Wie ein Schüler die Belagerung durch Journalisten in Haltern erlebte

Mika Baumeister ist Schüler am Joseph-König-Gymnasium in Haltern, kannte beide Lehrerinnen sowie einige der Schülerinnen und Schüler, die beim Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich ums Leben kamen. In seinem Blog beschreibt er, wie er das Vorgehen der Journalisten im Umfeld der Schule erlebte. In einem Satz:

Die Berichterstattung in Haltern war nicht in Ordnung.


Medienaufgebot am 25. März vor dem Gymnasium. Foto: Mika Baumeister

Um 17:30 (…) ging dann das an einen Zoo erinnernde Schauspiel los: Die Presse hinter ihren Absperrungen begaffte uns Schüler – vergleichbar mit exotischen Tieren im Tierpark und neugierigen Besuchern. (…) Wir fühlten uns, als würde die Presse nur auf unsere Reaktion zur endgültigen Affirmation warten, um zerstörte Menschen abzufilmen. (…)

Deshalb gab es dann eine Art Selbsthilfe, um zumindest die Arbeit zu erschweren. Mithilfe einer kleinen Menschenmauer wurden die Medien so belagert, dass keine ordentlichen Aufnahmen gemacht werden konnten. (…)

Mittwochmorgen kam es dann zum Höhepunkt des Wahnsinns. Die Absperrung, um etwa 5 Meter nach hinten verschoben, war komplett von Redakteuren gefüllt (…). Keiner wird nachgezählt haben, aber der Eindruck des oben genannten Zoos verstärkte sich noch. An die Verstorbenen gedenken konnte so im Prinzip niemand wirklich. Sie können ja einfach mal mit den Gedanken spielen: Man wird von allen Winkeln beobachtet und soll seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Wer nicht genügend Imagination besitzt, um sich das vorzustellen, hier ein kleiner Hinweis: Geht nicht.

Laut einem Seelsorger soll sich sogar ein Journalist mit einer Notfallseelsorger-Warnweste unter die Schüler gemischt haben. Ich glaube, dazu braucht man überhaupt nichts sagen, das ist einfach nur sehr traurig. Allgemein scheint es wohl auch Personen gegeben haben, die mit dem Stereorekorder in der Tasche zu den Kerzen herantraten, um Gespräche aufzuzeichnen; Handykameras unter einem Strauß Blumen sollen für Exklusivbilder genutzt worden sein. Eine Person sollte wohl versucht haben, sich als Lehrer zu verkleiden (…).

[via Sandra Schink]

44 Replies to “Wie ein Schüler die Belagerung durch Journalisten in Haltern erlebte”

  1. Wisst ihr, was man mal tun sollte?

    Zum nächsten Anlass dieser schmutzigen Art fahren. Mit Kamera. Und Mikro. Und dicken Objektiven.

    Bevor ich verhauen werde: 8-)

    Und dann macht man die ganzen Pressetypen mal zum Gegenstand der Berichterstattung.
    Einfach mal ein Mikro unter die Nase halten, Kamera druff, fragen, ob sie das okay finden, wo denn der Nachrichten-Mehrwert liegt, wie sie heißen, für wen sie arbeiten… und immer schön klick-klick-klick…. Und wo sie sich für ihre Outdoorhosen und Anglerwesten eigentlich die Modetipps abholen, vielleicht bei Taxifahrern.

    Das Pressepack stellt ja ebenfalls einen öffentlichen Aufzug dar. Im öffentlichen Raum, getragen von dem gemeinsamen Willen, etwas zu tun, nämlich den Opfern eines Desasters nachzustellen… könnte unangenehm werden.

  2. Interessant dass zu diesen Exzessen in der Qualitätspresse nichts zu finden war. Das Foto aus dem Baumeister-Blog hätte sich doch in der medial inszenierten Trauerarbeit gut gemacht.

