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Stefan Niggemeier | Nachrichten mit Bart

Nachrichten mit Bart

von Boris Rosenkranz
21 Jul 15
21. Juli 2015

Der Trend, dass Menschen Vollbart tragen, ist nach Annahmen der Deutschen Bartagentur (dba) so gut wie vorbei. Unter ihrem Tarnnamen „Deutsche Presseagentur (dpa)“ veröffentlichte die dba am vorigen Freitag ein Video, das diverse deutsche Medien übernahmen. Die Illustrierte „Stern“ titelte:

Screenshot stern.de 20.7.2015

Die Deutsche Bartagentur hatte das Video unter dem Titel „Ist der Bart ein Auslaufmodell?“ angeboten und berichtet, dass 45 Prozent aller deutschen Männer einen Bart tragen und überwältigende 12 Prozent „sogar einen Vollbart“. Weil beim hauseigenen dba-Friseur aber in letzter Zeit immer wieder Leute erzählen, dass der Vollbart-Trend allmählich auslaufe, berichtete dba weiter: „Allerdings, so hören wir in letzter Zeit immer wieder, soll der Vollbart-Trend allmählich auslaufen.“

Im Beitrag wird das unter anderem belegt durch eine „Mode-Expertin“, die sagt, dass es Männer gibt, die mit Bart toll aussehen und andere, bei denen ein Bart wie eine Verkleidung wirkt. Außerdem sagt ein Vollbartträger, dass sein Vollbart kaum von der Vollbart-Mode beeinflusst ist. dba schlussfolgert: „Im Klartext, wie so oft: Erlaubt ist halt einfach, was gefällt. Aber will man den aktuellen Trends zumindest ein wenig folgen, man darf sich schon mal wieder rasieren.“

Mit Bart-Trends kennt sich dba aus; die Agentur berichtet seit Jahren darüber.

Bereits am 28.2.2013 fragte dba, schon etwas bang:

„Was wird aus dem Vollbart?“

Grund dafür war, dass der Schauspieler Ben Affleck im Film „Argo“ einen Bart trug, diesen aber nach der Oscar-Verleihung abrasierte: „Doch hat Afflecks Rasur das Ende des Vollbarts eingeläutet – ist der Trend vorbei?“ Im Text ist zu erfahren, dass die einen so sagen, die anderen so, und dass sich ingesamt sagen lässt: „Zahlreiche Bartträger können die Gesichtsbehaarung also noch ein bisschen länger behalten.“

Am 19.12.2013 berichtet dba im „Szene-ABC: Was 2013 angesagt war“:

„B wie Bart: der wachsende Trend bei Männern, vom Hipster bis zum ‚Bild‘-Chefredakteur. Zeit fürs ‚Glattrasiert‘-Comeback?“

Offenbar nicht. Am 28.1.2014 bietet dba einen KORR-Bericht an:

„Haarige Zeitreise – Männer gehen wieder zum Barbier“

(These: „Bärte sind nicht nur voll im Trend, sondern müssen auch gepflegt werden.“)

Am 23.4.2014 meldet dba den:

„Bart des Tages“

(Besitzer: Franz Beckenbauer.)

Am 24.4.2014 meldet dba dann:

„Der Kaiser trägt Bart – Beckenbauer mit neuem Look“

Am selben Tag bringt dba dazu ein Experten-Interview („Bartweltmeister: ‚Als Kaiser ist man zum Bart verpflichtet’“) und eine Zusammenfassung („Des Kaisers neuer Bart – Hype um Beckenbauers neuen Look“).

Einen Tag später, am 25.4.2014, bietet dba/audio einen Korri-Talk, O-Töne und ein Umfrage zum Thema „Bart im Trend“ an (These: „Männliche Zottelgesichter und kein Ende in Sicht – der Bart-Trend sprießt weiter.“).

