Die Mär vom Ostblock beim Grand-Prix (2)

13 Mai 07
13. Mai 2007

Das ist eine eindrucksvolle Karte, die der Popkulturjunkie da veröffentlicht hat. Sie zeigt die 16 erstplatzierten Länder des Eurovision Song Contest 2007:

Was die Karte aussagt, scheint klar: Wir können uns den Wettbewerb auch sparen, die Osteuropäer schanzen sich die Stimmen eh nur gegenseitig zu.

Nun ja. Das hier ist die Karte mit den 16 erstplatzierten Ländern des Eurovision Song Contest 2006:

Der Eindruck, dass jedes Jahr die gleichen gewinnen, ist also absurd. Der „Ostblock“, der alles dominiert, ist ein Phänomen dieses Jahres, keine generelle Entwicklung. Bislang jedenfalls nicht. Kann natürlich sein, dass sich das ändert.

Ich gebe (anders als vorgestern) zu: Der Song Contest hat ein Problem. Aber ich glaube, es ist vor allem ein Problem der Wahrnehmung, weniger der Tatsachen. Da ist zum Beispiel dieses in vielen Kommentaren mitwabernde Gefühl, dass „wir“ keine Chance mehr hätten in diesem Wettbewerb, weil die Osteuropäer sich gegenseitig alle Stimmen geben. Schaut man sich die Punktevergabe an, ist klar, dass Roger Cicero auch bei einem rein westeuropäischen Wettbewerb keine Chance gehabt hätte: Deutschland bekam keine Punkte aus Belgien, keine aus Frankreich, keine aus Irland, keine aus Norwegen, keine aus Portugal, einen aus Großbritannien. Dass die vier großen westeuropäischen Länder (und Haupt-Geldgeber) geballt hinten liegen, hat mit Osteuropa nichts, aber wirklich: gar nichts zu tun. Ihre Lieder sind nirgends in Europa gut angekommen.

Die These von den sich bevorzugenden Nachbarstaaten erklärt auch nicht, warum Serbien mit einigem Abstand gewonnen hat, es aber kein anderes Land des ehemaligen Jugoslawiens auch nur unter die Top-10 schaffte. Ich glaube, die Leute wählen nicht automatisch ihre Nachbarn. Ich glaube, sie wählen überwiegend das, was ihnen am besten gefällt. Und dass das möglicherweise nicht mehr das ist, was „uns“ Westeuropäern am besten gefällt, weil sich der Schwerpunkt Europas und noch viel mehr der Schwerpunkt des Song Contest nach Osten verlagert hat, ja, das ist nunmal so. Aber noch einmal: Uns Westeuropäern hat auch nicht gefallen, was Großbritannien, Irland, Spanien, Frankreich, Deutschland da ins Rennen schickten.

Ich glaube, das wahre Problem des Grand-Prix ist ein anderes. Dadurch, dass jetzt 42 Länder abstimmen durften, zersplittert sich die Meinung dramatisch. Jedes Land findet irgendetwas anderes gut. Diesen merkwürdigen Effekt früherer Jahre, dass Europa sich mit großer Mehrheit auf ein Lied als das Siegerlied verständigt, aus welchen irrationalen Gründen auch immer, den gibt es nicht mehr. Der Gewinner Serbien hat im Schnitt 6,5 Punkte aus jedem Land bekommen. Das ist lächerlich wenig. Russland hat es mit gerade einmal drei Bestnoten auf den dritten Platz geschafft. Die ersten drei, Serbien, Ukraine, Russland, haben jede Menge Null-Punkte-Voten bekommen. Es sind zuviele Länder dabei, als dass es einen echten Trend geben könnte, eine wirklich europäische Entscheidung. (Erinnert sich zum Beispiel jemand an die Olsen-Brüder aus Dänemark? Die hatte vorher kaum jemand auf der Rechnung, aber sie sind auf einer Sympathiewelle aus ganz Europa geschwommen.)

Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass eine andere Grand-Prix-Mär der letzten Jahre gestern widerlegt wurde? Hatten „wir“ „unser“ schlechtes Abschneiden nicht auch jahrelang damit erklärt, dass der Song Contest offenbar zu einer Veranstaltung verkommen sei, bei der man sich dreimal umziehen, wild tanzen, trommeln und feuerspucken muss? Könnte man sich daraufhin bitte nochmal den gestrigen Sieger ansehen?

Ich bleibe dabei: Der Grand-Prix mag egal sein, schrecklich, albern, kurios. Berechenbar ist er nicht.

Nachtrag: Daniel Haas hat für Spiegel Online eine wunderbar kluge und bissige Analyse geschrieben.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterFlattr the author
70 Gedanken
  1. 1
    Andreas. says:

    Wenn diese „der Ostblock bestimmt, wer Grand-Prix-Sieger wird“-„Analyse“ von hochbezahlten Consultants in die Chefetagen der TV-Sender weiter getragen wird, dürfen wir uns wohl auf zukünftige Song-Contest-Beiträge mit Anbiederungsmusik und –texte in diese Richtung „freuen“.

    BTW: Die Olsen-Brüder fand auch ich ziemlich gut.

  2. 2
    Daniel Morawek says:

    Sehr richtig …

    Ich würde sagen der gestrige Abend beweist, dass es zwar eine Ost-Connection gibt, dass diese aber keinen Einfluß auf die ersten und die letzten Plätze hat.

    Schlechte Lieder landen immer ganz hinten (England!), Lieder die eine Brücke bauen können zwischen Ost und West landen ganz vorne (wir erinnern uns, der ARD-Kommentator verglich das Lied aus Serbien mit einem französischen Chanson). Außerdem landet der witzigste Partysong auch jedes Mal auf den vorderen Plätzen. Der kam diesmal eben aus der Ukraine (aus Mitteleuropa kommt er nie, da nimmt man den Grand Prix nämlich zu bierernst).

