Qualitätsfragen (2)

24 Okt 08
24. Oktober 2008

„Frankfurter Rundschau“, 13. April 2008:

[ZDF-Paris-Korrespondent Alexander von Sobeck] gibt an, in seinem Sender sei Außenpolitik „nur noch selten prime-time-fähig“. So sei das „Auslandsjournal“ so lange hin und her geschoben worden, bis es kaum noch einer finde. Die ARD würde sich hingegen auch am Vorabend noch „Sendungen mit Leuchtturmcharakter“ wie den „Weltspiegel“ halten.

[ZDF-Chefredakteur Nikolaus] Brender hält den Quotendruck zur Hauptsendezeit dagegen und sagt: „Eine Auslandsberichterstattung, die nicht von vielen Zuschauern gesehen wird, verliert an öffentlich-rechtlichem Wert.“

Konkret sieht das so aus:

Die Verlegung des „Auslandsjournals“ um eineinhalb Stunden nach hinten hat die Zuschauerzahl der Sendung halbiert.

58 Gedanken
  1. 1
    Der Jemand says:

    „Konkret sich das so aus“?

  2. 2
    Twipsy says:

    Erst wollte ich etwas mosern, weil Du die Zeiten von 1990 (völlig andere Zeiten) mit denen von 2007 vergleichst. Dann habe ich jedoch erst den einsamen Wert von 2008 gesehen…
    Qualitätsfernsehen à la ZDF sieht übrigens so aus: Gäste bei Kerner in letzter Zeit: Mario Barth, Dieter Bohlen, Atze Schröder, Bruce Darnell, Sylvie van der Varth (die neulich dort ein Wettsaugen veranstaltet haben (mit Staubsaugern!))

  3. 3
    Stefan says:

    Na, die „völlig anderen Zeiten“ und ihre Auswirkungen auf die absoluten Zuschauerzahlen sind ja genau das Thema. (Und natürlich gibt es noch andere Einflüsse auf die Zuschauerzahl als die Sendezeit. Aber der Wert von 2008 spricht für sich.)

  4. 4
    Martin Grabenecker says:

    Dann habe ich mich ja richtig erinnert! cantans triumphansque…

  5. 5
    Martin Grabenecker says:

    Außerdem möchte ich eine Wette abschließen auf den Titel Deiner Kolumne am kommenden Sonntag:

    „Nikolaus Brender“

  6. 6
    Krischn says:

    Kann ich nur bestätigen. Hatte früher Do Abends Pflichttermin: aj gucken. Dann fangen die Leute an, die Sendung (fast) in die Nacht zu verschieben (wenn’s denn überhaupt kommt), Praktikanten als Moderatoren einzusetzen…

    3.sat neues kann man auch nicht mehr gucken: Yve Hering, Kinderthemen, etc. Ach, es ist ein Graus…

  7. 7
    Twipsy says:

    Ich dachte eher an die erhöhte Konkurrenz (Reichweite) der Privatsender Anfang der 90er. Die kann man an dem Schwund 90/91 schon erahnen. Wetten, dass hatte damals ja auch noch 20–25 Mio Zuschauer. Um diesen Einfluss rauszurechnen, könnte man die Werte üben den jeweiligen Marktanteil des ZDF normieren. Aber der Abfall 2008 spricht schon Bände.

  8. 8
    Thomas says:

    Irgendwie finde ich diese Argumentation des ZDF-Fuzzies dem (zahlenden!) Publikum gegenüber zynisch. Ich will Qualitätsfernsehen wie das AJ zu Zeiten bei denen ich es mir leisten kann vor dem Fernsehen zu sitzen und nicht dann wenn eh keiner zuschaut (weil das Publikum am nächsten Tag wieder aufstehen muss). Wenn mir nach seichtem Mist ist dann schalte ich halt zu den Privaten um, aber ich will die (bessere) Alternative und nicht irgend einen Einheitsbrei.

    Da wäre selbst eine Verlegung z.B. zu 3Sat oder Phoenix für mich als Zuschauer attraktiver als ein Sendeplatz mitten in der Nacht.

