Die deutschen Anrufsender und das Gesetz

13 Mrz 07
13. März 2007

In Großbritannien und den Niederlanden wird aus unterschiedlichen Gründen gegen die Veranstalter von kostenpflichtigen Gewinnspielen und Abstimmungen im Fernsehen vorgegangen. In Großbritannien wegen Betrugs. In den Niederlanden, weil es sich möglicherweise um unerlaubtes Glücksspiel handelt.

Und in Deutschland? Müsste man gegen die Sendergruppen von ProSiebenSat.1 und MTV sowie das DSF eigentlich aus beiden Gründen vorgehen.

Betrug?

Sämtliche Veranstalter ignorieren die Empfehlungen der Landesmedienanstalten und informieren konsequent falsch über Spieldauer, Spielchancen, Spielmodus, Schwierigkeitsgrad, Lösungsweg und (im Fall von Viva/Nick/Comedy Central) sogar die Gewinnsumme. Vor allem in den Sendungen, die von der Firma Callactive für die MTV-Sender produziert werden, wird aber noch mit ganz anderen Tricks gearbeitet.

Ein Beispiel: Die Sendung „Quiz Zone“ ist täglich am späteren Abend mehrere Stunden lang auf dem Kindersender (!) Nick zu sehen. Sie läuft fast jeden Tag nach dem gleichen Schema ab. Am Anfang werden ein paar kleine Gewinne ausgespielt. Dann beginnt ein Spiel, in dem es scheinbar viel Geld zu gewinnen gibt (zum Beispiel „50 Geldpakete“ oder mehrere tausend Euro). In diesem Spiel gibt es in aller Regel bis eine Minute vor Ende der Sendung keinen Gewinner. Es werden Leitungen geöffnet und geschlossen, Countdowns gezählt, falsche Endzeiten der Sendung angegeben, die Gewinnsummen vervielfacht und wieder reduziert, Spiele ungelöst abgebrochen, aber einen Gewinner gibt es bis unmittelbar vor Ende der Sendung nicht. Und das, obwohl in der „Quiz Zone“ auch vorher immer wieder angebliche Anrufer ins Studio gestellt werden. Diese angeblichen Anrufer geben aber entweder falsche Antworten, brabbeln unverständliches Zeug oder legen einfach wieder auf.

Dieser Spielablauf ist im Prinzip jeden Abend gleich. Wenn deutlich vor Ende der Sendung bei hohem Gewinnversprechen jemand ins Studio gestellt wird, kann man sicher sein, dass er die Antwort nicht weiß. Ein Gewinner wird erst unmittelbar vor Ende der Sendung, dann meist bei deutlich reduzierter Gewinnsumme, durchgestellt.

Man kann sich in den entsprechenden Foren von call-in-tv.de Dutzende von protokollierten „Quiz Zone“-Sendungsverläufen durchlesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Sendungsverläufe zufällig ergeben, liegt ungefähr bei null. Die einzig plausible Erklärung für die Art, wie die Sendung „Quiz Zone“ Abend für Abend verläuft, ist die, dass die frühen Falschanrufer und Aufleger keine echten Anrufer sind, sondern von Callactive gefaked werden, um dem Zuschauer vorzutäuschen, er habe eine Chance, schon vor Ende der Sendung durchzukommen.

Um es deutlich zu sagen: Ich kann nicht beweisen, dass Mitarbeiter der Firma selbst bei „Quiz Zone“ anrufen und gezielt durchgestellt werden, um falsche Antworten zu geben, und die Zuschauer so — zusätzlich zu der Vielzahl von falschen oder irreführenden Einblendungen und Moderatoren-Aussagen — betrogen werden. Ich habe keine Aussage von einem Aussteiger aus der Szene und auch kein internes Callactive-Papier vorliegen. Ich habe nur die bloße Anschauung als Indiz, aber das ist sehr überzeugend. Sagen wir so: Wenn ein Poker-Spieler jeden Abend den gleichen „Royal Flush“ hinblättert, nehme ich bis zum Beweis des Gegenteils an, dass seine Karten gezinkt sind.

(Callactive ist übrigens eine Tochter von „Wer wird Millionär“-Produzent Endemol. Eine andere Tochter von Endemol ist maßgeblich in den britischen Betrugsskandal verwickelt. Die Welt ist klein.)

