Der Gipfel

Das ist ja mal ein origineller Trick. Die Bundesregierung lädt bekannte Blogger zu ihrem IT-Gipfel ein und lässt dann mit deren Namen für die Veranstaltung werben — unabhängig davon, ob die Eingeladenen die Einladung überhaupt angenommen haben.

Auf Vorschlag des Hasso-Plattner-Instituts hat die Bundesregierung weitere viel genutzte deutsche Weblogs zum IT-Gipfel nach Darmstadt eingeladen. Dazu gehören Basic Thinking, Spreeblick, Nerdcore, Netzpolitik.org, Stefan Niggemeier, Law Blog, re:publica08, fscklog, Indiskretion Ehrensache, Bueltge.de und Deutsche Startups. "Die gemeinsame Berichterstattung durch diese Vielfalt an kollaborativen und partizipativen Medien wird sicher zu einer besonders offenen und konstruktiven Diskussion der IT-Gipfelthemen beitragen und die öffentliche Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen sicher anheizen", erklärt HPI-Direktor Meinel.

Ich bin jedenfalls — genau wie Spreeblick und vermutlich die meisten anderen Genannten — nicht Teil der „gemeinsamen Berichterstattung“ über dieses Ereignis (es sei denn man zählte diesen Eintrag mit).

Ob deshalb in der Einladung des Bundeswirtschaftsministeriums gar nicht erst die Möglichkeit zur Absage vorgesehen war?

[via Johnny, der sich auch „merkwürdig ‚benutzt'“ vorkommt]

36 Replies to “Der Gipfel”

  1. Da waren „Weblogs“ eingeladen, keine Personen.

    Hast Du mal nachgesehen, ob Dein Weblog nicht heute heimlich in Darmstadt war, ohne Dir Bescheid zu sagen?

  2. Immerhin, eine gute Werbung für diesen Block. Und Hasso Plattner, der im Beraterkreis von Steinbrück mitschwätzen darf, bekam einen schönen Auftrag zugeteilt. Ist doch alles prima. Nur welche „Hightech-Strategien“ könnten den anwesenden Politikern noch auf die Sprünge helfen, wenn doch schon alles in 400 Jahre alten Büchern steht …

  3. Hey Stefan,

    kannst gleich noch den Lawblog mit in die Liste nehmen.:D Jaja, auch die Bundesregierung weiß: It’s all about namedropping.

  4. Zur virtuellen „Kommunikationsherrschaft“ gehören wohl die bekannten Blogger um über diese das „gemeine“ Fuss-/Surfervolk anzusprechen / zu beeinflussen?

  5. Sehr interessant, vielleicht wurde mein Blog ja auch eingeladen und ich hab davon einfach nix mitbekommen ;)
    Naja, das nächste Mal veranstalte ich einen „Bier“gipfel und damit viele kommen, lade den Hr. Warsteiner, Wernesgrüner, Radeberger etc. ein. Viele Besucher sind mir sicher ;D

  6. Stefan,

    wenn schon nicht fuer Gott, dann wenigstens fuers Vaterland? Immerhin DER IT GIPFEL DER B U N D E S R E G I E R U N G

    ;)

  7. Weiß nicht. Weil die Veranstaltung nicht so klang, als wäre das mein Thema. Weil ich es mir nicht leisten kann, zeitlich und finanziell, überall hinzufahren, wo ich als Zuhörer eingeladen werde. Womöglich habe ich auch schlicht die Einladung übersehen, die sich allerdings auch wenig Mühe gegeben hat, meine Aufmerksamkeit zu erregen: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/gipfel.png

    Ich bin nicht der große Veranstaltungshopper und Networker. Hätte ich da sein sollen?

  8. Da fehlt ein Bindestrich zwischen ‚IT‘ und ‚Gipfel‘ in der Einladung der Bundesregierung – die haben den Text der Einladung bestimmt in Kaiser’s Supermarkt gekauft. :)

  9. Un es ist wieder mal ein „nationaler“, kein ‚bundesweiter‘ oder ’staatlicher‘ IT-Gipfel. Auch kein überregionaler, oder bundesdeutscher. Nein, es muss partout ein „nationaler“ IT-Gipfel sein.

  10. 2006 wurde die gleichnamige Veranstaltung an der Universitaet Potsdam abgehalten. Die dort lehrenden Professoren für Informatik waren ebensowenig eingeladen wie die Informatik-Fachschaft oder ihre Vertreter, deren Hoersaele durch den Gipfel blockiert wurden. Studenten des Fachschaftsrats Informatik hingen daraufhin ein Transparent mit der harmlosen Aufschrift „IT-Gipfel – ohne uns?!“ aus dem büroeigenen Fenster.

    Anscheinend nicht harmlos genug. Das Transparent wurde auf eine Anweisung „von ganz oben“ hin gewaltsam und gegen den Willen der im Buero anwesenden Studierenden durch einen Hausmeister entfernt.

    Nur mal so.

