Sache“ erkennbar etwas verbissener und zudem um einiges verschleierter, als in der üblichen Ausführung.

    Es verstärkt sich freilich der Eindruck, der Begriff „Shitstorm“ wird, zumindest bei anhaltend widersprechenden Leserkommentaren, von einigen Journalisten gerne missverstanden oder ganz unbekümmert, mal eben schnell umgedeutet. Der Autor fühlt sich nun plötzlich nicht verstanden oder gar „angegriffen“. Manch einer steht dann, nach seinem misslungenen Beitrag, überraschend harmlos oder gar „hilflos“ und unbedarft dreinschauend, als ein zu unrecht vom „Shitstorm“ bedrängter Journalist, vor seinem Publikum.

    Liebe Journalisten, nur in seltenen Fällen es ist ein „Shitstorm“. Meist sind es einfach nur ganz viele andere und häufig auch gegensätzliche Sichtweisen oder zusätzliche Informationen. Konformität ist halt nicht alles, was so zählt im Leben.

  14. 14
    Fritz Grüner says:

    Sie tun, als wären Sie überrascht. Seit der Spiegel durch Übernahme der Chrefredaktion der BILD gehört findet man ständig solche Vorgehensweisen. Meinungen im Forum werden unterdrückt, wenn sie nicht passen, Fragen zur Redaktion werden einfach nicht beantwortet, da muß die BILD noch einiges tun, um den Spiegel auf gleiches Niveau zu heben.

  15. 15
    martinf says:

    @Jean Pierre Hintze: Was bitte soll das sein, die „publizistische Ehre der Opfer“? Übersetzt soll das doch wohl bedeuten, dass die Opfer durch die Organe der Massenkommunikation zu achten sind, oder? Achtung entgegenbringen kann hier doch nur bedeuten, dass man fragt bevor Bilder verölffentlicht werden. Alles andere wäre doch Mißachtung. Also realisiert sich die publizistische Ehre der Opfer doch gerade dadurch, indem man sich an die Richtlinien des Presserates hält. oder? Das ist etwas anderes als die „Ehre“ der Presse, ungefragt Fotos der Opfer für politische Propaganda zu mißbrauchen. Auch im publizistischen Kampf gegen einen Schurkenstaat ist nicht alles erlaubt, es sei denn man *** auf die eigene Glaubwürdigkeit.

  16. 16
    Kati says:

    Hm, ich bin ein bisschen hin und her gerissen. Einerseits ist es zu bedauern, dass beim Spiegel inzwischen Leute den Ton angeben, die „Ihr seid alle doof! Fünfte Kolonne! Kommunistenliebchen! PUTINVERSTEHER! UND ÜBERHAUPT: IHR SEID ALLE DOOF“ für eine überzeugende Argumentation halten, aber andererseits ist es ja auch nicht schlecht, wenn all diejenigen,die eine glaubwürdige Berichterstattung erwarten, nun sehen, was man davon zu halten hat. Ich trauere denn doch noch ein bisschen dem Spiegel meiner Jugendjahre hinterher, aber besser der Spiegel beweist selbst, wie mies seine Berichterstattung und vor allem seine Einstellung den zahlenden Lesern gegenüber ist, als dass die Leute weiterhin diesen Schund lesen, es glauben und das sogar noch bezahlen. Vielleicht entsteht ja was besseres, wenn der Spiegel merkt, dass Verleger-Hartz.-IV (vulgo: LSR) auch keine Lösung ist. Und wenn nicht: Auch egal. Wird schon jemand die Lücke füllen.

  17. 17
    Kraeuselhirn says:

    Ich finde das ist eine Mischung aus dem ‚Bild‘ Sensationsjournalismus und dem Todeskampf eines überholten Mediums : Da wird in der Verzweiflung schon mal, damit noch IRGENDWER das Blatt kauft zu unsauberen Mitteln gegriffen.