  3. 3
    obi says:

    Die „großen“ westlichen Länder wählten auffällig gerne auch das glattgebügelte „Shake it“- Lied aus der Türkei.
    Aber am Ende sind die vielen Boy– und Girlgroup Nummern immerhin „nur“ vorne dabei.

  4. 4
    Basti says:

    Ich denke absolut nicht, dass die Leute das wählen, was ihnen wirklich gefällt. 12 Punkte aus Deutschland für die Türkei und das Jahr für Jahr ist meiner Meinung nach der frappierenste Beleg dafür, dass hier nach ethnischen, nicht nach musikalischen Gesichtspunkten angerufen wird.

    Über die musikalische Qualität der Veranstaltung zu diskutieren halte ich für müßg.

  5. 5
    Al Gore says:

    Warum wohl bekommt die Türkei für jeden Mist Punkte aus ganz Europa und davon nicht zu wenig?

  6. 6
    empty says:

    Ich hab sie mir nicht alle angehört; aber den Beitrag aus Mazedonien fand ich gut. Allein weil’s mutig ist in einer solchen Veranstaltung ein Lied vorzustellen, das konsequent im 7/8 Takt ist.

  7. 7
    JanG says:

    Eine detaillierte Auflistung der Platzierungen nach Ostblock– und Rest-Staaten gibt es hier:
    Der große Unterschied ohne Auswirkung

  8. 8
    Faktotum says:

    Nun ja, es scheint wenig verwunderlich, dass die die Türkei 12 Punkte aus Deutschland bekommt — bei 2,5 Millionen türkisch-stämmigen Mitbürgern. Aber reicht das Erklärung aus? Ein weiteres Beispiel: Dass in den Staaten des ehemaligen Ostblocks noch einige russisch-stämmige Menschen leben, dürfte auch ein Grund sein, dass Russland in diesem und im letzten Jahre vorne mit dabei war. In den Jahren davor landeten die Russen aber merkwürdigerweise im Mittelfeld. Ein letztes Beispiel: Wenn es ausschließlich um Nachbarschaftshilfe ginge, wie erklärt sich zum Beispiel der zweite Platz von Malta vor zwei Jahren?

    Ich denke, man kann das Phänomen nicht eindimensional begreifen. Deshalb gebe ich auch Stefan Niggemeier recht, Es ist eben eine Melange: Die Qualität spielt eine wichtige Rolle, dazu kommen die Hörgewohnheiten in den einzelnen Ländern, der Coolness — bzw. Partyfaktor — und manchmal eben auch der Nachbarschaftsfaktor.

  9. 9
    Melly says:

    Besser hätte man es nicht sagen können!

  10. 10
    Zapp says:

    Ich stimme Faktotum zu, ich denke auch, das sich der Nachbarschfts– und Migrationseffekt eher bei den mittleren Rängen auswirken dürfte.

    Die Bild-Idee habe ich mal aufgegriffen und die Top-10 seit 2000 eingetragen. 2007 ist oben links, 2000 unten rechts. Die „Ostblock-Connection“ hätte demnach erst in den letzten beiden Jahren massiv durchgeschlagen, wobei 2006 mit Finnland eben nicht ein „klassischer“ Ost-Staat gewonnen hat.

  11. 11
    jackomo says:

    ja klar, dass beim halbfinale ausschließlich länder weiterkamen, die aus ost– und südosteuropa sind, und dass beim finale die ersten 15(!) länder auch genau aus dieser ecke kommen ist reiner zufall!

    möglicherweise kommt hier aber auch ein trend so langsam zum tragen, der sich in den letzten jahren immer deutlicher angekündigt hat.

    an der qualität der westlichen lieder (england!) kann es aber definitiv nicht liegen, da auch die lieder der siegernationen wirklich unterirdisch waren.

    mir macht der grand prix nach über zwei jahrzehnten keinen spass mehr. und das liegt sowohl an der punkteschieberei als auch an der qualität des vorgetragenen.

  12. 12
    mspro says:

    Sorry Stefan, aber die Ostdominanz ist auch in der unteren Karte mehr als nur offenischtlich. Denn Dominanz heißt nicht Totalherrschaft. (Auch wenn die obere Karte etwas anderes suggeriert)

  13. 13
    mesh says:

    Wie jetzt? „Schaut man sich die Punktevergabe an, ist klar, dass Roger Cicero auch bei einem rein westeuropäischen Wettbewerb keine Chance gehabt hätte: Deutschland bekam keine Punkte aus Belgien, keine aus Frankreich, keine aus Irland, keine aus Norwegen, keine aus Portugal, einen aus Großbritannien.„
    Klar, aber wäre die Punktevergabe genauso ausgegangen, wenn die Osteuropäer gar nicht erst angetreten wären? Die Bedingungen sind nicht vergleichbar. Ungefähr so schlau, wie wenn ich sagen würde, das wenn Stuttgart, Schalke und Werder in der Bundesliga nicht mitspielt hätten, Bayern Meister geworden wäre. Glaubt das jemand wirklich?

  14. 14
    stralau says:

    Die herbeigeredete Osteuropadominanz ist nebenbei auch ein Phänomen der westdeutschen Dominanz im Fernsehen (und anderen Medien). Sie transportiert letztlich die vom kalten Krieg gezogenen Grenzen weiter.

    Daß Österreich nicht weiter westlich liegt als Tschechien oder Slowenien und Griechenland oder die Türkei ja nun richtig im Osten liegen, fällt bei einem Blick auf die Karte sofort auf.

    Daß es zwar große Ähnlichkeiten zwischen diversen slawischen Sprachen gibt, wozu aber eben Ungarisch oder Rumänisch nicht gehören und andererseits Esten und Finnen fast die gleiche Sprache sprechen, das scheint an Peter Urban ganz vorbeizugehen.

