Werbeondulierung in der „Bunten“

27 Jan 09
27. Januar 2009

Nazan Eckes, die bei RTL Boulevardmagazine moderiert, wirbt seit kurzem für ein Shampoo, das „gesund aussehendes“ Haar in zehn Tagen verspricht. Die „Bunte“ nahm das zum Anlass, in ihrer vorletzten Ausgabe im sogenannten redaktionellen Teil mal eine doppelseitige Geschichte über das Haar von Nazan Eckes zu bringen:

„Wie bekomme ich solche Traumhaare?“, lautet die Überschrift des „Bunte“-Artikels, und wer die Antwort nicht schon aus der Fernsehwerbung kennt, erfährt sie aus dem ersten Frage des „Bunte“-Interviewers:

Sie sind das Gesicht der Haarpflegeserie ’10 Tage Challenge‘ von Pantene Pro-V. Glauben Sie eigentlich, dass viele Frauen mit ihren Haaren unzufrieden sind?

Ich glaube schon, dass die meisten Frauen Probleme mit ihren Haaren haben. Ich kenne das auch von vielen Freundinnen. Oft liegt es aber einfach daran, dass sie nicht genau wissen, welche Produkte für sie persönlich die richtigen sind. Mir ging es ja bis vor Kurzem auch so.

„Bunte“ fügt dann später dezent noch den Satz ein: „Ihre Haare sehen immer perfekt aus“, schreibt neben das große Foto von ihr: „TV-Moderatorion Nazan Eckes ist stolz auf ihr gesundes Haar“ und fragt sicherheitshalber noch: „Wie sieht Ihr Pflegeprogramm für zu Hause aus?“ (Die Antwort beginnt natürlich mit den Worten: „Neben den Produkten von Pantene Pro-V…“)

Die Zeitschrift nimmt in einem Extra-Kasten dann noch einmal das Werbeversprechen auf („Schönes Haar in 10 Tagen?“), lässt Eckes u.a. das Haarspray „Volumen Pur“ von „Pantene Pro-V“ empfehlen und entkräftet letzte Zweifel mit einem Beweisfoto:

Auf der ganzen Doppelseite ist übrigens kein Autor angegeben. Vielleicht wollte die „Bunte“ dem betroffenen Journalisten wenigstens die Schmach ersparen, mit diesem „Artikel“ identifiziert zu werden. Wahrscheinlicher ist natürlich, dass gar kein Journalist an seiner Produktion beteiligt war.

38 Gedanken
  1. 1
    Manuel says:

    Jetzt hab ich aber immer noch nicht erfahren, wie ich Nazan Eckes bekomme, so ein Mist :-(

  2. 2
    Thomas says:

    „Wahrscheinlicher ist natürlich, dass gar kein Journalist an seiner Produktion beteiligt war.“

    Solche Artikel gibt es in Magazinen leider immer wieder. Richtig schlimm wird es, wenn es Magazine trifft, in denen man anders als in der Bunten Journalismus erwartet. So las ich mal in einer Fotografiezeitschrift einen Artikel über einen Druckerhersteller, der genauso redaktionell aussah, aber Werbung war ohne das das erkenntlich war. Das ist schon länger her und ich habe (also als Leser) der Redaktion geschrieben, worauf mir geantwortet wurde, dass sei auch intern diskutiert wurde, und man wolle in Zukunft darauf verzichten. Obs so war, keine Ahnung, ich hab die Zeitschrift nie wieder gekauft.

  3. 3
    Thomas says:

    Was steht denn auf der rechten Seite unten rechts (senkrecht)?

  4. 4
    Christoph Wesemann says:

    Wie kann sich denn eine Journalistin wie Nazan Eckes nur für so etwas hergeben? Journalisten machen doch keine Werbung — und schleichende nun erst recht nicht.

  5. 5
    Modran says:

    pssst: das „ertragen“ soll sicher ein „ersparen“ sein?
    Danke, weitermachen …

  6. 6
    Ille says:

    @ Stefan Niggemeier (off topic und hoffentlich kein chinesisches Fahrrad): Im Menü „Jüngste Beiträge“ steht immer noch Ingrid von N. ganz oben. Die Bunte und Strunz fehlen.

  7. 7
    Alberto Green says:

    Da mir nona drüben den Strunz-Kalauer geklaut hat: Das ist aber ne ganz edle Kirsche, die Eckes.

  8. 8
    Sebastian S. says:

    @Christoph Wesemann: Ich glaube, um die journalistische Integrität Nazan Eckes muss man sich hier keine Sorgen machen.

  9. 9
    ralf schwartz says:

    Irgendwie furchtbar traurig, daß sich immer wieder Marken, Markenmanager, Agenturen, Journalisten und Medien für so etwas hergeben. Für wie dumm halten die eigentlich ihre Verbraucher?
    Höchstwahrscheinlich für genau sooo dämlich wie sie es wohl sind, dies noch durch ihre Käufe von Pantene und Bunte zu unterstützen.
    Und Nazan Eckes ist dann auch noch stolz auf solch eine Aktion und solch einen Werbevertrag.
    Leider wird der Satz ‚Die Dummen kaufen!‘ immer wahrer, je dümmer die ‚Verkäufer‘ werden. Eine endlose Spirale.

  10. 10
    Der Postillon says:

    Also auf mich wirkt das alles knallhart recherchiert. Sollte ich vielleicht auch einmal versuchen, dieses fantastische Pantene Pro-V. Von wegen kein Name unter dem Artikel: Vielleicht hat sich Frau Eckes ja selbst interviewt.

  11. 11
    Christoph Wesemann says:

    @Sebastian S.: Ich denke auch. Das Eine hat mit dem Anderen gar nichts zu tun. Nazan Eckes kann das trennen.

  12. 12
    politischer Hofnarr says:

    Wüsste mal gerne, wie viel Geld die Bunte dafür bekommen hat. Sowas nicht offiziell als Werbung zu kennzeichnen, ist schon peinlich. Vielleicht kriegen die ja auch Ärger wegen Schleichwerbung o.ä.

  13. 13
    Stefan says:

    @Thomas (#3): Da steht „Fotos: Thomas & Thomas/Stempell, HGM-Press, PR“

    @politischer Hofnarr: Das nicht als Werbung zu kennzeichnen, ist nicht peinlich, sondern Absicht. Und es kann sich jeder, der mag, darüber beim Presserat beschweren, inzwischen sogar online.

  14. 14
    Daniel Winter says:

    Verleger: Hubert Burda, Ehemann von Maria Furtwängler
    Chefredakteuerin: Patricia Riekel, Lebensgefährtin von Helmut Markwort
    Alles ehrenwerte Mitglieder unserer Gesellschaft. Endlich mal Eliten, zu denen man aufschauen kann, bei den ganzen Zumwinkels.

  15. 15
    Sebastian S. says:

    @Christoph Wesemann: Offensichtlich ja nicht, ich mache mir in der Hinsicht insofern keine Sorgen, dass sie ja sowieso nicht als seriöse Journalistin auftritt. Selbst, wenn sie noch Sprecherin der RTL2-News wäre, was ich aber grade nicht weiss.

    @Stefan: Hui, Aufstachelung. Das sind ja BILD-Methoden. Demnächst dann witzige Aboprämien beim Presserat :-)

  16. 16
    nona says:

    @Christoph Wesemann: Auch’ne Art von Mülltrennung.

    @Alberto: Sorry. Wer zuerst kommt, etc.

