Söders Propaganda-Soap: BR weist Vorwürfe zurück

22 Jan 15
22. Januar 2015


Foto: BR

Der Bayerische Rundfunk (BR) hat Kritik an dem PR-Auftritt des bayerischen Heimatministers Markus Söder in seiner Seifenoper „Dahoam is Dahoam“ zurückgeweisen. Der Auftritt sei „eine Gemeinschaftsidee der Autoren, der Produktionsfirma und der Redaktion von ‚Dahoam is Dahoam'“ gewesen, heißt es in einer Stellungnahme:

Die Serie greift als Spiegelbild des täglichen Lebens immer wieder aktuelle Themen, auch aus der Politik, auf.

Auch zukünftig sind für „Dahoam is Dahoam“ Episoden mit Bezug zu politischen und gesellschaftlichen Themen geplant. Kurze Gastauftritte von Politikern anderer Parteien sind bereits in Entwicklung.

In der Serie greifen die parteilose Bürgermeisterin Veronika Brunner und Landrat Lorenz Schattenhofer brisante politische Themen zur Entwicklung des ländlichen Raums auf. Um die Glaubwürdigkeit der fiktiven Charaktere zu unterstreichen, entstand die Idee, auch einen realen Politiker in einer Folge auftreten zu lassen.

Den Dialog von Minister Söder mit der Bürgermeisterin hat ein sechsköpfiges Autorenteam geschrieben. Der Text entstand im Autorenteam ohne jeglichen Einfluss von außen und wurde von der zuständigen Serienredakteurin abgenommen. Minister Söder hat sich in seinem Dialog inhaltlich an das Drehbuch gehalten, in dem Bürgermeisterin Brunner im Übrigen seine Aussagen wiederholt kritisch hinterfragt.

Nun. Dieses „kritische Hinterfragen“ gestaltet sich in der Praxis zum Beispiel so:

Vroni: Habt ihr schon eine Lösung dafür?
Söder: Naja klar.

Eine Anfrage von mir an die Pressestelle ist bislang unbeantwortet geblieben. Vielleicht stellt die veröffentlichte Stellungnahme diese Antwort dar. Ich hatte gefragt:

  • Wie kam es zu diesem Auftritt? Von wem ist die Initiative dazu ausgegangen?
  • Gab es eine Absprache mit dem Ministerium, diesen Auftritt dazu zu nutzen, die Leistungen der Staatsregierung für den ländlichen Raum positiv herauszustellen?
  • Warum stellt der BR seine Serie in den Dienst einer solchen politischen Botschaft?
  • Gibt es Vorgaben im BR über den Einsatz von Politikern in Unterhaltungssendungen?
  • Wer im Sender ist über den Gastauftritt und seine konkrete Gestaltung informiert gewesen?
  • Sind ähnliche Placements mit Themen oder Akteuren der Landesregierung oder der Opposition geplant?

Die Grünen im Bayerischen Landtag und der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) haben den Werbeauftritt Söders scharf kritisiert. Der BJV-Vorsitzende Michael Busch sagte:

„Einen offensichtlicheren Missbrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, kann es gar nicht geben. Von einer Staatsferne ist der Bayerische Rundfunk in diesem Fall offensichtlich weit entfernt.“

Söder wies die Kritik mit den Worten zurück: „Ich habe nur die Wahrheit gesagt.“

Heimatminister Markus Söder kämpft gerade mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner um die Nachfolge von Ministerpräsident Horst Seehofer. Söder ist im Bayerischen Rundfunk ausgebildet worden. BR-Intendant Ulrich Wilhelm (CSU) war von 2005 bis 2010 Regierungssprecher der CDU/CSU/FDP-Koalition unter Angela Merkel.

Nachtrag, 16:45 Uhr. Der Medienforscher Klaus-Dieter Altmeppen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sagte der Nachrichtenagentur dpa: „So unverfroren aus der Regierungserklärung zu verlesen, das habe ich noch nie erlebt.“ Er empfehle dem BR ein „Redaktionsstatut, bei dem ein solcher Durchgriff der Politik auf das Programm ausgeschlossen wird“.

Der Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität München sieht in Söders Auftritt einen „Werbespot“ für die CSU: „Hier dienen die Charaktere der Serie als Stichwortgeber für die Darstellung der verschiedenen Programmpunkte.“

Fortsetzung hier.

19 Gedanken
  1. 1
    Berater says:

    Ich stelle mir gerade das sechsköpfige Autorenteam vor, das diesen grandiosen Dialog gemeinsam erarbeitet hat. Wie sich am Ende alle anschauen, sich auf die Schultern klopfen und einer sagt: „Spitzendialog. Das wird die Zuschauer fesseln. Wir können stolz auf uns sein.“ Ich weiß nur nicht, ob die Vorstellung jetzt drollig oder doch eher bestürzend ist.

  2. 2
    LHME says:

    „Ich habe nur diue Wahrheit gesagt “ :D das ist ja das herrlichste Statement dass man zum ganzen Thema abgeben kann. Das verläut sich eh, es gibt nochmal ne Belehrung aller Redakteure und dann weiter wie gehabt. Das ist doch auch nur das alleroffensichtlichste an Verquickungen. Man muss doch im BR nur mal Nachrichten schauen , oder irgendeine Reportage in der die CSU und deren Politik berührt wird um zu wissen wie Staatsferne dort definiert wird.