  15. 15
    Alexa says:

    Haha, hab gestern seit Ewigkeiten mal wieder den ESC gesehen und muss sagen: Das ist so langweilig, wenn bei jeder zweiten Punkteabgabe der Kommentator sagt: „Ja, das war jetzt zu erwarten“ oder „Das ist schon Tradition“. Das hat wirklich nichts mit einer Abstimmung für gute Lieder zu tun. Also gib es auf Stephan, welches Land die meisten solcher Partnerländer hat ist schonmal unter den Top5, der Rest macht dann vielleicht wirklich das Lied aus (hihi, die Türkei hat fast nur von westl. Ländern viele Punkte bekommen, was sicher an der Einwanderungspolitik liegt und nicht am Lied).

    Geil auch der Kommentator (Serbien kriegt gegen Ende mal wieder viele Punkte): „Das ist ganz normal, dass ein vorne liegendes Land auch aus xyz viele Punkte bekommt“ (inhaltlich). Da hat wohl jemand Ursache und Wirkung verwechselt… Ansonsten fand ich das wohl fast durchgehend homosexuell anmutende Künstlerfeld sehr amüsant (passte gut zur Warmup-Besetzung), quasi ein europäischer Christopher-Street-Day :)

    Die westl. Länder sollen mal nicht so rumheulen, vor allem die 4 großen, die eh immer dabei sind (dann sollen die Kosten eben aufgeteilt werden und jeder hat gleiches Recht). Ich find es immer sehr interessant mal die verschiedensten Länder zu hören (vor allem wenn sie in englisch singen). Und vor allem:

    Es ist doch sowas von sch…egal wer da gewinnt, meine Güte, zurücklehnen, Musikhören, fertig. Wer sich schon über sowas aufregt, sollte mal ganz schnell nach Heiligendamm kommen!

  16. 16
    Lukas says:

    die Ostdominanz ist auch in der unteren Karte mehr als nur offenischtlich

    Das könnte auch daran liegen, dass Russland ausgesprochen viel Fläche einnimmt. Lässt man das beim Einfärben einfach mal weg, sehen die Top 10 (die dann natürlich nur noch eine Top 9 sind) gar nicht mehr so bedrohlich aus.

  17. 17
    jackomo says:

    @stralau

    „herbeigeredete Osteuropadominanz“? was willst du uns genau damit sagen? dass es die dominanz gibt, sie aber eine folge der westdeutschen dominanz im fernsehen ist?

    in welchem fernsehen? westdeutsche dominanz im westdeutschen fernsehen?

    und die große ähnlichkeit der serbischen sprachen liegt möglicherweise genau darin begründet, *dass* es serbische sprachen sind.

    so ganz werde ich aus deinem beitrag nicht schlau..

  18. 18
    SvenR says:

    Die „baut-die-Mauer-wieder-auf“-Fraktion wird sich weder von JanG, Faktotum noch von Lukas umstimmen lassen. Die lassen sich ihre Überzeugung nämlich nicht durch Argumente versauen.

    Deshalb bringe ich jetzt auch nicht das Argument, dass der Siegertitel aus „Anbiederungsmusik und –texte[n]“ bestehen solle, ja wohl offensichtlich Unsinn ist.

    Ich bleibe bei meiner persönlichen von Geographie und Politik unbefleckten Empfindung:

    1. Serbien — die zweitbeste Performance des Abends, aber das ESC-igste Lied.
    2. Finnland — massenkompatibel aber eigen, hart aber melodisch.
    3. Deutschland — die beste Performance des Abends, klang handgemacht und nicht so plastikhaft wie viele andere.
    4. Georgien — weil’s so Björkesk war, und nachdem ich weiß, was sie singt, habe ich auch ein paar Worte verstanden.
    5. Ungarn — echt und erdig.

  19. 19
    stralau says:

    Jackomo:

    Westdeutsches Fernsehen: Zumindest vom Anspruch her ist die ARD schon noch gesamtdeutsch — der Osten spielt aber keine Rolle.

    Ich sprach auch nicht von serbischen, sondern von slawischen Sprachen. Und dazu gehören die jugoslawischen Sprachen sowie Tschechisch, Polnisch, Bulgarisch und Russisch, aber eben nicht Ungarisch und Estnisch (finno-ugrisch), Rumänisch (romanisch, wird auch in Moldawien gesprochen), Lettisch und Litauisch (baltisch).

    „herbeigeredete Osteuropadominanz”? was willst du uns genau damit sagen? dass es die dominanz gibt, sie aber eine folge der westdeutschen dominanz im fernsehen ist?

    Daß die Dominanz vor allem in der Wahrnehmung bestimmter Leute stattfindet. 18 Jahre nach der Wende wird festgestellt, daß Europa größer als die alte EU ist. Dabei ist (wenn man die Grenzen des kalten Krieges zum Maßstab nimmt) Deutschland zum Teil ja auch Ostblockland.

  20. 20
    jati says:

    Wie sähe die Top 10 wohl aus, würde die absolute Zahl der Anrufe aus allen 42 Ländern gewertet? Rückt die EBU diese Zahlen raus? Denn das Problem entsteht ja vor allem dadurch, dass Andorra das gleiche Gewicht wie Russland hat.

