Blinde sorgen sich um Zukunft der Farbe

Auf Einladung des Deutschlandfunks diskutierte heute abend ein so genanntes „Medienquartett“ die Frage: „Verändern Leserreporter und Blogger den Journalismus?“ Es ist eine Sendung, die sich aufzuheben lohnt [mp3]. Schon um in ein paar Jahren, falls „der Journalismus“ tot aufgefunden werden sollte, belegen zu können, dass es sich nicht um Mord handelte, sondern um Selbstmord.

Das Gespräch begann (leicht gekürzt) so:

Moderator: Tissy Bruns vom „Tagesspiegel“ in Berlin, gibt es bei Ihnen auch Bürgerjournalismus?

Bruns: Es gibt ihn in Form von Teilnahme an Blogs. Es gibt in der Online-Abteilung des „Tagesspiegel“ Blogs, an denen sich natürlich nicht nur Redakteure beteiligen können.

Moderator: Warum? Haben die Journalisten nicht genügend zusammengebracht an interessanten Stoffen?

Bruns: Naja, das ist ja der Teil, der online läuft, also nicht in der gedruckten Zeitung selber erscheint.

Man muss Frau Bruns dankbar sein, dass sie einem gleich am Anfang eines solchen Gesprächs keine Illusionen lässt, dass sie für das Thema qualifiziert sein könnte. Offenkundig kennt sie die „Tagesspiegel“-Blogs nicht. Sie weiß nicht, dass sämtliche „Tagesspiegel“-Blogs von professionellen Journalisten geschrieben werden, überwiegend von „Tagesspiegel“-Redakteuren. Es gibt keinen Bürgerjournalismus in der „Online-Abteilung“ des „Tagesspiegel“.

Und zur Ahnungslosigkeit kommt Arroganz. Die gedruckte Zeitung ist das, worauf es ankommt. Online kann man natürlich allen möglichen Unsinn ausprobieren, scheint sie zu sagen, solange wir einen Damm haben, der unsere „gedruckte Zeitung“ vor irgendwelchen Ausflüssen schützt.

Moderator: Gibt es bei Ihnen denn auch Blogs zum Thema Doping beispielsweise?

Bruns: Ich hab jetzt heute leider nicht danach geguckt. (…) Ich würde mal auf Verdacht sagen: Ja. Weil die Erfahrung ist, immer wenn Themen dieser Art hochkommen in der Öffentlichkeit, also zum Beispiel Berliner Themen über Kindesmisshandlung, über die Frage, ob McDonald’s in Kreuzberg das erste Geschäft aufmachen darf, dann ist die [unverständlich] aus unserem Leser-Publikum besonders hoch. Insofern sag ich ungeschützt mal, es wird auch beim Doping-Thema besonders hoch sein.

Leider hat Frau Bruns nicht nur heute nicht danach geguckt, sondern auch gestern nicht, sonst hätte sie natürlich den Blog-Eintrag zum Thema gesehen. Insofern sag ich ungeschützt mal, Frau Bruns hat die „Tagesspiegel“-Blogs in ihrem ganzen Leben noch nicht besucht. Muss sie natürlich auch nicht, sie schreibt ja für die „gedruckte Zeitung“, und Blogs sind ja nur online. Und was die Erregung des Leser-Publikums mit der Frage zu tun hat, ob es einen entsprechenden Blog-Eintrag zum Thema gibt, bleibt völlig offen, es sei denn, man verwechselt „Blogs“ mit „Leser-Foren“ (die es aber beim „Tagesspiegel“ auch nicht gibt), mit Bürgerjournalismus (den es aber beim „Tagesspiegel“ auch nicht gibt) oder mit Kommentaren unter Artikeln (na also).

Als nächstes wurde Manfred Bissinger, Ex-Chefredakteur der Zeitschriften „Konkret“, „Natur“ und „Merian“, gefragt, ob die von ihm herausgebene und gegründete frühere Zeitung „Die Woche“ heute bei Blogs ganz vorne dabei wäre.

Bissinger: Damals [zu Lebzeiten der „Woche“] gab es das Internet auch schon und Internetauftritte, natürlich hat die „Woche“ auch da mitreagiert, aber wir haben keine Blogs gemacht, wir waren eigentlich mit unseren Leserbriefen zufrieden, das hat uns gereicht, und die Zeitung war nicht so auf Exhibitionismus angelegt wie Leserreporter, die auf Exhibitionismus angelegt sind.