  9. 9
    Christoph says:

    Wenn man danach geht, was „viele Zuschauer“ nicht sehen wollen, warum gibts arte und 3sat dann überhaupt noch? Da könnte man doch einen öffentlich-rechtlichen Telenovela Sender oder vergleichbares etablieren.

    Ist denn nicht vielleicht grade das, was nur wenige Zuschauer sehen wollen (und die Privaten daher nicht anbieten) der Wert des öffentlich-rechtlichen Fernsehns? Und sollte es — geht man vom öffentlichen Interese aus — nicht eher um den inhaltlichen Wert eines Programmes gehen?

  10. 10
    schoschie says:

    Am Rand: wie ist das hübsche Diagramm entstanden?

  11. 11
    Thom says:

    Kultur ausbluten lassen und dann, wenn’s furchtbar wird, sagen, daß es eh keiner sehen will.

  12. 12
    Christian H. says:

    Ohne der These widersprechen zu wollen: Aber diese Grafik ist Schwachsinn. Du kannst nicht verschiedene Sendezeiten anhand der absoluten Zuschauerzahlen vergleichen. Wenn schon, dann nimm doch bitte die Reichweite in Prozent. Denn natürlich schauen gg. 21 Uhr mehr Leute Fernsehen als um 22:45 Uhr.

  13. 13
    Stefan says:

    @schoschie: Mit Excel.

  14. 14
    Ste says:

    Form und Inhalt sollten, auch wenn es absolut klassizistisch klingt, nicht voneinander getrennt behandelt werden. Und genau das ist u.a. der Fehler, der implizit gemacht wird. Die Form steht im Vordergrund, der Inhalt ist entweder ein Zufallsprodukt (mal sehen wie sich die Gäste verhalten) oder wird je nach Besinnung der „Verantwortlichen“ gestaltet (Zyniker: Wenn die Leute roh und blöd geworden sind, bieten wir ihnen genau das; Kyniker: Okay, die Leute sind roh und blöd, daher bieten wir ihnen auch den Blödsinn, jedoch in ironischer Verkleidung indem wir dekonstruktiv oder kritisch mit dem Material umgehen; Konservativ: Die Menschen sind blöd, dies müssen wir ändern!)

  15. 16
    Christian H. says:

    Na okay, ich gebe nach ;)

  16. 17
    vader says:

    Ich bin ja so gar nicht überrascht. ZDF Auslandsjounrnal dauert 1 Stunde, wer also praktisch schon im Schlafanzug fernsieht, kommt dann um Mitternacht in’s Bett. Und jetzte nehmen wir mal die übliche Öffnungszeiten für Geschäfte/Behörden bzw. den Arbeitsanfang für Leute die im produzierenden Gewerbe oder im gesundheitssektor arbeiten und rechnen da drauf (a) Frühstück, (b) Bedzimmer © Fahrzeit, und wir kommen im miesten Fall mit einem echten Schlafmangel heraus.

    Fazit: ZDF denkt, das AJ ist was für Privatiers, Rentner und Privilegierte. Da braucht man nicht mehr über Sinnhaftigkeit von Grafik und Zahlen dikutieren oder absolute Zahlen gegen Reichweite. Soe ein Sendung ist dan halt für viele nicht mehr erreichbar (abgesehen davon, dass ich was Anspruchsvolles auch gerne liebe sehen würde, solange ich nicht schon total weggetreten bin).

    Mann, Mann, Mann — „öffentlich-rechtliches“ Fernsehen… — aber es scheint als seine Auftrag vor allem zu verstehen, Berufsjugendliche und Kaspern zu vermarkten.

  17. 18
    vader says:

    Sorry für Tippfehler :-(

  18. 19
    Mark says:

    Wie kommt man als Normalsterblicher an die GfK-Quoten ran?

  19. 20
    P says:

    @12: Bei Reichweite in % sähe die Kurve genauso aus, nur die Skala wäre eine andere. Sie meinen vermutlich Marktanteil in %.

    Aber, natürlich verliert eine Sendung massiv an absoluten Zuschauern, wenn man sie aus der Primetime nimmt und an den späten Rand stellt. Die eigentliche Frage ist doch: Was läuft jetzt um 21:15 Uhr, und hat es den prominenteren Sendeplatz vielleicht noch eher verdient als das „Auslandsjournal“?