  18. 18
    Meinungsmacht says:

    @Jean Pierre Hintze
    Also wenn ich eine – nach westeuropäischen Standards – ausgewogene Berichterstattung einfordere, bin ich ein „Putinist“? Gehts noch dämlicher? Weil ich mich nicht damit zufrieden gebe, dass westliche (deutschsprachige) Medien glauben, (sowjet)russische Pressestandards seien in Zeiten wie diesen ausreichend? Ich bin also „Putinist“ (oder fallweise auch „Stalinist“) weil ich die Pressefreiheit für mich nicht nur ein Privileg sondern auch eine Verpflichtung (zu Objektivität und einem Minestmaß an Ausgewogenheit) darstellt? Menschen wie sie haben es geschafft, dass die Berufsbezeichnung „Journalist“ als Beleidigung verwendet und verstanden wird. Herzlichen Dank!

  19. 19
    Fry says:

    Alles richtig und gut. Nur stellt m.E. die Missbilligung des Presserates auf eine Nebensache ab: die Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Opfer ist zwar auch wichtig, es gibt aber noch etwas wesentlich Wichtigeres. Und das ist die Instrumentalisierung des tragischen Unglücks für eine einseitige, verkürzende, uninformierte und desinformierende Propagandaaussage „Stoppt Putin jetzt“. Die Flugzeugteile waren sozusagen noch nicht mal am Boden und abgekühlt, da zieht der Spiegel bereits die dritte und vierte Konsequenz aus seiner Interpretation des Geschehens: personifiziert, dämonisierend wird auf „Putin“ verwiesen. Frei von jedem Informationsauftrag, und anstatt dass der Spiegel erstmal recherchiert und berichtet, was überhaupt passiert ist, wird unverblümt MeinungsMACHE betrieben.

    Dabei könnte man – im gleichen Unwissen – ebenso in die andere Richtung hetzen: trägt der Westen nicht Verantwortung für die Destabilisierung der Region? Und wie kommt es, dass der ansonsten allwissende und „zu unserem Schutz“ überaktive US-Geheimdienst der Öffentlichkeit nicht einmal erzählen will, was seine Satelliten gesehen haben.

    Stattdessen Kriegstreiberei, und auf eine Weise, die sehr wohl den verstorbenen Opfern die gewünschte Propagandanachricht in den Mund legt.

  20. 20
    Susanne says:

    Tja, was ist aus dem „Spiegel“ geworden! Schlimm ist nicht nur, dass die Verantwortlichen ihren Fehlgriff nicht selbst bemerken, sondern vor allem auch, dass sie es nicht mal einsehen, wenn man sie darauf hinweist. Warum fällt mir zu diesem Thema nur die unsägliche Verbindung von „Spiegel“-Chefredaktion und „Bild“-Vergangenheit ein?

  21. 21
    Linus says:

    Woher kommt eigentlich dieser Glaube, der Spiegel sei früher irgendwie besser gewesen? Ist das Verklärung oder die Gnade der späten Geburt, beim Sturmgeschütz der Demokratie noch nicht geboren gewesen zu sein? Liest man heute zum Beispiel Ausgaben aus den 80ern, stößt einem diese gemurmelte Pop-, Fortschritts- und Intellektuellenfeindlichkeit, gepaart mit rechercheaverser Panikmache in jedem zweiten Artikel ins Auge.

  22. 22
    Sven Laser says:

    @Susanne: Sie denken natürlich an Blome – seitdem er beim SPIEGEL ist, habe ich jede Hoffnung verloren, dass daraus wieder ein anständiges Magazin wird.

  23. 23
    Stanz says:

    @21: Solche Kommentare wie ihren liest man im SpOn-Forum ja leider zuhauf.

    Ich weiß immer nicht recht, ob ich nun lachen oder weinen soll. Die einzig logische Erklärung des Vorfalls ist, dass „Separatisten“ das Flugzeug mit russischen Waffen abgeschossen haben. Das Geraune, die USA hielten hier Erkenntnisse zurück, die Theorie, es könnten ja ukrainische Einheiten gewesen sein, das ist alles absurd. Und das weiß doch eigentlich auch jeder. Man ist nur auf dem diplomatischen Parkett so höflich, es nicht offen auszusprechen.