  21. 21
    jackomo says:

    @ stralau

    „serbisch“ statt „slawisch“ war ein schreibfehler von mir. und in den nicht-slawischen ländern, die du auflistest, gibt es noch starke russische bevölkerungsanteile (z.b. lettland 28%, estland 25%), die man bedenken sollte.

    sätze wie „Daß die Dominanz vor allem in der Wahrnehmung bestimmter Leute stattfindet.“ kapiere ich auch bei mehrmaligen lesen nicht.

    gibt es jetzt für dich eine dominanz oder nicht? oder bilden wir es uns nur ein, dass die ersten 15 plätze von ost– und südosteuropäern belegt wurden. für mich wäre das eine dominanz.

    und was hat „die alte EU“ mit ex-jugoslawien und ex-udssr zu tun?
    irgendwie vermischt du alles, was dir gerade einfällt.

    na ja, warum auch nicht. von mir bekommst du 5 punkte :-)

  22. 22
    Jens says:

    ich weiß ja nicht, was das soll. natürlich gibt es nachbarschaftspunkte. die gibts immer und gabs auch schon immer (ich weiß noch wie man sich vor 25 jahren über die skandinavischen länder aufregte). außerdem ist das bigott, sich einenrseits darüber aufzuregen, andererseits aber zu maulen, wenn aus österreich „nur“ 7 punkte kommen.
    der punkt ist aber: letztendlich hat, wie stefan ja schon belegt hat, noch nie(!) ein beitrag nur wegen der nachbarschaftshilfen gewonnen. allerdings stimmt auch, daß es jahre gibt, in denen die platzierungen sehr stark von dieser vergabepraxis geprägt ist (und die gabs auch schon immer. die mitte der achtziger sind voll davon). das liegt aber dann daran, daß es im gesamten event einfach nichts herausragendes gab, was man aus wirklich musikalischen (oder gerne auch performance-) gründen wählen konnte. sobald das der fall ist, wählen die leute auch „ehrlicher“. die nachbarn kriegen ihren anteil immer, aber ob der ein größeres, ein kleineres oder gar kein gewicht hat, hängt davon ab, wie die qualität der teilnehmer aussieht.
    die war dieses jahr aber so elendig schlecht, daß es fast nur die nachbarpunkte gab. deren auswirkung ist, stefan, die von dir beschriebene breiigkeit und unklarheit im ergebnis. die ist kein problem, sondern ein ziemlich genaues bild der qualität. viel mittelmaß und keine herausstechende highlights.
    das problem, das es also dieses jahr gab ist das fehlen wirklich guter titel gewesen. das voting kann problemlos so bleibenwie es ist.

  23. 23
    Gnafurg says:

    Der Abstimmungsmodus ist nicht geeignet, um eine faire Wahl zu erreichen. Das ist das Problem, und solange Länder von der Größe und mit der Bevölkerung eines kleinen Landkreises genausoviele Punkte vergeben dürfen wie große Nationen, bleibt das auch so. Wenn aber eine Wahl nicht annähernd fair ist, warum sollte das Ergebnis interessieren oder gar schockieren? Der Wettbewerb führt im besten Fall die europäischen Nationen zusammen, macht sie einander bekannt, und wartet mit guter Musik auf. Als Qualitätsbarometer taugt er kaum.

  24. 24
    Jens says:

    nochmal kurz zu meinem „das voting kann so bleiben wie es ist“, ich bin sogar der meinung, es _soll_ so bleiben wie es ist:
    wenn die „westlichen länder“ alle nur öde fahrstuhlmusik ins rennen schicken, brauchen sie sich nicht wundern, daß sie niemand wählt — die menge der länder ist da durchaus auch ein vorteil, da diese m.e. eine viel höhere anforderung an qualität stellt, da man sich vorher jahrzehnte mit mittelmaß in die mitte mogeln konnte. das geht immer weniger, je mehr länder mitmachen:
    die letzten 10 haben ihre miesen plätze völlig zu recht bekommen und selbst 12 freundschaftspunkte von irland an england hatten null auswirkung. ist doch also genau so demokratisch, wie man es eigentlich will.
    lokalpatriotismus in ehren, aber wer wirklich glaubt, mit r.ciceros omamusik sei was zu gewinnen, hat keine ahnung von musik sondern ist vom patriotismus voreingenommen. bezeichnend, daß genau die den anderen ländern ihren patriotismus am lautesten vorwerfen.

  25. 25
    Bastian says:

    Mal kurz ein wenig weg von der Diskussion um Ostdominanz oder nicht (ihr könnt ja nachher weiterspielen):

    Kommt eigentlich noch jemandem die Melodie des Gewinnersongs so eigenartig bekannt vor? Mir schon, leider komm ich mal gar nicht drauf woher! ;)

  26. 26
    stralau says:

    Jackomo:

    Wenn Peter Urban in seinem Kommentar Ungarn (wo weder slawisch gesprochen wird noch es eine russische Minderheit gibt) als Teil der Ostblockconnection darstellt, dann sehe ich da schon ein Vorurteil, ja.

  27. 27
    Jens says:

    gnafurg:
    du weißt, daß das blödsinn ist, ja?
    überleg mal: wenn n länder je einen song a drei minuten einbringen, dann muss jedes einzelne dieser n länder natürlich auch die selbe anzahl punkte vergeben dürfen.
    wenns nach der größe ginge, dürfte russland fast alleine den sieger küren.
    die einzigen länder, die momentan wirklich unfaire vorteile genießen sind die, die mitmachen dürfen, egal wie mies sie abschneiden (also deutschland, england, frankreich und spanien). als deutschland noch ein jahr lang rausflog, hat man sich wenigstens noch angestrengt, was ordentliches ins rennen zu schicken. seitdem das nicht mehr nötig ist, kommt nur noch schnarchware rum. insoweit wärs für uns sogar besser, wieder wirklich in den wettstreit einzusteigen. ich selbst würde mich ja auch mal über nen eurovisionssieg freuen. aber das muss dann schon mit nem lied passieren, das den sieg auch wirklich verdient hat.

  28. 28
    Nino says:

    Einer meiner Vorredner hatte absolut Recht! WARUM wundern wir uns, wenn wir jemanden wie Cicero ins Rennen schicken und dann auf den hinteren Plätzen landen?

    Ja seine Musik mag handgemacht und
    Ja sie mag auch qualitativ hochwertig sein und
    Ja der Swing hört sich gut an,

    Aber wir vergessen auch wer überhaupt wählt!!