Gut, Herr Bissinger hat offenbar gedacht, was Frau Bruns kann, kann ich schon lange, und sich noch schneller und noch weiter ins Aus geschossen. Leserreporter sind auf Exhibitionismus angelegt? Vielleicht meint er Voyeurismus, und hätte so pauschal trotzdem Unrecht. Wirklich entlarvend ist aber die Formulierung, „das hat uns gereicht“. Den „Woche“-Machern hat es es gereicht, ein paar Leserbriefe abzudrucken. Ob es den „Woche“-Lesern reichte? Who cares?

Bissinger: Bei der Schwierigkeit, in der sich Printmedien befinden, glaube ich nicht, dass es eine Lösung ist, dass man über Leserreporter oder Blogs versucht, da rauszukommen, weil: Das beschädigt die Glaubwürdigkeit noch mehr, die so Produkte haben. Und ich glaube, dass nur Kundenprodukte überleben können, wenn sie eine hohe Glaubwürdigkeit haben und wenn das Publikum das Gefühl hat, da bekomme ich etwas vorgesetzt, das nachgedacht, recherchiert, genau erörtert ist und da wird nicht nicht so was hingerotzt. Und Blogs sind ja eine Aneinanderreihung von persönlichen Befindlichkeiten von Leuten, die eigentlich für den Journalismus oder für die Öffentlichkeit keine wirkliche Bedeutung haben.

Da dies ein Blog ist, könnte ich nun natürlich ganz beleidigt sein. Aber ich sage das mal ganz ungeschützt: Herr Bissinger kennt dieses Blog so wenig wie irgendein anderes. Bissinger hat weder nachgedacht, noch recherchiert, noch etwas genau erörtert. Er hat, vermutlich aus persönlicher Befindlichkeit, irgendwelchen Unsinn in die Öffentlichkeit gerotzt. Und trotzdem wären die meisten Blogger, die ich kenne, beleidigt, wenn man sie mit Manfred Bissinger vergliche.

Ich habe danach ausgemacht. Ich habe es nicht mehr ertragen zuzuhören, wie Leute meines Berufsstandes, die sich für klug, professionell und vor allem sehr überlegen halten, ihre Ahnungslosigkeit und Untauglichkeit öffentlich so stolz zur Schau stellen.

Nachtrag, 29. Mai: Tissy Bruns antwortet auf meine Kritk.

81 Replies to “Blinde sorgen sich um Zukunft der Farbe”

  1. Es ist teilweise schwer zu verstehen, aber ich sag mal so ungeschützt: Ja. (Hör’s Dir doch einfach an. Bissinger ist ca. Minute 4.)

  2. Du siehst das falsch. Chefredakteure von Qualitätsmedien leben heute von Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen. Und wenn die Redaktionen der Chefs nur Geschichte sind, muss man erst recht im Gespräch bleiben.

  3. Warum hast du ausgemacht? Du hast deshalb leider verapasst, wie wieder einmal behauptet wurde, mit 450 Lesern im Monat würde man in die Top 100 Liste der Blogs kommen.

  4. @10: Genau das ist mir auch aufgefallen (grad gebloggt, siehe Trackback).

    Ist bei 35:10 auf der mp3 ;)

    Der Übeltäter ist ausgerechnet Siegfried Weischenberg…

  5. […] Stefan Niggemeier schreibt in seinem Blog über eine Radiosendung mit Vertretern der Printmedien. U.a. zitiert er Manfred Bissinger, Ex-Chefredakteur der Zeitschriften “Konkret”, “Natur” und “Merian”, der sagte: Damals [zu Lebzeiten der “Woche”] gab es das Internet auch schon und Internetauftritte, natürlich hat die “Woche” auch da mitreagiert, aber wir haben keine Blogs gemacht, wir waren eigentlich mit unseren Leserbriefen zufrieden, das hat uns gereicht, und die Zeitung war nicht so auf Exhibitionismus angelegt wie Leserreporter, die auf Exhibitionismus angelegt sind. […]

  6. Nun ja, ich habe von Tissy Bruhns eigentlich immer eine gute Meinung gehabt (auch wenn ich den „Tagesspiegel“ nicht mag), aber diesen Stuss hätte sie besser für sich behalten und sich stattdessen besser (oder überhaupt) auf diese seltsame Sendung vorbereiten sollen.

