Call-TV-Ermittlungen: Formel-1-Firma entfernt Chef aus Impressum

Bei der Sport-Media-Group ist die Zahl der Köpfe pro Vision kürzlich abrupt um 25 20 Prozent gesunken.

Vorher:

Hinterher:

Dazwischen.

Auch aus den Impressen der Seiten formel1.de und motorsport-total.com, die die Sport-Media-Group betreibt, ist der Name Stephan Mayerbacher verschwunden. Die Inhalte der Seite seiner Münchner Mayerbacher-Medienbeteiligungs-GmbH („Zukunftspartner für die Medienbranche“) wurden gelöscht.

Die Sport-Media-Group konnte oder wollte mir auf Anfrage bisher nicht sagen, ob Mayerbacher wegen der Vorwürfe — die seine früheren Tätigkeiten betreffen — formell von seinen Aufgaben als CEO entbunden wurde und sich das Unternehmen von ihm getrennt hat.

Nach dem Österreichischen „Standard“ (1, 2) berichtete gestern auch das Schweizer TV-Magazin „Kassensturz“ über die Haftbefehle, die die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs bei den früheren Anrufsendungen erlassen hat:

Drahtzieher dieses betrügerischen Systems sei, laut Vorwurf der Justiz, der Deutsche Stephan Mayerbacher gewesen. An ihn seien mehr als 2,9 Mio. Euro an Scheingewinnen zurückgeflossen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Schaden, den die Anrufer in den Warteschlaufen erlitten haben, wird durch einen Sachverständigen der Staatsanwaltschaft Wien auf mehr als 24 Mio. Euro geschätzt.

Nachtrag, 17:30 Uhr. Die Sport-Media-Group bestätigt, dass Stephan Mayerbacher aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es:

Hintergrund dieser Entscheidung ist ein Ermittlungsverfahren, das gegen Stephan Mayerbacher in Österreich anhängig ist. Sämtliche Vorwürfe datieren aus der Vergangenheit und deutlich vor seinem Engagement bei der smg. Sie stehen mit unserem Unternehmen in keinerlei Zusammenhang. Obwohl die Vorwürfe gegen Stephan Mayerbacher schwer wiegen, vermuten wir seine Unschuld. Die smg verdankt auch ihm den Erfolg der vergangenen zwei Jahre. Er hat viel mit der smg bewegt und sowohl die Agentur als auch die Portale nach vorn gebracht. Wir danken ihm für die geleistete Arbeit und sein Engagement. Stephan Mayerbacher hat sich dennoch dazu entschlossen in jeder Funktion aus dem Unternehmen auszuscheiden, um eine weitere erfolgreiche Zukunft der sport media group zu ermöglichen. Zudem wird er als Gesellschafter aus dem Unternehmen ausscheiden.

Neben Armin Gastl wurde Volker Glaser als neuer Geschäftsführer der sport media group GmbH benannt. (…)

32 Replies to “Call-TV-Ermittlungen: Formel-1-Firma entfernt Chef aus Impressum”

  1. Ich wollte das immer schon mal sagen können … Die Anzahl der Köpfe pro Vision war vorher vielleicht um 25% höher, gesunken ist sie jedoch um 20%.

  2. Ist es nicht erstaunlich, dass Marc Döhler heute bei RTL Punkt 12 in einem Beitrag zu Call-in ein kurzes Statement abgegeben hat, der Beitrag bei RTLnow allerdings verschwunden ist?

  3. „Sämtliche Vorwürfe datieren aus der Vergangenheit“ Na dann is‘ ja gut…(Die „Vision“ der Köpfe hat also nichts mit Präkognition zu tun)

  4. @3 auch wenn ich weiß, was Sie meinen, kann ich das als Mathematiker nicht stehen lassen:

    4 + 25% = 4 + 0.25 = 4.25
    5 – 20% = 5 – 0.2 = 4.8
    was Sie sicherlich meinten, ist:

    4 + „25% von 4“ = 4 + 4 * 0.25 = 5
    5 – „20% von 5“ = 5 – 5 * 0.2 = 4

  5. @#12 haus klaus:
    4 + 25% übersetzen Sie mit 4 + 0.25? Wie kommen Sie auf 0.25? 25% sind also immer 0.25? Und wird das nicht, wenn schon, 0,25 geschrieben?

  6. @#13

    Der „Zent“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet ‚Hundert‘, ‚Prozent‘ (Pro Zent) steht daher für 1/100. 25% sind somit 25/100, oder auch 0,25.

    Mathematiker rechnen tatsächlich auch mit 0,25 wobei hier aber eher die Multiplikation üblich ist. Also 25% von 4 wird über 4 * 0,25 berechnet, das was hier mit 4 + 25% etwas verkürzt dargestellt wurde, rechnet man dann über 4 * 1,25 aus (also 100% von 4 + 25% von 4 macht dann 1,0 * 4 + 0,25 * 4 = (1,0 + 0,25) * 4 = 1,25 * 4 ).

    Die Schreibweise 4 + 25% kennt man aber von vielen Taschenrechnern. D.h. Auch Mathematiker dürften aus dem Kontext wissen, was gemeint ist ;-)

  7. Ich finde man sollte die Gleichung innerhalb einer Anrufsendung lösen lassen. Dann wäre auch der Bezug zum Artikel wieder einigermaßen hergestellt.

  8. „Wir vermuten seine Unschuld.“ Aber setzen ihn trotzdem vor die Tür….

    Man muss ja sicher kein Mitleid haben. Der wird auch ausgesorgt haben. Und Juristen finden es ja auch okay, Leute rauszuwerfen, denen man noch nichts bewiesen hat. Aber beim Lesen schüttelt’s einen da trotzdem.

  9. @Leser, 11: „Repräsentanzen“? Seriously?

    Die Springer-Presse würde jetzt händeringend nach einem Ausdruck suchen, den sogar 9live-Zuschauer verstehen würden.

  10. Interessant, dass Punkt12 ueber den Fall berichtet – wenn ich mich recht erinnere, hatte doch auch RTL zwischenzeitliche aehnliche Formate im Nachtprogramm. Beziehen sich die Ermittlungen und Haftbefehle nur auf 9Live?

  11. @Nils
    Nein, nicht auf 9Live, nur auf die Sendungen, die Callactive, Mass Response etc. produziert hat, und die liefen nicht auf 9Live.
    RTL hatte IMO nichts, nur SuperRTL und RTL II.

  12. Hallo Nils,

    ausgerechnet Nils – aber das ist wahrscheinlich nur ein Zufall – fragt nach 9live: Nein, es istlediglich gegen die ehemalige Callactive gemeint, die Sendungen wie MoneyExpress produzierte.
    Viel schlimmer finde ich, dass diese Vorwürfe seit Jahren von Marc Döhler angeprangert wurden und es nicht ein Staatsanwalt mal geschafft hat, 1 und 1 zusammen zu zählen. Wie kommts, dass es plötzlich in Österreich so eine Entwicklung gegeben hat??

  13. @25
    Ja, das hatte ich in der Tat, Asche auf mein Haupt! Aber danach wurde das doch recht rasch eingestellt. Bis auf de Schwestersender natürlich, speziell SuperRTL. Es gab auch mal ein Newsquiz auf n-tv, aber das war nicht auffällig.

  14. @#12 haus klaus:

    4 + 25% = 4 + 0.25 = 4.25

    Wieso ist 25% = 0.25? Das bezieht sich auf 1 bzw. 100%.


    n + x% = n * (1 + x/100)

    mit n=4 und x=25:

    4 + 25% = 4 * (1+ 25/100) = 4 * 1.25 = 5

    qed.

  15. @26, Twispsy

    Achja, das gute alte n-tv Newsquiz. Plötzlich war es weg. Das war ganz interessant und meiner Erinnerung nach waren die Fragen auch dort recht schwierig. Und viele durchgestellte Anrufer.

    Die hatten dort auch eine Einblendung, die die Anzahl der Zuschauer in der Leitung zeigte. Mit dem heutigen Wissen muss man die Echtheit aber natürlich anzweifeln.

  16. @DerFriese(#24): Tja, weil die österreichischen Behörden eben anständige Arbeit leisten, während die deutsche Justiz nichts tat, außer Leuten wie Herrn Mayerbacher noch zu Helfen, Kritikern wie Herrn Doehler, der wie spätestens jetzt erwiesen, einfach Recht hatte, das Leben schwer zu machen.
    Dass die Österreicher da anders drauf sind, hat sich ja z.B. auch im Fall Thomas Hornauer gezeigt, dem in Österreich die Sende-Lizenz wegen eines simplen Formfehlers entzogen wurde. Auch in Großbritannien und den Niederlanden war man viel früher dran, den Call-In-Quizshows das Leben schwer zu machen, siehe z.B.: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/296/nobody-in-their-right-mind/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/298/die-deutschen-anrufsender-und-das-gesetz/

  17. In NL sind Call-In-Shows gesetzlich VERBOTEN (worden), nur zur Info. Absolut gar nichts mehr möglich in der Beziehung dort.

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