Ein Anschlag auf Diekmanns Kindersitze?

23 Mai 07
23. Mai 2007

Ich habe eine Frage, was den Brandanschlag auf das Auto von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann angeht.

dpa berichtete gestern mehrmals unter der Überschrift „Familienauto mit Kinderwagen und Kindersitzen verbrannt“. AP meldete: „In dem Mercedes-Kombi befanden sich drei Kindersitze und ein Kinderwagen.“ Der Sprecher des Axel-Springer-Verlages erklärte: „Es handelt sich um den Privatwagen von Herrn Diekmann mit drei Kindersitzen, nicht um eine Dienstlimousine.“ Diekmann selbst sagte: „Das war kein Luxusauto, sondern ein Familienkombi.“

Was ich nicht verstehe: Welche Relevanz haben diese Kindersitze?

Als Detailschilderung in einer Reportage würde ich es verstehen; auch als Mittel, den Leser dazu zu bringen, den Menschen hinter dem Amt des „Bild“-Chefredakteurs zu sehen. Aber in nachrichtlichen Agenturmeldungen? Oder als fast einzige Aussage des Arbeitgebers des Opfers zum Thema überhaupt? Wäre der Inhalt des Autos auch so prominent erwähnt worden, wenn es sich um eine Gitarre, eine Tauchausrüstung, die Gesamtausgabe des Brockhaus gehandelt hätte? Schon klar, die Kindersitze sind nur ein Symbol, aber wären Anschläge gegen kinderlose oder gar kindersitzlose Menschen weniger zu verurteilen?

Und welchen Unterschied macht es, dass das Auto Diekmanns Privatwagen war? Wäre es weniger schlimm gewesen, seinen Dienstwagen anzuzünden? Reicht es nicht, dass das Fahrzeug unmittelbar vor seinem Haus stand, um keine Zweifel daran zu lassen, dass der Anschlag im bedrohlichsten Sinne persönlich gemeint war?

Der Chefredakteur des „Hamburger Abendblatts“ ließ seinen Kommentar zum Thema in dem Satz gipfeln: „Brennende Kindersitze in Privatautos kann und will ich mir als Teil der politischen Auseinandersetzung bei uns nicht vorstellen.“

Ja, Himmel, aber brennende Angelausrüstungen in Dienstwagen von Singles doch hoffentlich auch nicht!

56 Gedanken
  1. 1
    Mil says:

    Du weisst die Antwort ja selbst: Die Kindersitze tun gar nichts zur Sache, sie emotionalisieren nur noch zusätzlich den Leser und sollten die Tat noch unverständlicher und abscheulicher machen.
    Ich weiss nur noch nicht, ob das zum Rüstzeug eines Journalisten gehört oder ob man das eher anprangern soll. ;)

  2. 2
    corax says:

    Wenn ich mir die Fotos so anschaue, wars eh eher ein Löschwasser(schaum)-schaden als das Feuer, zumindest für die Kindersitze. Hätt die Feuerwehr um die Brisanz derer gewusst, hätte sie sie vor dem Löscheinsatz vermutlich noch unbeschädigt geborgen.

    http://blog.pantoffelpunk.de/archives/1082

    MfG

  3. 3
    Felix Kern says:

    Haargenau mein Gedanke bei den Meldungen zum Thema. Billige zusätzliche Emotionalisierung mit Fakten, die keinerlei Relevanz haben. Zusätzlich deswegen blödsinnig, weil sie wie geschrieben ja vom eigentlich bedenklichen an der Tat ablenken.

  4. 4
    Peter Krause says:

    Ich bin sicher, der geneigte Leser wird morgen in der „Bild“ darüber informiert werden, wieviele Kindersitze sich in der Neu-Ulmer Filiale der METRO Group befanden, als diese einem Brand-Anschlag zum Opfer fiel.
    Vielleicht in Form einer Schlagzeile:
    Die geheimen Lagerprotokolle: 20.000 Windeln verbrannt!

    Nebenbei: Kann man eigentlich auch freiwillig Körpergeruchsproben abgeben, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen?

  5. 5
    fu says:

    well put, herr niggemeier. ich hoffe, die g8-demonstranten lernen daraus und nehmen alle brav wickeltücher, kraxen und kinderwägen mit zur demo.

