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Stefan Niggemeier | Bis zur WM sollen in Katar 7000 Arbeiter sterben – an was auch immer

Bis zur WM sollen in Katar 7000 Arbeiter sterben – an was auch immer

21 Dez 15
21. Dezember 2015

7000 ausländische Arbeiter werden in Katar bis zum Beginn der Fußball-WM 2022 ums Leben kommen. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat nicht zuletzt angesichts dieser ungeheuren Zahl die Fans dazu aufgerufen, das Ereignis zu boykottieren.

Diese Meldung zieht seit Freitag Kreise, wird von den Nachrichtenagenturen verbreitet. Kein Wunder: Eine griffige Zahl von Todesopfern, eine plakative Forderung. Es ist ein großer PR-Erfolg für den internationalen Gewerkschaftsbund ITUC. Er basiert auf einer höchst zweifelhaften Berechnung.

Die Zahl 7000 hat der Gewerkschaftsbund einfach auf der Grundlage von Statistiken der staatlichen Gesundheitsbehörde errechnet. Die hat vor mehreren Monaten einen Bericht mit diversen Kennzahlen für das Jahr 2013 veröffentlicht. Unter anderem steht darin auch die Todesrate der Menschen im Land, aufgeschlüsselt nach Einheimischen und Ausländern sowie Altersgruppen.

Bei Ausländern im Alter zwischen 15 und 64 Jahren kommen danach auf 1000 Menschen 0,6 Todesfälle im Jahr. Wenn in Katar ungefähr 1,8 Millionen Gastarbeiter leben, wie der ITUC schätzt, sterben also jährlich davon rund 1000 (1.800.000 * 0,6 ‰). Bis zur Weltmeisterschaft sind es noch sieben Jahre, also werden insgesamt 7000 Gastarbeiter sterben. Bäm, Zahl, Schlagzeile.

Nun umfasst die Zahl von 0,6 Promille aber sämtliche Sterbefälle unter den fast zwei Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter aus dem Ausland in Katar, auch solche, die nichts mit den miserablen Arbeitsbedingungen zu tun haben. Ich habe keine Ahnung, wie viele das sind, aber: der ITUC auch nicht.

Interessanterweise ist die Todesrate in Katar unter Einheimischen im arbeitsfähigen Alter fast dreimal so hoch wie unter Ausländern: 1,7 Promille. Das lässt sich allerdings dadurch erklären, dass die Gastarbeiter relativ jung sind und dass sie, bevor sie einreisen dürfen, auf bestimmte Krankheiten getestet werden. Das senkt natürlich die Todesrate.

Aber Tatsache ist: Menschen sterben, auch Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, auch unter besseren Umständen, als sie auf den Baustellen in Katar herrschen. So zu tun, als gingen die 7000 zu erwartenden Todesfälle von arbeitsfähigen Ausländern in Katar alle auf das Konto der furchtbaren Arbeitsbedingungen, ist unredlich.

In Deutschland liegt die Todesrate bei den 18- bis 64-Jährigen übrigens sogar bei rund 2,6 Promille. Auch diese Zahl ist nicht mit den 0,6 Promille unter den ausländischen Arbeitern in Katar vergleichbar, weil die, wie gesagt, nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind. Aber wenn die Zahl von 0,6 Promille skandalös hoch sein soll, ist das mindestens erklärungsbedürftig.

Im Bericht des ITUC wird die bedingte Aussagekraft dieser Zahl zumindest angedeutet. Er erwähnt zum Beispiel auch, dass Verkehrsunfälle eine größere Rolle spielen dürften. Aber der ITUC setzt trotzdem auf das Schlagzeilenpotential der zweifelhaften Zahl 7000 – und fügt sogar noch dramatisch hinzu, dass eine frühere, ebenfalls viel zitierte ITUC-Angabe von möglicherweise 4000 toten Arbeitern, eine „tragische Unterschätzung“ darstelle.

Viele Nachrichtenagenturen griffen die ITUC-Zahl auf, AFP ironischerweise mit dem wohl als Distanzierung gemeinten Zusatz, der Gewerkschaftsbund „erklärte allerdings nicht, wie er auf diese Zahl kommt“. Doch, das tut er. Nur erschüttert diese Erklärung eben die Aussagekraft der Zahl.

Ich habe keine Zweifel daran, dass die Arbeitsbedingungen in Katar furchtbar sind, und es ist gut, wenn Organisationen wie der ITUC und Journalisten sie öffentlich anprangern. Aber der Preis für die Aufmerksamkeit kann nicht darin bestehen, zweifelhafte Horrorzahlen zu verbreiten.

[mit Dank an Guido Haeger]

38 Gedanken
  1. 1
    Michael says:

    Da hätten wir alle erstmal die WM in Deutschland boykottieren müssen. Da sind bestimmt viel mehr gestorben, wo die Quote doch viel höher ist.

    Es ist einfach Schwachsinn, wenn sich so eine Meldung wieder verbreitet. Natürlich erscheinen die schlimmen Zustände in Katar darin nicht , und wahrscheinlich sind auch die vielen Arbeitsunfälle irgendwo unter den Tisch gekehrt.

  2. 2
    Vetaro says:

    Zeit, Protest gegen die Zustände in Deutschland anzuwerfen! Bei uns wohnen viel mehr Leute *und* es sterben viel mehr Prozente! Wir sollten Deutschland boykottieren.

  3. 3
    Johnny says:

    0,6 Promille ist mir zu pauschal. Man weiß ja auch garnicht ob der eine vom Baukran gefallen ist oder andere auf dem Weg zur Arbeit vom Auto überrollt wurde.

  4. 4
    Chris says:

    „In Deutschland liegt die Todesrate bei den 18– bis 64-Jährigen übrigens sogar bei rund 2,6 Promille.“

    Kann man diese Zahl irgendwie näher verifizieren? Bei groben Überfliegen der Daten, die ich auf der Internetseite des BiB gefunden habe, käme man auf einen deutlich deutlich kleineren Wert.

  5. 5
    Andreas Müller says:

    So ähnlich funktioniert es, wenn man alle Todesfälle in China während seiner Regierungszeit aufsummiert und diese dann als Opfer von Maos Herrschaft bezeichnet. Kein Grund zur Beunruhigung: das ist der ganz normale Über-Horror mit Zahlen.
    Viel greifbarer für eine Medienanalyse ist folgende Nachricht aus Deutschland:
    http://www.morgenpost.de/vermischtes/article206817657/Fuer-paranoid-erklaerte-Steuerfahnder-werden-rehabilitiert.html
    bzw. ihre Nicht-Verbreitung in Deutschland: http://www.hintermbusch.de

  6. 6
    Stefan Niggemeier says:

    @Andreas Müller: Sie benutzen den Begriff „Nicht-Verbreitung“ offenbar großzügig.

  7. 7
    Andreas Müller says:

    Ich wollte das „Nicht-“ eigentlich in Klammern setzen, habe es dann aber leider vergessen.
    Tatsächlich gehe die guten Berichte fast alle auf einen einzigen Artikel von Matthias Thieme zurück und keiner ist in einem Leitmedium erscheinen. Das Gesamtbild bleibt unbefriedigend, ohne die Online-Medien wäre es richtig mies.

  8. 8
    dermax says:

    @5: Wobei es aber unbestritten ist, dass die überwiegende Mehrzahl der Toten zu Zeiten Maos tatsächlich seiner Herrschaft zuzuschreiben sind, also hier der Fehler deutlich kleiner ist, gelle?
    .
    Abgesehen davon ist in Katar ja die Sterberate auch nicht das entscheidende Kriterium, sondern die Arbeitsbedingungen, schliesslich haben die Organisatoren dort ja auch nicht wirklich was davon, wenn ihnen die Arbeiter wegsterben. Deshalb würde man da ja nie auf eine saubere schockierende Zahl kommen. Es geht eher um Dinge wie Arbeitsbedingungen, Entlohnung, Menschenrechte usw.

