Der „Tagesspiegel“ und die „wahre Wirklichkeit“ stehen für Bundespräsidentin Merkel

10 Mrz 15
10. März 2015

Bisher ist alles, was mit Angela Merkel zu tun hat, historisch. Sie ist, zum Beispiel, die „Rekordkanzlerin“. Keiner war länger Bundeskanzlerin als sie. Gut, Konrad Adenauer und Helmut Kohl waren länger im Amt. Aber die waren ja nicht Kanzlerin, sondern bloß Kanzler. Kanzlerin war keiner länger als sie. Schon vom ersten Tag im Amt war sie die Kanzlerin mit der längsten Amtszeit in der Bundesrepublik. Das muss ihr erst mal jemand nachmachen! (Beziehungsweise: hätte ihr erst einmal jemand vormachen müssen.)

Nun sagen Sie nicht voreilig, das sei ja wohl der größte Unfug. Das ist nur einer von vielen Unfugen, die Stephan-Andreas Casdorff, der Chefredakteur des „Tagesspiegel“, am Wochenende online und am Montag leicht verändert Form auf Zeitungspapier veröffentlicht hat, und den größten davon auszuwählen, ist gar nicht so einfach.

Casdorff hat sich von den Spekulationen inspirieren lassen, die angeblich das politische Berlin umtreiben: Was passiert, falls Joachim Gauck nicht für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident kandidiert? Bis zur Wahl sind es nur noch zwei Jahre, und da ist es fast schon zu spät, Namen voreilig in die Diskussion zu werfen. „Spiegel Online“ berichtete vor einer Woche, dass der Name Frank-Walter Steinmeier bei der „Nachfolgedebatte in den Parteien und politischen Zirkeln Berlins“ „immer häufiger genannt“ werde.

Allerdings verpassten die Kollegen von „Spiegel Online“ – untypischerweise – die Gelegenheit, die Meldung maximal aufzusexen und sich vorzustellen, ob nicht auch Merkel 2017 Bundespräsidentin werden wollen würde. Das tat stattdessen der „Tagesspiegel“, und dessen Chefredakteur Casdorff nahm seine Leser deshalb mit auf eine faszinierende Reise durch seinen Kopf, den er extra vorher nicht aufgeräumt hatte. „Das klingt …“, begann er,

Ja, das klingt erst einmal weit entfernt: Bundespräsidentin Merkel. Und tatsächlich steht es auch nicht gleich morgen an, wenn je. Aber es steht die wahre Wirklichkeit dafür.

Es ist keine der anderen vielen Wirklichkeiten, in denen sich dieser „Tagesspiegel“-Chefredakteur so bewegt, die dafür steht, dass Angela Merkel – nicht morgen, vielleicht nie – Bundespräsidentin wird, sondern die wahre. Und wie tut sie das?

Irgendwann ist die Amtszeit eines jeden Regierungschefs zu Ende.

Tatsache. Irgendwann wird Merkel nicht mehr Kanzlerin sein. Das ist die wahre Wirklichkeit, und insofern steht die auch dafür ein, dass Merkel dann irgendetwas anderes sein wird; warum also nicht Bundespräsidentin?

Selbst die [Amtszeit] von Helmut Kohl war es mal [nämlich: zuende], obwohl eine ganze Generation dachte, er werde ewig Kanzler sein. So ist es auch bei seiner, sagen wir frei nach Willy Brandt, Politik-„Enkelin“ Angela Merkel. Gerade Kohl kann ihr ein Vorbild sein; in der Ausübung der Macht ist er es ja schon, obzwar unausgesprochen.

Obzwar „obzwar“ nichts anderes bedeutet als „wenngleich“, wertet so ein Wort einen Kommentar natürlich ungemein auf! Und lenkt womöglich davon ab, dass die Logik schon an dieser Stelle Casdorffs Kommentar fluchtartig verlassen hat. Denn wenn Kohl Merkel ein Vorbild wäre, würde sie ja gerade nicht davon ausgehen, dass ihre Amtszeit endlich ist und entsprechend einen selbstbestimmten Abgang planen, sondern sich immer weiter an das Amt klammern, obzwar erfolglos.

Keiner konnte sich seiner Konkurrenten so entledigen wie der Alt- und Rekordkanzler. Keine kann es wie die Rekordkanzlerin – die sie jetzt schon ist, als erste ihrer Art. Und das soll keine Verlockung sein: der erste selbstgewählte Abgang?

Nun: Für Kohl, den sie sich zwei Sätze zuvor noch als Vorbild nehmen sollte, war das gerade keine Verlockung, jedenfalls keine so große wie die minimale Chance, noch vier weitere Jahre im Amt zu bleiben. Aber dafür war Merkel ja auch, anders als Kohl, schon immer Rekordkanzlerin.

Natürlich ist es keine Schande, vom Souverän, vom Volk abgewählt zu werden. Etwas, das nach aller Wahrscheinlichkeitsrechnung ja dann doch irgendwann passiert. Diesen Zeitpunkt selbst zu gestalten, nicht zu erleiden, das wäre neu. Das wäre: historisch. So wie bisher alles, was mit Merkel zu tun hat. Die erste Kanzlerin ist sie schon, die erste Bundespräsidentin könnte sie werden, den Umstieg schaffen, was Konrad Adenauer nicht gelang, ihre Nachfolge regeln überdies.

Bisher alles, was mit Merkel zu tun hat, ist historisch, sagt Casdorff. Weil sie die erste Kanzlerin ist. Weil das historisch ist, ist vermutlich alles, was mit ihr zu tun hat, historisch. (Lustigerweise wäre es nach dieser Logik auch historisch, wenn sie nicht die erste Bundespräsidentin wird, denn das hat vor ihr auch noch keine Kanzlerin geschafft.)