Eine Monat später, am 25.5.2014, meldet dba:

„Kaiser Franz wieder ohne Bart“

Am 19.6.2014 dann eine Sport-Meldung:

„Beim Barte des Profis: Pirlo und Co. Sorgen für Wildwuchs bei WM“

(Die Korrespondentin berichtet, dass viele Fußballer bei der WM über den Platz laufen, „als sei die Rasierklinge noch nicht erfunden“. Und dass das „viele“ andere nicht so gut finden. Zitat dba: „A-bart-ig! So urteilen viele über den Schnauzer von Hugo Almeida“. Und über all die anderen Bärte. Denn: „Ob Milch-, Ziegen-, Spitz-, Kinn-, Backen- oder Stoppelbart: Glatt wie ein Kinderpopo ist nur der Ball.“)

Am 26.6.2014 verkündet dba/video:

„Eigentlich waren immer Rocker, Althippies und Bergbauern bekannt für Vollbärte. Doch die Gesichtswolle liegt voll im Trend.“

Am 24.7.2014 meldet dba in „Neues aus der Szene“:

„Der Mann von heute zupft sich nicht nur die Augenbrauen und hört Helene Fischer. Er trägt seit längerem Vollbart, wie gerade beim Start der RTL-Kuppelshow ‚Die Bachelorette‘ zu sehen war.“

Am 16.10.2014 entdeckt dba:

„Banker mit Bärten“

(Die Meldung wird natürlich über das dba-Wirtschaftsressort verschickt. These: „Der Bart als Accessoire für modebewusste Männer ist nun auch in den Chefetagen deutscher Banken angekommen.“)

Am 1.12.2014 meldet dba im „Szene-ABC: Was 2014 angesagt war“:

„B wie Burger und Bart: Zwei Szene-Phänomene, die fast schon totgeglaubt waren, denen aber 2014 noch immer in Trendlokalen und im Gesicht vieler Männer gehuldigt wurde. Ist’s 2015 endlich vorbei?“

Anderthalb Monate später, am 12.1.2015, ist klar: Nee, nicht endlich vorbei.

„Matthew McConaughey ist jetzt Bartträger“

Am 22.1.2015 meldet dba in „Neues aus der Szene“:

„’Supergeil‘-Sänger zieht blank: Ende des Bart-Trends?“

(Weil im Werbespot einer Supermarkt-Kette der Hauptdarsteller seinen Bart abrasiert und singt, dass es zu viel Bartträger gibt, wähnt dba, naja, mal wieder das Ende. Aber da haben sie die Rechung ohne den Dings von der CSU gemacht!)

Am 27.4.2015 meldet dba:

„Guttenberg hat jetzt einen Bart“

(Was sich offenbar auf Guttenbergs Leben nachhaltig auswirkt, wie dba schreibt: „Mit Bart schloss der CSU-Politiker am Montag bei einem Auftritt in Oberbayern eine Rückkehr in die deutsche Politik bis auf Weiteres aus.“ Ohne Bart wäre ihm das bestimmt nicht passiert.)

Unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass nun auch der supercoole Guttenberg Bart trägt, fragt dba am 29.4.2015 gemeinerweise:

„Ist der Vollbart out?“

Man sehe ihn an „Kneipen-Tresen in Berlin-Neukölln“, in der Fernsehwerbung und sogar „auch an Karl-Theodor zu Guttenberg“: „Dabei soll er schon wieder out sein, war bereits öfter zu lesen.“

Ist er aber wohl doch nicht.

Am 25.5.2015 meldet dba das Ergebnis einer YouGov-Umfrage:

„Dreitagebart ist der Lieblingsbart der Deutschen“

Und:

„Umfrage: Männer mit Bart besonders attraktiv“

Tja, aber jetzt, wie eingangs erwähnt, läuft der Bart-Trend echt mal langsam aus. Darauf können Sie sich verlassen, denn ihre Kompetenz im Bart-Journalismus beweist dba seit Jahrzehnten. Der formschönste Leadsatz einer dba-Meldung ist bereits mehr als 20 Jahre alt; er wurde am 13.10.1992 veröffentlicht, wieder, wie alle anderen Meldungen auch, unter dem Tarnnamen „Deutsche Presseagentur (dpa)“:

„Ob Affe oder Mensch, beim Manne sprießt er im Gesicht – der Bart, ein sekundäres Geschlechtsmerkmal.“

30 Gedanken
  1. 1
    Chris says:

    Okay, eine Nachrichtenagentur mit täglich Tausenden Meldungen und -zig Töchtern schreibt ein paar Mal im Jahr auch etwas über Bärte.

    Ja… und?

  2. 2
    Symboltroll says:

    Vielleicht sollte man mal bei Forsa eine Unfrage in Auftrag geben.