  6. 6
    mspro says:

    „Bahnunglück: es wurden hunderte zerstörte Sitze geborgen. Menschen kamen auch ums Leben…“

  7. 7
    Alexander says:

    Hmmm. Dass das eine bewusste Emotionalisierung ist, ist ja völlig klar; bleibt die Frage, ob sie wirklich nur so absurd wie oben beschrieben ist. Ganz ehrlich — wenn ich auf so physische Weise bedroht würde, würde ich das womöglich auch versuchen. „Ausgebrannter Dienstwagen“ klingt nach reinem Sachschaden, den die Firma ersetzt; das lässt sich je nach Treffsicherheit des Geschmacks durch „Bonzenauto“ steigern und trifft ja nur die Funktion „Bild-Chef“, zu steigern mit dem Wort „Repräsentant“. Gegen diese Rädchen-im-Getriebe-Sprache, die einen solchen Angriff erleichtert, ist die Erwähnung von Kindersitzen eine überraschende Rüttelschwelle.

    (Warum die Kindersitze dann in der weiteren Berichterstattung eine solche Relevanz bekommen haben, ist kein so großes Mysterium: Sie stammen nun einmal aus der extrem kurzen Äußerung Diekmanns. Hätte er gesagt, ob er jetzt Angst um seine Familie hat, wäre das die Schlagzeile gewesen.)

  8. 8
    Sven Wallmann says:

    Strafgesetzbuch [StGB] Achtundzwanzigster Abschnitt. Gemeingefährliche Straftaten

    § 306 Brandstiftung

    (1) Wer fremde

    1. Gebäude oder Hütten,

    2. Betriebsstätten oder technische Einrichtungen, namentlich Maschinen,

    3. Warenlager oder -vorräte,

    4. Kraftfahrzeuge, Schienen-, Luft- oder Wasserfahrzeuge,

    5. Wälder, Heiden oder Moore oder

    6. land-, ernährungs- oder forstwirtschaftliche Anlagen oder Erzeugnisse

    in Brand setzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft.

    (2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

  9. 9
    Stefan says:

    @Alexander: Ich weiß nicht, ob sich das wirklich durch Diekmanns Zitat allein erklären lässt, vor allem kommen die Kindersitze nicht direkt von ihm, sondern dem Pressesprecher.

    Und selbst wenn, finde ich es erstaunlich, dass Agenturen so leicht zu beeinflussen und zur Emotionalisierung zu bringen sind. Schon um 10.19 gibt es eine dpa-Meldung mit dem Titel: „Familienauto mit Kinderwagen und Kindersitzen verbrannt.“ 10.55, dpa: „Brandanschlag auf Familienauto von «Bild»-Chefredakteur in Hamburg“. Familienauto?

    (Und findest Du die Formulierung im Abendblatt-Kommentar nicht absurd?)

  10. 10
    Alexander says:

    Ich habe gerade keinen Agenturzugang, aber wenn ich mich richtig erinnere, tauchten die Kindersitze erstmals in einem Zitat Diekmanns auf; ein ganz kurzes Statement von zwei Sätzen. Die oben zitierte Äußerung des Springer-Sprechers mit den „drei Kindersitzen“ kam, wenn ich mich nicht täusche, später; ursprünglich äußerte sich der Verlag gar nicht. (Das alles aber unter Vorbehalt.)

    Ja, die Kommentar-Formulierung klingt so für sich absurd, und ja, Nachrichtenagenturen sind mitunter leicht zu beeinflussen; Privatwagen wäre das emotionslosere Wort gewesen.

  11. 11
    Stefan says:

    (Sorry, so detailliert wollte ich den Ablauf jetzt gar nicht erforschen, so wichtig ist es ja auch nicht, ich war nur verblüfft über die Allgegenwart dieser Kindersitze in den Berichten und Meldungen, und der „Abendblatt“-Kommentar gab mir dann den Rest.)

  12. 12
    Martin says:

    War aber völlig klar, daß die Kindersitze so in den Vordergrund gerückt wurden – ich hätte allerdings erwartet, daß erst BILD die Kindersitze, bzw. den Kinderwagen thematisiert.