Klar ist, dass Merkel nach ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin natürlich auch privatisieren kann.

Klar. Und das wäre, wie gesagt, auch historisch.

Sie hat vielfältige Interessen, die nicht im Geschäftlichen liegen.

Welche auch immer das sein mögen.

Das ist anders als bei ihrem Vorgänger, der hart daran arbeitet, dass man bald seinen Namen nicht mehr ohne Vorbehalte nennen mag, obwohl er sich wegen der Reformen um Deutschland verdient gemacht hat.

Ach guck: Der Schröder hat sich nur deshalb so blöd mit dem Putin eingelassen, weil er keine anderen Hobbys hat, mit denen er seine Tage füllen könnte?

Wegen ihres untadeligen Rufs ist Merkel für die CDU allerdings auch so viel mehr wert als der Ex-Kanzler für die SPD. Dieses Kapital muss nutzbar bleiben. Wie besser denn als Bundespräsidentin?

Ähm, vielleicht als Bundeskanzlerin? Solange ihr Ruf im Volk noch, wie war das, „untadelig“ ist?

Das klingt… Weit entfernt? Genau betrachtet nicht. Merkel regiert schon präsidial, im Präsidialamt könnte das sogar noch ausgeprägter werden und eine Kräfteverschiebung zur Folge haben. „Die Kanzler in der Ära Merkel“ hieße es dann, nicht umgekehrt. Und die CDU könnte mit ihrer Strahlkraft sogar auch noch das Amt des Ersten der Exekutive halten.

Nun geht’s aber im Galopp. Wenn Merkel also als Bundeskanzlerin schon so bundespräsidentinnenhaft agiert, könnte sie als Bundespräsidentin ja noch bundespräsidentinnenhafter agieren, sagt Casdorff, wobei: Er sagt „regieren“, was streng genommen gar nicht das ist, was ein Bundespräsident tut. Eigentlich meint er also (womöglich), dass sie als Bundespräsidentin vergleichsweise bundeskanzlerinnenhaft agieren könnte. Jedenfalls fände das Volk es dann so toll, dass Merkel bundeskanzlerinnenhafte und superbundespräsidentinnenhafte Bundespräsidentin ist, dass sie dann auch jemanden von der Union zum Kanzler wählen würden. Wegen der Strahlkraft.

Das muss nicht Ursula von der Leyen sein, wie es schon heißt, der Regierungschef kann dann auch immer noch Thomas de Maizière heißen. Er würde dann in etwa so arbeiten wie als Kanzleramtsminister, vor allem administrativ also.

Also, kurz nochmal rekapituliert: Wenn Gauck nicht noch einmal antritt und wenn Merkel 2017 sich zur Wahl als Bundespräsidentin stellt und wenn sie gewählt wird und wenn Thomas de Maizière als Kanzlerkandidat der Union aufgestellt wird und wenn er eine Mehrheit bekommt – dann könnte er in etwa so arbeiten wie als Kanzleramtsminister, falls die Merkel als Bundespräsidentin das präsidiale Regieren übernähme.

Die SPD müsste, um diese strategische Entwicklung nicht zuzulassen, logischerweise den Beliebtesten aus ihren Reihen aufstellen und für eine Mehrheit in der Bundesversammlung kämpfen: Frank-Walter Steinmeier. Und weil alles mit allem zusammenhängt, müsste sie im Blick darauf ihre Koalitionsoptionen für Regierungen in den Ländern erweitern.

Natürlich würde die SPD das nicht tun, um einfach in möglichst vielen Ländern an der Regierung beteiligt zu sein, sondern um einer potentiellen (und historischen!) Bundespräsidentinnenkandidatin Angela Merkel eine Mehrheit in der Bundesversammlung entgegensetzen zu können.

Verzwickt ist das für die SPD deshalb, weil es das Bündnis Rot-Rot-Grün ins Zentrum der Überlegungen rückt; das will in der Partei, überhaupt in den drei Parteien, beileibe nicht jeder. Und Steinmeier zählt bekanntermaßen zu denen.

Ja, blöd. Steinmeier verhindert sich also quasi selbst als Bundespräsidenten. Und nun?

Sigmar Gabriel, der SPD-Parteichef, könnte von einem Kandidaten Steinmeier, wohlgemerkt Präsidentenkandidaten, nur profitieren. Dann stünde der nicht mehr als Kanzlerkandidat zur Verfügung (was Steinmeier vom Naturell her sowieso nicht so liegt wie das andere), und ein etwaiger Sieg würde umgekehrt die Chancen der SPD erhöhen, der ewigen Merkel in der Regierung zu entrinnen.

Hilfe! Wenn Steinmeier als Präsidentenkandidat antritt (weil er sich aufgrund von rot-rot-grünen Landeskoalitionen, die er nicht will, Chancen ausrechnet), kann Gabriel auch einfacher Kanzler werden? Weil Steinmeier ja entweder Bundespräsident ist oder nicht? Und Merkel ja entweder Bundespräsidentin ist oder nicht? Womöglich will der „Tagesspiegel“-Chefredakteur sagen, dass die Chance Gabriels, Kanzler zu werden, darin besteht, dass alle anderen außer ihm entweder erfolgreich oder erfolglos als Bundespräsident kandidieren, vielleicht habe ich das aber ganz falsch verstanden.

Das Ende seines Textes ist jedenfalls keine Hilfe:

Weit entfernt: Manchmal müssen wie in der Physik bei einem Experiment die Kräfte so weit wie möglich berechnet werden. Dennoch kann dabei etwas ganz anderes herauskommen. Möglich ist auch so eine Art politische Relativitätstheorie. Wenn keiner ein Experiment will, dann kann Joachim Gauck ja auch Bundespräsident bleiben.

Welches Experiment? Was hat Einstein damit zu tun? Verwechselt Casdorff vielleicht die Chaos- mit der Relativitätstheorie? Ist sein Text der Schmetterling, der mit seinem Flügelschlag einen Wirbelsturm im Schloss Bellevue auslöst? Und: Würde man diesen Artikel relativ blöd nennen? Oder bewegen wir uns hier in historischen Dimensionen?

65 Gedanken
  1. 1
    wap says:

    Bei allem Respekt und ungeachtet der Übereinstimmung im Urteil über den Tagesspiegel-Leiter: too-long-read. Mensch, auch Lesezeit ist Lebenszeit. Und so ein lebenszeitverkürzendes Epos war dieser Tinnef über Merkel echt nicht wert.

  2. 2
    Frank says:

    Hehe, dann machts Merkel wie Putin. Vom Regierungschef zum Staatschef, in der Zwischenzeit ist irgendeine Schnarchnase Kanzler/in, evtl kommt sie dann später wieder zurück. Von Putin lernen!

  3. 3
    Thomas Hackenberg says:

    Hach, wie schön!! Endlich gibt’s beim Tagesspiegel was zum Kiffen!!!

  4. 4
    Michi says:

    Ich lachte hart. Ansonsten was Thomas(#3) sagt

  5. 5
    onlime says:

    Wer ist bem Tagesspiegel eigentlich Chefredakteur und veröffentlich solch einen aufgeblasenen Unsinn? Oh, wait…

  6. 6
    jj preston says:

    Was habt Ihr alle erwartet? Glaubt Ihr, das bleibt folgenlos, wenn Casdorff ständig in die Frühstücksnachrichten von N(azisendungenversender)24 als Kommentator berufen wird?

  7. 7
    sepp says:

    @Frank:
    Müsste nicht Gauck statt Merkel den Putin machen? Immerhin gibt es in Deutschland (wie in Russland) nur eine Amtszeitbeschränkung für den Präsidenten, nicht aber für den Regierungschef.

  8. 8
    Ekkehard says:

    @9: Das funktioniert nicht wegen der Wahlabstände: 4vs5.
    Dazu müsste erst die Länge der Wahlperiode des Bundestages geändert werden.
    Die für den BuPrä steht im Grundgesetz.
    In den Ländern ist das etwas anders, je nach Landesverfassung.
    Aber solche obszönen Wechsel vermutlich kaum möglich.

  9. 9
    meykosoft says:

    Up platt secht: Ick dach, ick wull, ick schull – und dor har ick de ganze Büx all full!

  10. 10
    Nico says:

    obzwar ist schön, das bekommt bei mir direkt neben hinzkünftig einen Ehrenplatz.

  11. 11
    Harris says:

    Nr 3 könnte wirklich recht haben. Solche Initialzündungen kenne ich auch nur zu gut.

    Nr 7 wenn das mal keine Verschwörungstheorie ist! Obzwar ich den Gedankengang sehr interessant finde

    Und ich? Ich bin nur heilfroh, dass der Tagesspiegel im Schwarzwald so oft vorkommt, wie Schnee in Ägypten.
    Was soll man bitte solchen grenzdebilen Leuten noch abkaufen? Ich will einfach nur noch raus aus diesem Irrenhaus. ‚Obzwar‘ ich hier noch glücklich bin, ist das schon lange nicht mehr witzig. Selbst der Würgereiz lässt grüßen.
    Und Casdorff. What the…? Wen man so überlegt, dass ist ein Chef von irgendwelchen Mitbürgern… da fragt man sich, sind die dann auch seiner Meinung? Und wenn nein, tut jemand was dagegen?
    Jedenfalls ist es mir nicht mehr möglich diesem Gesindel, dass sich Presse nennt, noch irgendetwas ohne Vorbehalt abzunehmen. Also wer so ne Scheiße von sich gibt, dem sollte es verboten werden sich Chef einer Tageszeitung zu nennen. Jemand dagegen?

  12. 12
    nona says:

    Obschon „obzwar“ unschöner ist als „wenngleich“…

  13. 13
    Siegfried says:

    Auf Deine Abschlussfrage: Ja, wir bewegen uns hier in historischen Dimensionen. Auch und gerade der Rekordartikel von Casdorff :)

  14. 14
    Twipsy says:

    Merkel hat schon Interessen außerhalb der Politik. Man weiß ja, dass sie den Mauerfall in einer Sauna verbracht hat. Das wäre doch eine schöne Perspektive: Sie betreibt eine Sauna in Berlin. Jede Stunde steht sie dann in der Ecke und verwirbelt heiße Luft. Das kann sie.

  15. 15
    Povl says:

    …selbst schuld, wer Leitartikel liest…

  16. 16
    JUB 68 says:

    Man muss bei aller berechtigten Kritik nicht immer das Positive aus den Augen verlieren und sich über die Konjugation „obzwar“ mokieren.
    Herr Niggemeier hat doch bereits festgestellt, dass diese Wortwahl den Artikel aufwertet. Und da ist bei aller Ironie etwas dran.
    Zum einen wird schon vor diversen Studien im Deutschunterricht vermittelt, dass kurzfristige Wiederholung derselben Wörter ein Merkmal für mangelhaften Ausdruck ist.
    Ein gängiges Synonym für „obzwar“ wäre „obwohl“. Das wurde im Absatz aber schon zwei Sätze vorher benutzt, konnte also im Interesse des guten Ausdrucks nicht schon wieder verwendet werden.
    Neben „wenngleich“, „gleichwohl“ oder aber einfach „wenn auch“ bietet sich da „obzwar“ an.
    Nun geben die Onlinevarianten des Dudens seit geraumer Zeit bei weniger gebräuchlichen Wörtern auch Informationen zur Häufigkeit und zum Charakter des Gebrauchs. Danach wird „obzwar“ weniger oft gebraucht, was impliziert, dass der Nutzer der Vokabel über einen größeren Wortschatz als der Durchschnitt verfügt, mithin also auch gebildeter ist.
    Unter Gebrauch lässt der Duden uns wissen, dass diese Konjunktion zum gehobenen Sprachgebrauch gehört. „Wenngleich“ hingegen nicht. „Obschon“ allerdings auch.
    Hier wird in gehobener Sprache feinsinnig spekuliert und die Banausen machen sich lustig!
    Ich bin empört!
    (Vor allem weil ich erkennen musste, dass auch ich offenbar ein Banause bin.)