  9. 9
    Mycroft says:

    Fußball ist eh‘ ungesund. Können diese Gastarbeiter nicht einfach zuhause an den Folgen von Berufskrankheiten aus der Petroindustrie sterben, wie sonst auch?

    Mannmannmann…

  10. 10
    Carom says:

    Und wenn nur 70 Bauarbeiter an den haarsträubenden Arbeitsbedingungen dort stürben (es werden leider viel mehr sein): Auch das wäre bzw. ist Grund genug, auf das Problem hinzuweisen.
    Ich werde aus diesem Grund 2022 zum ersten Mal in meinem Leben eine Fußball-WM boykottieren.

  11. 11
    dermax says:

    Ich frag mich grad, wie man im digitalen Zeitalter eine WM boykottiert… nur mal so als Denkanstoss: wirklich sinn- und wirkungsvoller Protest wäre Boykott von Öl…

  12. 12
    TangoZulu says:

    Vielleicht bin ich da naiv, aber ich fände es befremdlich, als Verfasser einer Presseinformation 7.000 namenlose Menschen im Voraus sterben zu lassen („will die“). Die Formulierung, dass ein solches Risiko bestehe, hätt’s vielleicht auch getan und die vorbeugende Absicht stärker betont.

  13. 13
    M.J.Groenewold says:

    Ohne die Gewerkschaft verteidigen zu wollen und mit voller Zustimmung zur vorgebrachten Kritik von Herrn Niggemeier, gibt es für mich hier aber noch ein anderes Problem.

    Die Zustände in Katar sind Bekannt. Man könnte in diesem Zusammenhang von Sklaverei oder zumindest von massiver Ausbeutung sprechen. Aber hat das irgend jemanden bis dato wirklich interessiert?
    Klar gibt es Meldungen, besorgte Politiker stimmen und mahnende Worte. Aber ernsthafte Konsequenzen?

    Die völlig übertriebenen Zahlen sind ein Stück weit auch ein Schrei nach Aufmerksamkeit und letztendlich auch die logische Konsequenz von ignoriertem Unrecht.
    Vielleicht sind wir alle schon so abgestumpft, das man uns anders nicht mehr erreicht?

    MfG

  14. 14
    Carom says:

    @dermax (11):
    Nicht einschalten, nicht kommentieren, Kommentare zur Veranstaltung mit Informationen zum Umfeld der Veranstaltung kontern, Sponsoren meiden, das eigene Umfeld für solche und ähnliche Probleme sensibilisieren (mache ich im jeweils geeigneten Moment schon länger), und ganz allgemein Menschenrechte in allen Belangen stets und immer für unverzichtbar und für unverhandelbar halten…
    Ist eigentlich ziemlich einfach. Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.

  15. 15
    Mycroft says:

    @Carom: genau, einfach nur ignorieren mache ich schon länger, aber das wirkt irgendwie nie. :-(

    Aber monströse Horrorgeschichten wirken trotzdem unseriös.

  16. 16
    Alexander Schulz says:

    Tja, wie viele da wohl noch dran glauben müssen, bis endlich der BER aufmacht…

  17. 17
    Carom says:

    @Mycroft (16):
    Wenn genug nicht mitmachen, wirkt das, keine Sorge ;) Und die „Monstergeschichten“ sind jetzt schon monströs genug, auch wenn „nur“ sieben oder 70 oder 700 Menschen für ein Sportereignis sterben sollten. „Nur“…

  18. 18
    user unknown says:

    @Carom: Und bei der Produktion von Sofas sterben auch 70 Personen – der richtige Zeitraum muss noch ermittelt werden. Boykottieren wir Sofas!

  19. 19
    Mycroft says:

    @all, Arbeitsunfälle sind sowas von unnötig, das ist mit natürlichen Zahlen gar nicht ausdrückbar. Der Nutzen liegt also ungefähr bei Null.
    Dass bei jeder Art von Bauarbeiten leider das Unfallrisiko nicht auch auf Null gedrückt werden kann, ist an sich kein Argument gegen Bauarbeiten i. Allg., aber man kann sich natürlich die Frage stellen, ob bestimmte Bauarbeiten unbedingt nötig sind. Z.B. Fußballstadions in einem Land mit nicht allzu großer Fußballtradition, das außerdem nicht unbedingt das optimale Klima für internationale Sportwettkämpfe hat, wo es genug Länder mit jeder Menge an Fußballstadien gibt. Und wenn die Arbeitsbedingungen in Katar jetzt auch noch nicht gerade die besten sind, ist das eigentlich insgesamt ein Argument gegen Katar. Wobei, bei der WM in Brasilien hielt sich der Protest auch in Grenzen.

    Eigentlich müsste der Protest auch schon eher anfangen, wenn’s losgeht, sind die meisten Unfälle schon vorbei.

  20. 20
    blurbs says:

    Den verlinkten „Frontlines-Report 2015“ der ITUC zu Katar gibt’s auch in Deutsch:
    http://www.ituc-csi.org/IMG/pdf/qatar_de_web-2.pdf

  21. 21
    JUB 68 says:

    @13 M.J.Groenewold

    Interessanter Gedanke. Aber wird eine künstliche Verschlimmerung der Darstellung eines ernsthaften Problems zum Preis von unseriöser Berichterstattung daran etwas ändern? Vor allem die Kurzlebigkeit des gesellschaftlichen Interesses im Verbund mit tatsächlichen Aktionen zur Änderung derartiger Zustände ist nach bisherigen Erfahrungen doch mit oder ohne plakative Übertreibung eines Missstandes nicht zu erwarten, oder?
    Die WM wird dort stattfinden. Je näher das Ereignis rückt und auch während es läuft wird die Berichterstattung zu Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung usw. zunehmen.
    Unterdessen wird die WM dort stattfinden und am Ende wird immer gejubelt.
    Es wird sicherlich auch immer geweint, dann aber nicht wegen 7000 Toten.

  22. 22
    Susanne says:

    Ist doch immer wieder schön, wenn man als Medienschaffender plakative Fakten präsentieren kann. Wieso soll man die denn dann noch hinterfragen? Bei all dem, was heutzutage fälschlicherweise veröffentlicht wird, wundert mich das nicht. Scheint ja auch kaum jemanden zu stören…

  23. 23
    HugoHabicht says:

    @11 dermax

    Bei Quatar müsste man Erdgas boykottieren. Öl haben die keines abbekommen.

  24. 24
    HugoHabicht says:

    @13
    M.J.Groenewold

    Mit falschen Zahlen schadet man einem solchen Anliegen aber eher, weil die halt leicht zu dementieren sind. Besser wäre es, einen plakativen Einzelfall rauszugreifen und den auszuschlachten. Das funktioniert medial sehr gut und ist unangreifbar, wenn der sauber recherchiert ist.

  25. 25
    Von Brandt says:

    WM in Südafrika, WM in Russland. Olympia in Peking. geht noch. Aber WM in Katar geht dann doch zu weit.

  26. 26
    Earonn says:

    @Von Brandt

    Seien wir doch lieber froh, dass endlich der Punkt gekommen ist, an dem zu Maßnahmen aufgerufen wird. Gar nichts zu tun, nur weil früher auch nicht gehandelt wurde, kann ja auch nicht die Lösung sein.

    Vielleicht reagieren die Menschen auch heutzutage anders, weil wir besser sensibilisiert sind für das Leid anderer. Wäre doch eine gute Nachricht.

  27. 27
    Horst Kevin says:

    @24 HugoHabicht
    Jetzt frag ich mich, warum das beim Ulfkotte anders sein sollte.

    Niggi, der ging an dich. ;-)

    Um noch was zu Thema abzusondern: Was meint Ihr wohl, wie es hierzulande aussehen würde, wenn einem nicht ständig die Berufsgenossenschaften auf den Eiern rumtreten würden.
    (unglaublich, daß ich den Verein mal positiv hervorheben muß :o )

  28. 28
    Thomas G. says:

    Matratzenhersteller am Pranger: Studie deckt Skandal auf!!!

    Nach Erkenntnissen der TU Berlin sterben 83% der deutschen Bevölkerung auf einer Matratze liegend. Führende Opositionspolitiker fordern ob der in Regierungskreisen bekannten, und doch jahrzehntelang totgeschwiegenen Korrelation bereits einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss
    […]

  29. 29
    M.J.Groenewold says:

    @ JUB 68

    Ich glaube die Antwort darauf lautet Jein. Übertreibungen haben in der Vergangenheit genauso oft geholfen, wie sie geschadet haben oder überhaupt nichts bewirkten.
    Ich glaube das es auf diesem Planeten sehr viel gibt, was dringend unsere Aufmerksamkeit erfordern würde oder sie zumindest verdient hätte. Aber es passiert jeden Tag so viel, das wir Konflikte oder Probleme aus den Augen verlieren.

    Einer dieser Probleme ist die Situation in Katar. Austragungsort einer Fußballweltmeisterschaft, die eben auch durch Menschen realisiert wird, die massiv unter den Arbeitsbedingungen zu leiden haben. Man kann in dem Zusammenhang, zumindest meiner subjektiven Meinung nach, durchaus von moderner Sklaverei sprechen.

    Wir gehen ins Kino, schauen uns Filme wie 12 years a Slave an und schütteln den Kopf wenn wir Onkel Toms Hütte lesen und halten das alles für Geschichte. Dabei ist Sklaverei immer noch ein Teil unserer Gesellschaft. Sie wurde lediglich outgesourct.

    Nur wird das Problem eben von anderen Nachrichten verdrängt. Wie auch diese Nachrichten dann wieder verdrängt werden. Atemlos von einer Katastrophe in die nächste.
    Deshalb verstehe ich das Ringen um Aufmerksamkeit.

    Gleichzeitig ist es aber eben auch so, das Herr Niggemeier mit seiner Kritik ebenso recht hat wie sie mit ihrer Argumentation, das sich mit oder ohne plakative Übertreibung, die Zustände kaum ändern werden.

    Deshalb nannte ich es ja auch Verzweiflung. Wenn man täglich mit Unrecht konfrontiert wird, es aber niemanden wirklich stört, dann verliert man die Objektivität und die Distanz.
    Auch wenn es nicht helfen mag und der Sache sogar schadet, kommt es dann (vermutlich) zu solchen Meldungen.

    Wirklich verwerflich ist aber letztendlich der Umstand, das der Fußball mehr Emotionen in unserer „Wertegesellschaft“ hervorrufen wird, als es tote, drangsalierte oder entwürdigte Arbeiter in einem fernen Land, die dieses „Ereignis“ erst ermöglicht haben.
    So manche Schiedsrichter Entscheidung wird dann für mehr Resonanz sorgen, als die übertriebene Meldung von den bis zu 7000 toten Arbeitern, an die sich dann niemand mehr Erinnern wird.

    MfG

  30. 30
    reinerw says:

    @5:
    Die SZ hat berichtet.

  31. 31
    M.J.Groenewold says:

    @ HugoHabicht

    Da könnten Sie recht haben. Ich behaupte aber das solche plakativen Einzelfälle in dieser speziellen Situation nicht sonderlich gut funktionieren würden.

    Die geschädigten sind Männer, die aus unserer Sicht in einem fernen Land arbeiten und ursprünglich aus einem noch ferneren Land stammen.
    Sie haben das falsche Alter, die falsche Herkunft, die falsche Hautfarbe und die falsche Religion.
    Egal wie schlimm das einzelne Schicksal auch aussehen mag, mit viel Empathie können sie in Europa nicht rechnen. Leider.

    Denken Sie nur mal an den Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch. Dort gab es auch viele Einzelschicksale die in Szene gesetzt wurden und die Toten und verletzten ginge wirklich in die tausende. Geändert hat sich aber im Grunde nichts.
    Ich glaube (mittlerweile) das diese Menschen einfach zu weit weg leben und wir sie deshalb viel leichter verdrängen können, als Menschen die uns geographisch näher sind und mit denen wir uns leichter identifizieren können.

