Programmhinweis (27)

04 Mrz 09
4. März 2009

Die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische Bildung beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk — und ich durfte das Eröffnungs-Essay dazu beitragen:

Selbstbewusst anders sein

Es ist nicht so, dass es den öffentlich-rechtlichen Fernsehveranstaltern in Deutschland an Profil mangelte. Die ARD zum Beispiel ist der deutsche Seifenopern-Sender. Sie zeigt mehr Daily Soaps als jeder andere, vier verschiedene an jedem Werktag, und sie wiederholt sie teilweise auch häufiger als jeder andere: Ein eingefleischter „Sturm der Liebe“-Fan kann die aktuelle Folge dank der Ausstrahlung in den Dritten Programmen elf mal täglich sehen. Das ZDF profiliert sich als Schaulustigen-Kanal. Die freien Reporter, die ihr Geld damit verdienen, als erste an jedem Unfallort zu sein und Blut- und Ölspuren, Wiederbelebungsversuche und den Abtransport der Leichen zu filmen, haben in den Magazinen „Drehscheibe“ und „Hallo Deutschland“ ihre besten Abnehmer.

Das ist natürlich nichts alles. Das ZDF ist auch der Kanal, in dem Verona Pooth und Dieter Bohlen regelmäßig Auskunft über ihre Leben geben, das Erste ist Deutschlands Quizsender Nummer eins und die erste Adresse für Freunde der volkstümlichen Musik, beide sorgen zusammen mit den Dritten Programmen in ungezählten Zoo-Doku-Soaps dafür, dass kein niedliches Tier in einem deutschen Zoo betäubt, gekrault, gewaschen oder gewogen wird, ohne dass ein Millionenpublikum am Bildschirm dabei sein kann, und mit ihren Freitags- und Sonntags-Fernsehfilmen dominieren sie die Süßstoffproduktion in Deutschland.

(…)

50 Gedanken
  1. 1
    Marc says:

    Ohne das komplette Heft und den Rest des Essays gelesen zu haben — zeichnet sich da womöglich ein politischer Trend gegen die öffentlich-rechtlichen und damit gegen den antiquitierten Rundfunkstaatsvertrag ab?

  2. 2
    Stefan says:

    Ohne die Frage komplett gelesen zu haben -

  3. 3
    kohli2703 says:

    Die Idee, bei ARD und ZDF auf Werbung zu verzichten ist mir sehr sympathisch. Wenn es ein Differenzierungsmerkmal zu den Privaten geben kann, dann das. 

    Ich kann auch nicht verstehen, wieso Formate wie beispielsweise „tracks“ auf ARTE nicht mit ins Nachtprogramm übernommen werden. Warum gibt es kein Tennis mehr im öffentlich-rechtlichen, stattdessen wird jetzt auch noch Skeleton mit in den samstäglichen Live-Wintersport-Marathon aufgenommen. Wenigstens wurden dieses Jahr mal die Conference-Finals der NFL gezeigt.

  4. 4
    misc says:

    Täusche ich mich, oder gab es im ZDF mit „Streit um Drei“ die erste Gerichtssendung, noch vor Salesch&Co.? Damals noch mit „Erläuterungen“ zum juristischen Sachverhalt, also eben Bildungsfernsehen? Das Niveau der kommerziellen Sender war trotz immer skurriler werdender Fälle nicht zu erreichen, daher musste man die Waffen strecken. Also kein Beispiel für den Nachahmungseifer der ÖR. Ansonsten: Zustimmung. Es klingt so einfach. Warum ist es so schwer?

  5. 5
    viewer says:

    Großartiges Essay. Die beiden am Ende genannten Beispiele für Qualität, die ZDF-Krimiserie „Kriminaldauerdienst“ und die ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“, stehen geradezu exemplarisch für Ihre These: beide Serien sind von der Quote her eher schwach gelaufen, wurden aber beide mehrfach ausgezeichnet (Grimme-Preis, Deutscher Fernsehpreis, und viele andere). Diese Serien werden immer wieder in der Diskussion genannt. Und ich finde, noch ein paar mehr von diesem Kaliber könnten den beiden Sendern nicht schaden.

    Die Öffentlich Rechtlichen sollten sich mal ein Beispiel an der britischen BBC nehmen: da entstehen jedes Jahr hervorragend gemachte Programme und qualitativ hochwertige Serien, wie sie bei uns wohl noch nicht vorstellbar sind. „Little Britain“, „Extras“ oder „Life begins“ um mal nur einige wenige zu nennen. Gerade jetzt, wo die Deutsche Serie bei den Privatsendern so in der Krise ist, sollten ARD und ZDF neue und innovative Formate wagen, anstatt die 15. SOKO, Telenovela oder Landarzt-Serie nach Schema F zu produzieren!