  3. Was im letzten Absatz steht, ist nicht in Ordnung, wenn es wahr ist („soll laut Seelsorger“ – Aussage zweiter Hand) – gibt es dazu auch weitere Quellen?
    Alles davor sind Worte von Verachtung und eigene Wertungen (Zoo, Menschenmauer, belagern, Höhepunkt des Wahnsinns), die vor allem durch die Absperrung hervorgerufen werden. Für die Absperrung können aber die Journalisten nichts, das sollte man schon auseinander halten, auch wenn es beim beobachteten Schüler so ankommt.
    Dass Schüler an der Schule ihrer Trauer nicht freien Lauf lassen konnten, ist sicherlich bitter. Und selbstverständlich hat die Presse da Anstandsregeln zum Schutze der Persönlichkeitsrechte zu wahren. Dennoch handelt es sich um ein öffentliches Gebäude und so wie ich es lese, spielt sich das ganze auch im öffentlichen Raum ab. Medienkritik in Ehren, aber da muss man schon diese subjektive Kamera hier in einen Wertungszusammenhang stellen, wenn es Medienkritik sein soll.

  4. @ C.K.
    Und sonst so?

    Wenn schützten denn die Zäune? Sicher die armen Journalisten vor den aufdringlichen Trauernden …

    Nur ein Punkt: “ … Und selbstverständlich hat die Presse da Anstandregeln zum Schutze der Persönlichkeitsrechte zu wahren. …“ ernshaft? Muss man da Regeln aufstellen? Für Selbstverständlichkeiten? Wo sind die berichtenswerten Ereignisse die einen solchen auflauf von professionellen Journalistenkanaillen rechtfertigt? Ist es für die Berichterstattung (ergo für die Öffentlichkeit) notwendig zu erfahren wer wo wie trauert? Was soll das?

    Vielleicht ist es keine Medienkritik sondern eine Kritik an den Menschen die sich als Journalisten sehen aber sich wie eine wildgewordenen Bande von blutrünstigen Monstern aufführt … Und somit finde ich für die Metapher „Zoo“ als durchaus zutreffend …

  5. @ Flügelschlag (#4): Unsinn, das bringt gar nichts. Wenn „die Presse“ bei solchen Anlässen zu aufdringlich ist und den Trauernden zu wenig Respekt entgegenbringt, helfen tätliche Angriffe sicher nicht weiter.

    Bloßstellen, indem man das Verhalten möglichst öffentlichkeitswirksam dokumentiert, dürfte da bessere Erfolgschancen haben bzw. nicht von vornherein aussichtslos sein. Außerdem schafft man es so, sich nicht strafbar zu machen.

    @ C.K. (#5):

    Alles davor sind Worte von Verachtung und eigene Wertungen

    Natürlich sind das eigene Wertungen – das Problem am Verhalten der Medienvertreter ist ja eben, dass die Leute, über die hier berichtet wird, sich überrollt, durchleuchtet, missbraucht fühlen. Das ist zunächst einmal subjektiv.

    Aber bloß, weil die Medienleute im öffentlichen Raum agieren und sich mit ihren Methoden vermutlich nicht strafbar machen, kann es für die Betroffenen trotzdem unerträglich und entwürdigend sein.

    Das Recht auf Berichterstattung an sich greift doch niemand an, es wird nur für ein Mindestmaß an Anstand und Rücksichtnahme plädiert. Womit, wenn nicht mit den persönlichen Empfindungen Betroffener, will man das denn begründen?

  6. C.K. :“Für die Absperrung können aber die Journalisten nichts, das sollte man schon auseinander halten, auch wenn es beim beobachteten Schüler so ankommt.“
    Stimmt. Die Absperrung stand nur zufällig in der Gegend und die „Journalisten“ haben sich nur aus Gewohnheit hinter diesen aufgestellt. Kennt man ja aus den Zoo. Ganz sicher wurden die Absperrungen nicht alleine deshalb aufgestellt, weil klar war die „Journalisten“ keinen Anstand besitzen und nicht von selber Abstand halten würden. Und natürlich trägt die Zuschauermenge nicht dazu bei, dass man sich wie im Zoo beobachtet fühlt.

    Und im ernst:
    Nein, es gibt KEINEN Grund die Schule näher in die Berichterstattung aufzunehmen. Es ist absolut NICHTS passiert was berichtenswert wäre. DIe Schüler und Lehrer sind je nach dem sie die Opfer kannten in tiefer Trauer bis betroffen. So geht das allen Angehörigen und Bekannten aller Opfer von Katastrophen auf der ganzen Welt, und das alleine ist keine Berichtserstattung wert.
    Mit anderen Worten: Das ist so nicht in Ordnung.