  20. 21
    Sebastian says:

    Das Diagramm ist wirklich sehr hübsch. Dachte nicht, dass sowas aus Excel rausfallen kann…

  21. 22
    Mile says:

    Freitag 21:00
    Samstag 19:20
    Mittwoch 22:45
    Donnerstag 16:02

    Also ich finde schon, dass man sich da eine schöne Zeit aussuchen kann.
    Wenn man Qualitätsfernsehen konsumieren will, dann ist auch ein wenig Eigeninitiative nicht zu viel verlangt.
    Oder will man das „Qualitätsfernsehen“ auch nur stupide konsumieren, sich also zur besten Sendezeit einfach vor die Glotze setzen und einfach das Erstbeste laufen lassen.

  22. 23
    finzent says:

    @22:

    Echt jetzt. Und überhaupt: warum machen die ganzen Leute die dieses sogenannte „Qualitätsfernsehen“ sehen wollen ihre Sendungen nicht einfach selber, wenn sie so unzufrieden sind? Eigeninitiative halt.

  23. 24
    Torsten says:

    @finzent: Selbst machen? Die meisten, die sich jetzt aufregen, gucken nicht mal Kultursendungen.

  24. 25
    Krischn says:

    @17:

    Keine Stunde, ne halbe. Macht aber im Grunde nichts: ist trotzdem zu spät.
    Letzten Absatz könnt ich auch unterschreiben.

  25. 26
    Krischn says:

    @22:

    Hab keine Digital-Sender, auch wenn ich dafür bezahl :-(

  26. 27
    nona says:

    @Krischn/#6:
    War „neues“ jemals anders?

  27. 28
    Tom says:

    Wenn ich einen „Öffentlich-Rechtlichen“ von ‚Quotendruck‘ reden höre, dreht sich mir der Magen um :-O

  28. 29
    Armin says:

    Natürlich sind Quoten auch für die Öffentlich-Rechtlichen wichtig, nicht nur das Bildungsbürgertum zahlt Rundfunkgebühren. Irgendwie ist diese Qualitätsdebatte eh überflüssig, früher hatte ich 3 Programme bei denen ab und zu was für mich lief, heute habe ich 30 und finde auch ab und zu etwas für mich, der einzige Unterschied ist das man länger durchzappen muss ;-)
    Und wenn ich nichts finde schalte ich ab und lese ein Buch (Und ich lese selbst!).

  29. 30
    Gregor Keuschnig says:

    Brenders Diktum ist Unsinn. Erstens verliert oder gewinnt ein Bericht nicht an „Wert“, wenn er von weniger oder mehr Zuschauern gesehen wird. Allenfalls könnte man argumentieren, der Bericht wird pro Zuschauer teurer, wenn er von weniger Leuten gesehen wird (Fixkostendegression). Durch die permanente Verlegung des Sendetermins (ich nehme an, Verlegungen und Ausfälle bspw. durch Sportübertragungen sind nicht berücksichtigt) trägt er jedoch selber dazu bei, dass die Sendung „nicht von vielen Zuschauern gesehen wird“.

  30. 31
    eggbert says:

    Aufwachen, Kollegen! Sinnlos, sich mit den Brendern dieser Welt um Sendeplätze streiten zu wollen. Deren verschwurbelte Weltsicht ist doch in solchen Punkten durch die vielen Diskussionen ohnehin sowas von betoniert.

    Ich sage: Ab ins Internet zu zdf, und deren Online-Angebot fordern. Da sind a) die Quoten echt und nicht irgendwelche Hochrechnungen, b) ist mir ein Sendeplatz völlig wurschd und c) sind Leute wie Niggemeier-Leser (also eindeutig die klügsten und besten Köpfe dieser Welt) da quotenmäßig absolut in der Überzahl.

  31. 32
    Torsten says:

    @Gregor: „permanente Verlegung des Sendetermins“? Wenn ich das da oben richtig lese, hatte die Sendung 15 Jahre fast den selben Sendeplatz.

    Schwerer wiegt eine Verkürzung von 45 auf 30 Minuten. Dafür gibt es heute aber auch „Auslandsjournal extra“ und „Auslandsjournal xxl“, mehr Korrespondentenberichte im heute journal, Phoenix, DW-TV und einen eigenen ZDF-Infokanal, der rund um die Uhr Reportagen zeigt.