    Die Schuld Putins liegt darin, dass er diesen Konflikt zum Laufen gebracht und am Laufen gehalten hat, u.a. indem er die Separatisten mit Waffen versorgt. Russland bestreitet das ja mittlerweile kaum noch. Allerdings hat Putin offensichtlich wieder und wieder öffentlich gelogen, wenn er behauptet hat, Russland habe mit all dem rein gar nichts zu tun. Irgendwie scheint das Leute wie Sie kaum aufzuregen. Ich finde das unfassbar. Ich habe mich damals über die USA aufgeregt, als sie falsche Beweise im Fall Irak vorlegten, und ich rege mich jetzt über Russland auf.

    Und dieser Schwachsinn von wegen „Kriegstreiberei“: Wo ruft denn der Spiegel zum Krieg auf? Kein Mensch im Westen will Krieg mit Russland. Alle westlichen Politiker betonen seit Beginn an gebetsmühlenartig, dass man aber auf gar keinen Fall Krieg mit Russland wolle. Wenn der Spiegel schreibt, stoppt Putin, dann meint er doch nicht mit kriegerischen Mitteln, sondern mit Sanktionen. Ich verstehe überhaupt nicht, was dieser alberne und lächerliche Vorwurf soll. Leute wie Sie könnten allerdings zur Kenntnis nehmen, dass Putin schon im Falle der Krim einen Krieg mit der Ukraine bereitwillig riskiert hat.

  24. 24
    Stephan says:

    @Stanz
    „Die einzig logische Erklärung des Vorfalls ist, dass „Separatisten“ das Flugzeug mit russischen Waffen abgeschossen haben. “

    Wenn man davon ausgehen würde, dass die Separatisten zum Zeitpunkt des Abschusses mindestens ein Kampfflugzeug (SU-25) bessessen hätten, dann wäre dies eine mögliche Erklärung, da die kreisrunden Einschusslöcher z.B. im Cockpit-Trümmerteil darauf hinweisen.
    Das Problem ist nur, dass die Separatisten gar nicht im Besitz eines Kampfflugzeuges waren.

    „Die Schuld Putins liegt darin, dass er diesen Konflikt zum Laufen gebracht und am Laufen gehalten hat, u.a. indem er die Separatisten mit Waffen versorgt. “
    Was war mit der orangenen Revolution? Was war mit Juschtschenko oder der „Bin bereit, dem Bastard in den Kopf zu schießen“-Timoschenko bzw. der Gasprinzessin? Was war mit Otpor? Der „Fuck-the-EU“-Nuland? Was ist mit der Aufklärung der Maidan-Toten oder der Ermordeten im Gewerschaftshaus in Odessa? Eine Annexion ist eine gewaltsame Aneignung eines Staates oder eines Teil eines Staates durch einen anderen Staat. Ist Russland in die Krim einmarschiert oder haben sich deren Bewohner in einem Referendum für einen Anschluss an Russland entschieden?
    Bis heute liegen der Öffentlichkeit keine wirklichen Beweise über die Verantwortlichen des Abschusses des Fluges MH-17 vor: Keine Satellitenfotos, keine Preisgabe der Cockpit-Recorder-Aufzeichnungen, keine Radardaten vom Unglückstag, keine Aussagen von Fluglotsen, keine Aussagen von Experten über die Beschädigungen der übriggebliebenen Trümmer etc. Die Untersuchung der Unfallstelle wurde immer wieder durch Beschuss gestört. Trotzdem wurde quasi sofort Russland bzw. Putin beschuldigt und dementsprechende Sanktionen verhängt.

  25. 25
    theo says:

    #25, #26:

    Kein Zweifel, dass Putin ein Spielchen spielt, dass russische Militärs da mitmischen, und wahrscheinlich waren es Separatisten, die das Flugzeug abgeschossen haben.

    Aber.

    Die Propaganda läuft auf allen Seiten.

    Was wirklich mit dem Flugzeug geschehen ist, wissen wir nicht. Und es hat in der Vergangenheit doch schon sehr häufig Dinge gegeben, die von der Öffentlichkeit und den Medien lange Zeit falsch eingeschätzt worden waren. Also bleibt es zunächst bei Vermutungen.

    Und ein Magazin, das sich selbst für seriös hält, baut nicht auf Spekulationen eine solche Propaganda-Show auf, so wie es der Spiegel getan hat und so wie es ein Hanfeld von der FAZ für korrekt hält. Man mag zu Putin stehen wie man will (ich halte ihn für gefährlich), aber das ist nicht das Thema, hier geht es um journalistische Grundprinzipien.

    Ach ja, Stanz: wenn du um Belege bittest, was den Vorwurf der „Kriegstreiberei“ betrifft, so könnte man dir einiges liefern. Mir ist das im Moment zu müßig. Wer lesen konnte und wollte, hat das längst erblickt.

  26. 26
    Stanz says:

    26, Stephan: Ach, das ist mir zu ermüdend. Klar, das Referendum: völlig freiwillig. Vergleichen Sie mal ein echtes Referendum wie neulich in Schottland mit diesem Fake-Referendum, das mit Demokratie, Wahlen, Selbstbestimmung nun rein gar nichts zu tun hat. Putin hat seinem illegalen Vorgehen das Mäntelchen Referendum umgehängt, und Menschen wie Sie kaufen ihm diesen Schmu auch noch bereitwillig ab. Wer dieses Referendum, wie Sie, als Beleg für die Legalität dieser Aktion heranzieht, der sollte mal einen Grundkurs Demokratie und vor allem Rechtsstaatlichkeit besuchen.

    27, theo: Kriegstreiberei, ehrlich? Also Belege dafür, dass der Spiegel einen „Krieg“ gegen Russland herbeischreiben will? Ich bin gespannt, muss allerdings leider anmerken, dass ich befangen bin: Ich halte das für groben Unfug, und das ist noch untertrieben.

  27. 27
    someonesdaughter says:

    „Über die Ukraine wird zurzeit viel gesprochen und publiziert. Putin bedrohe mittels seiner Einflussnahme in der Ukraine Europa, sei Aggressor, wolle Russland vergrößern etc. pp. Doch was ist dran an der „russischen Aggression“ – und welche Verantwortung trägt auch „der Westen“ wofür? Jens Wernicke sprach hierzu mit dem Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser.“

    http://www.kontextwochenzeitung.de/ueberm-kesselrand/183/die-nato-dehnt-sich-aus-2465.html

  28. 28
    Bernadette says:

    Eine Meinung hat doch inzwischen einen wesentlicheren Wert als die Information.
    Es darf sich doch keiner über solche Titelseiten, Artikel und Berichte zweifelhaften Inhalts, Blockeinträge und darauf folgende Komentare wundern. Vermutungen werden zu Fakten formuliert, damit sie einer Theorie, einer Meinung entsprechen.

    Um diese Meinung zu zementieren wird alles herangezogen und Gegenargumente direkt entkräftet oder garnicht herangezogen, und es wird in einem zunehmenden Maß nicht einmal versucht einen geprüften Fakt an zu führen. Dabei geht es nicht um den Sachverhalte, sondern nur um die eigene Meinung. Daher darf man sich nicht wundern, dass eventuelle Nebenerscheinungen wie Persönlichkeitsrechte vollkommen irrelevant werden.
    In diesem konkreten Fall ist es eine zusätzliche Information, welche die eigene Linie begünstigt.

    Die eigene Meinung als Privatperson ist ein Recht. Die Pflicht zur eigenen Meinung, gerade in den Informationsmedien, die sich „seriöse Berichterstattung oder Journalismus“ auf die Fahne schreiben ein Paradoxon. Man wird nicht mehr über einen Fakt oder Sachverhalt informiert, sondern über eine Meinung.
    Ist natürlich auch einfacher für den Leser zu schlucken.