  17. 17
    gnaddrig says:

    @ nona (#12): Nichtsdestoweniger ist obzwar ein sehr gebildetes Wort, sehr Feuilleton. Dabei ist wenngleich schon nicht gerade Gossensprache…

    @ Povl (#15): Einerseits schon, andererseits kommen dabei Perlen wie obzwar zutage, das ist doch auch was wert.

  18. 18
    observer says:

    Zeitungen sägen mit solch aufgeblasenem Unsinn wie dem von Herrn Casdorff an dem Ast, auf dem sie selber sitzen. Der ursprüngliche Sinn eines Leitartikels war es, dem Leser ein Meinungsangebot zu einem gesellschaftlich relevanten Thema zu machen. Auf diese Weise sollte ein Leitartikel Teilhabe schaffen und Otto Normalverbraucher in die Lage versetzen, sich zu orientieren und mitzudiskutieren. Die spekulative Wolke, die Herr Casdorff bar jeder eigenen Informiertheit aufmacht, ist das genaue Gegenteil davon. Motto: Wir wissen nichts, haben aber eine Meinung dazu. Obzwar diese Unkultur in vielen Tageszeitungen rasant um sich greift, scheint das in der Oberflächlichkeit der modernen Internetgesellschaft kaum noch Anstoß zu erregen. Deshalb ein Dank an Stefan Niggemeier für seine flockige Textexegese – wenigstens einer, der noch klar denken kann.

  19. 19
    Henk Reisen says:

    Nur eine kurze Zwischenfrage:
    Zitat: „„Die Kanzler in der Ära Merkel“ hieße es dann, nicht umgekehrt.“
    Kann mir jemand dieses Satz erklären? Bzw. erklären, wie er umgekehrt lauten würde? Bei mir hakt es da irgendwie.

  20. 20
    Stefan Niggemeier says:

    Umgekehrt würde er vielleicht lauten: Die Bundespräsidenten in der Ära de Maizière (oder wer auch immer dann Bundeskanzler wäre). Was Casdorff wirklich meint, weiß aber womöglich nicht einmal Casdorff.

  21. 21
    Klaus says:

    Ich habe den Tagesspiegel schon vor Monaten aus meinen „Lesezeichen“ rausgeworfen. Zu viel USA-in-de-Hintern-Gekrieche (da ist er leider nicht alleine) und auch sonst viel Unsinn; kennt man sich in einem Gebiet recht gut aus, ist es erschreckend, was manche Blätter – ja, auch ‚mein‘ Tagesspiegel – für einen ahnungslosen Mist den Lesern unterjubeln.
    Ein ehemaliger Redakteur, jetzt auf Rente, schüttelt nur traurig den Kopf über den jetzigen Zustand des Berliner Blattes.

  22. 22
    kampfstrampler says:

    Ich hab‘ es getragen siebzig Jahr‘ – doch nie ist begegnet mir „obzwar“.
    Sintemalen liegt es wohl an mir, mag’s alldieweil mich nicht herfür.

  23. 23
    Klaus says:

    Noch schöner war (ist?) Metaphern-Theo in der ZEIT.

  24. 24
    Gernot says:

    Ein kleiner Hinweis an Herrn Casdorff : Ein Experiment ist eine Frage an die Natur. Auf dumme Fragen gibt die Natur keine Antwort.

  25. 25
    Oliver says:

    Was Casdorff mit der präsidial-bundeskanzlerinnenmäßigen „Kräfteverschiebung“ meint („Die Kanzler in der Ära Merkel“) brachte Franz-Josef Strauß anno 1975 auf die Formel:

    „Es ist mir egal, wer unter mir Bundeskanzler wird.“

  26. 26
    Flügelschlag says:

    @ JUB 68 (16): Vielleicht hat Casdorff aber genau wie Sie einfach in einem Wörterbuch nach Synonymen gesucht, um das Obwohl nicht zu wiederholen. Mit gehobener Sprache, Feinsinnigkeit und Bildung muss es also nicht zwangsläufig zu tun haben, vielleicht hat er nur seinen Job gewissenhafter als viele Kollegen erledigt (jedenfalls, was den Ausdruck betrifft) und Phrasen wie Wortwiederholungen durch Prüfen und Nachschlagen vermieden. Allein die Wahl des Synonyms finde ich nicht gelungen.

    Denkbar, dass dadurch schließlich der Inhalt gelitten hat.

  27. 27
    TangoZulu says:

    „Den Dingen auf den Grund gehen“, steht auf lateinisch in der Kopfleiste des amerikanisch lizenzierten Blattes. Allen Redakteuren und dem großen Mitarbeiterstab voran beherzigt rg. – hinter diesem Signum steht Erik Reger – den Leitspruch. Zumeist dienstags. Zuweilen so gründlich, daß die morgendlichen U-Bahn-Leser das Studium des rg-Leitartikels auf der zweiten Seite in Ergebenheit auf den Abend vertagen. (…) In genialer Mischung, (…) verquickt Reger in seinen wöchentlichen Leitartikeln Aktualität mit Geschichte, zieht Verbindungsstriche von Wilhelm Pieck bis, wenn es sein muß, zu den Sachsen-Kaisern. Und aus Kommentaren zu ganz unzusammenhängenden Ereignissen leitet er eine gemeinsame Schlußfolgerung her (…). Nur selten geschieht es dabei, daß diese Kunst zum Trick wird, daß der Leser dahinterkommt, wie die geschmeidige Hand des Publizisten die Karten mischt, während der Effekt des Zauberkunststücks schon feststeht.“

    „Die Pflicht zu schweigen“, Der Spiegel 5/1948

  28. 28
    Susanne says:

    Das muss man sich erst einmal trauen: Als Journalist eines seriösen Blattes einen ganzen Artikel ohne relevante Fakten und lediglich auf Spekulationen aufzubauen. Wenn das Schule macht, sind die Medien endlich völlig unabhängig von der Realität. Da brechen paradiesische Zeiten an!