  6. 6
    martina wiebitte says:

    Ja das hab ich kommen sehen: In Potsdam, wo ich lebe gibt es keinen Zoo.Aber jede Menge Schlösser und Gärten. Wie wäre es, wenn künftig,eine Art Bildungsfernsehen gibt.Nach dem Motto:

    Schlösser-Gärten-Burgen-Denkmäler

    statt Affe,Pand und Co. 

    Nicht gut? Nun ja! Wollte mich nur sinnvoll einbringen

  7. 7
    Nashwin says:

    Kleine Anmerkung zu KDD.

    Der Grund für den Misserfolg der Serie liegt meines Erachtens am Titel. Der klingt nämlich — vor allem in Verbindung mit ÖR-Fernsehen — nach purer Langeweile.

    Hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber mich hat der Titel der Serie immer zum Wegschalten animiert. Und so habe ich wohl ein kleines TV-Highlight verpasst.

  8. 8
    ca-fi says:

    @nashwin
    das mit der abschreckenden wirkung des titels unterschreibe ich sofort! ohne stefans behertzte werbung (pünktlich zum start der zweiiten staffel, glaube ich) wäre das definitiv komplett an mir vorbei gegangen. und es wäre wirklich schade drum gewesen.
    (das verpassen muss übrigens nicht endgültig sein — zumindest zum start der zweiten staffel hatten sie nochmal die komplette erste staffel in die mediathek gestellt. wenn sie das zum start der dritten staffel wieder machen, könntest du also nachholen…)

  9. 9
    SB says:

    Sehr guter Essay, der das Problem (und die Lösung) auf den Punkt trifft und außerdem erklärt, warum es wichtig ist in einer Demokratie, solche Einrichtungen zu erhalten.
    Ich weiß nicht wie oft ich mich schon gefragt habe, weshalb die besten Sendungen immer so spät kommen. Wenn die ÖR alles was sie von 23 Uhr bis 2 Uhr senden, von 20 Uhr bis 23 Uhr zeigen würden, wären sie schon ein großes Stück weiter…

  10. 10
    Fernsehkritiker says:

    Mensch, Stefan, dann sei mal froh, dass du nicht beim NDR arbeitest — sonst wärst du jetzt deinen Job los! :)

  11. 11
    Schreiberling says:

    Leute, Leute…
    das klingt immer so einfach. „Die sollen besser sein, sofort!“ Aber hat es sich jemals gelohnt? Nein. KDD sehen eher wenige. Türkisch.. lief wirklich schlimm. Der sehr gelungene Dreiteiler „Die Wölfe“ war bestenfalls Mittelmaß. Die Reihe „Die Deutschen“ verlor in dem Augenblick, als RTL sonntags ne schmierige Dokusoap zeigte. Die RTL II-News haben bei den 14–29jährigen mehr Zuschauer als die Tagesschau. Arte und 3sat sieht sich auch kaum einer freiwillig an, obwohl jeder weiß, dass dort der Himmel für all die Qualitätsforderer sein muss.
    Problem ist nicht, dass die ÖR so schlecht seien (sie sind aber auch nicht wirklich gut), sondern dass der Zuschauer Goethe fordert und Bohlen einschaltet.
    Es liegt jetzt voll in unserer Hand. Wir müssen mehr arte und 3sat schauen, so dass die Macher im Ersten und Zweiten dieses sehen und selbst besser werden.
    Aber das wird nicht passieren, weil die Masse verlogen ist. Sie will nicht mehr Anspruch, sondern erfolgreichere Unterhaltung, um diese postwendend in frage zu stellen. Sie fordert einen unmöglichen Spagat aus RTL-Unterhaltung und arte-Anspruch. Und schaltet dann doch nur wieder zu dem, der am größten in der Bild wirbt.

    @3: Tracks wird von einem Dritten, dem ZDF und Arte F produziert, das kann man nicht ebenmal ins Nachtprogramm des Ersten (oder Zweiten) übernehmen.

    @7 KDD läuft ab der kommenden Woche feitags bei arte.