    Die Zeiten in denen Mitt-Dreißiger bis Mitt-Vierziger vor dem Bildschirm Schlager sehen wollen sind lange vorbei!
    Ich schätze das ein Großteil der „Wähler“ von den 14 bis 24 jährigen gestellt wird. Im Gegensatz zu den (deutschen Moderatoren-Hermann und Hab-den-Namen-vergessen-ARD-NDR-Sprecher) 50jährigen Westdeutschen Moderatoren. Mal abgesehen davon dass wohl auch der Großteil der Zuschauer dieser Alterskategorie zuzuordnen ist denke ich dass bei den „Wahlen“ per SMS und Telefon fast ausschließlich junge Menschen anrufen.
    Wenn wundert es da, dass „Massen-, Kassentaugliche“-Lieder gute Platzierungen erreichen?

    Und Deutschland hat in den letzten Jahren einfach nur Mist geschickt, Roger war der erste der wenigsten musikalisch gut war, aber das reicht nunmal nicht sonst könnten wir gleich einen deutschen OPERETTEN-Sänger schicken. Es geht auch um die Show und die wurde uns dieses Jahr von den Ostdeutschen Ländern gestohlen(und in den letzten Jahren eben auch von anderen Ländern ;)).

    Mein Tipp:
    International erfolgreiche Bands zum Festival schicken: Rammstein, Scooter u.ä.

    Das stößt einerseits die Dinosaurier-Grandprix-Kultur in Deutschland um würde uns andererseits aber endlich wieder nach vorne bringen!

    MfG, Nino

  29. 29
    Jens says:

    bastian: ja, aber wir wurden immer von der schrägen show abgelenkt. wenn jemand drauf kommt, wüßt ich gern bescheid.

  30. 30
    niels | zeineku.de says:

    „Der Eindruck, dass jedes Jahr die gleichen gewinnen, ist also absurd. Der „Ostblock”, der alles dominiert, ist ein Phänomen dieses Jahres, keine generelle Entwicklung. Bislang jedenfalls nicht. Kann natürlich sein, dass sich das ändert.“

    Vor allem fällt natürlich durch die kleinen Länder im Osten auf, daß das Stimmengewicht in den einzelnen Ländern unterschiedlicher geworden ist.

    Aber beim Grandprix wird ja auch kein Parlament gewählt.

  31. 31
    Lukas says:

    Mehr zum Thema unter der schönen Überschrift „Irak könnte beim Eurovision Song Contest teilnehmen“ bei dwdl.de.

  32. 32
    jackomo says:

    @stralau

    dass die kommentare von peter urban oftmals purer unsinn sind, darüber sind wir uns wohl alle einig :-)

    bin mal gespannt, ob es eine englische version vom siegerlied geben wird und ob sich noch jemand in sagen wir mal drei wochen an das lied, den namen oder die interpretin erinnern kann.

    damit gebe ich zurück an die angeschlossenen funkhäuser.

  33. 33
    Martin says:

    Lustig, dass hier so viele so viel zu diesem Nicht-Thema zusagen haben.
    Nicht das der Songcontest grundsätzlich unbedeutend wäre… aber die Frage für wen er eigentlich Relevanz hat, sollte man vielleicht mal bedenken.

    Für uns? Nö!
    Für GB? Nö!
    Für die Länder, die sonst nicht viel zu lachen haben? Oh ja!

    Zudem: auch wenn ich vielleicht etwas polemisieren und verallgemeinern mag — diejenigen die Abstimmen sind, egal in welchem Land, eher nicht diejenigen, die sich durch einen besonders hohen Bildungsgrad oder hohen Wohlstand auszeichnen.
    Das ganze ist ein Theater für’s Volk.

    Immerhin ist das ein ganz toller Weg für Länder wie Slowenien oder eben auch Serbien sich in die Themen der großen Boulevard-Blätter und deren Lesern zu bringen. Und das –das ist das wichtige– endlich mal mit positiven Meldungen!

    Ist doch super!
    Bringt Aufmerksamkeit!
    Bringt Patte!
    Bringt Image!

    Wer nach Lordi noch unbedingt irgendwie, irgendwas um Qualität herumschwadronieren möchte…der hat den Knall nicht gehört. :o)

  34. 34
    dws says:

    Wie weiter oben schon angemerkt wurde: auch das 2006er-Ergebnis zeigt eine deutliche Verlagerung gen Osten. Mit Bruderlandsliebe hat es sicherlich wenig zu tun, dafür viel Musikgeschmack und junger nationaler Identität. Ignorieren kann man aber ebenso nicht, dass Deutschland seit Jahren für die Türkei stimmt und Israel die GUS-Staaten favorisiert:

    http://www.knetfeder.de/revue/?p=184

  35. 35
    Martin says:

    Ich fand übrigens Irland, Deutschland, Ungarn und Schweden am besten.

    Kann ich so noch weiter als Europäer leben…?

  36. 36
    JanG says:

    Ich habe mal die Punktevergabe überdacht mit einem interessanten Ergebnis:
    Der repräsentative Song Contest

  37. 37
    Phil says:

    Sehr schöner Artikel. Wahnsinn, wie reflexartig überall die Beschwerden über den Ostblock losgehen, ohne zu sehen, dass nur 7 „westeuropäische“ Länder dabei waren, die größtenteils in meinen Augen auch noch ziemlichen Schrott produziert haben.
    Die peinlichste Veranstaltung war aber diese Sendezeit gewordene Verbitterung in der Aftershow-Party mit Thomas Herrmanns, Georg Uecker usw.

  38. 38
    theo says:

    Frei nach Martin aus Candide:

    Zwei Nachbarstädte fanden sich noch nie toll. Wie bitte kann man ausgerechnet bei Osteuropa, geschweige denn beim Balkan davon ausgehen, dass die Länder sich die Punkte aus Freundschaft zuschassen? In Osteuropa?!!

  39. 39
    Nino says:

    Ja PHIL hat Recht die Aftershowparty war einfach der Witz schlechthin HAHA

    Mein Favorit war ja der Hermann, der hat erst richtig über eine HOSE einer Künstlerin gelästert wie lächerlich die wäre und dann von den drei Frauen von Mamma Mia (die nun wirklich die schrägsten Sachen der Welt anhatten-60er Jahre * 10 hehe) und wie drei PAPAGEI-VÖGEL aus dem Dschungel anmuteten, geschwärmt und ernsthaft behauptet sie wären besser als die Beatles!

    Mein Tipp:

    Den Hermann gleich mit den drei Vögeln zurück in den Dschungel!

    MfG, Nino

  40. 40
    niels | zeineku.de says:

    theo:„Zwei Nachbarstädte fanden sich noch nie toll. Wie bitte kann man ausgerechnet bei Osteuropa, geschweige denn beim Balkan davon ausgehen, dass die Länder sich die Punkte aus Freundschaft zuschassen? In Osteuropa?!!“

    Ich glaube, das Erklären die Anhänger der Ostblock-Theorie damit, daß ja in fast jedem dieser Länder große ethnische Minderheiten der Nachbarländer leben, die dann für „ihre“ kulturelle Heimat abstimmen.

  41. 41
    Zapp says:

    niels: Das kann man wohl auch kaum bestreiten. Natürlich gibt es diesen Minderheitenbonus, er ist IMHO (und nach JanGs Statistik) nur nicht ausreichend, um ein lausiges Lied aus dem Osten ganz nach vorne zu pushen und einen Spitzen-Song aus dem Westen am Sieg zu hindern.
    Schliesslich muss man sich auch fragen, ob es die reichen Staaten ohne Auslandsbürger nicht auch mal aushalten können müssen, wenn sie leicht benachteiligt werden. Gerade in diesen Staaten wird der ESC doch eh nicht wirklich ernst genommen, was man problemlos an der Songqualität erkennen kann.
    Schlimmer als die Punktevergabe beim ESC (bei dem ich mich übrigens gut amüsiert habe), finde ich die anschliessende Ostblock-Diskussion, die — wenn auch vielleicht unbewusst — letztlich alte Feindbilder und Vorurteile hervorholt. Und das als Reaktion auf eine Jux-Veranstaltung wie den ESC!

  42. 42
    Dwagg says:

    Eine gewisse Tendenz bei der Punktvergabe läßt sich sicherlich schon feststellen, aber warum ist das eigentlich etwas schlechtes? Es geht doch darum, daß die Leute für die Lieder stimmen, die ihnen gefallen; es mag durchau sein, daß jemandem aus einem ehemaligen Ostblock-Land bzw. einer ehemaligen Sowjetrepublik ein Lied aus einem anderen solchen Land eher gefällt als ein Lied aus einem „westlichen“ Land, da die Kulturen einfach näher beieinander stehen, aber das ist doch per se nichts schlechtes.

    Ich stimme Stefan (und anderen) zwar andererseits zu, wenn er sagt, daß der Grand Prix Probleme habe und einer Reform bedürfe, aber ich denke nicht, daß man diejenigen, die nach eigenem Geschmack abstimmen, aus ihrer Entscheidung einen Strick drehen oder ihnen unterstellen darf, daß es um mehr geht als nur darum, welches Lied man persönlich am meisten mag.

  43. 43
    niels | zeineku.de says:

    zapp: Ich hab‘ ja auch nicht gesagt, daß ich den Effekt für wichtig halte, sondern wollte nur darlegen, wie diejenigen argumentieren, die immer von „Nachbarschaftsabstimmungen“ reden.

  44. 44
    lea says:

    wenn man mit dem tool graphisch darstellt, wer alles für serbien votiert hat, dann reicht der ostblock neuerdings ganz schön weit an den atlantik, muss ich sagen…

    create your personalized map of europe

  45. 45
    Phil says:

    Äh, ist dwdl besoffen, oder was meinen die mit
    „Von 21 stimmberechtigten osteuropäischen Ländern gaben gleich 19 sämtliche Punkte an ehemalige Bruderstaaten.„
    http://www.dwdl.de/article/news_10891,1.html

  46. 46
    jackomo says:

    richtig spannend wird es nächstes jahr, wenn sich zu den gesetzten 10 jahrgangsbesten dann nochmal 10 balkan/osteuropa-länder aus dem halbfinale dazugesellen. und dazu dann die verbleibenden vier geldgeber-länder aus resteuropa.

    dann ist schluss mit dominanz :-)

  47. 47
    Dominik says:

    Da muss ich mich doch glatt nochmal selbst hinterfragen, ob nicht Peter Urban, Klothilde Ücker und Tanja Hermanns nicht insgeheim faschistoide Grundlagenpropaganda in mir angepflanzt haben, als ich noch dachte, die wären ganz ok, respektive witzig, exklusive der Ückerschen, die mochte ich nie, genauso wie den Ostblock, die uns nicht nurrrr den Lebensrrrraum rrrrauben, sonderrrrn auch noch um den verrrrdienten Sieg im jurrrropiänsongkontest…

  48. 48
    Matt says:

    @empty (Nr. 6): Nur um mal ein wenig zu beckmessern: Entweder 7/4 oder abwechselnd 4/4 + 3/4, je nach Notation. Und die verwendete „krumme“ Taktakt ist in der Folklore dieses Landes gar nicht so untypisch, sondern nur für das westliche Ohr völlig ungewohnt und sperrig.

  49. 49
    DunkelSchwarz says:

    Mein Vorschlag wäre: Machen wir’s den Italienern nach und ziehen uns aus diesem für die ARD überaus kostenträchtigen Schwachsinn komplett zurück.

    PS: Mehr als „Waddehaddeduddeda“ hat diese „Veranstaltung“ wirklich nicht verdient!

  50. 50
    Felix Deutsch says:

    Mein Tipp:
    International erfolgreiche Bands zum Festival schicken: Rammstein, Scooter u.ä.

    Ich hielte ja egotronic für einen durchaus aussichtsreichen Kandidaten:
    http://youtube.com/watch?v=QkZxz3kuP3M

  51. 51
    Felix Deutsch says:

    Mein Tipp:
    International erfolgreiche Bands zum Festival schicken: Rammstein, Scooter u.ä.

    Ich hielte ja egotronic für einen durchaus aussichtsreichen Kandidaten:
    http://youtube.com/watch?v=NX8aQAV52D4

  52. 52
    vandyrk says:

    Das Problem ist eher, daß das Ergebnis einfach nicht repräsentativ ist. Warum bekommt die Türkei immer 12 Punkte aus Deutschland? Weil die gesamte türkische Gemeinde geballt für ihren Beitrag abstimmt. Und in Deutschland leben auch genug andere Osteuropäer, um signifikanten Einfluß auf das Ergebnis zu nehmen. Wenn dann die Deutschen sich auch noch beim Voten wenig beteiligen, dann ist die Punktevergabe klar. Deutschland durfte beim Halbfinale auch abstimmen. Wenn nur kaum einer die Sendung auf NDR schaut, dann können die osteuropäischen leicht die deutschen Punkte abstauben.

    Wahrscheinlich gewinnt meist wirklich das „beste“ Lied, aber dieses Televoting ist nicht wirklich repräsentativ.

  53. 53
    Eurovision Song Contest » der tag und ich says:

    […] olé! — Gut, dass Herr Niggemeier […]

  54. 54
    Felix Deutsch says:

    Das Problem ist eher, daß das Ergebnis einfach nicht repräsentativ ist. Warum bekommt die Türkei immer 12 Punkte aus Deutschland? Weil die gesamte türkische Gemeinde geballt für ihren Beitrag abstimmt. Und in Deutschland leben auch genug andere Osteuropäer, um signifikanten Einfluß auf das Ergebnis zu nehmen.

    Und warum sollte das dann nicht repräsentativ sein?

    Mal nachlesen, evtl. steht ja dazu was im neuen CDU Grundsatzprogramm unter „Leitkultur“: „Wer nicht für Deutschland beim ESC stimmt, wird deportiert.“

  55. 55
    empty says:

    @Matt
    Jo, da hast du recht, ich meinte 7/4 geschrieben zu haben… was ich dann aber offensichtlich nicht getan habe…
    Aber danke für die Info über die Folklore Mazedoniens. Dass das dort nicht unüblich sind, finde ich sehr interessant.
    In den experimentierfreudigeren Jahren der „westlichen“ Pop und Rock-Musik waren ungerade Takte außerhalb des 3/4s ja auch nicht so ungewöhnlich.

  56. 56
    vandyrk says:

    @Felix Deutsch: Danke für offensichtle Rücken an den rechten Rand, aber das werde ich geflissentlich übergehen. Ich bin nur auf die Erklärung gespannt, wie eine Televoting-Abstimmung repräsentativ sein kann, wenn erstens die 50000 Anrufer aus Andorra das gleiche Gewicht bekommen wie die Millionen Russen und zweitens die Türken durch ihre starken ausländischen Gemeinden regelmäßig hohe Punktzahlen aus diesen Ländern bekommen. Das habe ich völlig wertfrei festgestellt und ist auch kein Vorwurf. Warum sollen die Türken in Deutschland nicht für ihren Titel anrufen dürfen? Ich habe auch schon während meines Urlaubs in Spanien für den deutschen Titel angerufen. So what? Und natürlich rufen die hier lebenden Serben für Serbien an. Das ist ihr gutes Recht. Nur kann dennoch das Votingsystem im meinen Augen nicht repräsentitiv sein, oder?

  57. 57
    vandyrk says:

    Nachtrag: und unsere vermeintlichen Erfolge mit Guildo, Stefan Raab und Max haben wir übrigens auch der Tatsache zu verdanken, daß in den Grenzregionen die Leute zu Horden ins Nachbarland eingefallen sind und von dort für unseren Beitrag abgestimmt haben. Da das vom Handy aus nicht mehr möglich ist, ist diese Möglichkeit der Manipulation auch nicht mehr gegeben.

  58. 58
    Felix Deutsch says:

    Repräsentativ wäre eine zufällige Stichprobe, wie bei anderen telefonischen Umfragen auch.

    Da gibt es natürlich auch Probleme (Festnetzanschlüsse vs. Mobil bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen).

    Das hast du aber nicht gemeint, sondern etwas anderes.

  59. 59
    vandyrk says:

    Ich bin mir nicht sicher, ob eine repräsentative Umfrage das gleiche Ergebnis wie die gestrige Abstimmung gehabt hätte. Weil man bei einer Umfrage z.B. nur einmal abstimmen kann. Weil vielleicht deutsche gar nicht abstimmen oder einmal anrufen und die Türken gleich mehrmals anrufen, weil es ihnen eine Herzensangelegenheit ist.

    Dass solche Abstimmung (auch im Internet) Unmut erzeugen, da sie ein schiefes Bild liefern, ist nur logisch. Ich sage nur, Daniel Küblböck unter den Top 20 der größten Deutschen aller Zeiten… ;-)

  60. 60
    Ben says:

    Kleine Zwischenfrage: Warum ist es eigentlich viel legitimer wenn Westeuropa die Türkei, Schweden und Deutschland vergleichsweise höher einschätzt als wenn Osteuropa Weißrußland, Georgien und Mazedonien bevorzugt? Haben wir etwa den objektiveren Geschmack?

  61. 61
    trulla says:

    @ 32

    es gibt eine englische version vom titel, die ebenso wie eine russische, eine finnische und mehrere remix-versionen auf der serbischen gb seite zu finden sind. http://ww1.rts.co.yu/euro/molitva.asp

  62. 62
    Putrick says:

    @ 25, 29

    Ich meine am Anfang Übereinstimmungen mit diesem Lied herauszuhören. Aber wenn ich beim Siegerlied nicht genau auf mir bekannte Stellen geachtet hätte, wär mir das wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, also ist es wohl nur ein Zufall.

  63. 63
    nrq says:

    Es gibt übrigens auch wissenschaftliche Forschung zum Thema Stimenverteilung bei Eurovision Song Contest.

    http://jasss.soc.surrey.ac.uk/9/2/1.html

  64. 64
    MatzBl says:

    Mhhh, die Untersuchung ist sehr interessant und scheint, zumindest teilweise, die Ostblockdominanzbefürchtungstheoretiker zu bekräftigen.
    Spannend sind die Aussagen in Abschnitt 4.12, dass solche Allianzen bei zunehmender Größe, also wachsener Zahl zugehöriger Länder, auch instabil werden können.

  65. 65
    Joaquin says:

    Der Swingzug ist schon lange abgefahren und somit hätte Cicero nur mit seinem deutschem Text punkten können, der dafür alleine, nicht gut genug war.
    Ehrlich gesagt, wären die Monrosegirls, für diesen GrandPrix, die weitaus bessere Wahl gewesen.
    Aber auf mich hört ja keiner… ;-)

  66. 66
    Irene says:

    > Die These von den sich bevorzugenden Nachbarstaaten erklärt auch nicht, warum Serbien mit einigem Abstand gewonnen hat, es aber kein anderes Land des ehemaligen Jugoslawiens auch nur unter die Top-10 schaffte.

  67. 67
    Irene says:

    Hallo Technik? Hier mein Kommentar zum Zitat:

    Ich vermute, die Lesbenszene von ganz Europa hat für das serbische Lied angerufen. Und die halbe Schwulenszene für die Transe aus der Ukraine.

    Aber bitte nicht weitersagen — sonst müssen wir nächstes Jahr wirklich Nutten-Pop einreichen, um den unterdrückten deutschen Hetero-Mann wieder zu besänftigen ;-)

  68. 68
    Stoppt endlich den Schummel-Grand-Prix! — Aufgefallen! says:

    […] verarscht. Die Frage ist nur von wem. Denn Stefan Niggemeier hat sich in mehrehren Beiträgen (1, 2, 3) mit dem Eurovision Song Contest beschäftigt mal nachgerechnet. Ohne die Stimmen aus den […]

  69. 69
    Lukasz Sztefankowski says:

    Hi, ich bin als 4-jähriger aus Polen nach Deutschland gekommen, spreche jetzt besser Deutsch als Polnisch. Natürlich kann ich nicht beweisen, daß es einen zusammengehörigen Ostblock gibt. Sollte es einen solchen geben, dann kann ich nur sagen, daß Polen und Tschechien nicht dazugehören. Unsere Sprachen sind zwar slawisch, wie Russisch und Serbisch, aber unsere Menthalidäten sind doch mehr mit der deutschen als mit der russischen zu vergleichen.

  70. 70
    grissom says:

    Servus,

    also ich würde mal sagen, daß es vielen Leuten gar nicht mal darum geht, daß Deutschland gewinnt, sondern um die Punktevergabe an sich, die das Ganze in Dimensionen verschieben läßt, die schon unheimlich sind. Es geht vielmehr um die Platzierungen. Ich fand zum Beispiel Frankreich sehr Originell, Kroatien hat mir auch gefallen. Was Russland abgeliefert hat, das war die gleiche Popsoße, die auch die meisten Länder abgeliefert haben. Nichts besonderes, halt und ins Ohr geht es auch nicht. Es hat alles in der Tat an Originalität verloren. (Fast) alle singen nur noch Englisch. Früher gab es da eine Sprachenvielfalt, die einzigartig war bei Musikwettbewerben. Die ist leider verloren gegangen, was sehr schade ist. Der Grand Prix hatte immer auch so etwas von Kulturaustausch, an dem man als Zuschauer teilhaben durfte — heute alles passé. Letztes Jahr haben mir Schweden und Frankreich viel besser gefallen als Serbien– ganz ehrlich — zumal das Lied irgendwie wie viele klingt und es das, wenn man Berichten glauben darf — schon mal dagwesen ist.
    Es gibt durchaus Sympatievotings, die auch zu den fragwürdigen Ergebnissen beitragen. Bestes Beispiel sind Griechenland und Zypern. Wer die Punktevergabe der letzten Jahre verfolgt hat, weiß, daß sich Griechenland jedes Jahr die 12 Punkte geben. Dieses Jahr ist Zypern vorzeitig ausgeschieden — war also nichts mit 12 Punkten aus Zypern. Und egal wie schlecht der griechische Beitrag ist — England vergibt seine 12 Punkte jedes Jahr an Griechenland. Das hat ja nichts mit Nachbarschaftshilfe zu tun, aber es ist dennoch Sympatievoting.
    Aber meine Theorie zu den seltsamen Ergebnissen ist folgende: Jedes Jahr kommen ja neue Länder dazu, die mitsingen dürfen — also gibt es auch mehr Startnummern, die man sich ja trotz Schnelldurchlauf irgendwie merken muß. Wenn man mehrere Lieder gut findet — soll ja vorkommen — dann kann man schon einmal durcheinander kommen. Das ist halt so. Also passiert es bestimmt, daß die Leute für Titel abstimmen, die sie eigentlich gar nicht wählen wollten ist doch sonnenklar.
    Deshalb meine Vorschläge: Schafft das Semifinale ab und laßt alle Länder doppelt abstimmen! — Dann ist das Chaos perfekt! Und wir haben noch mehr Spaß!!! Mensch, wir Wessies können doch froh sein, wenn wir nicht schon im Semifinale ausscheiden oder ausgeschieden werden. ;-)))

Einen Kommentar hinterlassen

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>