    Ist halt so – „Erdbeben in XYZ, mehr als 1.000 Tote befürchtet!“ macht sich eben erheblich besser als „Erdbeben in XYZ, bisher 3 bestätigte Tote!“

  13. 13
    Marc says:

    Vorsicht, der Eintrag ist eine Falle. Alle die hier kommentieren werden mit dem Bundestrojaner als Staatsfeine und Terrorsympathisanten ausgespäht und nachher hausdurchsucht, weil sie nach Diekmann gegoogelt haben.

  14. 14
    Chat Atkins says:

    Faktisch wurde ein Brandbeschleuniger auf dem linken Hinterrad plaziert und angesteckt. Das zerstörte diesen Reifen noch nicht einmal, weil der Brand ratzfatz gelöscht wurde. Irgendwoher aber muss die Empörung kommen – ‚ein wenig Lack verkokelt‘ genügt da nicht. Also nimmt der Journalist von Welt die Kindersitze. Schade eigentlich, dass der Diekmann nicht noch einen kleinen Plüsch-Knut hinter der Windschutzscheibe bammeln hatte, das hätte die Flammen der Empörung richtig lodern lassen …

  15. 15
    Erik says:

    Natürlich wurden die Kindersitze dazu benutzt das Thema zu emotionalisieren, duh! Man muss nur mal darauf achten, wie in Audiospuren in Radio und Fernsehen das Wort „Kinder“ betont wird, es heisst dann „Kihinder“ (zweites „i“ fast stumm). Alle Wortkombinationen die „Kind“ oder „Kinder“ enthalten werden fast ausschliesslich dazu benutzt, Gängelungen der Erwachsenen zu rechtfertigen: „Aber es ist doch wegen der Kihinder …“

    @Marc: War auch mein erster Gedanke. ;-)

  16. 16
    Torsten says:

    Stefan: Viel spannender fand ich, wie spät und unausführlich bild.de davon berichtete.

    Da ihr ja BILD sehr sorgfältig lest, könnt ihr mir das vielleicht beantworten: Kam der Anschlag in der Print-Ausgabe überhaupt vor? Wie war es im Vergleich bei dern anderen Brandanschlägen in Hamburg?

  17. 17
    Falk says:

    Die Meinung von Lesern lässt sich sowohl durch Weglassen als auch durch Darstellen ausgewählter Informationen beeinflussen und manipulieren. So wie ich mir manche Meldungen in Mainstreammedien anschaue, wo man dann erst über mehrere Ecken bestimmte Hintergründe erfährt, plädiere ich eindeutig dafür, möglichst viele Informationen darzubieten. Der Leser kann sich sein eigenes Urteil bilden.

  18. 18
    Norbert says:

    Wäre noch schöner gewesen (als Überschrift): Familienauto mit Kinderwagen, Kindersitzen und Volksbibel verbrannt

  19. 19
    Stefan says:

    @Chat Atkins: Ich finde, die Tatsache, dass jemand einen sochen Anschlag durchführt, insbesondere unmittelbar vor dem eigenen Haus, müsste reichen, genug Empörung zu produzieren. Nicht nur, weil jemand, der Autos anzündet, ja immer auch in Kauf nehmen muss, dass Menschen zu schaden kommen. Und Deine Formulierung „ein wenig Lack verkokelt“ wird dem Sachverhalt wirklich nicht gerecht.

    @Torsten: In der überregionalen Ausgabe berichtete „Bild“ relativ sachlich und nicht sehr groß auf Seite 2. Was in der Hamburger Ausgabe stand, weiß ich leider nicht.

  20. 20
    Alexander says:

    In der Hamburger Ausgabe war es weitaus weniger prominent als bei Hamburger Morgenpost und Abendblatt — kleiner Hinweis auf der Titelseite, längerer Artikel auf Seite 2.

  21. 21
    Ingo says:

    Ich will wieder Qualität statt Quantität. Die Beiträge hier rufen bei mir in letzter Zeit nur noch ein Gähnen hervor.

  22. 22
    Torsten says:

    Danke für die Antworten.

  23. 23
    marko says:

    @Torsten+Stefan: In Hamburg stand es auf der ersten Seite, aber auch dort eher klein. Den genauen Wortlaut kann ich nicht liefern, da ich das nur im vorbeigehen sah.

    @Nordert: Hatte K.D. nicht auch eine Deutschlandfahne dabei? Ein Anschlag auf uns alle?

