Die „Huffington Post“ zieht’s nach Kassel, Germany

von Boris Rosenkranz
29 Apr 15
29. April 2015

Die nächste documenta ist ja erst im Jahr 2017, aber lassen Sie uns trotzdem kurz über Kassel sprechen. Vorigen Donnerstag, um 15:12 Uhr, vermeldete die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ dies:

Screenshot HNA.de

Im Text dazu ist zu lesen, dass die Stadt Kassel (Hessen) die „magische Marke von 200.000 Einwohnern“ erst mal nicht knacken werde. Frühestens 2028 könnte sich die Stadt diesem Wert annähern, allerdings gebe es auch positivere Prognosen. Aber nun steht das erst mal so da, groß: Kassel wächst eher langsam.

20 Minuten später, um 15:32 Uhr, verkündet die deutsche „Huffington Post“:

Screenshot huffingtonpost.de

Und zwar: ausnahmslos alle!

Weshalb das so ist, dafür hat sich der Autor elf Punkte ausgedacht. Wobei es in zehn Punkten vor allem darum geht, weshalb Städte wie Berlin, München oder Hamburg bald abgemeldet sein werden. Am Rande wird noch erwähnt, dass auch Erfurt, Marburg, Fulda und Göttingen „Juwelen“ seien, ganz besonders aber dieses Kassel. Und wer darüber „immer noch“ lache, „hat nichts verstanden“.

Die Gründe, die laut „Huffington Post“ für Kassel sprechen: Es gibt Berge und Wälder, die Mieten sind günstig, und die Uni boomt. Zudem habe Kassel kulturell „einiges zu bieten“, was man vor allem an der documenta sehe, die alle fünf Jahre stattfindet. Und, wichtiger Punkt: Man kommt gut weg aus Kassel; „beinahe jede größere deutsche Stadt“ erreiche man „in etwas mehr als drei Stunden per Bahn“. Für den Fall, dass es einem mal zu schön oder zu spannend wird in Kassel.

Bei der „HNA“ haben sie den Text auch gelesen. Und weil sie dort nicht alleine die Köpfe schütteln wollten, haben sie den Text einem Professor für Stadtentwicklung gezeigt, der in Kassel arbeitet. Der Professor hat viel einzuwenden gegen die These, Kassel entwickle sich zum neuen Epizentrum der Republik. Gleich eingangs sagt er im Interview: „Das ist Quatsch.“ Und er schließt mit dem Fazit:

Kassel wird weiter in bescheidenem Maße wachsen – aber aus sich selbst heraus und weniger, weil jemand gezielt nach Kassel sucht.

Tjoah.

Aber was macht man jetzt als Regionalzeitung aus einem netten Trend, der gar keiner ist? Man kann den Kasselanern ja nicht vollends die Hoffnung rauben, nachher setzen sie sich noch alle in einen Zug nach Berlin (Fahrtzeit: etwas weniger als drei Stunden), und dann wäre Kassel leer. Also darf es wenigstens in der Überschrift so aussehen, als spräche die Welt über Kassel und nicht nur der Münchner Ableger einer amerikanischen Online-Postille.

HNA Ausriss 28.4.2015

„US-Zeitung lobt Kassel“ – klingt doch gleich viel besser. Wer käme da auf die Idee, dass der Autor des Lobs aus Frankenberg (Eder) stammt, nur eine Autostunde entfernt von Kassel (Fahrtzeit mit dem Zug: rund zwei Stunden).

Frankenberg hat rund 18.000 Einwohner und ist, ausweislich einiger Fotos, ganz hübsch. Die Fotos legen allerdings auch den Verdacht nahe, dass „Alle wollen nach Kassel“ ein bekanntes Gefühl ist, wenn man da wohnt. Kassel ist womöglich ein Sehnsuchtsort, jedenfalls für Frankenberger.

Und dieses Frankenberg-Kassel-Gefühl ist jetzt versehentlich in der „Huffington Post“ zum nationalen Trend ausgerufen worden. Rund 7.000 Menschen gefällt das. Und der Autor wohnt (noch) in Berlin.

Nachtrag, 30. April 2015. Autor Sebastian Christ hat noch mal was geschrieben.

43 Gedanken
  1. 1
    marko says:

    Was ist an der Marke von 200.000 Einwohnern eigentlich magisch? Erscheinen ab dieser Zahl Hauselfen in der Stadt?

  2. 2
    Claus says:

    Großartig.