  7. Gnaddrig (8): Aber wenn ich es doch möchte…! Lassen wir es auf einen Versuch ankommen. Verdient haben sie es. Und wehe, einer weint!

  8. Ich frage mich vor allem, wieso es mittlerweile anscheinend als selbstverständlich und ganz und gar „alternativlos“ empfunden wird, überhaupt in irgendeiner Form von einer Schule zu berichten, von der eine Gruppe Jugendliche und Lehrer Opfer eine derartigen Katastrophe geworden sind.

    Welche Informationen hofft man dort zu bekommen? Alle trauern, und das wäre mir auch ohne eine einzige Kamera und ohne einen einzigen Reporter klar. Wer will weinende Schüler und Schülerinnen, sehen, wer will Kerzen und Kränze sehen, wer will wissen, dass die Plätze für den Schüleraustausch verlost wurden? Ich weiß all das auch, weil ich diese „Informationen“ selbst in den von mir ausgewählten, seriösen, mittlerweile nur noch „seriösen“ Medien finde, ohne sie zu suchen.

    Ich ekle mich vor den Journalisten dort, vor denen, die sie dort hinschicken, vor denen, die meinen, dies geschähe im Auftrag aller Leser, vor denjenigen Lesern, die sie das glauben lassen.

    Nein, ich zahle in diesem Land keinen Cent mehr freiwillig für Journalismus. Ich will kein Teil dieses Geschäfts sein. Und ich bin gerade so wütend, so enttäuscht, auch von FAZ und Süddeutscher und anderen, das ist den Niedergang dieser Blätter mit Freude beobachten werde.

  9. Vielleicht sollte man mal abrüsten. Es sind nicht DIE JOURNALISTEN, sondern einige, meist aus dem Aktuellen. Es ist auch nicht DER JOURNALISMUS, selbst wenn Krawallkritiker wie Hans Hoff uns das glauben lassen wollen.

    Was der Schüler beschreibt, sind Auswüchse, die sich seit den Gladbecker Geiselgangstern nur leicht gebessert haben, nicht viel. Redaktionen und Verantwortliche beantworten Fragen nach dem Sinn dieses Herdentriebs immer mit den gestiegenen Ansprüchen der Kundschaft, aber das ist Unsinn und zeigt eher deren Phantasielosigkeit, ein Ereignis angemessen mit Bildern und Worten zu begleiten. Ich muss weder die Kamera stundenlang nach weinenden Schülern suchen lassen noch die hundertste Schalte vor der Schule haben, bei der ich außer „hier herrschen Trauer und Fassungslosigkeit“ eh nichts erfahren kann (die Öffentlich-Rechtlichen haben da auch teilweise mitgespielt).

    Ja, das alles ist öffentlicher Grund, das macht einschränkende Regelungen so schwierig. Es ist ja schon absurd, dass bei unfallbedingten Rettungseinsätzen oft eigens Feuerwehrleute herangeholt werden, um mit Stoffbahnen die Opfer vor Fotografen und Smartphone/Youtube-Geiern zu schützen. Vielleicht muss man so etwas demnächst großflächig auch bei Gebäuden (Schulen) machen – mitsamt dem Aufdruck: „Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter“.

    Es ist gut, dass es einen wachsenden Unmut über solche Vorfälle gibt. Aber ich schließ mich einem Kommentator an, der empfahl, gelegentlich auch mal die Medien zu erwähnen, die es besser gemacht haben.

  10. Niggi hält wohl nichts von Tritten zwischen Journalistenbeine. Etwas mehr Gelassenheit hätte ich aber doch erwartet.

  11. @ theo
    Stimmt. Es sind nicht DIE Journalisten sondern jene die trotz Kodex und zu erwartenden menschlichen Anstand eben diesen nicht zeigen … Schade das DER Journalismus jene Journalisten gewähren lässt …

  12. Wenn ich nicht gelassen wäre, hätte ich ein paar Ausrufezeichen in meinen Kommentar eingestreut. Das war milder Sarkasmus. Niemand hat vor, aufdringlichen Journalisten zwischen die Beine zu treten.

  13. @theo Welche Medien haben es besser gemacht?

    Wenn das öffentlicher Raum ist, in dem sich ein nicht genau zu beziffernder Prozentsatz DER MEDIEN einen feuchten Kericht darum schert, die Privatsphäre der Schüler und Lehrer an dieser Schule zu achten, in welcher Gesellschaft leben wir, das wir das zulassen bzw zu lassen müssen.

    Das Medienmagazin in WDR5 berichtete dazu gestern eine Behauptung, die mich sehr nachdenklich machte. Sinngemäß: „Die Medien stehen ja nach solchen Ereignissen deshalb so unter Druck berichten zu müssen, weil ja die Informationen auch nachgefragt werden.“

    Wie unschuldig ist ein Drogenhändler am Drogenkonsum?

    Es braucht Mittel und Wege Menschen vor diesen Auswüchsen dessen, was sich einmal Recherche und Journalismus nannte, verantwortungsvoll zu schützen. Bedenken wir einmal: Mittlerweile ist es notwendig, bei Verkehrsunfällen Opfer mit Tüchern vor Gaffern und geifernden Fotografen zu schützen. Das ist notwendig geworden. Wenn verantwortungsvoller Umgang von Medien mit Angehörigen, Unbeteiligten, Einwohnern nicht aus Eigenverantwortung heraus möglich ist, ist es nicht evtl. sinnvoll so etwas zu sanktionieren.

    Der Gral lautet Pressefreiheit. Aber er ist ganz schön hohl geworden.

  14. Thomas/Herdir:

    Journalismus ist Handwerk. Klar kann man gute Handwerker bitten, sie mögen doch bitte dafür sorgen, dass schlchte Handwerker besser werden. Hat aber vermutlich weniger Aussicht auf Erfolg als die Kunden zu bitten, sich bei den schlechten Handwerkern zu beschweren und künftig nur die guten zu bezahlen.

  15. Oder die Guten hören auf wie die Schlechten zu arbeiten …

    Wo kann ich mich über schlechte Handwerker beschweren und was passiert dann? Wie ist das bei der Presse?

  16. Ups .. zu schnell gedrückt …

    Grundsätzlich sehe ich das was hier beschrieben wird nicht als Arbeit/Handwerk an .. das ist eine obszöne Handlung die Mitgefühl vermissen lässt … Niemand beschwert sich wenn die „schlechten“ (die sind doch gemeint?) die Kindern in Ruhe trauern lassen … DAS ist kein Handwerk …

  17. @17
    Falls es einigen noch nicht aufgefallen sein sollte:
    Zum kompletten Beitrag des Schülers wurde oben verlinkt. Im kompletten Beitrag zeigt sich, dass der Schüler trotz seiner Jugend und der Darstellung seiner subjektiven Wahrnehmung differenziert.
    Er ist als Betroffener und Augenzeuge der Berichterstattung noch nicht einmal grundsätzlich der Meinung, dass von der trauernden Schulgemeinde überhaupt nicht berichtet werden soll, er fordert nur eine gewisse Distanz ein, die die Persönlichkeitsrechte wahrt und Trauernde nicht in ihrer Befindlichkeit stört. Er lobt in diesem Zusammenhang namentlich einen Sender, der gebührenden Abstand wahrte. Bei den absolut geschmacklosen Dreistigkeiten wiederum benennt er ebenfalls konkret, wessen Vertreter sich da hervorgetan haben. Das belegt aber auch, dass sich andere anwesende Medienvertreter korrekter verhalten haben.
    Er selbst macht auch keinen Hehl draus, dass er mit Medienvertretern gesprochen hat.
    Als jemand, der vor Ort direkt betroffen war, lässt er trotz seiner Jugend und relativ kurzen Lebenserfahrung, mehr Fähigkeit zur Differenzierung erkennen, als einige Kommentatoren hier.

  18. Man muss den Medien in diesem Zusammenhang mal wieder massenhaftes Versagen bescheinigen. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender haben in Haltern voll draufgehalten, um ein paar schöne Betroffenheitsbilder für ihre Sondersendungen einzufangen. Aber wofür eigentlich? Dass Menschen über den Verlust von Angehörigen und Freunden trauern, kann man sich vorstellen. Darüber muss die Presse nicht berichten. Dort stimmt einfach das Verhältnis zwischen Nachrichtenwert dieser Berichte und der damit verbundenen Belästigung der Betroffenen in keinster Weise.