    (Quelle: http://fara.cs.uni-potsdam.de/index.php?page=AlteNews%2F2006 )

  11. Diese Einladung hätte mich auch nicht gerade überzeugt muss ich sagen. Klingt son bisschen wie ne Phishing-Mail (auch wenns wohl per Post gekommen ist). So nach dem Motto: gehen Sie auf diese Seite, geben Sie Ihre PIN ein und wir checken für Sie, ob alles mit Ihrem Konto in Ordnung ist.

    Das mindeste wäre ja ein namentlich genannter Ansprechpartner und eine vernünftige Unterschrift gewesen.
    Oder ist die Bundesregierung der Meinung dass soetwas zu Blog-Zeiten nicht mehr üblich/erforderlich ist?

  12. Dass „die Bundesregierung“ mit dem Namen bekannter Blogger für ihre Veranstaltung werben lässt, stimmt so nicht. Der oben zitierte Ausschnitt stammt aus der Pressemitteilung des Hasso-Plattner-Instituts, eines privat finanzierten, als GmbH firmierenden Uni-Instituts in Potsdam. Und das will zuallererst PR in eigener Sache machen und sich für seine Idee loben, Blogger zum IT-Gipfel einzuladen (ohne geflissentlich zu erwähnen, dass diese Idee bei den Bloggern wohl nicht so gut ankam…)

  13. @Arnulf: Naja, werben lässt, nicht direkt selbst wirbt. So hatte ich das gemeint. Ist vielleicht ein bisschen zugespitzt formuliert.

    @Thorsten H.: Doch, das kam per E-Mail.

  14. tja das platte-hasso-institut wer hätte es nicht gedacht das die sich trauen mal wieder zu was zu raten. by the way schönen grüße an prof. dr meinel

  15. Die Berichterstattung über diesen Gipfel im ÖR-Fernsehen war auch der Gipfel, ich habe selten so was plattes, dämliches gesehen. Eine Werbeveranstaltung der Bundesregierung und IT-Lobby wird hochgejazzt zum Superduperdings, absolut lächerlich.

  16. Muss man in Einladungen die „Möglichkeit einer Absage vorsehen“? Kann der eingeladene nicht einfach absagen, wenn er kein Interesse hat? Warum muss man sich immer gleich „benutzt“ vorkommen, warum nicht einfach selbst „benutzen“?

  17. @Gregor Keuschnig: Aber im nächsten Satz ist von der „gemeinsamen Berichterstattung“ der Eingeladenen über die Veranstaltung die Rede. Wenn das nicht den Eindruck einer Zusage erweckt, weiß ich es auch nicht.

  18. Na ja, ist es nicht irgendwie widersprüchlich, einerseits (und zurecht) die etwas holzhäusigen Vorstellungen vieler Bundespolitiker zu kritisieren, wenn andererseits diese Veranstaltung einen kleinen, kleinen Beitrag leisten könnte, die Damen und Herren Parlamentarier von dem Gedanken abzubringen, dass Strom grundsätzlich böse ist?

  19. @30/Stefan
    Mooooment. Da steht ein Zitat: „Die gemeinsame Berichterstattung durch diese Vielfalt an kollaborativen und partizipativen Medien wird sicher zu einer besonders offenen und konstruktiven Diskussion der IT-Gipfelthemen beitragen und die öffentliche Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen sicher anheizen“, erklärt HPI-Direktor Meinel.

    Man könnte auch mutmassen, dass mit kollaborativen und partizipativen Medien nicht unbedingt die genannten Blogs gemeint sind, sondern ominöse (und nicht näher bezeichnete) Gipfelblogger. Die genannten Blogs werden ja auch eingangs als weitere viel genutzte deutsche Weblogs bezeichnet.

    Den Eindruck einer irgendwie gearteten Zusage würde ich aufgrund dieser Mitteilung niemals haben. Allerdings ist die Erklärung reichlich hölzern formuliert. So ganz habe ich nicht verstanden, worum es eigentlich geht. Den Blog „Deutsche Startups“ kenne ich auch nicht.

  20. Erstens erinnert mich „IT Gipfel“ kollosal an Kosakenzipfel und zweitens müsste es nicht wenigstens „IT-Gipfel“ heißen?

  21. ich habs auch schon bei Spreeblick kommentiert: Ihr „großen“ Blogger solltet Euch mal nicht zu wichtig nehmen. So wie ich die Ankündigung vom Institut gelesen habe, wart Ihr auf deren Initiative, und nicht auf die der Bundesregierung eingeladen. Es war also einfach eine nette Geste. Oder baut Ihr bei jeder Einladung die Ihr bekommt sofort die große Drohkulisse auf und versteht ànschliessend die böse Welt nicht mehr?
    Ihr habt also wirklich was falsch verstanden, oder habt Ihr die Antwort vom Institut auf Eure Beiträge noch nicht gelesen http://www.hpi.uni-potsdam.de/presse/mitteilung/beitrag/anmerkung-zur-pressemitteilung-vom-17112008.html

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