Verbotenes Glücksspiel?

Nach Paragraph 284 StGB wird bestraft, wer ohne behördliche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet. Erlaubt sind dagegen zum einen Geschicklichkeitsspiele, bei denen die Teilnehmer bestimmte Fähigkeiten oder Kenntnisse unter Beweis stellen müssen, um zu gewinnen, und zum anderen Preisausschreiben oder Gewinnspiele, bei denen Teilnehmer keinen erheblichen Einsatz erbringen müssen.

Geht es bei den 9Live-Spielen um Wissen, Fähigkeiten oder Geschick? Teilweise ja — wenn die Aufgabe etwa lautet, sieben Tiere zu nennen, deren dritter Buchstabe ein „U“ ist. (Wobei die eigentliche Aufgabe häufig darin besteht, die überhaupt geltenden Regeln zu erraten, was wiederum nichts mit Geschick zu tun hat.) Der Bundesgerichtshof urteilte allerdings:

Ein Glücksspiel liegt auch dann vor, wenn der Spielerfolg nicht allein vom Zufall abhängt, dem Zufallselement aber ein Übergewicht zukommt.

Bei den Telefon-Gewinnspielen von 9live und anderen entscheidet der Zufall darüber, ob man überhaupt ins Studio durchgestellt und am eigentlichen Gewinnspiel teilnehmen darf. Experten wie die Rechtsanwälte Manfred Hecker und Markus Ruttig folgern daraus, dass solche Spiele in jedem Fall als Glücksspiele einzuordnen seien — selbst wenn das „nachgelagerte Spiel“ tatsächlich eine besonderes Geschick erfordert.

Bleibt die Frage, ob der Einsatz, den der Spieler zur Teilnahme leisten muss, „erheblich“ ist. Es ist kein Zufall, dass ein Anruf bei den Abzocksendern meist 50 Cent kostet. Das entspricht ungefähr den Kosten einer Postkarte und gilt damit nach der üblichen Rechtsprechung als „unerheblich“. Durch die Einführung einer solchen „Geringfügigkeitsgrenze“ haben die Gerichte vor Jahrzehnten verhindert, dass durch das Verbot des Glücksspiels gleichzeitig auch Kreuzworträtsel oder Preisausschreiben verboten wurden. An die Wiederholtaste beim Telefon, die interaktiven Medien, das erheblich höhere Suchtpotential eines Live-Anruf-Quiz und die Möglichkeit, dass der Veranstalter an den erheblichen Einnahmen aus den Telefongebühren beteiligt werden könnte, hatte zu der Zeit, aus der diese Rechtsprechung stammt, noch niemand gedacht.

Ist der Einsatz bei 9Live & Co. also „erheblich“? Wenn man den einzelnen Anruf zu 50 Cent betrachtet: natürlich nicht. Andererseits ist die gesamte Sendekonzeption offensichtlich auf eine wiederholte Teilnahme und dadurch de-facto eine Erhöhung des Einsatzes angelegt. Rechtsanwalt Hecker meint deshalb, man müsse den Gesamteinsatz eines Teilnehmers für ein Spiel berücksichtigen. Dann wäre der Einsatz alles andere als „geringwertig“. (Zum Beispiel wurde eine Rentnerin 2005 zur Zahlung von 23.087,10 Euro verurteilt, weil sie in 44 Tagen insgesamt 47.024 mal bei 9Live angerufen hat, ähnliche Fälle sind immer wieder in 9Live-Sendungen zu hören.)

Würde man immer nur den Einzeleinsatz betrachten, müsste es konsequenterweise auch zulässig sein, so Hecker, „ohne Erlaubnis in der Öffentlichkeit einen Rouletttisch aufzustellen, an dem nur mit Jetons zu 50 Cent gespielt werden kann und jeder Mitspieler bei jedem einzelnen Lauf nur einen Jeton legen darf.“

Die meisten Gerichte haben sich dieser realistischen Bewertung der Höhe des Einsatzes jedoch noch nicht angeschlossen. Immerhin hat aber sogar das Oberlandesgericht München in seinem Urteil, in dem es die 9Live-Spiele für grundsätzlich zulässig erklärte, einschränkend hinzugefügt:

3. Eine Wettbewerbswidrigkeit ist nur dort gegeben, wo ein Moderator vortäuscht, dass keine Teilnehmer anrufen würden, obwohl dies nicht zutrefft, um Personen zur Teilnahme zu bewegen. (…)

5. Die Unerheblichkeit [des Einsatzes] kann (…) dann überschritten werden, wenn der Teilnehmer zu mehrmaligen Anrufen aufgefordert und motiviert wird.

