Jörg Kachelmann

28 Jan 07
28. Januar 2007

Der zweitgrößte Erfolg im Leben des Jörg Kachelmann war es, 1998 nach der Moderation einer „Einer wird Gewinnen“-Pilotsendung, die der Hessische Rundfunk aus budgettechnischen Gründen nicht ungesendet wegwerfen durfte, nicht von den Kandidaten wegen Verstoßes gegen die Genfer Menschenrechtskonvention verfolgt worden zu sein. Der größte: Dass man ihn auch hinterher noch Sendungen moderieren ließ, in denen nicht nur Blumenkohlwolken und Tagesthemenströmungsfilme zu Gast sind.

Seit vorgestern ist er wieder Gastgeber der MDR-Talkshow „Riverboat“. Als es um Schwangerschaften ging, sagte er ironisch in Richtung der Schauspielerin Uta Schorn, die 60 ist, aber eher wie 61 aussieht: „Bei ihr ist das Thema seit fünf Jahren durch.“ Als das Gespräch darauf kam, dass Nadine Krüger im Frühstücksfernsehen die angenehme Schicht ab acht machen darf, während Andrea Kiewel früher um 5.30 Uhr anfangen musste, sagte er: „Das ist eben der Unterschied, wenn man aussieht wie Nadine Krüger.“ Kiewel saß ihm dabei als Co-Moderatorin gegenüber. So ist der Kachelmann. Er meint das nicht böse. Er kann nicht anders.

Der MDR hatte ihm für die Premiere offensichtlich den Bart gestutzt und versucht, den Haaren so etwas wie eine Form zu geben. Es nutzte alles nichts. Kachelmann sieht außerhalb seiner Wetterschauen immer aus wie einer, den man gerade kurzfristig als Notlösung von der Straße geholt hat und der hier eigentlich gar nicht hingehört, und genau das ist das Angenehme an Kachelmann. Er schafft keines dieser scheinheiligen Fernsehrituale, ohne es entweder bewusst zu ironisieren oder ungeschickt zu versemmeln. Und wenn das DDR-Urgestein Gerhard „Adi“ Adolph hereinkommt, auf dessen Kopf gerade ein Tier verendet zu sein scheint, kann Kachelmann nicht anders, als zu fragen: „Die Haare nicht gefärbt?“ Auch wenn man dabei nur mit erheblicher Konträrfaszination zusehen kann, ist es irgendwie gut für die Hygiene des Fernsehens, dass sie wenigstens einen reinlassen, der so motzelbärig ist wie er.

Das Wort „motzelbärig“ ist von ihm. Schön oder?

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

13 Gedanken
  1. 1
    amazeman says:

    es fehlt noch das kachelmann uns immer überreden möchte doch auch mal actimel zu probieren, ihm hilfts nämlich (fragt sich bloß wobei).

  2. 2
    ajo says:

    Hm. Ich kann es leider überhaupt nicht unterstützen, wenn über „Riverboat“ oder ein beliebiges anderes MDR-Format positive Worte verloren werden.

  3. 3
    Jochen Reinecke says:

    Ja, gut und richtig. Kachelmann ist fast wie Ulmen als „bester Freund“, man würde sich kaum trauen ihn in eine größere Runde von Freunden mitzunehmen -> und er reitet direkt als Talkmaster los. Möchte nicht wissen, wie viele Funktionäre schon ernsthaft erwogen haben eine Hausmitteilung zu verfassen, dass alle Leute mit „Außenkontakt“ sich zumindest rudimentär zu rasieren/frisieren haben.

  4. 4
    Joerg Kachelmann says:

    Ich finde ja, dass ich nur gefuehlt so ganz schlecht aussehe. Ich glaube, es ist analog zum wind chill eher eine Art hunchback chill. Wie auch immer, I take pride in the words „Ich bin ein Geniggemeierter.“

  5. 5
    Steffen G. says:

    Wie war er eigentlich gestern als Maischberger-Ersatz?
    Hab es leider verpasst, und online ist die Sendung auch noch nicht.

  6. 6
    kalinka says:

    der mann sieht aus wie ein ganz stink normaler Bürger und genau seine tapsige Art macht Ihn so interressant,
    sorry auch wenn nicht jeder diese Meinung Teilt.
    Ich könnt’s mir vorstellen Herrn Kachelmann J. persönlich zu treffen, prompt mit Ihm ausgehn, respektiv Freunden und Bekannten Ihn vorstellen.

  7. 7
    katrin n. says:

    Er ist einfach Klasse! Er weiss worüber er spricht und ist immer gut vorbereitet.Als Maischberger – Ersatz war er Super! Was ich nicht verstehe ist, warum meckern immer alle über seine Klamotten?Er ist doch immer gut angezogen (Anzug und Krawatte).P.S.Kalinka! Wer würde nicht mit J.Kachelmann ausgehn wollen? Er ist doch ein ganz SÜSSER!

  8. 8
    kalinka says:

    Jo, das kann ich nur unterstreichen, Und wenn’s mir mein Terminplan zulässt, schau ich mir auch die näcksten Sendungen mit Ihm an.
    du Katrin, et is en ganz SÜSSER der Joerg!
    Ich Denk viele Leute haben einfach nur angst genau dies zuzugeben und schreiben lieber ganz fiese Sachen.
    mag sein die sind nur eifersüchtig …

  9. 9
    Keffster says:

    Kachelmann hat für einen TV-Menschen einen ziemlich verrückte Eigenschaft. Er ist irgendwie…. normal.
    Die unreflektierte Polterei kann ich gut nachvollziehen. Wenn eine Pointe lauert, schlägt man lieber schnell zu; Freunde werden einem das schon verzeihen. Humorlose Menschen darf man ruhig verwurstwitzen.

  10. 10
    Keffster says:

    PS: Es spricht für den Artikel, dass er 3 Jahre später noch einen Kommentar verdient. War nur grad der olympischen Winterspiele in Vancouver und Kachelmanns (etwas um Außergewöhnlichkeit bemüht wirkenden) Wetterbeiträgen daran erinnert.
    „Wurstwolke“ sag ich nur…

  11. 11
    E. Heiden says:

    Hallo, ich möchte nue eins dazu sagen, ich habe das gleiche durchgemacht wie jörg. Es kann nicht sein das es immer heisst die armen Frauen. Ich frage mich was mit uns ist wenn wir so eine beschuldigung vor unseren Kopf geschlagen bekommen? Unsere Seelen sind mit einen mal im arsch.Denkt da jemand dran?????? Nein mit sicherheit nicht. Ich weiss was es heisst kein Mensch mehr zu sein. Jörg, jetzt ein paar worte zu dir, ich hoffe sie geben dir die kraft wieder nach oben zukommen. Was andere nicht sehen, das siehst du. Was andere nicht fühlen, das fühlst du. Wo andere nicht denken, denkst du. Wo andere immer scheitern, wirst du immer gewinner sein. Der einzige der dich schaffen kann bist du selber. Ich wünsche dir und deiner Familie alles gute. Mir hat man alles genommen, ich bin kein Mensch mehr ich leide jeden scheiss Tag, und das ist schon Jahre her. Ganz lieben gruss Edgar

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