    Auf die Gefahr hin zynisch zu wirken…
    Ich denke nicht das ich zynisch bin, sondern das die Welt zynisch ist. Allerdings befürchte ich, das ich ein außerordentlicher Kulturpessimist geworden bin.
    Und das unsere (von manchen sogenannte) „christlich-jüdischen Leitkultur“ mehr PR Strategie und künstliche Selbsterhöhung ist, und eben keine Handlungsmaxime mit realpolitischen Konsequenzen darstellt.

    MfG

  32. 32
    Jochen says:

    Kleine Kritik am Hausherrn: 7000 “sollen“ sterben ist in diesem Zusammenhang unangenehm zweideutig.

  33. 33
    Horst Kevin says:

    @30 M.J.Groenewold
    In meinen Augen ist es eine Frage der medialen Darstellung und hat weniger mit der geographischen Entfernung zu tun.
    Würde es medial aufgebaut, wäre die Nähe zu Menschen in x-tausend Kilometern ganz einfach hergestellt. Extrembeispiel: 3000 Tote bei 911 VS 15000 Tote jährlich durch multiresistente Keime.in D.
    Wohin wird die Empörung kanalisiert?
    Von den Milionen unschuldiger Opfer des „Krieges gegen den Terror“ wird auch möglichst wenig geredet. Die sind ja auch weit weg…
    .
    Ein aktuelles Beispiel ist der widerliche Versuch der Stimmungsmache durch Seehofers Soli-Vorstoß. Warum hat er einen ähnlichen Vorschlag nicht gebracht, als es um die Anschaffung der rostenden Hubschrauber ging, die zufällig ähnlich viel kosten sollen.
    Es ist alles eine Frage der Verpackung und Darstellung.

  34. 34
    Jürgen says:

    Die meisten Gastarbeiter kommen aus Nepal, Indien und Pakistan. Da ist die Sterblichkeitsrate auch bei 6-7 pro 1000. Dann sind da noch die Gastarbeiter aus Nord- und Ostafrika, wo die Rate deutlich höher ist. Also je mehr ostafrikanische Gastarbeiter desto mehr Leben werden in Katar gerettet. Statistik hilft nicht immer.
    Je mehr Käse, desto weniger Käse ….

  35. 35
    Stefan K. says:

    Die Zahlen aus Qatar scheinen generell nicht sonderlich vertrauenswürdig zu sein, man betrachte einmal folgende Grafik:
    http://www.indexmundi.com/g/g.aspx?c=qa&v=26
    Die „Death Rate“ hat sich bis 2007 gesteigert und ist dann abrupt auf einen wahrscheinlich historisch niedrigen Stand gefallen. Da es nicht so ganz klar ist, wie diese Zahl eigentlich zustande kommt, könnte es sogar sein, dass die „Gastarbeiter“ (wahlweise Arbeitssklaven) teilweise dafür verantwortlich sind. Auf jeden Fall ist die für 2014 angegebene Zahl von 1.53 von 1000 nur ungefähr ein Drittel des Standes von 2007.

    Andererseits zeigt der Populationsgraph
    http://www.indexmundi.com/g/g.aspx?v=21&c=qa&l=en
    für die Jahre 2008 bis 2010 keine signifikante Veränderung gegenüber den vorherigen Jahren. Hat jemand eine Erklärung für den Absturz der Todesrate?

  36. 36
    Dirk says:

    Ok auch wenn es etwas spät ist, aber mir ist gerade aufgefallen das es bei den Grammy Awards 2012(!) zu ähnlichen Problemen gekommen ist, ohne das irgendeine dubiose Organisation Konsequenzen gefordert hätte:
    http://www.der-postillon.com/2012/02/rund-50000-menschen-am-vorabend-der.html

  37. 37
    Pascal says:

    @Horst Kevin: Natürlich ist das alles eine Sache der Darstellung. Jeder Tote ist einer zu viel – egal wo und wodurch er sterben musste. Das die Medien den Fokus immer nur auf bestimmte Tote lenken ist verständlich – deshalb konsumiere Ich sie auch nicht mehr. Ständig nur schlechte Nachrichten, die überhaupt gar keinen Einfluss auf mein tägliches Leben haben und mich nur runterziehen würden.

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