Komisch. Wann immer ich eine Sendung von 9Live oder Callactive einschalte, muss ich nicht lange warten, bis der Moderator vortäuscht, dass keine Teilnehmer anrufen würden, oder die Zuschauer motiviert, mehrmals anzurufen.

50 Gedanken
  1. 1
    paul says:

    Sehr schön, danke!

  2. 2
    Wombel says:

    Es wird wirklich zeit das sich mal ein Gericht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt und das Treiben dieser Firmen entweder stark einschränkt oder komplett verbietet.

  3. 3
    Lukas says:

    Eigentlich ist Dein Text so aussagekräftig und prägnant, dass ein Staatsanwalt nur noch Copy&Paste benutzen müsste, um ein Verfahren anzustrengen.

    Oh mein Gott, ich phantasiere schon wieder!

  4. 4
    paul says:

    Aber eigentlich sollte man doch im Zweifel für den Angeklagten sein

  5. 5
    Hannes says:

    Danke für diese Artikel. Sie haben hier einmal zu „Papier“ gebracht und gründlich recherchiert, was mir seit Langem auf der Seele brennt. Meine Hoffnung ist, dass von Rechts wegen eine genaue Untersuchung veranlasst und sich an den genannten europäischen Staaten ein Beispiel genommen wird. Vielleicht ist dieser Artikel ein Anstoß hierfür.

  6. 6
    paul says:

    Vielleicht, Hannes, solltest du den Anstoß selber wagen: Reich‘ Klage ein!

  7. 7
    Jemand says:

    Klasse Beitrag! Allerdings bleibt unerwähnt, dass Leute durchkommen und die Rätsel lösen, diese Lösungen dann aber teilweise als falsch angesehen werden, obwohl in anderen Situationen die selbe Antwort richtig war bzw. umgekehrt.

  8. 8
    Christian says:

    Ein Freund von mir arbeitete mal bei einem Radiosender und musste einen Anrufer faken – einfach so. Seitdem glaube ich nicht mehr daran, dass in solchen Sendungen überhaupt jemand reales anruft.

  9. 9
    arbeiterdichter says:

    Trotz fehlendem Dortmund-Bezug längst aufgenommen. Stefan Niggemeier bleibt eine feste „Institution“…

  10. 10
    SebDE says:

    Als Staatsanwalt sollte man sehr wohl dieses nehmen und eine Anklage anstreben. Man kann ja gar nicht verlieren, mehr sogar, man kann einen unerwarteten Gewinn erwarten.

  11. 11
    HPL says:

    Nur ein „Nebengleis“ – aber beim EuGH (C-195/06)anhängig: sind solche Gewinnspiele als „Teleshopping“ im Sinne der Fernsehrichtlinie anzusehen (und unterliegen damit den dafür vorgesehenen Einschränkungen)? Zum Vorabentscheiungsersuchen: http://tinyurl.com/2nvbe7

  12. 12
    Kurt says:

    In welchem Zusammenhang wurde die Rentnerin zur Zahlung von 23.087,10 Euro verurteilt? Wollte/Konnte sie die Telefonrechnung nicht begleichen oder hat sie die Anrufgebühren als nicht zulässig betrachtet und sich deshalb geweigert?

  13. 13
    h. aus f. says:

    Sag mal Stefan, bekommt Du eigentlich gefaked-te Drohungen am Telefon?

  14. 14
    paul says:

    @18: Die Anrufer treffen bei Stefan merkwürdigerweise nie die richtige Leitung.