  3. 3
    Dirk says:

    Schon Loriot erkannte das unerkannte Potential von Kassel. Wenn die jetzt noch einen richtigen Flughafen hätten…

  4. 4
    UJ says:

    Tja, Berlin bräuchte mal einen richtigen Flughafen und hat ihn nicht, Kassel hat ihn und braucht ihn nicht. Was so toll an der 200.000 Einwohnermarke ist, dass man die unbedingt erreichen will, weiß ich auch nicht. Vielleicht, damit man nicht immer zu hören bekommt, dass vor Kriegsende alles besser war. (1943 hatte Kassel noch ca. 225.000, nach Kriegsende knapp 75.000 Einwohner)

    @Stefan Niggemeier: Ich möchte noch darauf hinweisen, dass Kassel in NORDhessen liegt. Das ist sehr wichtig. Nicht für den Rest der Welt, aber für die Nordhessen (ist so ne Geschichte wie Baden und Württemberg oder Franken und Bayern z.B.)
    Und die Einwohner von Kassel heißen nur dann Kasselaner, wenn sie auch dort geboren wurden. Bei Zugezogenen spricht man von Kasselern, bei Urgewächsen von Kasselänern.

    Damit hat sich mein Lokalpatriotismus für dieses Quartal erschöpft.

  5. 5
    Harris says:

    Diese Amizeitung hat vergessen zu erwähnen, dass Kassel im 2. Weltkrieg von den Amis in die Steinzeit zurück gebombt wurde.
    Der deutsche Amijournalist hat die Hammerstory „Kassel bald wieder über 200.000 Einwohner“ aber lieber nicht mit der Kneifzange anfassen wollen.

    Wenn interessiert schon die Vergangenheit

  6. 7
    teekay says:

    Wer huffpost.de allen ernstes als ‚US-Zeitung‘ beschreibt, zeigt, wie schlimm es um die Medienkompetenz des Lokaljournalismus wirklich gestellt ist.

  7. 8
    Klaus says:

    Ja, das Problem an Kassel ist, dass alle Wege *weg* von Kassel führen. Die haben deshalb erst letztens eine Busverbindung zum Flughafen Paderborn/Lippstadt bekommen, damit die auch mal *weg*fliegen können. Denn wer mal in Kassel war, der versteht das ganz gut. Das ist so wie mit Frankenberg, nur im globaleren Rahmen.
    Daher ist es auch ganz passend, dass man von der Bahn nicht durch, sonder an Kassel geschickt vorbeigefahren wird.
    Oder wie es der Professor so diplomatisch ausdrückte: „Kassel ist eine Stadt für den zweiten Blick.“ Innere Werte und so. Also besser erst gar nicht hin und wenn, dann schnell wieder weg.

  8. 9
    Hallaschka says:

    Höre moh, ich will Euch ahlen Schwinneköbben moh was sprejen: Das gude ahle Gassel im Middelpungt der Medchenwellt, dass iss für uns Gasseläner ne uffrechende Sache.
    Un dass mir ned wissen, dass de Huff Post gor kinne Zeiddung äss … Na ka, mir sprejen hald ned so gud Usswärds, do kömmer schon moh was vorrwäggseln…
    Wenichstens funggzionierd unser Fluchpladds un äss ned so ne „Investitionsruine“ wie där in Berlin …

  9. 10
    Lutz says:

    @5/Harris: Heul doch!

  10. 11
    genova says:

    Netter Artikel, danke.

  11. 12
    Walter Sobchak says:

    Ob Kassel das richtige Beispiel ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich werden in Zukunft entweder Großstädte zweiten Ranges wie Leipzig, Bremen, Essen oder Dortmund oder aber tatsächlich kleinere schmucke Städte wie Heidelberg immer interessanter werden. Ansonsten gut erkannte Thesen des Autors. Die Anzeichen sind da, vor allem als Stadtentwickler sollte man darüber nicht lächeln. In Deutschland herrschte schon immer das Problem, nur in der Gegenwart zu denken bzw. Prognosen nur anhand aktueller Paradigmen zu treffen. Ich erinnere an Adenauer, der den demographischen Wandel nicht wahrhaben wollte, den ihm seine Berater schon in den 50ern prophezeit haben.

  12. 13
    Sabine says:

    Grandios. Ich lache immer noch. Bin eine von denen, die 3 Std. 21 Min. (ohne Verkehr) entfernt von Kassel ihr Dasein fristet. Gruß aus der schönsten nördlchen Provinz Deutschlands. S

  13. 14
    Gernot says:

    Frankenberg ist wirklich ganz hübsch, fällt einem aber nicht so auf, wenn man ein MG durch die Gegend schleppen muss. Habe in der Burgwaldkaserne meine Grundausbildung gemacht.