  29. 29
    Andreas says:

    Weiß man schon, ob der Tagesspiegel demnächst von der „Funke Women Group“ übernomen wird?

  30. 30
    Pepito says:

    Herrlich! Tatsächlich ein langer Text, aber anders als für wap (#1), war es für mich sehr erheiternde und damit gut angelegte Lese- und Lebenszeit.
    Eingedenk der Stern-Story neulich, habe ich den Tagesspiegel-Text sicherheitshalber auf Spuren von Ironie untersucht, bin aber nicht fündig geworden (was nichts daran ändert, dass derselbe Text, z. B. in der Titanic erschienen, eine geniale Mediensatire hätte abgeben können). Hier hat sich wohl einfach jemand allzu sehr seinen Gedankenspielen hingegeben und sich heillos darin verheddert.

    @JUB 68, #16
    Also Sie sind jedenfalls wirklich aus der „Das-Glas-ist-halbvoll“-Fraktion. Selbst bei Gläsern, die zu drei Vierteln leer sind. Aber Sie haben natürlich recht.
    Sehr verdienstvoll von Herrn Casdorff war auch die Verwendung des Wortes „privatisieren“ in diesem Zusammenhang. Mit war das bislang nur im Kontext von Unternehmensprivatisierungen bekannt, aber es ist tatsächlich richtig (umgekehrt funktioniert „verstaatlichen“ aber nicht als Begriff für den Eintritt einer Privatperson in den Staatsdienst).
    Stilistisch weniger gelungen finde ich allerdings Casdorffs Verwendung von Punkten, Doppelpunkten, Frage- und Ausrufungszeichen, die wohl den ungefilterten Gang seiner Gedanken nachempfindbar machen sollen:
    Das wäre: historisch.
    EU-Kommissarin? Unwahrscheinlich! UN-Generalsekretärin? Eher nicht!
    Das klingt… Ja, das klingt erst einmal weit entfernt: Bundespräsidentin Merkel. (…)
    Bleibt das Präsidentenamt. Das klingt… Weit entfernt? Genau betrachtet nicht.

    (Übrigens: „mithin“ ist auch ein schönes Wort. Sie haben nicht zufällig mal Jura studiert?)

    @Henk Reisen, Stefan Niggemeier ( #19, 20)
    Das mit der Ära ist doch klar. Wer erinnert sich denn schon noch daran, wer während der Ära Heuss/Lübke/Heinemann/Scheel/Carstens/v. Weizsäcker/Herzog/Rau/Köhler/Wulff/Gauck so alles als Kanzler gekommen und gegangen ist? Neben diesen Titanen der deutschen Geschichte alles unbedeutende, in Vergessenheit geratene Gestalten. Oder so ähnlich.

  31. 31
    JUB 68 says:

    @26 Flügelschlag
    Mal angenommen, er hat das so gemacht, was ich ja auch spöttelnd unterstelle, dann erfährt er im Online-Duden, dass speziell „obzwar“ zum „gehobenen“ Sprachgebrauch gehört und wählt es deshalb bevorzugt aus.
    Das er damit feinsinnig spekuliert, war doch nur Spott. Ich habe doch selbst nur im Duden nachgesehen, um zu prüfen ob hinter „obzwar“ ggfs. „veraltet“ oder so steht und war selbst überrascht, dass es zum „gehobenen“ Sprachgebrauch gehört.
    Grundsätzlich müsste man von jemandem, der sich berufsbedingt mit deutscher Sprache befasst natürlich erwarten können, dass ihm Synonyme für „obwohl“ auch ohne Wörterbuch einfallen.

    Ansonsten kann Inhalt nur unter überdrehter Wortwahl leiden, wenn Inhalt als solcher überhaupt vorhanden ist.
    Und das kann ich nicht mehr beurteilen, nicht bei diesem Artikel, das hat Herr Niggemeier so aufgespießt, den kann ich gar nicht mehr lesen, ohne dass mir die obigen Formulierungen durch den Kopf geistern.

  32. 32
    Stefan Niggemeier says:

    @JUB 68: Lustigerweise hab ich dasselbe gemacht: Im Duden nachgeschlagen, mit derselben Erwartung und derselben Überraschung.

  33. 33
    JUB 68 says:

    @30 pepito
    Nehmen Sie mich gerade hoch oder sind Sie der zweite der meinen Spott nicht erkannt hat?
    Ich habe nicht direkt Jura studiert, eigentlich bin ich Germanist. Habe aber beruflich regelmäßig mit der Sozialgerichtsbarkeit zu tun und in diesem Bereich neigen nahezu alle dazu, das Wort „weil“ durch „mithin“ zu ersetzen. Sie hatten also schon den richtigen Riecher.

  34. 34
    Mycroft says:

    Das ist also dieses Reporterkraut, von dem da mal die Rede war.

    Obzwar Humbug, wäre ein Horoskop, ob oder wie oder wann Merkel Staatsoberhaupt werden will oder kann oder sollte, leichter zu lesen und vor allem wissenschaftlich viel fundierter.
    Geiles Wort nebenbei: obzwar.