    Aber klar, Jugendliche unter den Opfern, eine Schule – das versprach Emotionen, das versprach damit Quote und Klicks. Und weil die Konkurrenz genauso denkt, muss man immer noch ein Stück schneller sein, ein Stück weiter gehen. Wer wöllte darauf schon verzichten? Da spielt es doch keine Rolle, dass die Bilder letztlich trivial sind. Denn schließlich ist das Pressefreiheit. Soll die etwa noch für etwas Anderes gut sein, als damit Grenzüberschreitungen zur Auflagenerhöhung zu rechtfertigen?

  19. Herdir (Wo kann ich mich über schlechte Handwerker beschweren und was passiert dann? Wie ist das bei der Presse?).

    Man kann z.B. den Chefredakteur anschreiben mit CC an den Reporter (soweit bekannt). Man kann Zeitungen, die einem nicht gefallen, nicht mehr kaufen. Man kann Sender/Sendungen, die einem nicht gefallen, ignorieren. Es gibt viele Wege, seinen Unmut kundzutun. Ob das etwas ändert, hängt von den Verantwortlichen ab. Je stärker der Druck wird, desto eher passiert etwas – wie im sonstigen Leben ja auch.

    Ich will damit nur sagen: sich bei Facebook oder in einem Blog auszulassen, ist kein Fehler – aber wer etwas geändert haben will, muss sich (gar nicht mal so sehr viel) engagieren. Eine Protestmail bewirkt mehr als die recht allgemeine Aufforderung an Journalisten, sich innerhalb des eigenen Berufsstandes um solche Missstände zu kümmern.

  20. @ theo
    Schade das der Berufsstand daran nichts ändern kann … Ich zweifel das meine Hinweise und Beschwerden an die Redaktionen irgendwelche Auswirkungen haben … die Antworten klingen jedenfalls nicht so …

    Ich hoffe dann doch eher auf Böhmermann u.ä. die bei guten Gelegenheiten dieser Meute den Spiegel vor das Gesicht halten … Vielleicht fragen auch die Kinder irgendwann ihre Eltern warum sie Journalisten geworden sind und bei sowas mitmachen …

  21. @theo, Herdir: Um das mal zu kanalisieren: Anstelle von Protestmails könnte eine Beschwerde beim Presserat zu einem geregelten und transparenten Verfahren führen. Die Beschwerde sollte sich dann allerdings auf konkrete Fälle beziehen (nicht: IMMER DIE MEDIEN 3 x Ausrufezeichen, 2 x unterstrichenundüberhaupt) und begründet darlegen, worin ein Verstoß gegen journalistische Grundsätze des Pressekodex bestehen soll. Das unterlegt die Auseinandersetzung mit einer Geschäftsordnung.

  22. @ TangoZulu
    Und schon ist Ruhe … Man kann sich ja beschweren aber nicht hier, nicht jetzt … nur in einer angenehmen wertschätzenden Form auf dem Kanal der am intransparentesten ist bei einem Gremium das niemandem Rechenschaft schuldig ist und nur mit ganz speziellen Ereignissen und einer wassedichten Beweiskette … das schafft vertrauen …
    Ich zitiere mal einen Kommentar zu dem verlinkten Artikel:

    „Moralische Entscheidungen kann man nicht delegieren.“

    Ich empfehle rohe Eier … passt ja auch zur Jahreszeit …

  23. @Herdir: Haben Sie es denn schon einmal mit einer Beschwerde beim Presserat versucht, wenn Sie so eine entschiedene Meinung über die Transparenz dieses Gremiums gebildet haben?

  24. @ TangoZulu
    Haben Sie davon noch nichts gehört oder eine deutliche Veränderung in der Medienlandschaft nach meinen letzten Beschwerden wahrgenommen? Das wäre ja schade. Dann wäre es ja so als hätte ich sie nie geschrieben …

  25. @TangoZulu
    Selbst wenn der Presserat eine Rüge (was für ein altmodisches Wort) ausspricht und z.b. eine Zeitung eine Gegendarstellung drucken muss, hat das trotzdem keine weiteren Konsequenzen, es handelt sich also um ein stumpfes Schwert
    Ich bin mir fast sicher, bei „Bild“ sind eine gewisse Anzahl von Gegendarstellungen pro Jahr eingepreist und werden bewußt in kauf genommen, kostet ja nichts.
    Ist der Ruf erst ruiniert, …!
    Es ist ja rührend und bewundernswert, mit welcher Akribie „BildBlog“ die Rügen für „Bild“ immer aufzählt, aber damit ist denen nicht beizukommen. Auch wenn die Printauflage sinkt, im Internet und online wächst Springer immer weiter und macht gute Geschäfte, das ist die traurige Wahrheit.