  14. 15
    gnaddrig says:

    Ich erinnere mich, anfang der 90er, als die Hauptstadtfrage gerade aufkam, mal im Radio gehört zu haben, der Bundeskanzler habe von seiiner Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht und beschlossen, Kassel zur Bundeshauptstadt zu machen. Berlin sei zu verstopft und zu weit am Rand, Bonn sei zu weit am anderen Rand, Kassel dagegen sei ungefähr in der Mitte, groß genug und klein genug, und man könne kurzfristig mehrere Kasernengebäude freimachen, wo dann Platz für provisorische Ministerien usw. sei.

    Ich warte immer noch auf Umsetzung dieser genialen Idee und bin fast etwas enttäuscht, dass es nur ein Aprilscherz war…

  15. 16
    manfred says:

    sucht man mit bahn.de eine zugverbindung von düsseldorf nach kassel wird man entweder über frankfurt oder hannover nach kassel-wilhelmshöhe geleitet. Die West-Ost-Verbindung ist fast ausschließlich mit regionalzügen erreichbar. Schlimm!

  16. 17
    Sigur Ros says:

    Oh je, da hat unser Lokalblatt echt mal den Vogel abgeschossen. Wobei ich als gebürtiger Kasselaner zu dem Kassel-Bashing hier aber auch anmerken möchte, dass Kassel der Welt neben der Documenta auch schon sehr viel anderes gutes beschert hat: Den Bergpark, die Henschel-Lokomotivwerke, Milky Chance, Otto Sander, Ulrike Folkerts und einen zumindest früher mal recht erfolgreichen Eishockeyverein.

  17. 18
    Walter Sobchak says:

    Achso, hatte ich vergessen: Frankenberg? Naja. Habe dort meinen Wehrdienst leisten müssen und bis auf das alte Rathaus dort und ein paar Ecken drumherum, doch eher eine Nachkriegs-Kleinstadt geprägt von Bundeswehr und Perspektivlosigkeit. Schön ist anders. Eine halbe Stunde südlich liegt ja Marburg, für mich eine der interessantesten Städte Deutschlands (nicht (nur) aufgrund des schmucken Stadtbildes)…

  18. 19
    Thomas says:

    Ich finde, Herr Rosenkranz sucht sich immer die harmlosesten Beispiele des gegenwärtigen Journalismus heraus – Verfälschungen wie hier bei Kassel sehe ich eher als Nebeneffekt eines Journalismus, der sich immer mehr in Richtung Boulevard und (Über)Emotionalisierung bewegt. Das stört mich bei solch einer Postille wie der hier erwähnten Zeitung nicht im Geringsten, ich bin nicht verpflichtet, sie zu kaufen und zu bezahlen. Es stört mich aber gewaltig, wenn es die ÖR betrifft, die ich ungefragt finanzieren soll.

  19. 20
    theo says:

    Der Bio-Metzger an der Ecke berichtet, dass seit einiger Zeit die Kassler weggehen wie sonstwas.

  20. 21
    nona says:

    Klasse, Kassel.

  21. 22
    Blunt says:

    Skandal! Peinlich! Debakel! …gähn.

  22. 23
    Anna says:

    Kassel! Ich lolierte. Ich bin froh, dass ich da weg bin. Aber sollte die „US-Zeitung“ wider Erwarten Recht haben, kann ich später sagen: „Ich lebte in Kassel bevor es cool war.“ :D

  23. 24
    Sigur Ros says:

    @theo: Wobei Kassler trotz des verdächtigen Namens nichts mit Kassel zu tun hat, sondern aus Berlin stammt: http://www.berlin-mitte.com/?kid=20023&sekids=&ksekids= Für uns Kasselaner gibt es nur eine regionale Spezialität, die Ahle Wurst. ;)

  24. 25
    Symboltroll says:

    Schon in den 80gern begegneten mir Kasselaner Missionare, die mir davon berichteten, Kassel sei jetzt so was von angesagt und die kommende Metropole der coolsten Hirsche, die zögen da jetzt gerade alle aus dem -niedergehenden- Berlin hin.

    Und seitdem bekam ich, bis heute, diese Story noch ein paar mal serviert, in unregelmässige Abständen. Ich vermute da eine kompensierende Lokaltradition, aber diesen Kasseler Braten rieche ich inzwischen schnell.