  35. 35
    gnaddrig says:

    @ Pepito (#30): Ich bin mir nicht sicher, ob Du privatisieren hier richtig verstehst. Es ist nicht gemeint, eine Sache oder Person in Privateigentum zu überführen, sondern als Privatmensch vom eigenen Vermögen zu leben, ohne arbeiten zu müssen (Hier die 2. Bedeutung).

    Wäre die Überführung in Privateigentum gemeint, müsste dabei stehen, was da privatisiert werden soll.

    @ JUB 68 (#31): Grundsätzlich müsste man von jemandem, der sich berufsbedingt mit deutscher Sprache befasst natürlich erwarten können, dass ihm Synonyme für „obwohl“ auch ohne Wörterbuch einfallen.

    Einerseits ja. Andererseits sollten gerade Leute, die sich berufsbedingt mit deutscher Sprache (genauer gesagt: mit Textproduktion) befassen, wissen, wann sie ein Wörterbuch zu Rate ziehen sollten. Die (korrekte) Benutzung eines Wörterbuchs disqualifiziert ihn nicht als Autor, im Gegenteil. Das Disqualifizieren hat er hier auf inhaltlicher Ebene vollzogen, nicht auf sprachlicher.

  36. 36
    gnaddrig says:

    Ohauerha, das ist ja völlig danebengegangen, hier nochmal richtig:

    @ Pepito (#30): Ich bin mir nicht sicher, ob Du privatisieren hier richtig verstehst. Es ist nicht gemeint, eine Sache oder Person in Privateigentum zu überführen, sondern als Privatmensch vom eigenen Vermögen zu leben, ohne arbeiten zu müssen (Hier die 2. Bedeutung).

    Wäre die Überführung in Privateigentum gemeint, müsste dabei stehen, was da privatisiert werden soll.

    @ JUB 68 (#31): Grundsätzlich müsste man von jemandem, der sich berufsbedingt mit deutscher Sprache befasst natürlich erwarten können, dass ihm Synonyme für „obwohl“ auch ohne Wörterbuch einfallen.

    Einerseits ja. Andererseits sollten gerade Leute, die sich berufsbedingt mit deutscher Sprache (genauer gesagt: mit Textproduktion) befassen, wissen, wann sie ein Wörterbuch zu Rate ziehen sollten. Die (korrekte) Benutzung eines Wörterbuchs disqualifiziert ihn nicht als Autor, im Gegenteil. Das Disqualifizieren hat er hier auf inhaltlicher Ebene vollzogen, nicht so sehr auf sprachlicher.

  37. 37
    JUB 68 says:

    @35 gnaddrig
    Pepito hat das richtig verstanden, er war lediglich überrascht, dass privatisieren auch diese zweite Bedeutung hat.
    Ansonsten absolute Zustimmung.

  38. 38
    Herr Gnaddelig says:

    [gelöscht]

  39. 39
    Flügelschlag says:

    @ JUB 68: Ja, ich habe es auch als Spott verstanden und wollte den Gedanken dann einfach weiterspinnen sozusagen, offenbar bin ich dabei zu ernst geworden, als ich an andere Journalisten und ihre „Qualitätsarbeit“ denken musste.

  40. 40
    Pepito says:

    @JUB 68
    Nur die Ruhe. Ich hatte Sie tatsächlich so verstanden, dass Sie sich bei aller offensichtlicher Beklopptheit des Textes diesem noch etwas Potitives abgewinnen konnten, in dem Sie sich irgendwie an der Verwendung des Wortes „obzwar“ erfreuen, wie ja einige hier. Auf diese Ebene der Stilkritik wollte ich mit weiteren positiven und negativen Beispielen eingehen, ganz ernsthaft. Da habe ich Ihre ersten Sätze vielleicht ernster genomen, als sie gemeint waren. Aber man kann ja wirklich Freude an selten verwendeten Wörtern haben, auch wenn natürlich klar ist, dass das einen inhaltlichen Wirr-Text auch nicht rausreißen kann.

    @gnaddrig, #35/36
    Wie JUB 68, #37 schreibt (danke für die Klarstellung). Ich fand es komisch, hab es ebenfalls schnell nachgeschlagen und was gelernt. Dank Herrn Casdorff.

  41. 41
    Minus says:

    Zitat: „Er sagt „regieren“, was streng genommen gar nicht das ist, was ein Bundespräsident tut.“

    Zur Verteidigung dieses Nonsens-Artikels: Eigentlich darf man schon sagen , dass ein Bundespräsident regiert. Er gehört ja zur Exekutive. Obzwarschongleich er faktisch keinen großen Einfluss innerhalb der Regierung ausübt.

    Und der Einsatz der Satzzeichen ist: interessant!

  42. 42
    Pepito says:

    (Nachtrag: das erste „sich“ ist natürlich zu viel.)

  43. 43
    gnaddrig says:

    @ JUB 68 und Pepito: Dann nichts für ungut. Dabei war das so ein schöner Klugschiss :)

    Bei nochmaligem Durchlesen stelle ich fest, dass ich Pepitos Formulierung wohl tatsächlich missverstanden hatte.

  44. 44
    AlfonsB says:

    Mein Beileid,

    ach Niggi, warste nich ma auf dem Weg, den Medien seriös auf die Finger zu schauen? Was ist aus dem Anspruch geworden? Stattdessen lieber mit hyperkritischer (fast schon troll-artiger) liebe zum Detail nahezu jeden Satz zerpflücken… mit inhaltslosen Beiträgen über inhaltslose Beiträge die eigene Relevanz torpedieren? check… schade. muss irgendwie an den loboischen rundumschlag denken.