  7. Du hast zwar nach ein paar Minuten abgeschaltet, trotzdem danke, dass du so lange durchgehalten und es hier veröffentlich hast. Habe mich sehr darüber amüsiert – und ich denke, ich hätte davon niemals erfahren, wenn es keine Blogs gebe. In Zeitungen findet man sowas geiles jedenfalls wohl eher nicht.

  8. Wieso wird sich eigentlich immer so darüber aufgeregt, wenn Journalisten nicht wissen, was Blogs sind und sich fälschlich über sie äußern?

    1.) Die beiden aus diesem Interview sind doch offenbar alte Leute, die wahrscheinlich ihre Artikel noch handschriftlich einreichen. Warum sollten die auf einmal im Internet rumhacken und rumnerden? Wenn ich 60 wäre, und auf ein mehr oder weniger erfolgreiches Offline-Presseleben zurückblicken könnte, hätte ich da wohl auch herzlich wenig Lust drauf. Ich finde eigentlich Skepsis gegenüber Neuem nicht unsympathisch.

    2.) Wenn Blogs tatsächlich die Revolution und Offenbarung sind, warum ist es dann relevant, was alte Journalisten darüber brabbeln? Müsste man nicht über sowas drüber stehen? Nach dem Motto: Die Blogosphäre in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

  9. @17: Es wird sich darüber aufgeregt, weil es eigentlich der Job eines Journalisten ist, sich über Sachverhalte, die er nicht kennt zu informieren und dann korrekte Informationen zu veröffentlichen. Dir würde sicher keine Zeitung gefallen, die auf Hörensagen basiert.
    Und dann bleibt einem ja immer noch die Möglichkeit, wenn so ein Thema aufkommt, zu sagen, darüber habe ich mich noch nicht informiert und kann daher keine qualifizierten Aussagen dazu treffen. Sowas zeugt dann meiner Meinung nach von Größe, wenn man zugeben kann, dass man von einem Thema keine Ahnung hat und sich deshalb nicht dazu äußert

  10. Ich habe um 2000 mal beim Tagesspiegel gearbeitet und es dort genau 11 Monate lang ausgehalten. Der schlimmste Satz, den ich da um die Ohren bekam, war immer: „Wir müssen unbedingt Chatforen machen“. Worauf ich immer fragte, ob denn nun ein Chat oder Foren gemeint seien. Die stereotype Antwort meines Vorgesetzten, dessen Namen ich leider hier aus vertraglichen Gründen nicht nennen darf, war: „Na, Chatforen!!“

  11. Saugut! Ich würde aber, als indirekt davon Betroffener, das Wort „Suizid“ bevorzugen:

    …Der verbreitete Begriff Selbstmord trifft den Sachverhalt nicht, die Assoziation zum Verbrechen („Mord“) gilt als ungerechtfertigt…

  12. *seufz*

    Danke für die Bewertung. Der Verhältnis der Alten Medien zu den Neuen Medien ist und bleibt gespannt. Dafür gibt es auch ganz zauberhafte deskriptive Erklärungen: Medienwandel braucht Zeit. Und je sind ebenfalls Tatsachen, dass a) ältere Menschen eher unflexibler werden und b) Entscheider großer einrichtungen wie Zeitungen ältere Menschen sind.
    Dazu kommt ein zweiter Punkt: das Netz funtkioniert vom Konzept her grundlegend anders als Print. Print ist Fire an Forget. Schreiben veröffentlichen, Geld einnehmen. So denken Printjournalisten, Printmarketingler und PrintBWLer. Solche Denke bringt aber Internettotgeburten hervor.
    Und zum Schluß: schaut man sich so an, wie eine Journalistenausbildung verläuft und was für Journalisten einen „erfolgreichen Journalisten“ ausmacht, wird endgültig klar, warum Online so einen schlechten Ruf hat.

    Und wie gesagt: das alles ist keine Entschuldigung oder Rechtfertigung sondern eine Erklärung, eine Beschreibung der Umstände.