  15. 15
    Marc Doehler says:

    Klasse Artikel, ohne Scheiss. Aber ich wette meinen Arsch darauf, daß Herr Niggemeyer schon bald Post von der zitierten Firma CA bekommen wird. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich wurde aus genau den hier genannten Gründen von Ihnen abgemahnt und musste eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. Seit dieser Zeit kann in dem hier erwähnten Forum nur noch sachlich Protokolliert werden, was allabendlich über den Äther geht. Herr Niggemeier kann sich gerne bei mir via eMail melden, sollte er mehr Details dazu wünschen. Aber meinen Respekt hat er und auch meine volle Unterstützung, sollte es zu einem Rechtsstreit kommen.

  16. 16
    GlowingHeart says:

    Danke Herr Niggemeier für ihren Beitrag!

    1. Man kann bei ALLEN Call-in-Gewinnspielaustragenden TV-Sender eines ganz deutlich erkennen und müssten auch die zuständigen LMA’s sehen und erkennen, das einen ständig suggerierter ZUFALL, >WANN

  17. 17
    Mirko says:

    Ich verfolge die Thematik Call-In schon lange. Dass die Firma Callactive Gewinner faked, liegt auf der Hand. Bei 9Live habe ich diesen Eindruck nicht. Trotzdem würde ich da nicht anrufen.

  18. 18
    Simon says:

    Manueller Trackback:

    Gewinnspielbetrug im Privatfernsehen?

    „Der Zuschauer ist gegen solche Praktiken nicht wehrlos: Wer meint, ein laufendes Programm im Privatfernsehen verletze Gesetze oder Sorgfaltskriterien, kann dagegen Programmbeschwerde erheben…

    http://www.telemedicus.info/article/105-Gewinnspielbetrug-im-Privatfernsehen.html

  19. 19
    Dennis says:

    Ich verstehe nicht, warum 9Live und Callactive immer in einem Atemzug erwähnt wird?

    Die beiden Firmen haben komplett unterschiedliche Ansätze, was CallTv betrifft..

    Das merkt man schon beim Ansehen der Sendungen.

  20. 20
    Dominik says:

    Ich denke mal, diese Kommentare sind doch alle nur Fakes, inklusive diesem und die Trackbacks die 23 anderen Identitäten des Herrn Niggemeier, selbst das Huberle, wie wohl das ganze Internet gar nicht existiert, sondern nur eine kranke Ausgeburt meiner Phantasie ist, genauso wie der Kasten, vor dem ich Abends sitze, in dem keine Bilder sind und dann halte ich mir einen anderen Kasten ans Ohr und löse imaginäre Rätsel – die Welt ist Pop…

  21. 21
    Basti says:

    Hi, hab dazu schon vor Wochen mal meinen Bundestagsabgeordneten um eine Stellungnahme gebeten. Er antwortete wie folgt:

    Sehr geehrter Herr xxxxx,

    vielel Dank für Ihre E-Mail vom 03. Februar 2007 zu den so genannten Telefonratesendungen auf unterschiedlichen TV-Sendern.

    Ich kann Ihren Unmut durchaus verstehen. Auch ich bewerte es als einen Betrug, wenn Moderatoren auf verschiedenen Sendern Zuschauer zum Anrufen aufgefordert werden und kaum jemand durchgestellt wird, obwohl der Moderator im gleichen Moment mitteilt, dass keiner anruft.

    Jedoch ist die Realisierung eines Verbotes solcher Sendungen äußerst problematisch. Bei derartigen Formaten, die als so genannte Ratesendungen fungieren, obwohl es meist sehr banale Ratespiele sind, die nur dem Zweck dienen, die Sendungen durch Telefongebühren der Anrufer zu finanzieren, handelt es sich um Inhalte der Rundfunkanstalten, die nach dem Rundfunkstaatsvertrag in die Zugehörigkeit der Länder fallen. Diese könnten veranlassen, solche Sendungen zu verbieten. Eine Bundesgesetzgebung ist nicht möglich. Dennoch prüfen die Rechtspolitiker der SPD-Bundestagsfraktion, ob der Tatbestand des Betruges in diesem Bereich erfüllt ist und ob auf Bundesebene Verbotsregelungen veranlasst werden können. Dies erweist sich als überaus schwierig.