  24. 24
    Sebas says:

    Go, Ingo! Go!

  25. 25
    Stefan says:

    @Ingo: Das ist doch mal eine Krtitik, mit der ich etwas anfangen kann.

  26. 26
    Stefan says:

    @Sebas: Du hast gerade 138 Zeichen verschenkt.

  27. 27
    SvenR says:

    Ich bin bass erstaunt über deutsche „leitmedien“-Chefredakteure:

    Der Erste lässt Blogs betreiben (erst mal nicht so schlimm), weiß aber nicht so wirklich was das ist und ist, als dass was in einem Blog nun mal passieren muss, auch noch dagegen.

    Der Zweite fährt mit Trstwagen rum (erst mal nicht so schlimm), vergisst dann wohl zu Tanken (wenn ich ihn richtig verstanden habe) und schreibt dann einen realitätsfreien „Aufsatz“, den er auch noch ungekürzt veröffentlich sehen will.

    Des Dritten Hab und Gut fällt einem Brandanschlag zum Opfer (das finde ich richtig schlimm), und das Einzige, was ihm dazu einfällt, sind Kindersitze, Kinderwagen und die Betonung, dass es sich um einen Privatwagen-Familienkombi handelt.

    Hey, wenn man dafür offensichtlich gar nichts können muss, wieso bin ich dann kein Chefredakteur eines Leitmediums geworden? Was verdient man da eigentlich so? Wo kann man sich bewerben?

    Mir tut schon der Nacken vom Kopfschütteln weh.

  28. 28
    Osiris says:

    Ich bin froh, dass nicht nur mir diese überflüssige Kindersitz-Berichterstattung aufgefallen ist. Die Sache mit dem Knut – was wäre erst gewesen, wenn Herr Dickmann eine Knutpuppe im Auto gehabt hätte – hatte ja schon jemand anderes erwähnt.

  29. 29
    Sven Wallmann says:

    Gutes Feuer, schlechtes Feuer?
    Brandstiftung ist kriminell. Brandstifter sind Kriminelle.
    Ist die Brandstiftung weniger schlimm, wenn das Auto einem ungeliebten Kollegen gehört?
    Ist sie weniger schlimm, wenn der Inhaber des Autos, erwähnt, es sei ein Familienauto mit Kindersitzen?
    Wie groß wäre die Empörung und die Solidarität der Kollegen, wenn Neo-Nazis gezielt Autos von taz-Redakteuren anzünden würden?
    Gibt es bei einigen klammheimliche Freude, dass es den „Richtigen“ getroffen habe, „faschistoide“ Tendenzen bei erklärten Anti-Faschisten?

  30. 30
    Günter Wallraff (Trau mich nich) says:

    So. Ich mache mich jetzt auch mal zum Selbsteintragsdeppen in die Terrordatei, (muss ich mir eben eine neue virtuelle Identität ausdenken):

    Wenn sich Herr Schäuble hinsetzt (hihi…) und behauptet, dass politisch motivierte Brandanschläge im letzten Jahr zugenommen haben, muss man sich nicht wundern, wenn sich der eine oder andere Mensch, der sich für politisch bedeutsam hält, auf diese Weise ein neues Auto von seiner Vandalismusversicherung ergaunern will. Wie gut, dass aber K. Dieckmann nicht politisch bedeutsam ist, sonst müsste man ihn glatt mit dieser Sache in Verbindung bringen. Irgendwie muss doch diese G8 Sache zum eskalieren zu bringen sein! Blöd, wenn dann wirklich ein paar Linke zu zündeln anfangen würden.

    Warum es nicht in der Bild ausgeschlachtet wurde? Naja, sie wissen es halt doch, wenn man nicht darüber berichtet, gibt es nicht so viele Trittbrettfahrer und Nachahmer. Schade, dass sie das in ihrer Zeitung nur beim eigenen Eigentum berücksichtigen. Wäre ja auch doof beim neuen Auto…

    Und die alte Geschichte: „…forderte mehrere Todesopfer, darunter auch Frauen und Kinder…“ läßt uns Männern eben unsere eigene Wertschätzung in der Gesellschaft erfahren. Jedes Unglück wäre nur halb so schlimm, würde es nur uns unlebenswertes Untermenschenvolk erwischen. Ich warte auch auf die Formulierung in den Nachrichten: „…forderte mehrere Todesopfer, zum Glück nur Männer…“

    Und zu guter letzt: die Kindersitze konnten halt noch identifiziert werden. Latexklamotten, Drogentütchen, Kampfhundehaare, Escortservicevisitenkarten – das wäre ja auch alles gründlich und schnell verbrannt – wobei mir natürlich fernliegt, so etwas zu unterstellen, wie auch nur irgendetwas von dem vorher geschriebenen verstanden zu haben oder in irgendwelche Zusammenhänge gebracht zu haben, kommen Sie nicht hierher, wer sind Sie, ich kenn Sie nicht, Telefonstreich, Telefonstreich…

  31. 31
    Ommelbommel says:

    @Sven Wallmann: Erklärst du mir bitte, wo du hier liest, dass jemand glaubt, der Brandanschlag habe „den Richtigen“ getroffen? Ich konnte hier noch keinen Kommentar und auch keine Passage im Beitrag selbst finden, der das suggeriert.
    Es geht hier doch gerade darum, dass man einen Brandanschlag eigentlich nicht groß (und auf blödsinnige Art und Weise) emotionalisiert aufbereiten müsste, damit er für Empörung sorgt.

  32. 32
    Torsten Dewi says:

    Diekmann versucht sich als „harmloser Familienvater, der einem Anschlag gefährlicher Freizeit-Terroristen entgangen ist“ zu stilisieren. Und die Nachrichten-Agenturen plappern die paar Krümel nach, die ihnen hingeworfen werden. Jede Andeutung einer Kausalkette oder gar (schockschwerenot) Notwehr einer öffentlichkeitslosen Minderheit muss vermieden werden. Es geht um „die“ gegen „uns“, um „Chaoten“ gegen „brave Bürger“. Wie 68. Bevor man mich falsch versteht: Gewalt ist nicht akzeptabel, von den ersten Kaufhausbränden damals bis zu Diekmanns Kindersitzen. Und die Tatsache, dass es Diekmann trifft, entschuldet die Täter in keinster Weise. Aber so wie sich Diekmann durch seinen schmierigen und durchsichtigen Kampagnen-Journalismus aus der zivilen Debatte ausgeklinkt hat, so haben es die Gegner nun auch getan. Quid pro quo, und wie man es in den Wald ruft…

  33. 33
    Ommelbommel says:

    @Günter Wallraff: Das war einer der verwirrendsten Kommentare, die ich seit langem gelesen habe.

  34. 34
    Chat Atkins says:

    @19 stefan: Vielleicht bin ich ja seelisch komplett verroht und verhärtet, aber mein Mitleid mit jemandem, der laut Aussage deutscher Richter „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer sucht“, dieses Mitleid hält sich nun mal in Grenzen.

  35. 35
    SvenR says:

    @ Nr. 35 (Chat Atkins):

    Mein Mitleid über die Brandstiftung hält sich auch in Grenzen (aus vielen anderen Gründen habe ich aber auch sonst noch genug Mitleid mit Diekmann), zumal glücklicherweise nur ein Sachschaden entstanden ist. Und um dem Sachschaden wird auch noch ein Bohei gemacht („denkt denn keiner an die Kihindersitze?“).

    Nichtsdestotrotz hätte ich mich gefreut, wenn Sie im gleichen Atemzug gesagt hätten, dass man so was nicht macht. Grundsätzlich. Selbst bei Diekmann.

  36. 36
    Ommelbommel says:

    Ich habe das ja als eine Kritik an der Berichterstattung gelesen, eben weil dadurch eine grundsätzliche Empörung eher schlecht rübergebracht wird.
    Dazu nochmal die letzten Absätze:

    „Wäre es weniger schlimm gewesen, seinen Dienstwagen anzuzünden? Reicht es nicht, dass das Fahrzeug unmittelbar vor seinem Haus stand, um keine Zweifel daran zu lassen, dass der Anschlag im bedrohlichsten Sinne persönlich gemeint war?

    Der Chefredakteur des “Hamburger Abendblatts” ließ seinen Kommentar zum Thema in dem Satz gipfeln: “Brennende Kindersitze in Privatautos kann und will ich mir als Teil der politischen Auseinandersetzung bei uns nicht vorstellen.”

