Aiman Abdallah

Sie haben es sicher gehört: Aiman Abdallah hat am Freitagabend das Geheimnis der Artus-Legende gelöst. Jawoll, der Aiman Abdallah, der für das Magazin „Galileo“ auch schon die Geheimnisse gelöst hat, wie die Fleischbällchen in die Nudeln kommen, die Ravioli in die Dosen und die Dosen in den Supermarkt. Als eine Art James Cook des 21. Jahrhunderts bereist und kartografiert er seit Jahren die faszinierende Welt der Industrieproduktion, und nun schickt ihn sein Sender los, nicht mehr nur das Mysterium der Dosenravioli zu ergründen, sondern auch das des Jack The Ripper – oder eben: König Artus.

„Findet Aiman Abdallah hinter dem Mythos Artus einen historischen Kern“, fragte der Sprecher am Anfang, und so, wie Abdallah da in einer englischen Landschaft herumstand und sehr angestrengt versuchte so auszusehen, als frage er sich, ob er wohl hinter dem Mythos Artus einen historischen Kern finden würde, hätte man nicht drauf gewettet. Eine ganze Labor-Attrappe, in der man auch eine deutsche Version von C.S.I. drehen könnte, haben sie ihm sogar gezimmert und zwei Kollegen hineingestellt: „Avalon“, sagt da die Psychologin erschrocken, „das findet sich auf keiner Karte!“ Und Abdallah versucht sich zu erinnern, wie Menschen aussehen, die erstaunt sind, scheitert und sagt unbeirrt: „Wir suchen eine Insel, die es gar nicht gibt?“

Mit dem kompletten Brimborium moderner Pathologieserien inszeniert „Galileo Mystery“ aufwendigst die Expedition des Aiman A. – lässt ihn reisen und experimentieren, Dorfbewohner in Kroatien belästigen und Grabsteine tätscheln. Dabei hätte er, um den römischen Ritter Lucius Artorius (!) Castus zu finden, nur in die Wikipedia gucken müssen. Aber eine grausame Regie hat Abdallah aus seinem natürlichen Lebensraum, einem Fernsehstudio in Unterföhring, herausgerissen und in die Welt geworfen, und im Vorspann zeigen sie sogar, wie sein Gesicht ratlos durch eine Wand guckt. Aiman Abdallah spielt Aiman Abdallah, und das ist als Konzept sehr abwegig und als Schauspiel so hölzern, dass man damit halb Mitteleuropa vertäfeln könnte.

„Der erste Schritt zur Erkenntnis ist der Zweifel“, knarzt der Sprecher. „Das weiß Aiman Abdallah. Und sein Team weiß es auch.“ Ich bin mir fast sicher, dass das nicht stimmt.

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung