Wer nicht grabscht, ist schwul

25 Feb 07
25. Februar 2007

Harald Staun hat heute in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ nachgelegt und eine fulminante Abrechnung mit Thomas Gottschalk und seinen fiesen Grabbeleien geschrieben.

Auf FAZ​.net reagiert ein Leser darauf mit dieser in jeder, aber wirklich: jeder Hinsicht beunruhigenden Wortmeldung:

Latten am Zaun

Der lustige Schreiberling, der Herr Staun
Schreibt wirklich fast ganz vergnünglich
Doch er hat wohl nicht alle Latten am Zaun
Braucht er einen Tritt in den Arsch unverzüglich

Woher die Winde wehen, scheint er zu wissen
Seine schwul-stigen Pamphleteien sind peinlich
Auch scheint er freiwillig gegen Wind zu pissen
Es riecht gar etwas streng und auch zu seimich

Sich als Anwalt der Damen aufzuschwingen
Die sich, obwohl alt genug nie beschwerten
Zeigt welche Lieder er zu Nächten singen
Welche Pfade er wandelt — die verkehrten

Nun soll er in seinem öden Dunstkreise bleiben
Uns mit seiner geistigen Krankheit verschonen
Soll er es weiterhin in dunkeln Ecken treiben
Den faulen Quarke lassen in seinen Hirnregionen

Nachtrag, 26. Februar. FAZ​.net hat den Artikel mitsamt den Kommentaren aus seinem Angebot entfernt. Warum, weiß ich nicht. Der Artikel ist aber bei Spiegel Online noch zu lesen.

27 Gedanken
  1. 1
    Schnitzel says:

    Wenn wenigstens das Versmaß stimmen würde…

  2. 2
    Daniel v. B. says:

    Hm. Bei so einem Kaliber hatte ich eigentlich ja noch mit einer Anspielung auf „Latte“ gerechnet.

  3. 4
    MainP says:

    Ein anderer Kommentar des selben Users:

    „Ihr, ja Ihr in den Medien tragt Verantwortung!
    Mach Euch das bewusst!“

    Und genau diese Medien wollten auf missgeschicke anderer Medien aufmerksam, ja gradezu bewusst machen. Aber das ist bestimmt etwas anderes…

  4. 5
    Stefan says:

    @Daniel v. B.: Die hat er in die Überschrift gepackt.

    @David: Ja, Spiegel Online übernimmt regelmäßig (mit etwas versteckter Quellenangabe) Artikel aus dem FAS-Feuilleton.

  5. 6
    Verlf says:

    das ist ja auch der Alphaman. Seine geistige Umnachtung tat er offenbar schon im Dezember hiermit kund:

    Der Inhalt den die Medien vermitteln, ist
    eh nur noch x-Chromoson ausgerichtet.
    Nichts, aber auch garnichts — außer dem
    philosophischen Quartett ist Männer-
    kompatibel. Glückwunsch an die Emanzen
    sie haben es geschafft die — leider Erwachsenen
    bildende — Medienwelt für sich einzunehmen.

    Ausser ein paar WISO-Beirägen, wie sich
    Rentner gegen Bauerfänger schützen können,
    ist der gesamte Medienmüll für Männer verzichtbar.

    DMAX ist ein teilweise geglückter Versuch
    auf die männliche Klientel einzugehen.
    Sehr erfrischend.
    Aber selbst da wird abgebaut — Mit meterosexuellen
    Moderatoren, die dann ein Mäönnermagazin verkaufen
    wollen — siehe GQ-Magazin. Typisch deutsch.

    Wundert Euch nicht, wenn Computerspiele mehr
    Teilnehmer haben als jegliche TV-Show Zuseher.
    Wenigstens wird noch da Testosteron ausgechüttet.

    Ergo: Kein Mann sieht mehr zu, kein Mann liest
    mehr den Scheiss, der produziert wird. Dann wundert
    Euch nicht, wenn Frauen, plötzlich angeblich alles bestimmen.

    Geht’s nach mir, werden wieder Werte in den Medien
    vermittelt, anstelle Herzschmerz-Soaps gezeigt. Werden Tugenden gepflogen, anstelle Hau-Drauf-Comedies gesendet.

    Ihr, ja Ihr in den Medien tragt Verantwortung!
    Mach Euch das bewusst! Burda!

  6. 7
    Sebastian says:

    Der Gottschalk-Artikel war das beste, was ich diese Woche gelesen habe (war deswegen auch ein wenig überrascht, ihn auf SpOn zu finden, aber war ja von außen).
    Und zu diesem unfassbaren Gedicht fehlen mir einfach die Worte. Ach doch, eins: Scheisse.

  7. 8
    Stephan says:

    F-J Wagner hat das Internet entdeckt?

  8. 9
    daniel says:

    ich kann nicht nachvollziehen, dass solch geistiger dünnpfiff in diesem weblog eine plattform findet.

  9. 10
    Chat Atkins says:

    Tschaja — das „Volk“ ist nichts Nettes! Aber auch nichts Einheitliches …

  10. 11
    SvenR says:

    Vor solchen Leuten habe ich ehrlich Angst.

  11. 12
    stefan mit f says:

    Deutschland, das Land der Dichter und Denker.
    Ich bezweifle langsam, ob diese Aussage noch länger zutreffend ist.

  12. 13
    massenpublikum says:

    Immerhin: Die Deutschen versuchen es wieder. Bald entdeckt RTL eine Marktlücke und schickt das Format „Deutschland sucht den Superdichter“ ins Rennen. In der Jury: Uli Wickert, Hera Lind und natürlich Dieter Bohlen. Der schrieb die schönsten Gedichte überhaupt („You can win if you want, if you want it you can win“).

  13. 14
    MC Winkel says:

    Es ist aber auch wirklich fantastisch, wie der Thommy mir gerade hilft.
    Noch 3 Jahre.

  14. 15
    atze says:

    Herr Niggemeier wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen FAZ-Leserbriefen und Kommentaren bei der Online-Ausgabe?

  15. 16
    timsen says:

    Pah, wer online € 2,00 für ‚nen Gottschalk-Diss (schnarch) verlangt (und mich somit zwingt, diesen auf spiegel​.de nachzulesen), hat solche Leser verdient. :/

  16. 17
    oldman says:

    Eine solche Diskussion wäre in einem Gottschalck — Fanclub angebracht.
    Enttäuschten Unbegrabbelten würde ich das schon zutrauen.
    Aber hier?
    Dann schaut doch Big Brother. Da grabbelt niemand.
    ;-)

  17. 18
    sb says:

    Ich will auch noch ein Gedicht, darf ich?

    Susanne heute spät nach Haus
    Erzählt mir kurz Geschichten
    Dann knöpft sie mir die Hose auf
    Doch ich geh lieber dichten.

    (Aus dem Nachwort irgendeines Luchterhand Jahrbuchs der Lyrik anfangs der 90er. Die Herausgeber wollten mit dem Gedicht (der Zuschrift eines „Lyrikers“) veranschaulichen, mit was sie sich im Laufe eines Jahres so beschäftigen müssen. Seltsamer Weise ist dieses Gedicht das einzige aus dem Buch, an das ich mich bis heute erinnern kann.)

  18. 19
    Lukas says:

    Tja, leider eine Woche zu spät. Im Mainzer Sitzungskarneval hätte man damit sicher punkten können.

    Nicht, dass der gereimte Leserbrief noch zur Regel wird. Quasi in loser Erbfolge des Rudigramms.

  19. 20
    Christian says:

    >FAZ​.net hat den Artikel mitsamt den Kommentaren
    >aus seinem Angebot entfernt. Warum, weiß ich nicht.
    >Der Artikel ist aber bei Spiegel Online noch zu lesen.
    Vielleicht war der Artikel ja zu provokativ für den durchschnittlichen, dichtenden und treuen FAZ-Leser?
    :D

  20. 21
    marcel weiß says:

    Hmmm, OT: Seit ein paar Tagen wird der Feed von hier in Netvibes nicht mehr geladen. Woran liegt’s? Andere scheinen ja keine Probleme zu haben. Lese von neuen Einträgen hier nur noch wenn woanders hierher verlinkt wird :D

  21. 22
    Michael says:

    Der Artikel von Harald Staun war groß, wahr und dringend fällig. Der Kommentar zeigt, dass „dahinter“ wohl doch nicht immer ein kluger Kopf steckt.

  22. 23
    Erdge Schoss says:

    Verehrte Herrschaften, Latten am Zaun ist nicht der Titel des Reimwerks, sondern der Name des Dichters. Latten am Zaun ist Sproß aus niederem Deichadel, der, über Jahrhunderte abgeschottet, lange Zeit mit sich selbst zurecht kommen musste. Und dafür ist das Gedicht gar nicht so übel.

  23. 24
    sb says:

    Ich fand diesen Artikel auch sehr gut, aber ich wundere mich, dass Gottschalks Zoten und Grabschereien in letzter Zeit so ein Thema sind. Ist das denn schlimmer geworden in den vergangenen, sagen wir: drei, vier Jahren? Oder hat sich bloß in der Wahrnehmung etwas verändert?

    Ich habe schon lange aufgehört, mir Sendungen mit Gottschalk anzusehen, weil mir das damals schon peinlich war: der Sexismus, die Oberflächlichkeit, das Fehlen jeglicher Vorbereitung und das Desinteresse, mit dem er seinen Gästen begegnet, oder besser: eben nicht begegnet. Ich habe mich geschämt, von so etwas Zeuge zu sein.

  24. 25
    Michael says:

    Nö, schlimmer geworden ist es eigentlich nicht. Schlimm ist nur, dass es bis jetzt gedauert hat, dass mal etwas anderes über Gottschalk zu lesen ist als Artikel, die ihn als den immerjugendlichen Schelm der Nation hochleben lassen und selten ohne Wortspiele auskommen, die irgendwie mit „Schalk“ zu tun haben. Andererseits ist nachvollziehbar, dass Autoren, die nicht merken, dass dieser Wortwitz nur bis etwa, sagen wir, 1988 originell war, auch nicht merken, dass Thomas Gottchalk nur bis etwa, sagen wir, 1994 vertretbar war.

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