  45. 45
    kampfstrampler says:

    @31 Wenn ich das Grimm’sche Wörterbuch (Bd. 13, Sp. 1059) richtig lese, ist das merkwürdige „obzwar“ eine überkandidelte Neubildung, entnommen aus zumeist prosodischen Texten der frühen Neuzeit (Gryphius: „Ob Rache zwar und Furcht …“) und dann immer näher verbunden, bis hin zu Kants „eine gewisse, obzwar unerreichbare Vollständigkeit“. Gleichwohl darf man „obzwar“ als aufgeblasene, fast floskuläre Wendung Mitte 19. Jh. ansehen – typisch v.a. für Verse, in die es sich so schön metrisch einpassen läßt, also Bildungsschmock. Hier soll mit literarrhetorischen Klauseln Eindruck geschunden werden.

  46. 46
    Butch_Cassidy says:

    Vor 30 Jahren konnte man in Berlin den Tagesspiegel( für’s Seriöse) und die TAZ(w.g. Säzzer) ohne Würgreize zum Frühstück verdrücken.
    Heute würde schon mein Briefkasten kotzen und der PC abstürzen.

  47. 47
    Jan W. says:

    Die Idee einer Bundespräsidentin, die de facto weiterhin die Regierung führt, erinnert doch fatal an Hindenburg und Erdogan. Würde man da von Casdorff nicht eher einen Aufschrei erwarten? Alles andere ist doch Arbeitsverweigerung der vierten Gewalt.
    Absurd ist ebenfalls die Annahme, eine SPD würde Merkel auf dem Weg ins Bellevue irgendwelche Steine in den Weg legen, sind es doch auch Merkels Beliebtheitswerte, die für die SPD das Umfragetief zum Dauerzustand gemacht haben. Jedes Szenario, an dessen Ende Merkel nicht mehr Kanzlerin und Parteivorsitzende ist, dürfte doch bei der SPD als Geschenk des Himmels eingeordnet werden.
    Da wehrt man sich doch nicht gegen – möglicherweise um den Preis, dass man am Ende 6 Monate vor einer Bundestagswahl 2017 eine Debatte um eine rot-rot-grüne Mehrheit in der Bundesversammlung an der Backe kleben hat, ohne dass die Distanz zur Linkspartei soweit geschrumpft ist, dass man diese Option als Koalitionsoption in die Mitte der Wählerschaft hinein aktiv als verheißungsvoll bewerben kann.

  48. 48
    Gernot says:

    Da fällt mir ein, dass Adenauer ernsthaft überlegt haben soll, seinem Nachfolger im Amt Erhard als Bundespräsident auf die Finger zu schauen.

  49. 49
    Thomas K. says:

    @47, Jan W.

    Die SPD würde Merkel zur Bundespräsidentin wählen, damit sie als Kanzlerin wegbricht? Eine größere Bewunderung und Adelung für Merkel seitens der SPD wäre wohl undenkbar. Wie sie das ihrer Basis erklären würde, wär interessant zu wissen.

    Ich glaube, da riskieren sie eher noch mal eine GroKo, als dass sie Merkel nach der Kanzlerschaft noch zusätzlich einen Eintrag ins Geschichtsbuch als erste Bundespräsidentin schreiben.

    Abgesehen davon halte ich die Spekulation sowieso für absurd, dass Merkel dieses Amt anstrebt – zumindest für 2017.

  50. 50
    Jan W. says:

    @Thomas K.
    Die SPD müsste sie nicht mitwählen, aber zumindest müsste ihr Kandidat für die Linke unwählbar sein. Ein Schwergewicht wie Steinmeier dürfte man nicht durch eine Niederlage beschädigen. Der Kandidat dürfte nicht so leichtgewichtig sein, dass man Gabriel einen Missgriff vorwirft – er wäre eine Schaufensterdekoration, die ehrenhaft verliert. Man könne eine Rote-Socken-Kampagne abwehren, indem man sich auf einen Patt zurückzieht, der Merkel in den dritten Wahlgang zwänge, ihr ggf. sogar eine Blaue-Socken-Kampagne aufzwingt.
    Die Frage der Mehrheiten in der Bundesversammlung dürfte sich aber erst im Herbst oder vielleicht im Frühjahr 2016 klären. Der Landtagswahl-/Konstituierungstermin im Saarland 2017 ist irrelevant bzw. geht es da ja nur um Peanuts in der BV.

    Natürlich sind meine Gedanken nur vorbehaltlich einer extremst unwahrscheinlichen Merkel-Kandidatur.

  51. 51
    meykosoft says:

    @48 Gernot
    Wegen Adenauers Überlegungen wurde sogar extra der Ehrensold verdoppelt…

    Die Höhe der Bezüge, wie sie in der heutigen Regelung festgelegt ist, wurde 1959 eingeführt. Um dem alternden Bundeskanzler Konrad Adenauer einen Wechsel in das Bundespräsidentenamt attraktiver zu machen, verdoppelte der Bundestag 1959 den Ehrensold von 50 % auf 100 % der bisherigen Bezüge. Allerdings zog Adenauer seine Kandidatur zurück und blieb Bundeskanzler bis 1963…(Wiki)

  52. 52
    reinerw says:

    Zu Casdorff: Wem fällt bei diesem Gesülze nicht das angebliche Karl Kraus-Zitat ein, „es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein , sie auszudrücken“?

  53. 53
    Alex S. says:

    Wunderbar, ich habe gelacht. Vom journalistischen Anspruch ist Casdorffs Phantasiegebilde so auf einem Niveau wie Gerüchte über die Boyband One Direction.
    Ich denke mal, Casdorff hätte es am liebsten, wenn Merkel gleichzeitig Kanzlerin UND Präsidentin wäre, dann könnte sie noch Rekordführerin werden.

  54. 54
    Th. Koch says:

    @12. Wessenthalben ich hinfort das Wort „obzwar“ gegenüber „wenngleich“ präferieren und fürderhin häufiger verwenden werde – fürwahr!