    Ich bin jedoch der Meinung, dass in diesem Bereich Handlungsbedarf besteht. Eine solche betrügerische Vorgehensweise gegenüber den Zuschauern ist nicht hinnehmbar. Ich bedaure, Ihnen keine positiveren Informationen zusenden zu können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jürgen Kucharczyk MdB

    (Ich denke, dass die momentan absolut keine Ahnung haben, um was es geht!)

  22. 22
    Anonymous says:

    http://www.youtube.com/watch?v=CS0nTiqtPfE&mode=related&search=

    Im Clip hört/sieht man, wie 2 Menschen bei 9Live ihr ganzes Geld verspielen. Dabei erfährt man von Nils, der unwahrscheinlich oft durchkommt, sehr verdächtigt der Bevorzugung, um ein „leichtes“ Durchkommen vorzutäuschen.

  23. 23
    J. S. says:

    Bei 9Live wird sogar Unwissen verbreitet. Da lässt man Wörter nicht gelten, weil sie angeblich nicht im Duden stehen, wie z. B. Gelder. Wenn 9Live vorgegebene Wörter suchen lässt, dann müssen die natürlich nicht im Duden stehen, wie z. B. Schlumpfhaus. Wer soll diese Logik noch verstehen.
    Achja, Liechtenstein ist für 9Live kein Land und alle Zahlen sind durch 3 teilbar.
    9Live, der erste Unbildungssender.

  24. 24
    Stefan says:

    Lieber Dennis (#24),

    noch überzeugender wären Deine Verteidigungsreden auf 9Live, wenn sie nicht nachweislich von einem ProSiebenSat.1-Computer abgegeben würden, jener Sendergruppe, zu der 9Live gehört.

    Anders gesagt: Ich diskutiere hier gerne auch mit Leuten, die bei 9Live oder im Nebenbüro arbeiten. Aber am liebsten, wenn sie sich auch dazu bekennen.

  25. 25
    Dominik says:

    hihi – scheisendregg internet, ip adressen spoofen gehört halt noch nicht zum ausbildungsinhalt bei den internetpraktikanten. sehr schön! extralob mit sternchen für die kommentarrecherche, stefan!!!

  26. 26
    Peter Wehn says:

    Hallo,

    sehr guter Artikel zu diesem Phänomen. Ich wundere mich seit Jahren jeden Abend, wenn ich beim Zappen diese in meinen Augen offensichtlichen Dummenfängereien im Fernsehen sehe. Manchmal bleibe ich einen Moment hängen, einfach um die Chuzpe der Moderator/Innen angeekelt-fasziniert zu bewundern. Dann sehe ich jede Nacht, wie getan wird, als ob niemand mehr anruft, weil es ja schon 2 Uhr in der Nacht ist und das Spiel „definitiv“ nur noch 1 Minute dauert. Zappe ich nach einer halben Stunde wieder dort vorbei, ist genau dieses Spiel noch dran. Wenn das kein Betrug ist…

    Aber solche kleinen Bescheißereien scheinen zum Wesen des Raubtierkapitalismus zu gehören, genauso wie die Betrügereien mit Internetseiten und den versteckten Preisen derselben. Eine Ahndung dauert viel zu lange und schöpft dann meist noch nicht einmal die erzielten Gewinne ab.

    Peter

  27. 27
    Fredy Duckenstein says:

    Hallo Dennis, mich würde mal interessieren, wie Du darauf kommst, dass sich der Ansatz von 9Live Call TV von dem anderer Anbieter unterscheidet… ach ja, 9Live ist ja fair, transparent und verschenkt jeden Monat mindestens 1 Million € an die Zuseher !

  28. 28
    2_Ekelpakete_für_Sie! says:

    Womit Dennis recht hat, ist, daß bei 9live im Gegensatz zur o.g. Firma, die für Viva, Comedy Central und Nick produziert, kein größerer Anlaß zu Fakeanrufer-Verdacht besteht.

    Die ständigen Lügen und Suggestionen lassen sich jedoch nicht abstreiten (angebliche „Leitungen“, dutzende sinnlose Countdowns, Kommentare wie „Das hat keiner“ oder „Jetzt schaut sowieso keiner zu“) und erfüllen den gleichen Zweck: Sie sollen den Zuschauer im Hinblick auf seine minimalen Gewinnchancen täuschen und zum Zwecke der Profitmaximierung der Sendergruppe zum Anrufen verleiten.