    Mit Qualität hat das wenig zu tun. Spannender wäre es Themenauswahl, Beitragslängen und Doppelverwertungen zu analysieren.

  32. 33
    Stefan says:

    @Torsten: Gut, wir kommen bei dem Thema nicht zusammen, aber wenn das ZDF seine Auslandsberichterstattung aus der Prime-Time in den späten Abend schiebt und so dafür sorgt, dass die Auslandsberichterstattung nur noch die Hälfte des bisherigen Publikums erreicht, hat das für mich viel mit der Frage nach der Qualität des deutschen Fernsehens zu tun. Wenn du Themenauswahl, Beitragslängen und Doppelverwertungen spannender findest, analysier sie doch. Das hier sind für mich einfach kleine Faktenbruchstücke für die Debatte. Dass jedes einzelne nur einen winzigen Aspekt behandelt, ist doch klar.

    (Wie kommst du auf 15 Jahre?)

  33. 34
    Gregor Keuschnig says:

    @32/Torsten
    Ich versuche selektiv fernzusehen. Mich interessieren Auslandsberichte. Aber ich habe keine Lust (und auch keine Zeit), mich zwischen Sendeterminen von irgendwelchen Extrasendungen oder „XXL“-Quatsch durchzurobben (trotz Fernsehzeitschrift). Und den ZDF-infokanal können die sich sonstwo… Wie hoch mag denn da die Quote sein? Bzw.: Warum interessiert denn dort die Quote nicht mehr?

    Wichtiger wäre m . E. der Vergleich zum ARD-„Weltspiegel“, der (nach meinem Gefühl) schon jahrelang sonntags um 19.10 oder 19.20 Uhr kommt.

  34. 35
    Haco says:

    Herr Brender meint, 2,5 — 3 Mio Zuschauer sind zu wenig für 21:15
    hat er recht? was meint ihr?
    (.…da sich ja hier so viele in Bezug auf den Rauswurf von Elke Heidenreich mit dem ZDF identifizieren konnten, vielleicht kann sich der ein oder andere auch diesbezüglich in Herrn Brender hineinversetzen ;-) kleiner Scherz…)

    Aber im Ernst: wann würdet ihr anfangen zu überlegen, ein Sendung zu verlegen, abzusetzen? Oder ist das schon falsch gedacht? Kommt es eher darauf an, für eine als wichtig erachtete Sendung den bestmöglichen Sendeplatz zu finden? Ich bin da unschlüssig.…

    Er argumentiert mit dem Quotendruck: gibt es diesen Druck wirklich? Ich mein, gab es mal eine Debatte darüber, dass das gebührenfinanzierte Modell seine Berechtigung verliere, wenn eine bestimmte Schwelle der Sehbeteiligung unterschritten wird? Weiß das jemand?

  35. 36
    Torsten says:

    Stefan: Nicht „die Auslandsberichterstattung“, sondern „das auslandsjournal“. Wie es um ersteres steht, weiß ich zugegebenermaßen nicht. Vielleicht sollten wir mal beim Medientenor anfragen :-)

    Aber wie wäre das: Hat zufällig jemand noch ein Videoband eines Auslandsjournals von Oktober 1992 herumliegen? Ich würde zu gerne exemplarisch vergleichen wie sich die Wahlkampfberichterstattung verändert hat.

    15 Jahre waren mein Fehler, es waren einmal 5 und einmal 10 Jahre. Ich habe darüber hinaus Gregor missverstanden. Streichen wir das bitte.

  36. 37
    Ich says:

    Stefan, könntest du vielleicht nen aktuellen Beitrag zum Rundfunkstaatsvertrag bringen, den die Ministerpräsidenten jetzt ausgekungelt haben?
    Vor allem zur 7-Tage Regelung und zum „Public Value“ Test?
    Wenn ich das richtig verstanden habe müssen ja jetzt alle Sendungen, auch Nachrichten und Politmagazine, nach 7 Tagen aus dem Netz gelöscht werden. Das nenne ich gezielte Gebührenvernichtung!