    Ja, Himmel, aber brennende Angelausrüstungen in Dienstwagen von Singles doch hoffentlich auch nicht!“

  37. 37
    SvenR says:

    Ommelbommel, meinen Sie mich? Nein, oder?

  38. 38
    Chat Atkins says:

    Sven R., ich mache es für dich dann mal explizit: Brandanschläge sind pfui, das macht man nicht. Man steckt keine Autos an. Auch dann nicht, wenn gar keine Menschen drin sitzen. Okay?

    Ich wüsste andererseits nicht, wo und wann ich solche pubertären Abfackeleien jemals gut geheißen hätte. In meinen Augen waren das vermutlich moralbesoffene Jugendliche oder junge Erwachsene, die noch glauben, sie hätten allen Ethos allein gepachtet und dürften sich die Prärie-Gesetze selber geben. Es sollte mich wundern, wenn’s anders wäre.

    Jedoch muss man ‚die Kirche im Dorf lassen‘, um mal den Schröder zu zitieren. Das war – wenn man sich den Schaden nüchtern betrachtet – überhaupt keine ‚vollendete‘ sondern bestenfalls eine ‚versuchte Brandstiftung‘ – mit einem guten Anwalt an der Seite, versteht sich. Die ‚Welt online‘ aber eröffnet mit der Headline ‚Brandanschlag auf Kai Diekmann‘ (s. taz v. gestern), als hätten die Brandstifter dem Bild-Chef persönlich den Anzug mit Kerosin getränkt. Da frage ich mich dann schon, ob solche Journalisten noch alle Tassen im Schrank haben.

    Für meine Person, um auch das nicht zu vergessen, würde ich eine Strafsteuer auf Bobo-Traktoren in Höhe von ein paar Tausend Euro im Jahr für viel sinnvoller als Brandsätze halten. Denn diese City-Schützenpanzer sind eine Pest, vor allem für die Atmosphäre. Einschleichend beginnend vielleicht ab 130 g Kohlendioxid Ausstoß je Kilometer, um dann die Schraube kräftig anzuziehen. Damit ließe sich das Klima wirksam schonen – und der Diekmann wäre auf dieser Welt auch mal zu etwas gut.

  39. 39
    SvenR says:

    Vielen Dank, aber das müssen Sie für mich gar nicht machen. Und schon gar nicht im Nachhinein. Ich gebe Ihnen und Ihrer Bewertung doch grundsätzlich recht. Ich habe auch nicht geschrieben, dass Sie ein Berfürworter von Brandanschlägen sind, oder? Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, wenn Sie Ihr

    Vielleicht bin ich ja seelisch komplett verroht und verhärtet, aber mein Mitleid mit jemandem, der laut Aussage deutscher Richter „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer sucht“, dieses Mitleid hält sich nun mal in Grenzen.

    um ein z. B. „Und trotzdem zündet man keine Autos an!“ ergänzt hätten.

    Aber: Das Leben ist kein Wunschkonzert – Sie müssen meine Wünsche doch nicht erfüllen. Wo kämen wir denn da hin – da könnte ja jeder kommen.

    Alles klar?

  40. 40
    Kurt says:

    Halt, halt, es war kein Anschlag!
    Die Titanic hat da mal etwas weiter recherchiert (Startbild auf der Homepage):

    http://www.titanic-magazin.de/home.html

    Einen Textvorschlag für die „Post von Wagner“ haben sie gleich mitgeliefert.

  41. 41
    Sven Wallmann says:

    Die Brandanschläge auf Autos in Hamburg in den letzten Monaten richten sich gezielt gegen die Besitzer, denen eine falsche Einstellung zur Globalisierung unterstellt wird. Eine versuchte Brandstiftung wäre es, wenn jemandem das Zündholz ausgeht, bevor das Auto Feuer fängt. Was hier geschah ist eindeutig Brandstiftung. Ob da Kindersitze beschädigt worden oder nicht, ob das Auto teuer war oder nicht.

  42. 42
    Stefan says:

    @8 Sven

    rechtlich gesehen war das anzünden des BILD-CHEF-Tippsen-Fahrzeugs aber keine Brandstiftung, sondern nur eine Sachbeschädigung. Der Täter konnte davon ausgehen, dass sich im fahrzeug keine personen befinden und auch durch die brandlegung fast niemand gefährdet wurde. und ob die tat politisch war, ist ja auch nicht bewiesen oder wurde ein bekennerschreiben gefunden?
    vielleicht waren es nur paar kidz, die langeweile hatten und zufällig sein auto genommen haben.