    @Strafen bei Verfehlungen:
    So unzufrieden wie ich auch mit diesem Fall bin, so bin ich erschrocken wie selbstverständlich nach einem greifbarem Machtstatus gerufen wurde, Verlage nicht nur zu rügen, sondern sie auch zur Kasse zu bitten. Sowas würde meiner Meinung nach nur Dinge anschieben, die ich keinem Land wünsche, aber in vielen Ländern trauriger Fakt sind.
    Vielmehr sollten Verstösse gegen geltendes Recht (nachweislich? – bin kein Jurist) angemessen verfolgt werden und Folgen nach sich ziehen.

  29. 29
    Stephan says:

    @theo
    „und wahrscheinlich waren es Separatisten, die das Flugzeug abgeschossen haben.“

    Mit was genau kann man diese Behauptung begründen?

    @Bernadette
    „So unzufrieden wie ich auch mit diesem Fall bin, so bin ich erschrocken wie selbstverständlich nach einem greifbarem Machtstatus gerufen wurde, Verlage nicht nur zu rügen, sondern sie auch zur Kasse zu bitten. Sowas würde meiner Meinung nach nur Dinge anschieben, die ich keinem Land wünsche, aber in vielen Ländern trauriger Fakt sind.“

    Wenn Medien z.B. gegen Deine Persönlichkeitsrechte verstossen (z.B. Veröffentlichung sehr privater Bilder), ist es dann okay, wenn sie nur eine Rüge vom Presserat bekommen oder von einem Gericht ermahnt werden, dies in Zukunft zu unterlassen?

  30. 30
    Bernadette says:

    @Stephan:
    Danke! Mit diesem Beitrag hast du wesentliche Bestandteile meines Beitrags bestärkt.
    Du zitierst mich und ignorierst andere Zeilen nach eigenem gutdünken, um eine Meinung zu vertreten..
    Hättest du die letzten Zeilen meines Beitrages gelesen, dann wüsstest du, dass ich nicht per se gegen ein Vorgehen gegen solche Praktiken oder Verstössen bin. Ich bin nur dagegen einem Gremium machtpolitische Mittel in die Hand zu geben, die relativ simpel misbraucht werden könnten. Meine Persönlichkeitsrechte sind großteils rechtstaatlicher Fakt und der Verwendungsfreiraum als Information solcher Inhalte begrenzt, egal wie sehr man auf journalistische Freiheiten pocht.
    Hierfür bestehen bereits Organe, die man als Geschädigter nutzen kann.

    „Vielmehr sollten Verstösse gegen geltendes Recht (nachweislich? — bin kein Jurist) angemessen verfolgt werden und Folgen nach sich ziehen.“

  31. 31
    Dieter_Wondrazil says:

    @Stanz/28:
    Klar, alles eine Frage des Standpunktes. Die USA hat ja auch den Irak „befreit“, gell? Was für den einen wie ein Überfall und Bruch des Völkerrechts aussieht, ist für den anderen notwendig, um die leuchtende Fackel der Demokratie zu verbreiten.

    Kriegstreiberei beginnt bei der Wahl der Worte. Und alle, die sich ernsthaft mit dem Thema befassen, bemerken, dass wir von den Leitmedien auf einen Krieg eingeschworen werden. Natürlich sehen das die „Natoversteher“ anders. Klar.

  32. 32
    Stanz says:

    @33: Ich kann Ihrem Beitrag keine Argumente entnehmen. Und was den ersten Teil angeht: Vielleicht lesen Sie mal meinen Beitrag @25 durch.

  33. 33
    Linus says:

    @Dieter_Wondrazil

    Und alle, die sich ernsthaft mit dem Thema befassen, bemerken, dass wir von den Leitmedien auf einen Krieg eingeschworen werden.