  12. 12
    Bender says:

    @11:
    Dieses Argument begegnet einem ja öfter mal (meistens noch in Verbindung mit einer völlig falschen Verwendung des Begriffs „schizophren“). Ich kann mir dabei immer nicht vorstellen, dass DER Zuschauer „Goethe fordert und Bohlen einschaltet“.
    Kann es nicht viel mehr sein, dass die Masse eben nicht verlogen ist, sondern der größte Teil der Zuschauer Bohlen einschaltet und damit zufrieden ist und ein kleinerer Teil mehr Qualität fordert und auch wirklich lieber 3Sat statt RTL2 schaut?
    Und sollten die ÖRs nicht dafür zuständig sein, auch dieser Minderheit ihr Programm zu liefern? Die Quote sollte dabei ja gerade kein Argument sein. Wenn sie es in dem Maße wäre, wie sie es bei den Privaten ist, hätte man dann gemäß Ihrer Argumentation nicht schon längst versucht, die Tagesschau den RTL2-Nachrichten anzunähern?

  13. 13
    Schreiberling says:

    @12 „Und sollten die ÖRs nicht dafür zuständig sein, auch dieser Minderheit ihr Programm zu liefern? “
    Das machen sie. Mit arte, 3sat, Phoenix und all den Anderen gibt es ein sehr breites Angebot für Minderheiten.
    Aber: Das interessiert keinen. Es gibt Angebote und die werden nicht genutzt. Gleichzeitig wird die mangende Qualität bemängelt. Hauptkritikpunkt kann also nicht die fehlende Qualität sein. Woher kommt die Unzufriedenheit mit dem Ersten und Zweiten? Aus der Unterhaltung. Die Sender bieten in der Unterhaltung, speziell für die U60, wenig.
    Kontrollfrage: Angenommen, das ZDF hätte die Suche nach dem Superstar erfunden. Wäre das jetzt gut, weil das ZDF einen Welterfolg erschaffen hätte, oder schlecht, weil es nicht sehr niveauvoll ist?
    Wer jetzt auf Ersteres tippt, der fordert indirekt Annäherung an die Privaten. Das ist allgemein schlecht. Wer auf Zweiteres tippt, der soll mir mal verraten, wie er sich erfolgreiche Unterhaltung vorstellt, wenn man alle erprobten Gesetze der Sender-Zuschauer-Beziehung nicht beachten darf.
    Ich halte es für schlicht unmöglich, dieses durch und durch mittelmäßige Angebot so zurechtzurücken, dass man sowohl relevant bleibt, aber dennoch nicht „privat“ ist.

  14. 14
    Bender says:

    @13
    Ich weiß, dass die ÖRs mit Arte3satphoenix usw ein qualitatives (was immer das heißen mag) und ausgewogenes Programm liefern. Ich bestreite bloß, dass das keiner guckt. Ich schaue diese Sender recht häufig und DSDS und Konsorten so gut wie nie. Nur leider ist mein Fernsehgerät, so wie ungefähr alle in diesem Land, für die Quote unerheblich.
    Sie haben natürlich Recht: Mangelnde Qualität kann man nicht wirklich bemängeln. Aber man darf die Gewichtung kritisieren, oder? Brauchen wir wirklich so viele Telenovelas und Volksmusiksendungen? Könnte man diese hier von vielen gelobten Sendungen nicht vielleicht zu Zeiten senden wo man sie auch sehen kann?
    Ich glaube nämlich nicht, dass das keiner guckt. Vor allem glaube ich nicht, dass diejenigen, die so etwas fordern es dann nicht gucken.
    …und wenn DSDS vom ZDF erfunden worden wäre, wäre das ein Skandal. Nicht weil es erfolgreich ist, sondern weil die ersten Sendungen auf Bloßstellung und Herabwürdigung offensichtlich unsicherer junger Menschen beruhen. So einfach ist das :-)

  15. 15
    Haco says:

    Hm. Ich finde schon, dass ein Spagat möglich ist. Amiserien wie Lost, Shark, 24, House schaffen das ja auch: Gute, anspruchsvolle & populäre Unterhaltung.
    Abgesehen davon: bei der Popmusik funktioniert das doch auch: alles Relevante, von den Beatles zu Daftpunk war und ist Privat.
    Es geht doch hauptsächlich darum, die richtigen Leute zu finden & zu fördern. Die Öffentlich-Rechtlichen schaffen das anscheinend nicht (mehr).

