Monty Arnold

Man darf sich da nichts vormachen: Vermutlich würde es völlig reichen, die Clips von aufditschenden Kindern, zusammenbrechenden Bühnen und brennenden Katzen mit Musik und ein paar Knatter-, Flutsch- und Mööp-Geräuschen zu unterlegen. Die Kommentare, die Monty Arnold der RTL-Video-Parade „Upps – die Superpannenshow“ hinzufügt, sind nur der Bonustrack. Schon dass es den gibt, ist ein kleines Wunder im Ach-reicht-doch-auch-so-Fernsehen, aber er ist auch noch: brilliant.

Alle paar Sekunden sehen wir irgendjemanden straucheln oder umkippen, aber die Fallhöhe kommt erst aus den Kommentaren. In einem Klassenzimmer stolpert jemand beim Rückwärtsgehen? „Die Abwahl von Vertrauenslehrer Kersten kam mit unfroher Plötzlichkeit während der Sozialkundestunde.“ Ein Mann mit einem Teppich über der Schulter purzelt beim Versuch, durch die Haustür zu kommen, über die Brüstung? „Zur mittelfristigen Verschönerung der Wohnung hat Frau Reimann ein Nippes-Kraftfeld an der Wohnungstür eingeschaltet.“ An einem Stein im Fluss stoßen zwei Kanus zusammen? „Schon Odysseus hatte in dieser Ecke Ärger mit den Stromschnellen. Aber Kosmans und Haubrichts können ja alles besser.“

Arnolds Kommentare sind meisterhafte Minaturen, die jedem körnigen und dutzendfach wiederholten Amateurvideoschnipsel eine falsche Tiefe verleihen, als wäre er ein kostbarer Einblick in einen wunderbaren fremden Kosmos. Wenn einem Gleitschirmflieger beim Loslaufen die Hose runterrutscht, erzählt er: „Fünf Jahre lang hatte Herr Dinkel diese Anschaffung seiner Frau für eine Parabolantenne gehalten und sich über den schlechten Empfang gewundert. Jetzt ein neuer Anlauf.“ Wenn ein Mann vergeblich versucht, trockenen Fußes in einem Fluss aufs Pferd zu kommen, sagt er: „Fischershöhe ist die bei Mensch und Tier unbeliebteste Pferdehaltestelle im ganzen Tarifbereich.“

Es ist der virtuose Einsatz der Text-Bild-Schere ebenso wie die schlichte Freude an Wörtern wie „Tarifbereich“ und Namen wie „Vater Seidenkröster“ oder „Evalotte“ (besonders gerne bei offensichtlich amerikanischen Clips). In seinen besten Momenten erinnert das an die wunderbare Art, wie Hanns-Dieter Hüsch in der ZDF-Reihe „Väter der Klamotte“ amerikanische Slapstickstummfilme vertonte – Kabarettist Arnold hat in einem eigenen Programm Filme von Stan & Olli ähnlich bearbeitet.

Und manchmal ist auch völlig egal, was zu sehen ist, um einen Kalauer zu machen: „Familie Antonioni ist seit Generationen im Fischgeschäft. Aber sie wird einfach nicht bedient.“

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung