Wie die HAZ Werbelinks tarnt

Heute spielen wir wieder das beliebte Spiel: Entdecken Sie den Werbelink!

Spielfeld heute ist der Online-Auftritt der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ):

Na? Hinter welchem Wort verbirgt sich die Werbung? Jede Wette, Sie kommen nicht drauf.

Es ist die große Schaltfläche „Interaktiv“, zwischen „Newsroom“ und „Freizeit“. Sie führt zwar scheinbar auf die Seite http://www.haz.de/interaktiv/index.html, aber die leitet nach dem Klick sofort um zu http://parship.haz.de/?source=Navigation, dem Angebot der Partneragentur Parship. Die hat es wie kaum ein zweites Angebot in Deutschland geschafft, von Online-Medien als eigenes redaktionelles Angebot getarnt zu werden.

Aber die Täuschung der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ ist besonders dreist. Und mal abgesehen davon, dass ein solcher nicht gekennzeichneter Werbelink vermutlich gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt (vulgo: unzulässige Schleichwerbung darstellt) — was ist das für ein Geschäftsmodell, das so offensichtlich darauf setzt, die eigenen Leser in die Irre zu führen?

[via mb.twoday.net]

25 Replies to “Wie die HAZ Werbelinks tarnt”

  1. was ist das für ein Geschäftsmodell, das so offensichtlich darauf setzt, die eigenen Leser in die Irre zu führen?

    Ich befürchte man nennt das in den Chefetagen „Journalismus“.

  2. >was ist das für ein Geschäftsmodell, das so offensichtlich darauf setzt, die eigenen Leser in die Irre zu führen?

    Das z.Z. in vielen Branchen gängige. Könnte hier dutzendweise Beispiele bringen. Versicherungen, Banken, Gebrauchtwagenhändler, Lebensmitteleinzelhandel, Pharmaindustrie usw.
    Politik nicht zu vergessen…

  3. „Parship“ in verschiedenen Syntax-Varianten filtere ich schon seit einiger Zeit raus, nicht zuletzt wegen der Penetranz, mit der sie auftauchen.

  4. ist es wirklich so, dass es eine Trennungs- bzw. Kennzeichnungspflicht diesbezüglich gibt? Habe jetzt schon verschiedenste Sachen darüber gehört und bin mir ziemlich unsicher. Mein letzter Stand war jedenfalls, dass ein Link noch keine Werbung darstellt – kann mich aber auch täuschen…

  5. „Interaktiv“ ist auf einer Webseite eigentlich jeder Link (technisch betrachtet), was könnte denn dann unter einem als „interaktiv“ besonders bezeichneten Link liegen? Ein Kontaktformular mit Live-Blog, Redaktions-Chat und Webcam im Chef-Red.-Büro wäre hier einigermaßen schlüssig, aber dass dann realiter eine ganz andere Form von „Kontakt“formular geladen wird, haut es richtig runter.
    (Ob aber einfach eventuell alle Redakteure und -innen der HAZ gerade auf Partnersuche und daher bei parship ständig online zu erreichen sind, auch für Leser? Nee, wohl doch nicht . . .)

    Im Übrigen verweise ich kurz auf die These, dass sich der sogenannte „Journalismus“ und seine Prinzipien aus Angst vor irgendeiner Zukunft proaktiv selber erdrosselt und zu diesem Zweck die eigenen Inhalte durch Werbung anderer Wirtschaftszweige ersetzt.

  6. Habe nur ich den Eindruck, dass die ONLINE-Ausgaben so vieler Zeitungen mit voller Absicht so dermaßem lieblos, mit so viel Verachtung des Lesers gemacht werden? Um einerseits IRGENDWIE im Netz zu sein, weil man das ja heutzutage muss, um aber andererseits jedem jeden Tag zu zeigen: „Hier gibt’s nur minderwertige Sprache und schlecht gemachte Schleichwerbung. Wenn ihr Infomationen wollt, dann kauft gefälligst die gedruckte Zeitung!“

  7. Lustig, unser lokales Rumpelblatt auf der großen Bühne des Niggemeier-Blogs. ;-) Abgesehen von dieser plumpen Werbevermischung ist der Onlineauftritt der HAZ so schlecht aber nicht. Für Abonnenten gibt es immer die komplette Ausgabe online aufrufbar, wobei tatsächlich die Zeitungsseiten so angezeigt werden, wie sie auch gedruckt sind und bei einem Klick auf den Artikel derselbe sich als HTML-Datei öffnet. Ich finde das schon eine der gelungeneren Varianten der Verknüpfung von lokaler Zeitungsberichterstattung und globaler Abrufbarkeit.

  8. äusserst beeindruckend in der hinsicht finde ich auch den web-auftritt des hip-hop-fachorgans „juice“ unter juice.de. man sollte meinen das diese zeitschrift schon mit einem, mit minimalaufwand gestalteten, webauftritt mit hauptsache forum oder kommentaren sofort hohe klickzahlen generieren würde, aber seit monaten, ach was, jahren!, gibt es dort nur diese abo-seite. entweder haben die wirklich keinen bock oder prokrastinieren in sphären, die man nur ahnen kann.

  9. Was will man auch von „Europas größtem HipHop-Magazin“ erwarten? Schließlich haben sie mit der aktuellen Ausgabe auch den Newsbereich gestrichen weil man da laut Editorial ja eh im Internet besser informiert wird.

  10. „interaktiv gibt’s bei uns nicht – das macht bei uns der kontaktanzeiger.“

    auch ’ne art, eine moderne tageszeitung zu sein, oder?

    .~.

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