  16. 16
    andy01q says:

    @1: Letzteres sehe ich eher grad andersrum, in diesem „politischen Trend“, wie du ihn nennst geht es eher darum, dass die Vereinbarungen Seitens der öffentlich rechtlichen (Bildungsauftrag etc.) im klassischen Rundfunkvertrag immer weniger eingehalten werden.
    Also ja, teilweise gegen die öffentlich Rechtlichen aber um präziser zu sein um deren Leiter und deren in jüngster Zeit getroffenen Entscheidungen und nein, nicht gegen, sondern für den Rundfunkstaatsvertrag.

  17. 17
    nona says:

    @#3: Tennis hat seit dem Ende der BeckerGrafStich-Karrieren rapide an Beliebtheit in Deutschland eingebüsst, es lässt sich wegen der Unplanbarkeit von Spielverläufen und -dauern auch schlecht im Programm unterbringen. Skeleton hat an Beliebtheit gewonnen und ist gut planbar. Gezeigt wird was beliebt ist und ins Programm passt. (Die NFL-Übertragungen haben übrigens homöopathische Einschaltquoten, man kann als Football-Freund froh also sein, dass sich sowas in der Nacht verstecken lässt wo es keinem Programmplaner grossartig weh tut.)

    Aber: der Blick nach England wird von Deutschland aus gerne gemacht, leider mit wenig Grund. Auch dort gibt es Unmengen an Trash im Fernsehen, und sehr wohl auch bei der heiligen BBC. Ich finde z.B. „Little Britain“ auch ganz gut zum Schmunzeln, aber keiner meiner englischen Freunde und Kontakte ist besonders gut auf die Serie oder ihre „Qualität“ zu sprechen. Das mag wenig repräsentativ sein, aber ein bisschen schon. Im Vereinten Königreich ist das Fernsehen nicht wirklich besser als hier, es kommt einem nur so vor.

    @#6: Natur-, Kultur-, Geschichts- und Garten-Sendungen zur Erbauung/Beratung/Entspannung gibt es quer durch die ÖR schon wie Sand am Meer.

    @#7: „Kriminaldauerwurst“, ja, der Name hustet. An mir persönlich ist das auch vorbeigegangen, weil es die einfach x-te Krimiserie war. Wer kommt schon auf den Gedanken, dass ausgerechnet *diese* nun plötzlich gut sein soll? Der Eigenwerbung der Sender ist sowieso nicht zu glauben, Rezensionen liest man bestenfalls zufällig, und nur auf Verdacht schaltet man sowas nicht ein (eben weil es die x-te Krimiserie ist).

    @#10: Hallo Elke.

    @#11: Das „Problem“ ist, dass die ÖR breit fächern müssen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Das führt zwangsläufig dazu, dass sie es nie jedem recht machen können. Gleichzeitig müssen sie nicht nur mikroskopisch kleine Sparteninteressen bedienen, sondern auch Masseninteressen. Fussball ist zum Beispiel fraglos extrem beliebt (auch bei mir), aber es gibt durchaus Menschen, die Fussball nicht ausstehen können, nur sind das halt nicht genug um wirklich gehört zu werden. Wenn Masseninteressen überbewertet werden, kann es natürlich auch zu einer Überversorgung kommen. Beim Fussball war das vor einigen Jahren mal der Fall (wer sich erinnert, mit allen europäischen Wettbewerben und Wochenendspielen gab es da einige Zeit praktisch jeden Tag irgendwas live). In der Folge gehen dann irgendwann die Quoten runter, und die Programmgestaltung reguliert sich dann nach. Auch Volksmusik hat dieses Phänomen schon erfahren. Im Moment gibt es für meine Begriffe eine Überversorgung an Boulevard-, Telenovela- und Zoo-Material. Bei den Privaten geht diese Programmregulierung schneller, denn schlechte Quoten sind dort Gift. Bei den ÖR-Molochen und ihrer bürokratischen Selbstgefälligkeit dauert das gemeinhin etwas länger.

    Im Grunde ist das öffentlich-rechtliche Programm insgesamt betrachtet nicht so schlecht wie es gerne empfunden wird. Die als störend empfundenen Eckpunkte ragen halt heraus, und man reibt sich dran. Ich meckere ja auch gerne darüber. Trotzdem bin ich heilfroh, dass es die ÖR und ihre Abdeckung von Sparten und fernsehkommerziell unrentable Programmgestaltung gibt. Sie liefern alles in allem immer noch die Qualität, die das rampenversaute Privatfernsehen nicht liefern will (und kann, weil Quoten-Werbe-finanziert). Wir brauchen dieses duale System, diesen Kontrast zu den Privaten, und zwar dringend. (Weswegen ich es auch nicht ausstehen kann, wenn die ÖR glauben, jeden Schrott der Privaten nachäffen zu müssen.)

