Warum ist „Die Zeit“ nicht besser?

19 Feb 09
19. Februar 2009

Alle paar Jahre veröffentlicht die „Die Zeit“ einen großen, wuchtigen Artikel, in dem der Untergang des guten öffentlich-rechtlichen Fernsehens beklagt wird. Im Grunde reicht es, einen davon zu kennen, zum Beispiel Jens Jessens Seite-1-Kommentar vom 31. August 2000:

Die Quoten-Idioten
Warum ARD und ZDF die Zuschauer verachten

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat sich in eine ausweglose Lage manövriert. Schon jetzt verstehen die Bürger nur noch mühsam, warum sie staatliche Sendeanstalten mit zwangsweise erhobenen Gebühren unterstützen sollen, während sich die privaten allein durch Werbung finanzieren. Bald werden die Zuschauer das Gebührenprivileg gar nicht mehr verstehen. Denn ARD und ZDF arbeiten planmäßig daran, die letzten Unterschiede in Programmangebot und „Bildungsauftrag“ (so lautete ein längst vergessener Rechtfertigungsgrund) zu tilgen, mit denen erklärt werden konnte, warum das eine Fernsehsystem bezahlt werden muss, während das andere gratis ist. (…)

In diesem Jahr hatten Stephan Lebert und Stefan Willeke die Aufgabe, das einfach alles noch einmal aufzuschreiben, als Titelgeschichte:

Und als vierseitiges Dossier unter dem Titel:

Unser Gott, die Quote

Und vieles von dem, was sie schreiben, ist ja nicht falsch. Ein großer Teil der Kritik an der Verzagtheit, Ideenlosigkeit und Quotenfixiertheit von ARD und ZDF ist immer noch und immer wieder berechtigt.

Es ist nur so, dass Fernsehen ein Thema ist, mit dem sich die Autoren der rituellen ARD-ZDF-Qualitäts-Untergangs-Geschichten der „Zeit“ chronisch schlecht auskennen. Lebert und Willeke scheinen zwar einen umfangreichen Reiseetat gehabt, sämtliche Funkhäuser dieser Republik bereist und mit ungefähr jedem in der Branche gesprochen zu haben. (Herausgefunden haben sie dabei unter anderem, wie abgehoben die Fernsehmacher sind: ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sitzt laut „Zeit“ in „Büro 1454, Hochhaus am Lerchenberg, 14. Stock“, NDR-Kulturchefin Patricia Schlesinger im „Eckbüro im 13. Stock des NDR-Hochhauses“.) Aber manches haben sie einfach nicht verstanden.

Zum Beispiel die Sache mit dem Marktanteil. Sie schreiben über die Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“, die die ARD „erst um 23.30 Uhr“ gesendet habe:

(…) dass die Einschaltquote trotz der Nachtzeit noch bei 14 Prozent lag, ermutigte den Sender zu keinem Umdenken, im Gegenteil. Erzielen späte Filme Überraschungserfolge, ist das kein Argument für den Film, sondern für die Uhrzeit.

Nun ja, das ist der Fluch mit der Messgröße Marktanteil: Sie bezieht sich nicht auf alle Zuschauer, sondern nur auf die Zahl derer, die gerade den Fernseher eingeschaltet haben. Später am Abend, wenn bei der Konkurrenz nicht mehr so viel läuft, ist es leichter, einen hohen Marktanteil zu erzielen — aber die absolute Zahl der Zuschauer wird natürlich kleiner. Zu formulieren, dass die Einschaltquote „trotz der Nachtzeit“ noch bei 14 Prozent lag, ist jedenfalls völliger Unsinn.

(Dass der NDR „Das Schweigen der Quandts“ kurz darauf in einer XXL-Version immerhin um 21.15 Uhr zeigte, erwähnt die „Zeit“ sicherheitshalber gar nicht. Die Ausstrahlung spät abends im Ersten hatte übrigens 1,3 Millionen Zuschauer; die Ausstrahlung im NDR-Fernsehen immerhin 0,9 Millionen — bei einem bundesweiten Marktanteil von nur 2,9 Prozent.)

Die „Zeit“ schreibt:

Der erfolgreiche Produzent Oliver Berben lässt sich immer nachts um drei die Quoten mailen, wenn einer seiner Filme am Abend vorher lief.

Das wäre allerdings erstaunlich. Die offiziellen Zahlen, die die GfK im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung erhebt, gibt es jedenfalls auch für die Fernsehmacher erst am nächsten Morgen so gegen neun Uhr.

Rüdiger Schawinski, ehemaliger Chef des privaten Senders Sat.1, beginnt noch heute seinen Tag damit, die Quoten anzuschauen, obwohl es ihm schon lange egal sein könnte.

Rüdiger Schawinski, der kleine Bruder von Roger Schawinski?

Bis zum Jahr 1984 sprach niemand vom Quotendruck. Erst als die Privatsender zugelassen wurden, änderte sich das.

Dieser Mythos ist ebenso weit verbreitet wie falsch. Man lese in alten „Spiegel“-Artikeln nach, wie dramatisch zum Beispiel im Herbst 1973 oder im Sommer 1976 die internen und öffentlichen Diskussionen über den Quotendruck waren.

Erstaunlich ist auch, dass die Autoren bei ihrem Wunsch nach mehr gutem öffentlich-rechtlichen Fernsehen indirekt anregen, dass die ARD doch „Wer wird Millionär“ hätte kaufen und dafür „mehrere Plätze zur Primetime freischlagen“ sollen. Bei aller berechtigten Kritik an der Trägheit und dem föderalen Alptraum der ARD und bei aller Liebe zu „Wer wird Millionär?“: Ich glaube, dass das ein ganz gesunder Unterschied zwischen privatem und öffentlich-rechtlichem Fernsehen ist, dass RTL für ein solches Quiz drei Primetime-Plätze freischlagen kann — und die ARD nicht.

Zum „Dossier“ gehören neben dem langen Artikel noch ein paar Tabellen und Statistiken, zum Beispiel diese:

Ja, das ist nicht uninteressant, was die Menschen 2007 so im Fernsehen geguckt haben, und vermutlich muss man froh sein, dass die „Zeit“ nicht die meistgesehenen Sendungen von 2005 oder 1998 dort präsentierte. Die Zahlen von 2008 liegen ja auch erst seit sieben Wochen vor.

So gesehen ist die „Zeit“-Übersicht über die Reichweite der Fernsehnachrichten immerhin scheinbar aktuell:

außer, dass die „Newstime“ von ProSieben schon seit Anfang 2007 nicht mehr gegen 20 Uhr läuft, sondern um kurz vor sechs, dafür aber die „Sat.1 News“ seit fast einem Jahr unter dem Namen „Sat.1 Nachrichten“ um 20 Uhr zu sehen sind.