    Hier 9Live als Unschuldslamm unter den Call-in-Sendungen darzustellen, halte ich angesichts von bis zu 9 Stunden Durchstellpause ohne einen einzigen Gewinner für lächerlich.

    Genau wie die genannten eingeblendeten 01379-Nummern bei sonstigen ProSiebenSat.1-Sendungen (Galileo, Taff, TV Total…), die ebenfalls lediglich das Kapital dieses ekelerregenden Senderzusammenschlusses bzw. Cash-Medienkonglomerats vergrößern sollen.

  29. 29
    Rotkaeppchen says:

    Hierzu Literaturhinweis

    MMR 2007, S. 149 ff.:; Tele-Gewinnspiele im „Hot-Button-Verfahren“: Betrug durch Moderatoren?

  30. 30
    anTON says:

    http://call-in-tv.de/index.php?f=40 funzt nicht!? Oder haben die 9live und Co zugeschlagen? Das würde die ganze Abzocke doch nur bestätigen.

  31. 31
    Siegfried says:

    Daß es eine Täuschung ist, vorzugeben, es würden keine Anrufer existieren, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich bn vor einiger Zeit mal beim Zappen über so eine sendung gestolpert. Die Lösung ist mir förmlich ins Auge gesprungen, also dachte ich, was soll’s, rufst Du halt mal an. Es kam eine freundliche Ansage der Art „Sie haben leider die falsche Leitung erwischt“. Komische Ansage. Also habe ich ein paar Minuten überlegt, vielleicht war die Leitung ja nur überlastet und nur die Ansage falsch. denkbar ist ja auch, daß im Hintergrund die Antworten schon mal geprüft werden, und nur Jemand mit der richtigen Antwort durchgestellt wird. Also vielleicht einfach massenhaft Anrufer ohne richtige Lösung. Also zweiter Versuch. Beinahe identisches Resultat, während der „Moderator“ weiter vor sich hinjammerte, daß es keine Anrufer gäbe. Dann habe ich weiter gezappt. Letzteres habe ich mir seitdem zur Gewohnheit gemacht.

  32. 32
    DunkelSchwarz says:

    Seit einigen Tagen ist nun das Forum von call-in-tv nicht erreichbar. Bei Aufruf erscheint nur ein Hinweis von Strato:

    http://www.call-in-tv.de/viewtopic.php?t=1729&postorder=asc&start=322

    Ist jemandem näheres über die Gründe hierfür bekannt?

  33. 33
    Frank says:

    Hallo Herr Niggemeier,
    ich rege mich gerade höllisch über diese Verarsche auf VIVA auf und habe mittels google ihren Artikel gefunden. Daher ein kleines „Live-Protokoll“.

    Den Sendern, den Sie im Artikel beschreiben, kenne ich zwar nicht, aber die Masche läuft auch auf VIVA/Comedycentral von Montags bis Freitags von 0-3 Uhr. Ich schaue es nämlich gerade :D. Der Ton ist mittlerweile aus (ich habe Angst bei diesem Gebimmel, Geseiere und Geblitze epileptische Anfälle zu bekommen), aber ich lese fett und groß: „111 GELDPAKETE“. Es fing an mit drei…
    Denn ein sogenannter „Wortsalat“, der das Wort Augenlid suggeriert, aber in Wahrheit:Einladung heißt, muss erraten werden.. Der Tipp, dass das Wort mit „E“ anfängt, kam schon vor einer Stunde…, aber leider zu spät für den (Fake)Anrufer, der – natürlich – Augenlid sagte..
    Jedoch stellen sich mir zwei einfache Fragen:
    1. Ich sehe keine 111 Geldpakete (+ x)im Studio…
    2. Selbst wenn diese 111 Geldpakete tatsächlich im Studio sein sollten, wie lange wird Moderatorin „Miriam“ – die mittlerweile auch nicht mehr so richtig weiß, was sie noch erzählen könnte – brauchen, um diese auszupacken und das Geld zu zählen?????