    Das zu ändern ist unglaublich hart und anstrengend, weil die Beteiligten einfach zu wenig Zeit im Netz und mit dem Netz verbringen. Was aber zu einer interessanten Einsicht führt: für uns ist das Netz ein paradiesischer Ort. Nirgendwo bin ich lieber, und er ist DIE Kulturtechnik der Zukunft, vielleicht sogar schon der Gegenwart. Aber er ist NICHT einfach zu verstehen. Im Gegenteil. Es braucht einige intensive Beschäftigung, um ein vollwertiger, kompetenter Netzbürger zu werden. Das müssen wir ändern. Ich will es änder. Das Netz muss einfacher werden.

    (Am Rende: gestern fragte mich wer, ob er FDP-Zugangsdaten zum Server haben kann.)

  13. Na ja, hier quasselt alte Schule, die sich per Selbstverständnis berufen fühlt, Ist- und Soll-Zustand der Branche zu kommentieren. Bei Bissinger tut’s mir leid – ich war Fan der „Woche“. Man darf natürlich süffisant einwerfen: Vielleicht war es genau das Problem der Woche, dass das online offerierte Minimum der Redaktion gereicht hat?!

    Chatforen. Das gefällt mir.

  14. In letzter Zeit habe ich den kritischeren und gründlicheren Journalismus eher in Blogs gefunden als in den klassischen Medien.

  15. @21. Am Schreiben, Veröffentlichen, Geld einnehmen hat sich doch für Journalisten nichts geändert. Ich schreibe fast nur noch für Online und lebe genau mit diesem Rhythmus. Ich hatte mal das Vergnügen, anno 2004 anlässlich der Verleihung einer dieser Journalistenpreise beim Gala-Dinner am Tisch mit Herrn Bissinger zu sitzen. Da wurde nur über Blogs diskutiert und ich hatte den Eindruck, dass Bissinger als Jury-Vorsitzender zwar zuhörte, aber einfach nicht verstehen wollte, was Blogs sind.

  16. Jeder, der schon mal eine Webseite für eine Zeitung/Magazin gemacht hat, kennt dieses Gefühl.

    Da sitzen Journalisten die dem Netz Arrogant und Ahnungslos gegenüberstehen.

    Forum, Chat, Blog, Wiki, Leserbriefe, dass ist für viele irgendwie ein einziges großes Ding. Sie streiten lieber darüber, ob ein Menüpunkt News oder Nachrichten heissen soll.

    Die Redaktionen, mit denen ich als Webfuzzi bislang zu tun hatte, hatten irgendwie Angst vor dem ganzen Internetding. Das war ihnen zu offen, sie hatten das Gefühl, dass ihnen jeder auf den Schreibtisch schauen kann. Ausserdem hatten sie eine vollkommen andere „Geschwindigkeit“.
    In Blogs kann man ausprobieren, rumspielen, einfach loslegen, alles ist sofort da und auch wieder weg, dass macht ihnen Angst, das geht zu schnell, dort greift Niemand ein und ein solcher Kontrollverlust ist mit vielen nicht machbar.

    Leider.

  17. Guckt Euch doch den Tagesspiegel an, dieses Schnarchblatt. Vergleichbar mit der „Abendschau“, ein Stück übrig gebliebenes, piefiges West-Berlin.

  18. Naja, der klassische Zeitungsjournalismus wird nicht aussterben, nur weil es Blogs gibt. Gerade weil die Zahl der Blogs von Tag zu Tag steigt und die Qualität von peinlicher Hobby-Seite bis zu aufwendig recherchierten und gar einflussreichen Politik- und Medien-Blogs reicht, wird es aber eine wichtige Aufgabe von Journalisten werden, Blogs vorzustellen, zu bewerten, Themen aus den Blogs aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Wenn das mal gelingt, was nebenbei auch positiverweise die Agenturabhängigkeit klassischer Medien verringern könnte, wäre allen Seiten geholfen. Eine Art Perlentaucher für Blogs wäre schön bei Spiegel Online, und Tageszeitungen könnten es so machen wie der Guardian: statt Kommentare anderer Zeitungen zu einem aktuellen Thema zitiert man da neuerdings Blogs. Das wäre schonmal ein guter Anfang. Aber dafür sind sie meisten Redakteure hierzulande wohl noch zu eingebildet.

  19. Das ist ja schlimm was ich da höre.

    Die haben ja teilweise, meiner Meinung nach, gar keine Ahnung was gerade passiert.
    Wie alt sind die denn? Älter als 70 Jahre?
    Sind das Menschen, die sich das Internet ausdrucken lassen?

    Schlimm.

  20. professionell oder unprofessionell oder nicht professionell ~ kategorien einer zeit mit züchtig gezogenen linien.
    bissinger in seinem ton kommt mir vor, wie ein starrköpfiger oberkellner aus einer anderen zeit, der seine ehemals erworbenen kenntnisse im grand hotel tous jour bis in alle ewigkeit hin verteidigt und sich seine abgekauten floskeln von seinen treuen, stets hofierten[ihn hofierenden]gästen allabendlich bestätigen läßt.
    profis seiner coleur trifft man in allen berufen, sie wissen immer alles besser, obwohl sie im grunde von nichts eine ahnung haben.

  21. […] des Journalismus trifft und darüber diskutiert, wie die Zukunft des Journalismus aussehen könnte, kommt so was raus. Generation Web 0.0, keine echte Überraschung zwar, aber trotzdem: Man sollte sich solche echten […]

  22. @Spider Jerusalem: Also ich habe ihre Texte ja bissiger in Erinnerung ;) Schöner Nickname, aber der verpflichtet meiner Meinung nach auch. Also ein bisschen an Ausdruck und Grammatik arbeiten bitte. Klingt klugscheißerisch, ich aber nur aus Liebe zu wunderschönen Comics.

  23. Weiß eigentlich irgendjemand, was sich vor vielen, vielen Zeitaltern abspielte, als der „Bürgerjournalismus“ in Form des Bürgerfunks seine erste Totgeburt erlebte? Oder sind die Erfahrungen, die man damals gemacht hat, vielleicht der Grund für die heutigen Reaktionen der Alteingesessenen?

  24. und so etwas findet ohne hilfe und beistand von sabine christiansen statt,
    unglaublich.

    wenigstens sind frau bruns und herr bissinger auf augenhöhe mit dem herrn bundesminister des inneren; obwohl der wahrscheinlich davon ausgeht, daß das internet von einem holzvergaser im keller des MIT angetrieben wird.

  25. Ich dachte ja in der Vergangenheit, sie können auch anders. man ist ja Optimist. Aber jetzt wird mir immer klar: Arroganz ist das letzte Zeichen, das ein Imperium untergeht.

  26. Die journaillistische Qualität vor allem der selbsterannten Qualitätsmedien ist in den letzten Jahren zunehmen so wenig erbaulich geworden (insb wenns um politische Äquidistanz geht!) dass Blogger und Leserreporter nicht wirklich recht viel mehr kaputt machen können.

    Im deutschsprachigen Raum ist die Blogosphäre gegenüber dem internationalen Vergleich wohl noch ein Fliegenexkrement, aber traditionelle (Print)medien werden in Zukunft wohl nicht nur mit den Mitbewerbern in der eigenen Branche um die Gunst des Lesern rittern müssen. Viele Leser haben es zunehmend satt die Kopien von der staatlichen Presseagentur zu lesen (=journalistische Copy&Paste-Qualität von heute in etlichen Tageszeitungen).

    Abseits davon, ‚Medienquartett‘ klingt ein bißchen nach abgegriffenem Kartenspiel, nicht?

    MfG, Unterneuntupfing Aktuell

  27. das sind ja nicht nur die zwei unwissenden.. solche leute sind mal von regierenden im ganzen land auf schlüsselpositionen verteilt worden um umfangreich wahrheit zu vertuschen. die quittung bekommen wir doch jeden tag zu spüren z.b. kindersendungen werden jetzt nicht mehr alle 30min mit werbung gespickt sonder aller 20min. „der deutschen wirtschaft“ für viele kleine unwissende verbraucher die täglich in der schule 3-4 fehlstunden haben um optimiert in die welt da draussen zu gehen. irgendwann werden wir in unserer verotteten wellblechhütte am rande der stadt mal von unseren kindern gefragt – warum habt ihr das zugelassen das menschen so unwürdig leben müssen? es gab doch mal bessere zeiten musste es soweit kommen?

  28. @43; Ich bin immer wieder erstaunt, welche Sachlagen sich alles als Ausgangspunkt für wirre, pessimistische Kommentare eignen.

  29. Meine Erfahrung ist leider, daß viele die sich selbst für hochprofessionelle Journalisten halten, nicht nur über Blogs so kenntnisfrei reden, sondern über sehr sehr viele Themen.

    Was für eine Scheisse oft in Magazinen, Reportagen, Artikeln zusammengestümpert wird, merkt man aber leider immer nur dann, wenn man sich selbst mit einem Thema wirklich gut auskennt.

    Ein Großteil der Medienberichterstattung zu den Themen Medienwirkungsforschung (vulgo:Killerspiele, Horrorfilme), Jugendschutz, Pornographie, Internetsicherheit, Chatportale, Raubkopien u.v.a. ist derart grauenhaft recherchiert und aufbereitet, strotzt derart von völlig haltlosen Vorurteilen, daß man einem bei all den Themen von denen man keine Ahnung hat, Angst und Bange wird, welche Lügen sie einem da wohl unterschmuhlen…

  30. Nachtrag:

    Die Tissy redet wirklich ein unglaubliches Gedöns.
    Blogger und Leserreporter sind dafür verantwortlich, daß sich die Doper, Betrüger, korrupten Politiker noch weiter ins Dunkel zurückziehen. Yeah right.

    Und wenn in einer Diskussionsrunde ein Vertreter des ZDF noch als Stimme der Vernunft und Rationalität dasteht, muß einem wirklich mulmig werden.

  31. „Was für eine Scheisse oft in Magazinen, Reportagen, Artikeln zusammengestümpert wird, merkt man aber leider immer nur dann, wenn man sich selbst mit einem Thema wirklich gut auskennt.“( Batz)

    Genauso ist es …leider . Man glaubt blauäugig all den achso gut recherchierten Dokumentationen , bis es das eigene Fachgebiet trifft und dann wird man plötzlich hellhörig !! Nur gut , dass es immer mehr werden , die nicht mehr widerstandlos alles schlucken , was ihnen vorgesetzt wird ( die gibt es tatsächlich , auch ausserhalb des Internets )

  32. […] Ups. Dabei hatte ich uns gerade so gelobt. Aber man kann eben nicht immer alles richtig machen. […]

  33. Irgendwie kommt es mir so vor, als hätte sich seit dieser Diskussion vor einem halben Jahr herzlich wenig, Verzeihung, rein gar nichts bewegt.

    Muss das frustrierend sein, wenn man On- und Offline kennt…

  34. Schon komisch, dass sich ie Printmedien eine gewisse Verlässlichkeit zusprechen (selber, natürlich) aber trotzdem solche Lustigen Fehler machen, wie es mit den Monaten und Tagen geschehen ist.
    Eine excellente PR für die Printmedien.

  35. Je größer der Wust an sog. ‚Informationen‘ ist, umso größer ist die Notwendigkeit der Sichtung, Bewertung, Filterung, Strukturierung, Orientierung, ja auch Kommentierung.
    DAS wäre aus meiner Sicht Aufgabe des professionellen Journalisten, und so hätten die ‚langsamen‘ Print-Medien auch eine Chance gegen die schnellen Internet-Publikationen anzustinken. – Die ‚News‘ der Zeitung hab ich schon am Vortag gelesen, aber die kluge Zuordnung ‚ins Ganze‘, die intelligente Kommentierung – so wie sie z.B. hier in dieser Publikation geschieht, da hätten auch old-school Journalisten eine Aufgabe.
    … das man all‘ die neuen termini blog, chat, forum etc. nicht kennt und verwechselt, wäre verzeihlich.. dafür hätte ein kluger Moderator einschreiten können.
    … gruselig wird’s, wenn Menschen mit dieser Meinung (ohne Ahnung) auch noch Entscheider sind… aber auch das ist keine neue Erkenntnis.

    Für die Statistik: auch ich war ein eifriger Woche Leser & Käufer. ;)

  36. @Stefan: Bruhns sprach bei den Tagesspiegel-Blogs aber nur von „Beteiligung“ von Nichtredakteuren. Das könnten auch schon die Kommentare sein. Man muß schließlich nicht gleich selbst ein Blog betreiben, um Teil des schönen neuen Web 2.0 zu werden.

  37. Den verängstigten Journalisten, den allzu satten Wortbeamten, denen zu Bloggern nichts anderes einfällt, als sie als Gelegenheitsrülpser zu diffamieren, weil einige von diesen ihnen in Zukunft vielleicht die Butter auf dem Brot dünnkratzen könnten, kann ich nur raten, sich ein wenig mehr von ihren Beschreibungsobjekten zu entfernen, damit es sich wieder lohnt, eine Zeitung zu kaufen.