    Welcher dieser Aussagen stimmen sie eher zu?

    a) Das hat so einen Bart.
    b) Der Bart ist ab.
    c) Mich rasiert keiner.

  3. 3
    Gernot says:

    Ein Dorf zählt 83 Männer, einen Barbier eingeschlossen, im „rasierfähigen“ Alter. Eine Menge M1 von 35 Männern lässt sich vom Barbier rasieren, der Rest M2 rasiert sich selbst.
    In welche Menge gehört der Barbier?

  4. 4
    Homer S. says:

    Was so alles als Nachricht durchgeht…

  5. 5
    Paul says:

    Muss da voll und ganz Chris zustimmen. Was ist schon dabei? Die Sache mit den Bärten war und ist nunmal ein Trend, den man überall beobachten kann. Finde es vollkommen legitim, darüber zu berichten. Und wenn in vielen Jahren unter den zig Millionen dpa-Meldungen dann ein paar Bart-Meldungen dabei sind… so what?

  6. 6
    Rainer says:

    M2

    Unterscheidungskriterium der beiden Gruppen ist:
    M2=Aktiv – sich (selbst) rasieren
    oder(exklusives oder)
    M1=Passiv – sich (vom Barbier) rasieren lassen.

    Da es nur einen Barbier gibt, kann der Barbier sich nicht passiv in Bezug auf das Rasieren verhalten.

    Aber ich wollte jetzt keiner Umfrage vorgreifen…

  7. 7
    Bernd says:

    @2/Symboltroll

    d) Die Witze von Mario Barth haben einen Bart.

  8. 8
    fink says:

    Mich erstaunt ja eigentlich nur, dass man einen Artikel über Bart-Trends schreiben kann, ohne ein einziges Mal das Wort „lumbersexual“ zu verwenden.
    Ist das Wort etwa schon wieder out?
    Und welches Medium sagt mir, ob es das ist?

  9. 9
    Symboltroll says:

    @bernd:

    Ich führe ein Barthloses Leben und bin hier deswegen inkompetent.
    Und der Simpson sprießt auch nicht mehr wie früher.

  10. 10
    fink says:

    zu #7 / Bernd: Ich möchte hiermit anregen, Vertreter*innen platter sexistischer Geschlechterklischees künftig mit „Ey, du Voll-Barth!“ öffentlich zu markieren.

    Aber auf mich hört ja sicher wieder keine*r …

  11. 11
    Hubert Hoss says:

    Trotz allem Respekt für den Inhaber dieses Blogs, finde ich dieses Blog-Thema uninteressant, aber dem jahreszeitüblichen, medialen Sommerloch angemessen. Dem Stellenwert den der niggemeier Blog im deutschsprachigen Netz hat, wird dieses Thema, meiner Meinung nach, nicht gerecht.
    Da dürfte es im Bezug auf die dpa wesentlich interessantere Themen geben als Meldungen über Trendbärte.

  12. 12
    nona says:

    „Qualitätsmedien“ kommt von „Qual.“

  13. 13
    W says:

    Ich finde diesen Artikel diskriminierend, weil nur von Männer-Bärten die Rede ist. :-)

  14. 14
    Mycroft says:

    @#3: der Barbier wird weder rasiert, noch rasiert er sich selbst. Also trägt er einen Bart.

  15. 15
    Twipsy says:

    Conchita Wurst.

  16. 16
    Russel says:

    @3: Der Barbier gehört in beide Mengen, genau denn wenn er in keine der Menge gehört.

  17. 17
    Glaukon says:

    Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein.

  18. 18
    Ratinga Gentur says:

    Was wird dazu wohl Rhabarbabarbaras Barbarenbarbarbier sagen?

  19. 19
    Ratinga Gentur says:

    Und warum findet man die Rechtschreibfehler immer erst nach dem Abschicken.
    Rhabarber Rhabarber Rhabarber

  20. 20
    Povl66 says:

    Ja, lustig das alles. Das eigentliche Problem ist leider ein anderes: Seit dapd pleite ist und sich viele Redaktionen Reuters sparen, liefert dba vermehrt schlecht recherchierten und noch schlechter aufgeschriebenen Textmüll – Bärte sind da noch harmlos…

  21. 21
    Sigmund says:

    @ symboltroll
    Die richtige Fragestellung geht so:
    „Möchten sie sich einen Vollbart wachsen lassen oder finden sie Merkels Politik gut?“

    Das garantiert Frau M. minimum 50 %.