    @blunt: Wo? Wird? Hier? Skandalisiert? Ich lese hier eine halb-amüsante … Glosse, sachichma.

    @ Sigur: Die ahle Wurscht ist nicht Allgemein-Hessisch, sondern speziell Kasselig? Wusste ich nicht. Egal, ich liebe sie! Und bin dankbar dafür, dass Sie es auch in südlichere, echt hessische Gefilde geschafft hat. An alle die sie noch nicht kennen: Unbedingt mal ausprobieren! Und zu #17: Habt ihr nicht wenigstens auch noch ein schönes Heimatmuseum? Sowas gehört unbedingt erwähnt ;-)

  25. 26
    Claus says:

    Nach dem Hinweis auf die Replik von Sebastian Christ habe ich (leider) erst jetzt den Originaltext gelesen und muss mein „Großartig“ aus #2 leider einschränken. Tatsächlich geht es nicht nur „am Rande“ sondern vorrangig darum, dass kleinere und mittlere Städte bald gegenüber großen punkten werden. Kassel wird dabei eigentlich nicht viel mehr herausgehoben als andere Beispiele. Mir erscheint jetzt auch die Zeile „bald wollen alle nach Kassel“ im Gesamtzusammenhang nicht mehr so grotesk, sondern als übliches Stilmittel: ein Beispiel von mehreren wird – leicht zugespitzt – in die Zeile gepackt.
    Kurzum: Da kann man zwar eine Glosse draus machen, muss man aber nicht.

  26. 27
    SvenR says:

    Ich war neulich ein Wochenende in Kassel und fand großartig.

  27. 28
    grey²³ says:

    Bin hier in Hamburg laut Routenplaner etwa 2 Stunden und 53 Minuten von Kassel entfernt, Spüre nicht unbedingt täglich das Gefühl, in Kassel wäre mehr los. Vor einiger Zeit hatte ich hier geschrieben, dass BR eher nichts für dieses Blog taugt, aber dieser Artikel ist sehr unterhaltsam … also, was soll’s – schreib‘ mal schön weiter hier.

  28. 29
    Roxana says:

    @4/UJ: Lesen: das ist nicht von SN, sondern von Boris Rosenkranz (man, wie schwierig ist es?).

  29. 30
    toki says:

    Herr Rosenkranz – ich stimme Ihnen überhaupt nicht zu. Ich finde ihren Text falsch und unfair. Eine rein destruktive Polemik.

    Der Ursprungsartikel nimmt Kassel nur als Beispiel, um seine Thesen darzulegen. Kassel wird in dem Text doch nur so prominent herausgestellt, da gerade diese Stadt im geographischen Schnittpunkt der 4 großen Städte liegt.

    Inhaltlich ist der Ursprungstext von Sebastian Christ ein interessanter Debattenbeitrag, da seine Punkte ganz einfach richtig sind.

    Ersetzt man „Kassel“ durch „Leipzig“ dürfte der These vermutlich auch jeder Berlin-Mitte-Hipster zustimmen.

    Sie nehmen sich da einen Einzelaspekt („Kassel“) heraus, um den eigentlich relevanten Artikel lächerlich zu machen.

    Ich finde es auch falsch, den Autor wegen seiner Geburtstadt anzugreifen. Das ist ein ad hominem. Vielmehr kann man diese Tatsache positiv wenden, und sagen das die Herkunft des Autors ihm seinen speziellen positiven Blickwinkel auf Kassel ermöglicht.

    Ganz lustig finde ich aber die hinter dem Konflikt hinter stehende Selbstironie:

    Zwei – offenbar in Berlin lebende – „Irgendwas-mit-Medien“-Hipster streiten – vermutlich indem sie irgendwas mit ihrem Macbook-Air in Berliner Medienblogs einhacken – darum, ob Städte wie Kassel in Zukunft mal so cool wie Prenzlauer Berg sein könnten.

  30. 31
    theo says:

    Aber mal so nebenbei festgehalten: Der (oben verlinkte) Konter von Sebastian Christ (Huffington Post) gegen Boris Rosenkranz ist lesenswert.