  37. 38
    Gregor Keuschnig says:

    @35/Haco
    Ich finde, man muss Quotendruck differenzieren. Es gibt sicherlich bestimmte Grenzen, an denen sich ö-r Medien, die von Gebühren bezahlt werden, die Legitimationsfrage stellen müssen. Aber ich glaube, dass das Auslandsjournal um 20.15 Uhr (oder 21.00 Uhr) mit 3 Millionen Zuschauern dazu nicht gehören würde. Steter Tropfen kann hier den Stein höhlen (= die Zuschauerzahl steigern).

  38. 39
    Torsten says:

    @Gregor Keuschnig: Ab 2010 empfängt eigentlich jeder die Digitalkanäle. Ich finde, die sollten in Zukunft besser genutzt werden. Nicht als überflüssige Anhängsel, sondern als nutzbare Programmfläche.

  39. 40
    mono~ says:

    Man kann betreffs des Quotendiktums natürlich anderer Meinung als Bender sein. Will man aber aufzeigen, dass seine Argumentation in sich widersprüchlich ist, was ich dir, Stefan, mal unterstelle, sollte man eher schauen, ob das aj über oder unter dem Senderschnitt zu den jeweilligen Zeiten lag. Das die absoluten Zuschauerzahlen mit fortschreitender Dauer des Abends nicht größer werden, ist ja keine echte Überraschung, spricht aber auch nicht dafür, das Bender wider seiner Quotenlogik handelt. Denn da gehts ja darum, ob eine Sendung zu einem wichtigen Sendeplatz nicht durch etwas quotenträchtigeres Ersetzt werden kann. Über die Fehlerhaftigkeit dieser normativen Quotenprämisse sagt eine Grafik genau genommen nichts aus.

  40. 41
    Stefan says:

    Ich habe keinen Zweifel, dass es Quotenträchtigeres gibt als das „Auslandsjournal“ zur Prime-Time. ARD und ZDF haben aber als öffentlich-rechtliche Sender die Pflicht, eine Abwägung vorzunehmen, an welcher Stelle sie auf möglichere höhere Marktanteile verzichten, um einer Informationssendung möglichst viele Zuschauer zu bescheren.

  41. 42
    Peter Viehrig says:

    @mono~

    Zum wiederholten und hoffentlich letzten mal:

    Es geht eben nicht um Quote, folglich auch nicht um eine Quotenlogik Brenders. Es geht vielmehr um Reichweite und darum, welchem Programm das ZDF eine hohe Reichweite zubilligt. Und warum immer die wenigen Sendungen bluten müssen, die wenigstens versuchen (mehr oder weniger erfolgreich), einen minimalen geistigen Anspruch an den Zuschauer zu stellen.

    Man wagte es kaum, eine teilweise ja berechtigte Kritik an Heidenreichs Sendung zu üben, denn man fürchtete stets die Konsequenzen, die das ZDF dann sehr gern ziehen würde. Werfen Sie doch einmal einen Blick auf das Programmschema des ZDF. Und sehen Sie selbst, was hier wofür weichen mußte. Außerdem fallen etliche Sachen auf, die ohne weiteres sofort gestrichen werden könnten, ohne daß der Zuschauer einen signifikanten Verlust verspüren würde:

    - Einer der Freitagskrimis
    — frontal 21
    — wenigstens eine der Serien am Dienstag oder Freitag
    — usw., usf., etc.

    Es stinkt einen an.

  42. 43
    Twipsy says:

    Machen wir uns nichts vor, das AJ wird nicht wieder nach früher verlegt. Machen wir uns lieber Gedanken, wie man deren Quoten verbessern kann.

    1. Umbenennung in „aj“ oder „AJ“
    2. Moderieren soll ein dressierter Affe (in Hemd und Krawatte), der mit lustiger Stimme synchronisiert wird.
    3. Berichtet wird in Zukunft über schimmelige Hotels auf Mallorca, süße Tiere in ausländischen Zoos und Castingshows in Asien.
    Das bringt sicher 500.000 Leute zum Einschalten.