  18. 18
    Gabor Holztor says:

    Herr Niggemeier wird es genauer beziffern können: Würde keine Werbung in ARD und ZDF gesendet, könnte man das mit einem bis zwei Euro mehr an Gebühren ausgleichen. Dafür bin ich.

  19. 19
    Schreiberling says:

    @14 „Aber man darf die Gewichtung kritisieren, oder? “
    Selbstverständlich.
    Was mir meist fehlt, sind Vorschläge für Alternativen. Stefan schafft es in seinem Essay, eine sehr schöne und treffende Beschreibung abzugeben. Aber auch dort vermisse ich wirklich greifbare Gegenvorschläge. Es klingt leider alles ein wenig idealistisch angehaucht.
    Und einen Punkt vermisse ich in der Zustandsbeschreibung besonders: Auch die Privaten sind nicht innovativ. Besonders die RTL-Gruppe holt ihre Ideen i.d.R. von den Briten. Siehe diese neue Styling-Show am Vormittag: Die Idee von den Briten und die Moderation vom MDR. Und unseren ÖR wirft man tatsächlich Innovationsfeindlichkeit und Abwerben von Privat-Stars vor.
    Es schlafen also beide Seiten des dualen Systems. Bei den Briten ist es ähnlich. Auch dort sind beide Seiten im selben Zusand. Nur eben wach und innovativ.

  20. 20
    Schreiberling says:

    @17 „@#11: Das „Problem” ist, dass die ÖR breit fächern müssen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Das führt zwangsläufig dazu, dass sie es nie jedem recht machen können.“
    Die Gefahr besteht. Umso mehr fällt die Einfalt dann natürlich auf. Ich finde aber auch, dass die Diskussion am falschen Ende ansetzt. Gleiche Nachmittage im Ersten und Zweiten sind nicht Aktion, sondern Reaktion darauf, dass die Sender nicht miteinander, sonderen gegeneinander arbeiten. Der Teufel liegt also im Aufbau, der vor 40 Jahren angemessen war, heute aber kontraproduktiv wirkt. Käme man mehr oder weniger aus demselben Haus, könnte einer nachmittags das übliche Oma-Schnulzen-Programm machen und der andere z.B. ein Kinderprogramm dagegensetzen. Gleicher Aufwand, aber mehr Vielfalt.

  21. 21
    Andreas says:

    Das ist nicht die aktuelle Ausgabe der APuZ, sonder die der letzten Woche.

  22. 22
    Patrick says:

    Ich bin bei dem Thema sehr nah bei „Schreiberling“.
    Im Grunde gibt es noch einige tolle Sendungen im ÖR, nur leider sind diese oft versteckt, die Vielfalt halte ich insgesamt aber für gegeben. Bei innovativer Unterhaltung gibt es aber deutschlandweit Defizite. Sendungen wie IT Crowd (ÖR!) wären hier mangels Autoren, Redakteuren und Programmplanern, die den Mut aufbringen, undenkbar.

  23. 23
    Cornelius says:

    Also, ich schalte gern ein, bei den öffentlich rechtlichen Anstalten. Jetzt läuft die Tagesschau und 20.15 Uhr freue ich mich auf den zweiten Teil von „Entführt“ (ZDF) mit Heino Ferch. Ein gepflegtes Radeberger dazu, Kippchen, und danach das Heute-Journal … Alles prima. Beine hoch, Telefone auf lautlos und den stressigen Arbeitstag schön entspannt ausklingen lassen — mit einem öffentlich rechtlichen Fernsehveranstalter ;-)

  24. 24
    Ille says:

    @ misc, 4:
    Ja, „Streit um drei“ gab es schon vor Salesch und Hold. In der Tat erläuterte der ZDF-Rechtsexperte, Herr Büser, die zur Debatte stehenden juristischen Sachverhalte … sofern er nicht gerade gegen den Moderator (dessen Name mir entfallen ist) stichelte.
    Dieses Feuerwerk an rituellen Beleidigungen, verbunden mit einem chronisch übellaunigen, hörbar aus dem Rheinland stammenden Richter machten „Streit um drei“ zumindest in der Anfangszeit zu einer absoluten Kultsendung — schade nur, dass die Zuschauer offensichtlich die wiedergekäuten Sex-Delikte in den Sat1-Gerichtsshows bevorzugten.
    Die Ehre, die erste Gerichtsshow im deutschen TV gewesen zu sein, dürfte meines Wissens allerdings dem „Verkehrsgericht“ oder „Ehen vor Gericht“ gebühren. Oder gab es zuvor schon einmal ein solches Format? (Ich könnte jetzt zwar im virtuellen „Fernsehlexikon“ nachschlagen, bin aber föhnbedingt zu faul dafür und verabschiede mich jetzt in einen Schuldfähigkeit ausschließenden Bewusstseinszustand.)

  25. 25
    Stefan Müller says:

    [gelöscht]

  26. 26
    nona says:

    (Gerade Stefans PDF-Essay in Ruhe gelesen. Ich hätte mir meinen Kommentar sparen können — irgendwie steht das alles auch bei ihm, nur besser und ausführlicher. Grmpf.)

    Mal dumm gefragt, weil ich mich mit solchen Sendungen nicht so auskenne: welche „vier Daily Soaps“ in der ARD sind denn gemeint? Ich glaube, ich komme bei einem flüchtigen Blick in mein Programmheftchen auf mehr, je nach angewendeten Kriterien. „Rote Rosen“, „In aller Freundschaft“, „Sturm der Liebe“, „Verbotene Liebe“, „Marienhof“. Dazu kommen regional gefärbte in ARD-Dritten wie z.B. „Dahoam ist Dahoam“ (BR), oder „Die Fallers“ falls das noch existiert. Weekly Soaps wie die „Lindenstrasse“ nicht mitgerechnet.

  27. 27
    Stefan says:

    @nona: „In aller Freundschaft“ ist auch weekly, und ich habe nur die im Ersten gezählt.

    @Andreas: Die von letzter Woche ist die aktuelle.

  28. 28
    Stefan says:

    (Der Sender, den ich ebenso konsequent wie falsch „Hessen Fernsehen“ nenne, heißt übrigens seit mehreren Jahren hr-Fernsehen. Vielleicht sollte ich das einfach mal 100-mal hinschreiben, um es nicht wieder falsch zu machen. Ist ja peinlich, sowas.)

  29. 29
    anita says:

    Manchmal bedaure ich es, seit Jahren keinen Fernseher zu besitzen. Ich hab keinen Plan, worueber gelaestert wird.
    Es macht einfach keinen Spass, wenn die Leute staendig uebers Fernsehen motzen und ich mir kein eigenes Urteil bilden kann.
    Ist es wirklich schlimmer als damals[tm] als ich noch einen Fernseher hatte? [ca. 8 Jahre her]

  30. 30
    Stefan W. says:

    Einen besseren Titel als KDD hätte man für KDD kaum finden können. 

    Die spröde Sachlichkeit kommt im Titel zur Geltung, die Modernität. Für die DSDS-Sager liegt die Abkürzung auf der Hand, die an KDW erinnert, und so auf den Ort der Handlung weist. 

    Was wäre denn als Titel besser gewesen? Nachnamenmarketing wie Lanz ermittelt? Kommissar Kerner? Kuschelkrypto wie CSI, xy24? Anglizismen? 

    Zum Glück kommt die Werbung im TV vornehmlich zu den Zeiten, da auch der Schrott flimmert.
    Frühstücksfernsehen gehört allerdings auch zu den Verblödungsformaten.

  31. 31
    Hofnarr Florian says:

    Dein Vorschlag am Ende des Essays auf Werbung in den Öffentlich-Rechtlichen zu verzichten ist richtig. Geld haben die Sender genug. Sie setzen es nur für die falschen Formate ein.

  32. 32
    jason says:

    Wie ein stinknormaler ör Sender sein Profil trotz aller berechtigten Kritik schärfen kann, zeigt der BR beispielsweise mit „Südwild“, „Quer“, „Aufgemerkt“, aber auch mit „Bürgerforum Live“. BR ist einer der wenigen ör Sender, die Altes bewahren und Neues frech ausprobieren. In den 80ern wurde eine Generation mit der Sendereihe „Live aus dem Schlachthof“ politisiert, vergleichbares hat sich nicht mehr wiederholt.

  33. 33
    Sebastian says:

    Das ÖR-Bashing hier in den Kommentaren ist man ja schon gewohnt. Aber von Dir, Stefan, bin ich eigentlich differenzierte Aussagen gewohnt. Man kann sehr viel kritisieren am öffentlich-rechtlichen Programm — und sollte das auch tun. Aber alle, die pauschal gleich nach Abschaffung der Gebühren oder Ähnlichem rufen, möchte ich ein Gedankenexperiment vorschlagen. Man stelle sich vor, es gäbe auf einen Schlag nur noch private Anbieter. Sämtliche ARD-Fernseh- und Hörfunksender werden abgeschaltet, ebenso ZDF, Deutschlandfunk usw. Es gäbe dann auch nur noch Hörfunk-Nachrichten von privaten Sendern, ohne das Korrespondeten-Netz der ARD. Auch im Fernsehen gäbe es nur noch die „Informationskompetenz“ der Privaten. Das alles müsste man sich immer mal wieder vor Augen führen — bei aller Kritik an negativen Tendenzen bei den Öffentlich-rechtlichen.

  34. 34
    Taskaf says:

    @Sebastian (33): Ich empfinde die Kommentare hier keineswegs als ÖR-Bashing, schau Dir mal im Gegensatz zu den durchaus konstruktiven Beiträgen mal an, was bei heise in den Foren abgeht, sobald eine Meldung eine der drei Reiz-Abkürzungen „ARD“, „ZDF“ oder „GEZ“ enthält — und wie auf diejenigen losgegangen wird, die sich für das duale System aussprechen …

    Dein Gedankenexperiment macht mir Angst, und zwar richtig.

  35. 35
    Karsten says:

    Mit einer gewissen Innensicht und Kenntnis: bei den Privaten sitzen zT ‚Kinder‘ als Entscheidungsträger, beim ÖR hingegen ‚Überlebenskünstler‘, die nur aufgrund perfekter Vernetzung aka Seilschaften ihre Plätze behaupten. 

    Und diese sollen nun qualifiziert sein für ‚gutes‘ Fernsehen? Hier wird doch nicht für den Sender, erst Recht nicht für den Zuschauer entschieden — Hauptsach‘, nach dem Flopp bekomm‘ ich noch alle Bezüge, incl Weihnachtsgeld.

    Der Apparat der ÖR wird immer gigantischer — es bedarf aber eines einzigen Mutigen, der sich traut zu sagen: Das wird gut, das kann ich mir vorstellen, das ist eine Idee, ich verstehe das Konzept.

    Phantasie und konzeptionelle Intelligenz (=fachliche Qualifikation) — wo findet man die bei den Sendern?

    Nummer Sicher kann jeder …
    Viel Geld zementiert den Status Quo.
    Schade, denn gerade im ÖR gäbe es genug Platz und Möglichkeiten zu probieren und zu wagen.

  36. 36
    Christina says:

    @33:
    Vielleicht liest Du mal den Artikel, der hier eigentlich diskutiert wird? Von Gebührenabschaffung ist da überhaupt nicht die Rede, und „gebasht“ wird auch nicht mehr als nötig.

  37. 37
    Andi says:

    Ich kann diese Forderungen nach Werbefreiheit immer nicht so nachvollziehen. Für Leute, die ihrer Arbeit tagsüber nachgehen, und abends einschalten, sind die Öffentlichen sowieso Werbefrei. Und wenn ich dann doch mal am Vorabend einschalte (also z.B. zu „Türkisch für Anfänger“), dann hat mich die Werbung nie so wirklich gestört, da sie ja nicht die Programm selbst unterbricht (also innerhalb einer Folge). Würde die Werbung wegfallen, würde das für mich nicht so den großen Qualitätssprung bedeuten. Und als Unterscheidungsmerkmal kann es auch nicht dienen, daß sich die ÖR von den Privaten schon jetzt in diesem Punkt unterscheiden. Es würden dadurch sicher nicht mehr Leute einschalten.

    Das ganze Gekeife wegen Daily-Soaps und Zoo-Dokus find ich auch etwas seltsam. Meine Güte! Mit irgendwas müssen die ihr Programm füllen und es ist ja wohl so, daß es die Leute interessiert, die Quoten sprechen ja dafür. Lieber Zoo-Doku als Gerichtsshow. Lieber Telenovela, als Manga-Action. Und für alle, die schon gerne nachmittags tiefergehende Dokumentationen möchten, gibts genug ÖR-Alternativen wie Arte, 3sat, Phoenix, BRalpha, etc. Und die sind eh schon werbefrei.

  38. 38
    Alberto Green says:

    @33: Sebastian? „Bashing?“ Oder wieder ein anderer Sebastian?

    @37: Wer keift denn hier? Und mit „lieber x als y“-Vergleichen gerät man ganz schnell zu Godwin’s Law.

  39. 39
    tov says:

    Sehr schöner Artikel Stefan! Und ich glaube nicht, dass du mit „gutem Programm“ Goethe und Shakespeare meinst, wie einige Kommentatoren das vielleicht verstanden haben. Bist ja schließlich nicht MRR. Aber eines noch: Das Wort „flausch“ solltest du dir markenrechtlich schützen lassen. Im Ernst!

  40. 40
    dot tilde dot says:

    @39 (tov):

    für so ziemlich alles, was weich ist und sich anfassen lässt, ist das leider zu spät. 

    .~

  41. 41
    Daniel says:

    Im Grunde kann man Stefans Analyse des ÖR nur zustimmen.
    Aber ganz ehrlich, ich wüsste nicht man das Programm in der Realität jetzt wirklich besser machen sollte. Auch die privaten spielen ja nicht Kopieranstalten weil sie das so super finde, sondern weil sie eben auch keine Ideen haben. Ein originelles, hochwertiges Format wuerde doch wohl jedem Sender bessere Quoten bescheren, aber es gibt sie trotzdem eigentlich nirgendwo.
    Und Der Essay macht ja auch deutlich, dass Quote und Qualität eben oft gegensätzliche Interessen sind. Wie kann man ein nicht-graubrotiges mehrheitsfähiges Programmangebot haben wenn Qualitätssendungen eben immer nur wenige Leute anschauen?
    Mal ganz davon abgesehen, dass „Qualität“ eben ein totales Gummikriterium ist. Ich persönlich gucke z.B. lieber ein Fall fuer zwei oder die x. Wdh. von Derrick als 24, CSI usw. Ganz im Ernst.

  42. 42
    TVJunkie says:

    @Ille: Es gab in den 60er Jahren auf der ARD die Sendung „Das Fernsehgericht tagt“.

  43. 43
    Alberto Green says:

    Ja, und mein Gerechtigkeitsgefühl wurde vom „Königlich Bayerischen Amtsgericht“ (ZDF) , das ich im fernsehlexikon immer noch vermissen muss, nachhaltig geprägt.

  44. 44
    Alberto Green says:

    Durchgestrichen sah die Passage „das ich im fernsehlexikon vermissen muss“ natürlich bedeutend weniger pampig aus. Der Befehl [s] reicht wohl nur für die Vorschau. :(

  45. 45
    Ille says:

    @ TVJunkie, 42: Danke für diese Information!
    @ Alberto Green, 43: Da geht es Ihnen wie mir. Hold und Salesch haben nie derart salomonische Urteile gefällt wie der Herr Rat.

  46. 47
    Alberto Green says:

    Ich bin gerührt. Danke.

  47. 48
    nona says:

    Gerührt, nicht geschüttelt.

  48. 49
    Stefan W. says:

    Ein lustiges Symptom der Debatte ist, daß als Beispiele für Qualität im Fernsehen Göthe und Shakespear genannt werden, und nicht Fernsehformate. (Wieso nicht Beethoven und Graubner?) 

    Entweder es gibt überhaupt kein qualitatives Fernsehen, oder es wäre zu peinlich, daß 90% der Beispiele dann doch wieder öffentliche Formate gewesen wären. :)

  49. 50
    The_Vanguard says:

    Das große Problem an der Fernsehqualitätsdebatte ist IMHO immer noch der, dass dieser Begriff in diesem Rahmen immer noch nicht eindeutig definiert wurde.
    Geht es hier jetzt um „Goethe und Schiller“? Bei denen hat sich in den letzten 100 Jahren so wenig getan, dass man damit kaum ein Vollprogramm stemmen kann. Wie lange kann sich die Masse schon auf den Lorbeeren einiger weniger ausruhen?
    Geht es um professionelle Serienware nach allen Regeln der Kunst a la CSI? Das ist für den Moment häufig nett, aber so schnell vergessen wie es konsumiert wurde. Wenn sich keiner daran erinnern kann was letze Woche los war, hat es dann wirklich eine Sendung gegeben?

    Je älter ich werde, desto mehr beschleicht mich der Verdacht, dass es ungefähr so sinnvoll ist nach Qualität in Medien zu fragen, wie nach human tötenden Waffen. Es ist zwar schön, wenn beides zusammen trifft, aber die Prioritäten liegen doch auf ganz anderem Gebiet.

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