  26. Wenn das so alles stimmt finde ich es unglaublich dreckig was das abläuft.
    Das man die Schule belagert ist schon schlimm genug aber sich anscheinend noch als Notfallseelsorger/Lehrer ausgeben wollen, Kameras und Tonbandgeräte in der Nähe der Kerzen verstecken/halten nur damit man exklusives Material bekommt…das geht für mein Verständnis über jede Grenze des Anstands. Pressefreiheit hin oder her…sie können ja weiterhin berichten…aber das hat ja nur noch was von aufdringlichen Paparazzi die hoffen einen Zusammenbruch Live vor die Kamera zu bekommen…und zur Not auch nicht davor zurückschrecken selbst nachzuhelfen um das auch zu schaffen.

  27. Herdir („Man kann sich ja beschweren aber nicht hier, nicht jetzt“)

    Das Eine schließt ja das Andere nicht aus. Wenn von den vielleicht 10.000 Protesteinträgen irgendwo in den Tiefen von Facebook einige tausend gezielt als Mail oder Brief an Verantwortliche gingen, würde das gewiss nicht schaden. Aber das bedeutet: Namen suchen, Adresse suchen, schreiben. Aktiv sein statt nur etwas beklagen. Möchte nicht wissen, wie vielen Leuten schon das zu viel Mühe bedeutet.

  28. @theo

    Glauben Sie da wirklich dran oder hoffen Sie nur das das helfen könnte weil das schon immer geholfen hat?

    Herr Diekmann weint sich sicher täglich in den Schlaf weil er nicht geliebt wird. Ständig diese Presserügen und erst die Leserbriefe und die Beschwerden …

    Was glauben Sie was ihn (als Beispiel) dazu bewegen würde Anweisungen zu geben solche Arbeitsweisen zu unterlassen (die ja bei Beachtung des Pressekodex gar nicht passieren könnten)? Reichen da 100 Beschwerden? Pro Tag? Pro Woche? …

  29. @Herdir: Es ist auch nicht das Mandat des Presserates, auf Beschwerden hin sofort „deutliche Veränderungen in der Medienlandschaft“ zu bewirken. Aber wenn der Protest, der sich hier in Foren etc. punktuell äußert, sich gleichzeitig in einem gesteigerten Aufkommen an begründeten Beschwerden im Presserat (2013: knapp 1.400; das scheint mir – gemessen an der Vehemez der gegenwärtigen Debatte – nicht viel) niederschlägt, wird das möglicherweise seine Wirkung nicht verfehlen (und der Medienbranche als Ganzes den inhaltlichen Zugang zur Problematik erleichtern). Natürlich ist auch Protest eine legitime Ausdruckform in unserer Gesellschaft. Die Frage ist nur, ob sich DIE MEDIEN durch Pauschal- oder Schmähkritik überhaupt angesprochen fühlen.

  30. @ TangoZulu
    Dann ist der Presserat anscheinend der falsche Adressat …

    Vielleicht sollte dann eher der Bürgermeister Platzverbote aussprechen lassen … Vielelicht sollten dann Anwesende (auch Journalisten) den „schlechten“ Journalisten (sind ja nur vereinzelte schwarze Schafe … oder?) direkt ansprechen und sie an Professionalität erinnern … Vielleicht sollten Gegendarstellungen und Entschuldigungen zwangsweise eingeführt werden, mindestens (grundsätzlich aber größer) in der gleichen Präsenz und dem Umfang wie die Spekulationen, Halbwahrheiten usw. … Vielleicht sollten Möglichkeiten geschaffen werden (Presserat?) um Klagen gegen die Medien einleiten zu können die nicht nach dem Pressekodex arbeiten bzw. diese Arbeiten kaufen und veröffentlichen …

    Vielleicht liegt das Übel aber auch darin das Journalist keine geschützte Berufsbezeichnung ist … Gibt es denn die Möglichkeit einem Journalisten Berufsverbot zu erteilen? …

    Was ist denn die Konsequenz einer Rüge durch den Presserat? Was passiert mit dem Journalisten wenn er nachweislich getrickst hat um Informationen zu bekommen?

    Ich glaube nicht das eine Menge X eingereichter Beschwerden beim Presserat bei der Medienbranche zu einem Umdenken führt …

  31. @Herdir: In Kürze: Art 5 Grundgesetz (Pressefreiheit) lässt keine Berufsverbote zu (Kontrollfunktion der Medien ggü. staatl. Institutionen). Gegendarstellungen sind Betroffenen von Tatsachenbehauptungen zivilrechtlich bereits möglich. Kritik am professionellen Verhalten von Medien kann m.E. nur auf dem Wege einer gesellschaftlichen Debatte (Verständigung) mit Beteiligung der Medien aufgearbeitet werden. Einzelne Medien wie z.B. Der Spiegel, haben bereits angefangen, sich daran zu beteiligen.

  32. Die Sensationsgier mancher Journalisten kennt leider keine Grenzen. Die Ursache dafür sind die lüsternen Rezipienten, die nach solchen Berichten gieren. Diese Art von Journalismus kennt keine Tabus, keinen Respekt vor der Privatsspähre der Trauernden. Was zählt sind einzig und allein Quotenmaximierung in den elektronischen Medien und Steigerung der verkauften Exemplare der Zeitungen bzw. Zeitschriften. Schade, dass dabei manchmal auch auf journalistische Prinzipien wie Ethik, Moral und Wahrheit verzichtet wird.

  33. Und da mich in jeder Zeitung auf jeder Webseite ständig die Überschriften anschreien, les ich nicht s mehr und klick nichts mehr an … denn nur weil ich meine Augen nciht zumache und meine Ohren nciht verstopfe bin ich mitschuld, dass sich (vereinzelte) Journalisten dermaßen aufführen …

    Das leuchtet mir nicht ein … das klingt für mich wie eine typische Verschiebung von Verantwortung … Wieso bringt man diese „Infos“? Wenn man dafür sämtliche Anstandregeln brechen muss und Kodizies verletzt. Nur weil ein kleiner Teil der Menschheit nach solchen Stories dürstet? Schwache Begründung … DAnn liebr ehrlich machen und den Pressekodex ergänzen … „Das Geld macht Geschichten. Wer zahlt bekommt alles blutfrisch auf den Tisch …“ ….

  34. „Das hat aber nichts mit den völlig übertrieben Rufen à la Lügenpresse zu tun!“ *Arme verschränkt*schmoll*
    „Wir sind die besseren Deutschen. Ihr seid doch die Jenigen, die so etwas lesen und anschauen und uns so dazu zwingen.“ „Der Konsument ist schuld und nicht der Dealer. Das es faktisch keine Auswahl gibt, weil in allen Zeitungen das Selbe steht und sämtliche Medien hinter dem Absperrband stehen, dass spielt doch dabei überhaupt keine Rolle!“ *doppelschmoll*

  35. Ich vermute fast, dass viele Journalisten über das Ob und Wie der Berichterstattung gar nicht mehr groß nachdenken. Wahrscheinlich geht es nur darum, dass man möglichst schnell möglichst viele Fakten und Bilder bekommt. Da verliert man wohl den Blick für die Maßstäbe. Schade.

  36. @ 11 emscherkind:
    Danke, das kann ich so zu 100% unterschreiben!
    Es existiert ganz einfach keine Information im beschriebenen Kontext, die man via „Zeitung“ oder „TV“ unters Volk bringen müsste.
    Dass dem durchschnittlichen Journalist „Anstand“ nur ein Jobhindernis ist, liegt aber bestimmt nicht am verlotterten Charakter des durchschnittlichen Journalisten (das vieleicht auch…), sondern an der verlotterten Sensationsgeilheit des durchschnittlichen Rezipienten… anders ist es doch nicht zu erklären, wieso solche Schmierblätter immer noch derartige Auflagen erzielen können?!

  37. @ Dieter_Wondrazil
    Zugegeben … aber muss sich der hart arbeitende Journalist denn diese „Sensationsgeilheit des durchschnittlichen Rezipienten“ bedienen?

    Ich denke nicht … oder besser: nicht alle Medien sollten dieses Geschäftsfeld bearbeiten … denn leider leidet der Gesamteindruck des jeweiligen Mediums stark darunter …

Comments are closed.