  43. 44
    Jeff says:

    Natürlich geht’s bei Vollprogrammen wie dem ZDF um Quote, um was denn sonst? Wer in der klassichen Unterhaltungsschiene von 20:15 bis 21:45 Uhr das auslandsjournal gucken und anschließend meinetwegen noch Fußeinschlafhilfen wie Alexander Kluge in der Dauerschleife, bis die Synapsen ob der ulkigen Schrift und dem Gesabbel des dicken Mannes mit Bart durchbrennen, soll sich eine gepflegte Aufnahmeeinheit anschaffen, die Mediathek anwerfen oder auf Spartenkanäle schalten, dafür wurden diese schließlich erdacht.

    Warum erdreistet sich die Minderheit der Intellektuellen im Land, der Mehrheit vorschreiben zu wollen, zu welcher Uhrzeit sie sich weiterzubilden haben? Wenn ich Frontal21 gucken und mich von Kassengestell-Theo verblöden lassen möchte, ist das mein gutes Recht. Ich will bitte so doof bleiben wie ich bin und um 20:15 bei einem Glas Bier mit leichter Kost unterhalten werden.
    Danke, Nikolaus!

  44. 45
    JMK says:

    Nur weil es beim ZDF inzwischen nur um Quote geht, sollte dies nicht der Normalzustand sein. Von wegen Bildungs- und Unterhaltsauftrag, erster wird ja ein klein wenig vernachlässigt und was hat Kluge mit dem ZDF zu tun?

  45. 46
    Torsten S. says:

    @44/Jeff: Von „vorschreiben“ kann hier keine Rede sein. Wenn nur Das ZDF oder nur die ARD zur Besinnung kommt und intelligentes Fernsehen bleibt, dann hast du weiterhin über 50 Sender, mit denen du deine „Doofheit“ weiterhin pflegen.

    Den Aufruf der Intelektuellen verstehe ich eher so: „Warum werden wir intelektuellen aus dem Fernsehen ausgeschlossen? Bringt doch auch mal ein paar Sendungen, die uns interessieren zur Primetime!“

    Ich empfinde das als eine legitime Forderung.

  46. 47
    Ste says:

    @jeff:Keine Ahnung was Sie frühstücken, für wen oder was Sie sonst so schreiben oder Sprüche klopfen, doch sollte Ihnen bewusst sein, dass dies hier kein Stammtisch ist. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll die Dummheit, Wahnwitzigkeit und durchaus gefährlichen Einsatz Vernunft und Wirklichkeit trennen zu wollen in vielen Ihrer Kommentare herauszufiltern und auseinanderzufalten, doch sobald ich anfange kehrt sich mein Immunsystem um und ich fange an nicht sehr konstruktiv und nüchtern dabei zu bleiben, daher lasse ich es lieber, es macht ja bei dem Schlag von Typ wie Sie keinen Sinn. Viel Spaß weiterhin bei Ihren dumpfen Verstimmungen und allabendlicher Feierlaune. Ich werde Sie einfach (leider) in Zukunft eher ignorieren müssen.

  47. 48
    Ste says:

    @Torsten: D’accord, doch: „die“ Intellektuellen gibt es nicht und wird es auch nicht geben; jedoch sollte jeder ein gewisses Maß an intellektueller Selbstachtung besitzen. Es sind übrigens im ursprünglichen Sinne jene, die unabhängig von Anderen Denken und Reden (können und dürfen): „inter-legere“: einer der dazwischen liest.

  48. 49
    bongokarl says:

    So sehr ich diese Meinung auch teile, aber ist das nicht ein bisschen „Less Pirates = More Global Warming“?

  49. 50
    Gregor Keuschnig says:

    @44/Jeff
    Kluge ist bei RTL/Sat.1. Wenn Sie sich „verblöden lassen“ wollen, gestehen Sie bitte anderen zu, dies nicht in Ihrem Sinne zu tun. Nicht alle möchten im Zynismus enden.

  50. 52
    Jeff says:

    @46:
    »Wenn nur Das ZDF oder nur die ARD zur Besinnung kommt und intelligentes Fernsehen bleibt, dann hast du weiterhin über 50 Sender, mit denen du deine „Doofheit” weiterhin pflegen.