    Komisch, in meiner Wahrnehmung ist das genau umgekehrt. Alle, die sich ernsthaft mit dem Thema befassen, gehen vom Gegenteil aus. Und dass die „Leitmedien“ unfassbar erfolgreich sind mit ihren Agenden, hat man ja ganz gut bei von und zu Guttenberg gesehen, den man uns als nächsten Kanzler verkaufen wollte. Oder an der Bild-Kampagne gegen Antisemitismus, die noch nichtmal die eigenen Leser interessiert, geschweige denn irgendjemand anderen.

  34. 34
    hugo says:

    in der sache volle zustimmung. aber ich muss immer über die beiträge hier schmunzeln, die sich „gegen“ den Spiegel richten; insbesondere über die „offenlegung“ immer am schluss. wenn der blogbetreiber vollständig ehrlich wäre, müsste da immer stehen „ich habe eineinhalb jahre für den spiegel gearbeitet und bin dann unzufrieden dort weggegangen, weil das spiegelblog nicht so gemacht wurde, wie es mein anliegen war“. das schreit dem leser jedenfalls immer zwischen den zeilen jedes solchen beitrags entgegen ;)

  35. 35
    Ian Roebell says:

    Als das Medienmagazin Zapp des NDR in der letzten Sendung diesen Spiegel-Titel positiv in einen Beitrag eingebunden hat, bin ich endgültig von jedwedem Glauben abgefallen. Mir gruselte schon, als ich den Spiegel vor einigen Wochen in Händen hielt (Muss ich _den_ jetzt wirklich kaufen?), aber die Verklärung zu emanzipiertem Journalismus neulich…

  36. 36
    ThomasM says:

    @hugo: sie sollten darüber nachdenken, ob es wirklich sinnvoll ist, jede These und jeden Artikel zuerst und fast ausschließlich mit der Person des Autors zu verbinden.

    In diesem Zusammenhang könnten sie in einem kleinen Experiment bei Gelegenheit auch einfach mal Kommentare und Meinungen aus verschiedenen Zeitungen komplett neutral, ohne Überschrift und ohne Autorennamen, zusammenstellen (lassen) und nur anhand des Textes bewerten. Eventuell führt dies zu einem Aha-Moment, wenn sie nicht von vornherein geistig eine bestimmte Schublade aufmachen. Allerdings werden sie wohl erschrecken anhand der kompletten Gleichschaltung aller großen deutschen Tageszeitungen in Fragen der Außenpolitik.

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  1. […] und Fehler zugegeben. Ein merkwürdiger Widerspruch in der Argumentation, der zudem verquer zu den Fakten steht. Die Vielfalt hat eklatant abgenommen, der Einheitsbrei in der politischen Berichterstattung […]

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  3. […] Stefan Niggemeier kritisiert, dass der SPIEGEL eine Missbilligung des Presserats nicht publiziert. Es bestehe dazu zwar keine […]

  4. […] Was der Presserat empfiehlt, ist dem „Spiegel“ egal Mit seinem „Stoppt Putin jetzt“-Titelbild hat der „Spiegel“ gegen den Pressekodex verstoßen. Das hat der Beschwerdeausschuss 2 des Deutschen Presserates am 9. September einstimmig festgestellt. Das Nachrichtenmagazin habe die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Opfer des Fluges MH17 verletzt und sie „zur Emotionalisierung für die im Titel enthaltene politische These instrumentalisiert“. Der „Spiegel“ hält das für keine erwähnenswerte Tatsache. Bis heute hat er nicht darüber berichtet, dass das Selbstkontroll-Gremium eine Missbilligung ausgesprochen hat. Er hat es offenkundig auch nicht vor. Der Geschäftsführende Redakteur Rüdiger Ditz schreibt mir auf Anfrage, die „Abdruckpflicht“ gelte laut Beschwerdeordnung des Presserats „ausschließlich für Rügen. Bei der Missbilligung ist das nicht vorgesehen. Und auch bei anderen Blättern ist es zumindest sehr unüblich, Missbilligungen abzudrucken. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt.“ Quelle: Stefan Niggemeier […]

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