  3. 3
    LHME says:

    Und so gesehen ja auch ein Riesenglück für Söder, dass das 6-köpfige Autorenteam auch die Wahrheit kannte um ihm die dann so wortgewandt hingescripted hat :D

  4. 4
    Pepito says:

    Unglaublich. Und diese Stellungnahme ist einfach eine Unverschämtheit.
    Mir wäre es fast lieber, wenn irgendein schuftiger BR-Oberer das durchgedrückt hätte; die Vorstellung, dass ein sechsköpfiges Autorenteam so etwas bedenkenlos produziert und eine Redakteurin das abnickt finde ich noch gruseliger.
    Tausende gehen auf die Straße und schimpfen über „Lügenpresse“ und „staatsgelenkte Medien“, aber der BR weiß gar nicht, wo hier das Problem liegen könnte.
    Sie lernen nichts.

    Gibt es Vorgaben im BR über den Einsatz von Politikern in Unterhaltungssendungen?

    Wie wäre es mit dem Rundfunkstaatsvertrag? Wie sich der BR dazu verhält, hätte mich auch interessiert.

  5. 5
    Twipsy says:

    Stefan, Du verstehst das nicht. Von so einem dahergelaufenen Preußen wie Du lässt sich ein Söder schon mal gar nichts sagen. Und wenn Du ein Bayer bist, dann bist Du am besten Protagonist beim Derblecken und lässt Dir Deine Rede vorher abnicken. Oder Du landest in der Psychiatrie und darfst bestenfalls Modellautos bauen.

  6. 6
    DaW says:

    @ Pepito

    „Mir wäre es fast lieber, wenn irgendein schuftiger BR-Oberer das durchgedrückt hätte; die Vorstellung, dass ein sechsköpfiges Autorenteam so etwas bedenkenlos produziert und eine Redakteurin das abnickt finde ich noch gruseliger.“

    Das ist ja schon die von der Redakteurin zensierte Version, in Wirklichkeit stellte Vroni noch ganz andere Fragen, z.B. die hier:

    „Herr Söder, Ihr Haar glänzt heute wieder ganz besonders schön, noch viel schöner als im Fernsehen. Wie machen Sie das?“

  7. 7
    Sabine says:

    Spezlwirtschaft ohne Ende. Verfehlte Schulpolitik , Anstellung von Familienangehörigen, Zwanzig Jahre und noch keine Autobahnanbindung, von wegen schnelles Internet am Land, das war der größte Witz (das kann ich nach gefühlten 20 Dorfversammlungen, zwecks DSL behaupten).
    Jeder weis doch das Werbung eine Mogelpackung ist. So kann man auch Söders Auftritt werten, es hat mich trotzdem empört. Ist Schleichwerbung nicht verboten??
    Ois egal, mir san mir…und uns gehts guad, und wenn ned, is a wurscht…

  8. 8
    joerg kantel says:

    ihr seid ja nur sauer, dass claudia roth nicht als lärmendes gemüseweib gecastet wurde. grüsse aus bayern

  9. 9
    nona says:

    Naja, was soll man (gerade) bei deutschen Medien auch anderes machen als Kritik zurückweisen? Standardreflex.

    Bei uns ist alles in Ordnung. Fehler machen wir auch keine. Damit ist das Thema gefälligst erledigt, und wir verbitten uns weitere impertinente Nachfragen.

    („Und überhaupt, mia san mia“ möchte man fast hinzufügen…)

  10. 10
    jj preston says:

    Ach, niggi… Du siehst das wieder viel zu eng. Der BR war nie das Sprachrohr der CSU, so wenig wie Ictimai in Aserbaidschan das Sprachrohr Alijews ist. Das sind beides keine Staatssender, da gibt es keine Propaganda, das sind alles lupenreine demokratische Strukturen.

  11. 11
    Thomas K. says:

    Daneben wirkt der „Rotfunk“ WDR ja fast wieder wie die Lichtgestalt des unabhängigen öffentlich-rechtlichen Regionalfernsehens.

  12. 12
    ssebb2020 says:

    Der Zeitpunkt dieser Posse ist, glaube ich, kein Zufall. Erst vor kurzem wurde eine Umfrage veröffentlicht, dass Söder (überraschend) weit vor Aigner im Nachfolgerennen um das Ministerpräsidentenamt liegt. Vor dieser Umfrage hätte sich der BR dieses Einschleimen bei Söder sicher nicht getraut. Erst jetzt, da relativ klar ist, dass Söder der neue MP wird, macht es nichts mehr, dass es sich der BR mit dieser Werbesendung für Söder bei Aigner kräftig verscherzt haben wird.

    Das Foto oben sieht übrigens sehr nach Photoshop aus, also das Lebkuchenherz meine ich.

  13. 13
    Aufrechtgehn says:

    Und dann wundert sich noch jemand, dass Politiker ansehensmäßig hinter Gebrauchtwagenhändlern und Wohnungsmaklern rangieren?

  14. 14
    Kraeuselhirn says:

    ich weiss ja nicht. an Stelle von Herrn söder würd ich im Moment immer wieder loslachen weil mir einfällt was ich da durchgezogen hab. Gemessen an dem was da ansonsten so abläuft (Beispiele siehe oben) ist das ja nicht völlig aus dem Rahmen fallend.
    Ich finde allerdings man muss sich mal Gedanken machen über die Typen die zugelassen haben dass er so eine Plattform überhaupt bekommt. Ob das so öffentlich-rechtlich ist .. na ich weiss nicht.

  15. 15
    Susanne says:

    Ich vermute, dass das Vorhandenseins eines sechsköpfigen Autorenteams nicht unbedingt einem CSU-freundlichen Dialog widerspricht. Man kann sich ja schließlich denken, was der Herr Söder gerne von sich geben möchte, wenn er schon einer BR-Serie zu besseren Quoten verhilft. Und das hat er wahrscheinlich…

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