    Wir wissen, gleich kommt eine „feste“ Gewinnsumme… Seit mehr als einer Stunde steht unter anderem auf meinem Bildschirm „JEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEETZ“ und wenn ich kurz den Ton anmachen höre ich noch – wahrscheinlich Dramaturgie wegen – durchgehend eine Polizeisirene…

    AAAAAAAAHhhh jetzt sind „111 GELDPAKETE“ weg. Und, genau, jetzt gibt es die „feste“ Summe 10.000 Euro… Und schnurstracks klingelt es doch tatsächlich. OOOCcchh…
    Der Anrufer meinte leider „Einlagerung“. Eieieieieieiei … Nachdem Miriam doch so viele Tipps gegeben hatte wie „an Party oder Feiern denken; wird meistens per Post verschickt.“ Tja, so ein Missgeschick kann ja mal vorkommen. Tag für Tag bzw. Nacht für Nacht.

    Naja, jetzt habe ich keine Lust mehr und auf „Arte“ kommt noch eine Doku über „Dunkle Energie- Das Nichts im All“. Wie passend :)

    Außerdem neigt sich mein leckeres Tröpfchen auch dem Ende entgegen und da es jetzt zusätzlich noch einen Plasma-TV zu gewinnen gibt. wird vor 3Uhr eh kein „Gewinner“ mehr durchgestellt.

    Wir sollten jedoch eines trotzdem nicht vergessen, nämlich, dass auch diese Sender Steuern zahlen müssen und da hält die (Bayrische) Staatskasse doch gerne beide Hände auf.

    Die Tatsache nämlich, dass eine solch offensichtliche Abzocke von Deutschen Gerichten erlaubt wurde ist genauso erschreckend wie die, dass es genug Menschen gibt, die diese Abzocke immer noch nicht durchschaut haben und bei diesen Sendern anrufen. Aber wenn 8,5 Bundesbürger im Schnitt bei solchen Sendern mitmachen und knapp 200 Millionen Euro für furzende Klingeltöne pro Jahr in die Kanalisation vertelefoniert werden, dann kann es entweder diesem Land mit seinen jammernden Bürgern gar nicht soooo schlecht gehen, oder es ist ein Beleg für seine stetige Verdummung -auch oder gerade unter Erwachsenen.

    Alles Gute
    MfG
    Frank

  34. 34
    pewe says:

    Tja, leider wird Verbraucherschutz – denn darunter läuft das wohl – in Deutschland klein geschrieben wird. Bis es zu Gesetzen kommt, die diese Phänomene schnell und wirksam bekämpfen, dauert es leider immer viel zu lange und läßt mich an eine Lobby glauben, die dies verhindert bzw. verzögert.

  35. 35
    Daniel says:

    Da dieser Beitrag meine Ansicht unterstreicht, habe ich diesen Beitrag gerade zur politischen Wahrnehmung an alle Mitglieder des für Medienangelegenheiten zuständigen Hauptausschusses weitergeleitet.
    Danke.

  36. 36
    jay jay says:

    grad gehts um 77 geldpakete… leibe freunde, ich habe mein gehirn bei dem versuch verloren, gülcans traumhochzeit zu verdrengen, soll ich mitspieln und die nummer anrufen

  37. 37
    Dirck Goldberg says:

    Betrug bei SAT 1

    ich habe gerade oder besser um 2.28 Uhr bei Sat1 Quiz night mitgemacht und dort habe ich die Leitung 35 getroffen doch statt in das Studio gestellt zu werden hörte ich eine automatische Stimme die mich aufforderte noch in der Leitung zu bleiben da ich mit viel Glück zurückgerufen werde(was natürlich nicht passierte) die Sendung lief genau noch eine Stunde länger und niergens wird bei den Sendungen gesagt, das es noch keine Garantie ist die richtige Leitung zu treffen.
    Das ist für mich ganz klar eine verarschung am Zuschauer und ich bin mir sicher das ich ab heute diesem Sender nicht mehr vertraue
    Ich hoffe viele Menschen davon zu überzeugen an den nächtlichen Sendungen nicht mehr teilzunehmen

  38. 38
    sykerjoe says:

    Also was nichts bringt sind die deutschen gesetze, ich denke entweder sind die da mit drinnen, oder werden irgendwie beeinflusst, das müßte man auf Eu Ebene machen, das würde vielleicht was bringen.

    Man könnte fast meinen in Deutschland sind alle korrupt …

    greetz sykerjoe

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