  22. 22
    Symboltroll says:

    @Siegmund:

    Derart zutreffend bis ins Detail, ich gebe mich geschlagen.
    Damit haben Sie Ihr Forsa-Schnupperpraktikum sicher.

    Glückwunsch

  23. 23
    Symboltroll says:

    Ach Chris #1, das fällt mir jetzt gerade erst auf:

    Ganz schön fruchtbar, diese dba, mit da täglich zig Töchter produzert.
    ;-)

  24. 24
    woodchuck says:

    Nick Davis berichtet in seinem wunderbar deprimierenden Buch „Flat Earth News“ über den Niedergang des britischen Qualitätsjournalimus. Darin erwähnt er eine über die Jahre immer wieder in den Medien auftauchende Meldung über einen Tropf von Fußballfan, der sich bei Versicherung X gegen die Niederlage „seiner“ Mannschaft versichert hat. Diese Meldung wird regelmäßig zu aktuellen internationalen Fußballereignissen von einer PR-Agentur, die für die Versicherungswirtschaft arbeitet, an Presseagenturen verfüttert, die reichen es an Zeitungen weiter, wo sich natürlich noch nie jemand die Mühe gemacht hat, die Existenz besagten Fußballfans zu verifizieren, weswegen das Geschichtlein als ein ewiger Widergänger durch die britische Presse geistert.

  25. 25
    Thomas says:

    @#1 – Wenn Sie mal schauen, wie viel Müll dpa täglich raushaut (inklusive der entsprechenden Bilder) und wie viele Online-Medien diesen Quatsch als pseudoeigenen Artikel anbieten, dann ist es leider kein Einzelfall, sondern Regel:

    Warum wir an warmen Sommertagen mehr trinken müssen erklärt Wasserexperte Olf.
    Zimt in Lebensmitteln ist gefährlich, weiß Expertin XYZ,
    Kinder benötigen Freiräume, erklärt Experte ABC.
    Alles in gesundem Maß, erläutert Ernährungsexpertin Barbara Ruschikacksky aus Dortmund.

    Und neben diesen Wahnsinnsmeldungen Texte, deren Struktur so simpel ist, daß ich schon nach 3 Sätzen weiß, es ist der übliche dpa-Mist ohne Erkenntnisgewinn.

    Googelt man gar nach den Namen, gibt es die wirklich und zum Teil ist es dann versteckte Werbung, da diese Leute teilweise Firmen haben, die genau auf dem Gebiet tätig sind.

  26. 26
    Pepito says:

    Immerhin scheint hinter dem Bart-Thema keine interessierte Lobby (außer der Rasiererindustrie?) zu stehen. In dem Zusammenhang fiel mir folgender Artikel zum Thema „Man trägt wieder Hut!“ ein (lesenswert auch zur Überbrückung des Sommerlochs): http://www.spiegel.de/einestages/der-untergang-des-herrenhuts-a-947729.html

  27. 27
    Susanne says:

    Das klingt für mich eher so, als würde eine vom barttragenden Mann zu Hause genervte dpa-Journalistin versuchen, immer wieder ihren Frust loszuwerden. Hört sich mehr nach eigenen Bedürfnissen als nach sachlicher Recherche an…

  28. 28
    uguale says:

    Sorry, diesen Blog-Beitrag hätte man mit ziemlich großer Sicherheit anhand jedes beliebigen Trends und unabhängig vom Medium zusammenwürfeln können. Zudem wage ich zu behaupten: Das Thema Bart betrifft mindestens die Hälfte der deutschen Bevölkerung, womit die Relevanz für die Klatschspalten schlicht gegeben ist. Glaube nicht, dass die dba diese Texte an hunderte Medienkunden verteilen würde, wenn diese dafür keinerlei Verwendung hätten…

  29. 29
    Andreas Moser says:

    Ich (40) habe mir meinen Bart abrasiert nachdem ich 18-jährige Schuljungen mit Vollbart sah.

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Stefan Niggemeier hat recherchiert, was die Deutsche Bart-Agentur (gibt’s wohl wirklich) so alles treibt. […]

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