    Das ZDF wird über Zwangsgebühren finanziert und muß daher sicherstellen, daß zu jeder Tages- und Nachtzeit ein möglichst großer Teil des Publikums abgegriffen wird. Solange keine zuverlässigeren Methoden der Optimierung im Einsatz sind als die Quoten ominöser Zuschauer aus Musterhausen, wird sich daran nichts ändern. Intellektuelles Gerumpel zur Hauptsendezeit auf dem ZDF, wenn die Familien gemeinsam vor der Glotze sitzen, wäre Gebührenverschwendung und würde zurecht eine Zusammenstreichung der finanziellen Mittel zur Folge haben.

    »Den Aufruf der Intelektuellen verstehe ich eher so: „Warum werden wir intelektuellen aus dem Fernsehen ausgeschlossen?

    Für mich klingt der Aufruf wie: „Hilfe, ich bin medieninkompetent!“ Wer in der – im Vergleich zu früheren Zeiten, in denen das Publikum auf drei Kanälen mit albernen Spielchen älterer Herren gequält wurde, wenn ausnahmsweise gerade kein Sendeschluß war – riesigen Auswahl an Sendern kein für ihn passendes Programm findet, muß sich schon ziemlich doof anstellen.

    »Ich empfinde das als eine legitime Forderung.
    Ich auch, aber nicht auf dem ZDF zur Hauptsendezeit. Es wäre sinnvoller und erfolgversprechender, noch intelligenteres Fernsehen auf 3sat und insbesondere arte einzufordern, also Sendern, die eh schon kulturzentriert senden. Auf diese Idee kommt natürlich kein Verehrer der quotengeilen Frau Heidenreich.

  51. 53
    Stefan says:

    Nach meiner Erfahrung verpasst man selten etwas, wenn man aufhört, einen Beitrag zu lesen, sobald das Wort „Zwangsgebühren“ gefallen ist. Hat sich gerade wieder bestätigt.

  52. 54
    Jeff says:

    @47:
    »Keine Ahnung was Sie frühstücken, für wen oder was Sie sonst so schreiben oder Sprüche klopfen, doch sollte Ihnen bewusst sein, dass dies hier kein Stammtisch ist.
    Ich frühstücke überwiegend fleischig, manchmal darf es auch Nuß-Nougat-Creme oder ein frisch gezapfter Blütenhonig sein und ich schreibe hier einfach nur aus Spaß an der Freud‘.
    Natürlich ist das hier ein Stammtisch, das merkt man schon an den oftmals reißerischen Überschriften, die Herr Niggemeier hier auf die geneigte Leserschaft losläßt. Hier soll es zur Sache gehen, ansonsten könnte man das Blog auch gleich schließen, weil kein Hahn mehr danach krähen würde.

    Warum wohl setzt sich Herr Niggemeier zum Raab auf die Couch? Glauben Sie, daß er damit die intellektuellen Weintrinker zum Kauf seines Buches animieren möchte?

  53. 55
    Jeff says:

    »Nach meiner Erfahrung verpasst man selten etwas, wenn man aufhört, einen Beitrag zu lesen, sobald das Wort „Zwangsgebühren” gefallen ist. Hat sich gerade wieder bestätigt.
    Das geht mir ähnlich, wenn Du das Wort „RP-Online“ oder „Klickstrecke“ aussprichst, da fängt das große Gähnen an und man weiß, daß man garantiert nichts verpaßt.

  54. 56
    Jeff says:

    @50:
    »Kluge ist bei RTL/Sat.1.
    Nein, Kluge ist bei dctp. dctp sendet in Programmfenstern auf RTL, Sat.1 und VOX, damit diese zumindest den Anschein von Kultur wahren können und ihre Senderechte nicht verlieren.

    »Wenn Sie sich „verblöden lassen” wollen, gestehen Sie bitte anderen zu, dies nicht in Ihrem Sinne zu tun. Nicht alle möchten im Zynismus enden.
    Ich mag Ihre Kommentare, sie heben sich wohltuend vom üblichen Fanboy-Geschwafel ab.

  55. 58
    jw says:

    Wundert mich, dass das noch niemand verlinkt hat. Ich hab’s leider erst heute gesehen: Ein Dossier von Lutz Mükke zum Zustand der deutschen Auslandsberichterstattung. Hochinteressant:

    http://​www​.netzwerkrecherche​.de/​d​o​c​s​/​n​r​-​d​o​s​s​i​e​r​-​0​2​.​pdf

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