    @Daniel Winter: Ich finde sowas auch zum Winkeln.
    (to cringe, hallo Sebastian)

  17. 18
    Der Bo says:

    Ist es eigentlich noch nie jemandem aufgefallen, dass die „Beauty“-Teile von Frauenzeitschriften im Prinzip immer so sind. Vielleicht nie so offensichtlich, aber wer es sich mal antut das Ganze durchzulesen…Ich sag mal so: Man braucht nicht um 5 Ecken zu denken um auf die Idee zu kommen, dass bei diesen Artikeln kräftig gesponsort wird. Nur so am Rande…

  18. 19
    Don Commodore de Montegonzi says:

    Das Problem ist einfach, es ist sone Grauzone. Man weiß, dass es furchtbar falsch und dumm ist, man fühlt sich aber, wenn man sich wegen so etwas beim Presserat beschwert, auch komisch, ich zumindest. Das ist so wie diese ping-Anrufen, wo man dann nichts ahnend zurückruft und nen Euro dafür bezahlen muss. Die bauen ja auch darauf, dass sich keiner beschwert, keiner das Geld zurückfordert. Mir ist es halt einmal passiert und um die 99 Cent zurückzubekommen habe ich ca. vier Euro an Porto und Telefongebühren bezahlt, von der aufgewandten Zeit ganz zu schweigen. Die Sache ist, man weiß zwar am Ende, dass man im Recht ist, man weiß aber auch, dass es ne Sisyphos-Arbeit ist, gegen sowas anzugehen.

    Ich kenn mich da aber auch zu wenig aus. Kann der Presserat denn Theoretisch ne Strafe ausprechen, die so hart wäre, dass die Bunte nie wieder vergessen würde Anzeigen als solche klar zu kennzeichnen?

  19. 20
    Raventhird says:

    Am wahrscheinlichsten ist, dass ein Praktikant oder Student den „Artikel“ für einen Hungerlohn geschrieben hat und danach nicht auch noch seinen Namen darunter sehen wollte. Habe ich persönlich oft genug erlebt, so was.

  20. 21
    Stefan says:

    @Don etc.: Nein.

  21. 22
    Don Commodore de Montegonzi says:

    Wofür gibts den Presserat dann überhaupt? Ist das so wie Hans Blix in „Team America“, der Kim Yong Il sagt, dass er nen Brief von der UNO bekommt, in dem steht wie böse alle auf ihn sind, wenn er nicht seine Atomwaffen zeigt?

  22. 23
    Stefan says:

    @Don etc: Nein, so hart ist der Presserat nicht.

  23. 24
    Twipsy says:

    Nee nee, keine Beschwerden bei Aufsichtsbehörden, die das über online-Formular erledigen!
    Ein tolles Symbolbild übrigens! Ernsthaft, da steckt alles drin.

  24. 25
    Zela says:

    Hey! Die Qualitätsprodukte von Pantene Pro-V sorgen WIRKLICH für kraftvolles und schönes Haar! Nicht nur die Kämmbarkeit wird optimiert, sondern auch die Elastizität und Geschmeidigkeit — bis in die Wurzeln. Und das alles in nur kurzer Zeit.

    Gesundes Haar strahlt innere Schönheit aus, und die praktischen und komfortablen Lösungen von Pantene Pro-V garantieren mir einen perfekten Pflege-Mix aus Reinigung und Revitalisierung. Dank Pantene Pro-V bin ich täglich neu in der Lage, mir die Haare zu raufen — und zwar nicht nur verbal! Dadurch sind meine Kommentare viel geschmeidiger geworden.

  25. 26
    nona says:

    Sie baden gerade Ihre Häme drin.

  26. 27
    drikkes says:

    Ich habe über zwei Jahre für einen großen Kosmetikhersteller als Werbetexter, nicht als Journalist, gearbeitet. Neben klassischer Printwerbung haben wir auch solche „redaktionellen Anzeigen“ erstellt, die im Look (Headlines, Satz, Infokästen …) natürlich jeweils der Zeitung, in der sie erscheinen sollten, angepasst worden sind.

    Und natürlich sind die Unterlagen fertig zum Drucker gegangen. Daß die Redaktion „nochmal drüberschauen“ wollte, ich die absolute Ausnahme gewesen und zu beanstanden hatte sie außer Kleinigkeiten nie etwas.

    Aber wir haben in der ganzen Zeit nicht einmal „vergessen“, diese Art der Werbung als „Anzeige“ zu markieren. Und zwar von uns als Agentur aus. Leider sehen das nicht alle so.

  27. 28
    Kim says:

    nun, in diesem fall ist es ja noch einigermaßen offensichtlich -auch ohne kennzeichnung- dass hier werbung gemacht wird. schaun sie doch mal (in welchem print-medium ist fast egal) wenn sie über einen marken-/ firmennamen in einem artikel stoplern, wo die dazugehörige anzeige dazu versteckt ist.
    als trainnee in einer kleinen pr-agentur — damals, bevor ich zwei kinder bekam- hatte ich täglich mit anrufen von zeitungen zu tun, die als feedback auf eine pressemitteilung das angebot unterbreiten: redaktioneller teil gegen anzeige. weitaus die miesere methode als in diesem fall, bei dem ich wirklich nur sagen kann: selbst schuld, wer das für objektiven journalismus hält ;-)

  28. 29
    creezy says:

    Und nirgendwo das Wörtchen „Anzeige“ in der Ecke?

  29. 30
    Johannes says:

    Ich habe kürzlich ein Praktikum bei einer Agentur gemacht, die kleine Anzeigenblättchen in der Region managt, also auch ihre redaktionellen Inhalte verwaltet. Dort ist es gang und gäbe, solche Anzeigen als Redaktionsbeitrag zu verkaufen. Beispiel: ein neuer Betrieb im Stadtteil wird vorgestellt, natürlich nicht zu knapp mit tollen Adjektiven und am Ende noch Öffnungszeiten o.Ä. Meistens gibt es dann noch zusätzlich eine (auch so gekennzeichnete) Anzeige irgendwo anders im Heftchen.

    Jetzt werden Sie sagen „toll, was interessiert mich der Inhalt in so einem Käseblättchen?“, aber auch der journalistische Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Mir hat es dort auch nach einiger Zeit mächtig gestunken, vor allem, als mein Chef mir sagte, ich solle weniger lange Sätze konstruieren, er sagte sogar (O-Ton!), ich solle „schreiben wie die BILD: kurz und leicht verständlich“. Na ja…

  30. 31
    Stefan says:

    @creezy: Nein.

  31. 32
    Philipp says:

    90% der „Bunte“ Leser werden die Werbung nicht als solche erkennen, ist aber wirklich nichts besonderes wenn Redaktionen für Artikel bezahlt werden.

  32. 33
    arahf says:

    das ist eindeutig übertrieben :p

  33. 34
    Jarno Parwot says:

    Vielen Dank fürs lesen solcher Artikel und der zugehörigen Recherche. Ich könnte und wöllte das nicht.

  34. 35
    E.W. says:

    Hi zusammen,

    bin hier gelandet, da ich mal prüfen wollte, wie der aktuelle Stand ist: Darf man Texte schreiben, wenn man für die Werbung eines Produkts Geld bekommt oder nicht .……

    Ich habe schon häufiger gehört, dass dies verboten ist, aber irgendwie tuen es doch alle.….

    E.W.

    P.S. Habe „redaktionell Tarnung Anzeige“ gegoogelt, falls es den Webmaster interessiert ;-)

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  1. […] Die Trennung zwischen (fremder) Werbung und (eigenen) Inhalten – davon abgesehen, dass sie oft gar nicht vollzogen wird – ist ein sehr künstliches Konstrukt, sie ist als solches ziemlich jung und […]

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  3. […] ist nur ein Arsch- und Tittenblatt. Da darf man keine so großen Maßstäbe anlegen. Auch die Tarnung der Werbung als redaktionelle »Inhalte« will da nicht so recht klappen,.… […]

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