    „Medien-Watchblogs sind wichtig, sie funktionieren wie die Feuerwehr im Journalismus. Sie verhalten sich aber wie ein kleiner Junge, der auch mal ans Lenkrad des Leiterwagens darf und dabei übermütig auf die Hupe haut und am Blaulicht herumspielt.“

  31. 32
    ronjaRT says:

    Das Problem an Nordhessen sind die Nordhessen …

  32. 33
    Anna says:

    @15, gnaddrig:
    Kassel – das Juwel Hessisch Sibiriens. Ein schaler Rauchquarz, gewiss, aber ausgehend von Bonn, nun ja …

    Bei aller Wonne am heiteren Kassel-Bashing, der eigentliche Schurke im Stück ist nicht die Stadt (und nicht die HuffPo). Leider gar nicht lustig, aber öffentliche Aufmerksamkeit dürfte wohl eher das jüngst im Lokalblatt-Watchblog aufgezeigte Gebahren verdienen.

  33. 34
    Kellerassel says:

    Was die wenigstens wissen, und es muß sich über die Jahre eine allgemeine Aktzeptanz des falschen Wortes eingebürgert haben (ähnlich wie beim unsäglichen Wort „Stockfehler“, statt Stoppfehler im Fußball) : es heißt im nicht Kassel, sondern Krassel. :)
    Und der Name ist Programm.

  34. 35
    Blunt says:

    Das bringt’s auf den Punkt: „Dass Sie aber, lieber Herr Rosenkranz, sich in aller Bräsigkeit über den sehr einfach zu erkennenden Kleinmut hinter der Zeile lustig machen, ist ein Groschen-Gag, für den Sie vielleicht bei Ihren Berliner und Hamburger Zynikerfreunden Applaus bekommen. Rein menschlich bewegen Sie sich damit aber auf eben jenem Empathie-Niveau, das derzeit in ganz Deutschland Medienkritik entstehen lässt.“

  35. 36
    Hanno says:

    Also diese Glosse von Boris Rosenkranz liest sich ja zunächst ganz nett. Ich würde auch jederzeit das Recht, sich über alles und jedes/n lustig zu machen, verteidigen. Aber erstens habe ich eine gewisse Abneigung gegen den Dünkel „moderner“ Großstadtmenschen gegenüber dem, was diese für Provinz halten (und diesen Dünkel bedient der Text eben auch). Und zweitens hat der Ausgangstext der „Huffington Post“ tatsächlich wenig mit dem ironisierten „Kassel-Boom“ der Glosse gemein. Eigentlich sind es nur die Überschrift und die Tatsache, dass der Autor aus einem Ort in der Nähe von Kassel stammt, die hier ausgeschlachtet werden.

    Dass Boris Rosenkranz die Überschrift zu der vermeintlich zentralen These des „Huffington Post“-Textes macht, um sich dann darüber lustig zu machen, ist v.a. aus einem Grund erstaunlich: Denn auch wenn man in der inhaltlich irreführenden Überschrift nur das Ziel sieht, Klicks zu generieren, arbeitet die Überschrift doch recht offensichtlich mit der Ironie, dass Kassel wohl nur von den wenigsten mit einer künftigen Hipstermetropole in Verbindung gebracht wird, die Berlin den Rang abläuft. Mit anderen Worten: Die Überschrift setzt (bewusst) genau auf jenen Reflex, auf den Boris Rosenkranz seinen Text aufbaut. Der Versuch also, Ironie zu ironisieren. Schwierig.

  36. 37
    kdm says:

    Auch ich find‘ den Text hier oben überflüssig. Es gibt wahrlich & reichlich lohnendere Ergüsse „unserer“ Presse.
    .
    Geständnis: Ich war‘ einmal in Kassel, so um 1970 ‚rum, wg. Documenta.

  37. 38
    Thomas Hackenberg says:

    So sehr ich ja die Beiträge von Boris Rosenkranz schätze, die Replik von Sebastian Christ finde ich ziemlich gut.

  38. 39
    Mosley says:

    Was soll das? Ich komme hier her um relevante medienkritik zu lesen und nicht für kindisches Pausenhof – bullying und Berliner hipster – Befindlichkeiten (uuuh, Kassel ist doof! Na dann!)

    Völliges eigentor, dieser Artikel. Hat m. M. N. Auf niggemeiers Blog rein gar nichts verloren.

  39. 40
    Reiseblog says:

    Was gibt’s denn gegen das schöne München einzuwenden?
    Also außer den utopischen Lebenskosten, wenn man direkt in der bayerischen Metropole leben möchte… ;-) Da verstehe ich vollkommen, daß die Wahl auf Kassel fällt.

  40. 41
    Bob der Baumeister says:

    Ich dachte, dieser Blog sei irgendwie wichtig und vielleicht interessant, aber ich muss ihn offenbar doch nicht lesen.

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