Fehlende Reflexe

Vorgestern schreibt der ehemalige Microsoft-Blogger Robert Scoble in seinem Blog „Scobleizer“:

Microsoft’s Internet execution sucks (on whole). Its search sucks. Its advertising sucks (…).

Die britische „Sunday Times“ findet das bemerkenswert und schreibt heute einen Artikel darüber („‚Microsoft sucks‘, says top blogger“).

Ein Redakteur aus dem „Multimedia“-Ressort von „Spiegel Online“ liest den „Sunday Times“-Artikel, findet die Geschichte ebenfalls bemerkenswert, schreibt ebenfalls einen Artikel darüber („‚Microsoft sucks‘ — Top-Blogger rechnet mit Microsoft ab“) — kommt aber offenbar nicht auf die Idee, dass er durch eine schlichte Google-Suche das entsprechende Blog und den entsprechenden Eintrag finden könnte.

Stattdessen verlässt er sich ausschließlich auf die Sekundärquelle und schreibt:

„Microsofts Internet-Anwendungen, die Suche und die Werbung sind Mist“, erklärte Scoble nach Angaben der „Sunday Times“.
(Hervorhebung von mir.)

Himmel! Wenn heute noch selbst ein fürs Internet zuständiger Redakteur eines Internet-Mediums nicht reflexartig in einem solchen Fall die Originalquelle aufsucht und sich dort ein eigenes Bild macht (geschweige denn, sie für seine Leser gleich zu verlinken) und nicht einmal merkt, wie absurd es ist, eine Zeitung als Quelle für den Inhalt eines Blogs (!) anzugeben, wie viele Jahre mag es noch dauern, bis es die breite Masse der Kollegen begreift?

Nachtrag. „Spiegel Online“ hat inzwischen den Verweis auf die Zeitung entfernt und verlinkt direkt auf das Blog. Dort können sich die Leser ja dann direkt davon überzeugen, dass Scoble gar nicht meint, dass Microsoft insgesamt saugt, wie „Spiegel Online“ und „Sunday Times“ in ihren Überschriften behaupten.