    Unkritischen Hofjournalismus gibt es viel zu viel, und es ist wünschenswert, daß der ebenso verschwindet wie die phantasiefreien Marketingstrategen ihrer selbst oder ihrer Verlage und deren Werbungssponsoren, die uns mit ungrammatischer Hülsenkost zupflastern.

    Wenn der klassische Journalismus sich nicht wandelt, wird er langfristig verschwinden. Im Augenblick aber gibt es noch nicht genug professionelle journalistische Blogs, um den traditionsreichen Medienzirkus ernsthaft zu gefährden.

  38. Lieber Kollege Niggemeier,

    nach Lektüre Ihrer Kritik am letzten Medienquartett und der folgenden Kommentare zu „Blinde…“ ist mir noch etwas klarer geworden, warum die FAS vor zwei oder drei Wochen danach gefragt hat, warum die Blogger in der öffentlichen Debatte noch immer nicht die Rolle spielen, die sie selbst und andere sich davon erwartet haben.

    Ich kritisiere seit ewig und drei Tagen die Selbstbezogenheit meiner eigenen Berufsgruppe öffentlich – die Blogger-Szene steht uns in dieser Hinsicht leider in nichts nach, im Gegenteil. Die Unkenntnis, die Sie mir oder Herrn Bissinger aus zwei gekürzten Passagen nachweisen, um dann die Sendung abzuschalten, ist schon von einer seltsamen Selbstverliebtheit und einem Hochmut, der weder dem Anspruch noch der Wirkung der Blogger entspricht. Herr Floto hat mich nach Leserreportern und Blogs gefragt, und ich habe so geantwortet, wie durchschnittliche Leute diese Begriffe verstehen. Ist Ihnen nicht bewusst, dass „Blogs“ in strenger Definition keineswegs landläufig bekannt sind? Die meisten Leute verstehen darunter immer noch, dass es sich um Schreiber im Internet handelt; im Verhältnis zu Zeitungen eben alle, die sich Online zu Zeitungsinhalten äußern.

    Selbstverständlich kenne ich die Tagesspiegel-Blogs, die der Kollegen Wergin und Fetscher schätze ich zum Beispiel sehr. Weil ich sie kenne, weiß ich auch, dass ich sie nicht täglich lesen muss. Es lohnt sich nämlich nicht immer und das ist keine Kritik an den Kollegen, sondern eine einfache Feststellung. Täglich lese ich allerdings das Online-Echo auf die Zeitung. Und ich gestehe: Mit gemischten Gefühlen.

    Ich staune, dass die mediale Avantgarde so empfindlich ist, dass sie nicht einmal 45 Minuten kritische Debatte über sich selbst aushält, dafür aber umso kräftiger austeilt. Ob das ein Gewinn für den Journalismus ist, wenn ausgeteilt wird wie im Boxverein, es beim Einstecken aber zugeht wie im Mädchenpensionat ? Da glaube ich doch lieber an die Blogger, die wirklich in die öffentliche Debatte eingreifen und empfehle, nur zum Beispiel, den Artikel über die rumänischen Blogger in der FAZ vom 28. Mai 2007.

    Mit kollegialen Grüßen
    Tissy Bruns

  39. Ich habe nicht abgeschaltet und mir mit wachsender Verwunderung die Debatte über die „Laien“ angehört, von denen sonst nur die katholische Kirche mit solcher Penetranz spricht. Und ich finde, Journalisten, die an derartigen Veranstaltungen teilnehmen, stünde es gut an, sich vorher weniger oberflächlich über das zu informieren, was sie zum Gegenstand ihrer Diskussion machen.

  40. Eine Diskussion, die von Unwissenheit (der altbekannte Leserzahlenfehler!) geprägt ist, als „kritische Debatte “ zu bezeichnen, dazu gehört schon Chuzpe.

  41. […] “Blogs sind ja eine Aneinanderreihung von persönlichen Befindlichkeiten von Leuten, die eigentlich für den Journalismus oder für die Öffentlichkeit keine wirkliche Bedeutung haben.” (Manfred Bissinger, vielfacher ehemaliger Chefredakteur, im Deutschlandfunk, Mai 2007, [Quelle (mp3), gefunden bei Stefan Niggemeier) […]

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