Man kann das alles natürlich als Kleinigkeiten und Nachlässigkeiten abtun, aber wir reden hier immerhin vom Dossier der „Zeit“. Mich bestätigt das alles eher in meiner These, dass man keinen Artikel über ARD und ZDF zu lesen braucht, in dem die Wörter „Zwangsgebühren“ und „Staatsfernsehen“ vorkommen.

Ich hätte übrigens eine These, warum die „Zeit“ alle paar Jahre groß auf Seite 1 den Niedergang von ARD und ZDF beschreibt. Gut, bei Zeitungen nennt man es nicht „Quote“.

Nachtrag, 20. Februar: mehr hier.

79 Gedanken
  1. 1
    hpl says:

    Wie sagte Zeit Herausgeber Josef Joffe gerade heute bei einem „Medienseminar“ im österreichischen Parlament:
    „Qualität macht den Unterschied aus. Zeitungen vermittelten Vertrauen und Reputation“
    (siehe: http://​derstandard​.at/​?​i​d​=​1​2​3​4​5​0​7​5​3​3​523 )

  2. 2
    kalb says:

    Kleine Korrektur: Die Einschaltquoten werden an die Sender gegen 8 Uhr übermittelt, dort aufbereitet und gegen 8h 30 z.B. im Videotext veröffentlicht.
    Gegen 3h nachts werden die Daten von den Testhaushalten nach Nürnberg zur GFk überspielt.

  3. 3
    Matthias Sch. says:

    Diese These schoss mir auch kurz durch den Kopf — auch in Verbindung mit dem unschönen Ausdruck Copy-Paste.…

    Ich meine, eine hohe.… äh, Quote mit wenig Arbeit zu erzielen ist ja wirtschaftlich betrachtet das Beste, was man als Verlag tun kann. Wenn man das Thema Leser, Qualität und so einfach mal außen vor lässt.

  4. 4
    Matthias Sch. says:

    @kalb: Gegen 3h nachts werden die Daten von den Testhaushalten nach Nürnberg zur GFk überspielt.

    -> der ZEIT sei Dank, jetzt ist es raus: Oliver Berben lässt sich die Zahlen eindeutig vom mitlesenden Schäuble mailen! ;-)

  5. 5
    Stefan says:

    @Matthias Sch.: Naja, es ist ja nicht so, dass die „Zeit“ keinen Aufwand betrieben hätte für die Geschichte. Im Gegenteil, da steckt richtig viel Arbeit drin.

  6. 6
    Sebastian says:

    Tja an der Uni bekäm man für so einen Text mit Mühe noch ne Drei…

  7. 7
    Thomas says:

    „Die offiziellen Zahlen, die die GfK im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung erhebt, gibt es jedenfalls auch für die Fernsehmacher erst am nächsten Morgen so gegen neun Uhr.“

    Wenn das stimmt, was kalb sagt, dann würde, wenn Oliver Berben jemanden bei der GFK kennt, er die Quoten tatsächlich drei Uhr nachts bekommen können. Bei den Wahlprognosen ist es ja auch so, dass Journalisten und Politiker die schon vor 18 Uhr wissen.

  8. 8
    Andreas Pettka says:

    Stefan, danke! Das ist keine Erbsenzählerei, sondern sehr aufschlußreich.

  9. 10
    Quotenjunkie says:

    Die Reichweiten werden nicht übermittelt sondern die recht komplexen Datensätze liegen auf einem Datenbank-Server, auf den die Mitglieder der AG Fernsehforschung per Abfragetool online zugreifen und sich die für sie wichtigen Reports generieren können.
    Der Programmtag endet um 03:00Uhr. Ab dann werden per DFÜ die Daten über das Nutzungsverhalten von den Meßgeräten zur GfK übertragen. Die Rohdaten stehen meines Wissens ab 07:30 bereit, ab dann hängts an den Mitarbeitern der AGF-Mitglieder, bis wann die Reports erzeugt werden. Mein Arbeitgeber schickt den ersten Report kurz nach 07:30 raus und den letzten mit den Quoten und Marktanteilen aller Sendungen des Tages um 08:15, schneller und früher hat es niemand.
    Erst recht kein Produzent, denn die sind nicht Mitglied der AGF. Produzenten, wenn sie nicht von einem Sender aufgrund enger Zusammenarbeit die Quoten ihrer Sendungen bekommen, kaufen diese üblicherweise bei Dritten wie MediaControl ein, die von der AGF/GfK lizensiert sind, fertige Reports zu verkaufen.

    Es kommt im übrigen sehr oft vor, dass Marktanteile im Laufe der Woche nochmal nachgewichtet werden. Da kann es schon mal bis zu 1% hoch und runter gehen.

    Ich liebe Quoten.

  10. 11
    Thomas says:

    Hmmm, dann muss man wohl davon ausgehen, dass nachts keiner bei der GfK sitzt und dann Zugriff auf die Quoten hat und sie Berben mailen könnte, zum Beispiel weil der außerhalb der Gepflogenheiten jemanden den er da kennt gebeten hat das zu tun.

    Spannendes Thema dieser Nebenaspekt. Andererseits, selbst wenns so wäre oder theoretisch möglich wäre, dann unterliege das sicher der Verschwiegenheit. Entweder hat der Zeit-Autor das also wirklich durcheinander gebracht oder sich ausversehen verplappert.

    Naja, egal jetzt.

  11. 12
    rauskucker says:

    Hallo, schöner Artikel, danke!
    An der Stelle mit

    „dass die ARD doch „Wer wird Millionär” hätte kaufen und dafür „mehrere Plätze zur Primetime freischlagen” sollen“

    habe ich gedacht, daß das ja auch Ironie der „Zeit“-schreiber sein kann oder sein soll. Aber ich les die „Zeit“ nicht. Keine Zeit.

  12. 13
    Thomas says:

    Ah Danke Quotenjunkie, sehr interessant.

  13. 14
    Knotz Fischfurther says:

    Und ist es nicht bei einen jeden Thema so, das man in den Masernmedien lesen, hören, sehen kann? Einfach niemands und nichtens trauen! Damit fährt man immer gut. Ich informiere mich seit einiger Zeit nur noch aus den Händen meiner Bekannten. Da weiß man wenigstens, wohin die Zukunft geht.

  14. 15
    BennyNoise says:

    Hallo Herr Niggemeier,

    die von Ihnen angesprochenen Dinge würde ich persönlich, wie Sie es schon vorweggenommen haben, eher als Schönheitsfehler bezeichnen, aber als Journalist hat man da wahrscheinlich einen anderen Blickwinkel und Anspruch, muss man vielleicht haben.

    Eine Frage hätte ich dennoch: Was stört Sie daran, dass das Thema alle paar Jahre angesprochen wird? Halten Sie es tatsächlich für eine reine Werbemaßnahme seitens der ZEIT?

  15. 16
    Ray says:

    So ungefährum 7:30 Uhr (nämlich dann, wenn sie eben fertig sind) stehen den Mitgliedern der vier AGF-Familien und den Lizenznehmern (vor allem kleine Sender und Agenturen) die Fernsehnutzungsdaten vom Vortag zur Verfügung. Zeitliche Segmente können dann ausgewertet werden.

    So ungefähr um 8:20 Uhr werden die Informationen über Beginnzeit und Dauer der ausgestrahlten Sendungen dazugespielt, so dass auch Sendungen auswertbar werden.

    Es kommt auch nicht „sehr oft“ vor, dass die Daten noch einmal neu gewichtet werden, sondern immer, und zwar nach genau drei Tagen. Solange versucht die GfK, Haushalte zu erreichen, die beim ersten Abruf nicht on-line waren. Dass es dabei einen ganzen Marktanteilspunkt rauf oder runter geht, ist aber eher selten.

  16. 17
    Burtchen says:

    Abgefahren — habe heute im Zug die Zeit aufgeschlagen und auch sofort an den ollen Idioten-Artikel gedacht und ein wenig die Augenbraue gezogen bei Drei-Uhr-Fakten und Rüdiger Schawinski. Danke für die Erhellung respektive Bestätigung meines Bauchgefühls :-)

  17. 18
    Quotenjunkie says:

    Danke Ray, für die Präzisierung. Dass grundsätzlich neu gewichtet wird, wusste ich gar nicht. Die Neugwichtung fällt mir immer dann auf, wenn ich mir die Marktanteilsentwicklung einer Sendungsreihe ziehen lasse und die einzelnen MAs nicht mit meinen Notizen übereinstimmen. Da sehe ich dann, wie oft die nachträgliche Gewichtung den MA beeinflußt. Und manchmal ist es halt ein ganzer Punkt. In der Tat selten, deshalb ja auch manchmal.

    Wenn ich mich recht erinnere, dann erfolgt die Sendeplatzauswertung später, da die Sender recht spät die sekundengenauen Sendeprotokolle übermitteln. Ist da nicht sogar eine Strafzahlung vorgesehen, wenn ein Sender ein Sendeprotokoll fehlerhaft oder zu spät übermittelt?

  18. 19
    KaBa says:

    Die Autoren meinen bestimmt 03h am nächsten Morgen. Olli ist halt eher ein Nachtmensch und nimmt sich die Zahlen vor, wenn er wieder nach Hause kommt.

  19. 20
    Stefan says:

    @BennyNoise: Natürlich kann „Die Zeit“ so ein Thema immer wieder aufgreifen. Mir fällt es nur unangenehm auf, weil der ausgeprägten (und berechenbaren) Meinung dabei nicht entsprechend ausgeprägte Fachkenntnis gegenüber zu stehen scheint.

    Und eigentlich schätze ich „Die Zeit“ und erwarte mehr von ihr.

  20. 21
    Daniel Winter says:

    Super Artikel, vielen Dank!

  21. 22
    Stefan Müller says:

    Hallo Niggemeier

    Da hätten Wir zu ihrer These eine Gegenthese .

    Um die Jahrtausendwende meinten die Medienmacher das der Fehrnseher den Computer ersetzen würde.Sie nannten Es Multimedia Home Platform (MH@P)
    Heute, ca. 10 Jahre nach der Jahrtausendwende, stellen die damaligen Propheten fest das der Computer nahezu alle klassischen Medien in sich vereint.

    Die GFK-Quoten haben schon lange ihre Relevanz verloren.
    Weil sie nicht die Klicks auf Podcasts, die TV-TunerComputer , IPTV berücksichtigen.
    Seit die GfK eine AG ist versuchen sie ihre falschen Zahlen preisoptimiert an die Sendeanstalten zu verkaufen.

    Die Intendanten des öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen wie kopflose Hühner von einem Berater zum andern um die falschen GfK Zahlen zu optimieren.

    Zu den Zeitungen, deckt endlich die dunklen Machenschaften der GfK auf, Seite 1.

    MfG
    Zu Wetten das…:What You See Is What You Get

  22. 23
    Nobilitatis says:

    #20: So stehts auch oben in dem Ausriss … nur eine Frage der Interpretation. ;-)

  23. 24
    Lucas says:

    Sofern diese Daten stimmen, dürfte klar sein, warum nicht die meistgesehenen Sendungen aus dem Jahr 2008 abgedruckt wurden — die wären einfach viel zu einseitig. So gesehen finde ich zumindest das dann auch sinnvoll.

  24. 25
    Burtchen says:

    @Der Bürgerliche: Das sehe ich anders — die Zahlen der „Zeit“ können sich sehen lassen, die Wochenzeitschrift selbst zumeist auch, wenngleich Qualitätsschwankungen nicht ausbleiben. Artikel wie das ARD-ZDF-Dossier ändern nichts daran, dass es die „Zeit“ meines Erachtens in der Summe sehr gut versteht, in diesen schwierigen, äh, Zeiten zu bestehen.

  25. 26
    Tim says:

    Ich habe die „Zeit“ früher immer wegen des Schachrätsels gelesen. Hervorragend recherchiert und geschrieben, intelligent, ein wohltuender Kontrast zum restlichen Blatt. Gibt’s das eigentlich noch?

  26. 27
    Ray says:

    @19: Die sekundengenauen Protokolle können ab 3 Uhr übermittelt werden, aber es werden eben zuerst die Nutzungsdaten verarbeitet und danach die Protokolle.

    Wer nicht rechtzeitig übermittelt, dessen Sendungs- und Werbebreak-Daten tauchen bei den Agenturen morgens nicht auf und macht die Kunden sauer — das ist die eigentliche Strafe. Wenn man für verspätete Protokolle echte Strafen zahlen müsste, wären manche Sender schon lange pleite…

  27. 28
    Quotenjunkie says:

    @23 An MHP glaubten eigentlich nur die Telekom (Netzwerk/Distributor), Texas Instruments (Chiphersteller) und das Frauenhofer Institut (Codecs und Software). Ich kann mich nicht erinnern, dass auch nur irgendein Sender mit einem relevanten Commitment auf diese Plattform ging.

    Die GfK betreibt Fernsehforschung im Auftrag der AGF, ich verstehe Ihren verschwörungstheoretischen Ansatz nicht, was hat das damit zu tun, dass die GfK eine AG ist?

    Weiters müssten sie mir erklären, warum Podcasts bei der Reichweitenmessung gezaehlt werden sollten? Das letzte Mal, als ich gecheckt habe, wurde der DVD-Abverkauf von TV-Programmen wie zB „HEIMAT“ auch nicht zur Fernsehreichweite gezählt.

    Für die anderen von Ihnen beschrieben Distributionswege wird an einer Lösung gearbeitet. M.W.n. wird die neue Erfassungstechnologie dazu zur Jahresmitte ausgerollt.

  28. 29
  29. 30
    Oliver says:

    Vielleicht kann mir hier jemand Antworten auf mein Halbwissen geben bzw. auf meine Fragen:

    - Was kann eigentlich gezählt werden? Nur terrestrisches Analog-Fernsehen/Kabel/Satellit? Was ist mit DVB-T?

    - Was passiert mit Sendungen, die aufgenommen werden? Wird das Betrachten dieser einige Tage/Wochen später gewichtet?

    - Was passiert, wenn zwei Sendungen gleichzeitig aufgenommen werden und eine dritte angeschaut wird?

    - Wie werden die Daten übertragen? Ich hatte dunkel in Erinnerung, dass das über ein Modem an der Telefonleitung funktioniert, also an DSL-Zugängen ohne Telefonanschluss nicht möglich ist.

    - Wer darf eigentlich seine Quote melden? Jeder? Oder sind bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht erlaubt?

    - Podcasts halte ich tatsächlich für relevant. In einer Zeit, wo iPods und iPhones rumlaufen und die Fernsehanstalten ihre Sendungen kostenfrei über iTunes bereit stellen (ÖR und privat, TV und Radio) und es z.B. auch die 100-Sekunden-Tagesschau als eigenes Online-Format gibt, hat sowas eigentlich genau wie Musikdownloads etwas in den Quoten zu suchen. Die Tagesschau kommt hier z.B. nur als Podcast an. Das gleiche gilt für Audiostreams von Live-Radio.

  30. 31
    Karsten says:

    Netter Artikel und Herr Niggemeier hat auch interessante Details gefunden. Wer aber so spitzfindig ist, sollte nicht schreiben: „dass RTL für ein solches Quiz drei Primetime-Plätze freischlagen kann“. Es waren mal drei mit Fr, Sa und Mo, aber jetzt sind es nur noch zwei mit Fr. und Mo. …

  31. 32
    Stefan says:

    @Oliver: Magst Du Dir nicht ein paar Antworten selbst raussuchen? http://​www​.agf​.de/​f​s​f​o​r​s​c​h​ung

  32. 33
    Oliver Baumann says:

    Der arme Roger Schawinski! Hat der gute Mann doch glatt das deutsche Privatfernsehen revolutioniert – und nun können die von der „Zeit“ nicht mal seinen Namen richtig schreiben.

  33. 34
    Stefan says:

    Oh. Dann muss es noch einen Roger Schawinski geben.

  34. 35
    Oliver Baumann says:

    Ehm, villeicht hätte ich schreiben müssen: Roger Schwainski, der nach eigenen Angaben das deutsche Privatfernsehen revolutioniert hat.

  35. 36
    knorke says:

    Sehr interessant. Ich komme wahrscheinlich erst in drei Wochen zu dieser Ausgabe der Zeit (kam die letzten Wochen nicht nach mit lesen). Könnteste gern mehr drüber schreiben, lieber Stefan, über die guten und schlechten Seiten der Zeit, irgendwie hört man sonst so wenig von dieser Zeitung.

  36. 37
    Nobilitatis says:

    Die GfK betreibt Werbeforschung. Da sind Podcasts, aufgenommene Sendungen usw. irrelevant.

  37. 38
    Lester says:

    Den „Rüdiger“ haben Stephan und Stefan wohl von Rüdiger Safranski…

  38. 39
    Hendrik says:

    Ich fand das Dossier auch ein bisschen schwach auf der Brust, was manche Fakten anbetraf (schön in der Tat der Hinweis von Lucas in Kommentar 25). Und im letzten Drittel wirkte es mir auch recht lieblos runtergeschrieben. Trotzdem ist die Kritik an einigen Stellen berechtigt, und auf Seiten der Sender eben der Spagat zwischen Anspruch und Zuschauerzahl wahnsinnig schwierig. Den erfolgreich zu schaffen setzt einen Mut voraus, der mir im Moment im Journalismus insgesamt eher selten begegnet.
    Dabei ist die Kunst in der Branche doch, aus unverständlichem Wust prima Texte (Filme) zu machen. Das müsste doch auch mit unattraktivem Wust klappen, wenn man’s geschickt anstellt.

  39. 40
    Harald Eisenmann says:

    Seit wann ist denn das Privatfernsehen gratis? Ich kann mich erinnern mal irgendwo erfahren zu haben das Privatfernsehen werbefinanziert ist. Das heisst doch das das Werbebudget der Firmen in deren Produkte eingepreist wird, oder nicht? Wenn wir also Produkte jener Firmen kaufen bezahlen wir neben Verpackungskosten, Pfand, Recycling (Güner Punkt), Mehrwertsteuer auch die Werbekosten, die für dieses Produkt anfallen. Und das auch wenn ich überhaupt keinen Fernseher habe. Von der GEZ kann ich mich abmelden wenn ich medial abstinent lebe, von der Krake des werbefinzierten Privatfernsehens kann ich das nicht.

  40. 41
    mark793 says:

    @23: Du bist da einer Riesenstory auf der Spur, endlich nennt mal jemand die Probleme beim Namen.

    Es ist ja nicht so, dass die Sender, die die GfK beauftragen mit der Quotenmessung, das nicht erkannt hätten. Vereinfacht gesagt gibt es da eine Vertragsklausel, wonach jeder neue Verbreitungsweg spätestens dann in den Quoten berücksichtigt werden muss, wenn fünf Prozent der Haushalte ihn nutzen. Wie das mit den Festplattenrekordern laufen soll, ist vor einigen Monaten festgeklopft worden, hier ist jeder Nutzungsvorgang innerhalb von drei Tagen quotenrelvant (wie in den USA übrigens auch). Als nächstes steht auch die Berücksichtigung von IPTV auf der Agenda. Dass das relativ zäh läuft, ist nicht etwa der Faulheit oder dem Unwillen der Beteiligten geschuldet, es wirft halt methodische Fragen auf, die erstens nicht gerade trivial sind und die zweitens noch auf das Gebiet konkurrierender Messverfahren wie Online-IVW und AGOF überlappen. Dann haben auch die Printvermarkter im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse ein Wörtchen mitzureden, wie diese Nutzungsvorgänge im intermedialen Vergleich zu gewichten sind.

    Irgendwelche Verschwörungstheorien von wegen „Die Sender und die GfK verschweigen bösartigerweise die Fernsehnutzung über neue Verbreitungswege und hantieren mit falschen oder irrelevanten Zahlen“ halten einer näheren Betrachtung einfach nicht stand, wenn erst mal anfängt, sich schlau zu machen. Vor allem die Privatsender drängen darauf, in den GfK-Zahlen die „audiovisuelle Gesamtreichweite“ auszuweisen, die auch andere Kanäle berücksichtigt. Sonst müsste man ja mittelfristig mit den Werbepreisen runter, wenn sich das Publikum aus dem klassischen Fernsehen über Kabel, Satellit und Hausantenne immer mehr ausklinkt.

  41. 42
    Snofru says:

    Trotz der aufgezeigten Schwächen dieses Dossiers: Ich zahle lieber mein Zeit-Abo als die GEZ-Gebühr. Um einen Artikel in der Zeit zu finden, über den ich mich ärgere, muss ich suchen oder mir (beispielsweise von Stefan Niggemeier) helfen lassen. Bei ARD und ZDF reicht es im Allgemeinen, sie anzuschalten.

  42. 43
    Thomas Lückerath says:

    @44: Wie ich solche Kommentare liebe. Es zeugt nur von Unkenntnis des öffentlich-rechtlichen Programmangebots. Es ist schon interessant: In einer Zeitung reicht es den Lesern, wenn Ihnen jeder 5. Artikel lesenswert erscheint. Bei ARD und ZDF kommt dann aber plötzlich der völlig realitätsfremde Anspruch, dass bitte 24 Stunden rund um die Uhr immer genau das zu sehen sein soll, was man selber gerne sehen würde.

  43. 44
    Pagemaker says:

    @Stefan Niggemeier: Sind es denn keine ZWANGSgebühren? Ich dachte immer, Sie seien dafür, die Dinge beim Namen zu nennen.

    @45/Thomas Lückerath: Es gibt aber einen großen Unterschied: Mein „Zeit“-Abo zahle ich freiwillig, und wenn die uninteressanten Texte überhand nehmen, dann kündige ich. Das geht bei der GEZ nicht so gut, oder?

  44. 45
    fun.da.mental says:

    @45: kann daran liegen, dass man sich bei einer zeitung bewusst und freiwillig für‚s geldausgeben entscheidet, für‚s öffentlich-rechtliche programm aber zwangsweise zahlt. da regt sich‚s doch gleich viel besser drüber auf.

  45. 46
    Nobilitatis says:

    #46: Ihr Kampfbegriff ist im besten Falle redundant. Gebühren sind per Definition nicht freiwillig. „Zwangs„gebühren ist also ein sinnloses Wort.

  46. 47
    Pagemaker says:

    @48: Das stimmt nicht. „Gebühren“ sind n.h.M. von der Inanspruchnahme der betr. Leistung (z.B. Verwaltungsakte, Nutzungen) abhängig, oft auch hinsichtl. der Höhe. Die Freiwilligkeit besteht darin, die (behördliche) Leistung in Anspruch zu nehmen — oder eben nicht. Bei der GEZ ist das anders: Es reicht der Besitz eines Fernsehgerätes. Insofern ist „Zwangsgebühr“ kein Kampfbegriff, sondern eine notwendige Präzisierung.
    Was Sie meinen, sind wahrscheinlich Steuern. Die sind per Def. Zwang.

  47. 48
    mark793 says:

    @44, 46: Die Rundfunk-Gebühr, man kann es nicht oft genug wiederholen, ist eine Infrastruktur-Abgabe. Die verpflichtet einen natürlich keineswegs, das System gut zu finden oder sich für die gebotenen Programme zu begeistern. Aber sich darüber aufzuregen, das ist irgendwie so, als ob man im Beitrittsgebiet rumfährt und sich überall, wo es immer noch scheiße aussieht, darüber beklagt, dass man dafür schon seit soundsoviel Jahren Soli zahlen muss.

    Vielleicht bin ich ja schon zu altersmilde oder abgestumpft, aber irgendwie treibt dieses Thema meine Erregungskurve schon länger nicht mehr zuverlässig nach oben. Ich hatte Herrn Knüwer schon mal gefragt, ob man eigentlich in Arbeitsverträgen mit dem Hause Holtzbrinck Sonderklauseln unterzeichnen muss, die einen Redakteur verpflichten, alles blöd zu finden, was mit den quasi-beamteten Gebührenverschwendern zu tun hat. Und meine eigenen Erfahrungen als langjähriger freier Mitarbeiter der Wirtschaftswoche sind nicht eben dazu angetan, diesen Verdacht völlig zu zerstreuen. Dass die Zeit, die sich früher mal den Luxus eigener Meinungen leistete, seit dem Besitzerwechsel auch alle Jubeljahre in dieses Horn blasen muss, daraus mag jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

  48. 49
    Snofru says:

    @45: Wenn jeder fünfte Beitrag in ARD und ZDF interessant wäre, wäre ich schon froh. Und da ist schon eingerechnet, dass ich TV auch zur Unterhaltung und Zerstreuung nutzen will. Dazu kann ich mir aber keine Karnevals-Sessionen angucken oder debile Vorabendserien, in denen eine Robbe die Hauptrolle spielt.

    @50: Ich bin gar kein Gegner der GEZ-Gebühr. Ich bin nur sauer, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen sie offenbar nicht ausreichend nutzt, um seinem Auftrag gerecht zu werden. Denn dem soll die Gebühr ja dienen. Mit der Gebühr haben die Öffentlich-Rechtlichen einen strategischen Vorteile — den sie meines Erachtens nicht nutzen.

  49. 50
    Stefan W. says:

    Für einen Personalausweis muß man auch Gebühren berappen, kann sich nicht aussuchen, ob man einen hat oder nicht, und bekommt kein Geld zurück wenn man ihn nicht nutzt.

    Allerdings kann man die Werbekosten die im Privatfernsehen entstehen auch vermeiden, in dem man die beworbenen Produkte nicht kauft. Man müßte dazu aber die Werbung auch anschauen.

  50. 51
    Nobilitatis says:

    @Pagemaker, #49:
    Sie irren. Das kann so sein, muss aber nicht. Es gibt viele Gebühren, die einfach wegen Anwesenheit fällig werden. Vergleichen Sie es doch einfach mit dem Eintritt ins Schwimmbad. Der ist auch nicht davon abhängig, ob Sie ins Becken springen.
    Insofern ist es keine notwendige Präzisierung, sondern ein Kampfbegriff der Anti-ö/r Bewegung.

  51. 52
    chris says:

    Bei aller berechtigter Kritik an der Qualität des Artikels in der Zeit bin ich dankbar, dass überhaupt über die Rolle der Öffentlich Rechtlichen Sender offen diskutiert wird. Was mir oft in diesen Diskussionen fehlt, ist die konkrete Vision in Bezug auf Inhalte (Was erhofft man sich vom Fernsehen wirklich abseits der konventionellen Begriffe „Bildung“, „Information“ etc., inwiefern machen die überhaupt Sinn, müssten neu definiert werden?). Ich bin mir sicher, dass es erfolgreiches und gleichzeitig „anspruchsvolles“ bzw. „cleveres“ Fernsehen geben kann. Macht halt viel Arbeit und setzt kreative Strukturen voraus, die wir in Deutschland scheinbar nicht haben. Andererseits — und daraus mache ich keinen Hehl — ich kapiere die ganze Struktur dieses bürokratischen Ungetüms Öffentlicher Rundfunk nicht. Ich denke tatsächlich — um beim Bild zu bleiben („Büro 1454, Hochhaus am Lerchenberg, 14. Stock) an viele Stockwerke und ein unbewegliches, politisch manipuliertes System. Würde das ÖR Fernsehen besser, wenn man ihm eine Radikalkur verschreibt und mal ein paar tausen Leute entlässt (siehe BBC) und richtig aufräumt? Ach, ich merke schon, das läuft hier ins Leere…

  52. 53
    jc says:

    | Die Ausstrahlung spät abends im Ersten hatte übrigens 1,3
    | Millionen Zuschauer; die Ausstrahlung im NDR-Fernsehen
    | immerhin 0,9 Millionen – bei einem bundesweiten Marktanteil
    | von nur 2,9 Prozent.

    Hmh.. Wenn 0,9 M 2,9 Prozent des Marktanteiles sind, dann sind 100 Prozent so grob 30 Millionen. Kann das angehen, dass tatsaechlich in DE 30 Millionen Leut spaet abends fernsehen? Kommt mir etwas unglaubwuerdig vor.

  53. 54
    Stefan says:

    @jc: Ich habe jetzt auch kurz gestutzt, aber: Ja, so ist es. (Es ist ja nicht so spät abends, 21.15 bis 22.45 Uhr.)

    Zur Illustration: An dem Tag lief auf RTL von 20.15 bis 23.15 Uhr das Prominentenspecial von „Wer wird Millionär“. Es sahen fast 10 Millionen Zuschauer — was einem Marktanteil von 33 Prozent entsprach. Also sahen im Schnitt 20 Millionen in dieser Zeit etwas anderes, macht 30 Millionen insgesamt.

  54. 55
    Stefan says:

    (Man unterschätzt, wenn man sich viel im Internet bewegt, in welchem Maße das Fernsehen nach wie vor ein Massenmedium ist.)

  55. 56
    Schreiberling says:

    @54 „Würde das ÖR Fernsehen besser, wenn man ihm eine Radikalkur verschreibt und mal ein paar tausen Leute entlässt (siehe BBC) und richtig aufräumt?“
    Vielleicht.
    Man sollte aber nicht vergessen, dass die BBC _eine_ Anstalt mit durchgreifender Programmgestaltung ist, das deutsche System aber auf Trennung basiert. Diese Trennung sorgt für undurchschaubare Programmabläufe, aufgeblähte Verwaltungen und Angebotslücken, weil sich keiner zuständig fühlt und ebenso keiner darüber steht und Problemlösungen durchsetzt.

    Auch sollte man mal schauen was „besser“ heißt und ob die BBC wirklich besser ist. BBC Three (das junge Programm) ist irgendwo zwischen RTL II und MTV angesiedelt. BBC One ist voll mit Seifenopern und Castingshows. In den Hauptnachrichten macht man schonmal Werbung für eine eigene Serie. RTL lässt grüßen. BBC Four ist gegen „unser“ arte und „unser“ 3sat ein schwacher Abklatsch. BBC News geht bei uns nicht, den Privaten sei Dank.

    An welcher Stelle fehlt es denn bei uns? Wer Qualität sucht, der findet welche. Wenn nicht im Ersten und Zweiten, dann weiter hinten. Problemlos. Die Alten werden auch rundumversorgt.
    Was wirklich fehlt, sind die Massenprogramme für die Jüngeren. So wie „Wer wird Millionär,“ eine eingekaufte Show eines britischen Privatsenders. Oder Ami-Serien. Wollen wir das? Ein wenig bestimmt, denn sowas fehlt völlig, aber können wir dann stolz sagen, dass es besser sei? Oder kommt dann der Quotenvorwurf?

    Starkes Potenzial liegt in einer Verbesserung der Abläufe, so dass wir unter 50-jährige nicht bis nachts warten müssen. Bedeutet aber, dass es die guten Inhalte bereits jetzt gibt, „wir“ nur unfähig sind, sie zu finden und uns — ganz wie die Alten oder wie bei den Privaten — einlullen lassen wollen.

    Besonders im geforderten Bereich anspruchsvoller Angebote haben wird es recht gut, was aber niemanden davon abhält, die schlechte Qualität zu beklagen. Vielleicht sollte man nicht mit der Fernbedienung entscheiden, sondern mit der Programmzeitschrift.

  56. 57
    Dag says:

    Es sind immer Generalisten, die da schreiben; über nichts wissen sie annähernd so gut Bescheid wie ein echter Experte, aber ständig tun sie so, als schreibe ein Experte. Mir ist dieses Problem in aller Schärfe erst in vergleichsweise jüngerer Zeit klargeworden.

    Es ist ein fundamentales Problem, das in seiner Radikalität bei weitem noch nicht hinreichend erkannt worden ist. Recht betrachtet raubt es den meisten Journalistenjobs ihre Daseinsberechtigung.

    Krassestes Beispiel aus den letzten Wochen für volllkommenen Bullshit in einem Qualitätsmedium (in diesem Fall von ein „Essayisten“, der von keinem einzigen kompetenten Menschen gegengelesen wurde): die unterirdisch ignorante „Entlarvung“ der modernen Evolutionsbiologie von Richard David Precht im SZ-Magazin. Dagegen ist dieses ZEIT-Dossier noch pulitzerpreiswürdig.

  57. 58
    Mario H. says:

    @Schreiberling: „Wer Qualität sucht, der findet welche. Wenn nicht im Ersten und Zweiten, dann weiter hinten.“ Aber das ist nicht die eigentliche Aufgabe des ÖR-Fernsehens. Wozu werden kum. sechs Programme gebraucht, die den gleichen Schrott wie die Privaten senden? Von der miesen Qualität her können wir die Privaten ohne Weiteres einsparen. Ob ich eine Telenovela, ein Quiz, ein Sport-Ereignis ÖR schaue oder privat, ist absolut egal und die Qualität oder Information findet eh nur dann statt, wenn keiner guckt oder auf den Outsourcing-Sendern 3Sat, Phoenix, Arte…

  58. 59
    Schreiberling says:

    @60 „Aber das ist nicht die eigentliche Aufgabe des ÖR-Fernsehens. Wozu werden kum. sechs Programme gebraucht, die den gleichen Schrott wie die Privaten senden?“
    Ist es der gleiche Schrott? Gibts bei den Privaten Nachrichten zur Hauptsendezeit, Politmagazine oder Sendungen für Ältere? Zwischen den Telenovelas laufen immerhin anständíge Nachrichten. Man kann des Angebot nicht zu schön reden, (weil so schön iss’es nicht) aber es gibt selbst jetzt noch mehr als genug Unterschiede zu den Privaten. Und man sollte nicht vergessen, dass ein Politmagazin im Windschatten eines Schnulzenfilms häufiger gesehen wird, als in einem biederen Informationsprogramm, welches so viele fordern. Akzeptiert man die Schnulze jetzt als Mittel oder ist sie immer böse?

    Dass man manche Inhalte geballt nur in Spartensendern findet, sollte den Interessenden nicht abschrecken, denn selbst über die kleinste Plattform DVB-T gibt es eine Handvoll solcher Sender und die inhaltliche Ausstattung von z.B. arte ist hervorragend. Warum ist die Masse unfähig, diese Sender zu finden, wenn sie solche Inhalte angeblich sucht. Antwort: Sie sucht sie nicht. Sie will Seifenopern und Schmonzetten sehen. Wenn die Masse solche flachen Inhalte bekommt, hinterfragt sie arte weniger. Somit ist allen geholfen. arte ist nur deswegen so gut aufgestellt, weil es viele Sachen nur kofinanziert, wobei die Schnulzensender den größeren Anteil haben.

    Es gibt in der Diskussion eine größere logische Lücke, die bisher keiner zu schließen vermochte: Anspruch wird definitiv weniger gesehen, als Weichspüler. Anspruch wird aber verstärkt gefordert. Warum bestehen Zuschauer auf Inhalten, die sie nicht sehen wollen? Fühlen die sich besser, für etwas zu bezahlen, was sie nicht sehen wollen, solange es einen guten Stempel trägt? Ich glaube nicht. Der Geheimnis liegt eher darin, dass die, die das fordern nicht genug Massenangebote bekommen. Ne knallige, sündhaft teuere, wirklich gute Serie fürs Jungvolk und die Telenovelas werden weniger hinterfragt.
    Womit wir wieder beim schon erwähnten Windschatten sind. Wenn alle etwas bekommen, werden Sendungen akzeptiert, die man selbst nicht sehen will, weil man ja an anderer Stelle versorgt wird. Gibt es an einer Stelle (z.B. bei den Jungen) deutliche Lücken, wird alles pauschal in Frage gestellt. So wie jetzt.
    Fazit: Seifenopern ermöglichen arte.

  59. 60
    Stefan Müller says:

    [Quatsch aus Langeweile gelöscht]

  60. 61
    Stefan Müller says:

    63. @ [Quatsch aus Langeweile gelöscht] — Stefan Niggemeier —

    @ auf Herr S.N.
    „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“

    „Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.“

    „Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden.“

    „Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen, und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“

    MfG
    Informations-,Desinformationsgesellschaft

  61. 62
    Pagemaker says:

    @50, Mark793: Es war vielleicht mal eine Infrastrukturabgabe, und vielleicht war das einst auch sinnvoll. Früher. Heute angesichts von Kabel und Satellit und Web und und und noch eine solche Abgabe aufrecht zu erhalten, ist Unsinn und ungerecht. Denn selbst wenn es (noch) eine Infrastrukturabgabe wäre: Warum dürfen dann nur zwei Sendergruppen (ARD/ZDF) diese nutzen — und nicht alle? Auf den steuerfinanzierten Straßen dürfen ja auch nicht nur öffentliche Nutzer (Müllabfuhr, Polizei etc. fahren) — sondern auch private.

    @53, Nobilitatis: Aber ich muss doch nicht ins Schwimmbad(gebäude) gehen & zahlen, wenn ich nicht will! Ist der Unterschied zwischen Zwang und freier Entscheidung wirklich so schwer zu verstehen? Ich fass‘ es nicht …

  62. 63
    Schreiberling says:

    @65 „Heute angesichts von Kabel und Satellit und Web und und und noch eine solche Abgabe aufrecht zu erhalten, ist Unsinn und ungerecht.“
    Ist wird allgemein davon ausgegangen, dass das Fernsehen aufgrund häufiger Nutzung und vieler Nutzer einen gewissen Einfluss hat. Daher stellt man auch bestimmte Anforderungen. Man kann diese nun entweder den Privaten in erheblichem Maße aufdrücken oder einem von den Privaten unabhängigen Angebot diese Aufgabe überlassen. Man entschied sich für Letzteres. (Was nicht heißen soll, dass diese das in angemessenem Umfang umsetzen.)

  63. 64
    Stephan says:

    Ausgerechnet die Erstausstrahlung des großartigen Films „Das Schweigen der Quandts“ zur Stützung der These zu verwenden, die ARD strahlt Qualität zu spät am Abend aus, ist denkbar ungünstig.

    Der Film wurde meines Wisssens kurzfristig ins Programm der ARD gehoben. Am gleichen Nachmittag lief die Premiere von „Das Schweigen der Quandts“ beim Hamburger Filmfestival, abends wurde der Film „spontan“ in der ARD gezeigt. Der Grunde für diese Entscheidung war vermutlich, dass man einer Unterlassungsklage zuvorkommen wollte und den Film unbedingt zeigen wollte, bevor eine Ausstrahlung, die sonst Monate vorher angekündigt wird, weggeklagt wird. Von daher finde die Kritik am späten Sendeplatz zumindest in diesem Fall mehr als mehr als verfehlt, da ausgerechnet hier schnell bzw. vorausschauend gehandelt wurde.

  64. 66
    vader says:

    Ich finde die vielen Stephans + Stefans mit diversen Nachnameninitialien hier inzwischen nachgerade verwirrend. Das überfordert mich …

  65. 67
    Nobilitatis says:

    @ Pagemaker,#65:
    Sie müssen auch keinen Fernseher kaufen, wenn Sie nicht fernsehen wollen. Aber WENN Sie ins Schwimmbad gehen, dann zahlen Sie. Und zwar für das Bassin und die Liegewiese. Ist der Unterschied zwischen Gebühren und Restaurant a la cart wirklich so schwer zu verstehen? Ich fass es nicht …

  66. 68
    Oliver says:

    Vorab: Ich habe kein Problem damit, für eine Grundversorgung zu bezahlen und schaue gerne arte, Phoenix und 3Sat, weniger gerne dagegen ARD und ZDF ;). Auch ÖR-Radio wie Fritz höre ich gerne.

    Aber:

    1. Die Bindung der Gebühr an ein theoretisches Empfangsgerät ist heutzutage nicht mehr akzeptabel. Ich muss für mein Handy bezahlen, weil ich theoretisch ÖR-Programme darüber „empfangen“ könnte. Ich muss aus gleichem Grund für meinen Rechner bezahlen. Und wenn ich meinen DVD-Player an ein großes Display hängen möchte, so gibt es keine Alternative zu einem Fernseher, der dummerweise wegen dem für diesen Zweck überflüssigen eingebautem Tuner gebührenpflichtig ist. Ebenso muss ich Gebühren bezahlen, wenn ich mir einen Fernseher (=großes Display) für meinen Rechner kaufe. Die Logik Empfangsgerät=Gebührenpflicht greift nicht mehr, da selbst Fernseher heutzutage nicht primär für den Zweck des Fernsehens nutzbar sind.

    2. Früher war es durchaus sinnvoll, die Gebührenpflicht an das Gerät zu binden, denn einen anderen Zweck als Fernsehen gab es nicht. Heutzutage ist dies nicht mehr so. Allerdings gibt es bereits seit etlichen Jahren technische Möglichkeiten, die tatsächliche Nutzung zu messen und nach dieser abzurechnen. Genutzt werden diese aber nicht. Stattdessen wird die pauschale Gebührenpflicht sogar auf Nutzungen ausgedehnt, bei denen *grundsätzlich* nutzungsabhängige Daten anfallen („Ausstrahlung“ über Internet), also die Informationen über die Nutzung (wer, was) vorliegen.

    3. Die Finanzierung des ÖR durch Gebühren ist nicht realistisch. Am Tage wird Werbung ausgestrahlt und Abends werden „präsentiert von“-Werbungen eingeblendet. Unter diesen Voraussetzungen von einem unabhängigen gebührenfinanzierten Fernsehen zu sprechen, ist absurd. Entweder ganz oder gar nicht. Die Jagd der ÖR nach Quoten hat in einem gebührenfinanzierten System nichts zu suchen und ist nur möglich, da die ÖR in der Realität werbefinanziert sind, genau wie die privaten auch.

    Deshalb: Ich zahle gerne für gebotene, anspruchsvolle, TV/Radio-Kost. Dass die ÖR dieses momentan nur in Spartenkanälen bieten ist unschön, aber tolerierbar. Dass der Grund darin in der Jagd nach Quoten besteht, ist hingegen nicht tolerierbar, genausowenig wie die pauschale Abgabe basierend auf einer theoretischen Nutzung und die Finanzierung durch Werbung.

  67. 69
    Nobilitatis says:

    @Oliver:
    Sie haben Recht. Aber 2 Argumente:
    — Der Umfang der Werbefinanzierung im ö-r Rundfunk ist (prozentual) gering.
    — Können Sie sich den Aufschrei der Gebührengegner vorstellen, wenn die Haushaltsbezogene Abgabe eingeführt wird? Die wollen nämlich nicht Gerechtigkeit, sondern ihr Geld behalten.

  68. 70
    andreas says:

    „Später am Abend, wenn bei der Konkurrenz nicht mehr so viel läuft, ist es leichter, einen hohen Marktanteil zu erzielen“

    bei der konkurrenz läuft auch spät abends genauso viel wie tagsüber. man kann einfach nicht mehr oder weniger versenden, als derzeit möglich.

  69. 71
    Twipsy says:

    „Alle paar Jahre ver­öf­fent­licht die »Die Zeit« einen gro­ßen, wuch­ti­gen Arti­kel, in dem der Unter­gang des guten öffentlich-rechtlichen Fern­se­hens beklagt wird.“

    Ja ist denn heut scho Weihnachten?
    http://www.zeit.de/video/2013–05/2400669946001/tv-was-sich-im-oeffentlich-rechtlichen-fernsehen-aendern-muss

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] April 28, 2009 Wie schon getwittert möchte ich den seltsam dummen und unpassenden ZEIT-Titel diese Woche aufgreifen. Überschrift und Artikel an sich — ich finde dass der Titel an den Haaren herbeigezogen ist. Dumm titelt gut, so nach dem Motto (so ähnlich wie über deren Negativ-Titel über das öffentlich-rechtliche Fernsehen). […]

  2. […] Übrigens auch beruhigend zu wissen, dass die bei der Zeit auch mal Quatsch machen. Mehr dazu hier und vor allem hier. […]

  3. […] ZEIT-Bashing gerade angesagt zu sein scheint, hier mein diesbezüglicher […]

  4. […] eine Berichtigung ihrer kleinen und größeren Fehler aus ihrem Dossier über ARD und ZDF hat die „Zeit” […]

  5. […] und Stefan Willeke) Die Zeit-Titelgeschichte über ARD und ZDF ist nun online. Mit dabei, trotz Kritik unkorrigiert: Rüdiger […]

  6. […] Stefan Niggemeier: Alle paar Jahre veröffentlicht die „Die Zeit” einen großen, wuchtigen Artikel, in dem der Unte.… […]

  7. […] 2. “Warum ist ‘Die Zeit’ nicht besser?” (stefan​-niggemeier​.de) Stefan Niggemeier analysiert die Zeit-Titelgeschichte über Fernsehen und fragt sich, warum sie trotz umfangreichem Reiseetat nicht besser ist. Einen “Rüdiger Schawinski” gebe es nämlich keinen und dass erst seit den 80er-Jahren über die Quote geredet wird, stimme auch nicht. […]

  8. […] Warum ist “Die Zeit” nicht besser? Alle paar Jahre veröffentlicht die „Die Zeit” einen großen, wuchtigen Artikel, in dem der Untergang des guten öffentlich-rechtlichen Fernsehens beklagt wird. Im Grunde reicht es, einen davon zu kennen […]

Comments are closed.