  43. 43
    G says:

    @42
    Was ist denn eine „falsche Einstellung zur Globalisierung“? Und was hat Herr Diekmann für eine Einstellung? Und überhaupt…was ist Bildblogkommentare?

    Ich glaube, ich verstehe Herrn Niggemeier langsam, dass er manchmal keine Kommentare mag.

  44. 44
    Sven Wallmann says:

    So viel ist sicher: Es ist Brandstiftung nach § 306 StGB. Wäre es lediglich Sachbeschädigung nach § 303 StGB, wäre im Normalfall ein Strafantrag des Geschädigten erforderlich, damit die Staatsanwaltschaft sich damit befasst. Es gibt nicht nur die „normale“ Brandstiftung, sondern auch schwere Brandstiftung nach § 306 a StGB, besonders schwere Brandstiftung nach § 306 b StGB und Brandstiftung mit Todesfolge nach § 307 c [10 Todesopfer im Flüchtlingsheim von Lübeck 1996 , 3 Todesopfer beim Brandanschlag in Mölln 1992 und 5 Todesopfer beim Brandanschlag in Solingen 1993].
    Auch Brandstiftung aus Langeweile bleibt Brandstiftung. Brandstiftung ist auch unabhängig von der Größe des Autos und seinem Besitzer.

  45. 45
    timsen says:

    @Sven Wallmann:
    Krieg Dich mal wieder ein. Was willst Du mit der Erwähnung von Lübeck, Mölln und Solingen bezwecken?

  46. 46
    SvenR says:

    Ist diese Disskussion nicht ein bischen kleingeistig?

    Man zündet keine Autos an, egal ob als Sachbeschädiger, Brandstifter oder Kreuzritter. Egal aus welchem Grund, ob persönlicher Hass, Sozialneid, Umweltschutzgründen oder weil man ein Bild-Opfer ist. Auch nicht das von Diekmann. Punkt.

    Und wenn einem das Auto angezündet wird, fabuliert man nicht, dass eine R-Klasse ein „“Familienauto“ sei, oder dass das „ein Brandanschlag auf Kai Diekmann“ gewesen sein könnte. Ob nun ein “Familienauto mit Kinderwagen und Kindersitzen verbrannt” oder nur die „Angelausrüstungen in Dienstwagen von Singles“ beschädigt wurde ist egal.

    So einfach ist meine Sicht auf die Dinge.

  47. 47
    medienblogger says:

    In den Agenturen wird eben gefeatured. Eine schreckliche Unsitte nebenbei bemerkt.

  48. 48
    PS says:

    Als ob es darauf ankäme, wie man die Karre Nennt.
    Ein 50.00 Euro-Auto ist nunmal kein Familienwagen, sondern eine Bonzenschleuder.
    Punkt.
    Fertig.
    Aus!

    PS: Autos Anzünden ist nichtsdestotrotz Scheiße!
    Rene Demokratische Methoden müsse immer Möglich sein, auch wenn man mit den aktuellen Beständen Probleme hat…

  49. 49
    rrho says:

    Weil Kinder niedlicher leiden.

  50. 50
    Ben-99 says:

    … den Spieß einmal umzudrehen, so wie es Stefan mit der köstlichen Aktion [i]“Fotografiert Kai Diekmann!“[/i]gemacht hat, fand ich gut. Und erlaubt sollten auch gezielte Falschmeldungen wie die angeblich mißglückte „Penisverlängerung“ (taz) und andere wunderbar geschmacklose satirische Angriffe gegen Bild-Häuptling Schmalzlocke sein. Schließlich zeigt er ja jeden Tag, wie man unbescholtene Bürger an den Pranger stellt, ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und daß einem hierzulande juristisch nicht viel passiert, wenn ein Chefredakteur alle paar Wochen Hetz-Kampagnen nicht nur gegen unliebsame Politiker startet, sondern auch auf Menschen eintritt und sie noch bespuckt, wenn diese längst am Boden liegen und – wie im Fall al-Masri – aus Folter-Opfern sogar „Terroristen“ macht. Schäbiger als Kai Diekmann kann man sich als verantwortlicher Chefredakteur der meistgelesenen Zeitung in Deutschland nicht mehr verhalten.