  55. 55
    kdm says:

    K.K. legte großen Wert auf korrektes zitieren,
    drum:

    „Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben:
    man muß ihn auch ausdrücken können.“

    Und komplett:
    „Viele würden in Redaktionen rennen,
    bedürfte es nicht die spezialste der Gaben.
    Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben:
    man muß ihn auch ausdrücken können.“
    .

  56. 56
    Sigmund says:

    Ich frage mich, was Casdorff mit „Kräfteverschiebung“ gemeint hat. Wenn er die klammheimliche Machtverschiebung richtung Bellevue, in eine Präsidialrepublik meint, wäre das mal eben ein heimlicher Staatsstreich, aber das nur am Rande.
    Aber gut, SAC ist ja auch einer der üblichen neoliberalen Jubelperser.

    @Alex S.
    Merkel IST bereits beides, denn Gauck predigt doch genau nach Merkels Gusto.
    Und Köhler war doch auch installiert worden, um über Merkels „marktkonforme“ Politik den präsidialen Zuckerguss zu kippen. (Gauck macht das natürlich besser.)

  57. 57
    cc_reloaded says:

    Vielen Dank für das Löschen meines Kommentares. Warum, bleibt wohl unergründlich…

  58. 58
    Stefan Niggemeier says:

    @cc_reloaded: Sie müssen Ihre E-Mail-Adresse angeben, um hier zu kommentieren. Steht auch da.

  59. 59
    cc_reloaded says:

    Habe ich getan.

  60. 60
    Aristoteles Pagaltzis says:

    In einem, muß man hier feststellen, hat Herr Casdorff wohl recht: seine spekulativen Szenarien sind zentral getrieben von der Strahlkraft…

    (P.S.: so etwas wie ein deutscher Thomas Friedman geht uns leider dennoch ab. Alles, was wir hier haben, scheint da kleinkalibrig im Vergleich.)

  61. 61
    Hannebambel says:

    Sollte man als Bundespräsident(in) nicht eigentlich ein halbwegs passabler Redner sein? Merkels Rhetorik jedenfalls ist grausam.

  62. 62
    JMK says:

    ist doch Gaucks auch. Und was macht eigentlich Josef Joffe?

  63. 63
    Sibirischer Tiger says:

    Einen „Showdown“ bei der Bundespräsidentenwahl 2017 zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, den Herr Casdorff bereits am Horizont aufziehen sehen will, hat ein wohlbekanntes, täglich erscheinendes Printmedium schon vor ein paar Tagen aus dem Kaffeesatz herausgelesen.

    Allerdings unter etwas anderen Vorzeichen:

    Um sich etwa vier Monate vor der Bundestagswahl 2017 einen wichtigen psychologischen Vorteil zu sichern, würde nämlich zuerst die SPD den derzeit in Meinungsumfragen nach den beliebtesten Politikern tatsächlich noch vor Angela Merkel rangierenden Frank-Walter Steinmeier aufstellen. Seinen Triumph wiederum könne dann nur noch eine verhindern, und zwar Angela Merkel, die sich darum auch heldenhaft opfern würde, um einem „Momentum“ der SPD kurz vor der Bundestagswahl vorzubeugen.

    Im Kanzleramt nachfolgen wird ihr in der Fantasie dieses Printmediums aber natürlich nicht der vermutlich eigentliche „Reservist“ für den Fall eines kurzfristigen Rücktritts o. ä. Angela Merkels Thomas de Maizière, sondern selbstverständlich Ursula von der Leyen.

    Dass eine solche personelle Rochade für die Unionsparteien einen in doppelter Hinsicht demobilisierenden Effekt – nämlich sowohl die Abwanderung in erster Linie eben für Merkel anstatt unbedingt für die CDU bzw. CSU stimmender Wechselwähler, als auch die Entfremdung nicht weniger Stammwähler durch eine „Doppelspitze“ aus zwei Frauen norddeutscher Herkunft und evangelischen Bekenntnisses – haben und damit einen erneuten Wahlsieg der Unionsparteien 2017 erst unnötig gefährden könnte, kommt besagtem Printmedium dabei selbstredend nicht in den Sinn …

  64. 64
    hhaien says:

    Merkel kann nicht mehr Bundespräsidentin werden, weil im Geheimen schon beschlossen ist, das sie die 1. Päpstin wird. Der derzeitige Papst soll wohl schon gesagt haben, das er das Gefühl hat, das er es nicht mehr lange bleibt…

    Gauck kann auch (noch) nicht Bundeskanzler werden, weil er erst Kriegsminister werden muß, also offiziell natürlich Verteidigungsminister, aber Angriff soll ja die beste Verteidigung sein und die USA und die NATO haben die Deutschen in den letzten Jahrzehnten schon vor (in) etlichen Ländern »verteidigt«…. Nachdem die überaus erfolgreiche Verteidigung von Deutschland am Hindkusch beendet ist, oder so gut wie, wird es nun Zeit das Deutschlands Freiheit vor den Russen in der Ukraine, in Polen und im Baltikum verteidigt wird. Als oberster Freiheitssschützer ist Gauck nun mal die erste Wahl, um die deutschen »Werte« in Russland (wieder) geltend zu machen…

    Falls Deutschland zufällig wieder Europameister oder Weltmeister werden sollte, wird der nächste Bundespräsi vermutlich der Jogi Löw, oder wie er heißt – will jetzt nicht extra die richtige Schreibweise suchen…
    Oder so eine Frau von der Feministinnen-/Gender-Truppe…

  65. 65
    Skaarphy says:

    Alles in dem Text deutet für mich darauf hin, dass Casdorff Merkel aus dem Amt loben will. Ist doch auch mal eine Idee.

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