    Aber genau deshalb hatte ich mich vorgestern geärgert, als ich die ersten Meldungen über den Brandanschlag auf sein Auto las. Denn für jemand, der gerade ein Buch über die angeblich so „bösen“ 68er veröffentlicht, die seiner Meinung nach auch heute noch für alles Schlimme in der Welt verantwortlich sind, kommt so ein Anschlag doch gerade recht. Und mir geht es einfach gegen den Strich, daß sich ein erbärmlicher Heuchler wie Diekmann dadurch nun auch selbst als „Opfer“ aufspielen kann.

    Das macht er natürlich nicht selbst, zumal er auf die kollegiale Hilfe anderer Springer-Chefredakteure vertrauen kann. Das gilt leider auch für Menso Heyl vom „Hamburger Abendblatt“, der in seinem Kommentar, den er sich lieber hätte verkneifen sollen, unbedingt noch mal die „Kindersitze“ betonen mußte, worauf es mir erneut hochkam. Denn gerade der Mann macht sonst seit Jahren eine verdammt gute Regional-Zeitung und kümmert sich meist kaum um die üblichen berüchtigten Springer-„Richtlinien“, wenn es zum Beispiel um die (eigentlich verbotene) Kritik an den USA und Israel geht. Aber auch bei lokalen Themen, wenn es darum geht, schwachen Bürgern im Kampf gegen die Willkür der Behörden aus der Patsche zu helfen, zeigen seine Reporter Mut und kuschen nicht vor der Obrigkeit, wie man es inzwischen von vielen anderen Blättern gewohnt ist.

    „Klammheimliche Freude“ sollten wir uns daher verkneifen – auch wenn es diesmal besonders schwer fällt. Denn man sieht ja, was bei diesem bekloppten Brandanschlag herausgekommen ist: Ein rechtslastiger, gemeingefährlicher Schreibtisch-Täter wie Diekmann darf sich jetzt als bedauernswertes Opfer fühlen, und ein ansonsten untadeliger Chefredakteur einer der besten deutschen Regionalzeitungen hat sich zu einem dümmlichen Kommentar hinreißen lassen, was die Leser des „Hamburger Abendblatts“ gerade von ihm sonst nicht gewohnt sind.

    Oder verkürzt und in der für „Bild“-Leser gewohnten Stammtisch-Gossensprache ausgedrückt: Den dummen Jungs, die auf die bescheuerte Idee gekommen sind, durch den idiotischen nächtlichen Brandanschlag auf ein parkendes Auto am Hamburger Innocentiapark im vornehmen Stadtteil Harvestehude ausgerechnet einen der übelsten politischen Täter zu einem bedauernswerten Opfer zu machen, würde ich am liebsten eigenhändig den Arsch versohlen.

    Gruß Ben-99

  51. 51
    Shahirrim says:

    Ein Verdächtiger laut taz: Stefan Niggemeier ;).

    Mit ironischen Unterton, so wie man die taz ja kennt!

    http://www.taz.de/dx/2007/05/23/a0131.1/text.ges,1

  52. 52
    pewe says:

    Die Kindersitze hatten jedenfalls zur Folge, daß der Wagen etwas länger brannte.

    *Kicher*

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] einen Brandanschlag, der, wie auf welt.de erst Stunden später bekannt wurde, seinem Auto galt. Besondere Aufmerksamkeit kam dabei drei Kindersitzen und einem Kinderwagen zuteil, die zusammen mit einem Teil des Wagens, […]

  2. […] wie Diekmann mal so herumbehauptete – via), so geschah das nicht nur, um mehr Mitleid zu erzeugen, weil also Kinder niedlicher leiden, sondern auch, um zu zeigen, der Anschlag habe nicht Springer als Institution und Unternehmen […]

  3. […] Niggemeier untersucht in seinem Blog in dem Beitrag “Ein Anschlag auf Diekmanns Kindersitze?” die merkwürdige Betonung in einigen Agenturmeldungen über den Brandanschlag auf das Auto […]

  4. […] Ein Anschlag auf Diekmanns Kindersitze? « Stefan Niggemeier […]

Einen Kommentar hinterlassen

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *